Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs Felsklettern

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs Felsklettern

13. Juni 2017

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Sportart

Die Erfindung der Klemmgeräte vom Typ Friend war eine der bahnbrechenden Neuerungen im Klettersport. Das war Ende der 60er- oder Anfang der 70er-Jahre, je nach Sichtweise. Es gab längst Kernmantelseile, außerdem die ersten Hüftgurte und Reibungskletterschuhe. In den USA wurde Cleanklettern populär. Allerdings war die Absicherung paralleler Felsrisse mit den verfügbaren Klemmkeilen und Hexentrics äußerst problematisch. Für diesen Einsatzzweck musste ein neues Gerät her. Der britische Hardware-Hersteller Wild Country brachte es 1978 unter dem Namen Friend auf dem Markt. Trotz aller anfänglicher Skepsis konnten sich die Friends schnell etablieren und wurden in der Folge immer weiter optimiert. 1987 war mit dem Camalot der kalifornischen Firma Chouinard Equipment (später Black Diamond) das erste 2-achsige Klemmgerät erhältlich. Basierend auf diesen Entwicklungen, deren Patente irgendwann ausgelaufen sind, stellen mittlerweile gut zehn Unternehmen eine insgesamt große Bandbreite an Klemmgeräten her.

Ein Erfahrungsbericht

Für uns Kletterer ist das große Angebot natürlich perfekt. Gleichzeitig ist es nicht leicht, sich auf ein Modell festzulegen – besonders, wenn dieses erst kürzlich auf den Markt kam oder bisher weniger verbreitet ist. Mit diesem Text will ich euch von meinen Erfahrungen mit verschiedenen Klemmgeräten – nennen wir sie besser Cams, das ist nicht so sperrig – berichten. Das kann euch bei einer Kaufentscheidung helfen, oder einfach beim Fachsimpeln. Seien wir ehrlich: das macht mindestens genauso viel Spaß wie das Legen der Cams! Damit der Text nicht vollkommen ausufert, muss ich meine Ausführungen etwas beschränken. Weitere Informationen zu den beschriebenen Produkten findet ihr im Shop und in den beiden Tabellen, die wir einem gerissenen Ringband und der damit verbundenen Kletterpause zu verdanken haben. Wenn ihr darüber hinaus noch etwas beitragen wollt, eigene Erfahrungen zum Beispiel, wäre das natürlich… awesome! Nützt die Kommentarfunktion!

Links zu den Übersichtstabellen (PDF) mit Spannweiten, Gewichten und Preise aller erwähnter Cams:

Tabelle Cams Camalot Gr. 0.3 – 6

Tabelle Microcams und Cams bis Camalot Gr. 2

Inhaltsverzeichnis

Was macht einen guten Cam aus? Und was darf er kosten?

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Die großen Geräte. Aktuelle Friends (oben) und Camalots C4 der Gr. 4 – 6

Zur ersten Fragestellung gäbe es viel zu erzählen. Um es kurz zu machen: Schaut euch den Black Diamond Camalot (C4) an. Warum? Weil er rundum gelungen ist, weil er verkörpert, was die allermeisten Kletterer von einem Cam erwarten. Es gibt aber durchaus auch Argumente für andere Modelle. Dies können technische Merkmale sein oder einfach der Preis. Cams sind teuer, die Preisunterschiede enorm. Günstige Varianten bekommt man ab ca. € 40,- pro Stück, die erwähnten Camalots kosten € 65,- und mehr, je nach Größe. Viele andere Geräte sind nochmals deutlich teurer. Die gute Nachricht ist: Auch die günstigen Modelle, beispielsweise vom tschechischen Hersteller Rock Empire, sind in aller Regel gut und werden in den meisten Situationen genauso halten wie die Top-Produkte. Andererseits: Bei kritischen Platzierungen können feine Unterschiede dann doch ausschlaggebend sein. Ich sehe die Sache so: Es ist keine Vernunftentscheidung, schlecht gesicherte Routen zu klettern – will ich einfach machen. Dafür will ich Ausrüstung, die mir das beste Gefühl vermittelt. Und außerdem will ich die besten Cams, weil ich sie einfach haben will. Die aus meiner Sicht interessantesten Modelle stelle ich euch im Folgenden vor.

Black Diamond Camalot (C4) und Camalot Ultralight

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Camalots C4 Gr. 0.3 – 3 (oben) im Vergleich mit Camalots der 2. Generation und Ultralight Camalots.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Camalot um ein Top-Produkt. Dass es vom selben Hersteller weitere Modelle gibt, hat aber dennoch seine Gründe: Die 2-achsige Konstruktion erlaubt keine ganz kleinen Größen, außerdem sind die Köpfe bei den vier kleinsten Größen (0.3 – 0.75) recht breit. In tiefen Rissen ist das gut, in seichten Rissen, in solchen, die nach außen aufgehen und in Löchern ist es nachteilig. Die Ultralight Camalots sind sensationell leicht, dank neuer Köpfe und eines Stegs mit Dyneema-Kern, der nur leider etwas steif ausfällt. Es sind die Klemmgeräte für High-End-Alpinismus bzw. für Leute, die besonderen Wert auf leichtes Material legen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Ich verwende sie für schwierige Hochtouren oder ähnliches, wo ein paar wenige Cams ausreichen.

Für mich ist es aber kein Teil für den täglichen Einsatz, unter anderem, weil hin und wieder Cams verloren- oder kaputtgehen. Mit Blick auf einen möglichen Verschleiß im Dauereinsatz vermute ich den Schwachpunkt bei den vergleichsweise dünnen Trigger-Zügen und den nur knapp 14 mm breiten und sehr dünnen Dyneema-Schlingen. Ein Erneuern dieser Teile durch den Hersteller ist zwar möglich, dafür müssen die betroffenen Cams allerdings in die USA geschickt werden. Alle anderen Modelle von BD haben deutlich massivere Schlingen, die nach meinen Erfahrungen sehr langlebig sind.

Black Diamond X4

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Camalots X4 Gr. 0.2 – 0.75 (oben) im Vergleich mit anderen Camalots.

Schmale Köpfe, sehr flexible und lange Stege sowie zwei kleinere Größen (Gr. 0.1 und 0.2) machen diese Variante der BD Cams interessant für schwierige Trad-Routen und Bigwalls, insbesondere im magmatischen/vulkanischen Gestein. Größe 0.4 bis 0.75 eignen sich auch perfekt für Felslöcher und unregelmäßige Risse im Kalk. Achtung: Die Größen 0.1 bis 0.3 mit „Stacked-Axle“-Achse dürfen nicht offen/passiv gelegt werden. Gr. 0.1 und 0.2 sind wie alle kleinen Cams bezüglich Bruchlast und Platzierungsmöglichkeiten mit Vorsicht zu genießen. Nach meinen Erfahrungen werden die X4-Cams im Vergleich zu anderen Cams schneller schwergängig, was bedeutet, dass sie öfters gereinigt und geschmiert werden müssen. Ansonsten sind die Cams sehr robust und langlebiger als z. B. Alien Cams – die dafür deutlich leichter sind.

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Camalots X4 Gr. 0.2 – 0.75 (rechts) im Vergleich mit Alien Revolution Cams

Bei Cam Gr. 0.4 bis 0.75 sind die Züge aus einer dünnen Kevlar-Reepschnur, was mit Blick auf die Haltbarkeit teilweise kritisch betrachtet wurde. Meines Wissens gibt es damit aber kaum Probleme, bzw. nicht mehr als mit Stahlzügen. Was bei dieser Konstruktion allerdings nicht so toll ist: Sind zwei Segmente geschlossen, sagen wir einmal die linken beiden, öffnen sich die rechten nur noch eingeschränkt. Bei etwas spezielleren Rissformen kann das relevant sein. Bei anderen Modellen, beispielsweise den Alien Revolution Cams, klappt dies bestens, wobei die Alien Evolution Cams die gleiche Schwäche aufweisen… Abschließend noch der Hinweis, dass es auch X4 Offset-Cams gibt, speziell für Risse, die sich nach außen öffnen. Ich hatte solche bisher nicht im Einsatz. Manche Bigwall-Kletterer schwören aber darauf.

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Camalots C3 Gr. 000 – 2

Black Diamond Camalot C3

Aktuell stellen nur BD und Metolius (Ultralight TCU, Ultralight Power Cam und Ultralight Master Cam) ganz, ganz kleine Cams her, für Rissbreiten unter 9 mm. Die kleinsten Größen sind dabei primär zur Fortbewegung gedacht. Wird weich gesichert, können sie aber auch kleinere Stürze halten. Die Ultralight Master Cams sehen gut aus: Für sie spricht der flexiblere Steg und die Konstruktion mit vier Segmenten. Cams mit vier Segmenten liegen im allgemeinen stabiler. Ich verwende dennoch die Black Diamond C3 Cams – hat sich irgendwie so ergeben. Sie sind jedenfalls sehr robust, haben äußerst schmale Köpfe und zudem höhere Bruchlastwerte als andere Modelle. Man muss nur penibel darauf achten, dass sie sich nicht asymmetrisch öffnen, also sich keines der äußeren Segmente ganz öffnet.

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Camalots C3 Gr. 2 Detailansicht

Also gute Platzierungen wählen und die Cams eher geschlossen legen, nicht zu weit geöffnet! Für die meisten Kletterer machen wohl nur die Größen 0 (grün, 7 kN) und 1 (rot, 10 kN) Sinn. Gr. 000 und 00 sind doch sehr windig und es ist schwierig, für diese Größen geeignete Placements zu finden. Gr. 2 ist quasi identisch mit Camalot (C4) Gr. 0.3.

DMM Dragon Cam und Dragon II

Bis die erste Generation Dragon Cams auf den Markt kam, hatte ich nur Camalots im Einsatz. Mit Blick auf Unternehmungen in Patagonien und Bigwalls, bei denen man doch immer wieder gut beladen unterwegs ist, bin ich dann auf die leichteren Dragon Cams umgestiegen. Allerdings nur bei den mittleren und großen Größen. Bei den kleinen Cams hat mich das Handling nicht überzeugt. Die Mittelstege fielen etwas kurz aus und die verlängerbare Schlinge machte die Sache auch nicht gerade besser. Ja, mit der verlängerbaren Schlinge kann man Exen sparen, aber sie können auch nerven, wenn mal wieder alles „verwurstelt“ ist.

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs FelskletternBei der Überarbeitung wurden dann die Köpfe neu designed. Die Segmente sind jetzt deutlich breiter. Bringt das Vorteile? Ich denke ja, insbesondere im eher weichen Sandstein, wie man ihn zum Beispiel im Pfälzer Wald oder im Zion Nationalpark (Utah) vorfindet. In diesem Zusammenhang interessant: Von Metolius gibt es mit dem Fatcam ein Klemmgerät speziell für weichen Fels, mit richtig breiten Segmenten. Ausgehend vom Vorgänger sind die Dragon II Cams leider wieder etwas schwerer geworden. Gewichtsmäßig liegen sie jetzt im Mittelfeld. Darüber hinaus wurde die Oberfläche der Segmente für mehr Grip am Fels aufwändig angefräst. Dies halte ich für hilfreich, besonders in Gebieten mit eher glattem Kalk oder glattem Basalt, wo es immer wieder Fälle gibt, in denen an sich gut gelegte Cams nicht greifen.

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Steg-Schlingen-Konstruktion von Camalot X4 (oben) und Dragon Cam.

Sehr gut sind die hohen Bruchlastwerte der kleinen Größen. Aus meiner Sicht weniger toll ist wie bereits erwähnt die Steg- und Schlingen-Konstruktion: Eine „Thumb Loop“, wie man sie beispielsweise bei den Cams von BD findet, ist insgesamt schon besser: Das Handling ist besser, außerdem lässt sich der Steg direkt clippen, ohne Schlinge. Das ist beim Standplatzbau und Techno-Klettern immer wieder praktisch. Und die dünne Dyneema-Schlinge hat auch nicht die längste Lebensdauer. Ein Austausch durch den Hersteller ist aber möglich (aktuell € 12,50 pro Cam, zzgl. Porto nach Großbritannien).

Wild Country New Friends und Technical Friends Gr. 5 und 6

Wild Countrys Technical Friend galt lange Zeit als Standard-Cam. Die darauffolgende Generation hieß Helium Friend, konnte aber nicht mehr mit den 2-achsigen Modellen von Black Diamond und DMM mithalten.

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New Friends Gr. 0.5 – 4 (oben) im Vergleich mit Alien Revolution Cam, Camalot C4 und Link Cam.

Jetzt ist Wild Country wieder im Rennen. Auf den ersten Blick sehen die New Friends schon sehr nach einem Nachbau der Camalots aus. Wer genau hinschaut, erkennt aber ein paar Optimierungen am Kopf-Design. So vereinen die New Friends die entscheidenden Vorteile von DMM Dragon 2 und BD Ultralight Camalots – womit klar sein dürfte, dass es sich um ein äußerst vielseitiges und sehr leichtes High-End-Klemmgerät handelt. Die New Friends gibt’s von Cam Größe 0.5 (lila) bis Gr. 4 (grau). Darüber hinaus hat Wild Country noch Gr. 5 und 6 der Technical Friends im Programm, für richtig breite Risse und die Selbstverteidigung im Klettergarten.

Omega Pacific Link Cams

Die Joker unter den Klemmgeräten – ein einzelner Link Cam deckt einen Größenbereich von 2,5 bis 3 herkömmlichen Cams ab. Beliebt sind die Link Cams im Hochtoureneinsatz, wenn nur sporadisch mal ein Cam gebraucht wird, und als Ergänzung zu anderen Klemmgeräten. Netterweise haben sie die gleiche Farbcodierung wie die zuvor beschriebenen Modelle von BD, DMM und Wild Country. Allerdings sind Link Cams auch teuer, schwer und nicht in allen Situationen ideal. Man kann sich also überlegen, ob man statt zwei Link Cams lieber drei andere, leichte Cams mitnimmt.

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Link Cams Gr. 0.75 (oben, ganz geschlossen) und Gr. 1.

Das kommt gewichtstechnisch aufs Gleiche raus. Abgesehen von einem gerissenen Zug habe ich mit den Link Cams keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wenn es ernst wird, wünscht man sich aber vielleicht trotzdem ein Klemmgerät mit einer etwas weniger gelenkigen Konstruktion als Zwischensicherung…

Achtung: Link Cams dürfen nicht offen/passiv gelegt werden und natürlich auch nicht in eine solche Position wandern bzw. gezogen werden. Rutscht ein Link Cam (oder ein anderer Cam ohne Camstops) unter Sturzbelastung in einem unregelmäßigen Riss, kann nämlich folgendes passieren: Der Cam öffnet sich im Riss, wird dann wieder belastet und bricht. Noch ein Hinweis: Im kleinsten Klemmbereich ist das Lösen häufig problematisch, wenn die übrigen Segment-Teile auch noch im Riss liegen und sich irgendwo verhaken.

FIXE hardware Alien Evolution Cam und Alien Revolution Cam, Totem Basic Cam

Aliens zeichnen sich aus durch sehr schmale Köpfe, äußerst flexible Stege und besonders griffige Segmente aus einer vergleichsweise weichen Alu-Legierung. Außerdem sind sie sehr leicht. In Europa sieht man Aliens bisher selten, in den USA sind sie weiter verbreitet und werden besonders von Bigwall-Kletterern geschätzt. Ihre Stärken spielen die Cams bei kritischen Placements aus, beispielsweise bei seichten Rissen, die sich womöglich auch noch nach außen weiten. In den letzten Jahren gab es Aliens vom baskischen Hersteller Totem, unter dem Namen Basic, und vom spanischen Hersteller FIXE.

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Alien Evolution Cams (links) und Alien Revolution Cams. Nicht dargestellt sind die zwei bzw. drei kleinen Größen.

Die Basic Cams genießen einen sehr guten Ruf, sind allerdings auch recht teuer (82,- pro Stück). FIXE brachte zuletzt zwei Weiterentwicklungen der ursprünglichen CCH Aliens auf den Markt: 2016 die Alien Evolution Cams, die allerdings sehr anfällig für Schäden am gesamten Trigger-Mechanismus waren. Die aktuelle Version, seit Frühjahr 2017 erhältlich, heißt Alien Revolution Cam und macht einen sehr guten Eindruck. Die Schwachstellen wurden behoben und die Stege etwas verlängert, für ein besseres Handling. Erhältlich sind sechs Größen, wahlweise mit einfacher oder verlängerbarer Schlinge. Außerdem gibt es Offset-Varianten. Die beiden kleinsten Größen haben eine angegebene Bruchlast von nur 5 bzw. 6 kN. Vermutlich halten sie aber etwas mehr, wenn sie eng geschlossen gelegt werden.

Weit geöffnete Aliens halten nämlich viel weniger als solche, die eng geschlossen im Riss sitzen – und neigen auch eher zum „Wandern“. Achtung, offen/passiv darf man sie keinesfalls legen, und sie dürfen genauso wenig in eine solche Position wandern oder rutschen! Beschädigte Trigger-Züge und Schlingen können von FIXE im Werk in Spanien ersetzt werden. Speziell beim größten Alien erscheint mir die Federspannung etwas lasch. Mit einer kleinen Flachzange und einem Seitenschneider kann man die Federn mit ein paar wenigen Handgriffen etwas verkürzen und damit stärker vorspannen. Noch ein Hinweis: Wie ich gesehen habe kursieren teils falsche Angaben zur Größe/Reichweite. Die Werte in meiner Tabelle passen weitestgehend, wobei es sich wie bei allen anderen Modellen nicht um den tatsächlich nutzbaren Größenbereich handelt – der ist kleiner!

Totem Cam

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Totem Cam

Der baskische Hardware-Hersteller Totem verdient besondere Erwähnung. Wenn ich es richtig sehe, stellt diese Firma wirklich nur zwei Typen von Klemmgeräten her, sonst nichts, und diese sind alles andere als weit verbreitet! Doch nicht wenige Dolomiten-Spezialisten, darunter die Profi-Alpinisten Simon Gietl und Hansjörg Auer, schwören auf diese Cams. Der Basic Cam, eine moderne Variante des ursprünglichen Alien Cam, wurde zuvor bereits erwähnt. Also zum Totem Cam: Was macht diesen so besonders? Alles! Es handelt sich um eine neuartige Konstruktionsweise, die unter anderem die Möglichkeit eröffnet, den Cam auf nur zwei Segmenten zu legen, zumindest beim Technischen Klettern. Reichweite und Bruchlastwerte sind ähnlich wie beim BD Camalot (C4), das Gewicht ist im Schnitt etwas niedriger.

Die Köpfe sind deutlich schmaler, wobei die Segmente dennoch eine solide Breite aufweisen und insgesamt sehr griffig erscheinen. Die Stege fallen recht massiv aus, was am Klettergurt eventuell etwas lästig werden kann. Farbcodierung und Größenabstufung passen weitestgehend zu den Cams von BD, DMM und Wild Country. Da ich die Cams selbst nicht verwende, habe ich Hansjörg Auer um ein Statement gebeten: „Der große Vorteil ist, dass die Last direkt auf die Segmente übertragen wird. Somit halten sie besser als andere Modelle, insbesondere im Kalk. Wegen der schmalen Köpfe funktionieren sie perfekt in Löchern! Ich verwende neben den Totem Cams hauptsächlich die Totem Basic Cams. Im verschneiten Fels sind beide Modelle weniger ideal, da sie schneller als andere vereisen.“

Metolius Ultralight Master Cam

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs FelskletternDer neue Ultralight Master Cam darf in dieser Auflistung nicht fehlen, auch wenn man ihn hierzulande aktuell nur schwer bekommen kann. Metolius hat eine ganze Reihe Cams im Programm, wobei der Ultralight Mastercam eindeutig der beste Allrounder ist. Es handelt sich um einen ausgesprochen leichten, einachsigen Cam. Der Steg ist an sich sehr biegsam, der Triggermechanismus reduziert die Flexibilität aber etwas. Die Köpfe sind relativ schmal, die Segmente haben eine solide Breite und sind mit Camstops ausgestattet. Der Cam-Winkel ist etwas kleiner als bei den meisten anderen Cams, er beträgt nach meinen Informationen 13,25°. Üblich sind 13,75° (Wild Country, DMM) oder 14,5° (Black Diamond).

Je kleiner der Cam-Winkel, desto besser funktioniert das Cam-Prinzip, da die Segmente einen höheren Spreizdruck erzeugen können. Allerdings bedeutet ein kleinerer Cam-Winkel auch weniger Reichweite. Tatsächlich deckt ein Ultralight Master Cam einen vergleichsweise kleinen Größenbereich ab, was allerdings noch einen weiteren Grund hat: die einzelne Achse. Cams mit zwei Achsen schneiden bei der Reichweite allgemein besser ab. Ich habe den sächsischen Bigwall-Freikletterspezialisten Tobias Wolf, der von Metolius gesponsert wird, nach seinen Erfahrungen mit den Ultralight Master Cams befragt, die ich zusammengefasst wiedergebe: „Damit man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht, kann ich nur mit den Ultralight Camalots vergleichen: Bei Qualität und Langlebigkeit sehe ich die Metolius-Cams vorn, beispielsweise wegen der Mischgewebe-Schlingen, die unempfindlicher sind gegen Alterung.

Der Cam-Winkel der Klemmsegmente ist so entwickelt, dass der Anpressdruck auch bei glatten oder nassen Rissen noch ausreicht, um einen Sturz zu halten. Wegen des flexibleren Stegs wandern die Cams weniger als andere. Weniger gut gefällt mir das Handling mit dem Stempel statt der Drahtschlaufe (Thumb Loop) der Vorgängermodelle. Die ist aus Gewichtsgründen weggefallen. Reparaturen der Kevlar-Züge kann man nur schlecht selber machen, weil diese eingeklebt sind. In der USA kann man die Cams aber zur Reparatur zu Metolius schicken. Um den Größenbereich der sechs X4 Camalots abzudecken braucht man zwar sieben Ultralight Mastercams, aber in der Summe sind die trotzdem leichter. Was mich außerdem überzeugt: Metolius fertigt ausschließlich in der USA und im Werk in Bend arbeiten nur Kletterer.“

Fazit und Dank

Alle hier beschriebenen Cams würden von mir die Gesamtnote gut oder sehr gut erhalten, bis auf die Alien Evolution Cams, die ja so aber auch nicht mehr hergestellt werden. Die Frage ist also nicht, welches Gerät das Beste ist, sondern welches Gerät am besten zu den eigenen Aktivitäten passt und wieviel das Budget hergibt. Eine Empfehlung: Wer eher moderat unterwegs ist, ist mit den Camalots (C4) nach wie vor sehr gut beraten. Kaum teurer und noch besser sind die New Friends, von denen es allerdings keine kleinen Größen gibt. Bei Bedarf muss man sie also mit anderen Cams kombinieren, was keine nennenswerten Nachteile mit sich bringt.

Wer beim Trad-, Alpin- oder Technoklettern an die Grenzen geht, kommt um speziellere Cams nicht umhin. Die Camalots C3 und X4 sind qualitativ spitze. Es gibt aber Gründe zur Annahme, dass Aliens (Fixe Revolution und Totem Basic), Totem Cams und Ultralight Master Cams im Zweifelsfall besser halten. Spezialisten werden deshalb vermehrt diese Geräte verwenden, müssen sich aber auch intensiv mit deren Einschränkungen befassen, evtl. eine neue Farbcodierung verinnerlichen und beim Legen besonders gut zielen. Abschließend noch der Hinweis, aber das sollte eh klar sein, dass das beste Material wenig bringt, wenn es falsch eingesetzt wird. Also investiert nicht nur in Hardware, sondern auch in euer Knowhow!

Für ihre Unterstützung beim Schreiben danke ich: Boris und Janpeter vom Bergfreunde.de-Team sowie Tobias Wolf und Hansjörg Auer.

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