Bergfreunde

Carolin, unsere neue Stimme im Basislager

8. August 2013

Sportart

Unsere neue Kolumnistin Carolin

Unsere neue Kolumnistin Carolin

Da reicht eine Kundin einen Vorschlag für ein Gear of the Week ein. Und als ich ihr sage, dass dieses eine Produkt leider nicht geht, weil es ausverkauft ist, schreibt sie in einer halben Stunde ein neues. Da wurde ich natürlich stutzig. Und dann stellt sich heraus, dass sie zum Thema Bergsteigen promoviert. Aber das soll sie Euch lieber selber erklären.

Uns war auf jeden Fall klar, dass sie sicher so einiges interessantes zu erzählen hat. Und da sie auch noch einen sehr sympatischen Eindruck machte, gut schreiben kann und eine historische Perspektive in unserem Basislager ohnehin noch fehlte, haben wir ihr kurzerhand eine eigene Kolumne gegeben.

Und wie es bei den Bergfreunden üblich ist, haben wir ihr ein paar Fragen gestellt, damit Ihr wisst, wer hier in Zukunft noch so schreibt.

Hallo Carolin, bei uns ist es Tradition, dass sich jeder Bergfreund mit drei Sätzen kurz vorstellt. Also leg los:

Der Großvenediger im Sonnenschein

Der Großvenediger im Sonnenschein

Ich sammle Universitäten und Länder wie andere Briefmarken, zur Zeit die siebte Uni im fünften Land. Durch das viele Umziehen bin ich überzeugte Minimalistin geworden; ich besitze nur das, was ich wirklich brauche. Und bevor jemand Einspruch erhebt, ja, ich brauche acht Rucksäcke, vier Yogamatten und das gesamte Arc’teryx Jackensortiment!

Du schreibst zurzeit an Deiner Doktorarbeit. Was ist Dein Thema?

Ich schreibe eine transnationale Geschichte des Bergsteigens. Darin untersuche ich die globalen Netzwerke zwischen Bergsteigern, die sich seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts gebildet haben. Besonders interessiere ich mich für Kontakte zwischen Ost und West während des Kalten Krieges.

Wie bist Du auf das Thema gekommen? Hat es bisher gehalten, was Du Dir darunter versprochen hast?

Blitzidee unter der Dusche. Kein Scherz. Ich war überrascht, wie viel Material ich zu diesem Thema in den Archiven gefunden habe. Es ist selten, dass man eine Idee hat (unter der Dusche!) und sie nach einem Jahr Recherche immer noch durchführbar scheint.

Wie bist Du zu den Bergfreunden gekommen?

Dem Grinsen nach nur eine Übung

Dem Grinsen nach nur eine Übung

Ich war in Deutschland und brauchte schnell ein paar Klemmkeile für einen Kletterkurs. Das war meine erste Bestellung bei den Bergfreunden. Gebraucht habe ich sie dann doch nicht, noch nicht! (Ich habe mir immer geschworen, trad gear kaufe ich nicht, damit fange ich gar nicht erst an. Denkste…) Und dann habe ich eine Gear of the Week Review vorgeschlagen und in meiner E-Mail nebenbei erwähnt, dass ich eigentlich an was anderen arbeiten sollte. Irgendwie schien Marketingdame Wiebke ein Verständnis für akademische Prokrastination zu haben und bot mir gleich einen weiteren Grund an.

Worüber wirst Du in Deiner Kolumne schreiben?

Schnittstelle Wissenschaft und Bergwelt: eine bunte Mischung aus kuriosen, interessanten und historischen Geschichten rund um das Klettern und Bergsteigen. Anlass ist mal ein Archivfund oder eine persönliche Erfahrung. Und da mich nun mal transnationales interessiert, werde ich auch mal auf die unterschiedlichen Klettertraditionen eingehen, die sich rechts und links vom Atlantik herausgebildet haben.

Hat man während einer Doktorarbeit noch Zeit selber in die Berge zu gehen? Wenn ja, was sind Deine liebsten Disziplinen?

Ja, das lässt sich noch ganz gut einrichten. Ich würde gerne mehr in den Alpen klettern, Sport und Alpin, aber meine Kletterpartner sind leider alle weit weg in den USA. Ich brauche auch immer noch einen Aufpasser und Vorsteiger. Hüttentouren und Gletscherwanderungen mache ich aber auch gerne.

Du Promovierst in den USA. Wo bist Du dann in Deiner Freizeit hauptsächlich in den Bergen unterwegs? Was kannst Du empfehlen?

Auch in Kanada kann man Klettern

Auch in Kanada kann man Klettern

Am Wochenende bin ich meistens in den White Mountains von New Hampshire unterwegs. Etwas südlich davon, ungefähr drei Stunden Autofahrt von Boston entfernt, liegt das Sportklettergebiet Rumney. Das hat für jeden etwas zu bieten, egal ob Anfänger oder Experte. Colorado ist natürlich ein Paradies für alle Arten von Bergsport. Ein Geheimtip ist noch das Sportklettergebiet um den Lake Skaha in British Columbia. Toller Fels, Weingüter drumherum, und schon im Mai sehr warm. Klein aber fein. Das ist aber auch für mich eine halbe Weltreise.

Welches waren bisher Deine schönsten/spannendsten/eindrucksvollsten Touren?

Auf dem Gipfel des Großglockners

Auf dem Gipfel des Großglockners

Eindeutig der Großglockner. Was für ein Gefühl, bei aufgehender Sonne als erste Seilschaft des Tages auf dem Dach Österreichs zu stehen. Ich dachte, mir wachsen Flügel. Sind sie aber leider nicht, runterlatschen musste ich trotzdem.

Eine weitere Tradition bei den Bergfreunden: Wenn Du Dir jetzt drei Produkte aus unserem Sortiment aussuchen könntest, welche wären das?

Motto heute mal: Historiker-Hipster-Bergsteiger. Da packe ich einen Fjällräven Vintage 20l Tagesrucksack, schnüre den Evolv Cruzer Approach Schuh aus Segeltuch und stecke noch den Grivel Monte Bianco Eispickel mit Holzschaft ein. Total Retro!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Max sagte am 8. August 2013 um 20:31 Uhr

    Da kann man ja direkt neidisch werden. Bin auf die nächsten Beiträge gespannt :-)

  2. Dennis sagte am 15. August 2013 um 14:00 Uhr

    Freue mich schon auf die weiteren Beiträge von dir!

  3. Gipfelpit52 sagte am 20. August 2013 um 11:15 Uhr

    Hey Carolin,

    wäre ich 40 Jahre jünger – das wär’s auch für mich gewesen. Ganz nach
    dem Motto: „Träume leben – nicht Leben verträumen“ – super -> weiter so!

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