Ausrüstung

Der Mountain Equipment Down Codex

29. August 2011

Kategorie

Sportart

Down Codex Logo

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Mountain Equipment ist bekannt als ein Hersteller hochwertiger Daunenprodukte wie beispielsweise Schlafsäcke oder Bekleidung. Daune überzeugt mit seinen natürlichen Eigenschaften und genialem Verhältnis von Gewicht und Isolationsleistung.

Es ist jedoch auch ein Rohstoff, der mit Verantwortung gewonnen werden muss. Mit dem „Down Codex“ hat Mountain Equipment jetzt ein richtungsweisendes Auditierungs-Verfahren ins Leben gerufen. Es soll die Herkunft der Daune transparent machen und sicherzustellen, dass die Daune aus artgerechter Tierhaltung stammt. Ich habe mir das Projekt etwas genauer angesehen.

Down Codex: in drei Schritten zur perfekten Daune

Bereits vor etwa drei Jahren hat Mountain Equipment das mehrstufige Projekt „Down Codex“ gestartet. Ziel war es von Beginn an, neben der Qualität der Daune auch noch ethische Aspekte wie Umwelt- und Tierschutz verstärkt zu forcieren. Da man sich bewusst war, dass dies nicht „von jetzt auf gleich“ umgesetzt werden kann, wurde ein dreistufiger Plan erstellt. Dieser gliedert die fortlaufenden Bemühungen um Verbesserungen entlang der Produktionskette sicher zu stellen:

  1. Aufstellung des Down-Codex
    Zunächst wurden Richtlinien aufgestellt, die Daunenlieferanten vorgegeben werden. Die Inhalte beschreibe ich weiter unten genauer.
  2. Kommunikation des Codex
    Dieses Regelwerk wurde den Lieferanten vorgestellt. Diese mussten dessen Einhaltung zustimmen, wenn sie weiterhin Daune für ME-Produkte liefern möchten.
  3. Überprüfung der Codex-Einhaltung
    In Zusammenarbeit mit dem IDFL (International Down and Feather Laboratory) als unabhängiger Partner wurde eine Auditierung getartet. Im Zuge dessen sowie durch fortlaufende Kontrolle soll sichergestellt werden, dass die Richtlinien eingehalten werden.

Inhalte des Down-Codex von Mountain Equipment

Im ersten Schritt wurde ein Codex erarbeitet und veröffentlicht. Er definiert den von Mountain Equipment erwarteten Prozess der Daunegewinnung. Wichtige Eckpunkte sind beispielsweise:

Down Codex

  • die Daune ist ein Nebenprodukt der Nahrungsmittel-Produktion (i.d.R. Fleisch- oder Eierproduktion)
  • Lebend- oder Mauserrupf sind ausgeschlossen – die Daune wird erst gewonnen, wenn die Tiere zuvor auf „ethisch korrekte Weise getötet“ wurden
  • keine Zwangsmästung der Tiere, die im Gegenzug Zugang zu natürlicher Nahrung und frischem Wasser haben müssen
  • artgerechte Haltung mit ausreichen Platz
  • Reinigung und Sortierung der Daunen erfolgt auf Wasserbasis und ohne den Einsatz von Lösungsmitteln
  • jede Charge des Rohstoffes wird durch das IDFL auf seine Qualität getestet

Weitere Details zum Down Codex und dem gesamten damit verbundenen Projekt hat Mountain Equipment in einem Dokument zusammengefasst, dass Ihr gerne einsehen könnt. Dort ist auch der Stand der Umsetzung (Stand Februar 2011) dokumentiert.

Der aktuelle Zwischenstand

Aktuell stammen laut dem Bericht von Mountain Equipment über die Hälfte der Daune aus Quellen, die vom IDFL vollständig geprüft und auditiert wurden. Genauer kann der aktuelle Stand wie folgt beschrieben werden:

  • Entenzucht für ME

    Entenzucht für ME

    Die 625er und 675er Daune, die in Schlafsäcken eingesetzt wird, entspricht bereits vollständig und durch das IDFL bestätigt den Anforderungen des Down Codex.

  • Die Auditierung der europäischen Gänsedauen mit 750 cuin (verwendet in Schlafsäcken und Bekleidung) wird aktuell durchgeführt. Im Vorfeld hat der Anbieter bereits erklärt, dass die Anforderungen des Down Codex erfüllt sind. Bestätigt das IDFL die Regeleinhaltung, sind weitere 25% der gesamt verarbeiteten Daune dem Codex entsprechend  gewonnen.
  • Die für Bekleidung verwendete 675er Daune (etwa 20% aller verarbeiteten Daunen) ist bislang nicht auditiert. Dies soll jeodch zeitnah, möglichst vor dem Produktionsstart für die Wintersaison 2011/2012, starten. Da die betreffenden Daunen aus dem gleichen Umfeld wie andere Lieferungen stammen, wird davon ausgegangen, dass der Codex bereits eingehalten wird. Zudem haben sich Mitarbeiter von Mountain Equipment bereits ein positives Bild von den Farmen machen können.

Wenn alles wie geplant läuft, sind alle Daunen-Quellen bis Ende dieses Jahres überprüft und entsprechen damit nachgewiesen dem Down Codex.

„Trace Your Down“-Projekt bereits gestartet

Um die Transparenz auch für den Endkunden in optimale Weise herzustellen, haben die Verantwortlichen bereits mit der Umsetzung des nächsten Schrittes begonnen. Hierzu soll jeder Artikel mit einem Code ausgestattet werden. Mit diesem können auf der Website zum Down Codex die folgenden Informationen aufgerufen werden:

  1. genaue Angaben zur Herkunft der Daune
  2. der IDFL-Prüfbericht zur produzierenden Farm
  3. der IDFL-Laborbericht mit Infos zu Fill Power und Zusammensetzung der Daune
  4. weitere Detailinfos zum Produkt und den verwendeten Materialien
Der Trace-Code

Der vorübergehende Trace-Code

Ab Sommer 2012 soll jedes Daunenprodukt von Mountain Equipment mit einem 12-stelligen Code ausgeliefert werden.

Wer einen Glacier, Helium, Dreamcatcher, Classic und Titan Schlafsack der 2011-Kollektion besitzt, kann bereit jetzt Infos zur Daunenherkunft erhalten: wenn dort (vgl. Foto) der Code „1007 SS11“ eingetragen ist, darf man davon ausgehen, dass die verwendete Daune in jedem Fall aus einem bereits zertifizierten Betrieb stammt.

Unser Fazit: Mountain Equipment geht mit gutem Beispiel voran

Thomas Strobl von Mountain Equipment fasst das Ziel des Projektes wie folgt zusammen:

Zwar hatten wir seit je her ein Auge auf die verantwortungsvolle Gewinnung unserer Daune. Dennoch sind wir stolz, als Erste in der Branche klar definierte Vorgaben und ein unabhängiges sowie transparentes Kontrollsystem geschaffen zu haben.

Und genau dieses Bestreben verdient in meinen Augen Anerkennung. Mountain Equipment geht über das Mittelmaß hinaus und investiert Zeit und Geld für einen möglichst verlässlichen und transparenten Prozess. Zwar beteuern i.d.R. fast alle Hersteller, dass sie ähnliche Bedingungen anstreben – in der Nachweisbarkeit hat ME aber wohl zunächst die Nase vorne.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mountain Equipment Vega Jacket Daunenjacke: heat is on sagte am 20. Oktober 2011 um 09:59 Uhr

    […] die Daune kommt, die man da trägt. Während einige Hersteller sich da gar nicht zu äußern, gibt Mountain Equipment ganz klar bekannt, woher die Daunen stammen. Und nicht nur, dass die von tot gerupften Gänsen stammen (was eigentlich Standard sein sollte), […]

  2. mike sagte am 13. September 2013 um 08:32 Uhr

    Den DOWN-CODEX find ich eine gute Sache, allerdings stell ich mir auch die Frage „Kann man sich darauf verlassen?“ oder handelt es sich um eine schlau ausgedachte Marketingstrategie!? Ich habe fast nur Ausrüstung von ME und bin sehr zufrieden damit, aber wieviele Unternehmen haben dieses oder jenes Gütesiegel, oder Verträge die dann doch nur „Pseudo“ sind, der Endverbraucher kann es ohnehin nit nachkontrollieren!?

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