DAS ZWIEBELPRINZIP – Schicht für Schicht umgesetzt

8. Februar 2021

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Wenn die Temperaturen schwanken, der Regen kommt und geht und körperliche Aktivitäten wechseln, gerät der Körper schnell vom Frieren ins Schwitzen und wieder zurück. Es sei denn, man ist eingekleidet wie eine Zwiebel – in mehreren passend zueinander angeordneten Schichten. Von diesem Zwiebelprinzip beim richtigen Einkleiden hat jeder irgendwo schonmal gehört. Und natürlich war es auch hier im Blog schon Thema, Bergfreundin Wiebke hatte sich der Sache angenommen. Allerdings ist das schon ein paar Jährchen her und wir haben damals auch eine Fortsetzung angekündigt. Die trifft hiermit nach dem Motto „besser spät als nie“ ein :-)

Kaufberatung Expeditionsbekleidung

Vom Baselayer über das Midlayer bis hin zum Außenlayer.

Im damaligen Artikel ging es um Sinn, Funktionsweise und allgemeine Grundlagen des Zwiebelprinzips. Feinheiten und Spezialfälle konnten in diesem Rahmen nicht behandelt werden, denn, wie Wiebke im hier nochmal nachzuschlagenden Artikel schrieb:

Im Grunde könnte man für jede Disziplin einen eigenen Artikel schreiben, um bei diesem Thema ansatzweise ausführlich genug zu sein. Das hat dann aber wiederum das Problem, dass sich die Disziplinen doch nicht so leicht von einander abgrenzen lassen und dann beginnt das Problem wieder von vorne.“

Damit waren schon einige Herausforderungen für die gelungene Umsetzung des Prinzips angeschnitten. In der Folge sollte es dann um die konkrete Umsetzung gehen – bei der all die kleinen Hindernisse möglichst elegant umschifft werden.

Eines dieser Hindernisse ist, dass es kein Patentrezept für den gesamten Berg- und Outdoorsport gibt, sondern, dass man eigentlich seine Bekleidung je nach Spezialdisziplin unterschiedliche zusammensetzen müsste. Das kann und will natürlich kaum jemand leisten. Was aber auch kein Problem ist, da die meisten Bergfreunde sowieso „nur“ eine oder zwei der genannten Disziplinen regelmäßig ausüben und dementsprechend mit einem oder zwei Standardoutfits ausreichend eingedeckt sind.

Schauen wir uns also einige Disziplinen beispielhaft an und versuchen, ein jeweils passendes Layering-Setup zusammenzustellen. Was leider auch wieder nur annäherungsweise „passen“ kann, weil jedeR BergfreundIn einen anderen Körperbau hat. Und weil ich mich hier auf Männervarianten beschränke, da ich hier wohl abzuschätzen, was für den Durchschnitt etwa passt. Vielleicht mag ja eine Bergfreundin noch einen weiteren Fortsetzungsartikel mit Beispiel-Setups für Frauen schreiben …

Auch bleibe ich hier bei wenigen „Mainstreamdisziplinen“ des Outdoorsports, denn wenn man von Expeditionen bis zu Alpinklettern und Wüstendurchquerungen jede Spezialität abdecken will, sprengt man ebenfalls jeden Rahmen.

Wir bleiben hier bei den grundlegenden, großen Kleidungsstücken, die Rumpf, Arme und Beine abdecken. Mütze, Handschuhe oder Gamaschen werden ohnehin „einfach so“ getragen. Dass alle hier vorgeschlagenen Klamotten-Kombos in eurem Lieblingsbergshop erhältlich sind, ist natürlich nur Zufall ;-)

Jede Sportart hat ihr optimales „Layering“

Bevor wir die optimale Zwiebel-Mischung für die nächste Outdoor-Action aus dem Schrank fischen, sollten wir überlegen, welche Anforderungen unsere Disziplin an das Gewebe stellt. Erstmal wären da die allgemeinen Anforderungen: wir wollen möglichst wenig schwitzen und möglichst wenig frieren. Hinzu kommen einige weniger elementare, aber für das Erlebnis und den Genuss entscheidende Faktoren.

So soll unsere Kleidermischung möglichst wenig stinken, kratzen oder jucken. Dann sollen sie auch noch möglichst wenig wiegen und möglichst wenig Platz im Rucksack wegnehmen. Und als ob das noch nicht genug wäre, sollten auch Größe und Schnitt der einzelnen Lagen zueinander passen und sich ohne Druck- oder Reibestellen zusammenfügen. Dieser Punkt ist etwas schwierig umzusetzen, da man sich in aller Regel nicht den kompletten Satz Kleidung auf einmal kauft, sondern meist nur das Teil, das gerade fehlt.

3, 4, 5? Wie viele Schichten überhaupt?

Das Minimum fürs funktionieren des Zwiebelprinzips sind drei Schichten, das praktikable Maximum dürfte bei fünf liegen. Ab dann wird’s nämlich langsam umständlich: Es passt nicht mehr alles zueinander, manches rutscht aufeinander herum, flatternde Zwischenräume stören, anderswo zieht und spannt es. Das wird umso störender, je intensiver man sich bewegt.

Aber: Die eine oder andere Extraschicht kann auch Vorteile bringen: so trocknen viele dünne Schichten schneller als wenige Dicke. Auch kann man ein dünnes Teil problemlos zwischendurch waschen oder zur Gewichtseinsparung in der Hütte zurücklassen, ohne sich gleich halbnackt am Viertausender zu fühlen. Da diese Vorteile umso mehr zum Tragen kommen, je länger eine Tour dauert, kann man als Kurzformel zusammenfassen: je länger die Tour, desto wichtiger werden die Vorteile eines „Viele dünne Lagen Konzepts“.

Kurz, es ist wie immer, die schnelle Fertiglösung gibt es nicht. Man muss von Fall zu Fall, von Tour zu Tour abwägen. Wer alles optimal abdecken will, braucht fünf Lagen an guter Funktionskleidung und zusätzlich jeweils eine robuste und dicke Baselayer, Midlayer und Hardshell. Dann lässt sich je nach Sportart beliebig variieren und je nach Bedarf auf 3-, 4- oder 5-Schicht-System „umsteigen“.

Damit zu den konkreten Vorschlägen, gegliedert nach den Haupt-Sportarten, die wir Bergfreunde gern ausüben. Alle Teile sind im Größe M und wenn möglich mittlerer Passform ausgesucht. Zusätzlich gibt es noch einige Hinweise, auf welche Besonderheiten bei den jeweiligen Sportarten zu achten ist.

Hochtour:

Baselayer:

Hose:

Kunstfaser:

Merino:

Mittlere Lage(n):
ohne Isolierung:

mit Isolierung:

mit Isolierung und Kapuze:

(normalerweise „beißt“ sich eine Kapuze in der mittleren Schicht mit der Kapuze der Hardshell, doch dafür kann die Midlayer die Hardshell gelegentlich ersetzen)

Hose (nur bei extremer Kälte notwendig):

Außenlage/Hardshell, 3-lagig:

günstiger:

Hose:

weiter Schnitt, günstiger:

klassischer Schnitt, teurer:

Worauf ist zu achten?

Äußere Bedingungen und Besonderheiten:

Kälte, wegen der dünneren Luft oft trockene Kälte, Wind stärker als im Tal, Nässeschutz wichtig – zwar nicht mehr Regen als „unten“, aber Auskühlung hat ernstere Auswirkungen. Sehr schnelle und intensive Wechsel von Temperatur und Wetter möglich – deshalb sollte alles leicht handzuhaben sein, also beispielsweise keine umständlichen Knopfleisten und Schnürungen. Egal wie lang die Tour – geringes Gewicht wird meist angestrebt, deshalb möglichst wenig Klamottenwechsel – sollten also Schmutz, Schweiß und Mief aushalten können.

Körperliche Anforderungen und Besonderheiten: sehr viel Bewegungsspielraum gefordert, selbst bei reinen „Gletscherhatschern“. Denn es wird nicht nur gelaufen und gestiegen, sondern auch mit dem Material hantiert, Steigeisen in irgendwelchen engen Nischen oder kleinen Absätzen angezogen auf engstem Raum. Wenn dann die Klamotten spannen oder verrutschen, ist das nervig. Deshalb ist Stretchmaterial sehr angenehm. Besser etwas enger und elastisch als weit, denn das flattert herum und bleibt hängen.

Ins Thema „Kleidung auf Hochtour“ kannst du dich übrigens hier im Basislager weiter vertiefen.

Trekking/Wandern

Baselayer:

wintertaugliches Komplettset mit Hose:

Kunstfaseroberteil mit Polygiene, günstiger als Merino:

Mittlere Lage(n):

isolierend:

Hose (nur bei extremer Kälte oder im Winter notwendig):

Außenlage/Hardshell:
klassische Lösung:

Daunen-Hardshell für winterliche Bedingungen:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Hier gilt ähnliches wie bei Hochtouren, nur dass es im Normalfall eine Stufe „entspannter“ und weniger ernsthaft zugeht. Gleiches gilt für den Unterschied zwischen Trekking und Wandern – auch hier gibt es ein Gefälle. Nicht nur hinsichtlich Länge der Touren, sondern auch hinsichtlich der extremeren und schneller wechselnden Bedingungen beim Trekking. Es müssen öfter mal Kleidungsstücke gewaschen und getrocknet werden. Deshalb sollte man beim Trekking lieber mehr und dünnere Kleidungsstücke als wenige dicke Schichten tragen. Und die Kleidung muss deutlich mehr aushalten als ein Wanderoutfit.

Skitour

Baselayer:

mit Flachnähten:

mit RV und Stehkragen:

Hose:
elastisch, mit Zwickel:

Mittlere Lage(n):
isolierend:

isolierend, mit Kapuze:

günstig, als zusätzliche Midlayer geeignet:

Hose:

Außenlage/Hardshell:

Hose:
mit Hosenträgern, nicht wasserdicht, günstig:

High-End-Lösung, tiefschneetauglich:

Worauf ist zu achten?

Auch hier bestehen im Anforderungsprofil nur kleine Unterschiede zur Hochtour. Die Temperaturen gehen noch tiefer in den Keller und die Abfahrt vom Berg erfordert zusätzlichen Windschutz. Schwitzen ist außer bei steilen und anspruchsvollen Touren nicht das Hauptthema. Auf das An- und Ablegen von Klamotten während der Tour hat man im Winter noch weniger Lust als im Sommer. Deshalb sind eher wenige Lagen angenehm.

Trailrunning

Baselayer:

Kunstfaser-Komplettset für kalte Tage:

Oberteil mit Merinowolle:

Mittlere Lage(n):

Hose:
winddicht, gerunchshemmend:

Außenlage/Hardshell:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Hose:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Worauf ist zu achten?

Hier ist maximale Atmungsaktivität gefragt, während Kälte und Wind eher untergeordnete Faktoren sind. So lange man in Bewegung bleibt. Die entscheidende Frage ist, ob man nach dem Lauf schnell ins Warme kommt oder noch für längere Zeit draußen/oben am Berg verweilt. Im Normalfall wird jedenfalls eine dünne Isolationsschicht und eine leichte Hardshell reichen. Das Motto heißt „Leicht und aerodynamisch“.

Klettern/Bouldern

Baselayer:

Kunstfaser-Merino-Mix, Langarm:

Hose:

Mittlere Lage(n):

Hose:
für Bouldern, Halle, Sportklettern:

Außenlage/Hardshell:
Helmtauglich, fürs Alpinklettern:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Während bei den anderen Disziplinen oft kontinuierliche, gleichmäßige Bewegungsphasen vorherrschen, hat man hier oftmals ein Stop and Go mit abwechselnd sehr intensiver und dann wieder sehr geringer Bewegungsaktivität. Je nachdem wie lang und schwierig die Klettertour ist, ergeben sich unterschiedlich lange bewegungsarme Phasen beim Sichern und an den Standplätzen.

Ein typisches Szenario: gerade noch haben athletische Züge in der sonnenbeschienenen Felswand für fette Schweißperlen gesorgt, jetzt steht man wenige Meter oberhalb am Standplatz im Schatten und es kommt Wind auf. Jetzt sollte im Idealfall eine einzelne ausreichend dicke Isolierschicht griffbereit sein. So ein Daunen- oder Kunstfaserjäckchen ist in der Regel auch automatisch guten Windschutz, auch wenn nicht explizit Windstopper oder ähnliches verarbeitet ist. Sich mehrere dünne Lagen umständlich und zeitraubend überzustreifen, ist angesichts von wenig Platz und oftmals auch engem Zeitplan nicht die Ideallösung.

Beim Bouldern kann man all diese Überlegungen recht entspannt angehen, denn man ist in der Regel nicht weit vom nächsten Hotelzimmer, Zelt oder Wohnmobil entfernt. Man ist auch eher selten heftigen Wechseln der Wetter- und Außenbedingungen ausgesetzt. Auf Beweglichkeit kommt es hingegen sehr stark an, weshalb sich hier eher wenige Lagen empfehlen.

Bike

Baselayer:

Kunstfaser:

Merino:

Hose:
Kunstfaser:

Mittlere Lage(n):

Außenlage/Hardshell:

Hose:
vielseitig, günstig:

sportlich, aerodynamisch:

Worauf ist zu achten?

Zunächst einmal könnte man hier diverse Unterdisziplinen wie Mountainbike, Rennrad, usw. berücksichtigen. Bleiben wir beim vielseitigen Standardszenario, in dem wir mit dem Bike zum Berg fahren. Dabei geht es mal über Landstraßen, mal über unbefestigte Wege, ohne dass es zu extremem Bergauf oder Bergab kommt. Dann bleiben der Windschutz und die Flexibilität bei aerodynamischer Passform als wichtigste spezifische Anforderung an die Bekleidung über. Mit einer Gore Windstopper Membran ist man auf dem Bike immer auf der sicheren Seite.

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