Wer schreibt hier eigentlich? Der Bergfreunde Autoren-Check mit Stephan

5. Dezember 2018

Servus, mein Name ist Stephan und heute schreibe ich darüber, wie das so ist als Bergfreunde-Schreiber. Es war ja hier im Basislager-Blog immer gute Tradition, dass neue Bergfreunde im Interview portraitiert werden. Das läuft jetzt etwas anders: erstens bin ich nicht mehr ganz so neu und zweitens hat – soweit ich weiß – noch niemand sein Portrait hier selbst geschrieben. Ich frage mich, ob das eine Ehre ist oder Outsourcing… ;-)

Ich fand es jedenfalls cool als Basislager-Boss Jörn mir diese Vorstellungsrunde vorschlug. Doch da mein Lebenslauf Kurven, Sprünge und Loopings enthält, habe ich ihn um ein paar ordnende  „Interviewfragen“ gebeten. Die schaffen hoffentlich einen roten Faden entlang der Themen „Bergsport“ und „digitaler Nomade“.

Du fragst dich was zum Geier ein digitaler Nomade ist? Viehtreiber in einem Computerspiel? Nein, unter diesem Etikett fasst man die wachsende Zahl an Leuten zusammen, die für ihren Broterwerb nur ein Notebook und eine Internetverbindung brauchen. Und damit theoretisch von jedem „netzabgedeckten“ Winkel der Welt aus arbeiten können. So einer bin ich. Zumindest so halb, denn das ist etwas kompliziert. Vielleicht kann ich ja gleich noch etwas über das komplizierte digitale Nomadentum erzählen…

Das ist Basislager-Autor Stephan!

Dürfen wir vorstellen? Das ist Stephan – einer unserer Basislager-Autoren.

Erzähl erstmal unkompliziert in drei Sätzen, wer du bist…

Gegenfrage: Weißt du wer du im innersten Wesen wirklich bist? Nee? Kein Problem, klären wir im nächsten Selbstfindungsseminar. Hier erstmal Folgendes zu mir: Die meisten meiner Zeitgenossen beschreiben mich als einen eher zurückhaltenden, nachdenklichen Typen, der auch gern mal allein sein Ding durchzieht. Bei Bergtouren und Reisen stimmt das definitiv, ansonsten hängt das wohl hauptsächlich von der Tagesform ab.

Dein erster Kontakt mit den Bergfreunden?

Vor drei Jahren war das. Ich arbeitete zuvor schon als schreibender Freelancer und fühlte mich nicht mehr ganz zufrieden mit den Aufträgen und Themen, die ich hatte. Ich war bereit und reif, mal das Angestelltenleben zu versuchen. Also habe ich Bewerbungen verschickt. Allerdings nur zwei Stück und beide als Texter im Bereich Bergsport/Outdoor. Etwas anderes wollte ich als Vollzeitangestellter nicht machen. Leider hat es in beiden Fällen nicht für den Job gereicht. Oder sollte ich sagen zum Glück? Von den Bergfreunden kam nämlich stattdessen das Angebot als freier Produkttexter einzusteigen.

Was machst du hier genau?

Nach wie vor schreibe ich Produkttexte, also Beschreibungen neuer Produkte im Bergfreunde Shop sowie tabellarische Erfassungen von deren Attributen wie Material, Gewicht, Größen und Ausstattung. Manchmal ist das auch so trocken wie es sich liest ;-P

Vor einem Jahr kam dann coolerweise die Möglichkeit mit dem Basislager-Blog hinzu. Seitdem wechsle ich zwischen Produktbeschreibungen und Blog und das macht mir mehr Spaß als alle vorherigen Jobs.

Was qualifiziert dich hierfür? Wie sieht deine „bergsportliche Vita“ aus?

Mein Einstieg in die Berge war ein Buch namens „Unsere Alpen“, das mir als Achtjähriger in die Hände fiel. Die irgendwie märchenhaften Fotos darin zogen mich völlig in ihren Bann. Ich konnte kaum glauben, dass es solche großen und geheimnisvollen Dinger wie diese Berge tatsächlich gibt. Dazu kamen noch die tiefgründigen, poetischen Texte deren Aussagen einem Zweitklässler komplett unzugänglich sind, die aber dadurch umso faszinierender werden. Mittlerweile verstehe ich die Texte problemlos und die Bergfaszination ist geblieben.

Große Berge sind leider in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin, nicht gerade um die Ecke. Erst während der Unizeit bin ich bergmäßig richtig zum Zug gekommen. Von Anfang an waren klassische Hochtouren mein Hauptding; hier laufen alle Fäden von Bergerlebnis und Bergsport zusammen.

Das Buch 'Unsere Alpen' hat die Bergfaszination bei Stephan ausgelöst.

Ein Buch löste in Stephan einst die Bergfaszination aus, die bis heute geblieben ist.

Ich kann mich aber auch für Wanderungen, Waldläufe, Klettern und Bouldern begeistern. Und für ziemlich viele Gegenden dieser Welt. Hauptsächlich war ich bisher in der Schweiz auf diversen Hörnern unterwegs, auf dem einen oder Wintertrip nach Südeuropa oder Patagonien und zuletzt auf einem wetterbedingt ziemlich kurzen Sommertrekkingversuch in Norwegen. Dazwischen liegen viele Schwarzwaldgipfel und Felsen rund um Freiburg.

Jetzt bin ich zwar als Alpinist eher durchschnittlich und als Kletterer eher mäßig veranlagt, doch dafür verbinde ich das Ganze mit einer flotten Schreibe und der Lust am Reflektieren und Fabulieren.

Außerdem habe ich bei Bergen, leider ausschließlich bei Bergen, ein quasi fotografisches Gedächtnis. Aussehen, Name und Höhe bleiben fast immer hängen, auch wenn ich nur einmal ein Foto gesehen habe. Meine so erworbenen Fachkenntnisse gebe ich auf Tour und beim Panoramagucken stets ungefragt weiter. Mein langjähriger Tourenkumpel nannte das mal Inselbegabung. Was immer es auch ist, sein Nutzen im richtigen Leben pendelt etwa bei „Nagel im Kopf“ ein, aber für einen Bergschreiberling passt es doch ganz gut, oder?

Welche Ziele hast du? Was steht auf deiner Bucket-List?

Bei sehr vielen Fotos und Filmen von Gipfeln, Touren und Landschaften kommt in meinem Bauch so ein Ziehen auf, das mir sagt: „Boah geil, da will ich hin“. Das spüre ich vor allem bei den Namen Aiguille du Dru und Aiguille Noire de Peuterey. Das sind zwei Wahnsinnsgipfel im Montblanc-Gebiet, die für extreme Routen bekannt sind. In denen würde ich wohl nicht einmal vom Boden abheben, doch zum Glück gibt’s da auch „Normalwege“, die „nur“ Vierer sind. Die sehe ich als Must-do-Traumziele für die nächsten Jahre. Ansonsten hält die Bucketlist noch Gucken und Staunen in Nepal, Pakistan-Karakorum und Peru-Bolivien bereit.

Aber weißt du was? Mein wirkliches Ziel ist Bucket-Listen überflüssig zu machen. Und stattdessen in dem Seinsmodus zu verweilen, mit dem man auch die kleinsten Dinge am Wegrand als die Wunder sehen kann, die sie eigentlich sind. Also das ist dieses Erleben der Welt wie es kleine Kinder haben, mit dem Unterschied, das bewusst wahrzunehmen. Da ist dann das Grasbüschel oder das Loch in der Zaunlatte nicht weniger sehenswert als der Everestgipfel. Diese andere Wahrnehmung steckt glaube ich hinter dem zur Zeit arg strapazierten Wort Achtsamkeit. Sie soll ja ein bisschen tricky, aber gar nicht sooo schwer sein. Bis das Bewusstsein soweit geschärft ist, mache ich mal mit der Bucketlist weiter…

Für die Gipfel wirst du gutes Equipment brauchen. Verrat uns doch mal deine Lieblingsmarken – und warum sie es sind

Bei Klamotten stehe ich auf Patagonia. Mir reicht schon der Firmenname als Kaufargument, aber es gibt auch vernünftige Gründe. Die Firmenphilosophie ist super, der Firmengründer als wilder Hund und coole Socke glaubwürdig und die Sachen tragen sich super. Auch halten meine eigenen Patagonia-Teile schon ewig. Außerdem finde ich die Preise angesichts der guten Nachhaltigkeitsansätze sehr vernünftig.

Stephans Geheimtipp: Die Rucksäcke der Firma Bach.

Stephans Empfehlung: Die Rucksäcke der Firma Bach.

Vaude finde ich aus ähnlichen Gründen ebenfalls richtig gut. Die stellen neben Klamotten eine riesen Bandbreite an Ausrüstung her, auf deren Qualitätsniveau ich vorbehaltlos vertraue. Dabei bieten sie das vielleicht höchste Nachhaltigkeitslevel aller Anbieter überhaupt UND gefallen mir ebenfalls mit den erstaunlich moderaten Preisen.

Eine kleine Spezialempfehlung habe ich bei den Rucksäcken: Schau dir mal die Firma mit dem unscheinbaren Namen Bach an. Bach-Rucksäcke sind super-duper-robust, kommen fast ohne jeden Schnickschnack aus und lassen sich sehr gut an die individuelle Oberkörperform anpassen. Meinen 30-Liter-Daypack von Bach vermisse ich jedenfalls immer noch, obwohl es fast zwei Jahre her ist, seit er geklaut wurde…

Zurück zum Thema digitaler Nomade: Wie lebt es sich als solcher? Was sind die Vor- und Nachteile?

Als digitaler Nomade lebt es sich ganz nett und die Vorteile liegen auf der Hand: Im nasskalten deutschen Winter Caipi schlürfen am Strand von Koh Samui und Piña Colada im Dschungel von Costa Rica. Ansonsten zwischen Nepal, Alaska und Feuerland herumdüsen. Zwischendurch den Rechner aus dem Rucksack holen und in der Hängematte, im Bus oder im wuseligen Straßencafe n bisschen Geld verdienen. Um die Energie hochzuhalten, gibt es regelmäßig Yogaretreats mit Smoothie-Fastenkur auf Bali. Dann ab und zu auf Konferenzen wie der DNX netzwerkeln und irgendwas mit Coaching machen.

Die Erwartung wie digitale Nomaden leben.

So lebt es sich also, als digitaler Nomade…

Okay, das war jetzt ein Klischee-Lifestyle, den ich aus Eindrücken in der Blogo- und Facebook-Sphäre zusammengezimmert habe. In meinem Fall ist der Nomadenanteil am Digitalen Nomaden deutlich überschaubarer, denn über drei Monate Berge und Reisen pro Jahr bin ich noch nicht hinausgekommen. Das ist zwar immer noch deutlich länger als der Durchschnittsangestellte, läuft aber dafür auch auf einem eher bescheidenen Komfortniveau ab.

Denn – und damit wäre ich beim Hauptnachteil – ich mache kein Vermögen hier. Allerdings zelte ich als Outdoorer und Bergfreund sowieso gerne und brauche auch nicht ständig den städtischen Komfort und Luxus. Und außerdem bin ich in Sachen Lebensführung ein großer Fan des KISS-Prinzips: Keep It Simple, Stupid!

Als Hauptvorteil des „Nomadentums“ sehe ich die freie Zeiteinteilung und Tagesgestaltung – und das sieben Tage die Woche. Es gibt keinerlei Vorschriften und manchmal noch nicht einmal genaue Abgabefristen. Keine Zäune zu haben bedeutet aber auch: keine Leitplanken, keine Führung, kein liebevoller Arschtritt bei Bocklosigkeit. Geregelte Zukunftsvorsorge gehört ebenfalls nicht zu den Stärken meines Modells.

Wer Sicherheit und Kontinuität als Priorität sieht und die Finanzen noch nicht per Lottogewinn, Erbschaft oder Pferdewetten in trockenen Tüchern hat, wird hier folgerichtig auch eher einen weiteren Nachteil sehen. Am besten kultiviert man als digitaler Nomade einen stabilen Optimismus und einen gesunden Lebensstil, mit dem man möglichst bis ins hohe Alter nicht arbeitsunfähig wird :-)

Kann man in der freiberuflichen Schreiberzunft überhaupt „richtig Kohle scheffeln“?

Klar, man kann Bestsellerautor oder Starjournalist werden. Ansonsten bleiben folgende zwei Möglichkeiten:

  1. Wahllos jeden Auftrag von irgendwelchen Jobbörsen und Contentmühlen annehmen und tippen, bis die Tastatur qualmt. Dank der lächerlichen Bezahlung auf diesem Massenmarkt wird man den Schreibtisch nur noch zum Schlafen verlassen.
  2. Das Schreiben als erfolgreiches Business in der eigenen Nische aufziehen und zahlungskräftigen Kunden für maßgeschneiderten Service dicke Rechnungen schreiben. Das erfordert im Normalfall einige Monate bis Jahre an unternehmerischer Vorarbeit und funktioniert selten ohne Social-Media-Affinität mit reichlich Neigung zu Eigenmarketing und Selbstdarstellung. Letzteres ist ganz wertfrei gemeint, weil ganz ohne Rampensau-DNA ist es als Einsteiger ohne Kontakte und Netzwerke sehr unwahrscheinlich aus der Masse hervorzustechen.
Der Outdoor- und Bergblogger Stephan.

Für uns ist Stephan auf jeden Fall ein erfolgreicher Outdoor- Blogger.

Die bekannten und erfolgreichen Berg- und Outdoorblogger haben überwiegend solch ein Business aufgezogen und betreiben eine breite Mischung an Aktivitäten. Neben den (hoffentlich spannenden) Geschichten über ihre Touren verfassen sie Tipps und Anleitungen für Nachahmer, erstellen Ausrüstungs-Testberichte, machen Promotionen für Tourismusregionen, halten Vorträge und betreiben Affiliate-Marketing von Wanderführern, Bildbänden und anderen Produkten.

Was mich etwas wundert ist, dass noch niemand auf den Selbstoptimierungs-Zug aufgesprungen ist und seinem Publikum Workshops anbietet, damit dieses „sein geilstes Leben leben“ und „die beste Version von sich selbst kreieren“ kann…

Was mich betrifft, lassen die Rampensaufähigkeiten noch zu wünschen übrig und die Lust auf anonyme Fließbandtexterei hält sich arg in Grenzen. Deshalb setze ich auch weiter auf den Mittelweg der langfristigen Zusammenarbeit mit wenigen vertrauenswürdigen Special-Interest Medien und Kunden. So Läden wie den Bergfreunden eben ;-)

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