Tipps und Tricks

Das Zwiebelprinzip – Schwitzen ist unerwünscht

27. Oktober 2013

Sportart

Gut geschichtet ist ...

Gut geschichtet ist …

Das Zwiebelprinzip ist schon lange bekannt und wahrscheinlich hat jeder schon mal davon gehört und wendet es vielleicht auch selber bewusst oder unbewusst an.

Aber warum ist es so wichtig, wie genau funktioniert es, worauf sollte man achten  und vor allem anderen, wer braucht es eigentlich? Ist es gleichermaßen empfehlenswert für den Herbstwanderer am Berg, wie für den Gassigeher in den heimischen Feldern und was gilt für Boulderer im Schnee?

Wir haben recherchiert und uns schlau gemacht und in unserer Erfahrungskiste gekramt. „Leider“ haben wir etwas viele Informationen gefunden, so dass ich den Artikel splitten muss. In Kürze gibt es dann noch einen zweiten Teil.

Über die Gefahren des Schwitzens

Angeblich gibt es bei den Inuit die Weisheit, man solle sich nur so schnell bewegen, dass man nicht ins Schwitzen kommt. Die Ursache ist nur zu logisch. Die traditionelle Bekleidung der Inuit besteht aus Tierhäuten und Fellen. Enorm warm und perfekt was ihre Isolationsfähigkeit angeht, die Atmungsfähigkeit ist aber leider nicht so hoch. Kommt der Inuit bei zu hoher Anstrengung ins Schwitzen, steht er recht schnell im eigenen „Saft“.

Schwitzen an sich ist ja nichts Schlimmes immerhin bedeutet es auch, dass einem schön mollig warm ist. Das gilt aber nur solange man sich in Bewegung befindet. Hört der Körper auf übermäßig Wärme zu produzieren oder übertrifft die von außen wirkende Kälte die eigene Wärmeproduktion, kühlt die Feuchtigkeit in Körpernähe aus. Diese Feuchtigkeit entzieht dem Körper Wärme und damit Energie. Schwitzen kann daher z.B. bei -30° C Umgebungstemperatur im blödsten Fall schnell lebensgefährlich werden.

Das Schwitzen verhindern

Das Ziel des Zwiebelprinzips ist immer zu verhindern, dass der Sportler zu viel Feuchtigkeit nahe beim Körper hat und somit schnell auskühlt. Dies kann mal über zweierlei Wege verhindern: entweder man schwitzt erst gar nicht, wie es die Inuit tun oder man sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit schnell abtransportiert wird. Warum man dafür mehrere Schichten braucht, seht Ihr gleich.

Das Wechselspiel

Trägt man mehrere dünne Schichten übereinander, lässt sich die Wärme in der Kleidung besser an die Witterungsbedingungen anpassen, da man in kleinen Schritten nachjustieren kann. Wird es einem etwas zu warm, kann man eine dünne Schicht ausziehen ohne gleich im T-Shirt im Wind zu stehen.

Jetzt währe ein dicker muggeliger Wollpulli schön

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Durch das An- und Ausziehen der einzelnen Schichten kann also die Temperatur in der Kleidung so „eingestellt“ werden, dass es dem Sportler zwar angenehm warm ist, er aber  nicht übermäßig schwitzt und über kurz oder lang im Saft steht.

Diese Form des Zwiebelprinzips funktioniert auch mit herkömmlichen nichtsynthetischen Materialen wie Baumwolle oder Merinowolle. Allerdings bedarf sie etwas Erfahrung über den eigenen Körper, da es hilfreich ist zu wissen wie der eigene Körper unter welchen Anstrengungen wie reagiert, sonst hat man schnell viel zu tun und ist laufend am An- und Ausziehen. Bei Regen kann das zudem ziemlich kompliziert bis unmöglich werden.

Vorteile: Geht auch mit herkömmlichen Materialien wie Baumwolle oder Wolle. Die riechen nicht so schnell und haben in Pausen ohne körperliche Aktivität eine höhere Wärmeleistung (das trifft nur auf Wolle und Daune zu).

Nachteile: Es braucht schon etwas Erfahrung. Je weniger Erfahrung, umso häufiger zieht man sich um.

Atmende Synthetikstoffe

Spricht man heute vom Zwiebelprinzip, ist zu meist diese Variante gemeint. Sie basiert auf der Fähigkeit moderner Outdoor-Klamotten Feuchtigkeit schnell vom Körper weg und nach außen zu tragen.

Auch hier trägt man mehrere Schichten übereinander, doch aufgrund ihrer Fähigkeit Feuchtigkeit zu transportieren, ist ein ständiges An- und Ausziehen nicht nötig. Kommt der Sportler ins Schwitzen, kann die ungeliebte Feuchtigkeit durch die Kleidung abtransportiert werden.

Weder Platz noch Zeit für häufiges Umziehen

Weder Platz noch Zeit für häufiges Umziehen

Damit dieses System funktioniert, müssen ein paar Dinge beachtet werden: alle Schichten müssen aus Funktionsmaterialien bestehen, da sonst der Abtransport der Feuchtigkeit gestört wird und schnell ein Feuchtigkeitsstau entsteht und das ganze System zunichte macht. Die erste Schicht am Körper muss recht nah anliegen damit die Textilien eine Chance erhalten die Feuchtigkeit aufzunehmen und weiterzugeben.

Bei dieser Version ist das Schwitzen also nicht so schlimm. Das ist besonders angenehm, wenn ein Umziehen wegen Gepäck, Witterung oder Tätigkeit schlecht ist.

Vorteile: Schwitzen (in Maßen) ist erlaubt und nicht schlimm. Besondere Erfahrung, wann der eigene Körper wie viel schwitzt, braucht es nicht. Synthetische Produkte sind meist recht leicht und trocknen sehr schnell. Auch hier lässt sich durch die verschiedenen Schichten die Temperatur regeln.

Nachteile: Synthetische Funktionskleidung fängt leider schnell an zu riechen. Außerdem hat sie nur eine mäßige Wärmeleistung, wenn der Sportler nicht selber ausreichend Wärme produziert, etwa bei der Brotzeit unterm Gipfelkreuz. Einzige Ausnahme ist hier die Merinowolle, sie ist verhältnismäßig leicht und, verglichen mit anderer Wolle, noch recht atmungsaktiv; speichert aber auch mehr Feuchtigkeit als reine Synthetik. Aber sie riecht praktisch gar nicht.

Und was nehm ich nun?

Für welche der beiden Varianten, also Synthetik oder nicht, man sich entscheidet, hängt wie immer davon ab was man vorhat (und was man schon alles im Schrank hat): Speedbegehung, Mehrseillängentour, Winterbouldern, Sommer oder Winter und wie kalt wird es eigentlich?

Aber welche Variante für wen wann in Frage kommt und wie die einzelnen Schichten dann aussehen, das erfahrt Ihr im zweiten Teil von „Das Zwiebelprinzip – Schwitzen nicht erwünscht“, den Ihr in Kürze hier im Basislager lesen könnt.

(Nachtrag vom 10.03.2015) Da inzwischen schon einige Nachfragen gekommen sind (siehe Kommentare): Wir hatten den ein oder anderen Ansatz den Artikel fortzusetzen, haben uns dann aber immer wieder dagegen entschieden. Der Grund war ganz einfach. Im ersten Artikel ließen sich die wichtigsten Fakten noch relativ einfach zusammenfassen, die folgenden Artikel sprengten entweder den Umfang oder es fehlten einfach zu viele wichtige Punkte und die Artikel wurden so halbgar.

Im Grunde müsste man für jede Disziplin einen eigenen Artikel schreiben, wenn man ansatzweise ausführlich genug sein möchte. Das hat dann aber wiederum das Problem, dass sich die Disziplinen doch nicht so leicht von einander abgrenzen lassen und dann beginnt das Problem wieder von vorne. Ich hoffe aber, dass unsere Artikel aus dem Bereich Kaufberatung diese Problem etwas abdeckt und einige offene Fragen beantwortet.

Mit anderen Worten: Vorerst gibt es keinen weiteren Artikel zum Thema Zwiebelprinzip.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tobi sagte am 29. Oktober 2013 um 08:11 Uhr

    Hey,

    ich habe den Artikel zum Zwiebelprinzip gelesen und war etwas irretiert. Im gesamten Artikel kommt die Stimmung auf als ob das Schwitzen an sich schlecht und wenn dann nur in dem eben nötigen Maß erlaubt ist. Das Schwitzen muss somit möglichst vermieden oder bekämpft werden. Darauf, dass Schwitzen auch eine Lebenserhaltende Maßnahme des Körpers und in erster Linie etwas positives ist, wird wie ich finde zu wenig eingegangen.
    Aber cool das ihr solche Beiträge auf eurer website habt und das ganze Zeug nicht einfach nur unter´s Volk bringt sonderen auch darüber hinaus beratet und Empfehlungen gebt. Macht weiter damit!

    Tobi

  2. Wiebke sagte am 29. Oktober 2013 um 08:56 Uhr

    Hallo Tobi,

    natürlich hast du Recht, Schwitzen ansich ist keine schlechte Sache und wenn der Körper überhitzt, ist es enorm wichtig, dass man Schwitzt und so dem Körper ausreichend Kühlung verschafft. So ist absolut davon abzuraten das Schwitzen aktiv zu bekämpfen, zum Beispiel in dem man weniger trinkt und so dem Körper die Möglichkeit nimmt Feuchtigkeit abzugeben und sich dadurch zu kühlen. Das sollte man auf keinen Fall tun, denn das kann schnell sehr gefährlich werden!!

    Unter gewissen Umständen kann aber Schwitzen tatsächlich negativ sein, zum Beispiel, wenn man bei sehr niedrigen Temperaturen unterwegs ist und nur über mäßig isolierende Kleidung verfügt, unter diesen Umständen ist es tatsächlich besser, wenn man durch die Bekleidung regulierend auf die Körpertemperatur oder den Feuchtigkeitsgehalt in der Kleidung einwirkt und somit verhindert, dass Körper überhaupt erst überhitzt und mit Schwitzen darauf reagiert oder der Schweiß die Kleidung durchnässt.

    Es hängt also wie immer von den Umständen ab und was man vorhat zu tun. Generell sollte man sich aber immer vor Augen führen, dass das Schwitzen eine physiologische Reaktion des Körpers und damit sehr wichtig ist.

    Aber freut mich zu hören, dass Dir der Artikel gefällt.

    Lieben Gruß
    Wiebke

  3. Juergen sagte am 29. Oktober 2014 um 13:23 Uhr

    Hallo Wiebke,

    wann kommt der angekuendigte zweite Teil dieses Blogs ?
    Mich interessiert vor allem, wie man welche Schichten ideal mit einander kombiniert.

    Juergen

  4. Stefano sagte am 6. März 2015 um 13:36 Uhr

    Hallo Wiebke!
    Wie schon mein Vorschreiber (Jürgen) fragte, wann kommt denn nun der zweite Teil zu diesem Thema?
    Ist ja schon ziemlich lange her, seit der letzten Veröffentlichung!!!
    Würde mich freuen und bin gespannt auf eine Fortsetzung zu Deinen intertessanten Ausführungen!
    Lieber Gruss Stefano

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