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Trendsportart Buildering – Urbanes Klettern oder”Wo eine Wand ist, kann auch geklettert werden!”

22. Juli 2020
Tipps und Tricks

Zur Zeit schießt eine Kletterhalle nach der anderen aus der Erde. Zwar hat der Klettersport seinen Ursprung am Berg, aber in den letzten Jahren hat er sich immer mehr im städtischen Raum ausgebreitet. So haben sich auch die unterschiedlichen Spielformen des Kletterns gewandelt. War früher nur der verwegene Alpinist der wahre Kletterer, so ist die Sportart heute viel breiter aufgestellt. Eine vermeintlich junger Neuzugang im Reigen der verschiedenen Kletterarten ist das sogenannte „Buildering“. Was das genau ist, welche Ausrüstung man dazu benötigt, wer für diese Sportart geeignet ist und wo Buildering an seine Grenzen stößt, wird im Folgenden erklärt. 

Am Anfang steht? – Die Definition!

Während sich „Bouldern“ vom englischen Wort „Boulder“ (Steinblock) ableitet, leitet sich „Buildering“ vom englischen Wort „Building“ (Gebäude) ab. Und das erklärt dann auch schon, worum es geht. Builderer bewegen sich kletternd an von Menschen geschaffenen Objekten und Bauten. Im Gegensatz zum Klettern und Bouldern,geht es hier also ausschließlich darum, an künstlichen Strukturen, wie Steinmauern, Brücken, Säulen und Gebäuden hochzuklettern. 

Eintagsfliege für Hipster oder Sport mit Geschichte?

Wer meint, dass das Buildering aus der Langeweile ein paar Jugendlicher entstanden ist, der irrt. Da den Kletterfans früher nicht dutzende Hallen zum Trainieren zur Verfügung standen, mussten sie sich was einfallen lassen und wurden erfinderisch. 

Bereits vor 120 Jahren erklomm der Student und Kletterer Geoffrey Winthorp Young das Dach seiner Universität in Cambrigde. Ob er nun wusste, dass er der erste Builderer war, sei mal dahingestellt. 

Einen höheren Bekanntheitsgrad genießt der französische Freikletterer und Builderer Alain Robert. Er kletterte bereits an mehr als 70 Wolkenkratzern dieser Welt, wie dem Eiffelturm, dem Empire State Building oder dem Taipei 101. Dabei bewegte er sich nicht nur einmal in der illegalen und lebensgefährlichen Zone und brachte die Sportart ziemlich in Verruf. 

Nachdem die Sportart etwas in Vergessenheit geraten war, beweist die aktuell stark wachsende Szene der Builderer, dass sie keineswegs an Attraktivität verloren hat. Beispielsweise finden in Österreich und in Italien regelmäßig Buildering-Cups statt. Im Ruhrpott wurden von 2006-2008 sogar Buildering-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Builderer aus ganz Europa nahmen an den Wettkämpfen teil, bei denen es hauptsächlich um das Miteinander, den Austausch und um den Spaß am urbanen Klettern ging. Für hohe Preisgelder hat es noch nicht gereicht.

“Du kannst doch nicht einfach an der Brücke da klettern!” Do’s and Don’ts beim Buildering

Bevor man seine Kletterschuhe und den Chalkbag auspackt und die nächste Brücke oder ein Haus erklimmt, sollte man sich genau darüber informieren, was erlaubt ist und wo es Grenzen gibt. 

Rein theoretisch ist Klettern an Gebäuden nicht verboten. Die Umsetzung in der Praxis ist aber etwas komplizierter. Zuallererst gilt es zu unterscheiden, ob das Gebäude privat oder öffentlich ist und wie die örtlichen Gegebenheiten und Vorschriften sind. 

So sind weiße Wände oder Wände mit Pflanzen an öffentlichen Gebäuden tabu. Der Gummiabrieb der Sohlen und das Chalk hinterlassen Spuren, die man hier nicht möchte. Auch muss man auf die eigene Sicherheit achten, da moosige, lockere Tritte zu einem Sturz führen können. 

Gebäude, Brücken oder Unterführungen an Hauptverkehrslinien sind ebenfalls auszulassen, da man Autofahrer ablenken könnte. Dass Denkmal geschützte Gebäude tabu sind, dürfte sowieso klar sein. Vorsichtshalber sollte man die Finger von belebten Innenstädten mit alten Häusern lassen, da man hier nicht nur Gehwege blockiert, sondern auch ungewolltes Aufsehen erregt. Es ist grundsätzlich praktischer an Orten zu buildern, die weniger frequentiert sind, als eine Fußgängerzone. 

Es ist wichtig, das Umfeld stets im Blick zu haben, damit man keine anderen Personen gefährdet. Sollte man auf einem Privatgrundstück buildern, so ist das nur mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Besitzers möglich. 

Und sollte man trotz allen Vorsichtsmaßnahmen darum gebeten werden, hier nicht zu klettern, ist es diplomatischer sich freundlich und rücksichtsvoll zu verhalten und lieber den Standort zu wechseln. Denn nur so kann das Buildering auf längere Sicht von allen Seiten geduldet werden.

Zusammengefasst heißt das, dass Buildern an öffentlichen Gebäuden, Uferbefestigungen, Unterführungen, Mauern und Brücken erlaubt ist. Die örtlichen Gegebenheiten müssen jedoch stets berücksichtigt werden. Verboten ist es an privaten Gebäuden, ohne die vorherige Erlaubnis, an stark befahrenen Straßen und an Denkmalgeschützten Gebäuden. 

Spielregeln verstanden – es kann losgehen

Da nun die Regeln abgesteckt sind, sind der Kreativität bei der Wahl des Buildering-Spots keine Grenzen mehr gesetzt. Mit ein bisschen Fantasie entdeckt man schon in der nächsten Brücke eine schöne Route. 

Ähnlich wie beim Bouldern, sind die Routen meist relativ kurz, also in Absprunghöhe und sehr kraftintensiv. Gerade Steinmauern mit verschiedenen Strukturen und Uferbefestigungen bieten ein herrliches Gelände mit reichlich Schwierigkeitsgraden. 

Wer gerne höher hinaus will, erklimmt Brückenbögen oder Unterführungen. Dabei schadet es nicht, wenn man Kletter- oder Bouldererfahrung mitbringt.

Grundsätzlich sollte man als Buildering-Anfänger nicht alleine losziehen und die Stadt unsicher machen. Erfahrene Builderer kennen nicht nur gute Spots zum Klettern, sondern sind auch ein praktischer Spotter und Ratgeber im neuen Gelände. 

Um Gleichgesinnte zu finden, ist der DAV eine gute Anlaufstelle. Regelmäßig organisieren Jugendgruppen Buildering-Treffen in den Städten. Lokale Gruppen in den sozialen Medien sind ideal, um sich Tipps zu holen und sich einer Gruppe anzuschließen. Die Buildering-Szene hat auch schon Kletterführer veröffentlicht, die Straßennamen enthalten, wo sich ein lohnenswertes Ziel befindet. 

Buildering ist gut für die Umwelt

Oft muss man als Städter weit fahren, um den nächsten Felsen zu erreichen. Auch die Kletterhalle ist nicht immer unbedingt direkt vor der Haustüre. Daher empfiehlt es sich, seine nähere Umgebung mal intensiver zu erkunden und eine Vielzahl von neuen Klettermöglichkeiten zu entdecken. Das erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern ist auch gut für die Umwelt

Dresscode Buildering – Casual Safety 

Nun juckt es schon in den Fingern und man möchte am liebsten sofort die nächste Brücke hinauf rasen. Doch ganz ohne Ausrüstung sollte man nicht losziehen. Für die eigene Sicherheit ist ein Crashpad absolut notwendig. 

Sollte man fallen, vermeidet die Matte einen harten Aufprall und Verletzungen. Kletterschuhe sorgen für einen guten Grip an den Strukturen und ermöglichen ein präzises Antreten. Je nach Gelände sind auch Turnschuhe geeignet. Gegen feuchte, rutschige Hände hilft Chalk. Jedoch sollte man darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen. Also am besten auch eine kleine Bürste mit einpacken. 

Wer gerne mit mehr Sicherheit unterwegs ist, nimmt Schlingen und Expressen mit, die er um ein Brückengeländer legen und ohne Beschädigungen zu verursachen, wieder entfernen kann. Bei gesicherten Routen sind ein Kletterpartner mit Sicherungsgerät, ein Klettergurt und ein Seil nützlich. Komfortable, atmungsaktive Kleidung rundet die Ausrüstung ab. Damit kann man sich ohne Einschränkungen bewegen und genießt ein gutes Körperklima.  

Kein Auto, wenig Ausrüstung und das Kletterparadies direkt vor der Haustüre, Buildering ist eine Sportart, mit der sich die zukünftige Klettergeneration noch intensiver beschäftigen wird!

Urbanisierung im Bergsport

21. Juli 2020
Die Bergfreunde

In Sachen Kleidung und Mode ist „Urban Outdoor“ längst kein Trend mehr, sondern eine langjährig etablierte Sparte. Etwas anders sieht es beim tatsächlich ausgeübten „urbanen Bergsport“ aus. Dieses Phänomen macht sich erst seit wenigen Jahren bemerkbar, drängt dafür aber nun mit Macht in den Vordergrund. Neben Klettern und Bouldern in den immer zahlreicheren Hallen umfasst der urbane Bergsport alles, was findige Marketingwortschöpfer unter „Vertical Fitness“ zusammenfassen. Hierbei werden weitere Trendsportarten wie Crossfit und Parcours als Zusatzelemente in den Bergsport eingebaut – teils ganz konkret in Form von Zusatzanlagen in Kletter- und Boulderhallen.

Diese Entwicklung ist natürlich auch beim wichtigsten Bergsportverband, dem Deutschen Alpenverein angekommen. Der DAV ist laut eigener Aussage „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie.

Urban, Bergsport, Outdoor: unscharfe Begriffe

Legt man jedoch die Wikipedia-Definition des Begriffs „Bergsport“ zugrunde, gibt es da eigentlich nichts zu fördern, denn eine „Urbanisierung des Bergsports“ kann es ihr zufolge nicht geben. Der Begriff Bergsport umfasst nämlich „mehrere, im Gebirge ausgeübte Sportarten.“ Und im Gebirge gibt es schließlich keine Städte und keine Urbanität. Naja, fast keine, Innsbruck oder Bozen liegen schon irgendwie im Gebirge. Aber nach dieser Lagedefinition wäre wiederum alles, was dort an Sport stattfindet, automatisch Bergsport. Also nicht nur die Turnerei an den bunten Synthetikgriffen der Kletterhalle, sondern auch die Kickerei auf dem Bolzplatz nebenan …

Doch damit genug der nicht ganz ernst gemeinten Sprachspitzfindigkeiten. Sie sollten auch nur zeigen, dass weder der Bergsport noch die Urbanität begrifflich scharf abzugrenzen sind. Wir haben es hier mit Begriffen zu tun, aus denen man sich die Bedeutung fast schon nach Gusto rauspicken kann. Ich mache das mal beispielhaft:

Urbaner Bergsport umfasst Sportarten, die mit Bergen in Bezug stehen. Und, seien wir mal großzügig, mit Felsen und schönen Landschaften. Zum „urbanen Bergsport“ zählt damit alles, was dem Training und dem Erhalt der Berg-und-Fels-Fitness dient. Und von mir aus auch alles, bei dem man sehnsüchtig an die nächsten Bergeroberungen denkt.“

Und noch mehr Durcheinander: während sich „Bergsport“ normalerweise problemlos vom weiter gefassten Begriff „Outdoor“ (der auch Aktivitäten auf dem platten Land und dem Meer umfasst) abgrenzen lässt, verschmelzen in der urbanen Sphäre auch diese Beiden. Man kann im Grunde also den urbanen Bergsport so weit dehnen, dass noch die Yogasession im hippen Berliner Studio dazu zählt. Denn wenn sie der Beweglichkeit für diesen einen krassen Spreizmove in der geplanten Elbsandstein-Tradroute dient – warum nicht?

Urbane Bergsportarten

Mit dieser breiten Definition hat man eine Menge urbaner, alter und neuer, Trend und Nicht-Trend-Sportarten unter dem Label „urbaner Bergsport“ vereint. Man hat damit auch nicht nur einen Trend, sondern einen Megatrend, denn die Zahl der so definierten urbanen Bergsportler dürfte in die Millionen gehen. Man bemerkt das auch in den „echten Bergen“, denn der Zulauf wächst dort beständig. Immer mehr Menschen wollen ihre in der Stadt trainierten Kräfte und Fähigkeiten im Bergurlaub austesten und ausleben. Sie profitieren dabei von den immer vielfältigeren Sport- und  Trainingsmöglichkeiten. Welche das sind, schauen wir uns im Folgenden mal genauer an.

Kletterhallen

„Urbaner Bergsport“ Nummer 1 ist ohne Zweifel das Hallenklettern. Auch mit Eintrittspreisen von um die 10 Euro sind die meisten der etwa 500 deutschen Klettertempel (mit mehr als 100 Quadratmetern Kletterfläche) meist gut gefüllt. Zu den großen Hallen kommen noch unzählige kleinere Wände in Fitnesscentern, Schulen, Universitäten oder Reha-Einrichtungen hinzu. Selbst im Sommer und bei schönem Wetter sind viele Indoor-Kletteranlagen bemerkenswert gut besucht. Vor allem für junge Nachwuchsathleten ist das Klettern immer weniger an das Erlebnis von Natur und Draußen-sein gekoppelt.

Die schnelle Erreichbarkeit der Hallen und der vergleichsweise geringe Aufwand für ein intensives sportliches Erlebnis dürften wichtige Gründe für den Indoor-Kletterboom sein. Der Technik- und Wartungsaufwand der Hallenbetreiber ist hingegen recht groß, die Investitions- und Betriebskosten gehen schnell mal in die Millionen. Deshalb auch die nicht ganz günstigen Eintrittspreise. Im Fitnessstudio zahlt man allerdings ähnlich viel für Training an Maschinen, die zwar oft aufwändig sind, aber eher wenig Erlebniswert bieten.

Bouldern

Das Handelsblatt beschreibt das Bouldern in einem Artikel über den „umkämpften Boulderhallenmarkt“ als „ultimative Urbanisierung des Abenteuers“. Und das Magazin hat recht, denn einfacher und schneller als mit dem Klettern in Absprunghöhe lässt sich „Nervenkitzel, Freiheit, Muskelaufbau“ inklusive Vertikalfeeling nicht mehr in die Städte bringen. Die Nachfrage nach diesem Erlebnismix lässt die Zahl an Boulderhallen und innerstädtischen Boulderspots rasant wachsen. Sie dürfte in die Hunderte gehen – genaue Angaben sind schwierig, da die Vielfalt der Anlagen schwer zu erfassen und abzugrenzen ist.

Das Bouldern kann in vielen Städten auch „outdoor“ an Brücken, Mauern und Gebäuden betrieben werden. Diese Spielart hört dann auf den Namen „Buildering“. Allerdings ist „dank“ zunehmender Verbots- und Regulierungsdichte im öffentlichen Raum auch hier ein Trend weg von den kostenlosen und „natürlichen“ Strukturen hin zu künstlichen und kommerziellen Anlagen erkennbar. Immerhin sind Ausstattung und Infrastruktur in Letzteren oft vom Feinsten.

Slackline

Die zwischen Bäumen aufgespannten Gurtbänder mit fröhlich darauf balancierenden Menschen sind in Parks und an Uferpromenaden mittlerweile ein gewohnter Anblick. Hier werden Koordination und Gleichgewicht auf spielerische Weise geschult. Die große Mehrheit der Freizeitsportler übt den Seiltanz im Stadtpark und in Absprunghöhe. Selbstverständlich gibt es auch beim „Slacklinen“ immer mehr Spielarten und Extremformen. Die Königsdisziplin ist die „Highline“, bei der man auf dem Seil in einer Höhe balanciert, aus der ein Sturz zu schweren Verletzungen oder zum Tod führt.

Moment, dabei ist man doch gesichert, oder? Ja, keine Sorge, die meisten Highliner tragen einen Gurt, der über eine Schlinge mit Karabiner die Verbindung zum Seil herstellt. Doch es gibt auch hier wie im Sportklettern die Spielart des „Free Solo“, bei der ohne Sicherung hunderte Meter über Schluchten und Abgründen „geslackt“ wird. Und all jene, denen das „normale Slacken“ nicht genug, das Free-Solo-Highlinen aber zu haarsträubend ist, können es ja mal mit „Slackdecken“ probieren: mit dem Longboard auf dem Seil herumrutschen …

Crossfit

„Das härteste Training der Welt“, liest und hört man im Zusammenhang mit Crossfit öfter. Und natürlich sind sich Crossfitter einig, dass ihr Training auch das Beste ist. So weit so normal, mit ähnlichen Superlativen lockt von Bodyweight über Calisthenics bis zu Freeletics quasi jedes trendige Workout. Triathleten wiederum, die für den Ultraman trainieren, werden allen widersprechen und klarstellen, dass ihr Training das Härteste und Beste der Welt ist.

Unbestreitbar ist, dass Crossfit viele Fitnessaspekte enthält, die auch Bergsportler gut gebrauchen können. Das Ganzkörpertraining bringt nämlich nicht nur Kondition und Kraft nach vorn, sondern auch Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit.

Die Besonderheit an Crossfit ist die Bedeutung der Anwesenheit eines Trainers: „Um Verletzungen vorzubeugen, ist es wichtig, das Level dem Können des Athleten anzupassen und nicht an seinen Vorstellungen. Deswegen gibt es CrossFit nur mit einem geschulten Trainer an der Seite. Es liegt in seiner Verantwortung, die Trainingsintensität, die Schwere der Gewichte, die Wiederholungen und die Geschwindigkeit der Übungsausführung an die Fähigkeiten des Trainierenden anzupassen.

Yoga

Für das Bergsteiger-Magazin sind Yoga und Bergsteigen „die perfekte Kombination.“ So weit würde ich jetzt nicht gehen, denn auf engen Hütten und in steilen Wänden lassen sich Asanas eher nicht so gut einüben. Doch vor und nach dem Gang in die Berge hat man mit Yoga tatsächlich ein hervorragendes Hilfsmittel für vielseitige Entwicklung. Und dass man die Fitnesseffekte des Yoga für den Bergsport gebrauchen kann, daran besteht kein Zweifel. Natürlich sollte man sich unter den unzähligen Yogaarten die Passenden aussuchen. Vielleicht gibt es ja am Berg Situationen, in denen die liebende Hingabe des Bhakti Yoga gefragt ist, doch normalerweise sind eher kraftbetonte Wege wie Iyengar oder Ashtanga für den Bergsport interessant.

Die Berg-Bloggerin Stefanie Dehler ist tausendprozentig überzeugt von den positiven Yoga-Wirkungen. Für ihren sehr informativen Artikel hat sie eine populäre Yogalehrerin nach möglicher „Bergrelevanz“ des Fernost-Imports befragt. Deren Antwort:

Yoga schafft eine wundervolle Verbindung von Körper und Geist; schult Konzentration, Gleichgewicht und Koordination und sorgt gleichermaßen für Kraft und Beweglichkeit.

Alles Eigenschaften, die einem Bergsportler mit Sicherheit zu Gute kommen. Zudem bietet die Asanapraxis im Yoga ein großes Repertoire an Übungen zur Stärkung der Körpermitte und Schulter Rückenpartie. Ich hör den Berg schon rufen ;)

Man kann darüber streiten, ob die „Zweckentfremdung“ von Yoga unter Weglassung des spirituellen Aspekts überhaupt als Yoga bezeichnet werden kann. Doch selbst wenn es nur eine ausgefeilte Gymnastik mit wohlklingendem „Label“ sein sollte, verdient Yoga definitiv die Aufmerksamkeit der urbanen Bergfreunde.

Bikeparks

Das Bergauf und Bergab mit dem Fahrrad hätte man früher wohl zum Radsport gezählt und diesen sauber vom Bergsport getrennt. Seit aber immer steilere Pisten und ruppigere Wege mit immer geländegängigeren Bikes befahren werden, ist der Zweiradsport irgendwie beim Bergsport mit reingerutscht. Und ja, wenn man es anhand der Reviere betrachtet, die sich Bergwanderer und Mountainbiker oft (und nicht immer ganz freiwillig) teilen, dann ist Mountainbiken definitiv Bergsport.

Steile Hänge und Downhills können aber auch kurz sein – vielen Bikern geht es vor allem um die Intensität der Abfahrt. Und sollte es mal an Steigungen und Gefälle mangeln, schaffen immer mehr Dirtparks mit ihren Hügeln und Hindernissen Abhilfe. Diese sorgen dafür, dass auf kleiner Fläche Sprünge geübt und Techniken verfeinert werden können. Viele der etwa 40 bei Googlemaps in Deutschland angezeigten Bikeparks befinden sich dort, wo den Bikern von der landschaftlichen Umgebung viele Möglichkeiten geboten werden. Allerdings sind diese oft mit langen Anfahrten und vielen Höhenmetern verbunden. Der Vorteil der Parkanlagen ist sicherlich die konzentrierte Vielfalt an teils neuartigen Möglichkeiten für Fahrerlebnis und Training. Dann wundert es nicht mehr, dass diese „Spielplätze“ gerade auch fortgeschrittene, routinierte und „verwöhnte“ Biker ansprechen.
Die Mountainbiker haben konzentrierten Spaß und können ihren Spielraum im Gebirge mächtig erweitern. Doch angesichts der aufwändigen und materialintensiven Umgestaltung von Landschaftsarealen kommt die Frage auf, in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis das Ganze steht. Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?
Die letztgenannten Fragen stellen sich umso mehr, je größer und aufwändiger Freizeitanlagen werden. Beim urbanen Freizeitspaß mit Bergbezug sind wohl die Skihallen, von denen es in Deutschland derzeit sechs gibt, der Gipfel der fragwürdigen Entwicklungen.

Fazit

Ob man die Urbanisierung des Bergsports gut oder schlecht findet, spielt keine Rolle, denn aufzuhalten ist sie nicht. Die Nachfrage nach Sport, Bergerlebnis und Outdoorfeeling in der Stadt wird weiter steigen, denn nach wie vor zieht es mehr Menschen vom Land in die Städte als umgekehrt.

Laut Dr. Wolfgang Wabel, Geschäftsbereichsleiter Bergsport im DAV, ist der Bergsport „in den Städten angekommen.“ Der Verein führt deshalb mittlerweile auch die Mehrheit seiner Sektionsangebote „im urbanen Bereich“ durch. Seine Bemerkung „der Name Alpenverein passt eigentlich nicht mehr“ versieht er in seinem Vortrag „Bergsport hinterm Horizont“ mit einem Zwinkersmiley. Dabei ist das womöglich eine gar nicht so unzutreffende Feststellung. Denn wie gesagt, der DAV ist „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie“. Und er „ist sich damit bewusst, dass neue gesellschaftliche Gruppen zum Bergsport und zum DAV kommen und den Verband damit verändern.“ Die Frage ist, wann diese Veränderung in Identitätsverlust übergeht und der Alpenverein zu einem austauschbaren Service- und Sportverband wird. Das Kernthema Berg und der im Namen verankerte Bezug zu den Alpen wäre jedenfalls erhaltenswert – ebenso wie die einstmals alleinigen Ziele, den „Erlebnisraum Berg“ zu erschließen und zugleich für ihn zu sensibilisieren. Das wäre natürlich einem anderen gesellschaftlichen Megatrend entgegengerichtet: dem ständigen Wachstum mit immer neuen einverleibten Themen und Kompetenzen. Der urbanisierte Bergsport wird sich jedenfalls mit oder ohne Breitband-Alpenverein gut entwickeln.

Bouldern für Anfänger – So gelingt der Einstieg in die neue Sportart

9. Juni 2020
Tipps und Tricks

Ach, ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre: Wie ich dereinst in grauer Vorzeit mit dem Klettern begonnen habe, fand das draußen statt. Nur bei einer Mindestschneehöhe von fünf Metern und Temperaturen im dreistelligen Minusbereich in der Halle. Zu der wir mehrere Tage Fußmarsch auf uns nehmen mussten. Barfuß und in kurzer Hose.

In der Halle wurde dann geklettert, so richtig mit Seil und Gurt und so. Das war ernst zu nehmendes Training für draußen, da war kein Platz für Weicheier. Und wenn einer dann doch mal nicht mehr konnte, dann ging er zur Boulderwand. Um sich dort zum Ausruhen auf die Matte zu legen. War ja nichts los da, hat ja keiner gemacht damals.

Naja, mal ehrlich, ganz so war das nie, aber so ähnlich. Noch vor einigen Jahren von vielen Kletterern als Trainingsmethode und Nebenprodukt zum klassischen Sportklettern angesehen, hat sich das Bouldern immer mehr zum ganz eigenen Trend entwickelt. Besonders praktisch ist es dabei, dass der Einstieg in die neue Sportart vergleichsweise leicht erscheint. Da es sich beim Bouldern um Klettern in Absprunghöhe handelt, fallen Aspekte wie gute Kenntnisse der Sicherungstechnik oder Materialkunde nahezu weg.

Aber wie stellt man es denn als Neuling am besten an, wenn man das Bouldern mal ausprobieren möchte, bzw. wie gelingt ein zielgerichteter Einstieg in die neue Sportart? Alle, die dabei vom Sportklettern kommen werden mich jetzt wahrscheinlich leicht ungläubig ansehen und denken: „Mann dein Ernst jetzt!?!, da geh ich halt hin und mache das mal.“ Ja klar, an euch richtet sich dieser Artikel auch nicht, sondern an den so viel besungenen „blutigen“ Anfänger.

Was? Bouldern ist Klettern ohne Seil oder so ähnlich?!

Die Bezeichnung Bouldern wird von dem englischen Wort „boulder“ also „Felsblock“ abgeleitet. Und darin liegt auch schon ein Teil der Erklärung. Beim Bouldern handelt es sich zumeist um ein konkretes „Kletterproblem“ das mit nur wenigen Zügen absolviert werden kann.

Ursprünglich wurde das Bouldern ausschließlich im Freien an vergleichsweise überschaubaren Felsblöcken betrieben, daher der Name. Mit dem vermehrten Bau von Kletterhallen ab den 1990er Jahren kam es aber auch zum allmählichen Bau von künstlichen Boulderanlagen. Ein Trend, der sich außerdem in den letzten Jahren etabliert hat, ist die Eröffnung reiner Boulderhallen.

Beim Bouldern handelt es sich um Klettern in Absprunghöhe. Boulderanlagen dürfen daher laut den Bestimmungen des TÜV maximal 4,5 Meter hoch sein, sofern sie nicht überklettert werden können. Also wenn man beispielsweise nicht oben auf den Boulderblock draufstehen kann. Bouldern ist außerdem eine sehr athletische und dynamische Art des Kletterns. Gute Routen sind dabei so geschraubt, dass sie Kletterer gezielt auf ihrem Leistungsstand fordern, dabei aber nicht vor unlösbare Probleme stellen.
Reine Boulderhallen oder größere Anlagen in Kletterhallen haben dabei den Vorteil, dass sie speziell auf das eher athletische Klettern ausgelegt sind.

Durch teilweise sehr verwinkelte Wandkonstruktionen, können so Routen eingerichtet werden, die eine besondere Koordination und den gezielten Einsatz von Kraft und Körperbeherrschung erfordern. Beim Bau von Boulderanlagen, deren Wartung und Absicherung gibt es außerdem verbindliche Standards, die helfen sollen das Verletzungsrisiko beim Training auf ein Minimum zu reduzieren. So müssen beispielsweise alle Anlagen mit einer durchgängigen und ausreichend dicken Matte ausgestattet sein, sodass ein Sturz zuverlässig abgefedert werden kann.

Wer? Für wen Bouldern überhaupt geeignet ist.

Wie bereits erwähnt, braucht es zum Bouldern keine größeren Vorkenntnisse. Daher ist die Sportart zunächst einmal für alle Personen geeignet, die keinen nennenswerten körperlichen Einschränkungen unterliegen. Bouldern ist eine Sportart, bei der es vor allem auf Kraft, Beweglichkeit und Koordination ankommt, eine gewisse Grundfitness kann also beim Bouldern (wie übrigens überall) durchaus vorteilhaft sein.

In Sachen Alter gibt es nach oben hin keine Beschränkungen, wer sich fit genug fühlt, kann selbstverständlich auch noch im hohen Alter bouldern gehen. Bei Kindern sieht es da ein wenig anders aus. Die Erfahrung zeigt hier (ähnlich wie beim Sportklettern), dass Kinder erst etwa ab dem Grundschulalter koordinativ in der Lage sind komplexe Bewegungsabläufe gezielt umzusetzen. Einzelfälle mag es da in jede Richtung geben, als gute Orientierung gilt aber trotzdem ein Mindestalter von 6-7 Jahren. Schaut man darüber hinaus einmal auf das Reglement unterschiedlichster Boulderhallen, so zeigt sich recht schnell folgendes:

  • Kleinkinder dürfen sich in der Regel nicht im eigentlichen Boulderbereich aufhalten. Dies ist vor allem der Sicherheit geschuldet. Denn nicht selten sind Kleinkinder bereits recht agil und beginnen ihre Umwelt zu erkunden, können dabei konkrete Gefahren nicht einschätzen.
  • Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 14 Jahren dürfen Boulderanlagen nur in Begleitung einer volljährigen Person benutzen. Diese trägt dann die Verantwortung. Je nach Halle gibt es auch unterschiedliche Regelungen wie viele Kinder/Jugendliche von einer Begleitperson beaufsichtigt werden dürfen. Als Faustregel kann man sich jedoch merken, dass pro Erwachsenem oft zwei Kinder erlaubt sind. Für Trainer oder Trainingsgruppen gelten andere Regeln.
  • Jugendliche in einem Alter von 14-18 Jahren können viele Boulderanlagen auch ohne eine Begleitperson besuchen. Für sie muss jedoch die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten vorliegen. Hierzu hält jede Boulderhalle spezielle Formulare bereit, die von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern im Vorfeld unterschrieben werden müssen.

Wie? Die ersten Schritte in der neuen Sportart.

Auch beim Bouldern ist es wie fast überall: Wenn man jemanden kennt, der einem zeigt wie es geht, dann hat man es meistens recht schnell drauf. Gerade mit Kletterern im Bekanntenkreis dürfte das also kein Problem sein. Wer nun aber völlig alleine und ohne (Kletter-)Freunde mit dem Bouldern anfangen möchte, kann das natürlich auch tun.

Viele Boulderhallen bieten hierzu eine Einweisung für Einsteiger an. Je nach Halle reicht es aus, wenn man sich kurz beim Empfang meldet und sich alles erklären lässt, wieder andere Anlagen haben festgelegte Zeiten an denen Einweisungen stattfinden.

Eine sicherlich sinnvolle Alternative zum „einfach mal Ausprobieren“ ist der Besuch eines Boulderkurses. Hierzu gibt es die unterschiedlichsten Konzepte und Kursmodelle. Diese werden beispielsweise von Vereinen wie dem DAV oder den Naturfreunden angeboten. Darüber hinaus bieten auch Boulderhallen immer wieder eigene kommerzielle Kurse für Anfänger an. Hier lohnt es sich also, einmal bei der örtlichen Klettergruppe oder der nächstgelegenen Boulderhalle anzufragen. Der Vorteil eines Kurses liegt dabei klar auf der Hand:

  • Erfahrene Trainer erklären die neue Sportart von Grund auf. Durch ein gezieltes Konzept werden die Teilnehmer nach ihrem Leistungs- und Entwicklungsstand eingewiesen und angeleitet.
    Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse werden von Anfang an zielgerichtet angeleitet. Hierdurch können typische Fehler schnell erkannt werden und schleichen sich nicht langsam ein.
  • Auch beim Bouldern gibt es einige Sicherheitsregeln zu beachten. Hier helfen die Trainer bei der Einhaltung und Umsetzung.
  • Sport macht in der Gruppe einfach mehr Spaß. Gerade am Anfang ist es oft nicht ganz leicht direkt einen Zugang zu den neuen Bewegungsabläufen zu finden. Wer sich jedoch mit Gleichgesinnten versucht, profitiert meist von gegenseitiger Hilfe und Motivation.

Egal ob man sich alleine oder zusammen mit einer Gruppe an die Wand wagt, ein paar Verhaltensregeln sollte man vorab verinnerlicht haben:

Sicherheit

Auch beim Bouldern wird Sicherheit großgeschrieben (und das nicht nur weil es ein Substantiv ist). Ganz wichtig ist es hierzu nicht nur auf die eigene Sicherheit zu achten, sondern auch die anderen Personen immer im Blick zu haben. Dies gilt sowohl beim Einsteigen in einen neuen Boulder, als auch beim Abspringen und beim Umherlaufen in der Halle.

Beim Bouldern gilt zwar der Grundsatz, dass möglichst kontrolliert aus einer Route abgesprungen werden soll, jedoch kommt es immer wieder auch zu unkontrollierten Stürzen. Um hierbei nicht von anderen Boulderern getroffen zu werden ist es ratsam deren Wege und Fallräume nicht zu kreuzen. Darüber hinaus müssen Fallräume generell freigehalten werden. Dinge wie Taschen, Trinkflaschen und Co. haben hier nichts verloren.

Spotten

Je nach Können und Art der Route kann es darüber hinaus sinnvoll sein einen Kletterpartner zu spotten bzw. sich selbst spotten zu lassen. Dies bedeutet vereinfacht, dass man einen Kletterpartner beim Stürzen oder Abspringen unterstützt.

Es geht dabei nicht darum die Person aufzufangen. Denn dazu müsste man je nach Gewicht und Fallhöhe des Partners schon fast übermenschliche Kräfte besitzen. Das Ziel beim Spotten ist es vielmehr den Kletterer gezielt auf den Boden bzw. die Matte zu leiten, sodass er sicher aufkommt. Hierdurch sollen beispielsweise Stürze auf den Kopf oder auch das Umknicken des Sprunggelenks vermieden werden.

Klettertechnik

Das Thema „richtig klettern“ füllt ganze Lehrbücher. Darum ist es hier in Kürze auch schwierig, umfassend auf das Thema einzugehen. Für Einsteiger habe ich aber dennoch einen Tipp auf Lager: Ein klassischer Anfängerfehler ist, dass viel zu viel Kraft über die Arme aufgebracht wird. Beim Klettern zieht man sich aber nicht überwiegend mit den Armen hoch, sondern bestreitet das Vorankommen weitestgehend aus den Beinen heraus.

Gerade bei Senkrechten oder geneigten Touren sind die Hände und Arme hauptsächlich als Unterstützung der Beine zu sehen und dafür verantwortlich, dass man nicht aus der Wand kippt. Je steiler und überhängender eine Route jedoch wird, desto mehr muss selbstverständlich auch aus den Armen heraus geklettert werden.

Unabhängig vom Gelände gilt jedoch der Grundsatz am langen Arm zu klettern und so nicht durch das übermäßige Anspannen der Muskeln zu viel Kraft zu vergeuden. Wer das einmal verinnerlicht hat, wird sehen, dass er beim Klettern schnell Fortschritte macht und darüber hinaus länger durchhalten kann. Weiterführende Infos zum Thema Klettertechniken hat mein Kollege Felix einmal für euch zusammengetragen und auch für Anfänger gut verständlich beschrieben. Wenn ihr also tiefer in die Materie einsteigen wollt, dann schaut euch am besten gleich mal seine Artikelserie an:

Womit? Diese Dinge brauchst du fürs Bouldern.

Machen wir mal ein Spiel. Ich gehe zum Bouldern und packe in meinen Rucksack:
Bequeme Kleidung. Wie bei nahezu allen Sportarten (außer vielleicht Schach und Billard, aber so what…) ist bequeme Kleidung mit der man sich gut bewegen kann beim Bouldern definitiv das Mittel der Wahl. Expertentipp: Gerade am Anfang sollte man sich auf jeden Fall ein paar Gedanken über das richtige Beinkleid machen, denn Einsteiger neigen oft dazu sich die Knie an der Wand und den Griffen anzuschlagen.

Da diese Elemente zumeist sehr rau sind, kommt es hier in kurzer Hose auch schnell mal zum Aua am Knie. Daher empfiehlt es sich eine Hose zu wählen, die die Knie bedeckt. Wer jetzt aber seine Lieblingslaufhose mit dem superdünnen Stoff im Gepäck hat, wird sich sicherlich auch schnell ärgern, denn durch vermehrten Kontakt mit der Wand kommt es hier schnell zu kleinen Löchern im Material. Klare Empfehlung daher: Entweder eine etwas ältere Sporthose oder gleich eine spezielle Boulderhose aus robustem Material wählen.

Kletterschuhe

Kletterschuhe können in allen Hallen gegen eine kleine Gebühr geliehen werden. Wenn man die Sportart einfach nur einmal ausprobieren mag, macht es daher sicherlich auch Sinn, zunächst auf Leihmaterial zurückzugreifen. Für alle, die es aber definitiv ernst mit dem Bouldern meinen, empfiehlt sich die Anschaffung eigener Schuhe.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht immer in „fremde“ Kletterschuhe schlüpfen muss, sondern vielmehr auch, dass sich die eigenen Schuhe nach und nach an die persönliche Fußform anpassen können. Das macht auf Dauer das Tragen deutlich angenehmer. Außerdem bieten unterschiedliche Boulderhallen immer unterschiedliche Leihschuhe an. Während Halle A vielleicht Schuhe von einer Marke verleiht, die mir persönlich ganz gut passen, kann es sein, dass Halle B Schuhe von einer Marke hat, mit denen ich nicht so gut zurechtkomme.

Gerade für Anfänger ist jedoch der Kauf von Kletterschuhen alles andere als leicht. Zahlreiche Faktoren wie Anwendungsgebiet, Bauart der Schuhe, Verschluss und Fußform spielen hier eine wichtige Rolle. Für Anfänger gilt daher: Informieren, beraten lassen und anprobieren, anprobieren, anprobieren. Wenn ihr hier also noch Unterstützung braucht, dann schaut euch doch mal den Beitrag von Kollegin Frida mit dem schönen Titel „Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen?“ an.

Einen Chalkbag

Der Chalkbag oder das Magnesiasäckchen (wie wir „people form the last millennium“ sagen) ist ein gleichzeitig praktisches und modisches Accessoire beim Bouldern. Praktisch deshalb, weil sich darin das Magnesia (oder auch Chalk) unfallfrei transportieren lässt und beim Bouldern sprichwörtlich jederzeit zur Hand ist. Schweißnasse Hände können hierdurch schnell trockengelegt werden, sodass die Finger wieder über den optimalen Grip an den Griffen verfügen. Der meines Erachtens jedoch fast wichtigere Teil ist der Look.

Magnesiabeutel gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen von groß bis klein, von sportlich dezent bis vollkommen abgespaced. Darüber hinaus unterscheidet man zwei grundlegende Arten von Chalkbags: Nämlich die, die am Körper getragen werden (mittels Bauchgurt oder beim Sportklettern direkt am Klettergurt) und jene, die eher eine große Tasche sind und in der Halle aufgestellt werden kann. Auch beim Inhalt gibt es deutliche Unterschiede. Chalk gibt es verschiedenen Formen, die je nach Anwendungsgebiet ihre Vorteile haben.

Diese hier alle einzeln aufzuführen und zu erklären würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wer also tiefer in die Welt des Chalks eintauchen möchte, dem sei folgender Blogbeitrag ans Herz gelegt: Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags.

Crashpad

Nur der Vollständigkeit halber: Wer draußen bouldern geht, der braucht mindestens ein zuverlässiges Crashpad. Die ersten Schritte beim Bouldern in der Natur zu machen ist jedoch für Anfänger nicht ratsam. Wie bereits erwähnt, sind alle Hallen und Boulderanlagen immer ausreichend mit Matten gesichert, sodass Anfänger ein Crashpad zumindest vorerst von der Ausrüstungsliste streichen können.

Also…

Für alle, die mit dem Bouldern anfangen wollen, gilt die klare Empfehlung: Machen! Denn Bouldern ist eine interessante und fordernde Sportart. Die Einstiegshürden sind beim Bouldern vergleichsweise klein, auch Anfänger werden hier schnell Spaß haben und Fortschritte erzielen. Der Anfang wird dabei durch einen Boulderkurs sicherlich erleichtert. Außerdem bieten Vereine inzwischen auch Bouldergruppen an, die das kontinuierliche Training in der Gruppe ermöglichen.

Die Anatomie der Hüfte: Dreh- und Angelpunkt des Körpers

8. Juni 2020
Tipps und Tricks

Der Oberschenkelknochen sitzt in einem unserer stabilsten Gelenke, dem Hüftgelenk – umgeben von den stärksten Muskeln unseres Körpers. Ein Luxusleben?! Vielleicht. Für entspannte Berg- und Klettertouren brauchen wir ein bewegliches Hüftgelenk. Beim Klettern ist eine flexible Hüfte fast ein Muss um Tritte perfekt anzutreffen.

Die Hüfte ist für unsere aufrechte Haltung und Fortbewegung von großer Bedeutung. Bei fast jeder Bewegung, die wir machen, ist sie mit dabei. Beim Wandern oder Trailrunning können schnell Schmerzen entstehen, die durch Fehlstellungen, Fehlhaltungen oder falsche Schuhe ausgelöst werden können. Auch ungleichmäßige Belastung oder Gewichtsverteilung können Schmerzen und Reizungen verursachen.

Im Hüft-, Becken- und Oberschenkelbereich wirken insgesamt 29 Muskeln und vier Hüftgelenksbänder zusammen. Manche Muskelgruppen sind die stärksten unseres Körpers. Andere Muskeln reichen vom Hüftansatz bis zum Schienbein und sind recht dünn und schmal.

Durch die starken Muskeln und Bandstrukturen kommt es an der Hüfte selten zu knöchernen Verletzungen.

Erst bei einer sehr starken Krafteinwirkung wie beispielsweise bei einem Sturz über vier Metern mit ungünstigem Aufprall können Teile der Hüfte brechen. Gewalteinwirkungen können auch dazu führen, dass der Oberschenkelkopf aus der Gelenkpfanne springt. Doch vielmehr können beim Sport Reizungen und Entzündungen auftreten. Bevor wir zur Anatomie übergehen möchte ich euch zwei Basisübungen vorstellen, die für Bergfreunde unverzichtbar sind.

Hüftbeuger

Für eine der gängigsten Dehnübungen geht ihr in den Ausfallschritt. Euer vorderes Bein winkelt ihr an. Der Winkel zwischen Wade und Oberschenkel liegt bei circa 90 Grad. Euer hinteres Knie, Wade sowie Fußrücken können Bodenkontakt haben. Der Oberkörper ist aufgerichtet und der Rücken gerade. Jetzt spürt ihr ein Ziehen an der Innenseite der Hüfte. Atmet tief ein und aus. Je nach Befinden könnt ihr mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen.

Dehnung der Gluteal-Region (Unterer Rücken, Hüfte, Gesäßmuskeln)

Ihr legt euch auf den Boden und winkelt das linke Bein an. Den rechten Fußknöchel platziert ihr entspannt unterhalb des Knies über das linke Bein. Jetzt hebt ihr mit Hilfe der Hände in der Kniebeuge euer linkes Bein an und zieht es zum Bauchnabel. Dadurch ist ein Ziehen in der unteren Rückenmuskulatur und hinteren Hüftregion zu spüren. Je nach Befinden könnt ihr auch hier mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen und natürlich das Bein wechseln.

Um zu verstehen woher manche Schmerzen kommen können und wie diese durch ein paar Übungen gemildert werden, hier ein paar anatomische Einblicke.

 

Anatomische Grundvorstellungen in der Hüftregion helfen jedem, der oft in den Bergen unterwegs ist.

Was viele von uns recht einfach an unseren Körpern fühlen können, ist der Becken

kamm, der oberste Ansatz der beiden Hüftbeine. An diesem breiten Kamm setzt eine der wichtigsten Muskeln für unseren Rücken an, der Latissimus dorsi. Der große Rückenmuskel breitet sich von dort wie ein großer Fächer nach oben aus.

Ein wenig niedriger an beiden Hüftbeinen setzen viele starke Muskeln an. Am unteren seitlichen Ende der robusten Hüftbeine sind die Oberschenkel in die Hüftpfanne eingehängt. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, auch Nussgelenk genannt, und hat einen großen Bewegungsspielraum.

Kommen wir zurück zu den Muskelgruppen. Am prominentesten sind die Gluteus-Muskeln.

 

Der Gluteus maximus ist der kräftigste Muskel an unserem Körper. Er bestimmt die Form unseres Pos.

Er ist ein breiter und oberflächiger Muskel. Er setzt am Beckenkamm an und verläuft schräg abwärts zum Trochanter major. Den Knochenvorsprung, auch großer Rollhügel genannt, könnt ihr seitlich am Oberschenkel ertasten.

Wir brauchen den Gluteus maximus vor allem zum Bergsteigen, zum Treppensteigen und zum Aufstehen aus dem Sitzen. Im Stand stabilisiert er unsere Bewegungen und schafft eine aufrechte Haltung. Unterhalb des Gluteus maximus liegt Gluteus medius und noch eine Schicht tiefer der sehr viel kleinere Gluteus minimus. Die kleineren Gesäßmuskeln medius und minimus sind hauptsächlich für das Abspreizen der Beine zuständig.

Die Gluteus Muskeln gehören zu den neun äußeren Hüftmuskeln, die alle an der Rückseite unseres Körpers ihren Ursprung haben. Die äußeren Muskeln im Hüftgelenk sind zuständig für Außenrotation, Extension sowie Heranziehen und Abspreizen unserer Beine. Nicht zuletzt stabilisieren sie unser Hüftgelenk.

Wenn Schmerzen in der Innenseite der Hüfte, Oberschenkelvorderseite und im unteren Rücken auftauchen, haben diese oft mit dem Muskel lliopsoas zu tun.

 

Dieser „Hüftbeuger“ Muskel liegt unterhalb der Leistenregion. Er ist der stärkste Beugemuskel.

Er setzt an der Lendenwirbelsäule an und verläuft innenliegend entlang der Hüfte bis zum Ansatz des Oberschenkels. Der Iliopsoas gehört zu den vier Muskeln der inneren Hüftmuskulatur.
Schließlich möchte ich euch eine beeindruckende und großflächige Muskelgruppe vorstellen. Sie geht von den Hüftbeinen über das Knie zum Schienbein und bedeckt sozusagen die Oberschenkelvorderseite. Die Gruppe quadriceps femoris ist verantwortlich für das Beugen und Anheben des Oberschenkels und vor allem für das Strecken des Kniegelenks.
Es gibt noch viele weitere Oberschenkelmuskeln, die mit der Hüfte zusammenhängen.

 

Bei so vielen Muskeln ist das Abhängen für den Oberschenkel gar nicht so einfach.

Umso wichtiger ist, dass wir unsere Hüfte bewegen und die starke Muskulatur dehnen. Bei Schmerzen, die länger anhalten oder wiederkehren, ist es gut einen Physiotherapeuten oder einen Facharzt aufzusuchen. Es können Reizungen von Fehlbelastungen sein, doch auch Entzündungen entstehen teilweise über einen längeren Zeitraum und sollten entsprechend behandelt werden.
Damit eure Oberschenkel entspannt abhängen und ihr die Muskulatur lockern könnt, empfehle ich das Aushängen und Pendeln an der Reckstange oder am Hangboard. Alternativ könnt ihr die Beinschaukel mit Hilfe eines Bretts machen, das ihr auf den Boden legt. Ihr stellt euch mit dem linken Bein auf das Brett und pendelt das rechte Bein vor und zurück. Die Beinschaukel entspannt eure Strukturen und führt zu einer leichten Dehnung. Die Übung könnt ihr ruhig häufiger am Tag wiederholen, vor allem wenn ihr viel im Home-Office sitzt und weniger in Bewegung seid. Und wie einer meiner Trainer immer sagte: Immer schön in die Dehnung atmen und entspannen.

Bergfreundinnen im Portrait

6. März 2020
Die Bergfreunde

Bergsport war lange Zeit männlich. Selbst bis kurz vor der letzten Jahrtausendwende gab es DAV Sektionen, die keine Frauen in ihre Reihen aufgenommen haben. Ein Glück sind diese Zeiten endgültig vorbei. 2004 erfasste die Datenbank des DAV ca. 40% weibliche Mitglieder und zum heutigen Tage dürften es hoffentlich noch ein paar mehr geworden sein – die Berge sind schließlich für alle da.

Hier bei den Bergfreunden ist das zum Glück alles kein Thema. Im Gegenteil. Zur Feier des Weltfrauentages 2020 wollen wir euch deshalb vier Bergfreundinnen vorstellen, die (fast) keine Gelegenheit auslassen, die Berge von nahem zu sehen!

Bergfreundin Mia

Klettern, Bergsteigen, Biken, Trekking, Trailrunning, Schwimmen – wie auch immer und wann auch immer sich die Gelegenheit bietet rauszugehen – Bergfreundin Mia ist mit dabei. Und wenn nicht, dann kümmert sie sich im Bergfreunde Marketing Team um alle Belange rund um Suchmaschinenwerbung.

Warum gehst du raus?

Ich genieße die frische Luft, stille und vielen neuen Erlebnisse draußen. Es gibt immer Neues zu entdecken, egal ob beim Laufen durch den Wald, beim Klettern in den Bergen oder einer Runde mit dem Rennrad.

Dein schönster Outdoor-Moment?

Da gibt es viele! Der letzte war vermutlich eine Biwaknacht auf dem Rossberg (einem Berg in der Gegend von Tübingen) bei minus 5 Grad, Lagerfeuer und mit guten Freunden. Wenn Morgens das Wasser gefroren ist und der Schlafsack mit einer Eisschicht bedeckt ist, weiß man, dass man seine Zeit sinnvoll verbracht hat – denn Draußen ist die beste Zeit! 😊

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Mhm, es gab da mal eine sehr unschöne Abseilaktion bei einer Mehrseillängentour in Frankreich, die mir noch sehr lange im Kopf geblieben ist.

Wohin geht der nächste Trip?

Mit einem guten Kletterfreund eine Woche nach Sizilien zum Sportklettern.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da hast du mich erwischt 😉 Wenn ich mal keinen Sport mache oder im Büro arbeite, verbringe ich gerne Zeit mit Freunden bei einem Kochabend in Kombination mit einem guten Spiel oder Film.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Hannah

Das Lieblingsspielzeug von Bergfreundin Hannah hat zwei Räder und ordentlich Federweg. Bikeparks sind ihr zweites Wohnzimmer und solange der Kopf in einem Fullfacehelm steckt, fühlt sie sich pudelwohl. Hannah ist bei den Bergfreunden im Händlermarketing tätig und war davor in unserem Gearhead-Team.

Warum gehst du raus?

Weil das kalte Radler nach einem Tag im Bike Park am Besten schmeckt und ich die tollsten Bike Freundinnen hab!

Dein lustigster Outdoor-Moment?

Da ich regelmäßig stürze an den seltsamsten Stellen auf dem Trail ist jede Ausfahrt ein Highlight.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Bei meinem ersten Bike Park Besuch in Albstadt bin ich regelmäßig aus dem Schlepplift gefallen, bis der Mitarbeiter dort Mitleid hatte und ich jedes Mal umsonst Hoch durfte (mittlerweile klappts aber besser).

Wohin geht der nächste Trip?

Ich warte auf die Eröffnung der Parks, dann steht Brandnertal auf der Liste.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da ich Mode und Klamotten liebe – Ganz klar Shopping!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Britta

Einer der kreativsten Köpfe bei uns hat blonde lange Haare und gehört zu Bergfreundin Britta. Britta kümmert sich bei uns um die Entwicklung der Marke Bergfreunde und hat vor allem in Sachen Grafik und Design richtig was auf dem Kasten. Brittas Outdoor-Leidenschaft hat was mit großen Rucksäcken und weiten Wegen zutun. Meistens bestreitet sie diese zu Fuß, manchmal aber auch mit dem Rad.

Warum gehst du raus?

Um einen Ausgleich zu meinem Alltag am Computer zu schaffen. Frische Luft, Natur und Bewegung sind gesund, lassen einen abschalten und machen glücklich!

Dein schönster Outdoor-Moment?

Mit Freunden am Lagerfeuer sitzen oder unter freiem Himmel schlafen, und sich dabei ganz geborgen fühlen, das ist wohl einer der schönsten Momente, den man draußen haben kann. Außerdem durch schier unendlich weite Berglandschaften wandern und immer wieder dankbar die atemberaubende Schönheit der Natur bewundern, davon werde ich nie genug bekommen!

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Als mir auf dem GR20 ein Hund nachts im Vorzelt ein Loch in den Rucksack gebissen hat, um die Mülltüte samt Inhalt aufzufressen!

Wohin geht der nächste Trip?

Seit mir ein Kollege vom Königssee-Radweg erzählt hat, bin ich angefixt…

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung? 

Gärtnern! Ich liebe es, selber Kräuter und Gemüse anzupflanzen und von Mutter Natur mit einer eigenen kleinen Ernte belohnt zu werden!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

  • ARC’TERYX Women’s Cerium LT Hoody: Die ist so unfassbar leicht, sodass man sie kaum am Körper spürt, lässt sich super klein zusammenpacken und hält einen in jeder Situation warm!
  • INOV-8 – Women’s Roclite G 345 GTX Wanderschuhe: Die haben mich durch den GR20 getragen und mich mit ihrer Leichtigkeit am Fuß und ihrem super Grip überzeugt!
  • ENGEL – Baby Body L/S Merinowolle – Merinounterwäsche: Den kriegt jede meiner Freundinnen, die ein Baby hat, und alle sind begeistert! Aus ökologischer Merinowolle mit Seide, produziert in Deutschland!

Bergfreundin Gerbine

„Goede dag“ – solltet ihr mal bei uns anrufen und diese Worte durch den Telefonhörer schallen hören, dann seid ihr möglicherweise bei Gerbine gelandet. Sie stammt ursprünglich aus den schönen Niederlanden und kümmert sich im Bergfreunde Kundenservice als internationale Sachbearbeiterin um die Sorgen und Nöte unserer – vornehmlich – niederländischen Kunden. Abseits des Bergfreunde-Office findet man Gerbine meistens auf den Trails der schwäbischen Alb oder in den Alpen.

Warum gehst du raus?

Das ist einfach: Vor allem um den Kopf frei zu machen und die frische Luft und unsere schöne Natur zu genießen.

Dein schönster/lustigster Outdoor-Moment?

Es gibt doch nichts schöneres als nach einem Trail-Lauf in den Bergen im Ziel anzukommen und mit Sonnenschein und einem schönen Ausblick belohnt zu werden.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Beim Surfen wehte der Wind etwas stärker als ich dachte und ich schaffte es nicht mehr alleine zum Strand zurückkommen. Meine Brüder haben mich den ganzen Urlaub noch ausgelacht. Peinlich! 😉

Wohin geht der nächste Trip?

Ich fahre in etwa drei Wochen ins Montafon zum Skifahren.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Ich liebe es aus alten Dingen etwas Neues zu machen. Mein aktuelles DIY-Projekt ist ein alter Stuhl, den ich im Müll gefunden habe.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Doppelinterview: Bergfreundin Anna und ihr Unfallchirurg Dr. med. Sebastian Scheidt

18. Februar 2020
Die Bergfreunde

„Wissen Sie, eigentlich halte ich nichts von Ärzten.“

So sprach mich eine ältere Dame im Wartebereich der Ambulanz der Unfallchirurgie an. „Oh, meinen Sie?“, fragte ich zurück und gab ihr Raum zum Reden. Die Entscheidung über meinen Unfall und den Heilungsprozess journalistisch zu berichten, fiel an diesem Tag.

Auch mit dem Ziel und der Hoffnung aufzeigen zu können, dass eine konstruktive Zusammenarbeit im Bezug auf den Heilungsprozess möglich ist. Eine transparente Erklärung des Arztes und ein Verständnis für die Situation der Patientin sind unabdingbar. Aber auch auf der Seite der Patientin spielt die Bereitschaft zur Mitarbeit eine große Rolle.

Im Doppelinterview erhaltet ihr Tipps, wie ihr im Falle eines Sturzes handeln solltet. Mein behandelnder Unfallchirurg und ich geben euch Einblicke in die Behandlungs- und Entscheidungsprozesse. Wir sprechen über regelhafte und individuelle Heilungsprozesse, aber auch über unausgesprochene Annahmen und gegenteilige Meinungen.

Ich danke Sebastian Scheidt für die Bereitschaft und das Einlassen auf die besondere Interviewsituation.

Dr. med. Sebastian Scheidt ist als Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn tätig. An der Unfallchirurgie reizt ihn besonders die Verbindung manueller Fähigkeiten mit dem theoretischen Hintergrund – vor allem, wenn der ganze Körper in Betracht gezogen werden muss. Nicht zuletzt schätzt er das breite Spektrum von Verletzungen an einem Uniklinikum und die Arbeit im Team. Seinen bisherigen Forschungsschwerpunkt der degenerativen und traumatischen Wirbelsäulenverletzungen und der Infektionsdiagnostik erweitert er derzeit durch Forschungen zu Verletzungen der unteren Extremitäten, im Speziellen der Verletzungen des Knie- und Sprunggelenks.

Was ist Dir noch von der Zeit direkt nach deinem Sturz in Erinnerung geblieben?

Anna: Ich spürte jetzt keine Angst oder Panik und lag durch den Sturzverlauf bereits in der stabilen Seitenlage. Ich bin liegen geblieben, habe die Schockreaktionen meines Körpers wahrgenommen und versucht die Fragen meiner Kletterpartnerin zu beantworten. Der Rettungswagen war nach meinem Empfinden recht schnell vor Ort. Die Rettungskräfte überzeugte ich irgendwie, mich nicht in das nächste Dorfkrankenhaus, sondern in die Uniklinik nach Bonn zu fahren.

Was ist direkt vor Ort nach einem Sturz auf die Füße (Ground Fall) aus notfallmedizinischer Sicht zu tun?

Sebastian Scheidt: Man sollte zunächst schauen, ob die verletzte Person bei Bewusstsein und ansprechbar ist. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn mehrere Personen vor Ort sind, sollten diese um Mithilfe gebeten werden – sodass neben der Notfallversorgung eine andere Person den Rettungsdienst alarmieren kann. Wenn offene Verletzungen zu sehen sind, das heißt blutende Wunden oder Knochenbrüche sollten diese möglichst geschient werden – besonders, wenn man im Gelände unterwegs ist. Wenn der Unfall in der Halle passiert, ist es wichtig, die verletzte Person möglichst schmerzfrei zu lagern bis der Rettungsdienst eintrifft, was ja hier in unserem Fall recht gut funktioniert hat.

Wie hast Du die Zeit in der Uniklinik wahrgenommen? Gibt es etwas, das Du heute anders machen würdest?

Anna: Ich hätte mehr zu meiner Verletzung und den Umständen sagen können. Auch habe ich vielleicht etwas viel geschwiegen, um zu einem unauffälligen Fall zu mutieren, woraus in meiner damaligen Logik resultieren sollte, nicht in der Klinik bleiben zu müssen. (lacht)

Welche Merkmale führten zu der eindeutigen Entscheidung erst mal nicht zu operieren?

Sebastian Scheidt: Bei der vorliegenden Verletzung war eine sofortige OP-Indikation nicht gegeben. Die Gelenke des Fußes und Sprunggelenks waren durch den Abriss des Knochenfragmentes und des gerissenen Bandkomplexes nicht betroffen. Es lag keine Luxation vor – das heißt das Gelenk war nicht aus der Führung gesprungen. Da auch kein Knochenbruch mit Ausstrahlung in das Gelenk und den Knorpel vorlag, konnte zunächst eine Ruhigstellung und weitere Diagnostik erfolgen.

Wie lassen sich die Verletzungen des Fußes zusammenfassen?

Sebastian Scheidt: Es lag eine knöcherne Absprengung an der Innenseite des Sprungbeins vor – also knapp unterhalb des oberen Sprunggelenks. Hier heften in der Regel Kapsel-Band-Strukturen an, die durch den Sturz teilweise abgesprengt wurden – auf der Außenseite, war das vordere Außenband gedehnt und das hintere gerissen. Weitere Sturzfolgen waren Knochenmarködeme, Hämatome und Begleitentzündungen im Fuß.

Dein Fuß war insgesamt für zwei Monate ruhiggestellt. Wusstest Du das direkt nach der Erstversorgung in der Uniklinik?

Anna: Oh je, ich glaube nicht. (lacht) Ich hatte ein paar Tage nach der Behandlung im Notfallzentrum einen Termin in der unfallchirurgischen Ambulanz und da haben wir das Vorgehen besprochen. Mein Fuß sollte erst mal für sechs Wochen ruhiggestellt werden. Nach den MRT Bildern Anfang Juli wurde beschlossen die Ruhigstellung auf acht Wochen zu erhöhen.

Wann entscheiden Sie, dass eine zweimonatige Ruhigstellung notwendig ist? Gibt es ähnliche Fälle, in denen Sie zu einer OP raten würden?

Sebastian Scheidt: In der Regel stellen wir solche Verletzungen für sechs Wochen ruhig. Die sechs Wochen dienen zur Erholung der Bandstrukturen, dem Abschwellen der Begleitentzündung und geben auch den Prellungen des Knochens die Möglichkeit abzuheilen. Auch gibt die Phase der Ruhigstellung dem Knochenfragment die Möglichkeit wieder anzuwachsen.

Aufgrund der starken Ödeme haben wir die Ruhigstellung um zwei Wochen verlängert. Bei Verletzungen, die in den Gelenkraum ziehen und somit den Knorpelüberzug beeinträchtigen können, wird in Abwägung der möglicherweise entstehenden Langzeitfolgen eine operative Therapie empfohlen. Auch bei komplexeren Bandverletzungen, die eine Instabilität bewirken, tendieren wir zu einer operativen Stabilisierung, nachdem der Fuß abgeschwollen ist – sodass der Patient wieder mit einer guten Gelenkführung mobil sein kann.

Die Zeit nach der Ruhigstellung war für Dich viel schlimmer. Kannst Du kurz beschreiben, warum?

Anna: Da haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. In erster Linie meine eigenen Erwartungen und die meiner Auftraggeber wieder schnell komplett körperlich fit zu sein – also, dass der Fuß und das Bein wieder komplett funktionsfähig sind. Es war schwierig anzunehmen, dass mein Fuß nicht so schnell abheilt. Dazu kam auch, dass die Ungewissheit über den Heilungsprozess wieder zugenommen hat. Vor allem dadurch, dass von der medizinischen Seite mir keine klare Zeitangabe gegeben werden konnte. Aber auch durch die Physiotherapie, die nur wenig an dem Zustand meines Fußes veränderte. Durch die anhaltenden Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen habe ich auch erst richtig verstanden, wie schwerwiegend meine Verletzung war.

Ist es möglich Patientinnen und Patienten im Vorfeld aufzuklären, wie der Heilungsprozess verläuft?

Sebastian Scheidt: Grundsätzlich werden die Patienten darüber aufgeklärt, dass sie über einen Zeitraum von ca. 12 Wochen mit Einschränkungen in der Mobilität zu rechnen haben. Dazu muss immer vermittelt werden, dass der Heilungsprozess individuell verschieden verlaufen und so auch mal den Zeitraum überschreiten kann.

Lässt sich generell die Heilungsdauer mit der Fitness der Patientin in Verbindung setzen?

Sebastian Scheidt: Patienten, die eine Grundfitness mitbringen – ein gutes Körpergefühl, eine gute Koordinationsfähigkeit haben, kein Übergewicht aufweisen und regelmäßig sportlich aktiv sind, finden häufig zügiger in ihren Alltag und den Sport zurück. Aber auch hier können wir nicht immer davon ausgehen. Auch junge und sportliche Patienten, wie auch hier, können von der regelhaften Heilungsdauer abweichen.

Über eine so lange Behandlungsdauer erwartet man schon fast, dass es Unstimmigkeiten zwischen Arzt und Patientin gab. Fällt Dir da eine Situation ein?

Anna: Ja schon. Nachdem ich von der Ruhigstellung in die Teilbelastung übergegangen bin, habe ich ihn gefragt, ob er mir nicht Physiotherapie verschreiben möchte. Und er sagte nur: „Da Sie eine junge und sportliche Patientin sind, denke ich, dass die Defizite in ihrer Muskulatur sich wieder selbst aufbauen. Durch die Verletzung sind keine Bewegungseinschränkungen an dem Gelenk aufzuweisen … “ Das habe ich anders gesehen und ich hatte auch noch den Druck wieder vollständig funktionieren zu müssen. Ich habe dann trotzdem ab der zehnten Woche mit der Physiotherapie begonnen.

Sebastian Scheidt: Mir war wichtig, dass zunächst die Alltagsbelastung wiedererlangt werden kann. Eine physiotherapeutische oder gar manual-therapeutische Behandlung bei dem vorliegenden knöchernen Abriss war mir noch zu früh. Meine Besorgnis war, dass Heilungsprozesse in der Tiefe durch zu viel Therapie verzögert oder gar unterbrochen werden.

Behindern solche Unstimmigkeiten das Arzt-Patientin-Verhältnis?

Anna: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mir damals gedacht, wenn ich aus seiner Sicht meinem Fuß schwerwiegend schaden kann, wird er mir das schon deutlich sagen. Im weiteren Verlauf war für mich vor allem wichtig, dass er schließlich feststellte, dass die Heilung nicht mehr, wie erwartet, verläuft. Und er für die Verschlimmerung des Zustandes Mitte Oktober eine Erklärung findet – und natürlich den Fuß und den Heilungsprozess nochmal genauer anschaut, um mögliche Prozesse und Annahmen neu beurteilen zu können.

Sebastian Scheidt: Aufgrund der anhaltenden Beschwerden und Einschränkungen führten wir eine erneute MRT Diagnostik durch. Hier zeigte sich zum einen ein rückläufiges Knochenmarködem, welches auf eine rückläufige Verletzung hindeutet. Allerdings zeigte sich auch, dass das abgesprengte Knochenstück weiterhin nicht angewachsen ist. Durch die Zugabe von Kontrastmittel konnten wir ausschließen, dass keine Durchblutungsstörungen im Knochen vorliegen.

Die Verletzung ist jetzt sieben Monate her. Hast Du erwartet, dass die Heilung so langwierig ist?

Anna: Wenn ich zurückdenke, wie stark meine Schmerzen waren und aus welcher Höhe ich auf meinen Fuß gefallen bin… Mir war schon klar, dass ich nach zwei Monaten noch nicht laufen kann. (lacht) Ein anderer Arzt hat mir irgendwann im Sommer mal gesagt, dass Verletzungen am Sprungbein und am Sprunggelenk sehr lange dauern können. Aktuell habe ich weiterhin Einschränkungen in der Funktion des Sprunggelenks, Schwellungen um den Talus, am Innen- und Außenknöchel und kann mich nicht schmerzfrei bewegen. Auch Klettersport ist nach einem kleinen Test noch nicht wieder möglich. Am deutlichsten sind die Einschränkungen für alle sichtbar, wenn ich Treppen hoch oder runtergehe – wo manche Menschen mich doch lieber die Treppe hochtragen möchten, als meine sichtbar eingeschränkten und unharmonischen Bewegungen beobachten zu müssen. (lacht)

Wie sehen Sie das?

Sebastian Scheidt: Im Prinzip haben wir beide erwartet, dass der Fuß nach einer Phase von sieben Monaten eigentlich wieder so stabil ist, dass er im Alltag keine Probleme macht und dass Sport fast wieder auf gleichem Niveau möglich ist. – Wobei wir hier auch wieder bei der individuellen Heilungsdauer sind und auch nach sieben Monaten die Beschwerden mit weiteren Therapien und Maßnahmen in den Griff zu bekommen sind.

Gehen wir ein wenig weg von deiner Verletzung. In deinem zweiten Artikel beschreibst Du, dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist. Was begeistert Dich so?

Anna: Im Zusammenhang mit der Körperarbeit bei Schauspielerinnen und Schauspielern finde ich es immer wieder beeindruckend, wie das Sprunggelenk so reibungslos und lautlos unseren Körper bewegen kann. Besonders veranschaulicht das vielleicht ein Bild vom hibbeligen Kleinkind. Ohne viel Kraftaufwand springt es auf und ab und nutzt mühelos seine Sprunggelenke.

Sebastian Scheidt: Dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist, dem kann ich nur beipflichten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass diese zierlichen Knochen die gesamte Körperlast tragen und auch bei Sprüngen, wo sie ein Vielfaches des Körpergewichts abfedern müssen, nicht zerbrechen. Das gesamte Konstrukt des Fußes und des Sprunggelenks wird neben der marginalen knöchernen Führung hauptsächlich durch die Kapsel – und Bandstrukturen gehalten und stabilisiert. Dieses Zusammenspiel erlaubt überhaupt erst die einzigartige Bewegungsfreiheit und Stabilität. In der Therapie dürfen diese Strukturen nicht vernachlässigt werden. Gerade bei Sportlerinnen und Sportlern sollten diese entsprechend trainiert und im Verletzungsfall ausgiebig rehabilitiert werden.

Welche prophylaktischen Maßnahmen empfehlen Sie ihren Patientinnen und Patienten?

Sebastian Scheidt: Gerade im Klettersport ist es wichtig sich vor der Belastung ausreichend warm zu machen und seinen gesamten Körper zu dehnen, um ihn auf die bestehende Anstrengung vorzubereiten. Ausgleichssportarten sind sehr zu empfehlen, da sie zum einen die Gesamtfitness, aber auch das Körpergefühl und somit die Rumpfstabilität erhöhen. Andere Betätigungen, wie Joggen oder Schwimmen führen beispielsweise zur Kräftigung der Bänder und Knochen. So führen Spitzenbelastungen, wie Stürze, weniger häufig zu Verletzungen.

Hast Du noch was zu ergänzen?

Anna: Im Kletter- und Bouldersport gibt es Sturztrainings. Verschiedene Techniken können helfen Verletzungen zu verhindern oder wenigstens etwas zu mildern. Auch lege ich immer viel Wert auf das Aufwärmen der Muskulatur und der Bänder. So können viele Verletzungen vermieden werden – abgesehen von Unfällen mit starkem Wand- oder Bodenkontakt, die meist schwerwiegendere Verletzungen mit sich bringen. Und auch, wenn es banal klingt, klettert oder bouldert nicht bis zur vollen körperlichen Erschöpfung.

Mit diesem Doppelinterview möchte ich allen Ärztinnen und Ärzten sowie ihren Teams danken, die mich unterstützt haben und teilweise weiterhin unterstützen. Die abschließende Kletterreportage der Artikelreihe wird voraussichtlich im Sommer 2020 veröffentlicht.  

Titebild: Tim Liss

Weitere Artikel der Reihe:

Hoch hinaus oder die Kunst des Sturzes

Der Fuß – eine geniale Konstruktion

„Wir bringen Sie wieder zum Laufen.“

Der lange Weg zurück Teil 3: „Wir bringen Sie wieder zum Laufen“ 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

„Das MRT zeigt uns, dass das Sprungbein durch den Sturz und den Aufprall doch ausgeprägter geprellt ist, als wir zunächst gedacht haben. Ich würde Sie bitten an ihrer Aktivität etwas zurückzuschrauben. Wir wollen die Ruhigstellung noch etwas verlängern.“ 

Wenige Minuten später:

Zwei Monate sind 61 Tage, 61 Tage sind 1464 Stunden und das noch in Minuten? Ich bin müde. Ich kann die Verletzung und ihre Folgen nicht akzeptieren. Wir haben 35 Grad im Schatten und dieser riesige, schmerzende Stiefel um meinen Fuß, macht die Situation nicht erträglicher. Es sind die zwei Prozent Hoffnung auf eine gute Nachricht, die den Weg in die Uniklinik etwas leichter machten.

Nur sie kam nicht. So sprach die eigene Schmerz- und Körperwahrnehmung auch nicht für eine positive Entwicklung. Es sind die Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, wenn man die Projekte für die kommenden Monate absagen muss. Es ist die Sprachlosigkeit einiger Leute, die den Zustand nicht besser macht. Ein Satz eines älteren, sehr geschätzten Regisseurs und Kollegen bleibt in meinem Kopf hängen und kommt immer wieder in die Repeat-Schleife: „Ich verstehe das nicht, du bist doch so eine gute Künstlerin, du hast doch so eine gutes Körperbewusstsein, wie kann dir denn nur so ein Unfall passieren?!“ Ich finde keine passende Antwort.

Ich brauche mehr Informationen. Ich brauche Gewissheit. Ich brauche Ruhe.

Tipp 1 – Informationen

Ich will alles wissen – alles zu meinem Fuß, alles über Fußverletzungen im Klettersport und die Nachwirkung von Stürzen im Allgemeinen. Ich empfehle euch euren behandelnden Unfallchirurg oder mitbehandelnden Hausarzt zu fragen, um an weitere Informationen zu kommen. Bei mir lief es etwas anders. In meinem Bekanntenkreis konnte ich meine Fragen und vor allem mein Leid einfacher verständlich machen. Ich telefonierte mit Leistungssportlern aus Deutschland und Österreich.

Sie waren mir eine große Stütze für meine psychische Verfassung und in der Einschätzung der Schmerzen. Auch sprach ich immer wieder mit Unfallchirurgen, die vor allem Bergunfälle in den österreichischen Alpen behandeln. Wichtig hier zu erwähnen ist, dass ich den Chirurginnen und Chirurgen die gleichen Fragen gestellt habe, wie meinem behandelnden Chirurgen vor Ort, um im Idealfall dieselben Erklärungen und Herleitungen zu bekommen und fast immer bekam. Die Antworten führten dazu, dass Gewissheit entstehen konnte. Darüber hinaus hatte das Wissen über die Verletzung, das ich stetig ausbauen konnte, einen sehr befreienden Effekt.

Tipp 2 – Humor

Ich bin überzeugt, dass Lachen und Freude in solchen angespannten Situationen die wichtigsten heilungsfördernden Mittel sind, die es gibt. Sei es Situationskomik, die Witze der besten Freund*innen, lustige Videos oder Serien, die das Leben in der Zeit leichter und entspannter machen.

Tipp 3 – Freund*innen & Familie

Nahestehende und liebe Personen aus meinem Freundeskreis und meiner Familie hatten und haben eine enorme Wichtigkeit. Wenn ich zurückdenke, sind spontane Überraschungsbesuche und Ausflüge die schönsten Momente in der Zeit der Ruhigstellung. Sei es ein kleiner Trip im Rollstuhl zur Eisdiele, ein Ausflug ins Rhein-Main Tal oder ins bergige Umland – ein wenig Höhenluft atmen.

Auch barrierefreie Konzerte kann ich nur empfehlen. Ein wenig vorsichtig wäre ich im Nachhinein bei basslastiger Musik. Der Bass verursachte bei mir sehr starke Schmerzen.

Tipp 4 – Take it slowly – das Laufenlernen

Wenn ich beobachte, wie oft Kleinkinder bei den Versuchen zu Laufen stocken, sich neu sortieren, eine Pause machen und doch immer weiter machen – so langsam verliefe, rückblickend, bestimmt ein idealer Anfang des erneuten Laufenlernens. Durch die lange Ruhigstellung und die Verlagerung des Gewichts auf die linke Körperhälfte und die Krücken, haben sich der Körper und die natürlichen Abfolgen verändert. Das erstmalige Aufsetzen des rechten Fußes ohne feste Schuhe führte zu einer kleinen Nervenachterbahn.

Die Wahrnehmung und Empfindsamkeit gegenüber der Beschaffenheit des Bodens ist sehr hoch. Seien es Wiese, Waldwege, Erhebungen, kleine Steinchen oder Bürgersteige, die mit unebenen Platten gepflastert sind. All das, bekam ich ungefiltert von der Fußsohle ins Hirn gesendet. Positiv lässt sich so das Laufenlernen mit einer kleinen Entdeckungsreise gleichsetzen. Mein Tipp für euch – betrachtet das Laufenlernen als kleine Abenteuerreise und versucht es so entspannt und bewusst wie möglich anzugehen. Forciert keine Belastungen und Abläufe, die der Fuß eventuell noch gar nicht leisten kann.

Tipp 5 – Ausgleich & Sport

Im Hochsommer mit einem großen Stiefel, der bis zu den Knien reicht, ruhig gestellt zu sein, ist keine einfache Situation. Ich habe mir einen Rollstuhl geliehen, um mir die zwei Monate so angenehm, wie möglich zu machen. Durch dieses Extra konnte ich gut einen Ausgleich schaffen. Ideal ist es, wenn der Rollstuhl auch in der eigenen Wohnung nutzbar ist, dann ist das Leid unter der mangelnden Eigenständigkeit sehr viel geringer. In der ersten Zeit nach der Verletzung ist an Sport schon aufgrund der starken Schmerzen im ganzen Körper nicht zu denken.

Nach Absprache und mit sehr gutem Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten des Körpers trainierte ich in der Zeit der Ruhigstellung den Oberkörper. Wenn eher wenig Zugang zu dem eigenen körperlichen Befinden besteht, würde ich die Krücken als „sportliches“ Element empfehlen. Krücken im Hochsommer mit riesigem Stiefel am Bein, Schmerzen und nur einem Fuß als Stütze, dienen auch gut als Sportprogramm. Treppensteigen ist eine kurze und effiziente Auspower-Methode mit Sixpack Garantie.

Für mich hat als ausgleichende Methode die Alexander-Technik gut funktioniert. Statt Alexander-Technik können bestimmt auch Elemente aus Yoga oder Feldenkrais unterstützend sein. Die Alexander-Technik setzt sich mit dem individuellen Aufbau des Körpers und der individuellen Nutzung des Bewegungsapparates auseinander.

Sie ist ein gutes Mittel, um falsche Spannungen und Irritationen in Bewegungsabläufen zu lösen und wieder zu einer natürlichen Laufbewegung zu kommen. Auch während der Ruhigstellung hat die Technik mir geholfen, um die Verletzung und meine neue Lebenssituation anzunehmen und einen guten Zugang zu meinem Körper zu behalten. Natürlich ist in Zeiten der Ruhigstellung keine natürliche Bewegung zu erlernen – hier half mir die bewusste Wahrnehmung der Heilungsprozesse und der Veränderungen im Körper. Durch die Einschränkung schafft der Körper andere Bewegungsmuster.

Das Studieren des eigenen Körpers und das Optimieren von Bewegungsabläufen kann leicht zu einer Wissenschaft werden. Hier ist es wichtig, erst mal nur wahrzunehmen, zu verstehen und in Ruhe zu handeln um neue, stimmige Abläufe zu erreichen.

Im Allgemeinen ist Alexander-Technik hilfreich bei:

  • Stressreaktionen des Körpers und Geistes
  • ungünstigem Gebrauch des Bewegungsapparates
  • Schmerzen und Spannungen des Bewegungsapparates
  • Nervenerkrankungen und Unruhe

Neben der Alexander-Technik kann Physiotherapie hilfreich sein und sollte verschrieben werden, um die Bewegung des Gelenks zu fördern. Am besten geht ihr zu speziellen und erfahrenen Physiotherapie Zentren für Sportlerinnen und Sportler und nehmt nicht die erste Physiotherapie Praxis in eurer Nähe.

Tipp 6 – Reden, reden, reden

Ich kann euch nur ans Herz legen mit allen Personen, die bei eurem Sturz dabei waren, auch darüber zu sprechen. Nicht um den genauen Hergang zu erläutern, sondern vor allem über die Erinnerungen, die bleiben, zu reden. Seien es die Geräusche des Aufpralls, die anderen Personen im Kopf haben und einem selbst nicht präsent sind. Das Austauschen von Erinnerungen hat nicht nur mir geholfen, sondern auch allen Beteiligten ihre Erinnerungen zu verarbeiten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Der lange Weg zurück Teil 2: Der Fuß, eine geniale Konstruktion 

14. Februar 2020
Tipps und Tricks

Das leise Aufkommen der Füße, der fließende Übergang zum erneuten Sprung und das Lösen vom Boden lassen das Gefühl von wiederkehrender Leichtigkeit entstehen. Der Fuß ist eine geniale Konstruktion. Allein die Abläufe von Sprüngen begeistern. 

26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln, starke Sehnen und über 100 Bänder sind die Voraussetzung reibungsloser Bewegungen und einen festen Stand auf unseren Füßen. Um kontrollierte Abläufe zu ermöglichen, versorgen sehr viele Nerven unsere Füße. Durch unsere Nerven können wir auch die kleinsten Veränderungen im und um den Fuß wahrnehmen. 

In der natürlichen Bewegung übernehmen unsere Füße das Körpergewicht und verteilen es auf drei Punkte: das Fersenbein, den inneren und äußeren Fußballen. Unser Fersenbein trägt mit der größten Knochenstärke dabei die meiste Last. Sprungbein, Fußwurzelknochen, Mittelfußknochen und Zehen sind in erster Linie für unsere Fortbewegung zuständig. 

In Bezug zum Klettersport lässt sich der Umkehrschluss ziehen. 

Die Form der Kletterschuhe bedingt eine andere Kräfteverteilung. Eine entscheidende Rolle spielen vor allem Sprungbein, Fußwurzel-, Mittelfußknochen und Zehen, um eine Route erfolgreich zu klettern. Die Kletterschuhe konzentrieren den Druck bzw. das Gewicht hauptsächlich auf die großen Zehen. Dadurch soll ermöglicht werden mit mehr Präzision zu klettern. Hier könnte von einer Umkehr der Kräfte gesprochen werden.

Nicht mehr das Fersenbein trägt das meiste Gewicht, sondern der fragile Teil des Fußes. Hinzukommen der Vorspann und die Beugung (Downturn) der Schuhe, die den Füßen und vor allem Sehnen und Bändern stark zusetzen können. 

So kann schon die Wahl der Kletterschuhe zu Einschränkungen und Verletzungen am Fuß führen. Wichtig ist hier die professionelle Beratung. Vor allem beim regelmäßigen Sportklettern sollten die Schuhe eine ideale Passform haben. Die häufigsten Verletzungen durch unzureichendes Wissen bzw. unbedachtes Nutzen der Schuhe sind zum Beispiel Quetschungen, Nagelfrakturen oder die Entwicklung eines Hallux Valgus. 

Durch die Gestaltung der Kletterschuhe sind Fußverletzungen bei einem Aufprall, schon aus geringer Höhe, sehr häufig. 

Je nach Art des Aufpralls mit den Füßen auf den Boden können verschiedene Brüche entstehen. Mögliche Frakturen sind Brüche des oberen Sprunggelenks, vor allem des Sprungbeins, Brüche in und am Sprunggelenk, schließen neben dem Sprungbein, Waden- und Schienbein mit ein. Je nach Sturzverlauf passieren auch Brüche des Fersenbeins. Die Krafteinwirkung, somit die Sturzhöhe ist neben der Art des Aufpralls mitbestimmend für die Form der Fraktur.

Das Sprungbein, der Talus ist der stabilste Knochen des Fußes mit der Besonderheit, dass durch die geringe Durchblutung der Heilungsprozess sehr langwierig sein kann. Talusfrakturen sind im Klettersport mit Aufprall sehr häufig. Ausschlaggebend ist hier das Aufkommen der Füße – sind sie angezogen oder nach vorn gestreckt, in welchem Winkel stehen sie zum Unterschenkel? Ähnliche Verletzungen des Sprungbeins treten häufig bei Motorradstürzen oder anderen Stürzen aus der Höhe auf. Eine Fersenbeinfraktur hingegen kann auch schon durch einen Sturz ins Seil mit schwungvollem Wandkontakt verursacht werden. 

In jedem Fall ziehen Brüche der Knochen auch starke Verletzungen der Bänder, Sehnen, Muskeln und Nerven mit sich. Je nach Verletzung und Schädigung des Fußes sind lange Heilungsprozesse zu erwarten. Leichtere Verletzungen heilen in der Regel in einer Zeitspanne von bis zu drei Monaten ab. Schwerere hingegen fordern von Klettersportlerinnen und -sportlern ein Höchstmaß an Geduld und Eigeninitiative, da sie bis zu zwei Jahre und mehr andauern können. 

„Allen diesen schweren Verletzungen des Sprunggelenkes und des Fußes ist gemeinsam das Behandlungsziel – eine stabile, achsengerechte Heilung zu erzielen mit guter Funktion der Gelenke und Folgeschäden mit vermehrter Abnützung, Arthrose der beteiligten Gelenke zu vermeiden. Besonders wichtig bei diesen Verletzungen ist, die mitverletzten nicht-knöchernen Strukturen wie Haut, Muskulatur und Bandapparat zu beachten und den Operationszeitpunkt gut zu wählen.“ Dr. med. Konstantin Genelin, Universitätsklinik für Unfallchirurgie, Innsbruck . 

In meinem Fall lag eine Fraktur des Sprungbeins vor, Abriss einen Knochenfragments und Absprengungen der Bänder. Die Verletzungen des Fußes wurden nach einiger Zeit als schwerwiegend eingeordnet. Ich schreibe den Artikel jetzt sechs Monate nach meinem Sturz aus ca. 2,3 m Höhe. Aktuell gehe ich in der Ebene und habe noch Schwellungen und Schmerzen um den Talus. Die Stelle der Fraktur heilt immer noch. Eine ständige Begleitung nach solchen Verletzungen sind Schmerzen. Je nach Stärke der Verletzung entstehen auch Schmerzen in anderen Bereichen, wie Bein, Knie und Hüfte. Eine Herleitung der Schmerzen sowie ein Verständnis für die verschiedenen Intensitäten half mir sie auszuhalten und verbesserte den Umgang mit der Situation. 

Ein einfacher Erklärungsversuch: Insgesamt verfügen unsere Knochen über Nerven, Nervenfasern, Blutgefäße, Knochenmark, verschiedene Knochenstrukturen, Knochenzellen, Fettgewebe oder blutbildendem Gewebe. Im Knochen sorgen Zellen für die Wiederherstellung.

Neues Knochenmaterial wird durch Osteoblasten gebildet. Die Osteoklasten hingegen fördern überschüssiges Gewebe ab. Beziehen wir uns wieder auf die Fußverletzung haben wir es mit einer Trabekelfraktur zu tun. Diese Knochenstruktur ist komplexer und hat eine längere Heilungsdauer. Knochentrabekel sind Knochenbälkchen, die im Inneren des Knochens eine schwammartige Struktur (Spongiosa) bilden. Entlang der Belastungslinien des Körpers verfügen unsere Knochen über das besonders flexible und leichte Knochengewebe. 

Die hohe Sensibilität des Fußes trägt nicht viel zur Schmerzlinderung bei, ermöglicht jedoch ein umfassendes und treffendes Bild über den Heilungsprozess. 

Mehrere Zweige unserer Hauptnerven laufen in unseren Füßen aus. Die Schädigung der Nerven und zusätzliche Schwellungen führten in meinem Fall dazu, dass ich meine Zehen für ca. sechs Wochen nicht mehr ansteuern konnte. Auch strahlen die Schmerzen der Nerven bis ins Knie und in die Hüfte.

Bei Schädigungen der Bändern, Sehnen und Muskeln verläuft es ähnlich. Verletzungen der Bänder sind an Blutergüssen an den Beinen erkennbar. So zeichnen sie die Bahn der verletzten Bänder nach. Dies verdeutlicht recht anschaulich, wie Verletzungen weitere Strukturen beeinträchtigen. Auch Ödeme und Hämatome beeinflussen das System des Bewegungsapparates und führen zu zusätzlichen Spannungen, die Einschränkungen und Schmerzen verstärken. 

Langwierige Heilungsprozesse mit starken Einschränkungen stellen das Leben von aktiven Sportlerinnen und Sportlern schnell und plötzlich auf den Kopf. Neben der physischen Komponente rate ich daher auch die psychische Komponente wahrzunehmen und nicht zu ignorieren. Meist gibt es die Möglichkeit und Wege trotz starker Einschränkung sportlich aktiv zu sein und sich selbst vorerst neu im Leben zu orientieren. 

Heilungsprozesse beschleunigen?! Gibt es da nicht was? 

Im nächsten Artikel gebe ich Tipps, Anregungen sowie meine Erfahrung weiter, wie ihr lange Phasen der Ruhigstellung gut überstehen, und auch den Weg des erneuten Laufenlernens, entspannt angehen könnt.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Der lange Weg zurück Teil 1: Hoch hinaus oder die Kunst des Sturzes

19. Dezember 2019
Die Bergfreunde

Es sind die Sekunden kurz vor dem Aufprall, in denen Du realisierst, was passieren wird. Die Bilder bleiben in deinem Kopf und kehren immer wieder zurück. Sie sind wie eine Mahnung, die immer bleibt, die immer wieder sagt, was passieren kann und was es zu vermeiden gilt. Den Moment, in dem Du bemerkst, was passieren wird, versuchst du so stark festzuhalten, dass Du am Ende des Aufpralls noch ansprechbar bist.

Es sind die entscheidenden Sekunden.

Ich finde mich in einer perfekten Seitenlage wieder. Ich bin beeindruckt. Selbst meine Hände bilden ein Schutzschild zwischen Kopf und Boden. Schnell denke ich, schnell Hilfe holen – bevor ich das Bewusstsein verliere. Ein Satz, der klar und deutlich für sich steht: „Hol‘ einen Krankenwagen, der Fuß ist komplett kaputt“. Zehn Sekunden später liege ich alleine in einer großen Kletter- und Boulderhalle. Mein Blick folgt meiner Kletterpartnerin, die aus der Halle rennt. Ich versuche bewusst meinen Puls zu halten und beruhige mich mit dem Wissen, dass es nicht mein erster Sturz ist und ich weiß in welcher Reihenfolge die Schockreaktionen eintreten. Nur das Bewusstsein muss bleiben, sonst wird es im Krankenhaus zu lange dauern, denke ich und konzentriere mich auf meine Atmung. Die Schmerzen kommen im Hirn an und lassen mich schaudern. Ich versuche sie in den Hintergrund zu drängen.

Es ist Pfingstsamstag und wir sind zu zweit in der Halle. Eine große Halle nur zu zweit zu nutzen – hat etwas sehr Schönes und irgendwie Gruseliges zugleich. – Das Training für eine Nepal-Exkursion für Anfang 2020 haben wir gerade begonnen. In zwei Monaten soll es ins britische Klettermekka, den Peak District gehen. Der Peak District bietet schöne Gritstone-Klippen, über 2000 Routen und Routenlängen von bis zu einem Kilometer.

Eine atemberaubende Landschaft, Berge und English Tea?!

„Ich kämpfe“, sage ich so leise, dass ich es selbst kaum hören kann. Ich blicke in das entsetzte Gesicht meiner Kletterpartnerin, die soeben meine Körperfarbe als nicht mehr existent beschrieben hat. „Sogar deine Lippen haben keine Farbe mehr.“ Ich versuche zu lächeln und denke mir, es gibt keine bessere Begleitung ins Krankenhaus. Eine Pharmazeutin, die klinische Studien betreut, wird für mich sprechen, falls ich es nicht mehr kann.

Es vergehen Stunden an verschiedensten Orten der Uniklinik Bonn. Das Gefühl für Zeit und Raum sind gebunden an einen Mikrokosmos, der an diesem Pfingstsamstag keinen Boulderunfall mehr gebraucht hätte. Ein junger Mann tanzt fröhlich mit einer Krücke in der Radiologie und ich wünsche mir nichts mehr als mit ihm tauschen zu können.

Das Zögern der Ärztin und des dazu gerufenen Facharztes strengt mich unglaublich an und ich wechsele in den für mich typischen „Schweigemodus“ und lächele nur noch.

Eine Art der stillen Akzeptanz verbunden mit dem klaren Abgeben von Eigenständigkeit.

Zehn Stunden nach meinem Unfall gibt es endlich eine vorläufige Diagnose, deren Schwere und Komplexität ich erst in den darauffolgenden Wochen und Monaten verstehen werde:

Knöcherner Ausriss aus dem Sprungbein, Absprengung des Deltabandkomplexes – Bänderdreieck am Innenknöchel, teilweise gerissene Bänder des Außenknöchels, Knochenmarködeme und Hämatome.

Für eine Person, die gerne unabhängig und sehr aktiv ist, bedeuten diese Monate auch zu erfahren, wie es sich anfühlt nicht die starke Frau sein zu können und zu lernen, dass Schwäche nichts Negatives ist und vor allem positive Seiten zu bieten hat.

Dass ich jetzt für das Basislager eine Reihe über komplexe Fußverletzungen im Kletter-/ Bouldersport, Behandlungsmethoden und Heilungsprozesse sowie ein Doppelinterview mit meinem behandelnden Unfallchirurgen veröffentlichen werde, habe ich letztlich meiner Verzweiflung zu verdanken. In einem Tweet an die Bergfreunde schrieb ich:

Shoppe gerade bei @Bergfreunde_de – das nenne ich Resignationsstufe 2… #climbingaccident #Sprunggelenk #4of8weeksdone #nowalksanymore  (@Journal.ist.in)

Mit dieser Reihe möchte ich meine Erfahrungen, medizinisches Fachwissen, Tipps und heilungsfördernde Übungen während der Phase der zweimonatigen Ruhigstellung an euch weitergeben.

Hoch hinaus muss nicht immer das Erreichen eines Berggipfels bedeuten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Steinexkurs XXL – von interessantem Grundwissen bis zum heimischen Kletterfelsen

4. November 2019
Tipps und Tricks

Wir sammeln sie und bewundern sie, halten uns daran fest und klettern an ihnen hoch. Sogar manches Klettererherz scheint daraus zu bestehen. Gemeint sind Steine, Felsen von denen man als Kletterer aber auch Bergsteiger ständig umgeben ist. Man nimmt sie fast schon als selbstverständlich hin, als dass man sich noch sonderlich Gedanken darüber macht. Doch Mutter Natur hatte und hat immer noch eine Menge Arbeit damit, dass die Felsen heute so sind wie sie eben sind.

Und ist es da mal nicht an der Zeit, den ewigen Begleiter des Kletterers, den Felsen, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen?  Denn wer weiß, auf welche Art von Stein man im jeweiligen Klettergebiet trifft, kann sich besser auf die Kletterei einstellen und gegebenenfalls spezielles Sicherungsmaterial mitbringen.

Ausflug in die geologische Geschichte

Dass wir heute überhaupt an Felsen klettern können, verdanken wir inneren und äußeren Dynamiken der Erde über eine lange Zeit hinweg. Die Erde ist nicht nur an der Oberfläche aktiv, sondern auch in ihrem Keller rührt sich einiges. Die unterschiedlich dicke Erdkruste schwimmt quasi als Haut auf dem äußeren Erdmantel, der aus Magma besteht.

Die Erdkruste wird in Platten unterteilt, die sich durch Konvektionsströme bewegen. Das führt dazu, dass an der einen Stelle Land versinkt und an der anderen Stelle wieder etwas neues entsteht (Entstehung der Alpen). An der Oberfläche, also wo wir leben, spielen Dynamiken wie Wetter, Wind und auch wir selbst eine Rolle. Durch diese äußeren Einflüsse werden über Jahrtausende ganze Gebirgsketten zerlegt und Sedimente ins Tal transportiert.

Eine Faustregel, die man sich merken kann, ist, je alpiner die Region ist, desto stärker ist die Erosion und je weicher das Ausgangsgestein ist, desto schneller wird es abgetragen.

Definition Gestein

Laut geologischer Definition ist ein Gestein ein natürlich vorkommendes Aggregat aus Mineralien (zum Beispiel Calzit bei Kalk), dessen Bruchstücke und Resten von Organismen. Teilweise beinhalten Gesteine auch nicht mineralische Substanzen. Daraus bilden sich die drei großen Hauptgruppen heraus, in die man Gesteine einteilt.

Sedimentgesteine

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Sediment Bodensatz, also Ablagerung. So sind also Sedimentgesteine durch die Verdichtung und Verfestigung von Gesteinsablagerungen entstanden. Wenn mehrere Schichten aufeinander liegen, wird der Druck erhöht, so dass Luft und Wasser aus den Gesteinen gepresst wird. Dabei verzahnt sich das Gestein ineinander. Wenn dann mineralhaltiges Wasser (beispielsweise mit Calzit) durch die Sedimente fließt entsteht ein natürlicher Zement, der die Schichten verkittet.

So wird aus dem lockeren Sediment eine feste Masse. Dabei gibt es nochmal zwei kleine Untergruppen. Klastische Sedimente (wie Sandstein) bestehen nur aus Bruchstücken anderer Gesteine, während biogene Sedimente wie viele Kalkfelsen aus den Kalkschalen kleiner Meerestiere entstanden. Sedimentgesteine sind in Deutschland weit verbreitet aber auch der Gipfel des Mount Everest besteht aus diesem Gestein.

Magmatische Gesteine

Hier ist der Name Programm. Heißes Magma steigt auf und dringt in umgebene Gesteinsschichten ein oder verdrängt diese. Entweder das Magma erstarrt noch innerhalb der Erdkruste, was man dann als Tiefengestein bezeichnet oder es erstarrt durch vulkanische Aktivität erst an der Oberfläche, was dann als Vulkanit bezeichnet wird.

Der Vorgang ist eng mit endo- und exogenen Vorgängen verbunden. Sie sind die ursprünglichsten Gesteine der Erde. Nicht nur entlang der Anden mit ihren aktiven Vulkanen sind solche Gesteine anzutreffen, auch in Mitteleuropa gibt es davon eine Vielzahl. Besonders bekannt ist hierbei Granit, der nicht nur in den Alpen tolle Wände darstellt.

Metamorphe Gesteine

Dabei können magmatische sowie Sedimentgesteine Ausgangspunkt sein. Diese werden dann unter hohem Druck und Temperatur in der Erdkruste umgewandelt und neu geformt. Somit ist diese Gesteinsart nur eine Neubildung von bereits vorhandenen Formationen, was allgemeine als Metamorphose bezeichnet wird. Dafür typisch ist die feine Schichtung oder Schieferung, die oft senkrecht zur ursprünglichen Schieferung verläuft. Als klettertauglich gilt hier der Gneis.

Ausgestattet mit diesem Grundwissen spaziert man nun zum nächsten Kletterfelsen und nimmt ihn unter die Lupe. Die Vielfalt der geologischen Prozesse ist genauso groß wie die Vielfalt der Gesteine, die uns umgeben. Jedoch gibt es einige, die sich als besonders kletterbar herausgestellt haben und teilweise auch fast vor der Haustüre stehen.

Die verschiedenen Felsarten

Sandstein – der mit der guten Reibung (Sediment)

Boulderer, die schon mal in Fontainebleau waren, erinnern sich sicher an den besonderen Felsen. Ebenso trifft man ihn in der sächsischen Schweiz und in der Pfalz. Sandstein besteht aus Ablagerungen von Quarzsand, der sich unter Druck zu Schichten verfestigt hat. Durch jahrzehntelange Erosion wurden die Steine wieder freigelegt. Die Zusammensetzung des Sandsteins hängt von seinem Ablagerungsort als auch vom Herkunftsort des Gesteins ab.

Durch den Transport in Flüssen weist Sandstein meistens eine Schrägschichtung auf. Er lockt mit guter Reibung und ungewöhnlichen Formen, wie Waben und Slopern, jedoch sollte man ihn nie bei Nässe oder mit dreckigen Schuhen klettern. Durch tonisches Bindemittel ist Sandstein besonders weich und zerbricht bei äußeren Einflüssen relativ schnell. Das erklärt auch die strengen Kletterregeln in Fontainebleau und dem Elbsandstein. Auch im Bezug auf Chalk und Sicherungsmaterial sollte man sich an die örtlichen Regeln halten, um den Felsen zu bewahren.

Konglomerat – der mit den coolen Formen (Sediment)

Unauffällig geht anders. Konglomerat fällt sofort ins Auge. Mit seinen großen Steinen schreit er förmlich danach beklettert zu werden. Man trifft ihn in der Eifel aber auch in Riglos (Spanien). Rund geschliffenen Steine wurden von Flüssen und Gletscherabflüssen zusammengetragen und riesige Ablagerungen entstanden. Diese wurden von weiteren Schichten überdeckt und über Jahrhunderte zusammengepresst.

Unter Druck und mit Hilfe chemischer Bindemittel entstand diese Formation. Dank Erosion ist der Fels heute kletterbar. Das Klettern erweist sich dort meist als sehr anstrengend, da Sloper und große Kiesel als Griffe dienen und kaum Reibung herrscht. Konglomerat wird zudem durch die glatte Oberfläche der eingeschlossenen Steine schnell speckig.

Dolomit und Kalk – die aus dem Meer (Sediment)

In unseren Breiten ist Kalk und Dolomit die häufigste Gesteinsart. In den südlichen Kalkalpen, im nördlichen Frankenjura und in den Dolomiten sind sie zu finden, aber auch in Frankreich und im Donautal. Beide bestehen aus marinen Ablagerungen. Während beim Dolomit Magnesiumcarbonat eingelagert wurde, besteht Kalk aus kristallinem Calzit.

Durch Erosion sind beide Gesteine stark strukturiert und bilden die unterschiedlichsten Griffformen, wie Löcher, Henkel und Leisten. Dolomit neigt zu einer größeren löchrigen Verwitterung und ist daher noch besser zum Klettern geeignet als Kalk. Die Kletterei ist hier vorwiegend fingerlastig und vor allem an Sintern kräftig und athletisch. Als Sicherungspunkte werden häufig die entstandenen Sanduhren verwendet.

Tuff – der für Sportkletterer (magmatisch)

Teneriffa und Gran Canaria beherbergen im Vergleich zu unseren Breiten mehr Tuffgestein. Noch bekannter unter Kletterern sind allerdings die Smith Rocks in Oregon, die die Klettergeschichte prägten. Charakteristisch für Tuff ist raues Gestein mit vielen kleinen und größeren Löchern, die sich perfekt als Tritte und Griffe eignen. Entstanden ist dieses Gestein durch vulkanische Aktivität. Vulkane spucken nicht nur Lava aus, sondern auch Gase, die die Lava in feinstes Material zerstäubt. Neben feinen Aschen können auch kleinere Gesteinsbruchstücke und größere glasige Brocken abgelagert werden.  Aus den verdichteten vulkanischen Aschen entsteht schlussendlich Tuff, der sich bestens für Sportkletterer eignet.

Basalt – der König der Säulen (magmatisch)

Basaltgestein trifft man hauptsächlich in Ettringen und in der Rhön, weltberühmt ist auch der Devil’s Tower in Wyoming. Sie ist die häufigste magmatische Gesteinsform der Welt und Unterlagerung aller Meeresböden. Durch schnelle Abkühlung an der Oberfläche fällt Basalt Feinkristallin aus und ist relativ dunkel gefärbt. Charakteristisch sind die meist hexagonalen, senkrechten Pfeilen, zwischen denen sich Risse bilden. Auch Verschneidungen sind typisch für Basalt. Einziges Manko ist, dass man die Rissstrukturen nicht optimal absichern kann, da sie meist geschlossen sind.

Granit – der aus der alpinen Welt (magmatisch)

Fährt man in den Schwarzwald, ins Harz oder ins Fichtelgebirge hat man Granit unter den Fingern. Er bildet auch die eindrucksvollsten Berggruppen der Alpen wie den Mont Blanc oder das Bergell-Massiv. Granit ist ein in der Tiefe erstarrtes Magma, dass angehoben und durch Erosion freigelegt wurde. Charakteristisch sind die mit dem bloßen Auge erkennbaren Kristalle aus Quarz, Felsspat und Glimmer. Diese sorgen auch für die sehr raue Oberfläche. Es winken zahlreiche massive Risse zum Klettern, die sich, anders als bei Basalt, bestens mobil absichern lassen.

Gneis – der Bruder vom Granit (metamorph)

Sobald man auf Granit trifft ist auch Gneis nicht weit. Im Ötztal, Zillertal aber auch im Tessin und im bayrischen Wald trifft man vermehrt auf den Bruder des Granits. Gneis ist ein metamorphes Gestein, das sich aus Granit oder auch Sandstein bilden kann. Durch hohen Druck verformte sich das Ausgangsgestein zu Gneis, der Bänderungen mit hellen und dunklen Lagen aufweist, weil sich bei der Metamorphose die hellen von den dunklen Bestandteilen trennen. Die starke Bänderung sorgt mit der Erosion dafür, dass sich viel mehr positive Griffe und Tritte bilden als beim Granit. Das geht aber auf Kosten der Reibung. Risse sind im Gneis zwar vorhanden, aber weniger ausgeprägt als im Granit. So gestaltet sich das Klettern und auch das Absichern hier als anspruchsvoller.

Quarzit – der Bruder vom Sandstein (metamorph)

In unseren Breiten ist Quarzit eher selten, dafür findet man ihn aber im Durance-Tal bei Briancon. Ähnlich wie beim Gneis geht der Quarzit aus einer Metamorphose hervor. Er entstand durch die Umwandlung von sehr quarzreichem Sandstein und ist ein helles und vor allem hartes Gestein. Zudem weist Quarzit keine Schieferung auf, ist aber im Gegensatz zum Sandstein viel stabiler und weniger anfällig für Erosion durch Kletterer. Oft wird aber auch Sandstein mit Quarzit verwechselt. Wenn dessen Poren mit Kieselsäure gefüllt und verhärtet sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Dass der Steinexkurs nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Gesteine auf dieser Welt umfasst, versteht sich von selbst. Und was man nun mit dem gesammelten Wissen anfängt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Aber ist es nicht irgendwie cool, wenn man nicht nur die Wand hochläuft, sondern auch ein wenig Background- Informationen hat? Spätestens bei der Entscheidung wo der nächste Klettertrip hingehen soll und welches Material mit muss, ist es durchaus hilfreich zu wissen, ob man nun die gemütlichen Schlappen mitnehmen soll oder doch die aggressiven Latschen mit Downturn. Eines ist sicher, zu viel gewusst hat man wohl noch nie!

Von A wie „Aua“ bis Z wie „zum Arzt gehen“ – was bei Sportverletzungen zu tun ist

19. November 2019
Tipps und Tricks

Kennt ihr das, man sitzt beim gemütlichen Bierchen mit Freunden, allesamt (Berg-)Sportler und irgendwann kommt einer auf das Thema Sportverletzungen? Stolz zeigt dann jemand seine schon leicht verblasste Narbe als Trophäe und erzählt eine wilde Story, wie es denn dazu kam. Klar hört sich das oft lustig an oder spannend oder heroisch oder oder oder…

Und meist leben diese Geschichten auch von einer kleinen Portion Übertreibung. Aber in ihrem Kern sind sie doch immer wahr und das Erstaunliche ist dabei, dass jeder in der Runde irgendeine Anekdote parat hat, in der er genäht, eingerenkt oder vergipst wurde. Das hört sich jetzt erst einmal krass an, zeigt mir aber auch gleichzeitig wie viel, beziehungsweise wie wenig wirklich Schlimmes beim Sport so passiert. Denn viele der Geschichten sind nicht nur Jahre alt, vielmehr haben sie in der Regel auch keine weiteren Beeinträchtigungen hinterlassen.

Hier geht’s zu Teil 1: Was tun als Ersthelfer

Sportverletzungen und Co. – Wie kann ich schnell und effektiv helfen?

Wer viel unterwegs ist, der wird das kennen: Kratzer, Schnittwunden oder auch ein umgeknickter Fuß, das gibt es schon einmal. Meist ist das auch keine große Sache und mit ein paar Heftpflastern oder einem Beutel Eis halbwegs gut versorgt. Die Rettung muss nicht unbedingt alarmiert werden, oft genügen der Griff in die Hausapotheke und sofern erforderlich der anschließende der Gang zum Arzt. In Teil Zwei unserer kleinen Erste-Hilfe-Serie geht es daher um alle Verletzungen, die auch ohne Notarzt und Rettungswagen gemeistert werden können. Der Artikel soll lediglich zur Sensibilisierung für das Thema Erste-Hilfe dienen. Er kann aber keineswegs einen entsprechenden Kurs beim Roten Kreuz oder vergleichbaren Organisationen ersetzen.

Wunden versorgen – so macht man es richtig

Zu den häufigsten Verletzungen überhaupt gehören Schnitt-, Schürf- und Platzwunden, Schrammen und Kratzer. Diese lassen sich in der Regel recht einfach versorgen. Dennoch wichtig: Wenn möglich sollte man als Ersthelfer Einmalhandschuhe tragen. Alternativ, kann man sich als Betroffener natürlich auch selbst „verarzten“.

Ist die Wunde stark verschmutzt (Erde, Sand etc.) sollte man sie zunächst einmal reinigen, hierzu eignet sich Leitungswasser bestens. Danach werden Wunden in der Regel desinfiziert (Desinfektionsmittel, Desinfektionstücher aus dem Erste-Hilfe-Beutel) und mit einer geeigneten Wundauflage versorgt, dies kann je nach Größe der Wunde ein einfaches Heftpflaster oder auch eine sterile Kompresse sein. Nicht jede Wunde erfordert gleich den Gang zum Arzt. Man sollte die betroffene Stelle und deren Heilung jedoch auch in den Tagen nach dem eigentlichen Unfall gut beobachten. Wird die Stelle rot oder heiß oder nässt die Wunde andauernd stark, braucht es auch hier definitiv nochmals professionelle Hilfe.

Bei Platz- und Schnittwunden kann es je nach Körperstelle auch zu starken Blutungen kommen. Diese sind meist nicht mit den üblichen Hausmitteln dauerhaft zu stillen und ziehen oft den Gang zum Nähen nach sich. Sofortmaßnahmen kann und muss aber auch hier jeder selbst ergreifen. Ein einfacher Druckverband reicht dabei in der Regel aus. Hierzu wir eine möglichst keimfreie Wundauflage direkt auf die Wunde gelegt und mit einer Binde zwei bis drei Mal umwickelt. Darauf kommt dann im Bereich der Wunde ein Druckpolster (z. B. eine noch eingepackte Binde). Dieses wird ebenfalls fest umwickelt und schon ist der Verband fertig.

Wenngleich die eigentliche Wunde vielleicht nicht tief ist, führt bei Schnittwunden, die beispielsweise durch verunreinigte Gegenstände wie Glasscherben, rostige Metallteile etc. zustande gekommen sind, der Weg definitiv zum Arzt. Auch Bisswunden und Kratzer, die durch Tiere entstanden sind, müssen aufgrund der Infektionsgefahr ebenfalls unbedingt nochmals professionell begutachtet werden. Brandwunden werden lediglich abgedeckt und leicht gekühlt, daraufhin führt der Gang direkt zum Arzt, Hausmittel sind hier nicht angesagt.

Knochenbrüche – wie man Schmerzen lindern kann

Die Erfahrung zeigt, ein Knochenbruch wird nicht selten erst beim Arzt erkannt. Steht der betroffene Körperteil nicht besonders seltsam ab oder handelt es sich um einen offenen Bruch, ist ein Knochenbruch oft nicht eindeutig zu erkennen. Wer hat auch schon ein mobiles Röntgengerät im Rucksack dabei. Dennoch gibt es ein paar Anzeichen, die auf einen Knochenbruch schließen lassen. Ist beispielsweise nach einem Sturz die Bewegung des Beins stark eingeschränkt kann es sich um einen Knochenbruch handeln, auch eine Schwellung, oder starke Schmerzen sind typische Symptome.

Aus diesem Grund sollten auch keine großartigen Bewegungsübungen oder dergleichen unternommen werden. Hat der Betroffene eine Schonhaltung gefunden, die für ihn halbwegs angenehm ist, sollte man ihn auch so belassen. Gerade bei gebrochenen Beinen kann auch ein Polstern und leichtes Unterstützen mit weichen Gegenständen dabei helfen, die Schmerzen ein wenig zu lindern. Hierzu eignen sich beispielsweise Decken, Handtücher, Pullover oder auch ein Schlafsack. Auch vorsichtiges Kühlen kann ebenfalls hilfreich sein. Keinesfalls sollte man als Laie versuchen den Knochenbruch einzurenken oder zu schienen. Hierdurch mach man in der Regel alles schlimmer, aber nichts besser.

Vorsicht: Bei einem Knochenbruch besteht immer auch die Gefahr eines Schocks. Zeigt der Betroffene also diesbezüglich deutliche Anzeichen ist es ratsam, einen Notruf abzusetzen. An einer ärztlichen Behandlung geht ohnehin kein Weg vorbei.

Bei Sportverletzungen – PECH-Regel

Zu den typischen Sportverletzungen zählen unter anderem Muskelzerrungen, gedehnte Bänder oder auch Prellungen. Verletzungen dieser Art führen in der Regel zu vergleichsweise starken Schmerzen und müssen schnellstmöglich erst-versorgt werden. Hierbei gilt die sogenannte PECH-Regel, also die Kombination aus „Pause“, „Eis“, „Compression“ und „Hochlagern“.

  • Der Sport ist für heute beendet. Wenn möglich sofort mit der Bewegung aufhören, die betroffene Körperstelle ruhigstellen und nicht unnötig bewegen.
  • Die Verletzung muss gekühlt werden. Dies kann mit einem geeigneten Kühlkissen erfolgen. Alternativ eignet sich aber auch alles, was irgendwie kühlt, vom Beutel Eiswürfel über ein feuchtes Handtuch bis hin zu Omas liebevoll eingefrorenen Himbeeren. Dabei nie Eisbeutel oder Kühlakkus direkt auf die Haut legen, sondern immer mit einem Handtuch oder ähnlichem umwickeln.
  • Schreibt man eigentlich mit K, aber hier geht es ja auch nicht um Rechtschreibung. Gemeint ist damit das Anlegen eines Druckverbands mit mäßiger Spannung. Keinesfalls sollte dieser zu eng sein, da ein Anschwellen des Körperteils trotz Verband und Kühlung möglich ist. Hierzu verwendet man idealerweise eine (elastische) Binde, muss improvisiert werden, tut es beispielsweise am Fußgelenk auch eine enge Socke.
  • Hierbei sollte das verletzte Körperteil immer so gelagert werden, dass er höher als das Herz liegt. Dadurch kann das Blut besser abfließen und Schwellungen und Schmerzen fallen deutlich geringer aus. Zum Unterlegen des Körperteils kann alles verwendet werden, was gerade da ist. Vom dicken Sofakissen über den Rucksack bis hin zum braven Hund, erlaubt ist was funktioniert. 

Wichtig fürs Gemüt – moralischer Beistand

Wer kennt das nicht, schmerzt es irgendwo besonders stark oder hat man sich offensichtlich verletzt geht die Stimmung merklich runter und alles ist gleich noch viel schlimmer. Ist man hingegen ein wenig abgelenkt oder hat man jemanden, der sich nett um einen kümmert, geht es gleich schon ein wenig besser. Einfach mal ein wenig zum Verletzten hinsitzen und mit ihm reden, das hilft schon. Wenn dann der Verletzte das erste mal wieder lacht oder selbst anfängt was zu erzählen ist er meist schon wieder auf dem Weg der (mentalen) Besserung.

Hierzu eine Geschichte aus meinem Leben: Ich habe mir letztes Jahr beim Skifahren bei einem Sturz den linken Ski ans rechte Knie geschlagen und so eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Zunächst hatte ich das eigentliche Ausmaß gar nicht wahrgenommen und bin mit leichten Schmerzen noch bis zur Talstation des Lifts gefahren. Erst dort, bei genauerem Hinsehen wurde mir klar, dass ich wohl mehr als ein Pflaster brauchen werde. Mir wurde sofort sterbens schlecht und ich fühlte mich hundeelend. Mein Freund blieb zum Glück in dieser Situation vergleichsweise ruhig und begleitete mich ohne groß mit der Wimper zu zucken zur zufällig nahe gelegenen Erste-Hilfe-Station. Sofort kam ein Rettungssanitäter und hat mir nach kurzer Begutachtung einen Druckverband angelegt.

Dabei hat er mir außerdem sämtliche Geschichten erzählt, die ihm schon beim Bergsport passiert waren. Ein Druckverband ist nicht besonders angenehm. Aber aufgrund der lustigen (und vielleicht auch erfundenen) Geschichten vom Sani war das Verbinden ganz gut zu ertragen. Eine viertel Stunde und drei Gläser Wasser später, war ich dann wieder soweit auf den Beinen, dass ich immerhin ohne fremde Hilfe zum Arzt gehen konnte um die Wunde nähen zu lassen.

Abschließend

Beim Sport passieren immer mal wieder kleinere und größere Unfälle. Handelt es sich da „lediglich“ um einen verstauchten Fuß oder eine Schnittwunde im Finger ist das meist keine große Sache und man kann sich recht gut selbst behelfen. Wer hier ein bisschen weiß, was zu machen ist, kann schnell und einfach für Hilfe sorgen. Schlimmere Verletzungen wie Knochenbrüche oder ausgekugelte Schultern führen aber direkt zum Arzt.

Oft hilft es auch als Verletzter einmal in Ruhe in sich hineinzuhören. Will man beispielsweise dringend wissen, ob da auch wirklich nichts Schlimmeres passiert ist, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenngleich das vielleicht bei einer leichten Verletzung nicht immer notwendig ist. Frei nach dem Motto „morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, kann es aber auch nach einer Verletzung helfen erst einmal zur Ruhe zukommen und die Aufregung des Unfalls zu überwinden. Was in der jeweiligen Situation das Richtige ist, hängt daher immer auch stark von der persönlichen Verfassung und der tatsächlichen Verletzung ab.

Nun zu euch: Welche Story erzählt ihr beim Bierchen in lustiger Runde? Lasst uns doch mal eure Anekdote zum Thema Sportverletzung da.

Übrigens: Falls ihr Lust habt, das Thema mal praktisch anzugehen, schaut mal in der Safety Academy von Ortovox vorbei!

Wie reagiert unser Körper eigentlich auf Belastung?

3. September 2019
Tipps und Tricks

Nach einem anstrengenden Aufstieg bei bestem Bergwetter schaust du nach oben und hast fast schon den Gipfel erreicht, aber auf einmal fühlen sich die Beine wie Pudding an und jeder Schritt wird zu einer Herausforderung. Was ist da nur los? Vielleicht etwas zu schnell gegangen? Eigentlich sollte das Training in den vergangenen Wochen ja ausgereicht haben. Aber ob Klettern auch so viel für die Fitness beim Wandern bringt? Und vielleicht hätte ich bei der Pause auf der letzten Hütte doch nicht so viel auf einmal essen sollen.

Um die nächste Berg- und Klettertour nicht so enden zu lassen, wollen wir heute einmal auf die physiologischen Grundlagen beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Trailrunning eingehen und uns ansehen, was in unserem Körper da genau passiert.

So arbeitet deine Muskulatur beim Bergsport

Alle unsere Bewegungen beruhen auf dem Zusammenspiel aus Nervensystem und Muskulatur. Dabei ist es egal, ob du kletterst oder die Maus am Computer klickst. Die etwa 600 Skelettmuskeln unseres Körpers machen etwa 45 Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Muskeln ziehen sich auf „Befehl“ der Nervenbahnen zusammen und entspannen anschließend wieder.

Jede Muskelgruppe hat zwei oder mehrere Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen. Ein einfaches Beispiel ist der Unterarm. Winkeln wir ihn an, wird der große Bizepsmuskel am Oberarm angespannt. An seinen Enden läuft er in sogenannte Sehnen aus, die auf der einen Seite am Schulterknochen und auf der anderen Seite am Unterarmknochen verankert sind.

Kontrahiert (=anspannen) sich der Muskel, so bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu, das dazwischen liegende Gelenk wird gebeugt. Gleichzeitig muss der entgegengesetzt arbeitende Streckmuskel, der Trizeps, entspannt werden. Dieses Prinzip nennt sich fachmedizinisch Agonist und Antagonist, im übertragenen Sinn sprechen wir von Spieler und Gegenspieler.

Die Muskeln brauchen Treibstoff

Damit ein Muskel sich an- und wieder entspannen kann, braucht er Energie. Durch eine exotherme Reaktion wird chemische in mechanische Energie umgewandelt. Die für die Muskelkontraktion benötigte Energie wird zum größten Teil durch die Hydrolyse (Wasseranlagerung) von Adenosintriphosphat (ATP) in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphat (Pi) zur Verfügung gestellt.

Das ATP ist quasi der Hauptversorger und primäre Energielieferant der Muskulatur. Da der Vorrat im menschlichen Körper jedoch begrenzt ist, muss die Muskulatur während des Wanderns oder Kletterns weiterhin ATP herstellen, um nicht vorzeitig zu ermüden. Die für den Wiederaufbau benötigte Energie wird durch Oxidation aus Kohlenhydraten, Fettsäuren und Eiweißen bzw. Aminosäuren gewonnen.

„Man isst und trinkt nicht am Berg, um Hunger und Durst zu stillen, sondern um die Leistungsfähigkeit zu erhalten!“ – Dieses Zitat stammt von einem Bergsteiger und gilt nach wie vor.

Energiebereitstellung – wann verbrennt der Körper was?

Entscheidend für die Energiebereitstellung im Muskel ist, ob diese mit ausreichender Sauerstoffaufnahme (aerob) oder unzureichender Sauerstoffaufnahme (anaerob) geschieht und ob dabei Laktat (Milchsäure) entsteht, welches sich in den Muskelfasern ansammelt.

Wer beim 2000 Meter Lauf Vollgas gibt, kann diese Anstrengung nur kurz durchhalten. Hierbei verbrennen die Muskeln nur Kohlenhydrate. Bei einer fünfstündigen Bergwanderung verbrennt der Organismus sowohl Kohlenhydrate als auch Fette. Dies hängt mit der deutlich niedrigeren Intensität zusammen. Das Problem ist, dass der Kohlenhydratspeicher des Körpers nicht sehr groß ist – ganz im Gegensatz zum Fettspeicher.

Umso besser der individuelle Fettstoffwechsel trainiert ist, desto weniger Glykogen (Kohlenhydratspeicher im Muskel) wird benötigt, um die Anstrengung aufrecht zu erhalten. Die Energiebereitstellung ist abhängig vom Trainingszustand und zu einem großen Teil auch von der Ernährung. Bei vielen Volksläufen findet am Abend vor dem Rennen häufig die sogenannte „Pasta Party“ statt, um die Glykogenspeicher in den Muskeln vor dem Wettkampf noch einmal aufzufüllen.

Die muskulären Glykogenreserven sind bei intensiver Belastung beim Bergsport je nach Trainingszustand nach etwa 60 bis 90 Minuten so gut wie verbraucht. Bei anhaltender Ausdauerbelastung ist der Muskelstoffwechsel nun auf eine vermehrte Fettverbrennung angewiesen. Die Energiebereitstellung durch Fette benötigt allerdings deutlich mehr Sauerstoff und erfolgt nur halb so schnell wie durch die Kohlenhydrate.

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, hat vielleicht schon vom berühmten „Mann mit dem Hammer“ gehört. Dieses Phänomen beschreibt die Erschöpfung der Kohlenhydrat-Speicher im Muskelgewebe. Durch die langsamere Freisetzung der Energie durch die Fette muss die Intensität deutlich verringert werden, um überhaupt noch weiterlaufen zu können. Intensität und Dauer der maximalen Leistung verhalten sich also gegenläufig zueinander. Je mehr ATP in den Zellen gebildet werden kann, desto höher ist auch die Leistung.

Wer beim Wandern oder Klettern zu schnell startet sorgt zudem dafür, dass sich Laktat in den Muskeln ansammelt. Wird die Intensität nicht verringert, ist irgendwann die sogenannte Laktatschwelle erreicht. Diese ist bei jedem Menschen anders und kann während einer Leistungsdiagnostik ermittelt werden. Beim überschreiten der anaeroben Schwelle „übersäuert“ der Muskel und kann nicht mehr richtig arbeiten. Der Muskel kann nicht mehr so viel Energie produzieren, um weiter den Berg hinauf gehen zu können. Die Intensität muss deutlich verringert werden, um die Bergtour überhaupt noch fortsetzen zu können.

Leistungslimitierende Faktoren am Berg

Allgemein lässt sich das Leistungslimit des Körpers dadurch definieren, dass die beanspruchten Muskeln nicht mehr in der Lage sind, eine für eine bestimmte Belastungsintensität geforderte Leistung zu erbringen, sie also zunehmend ermüden. Wie im Beispiel mit der körperlichen Erschöpfung kurz vor dem Gipfel in der Einleitung.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit hängt somit von den physiologischen Prozessen ab, die eine Ermüdung der Muskeln herbeiführen. Es ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, wie groß der Anteil verschiedener Prozesse an der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit ist. Aber folgende Faktoren haben auf jeden Fall einen großen Einfluss auf unser Leistungsvermögen:

  • VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme)
  • Koordination (Trittsicherheit, Schwindelfreiheit)
  • Psychologische Aspekte (ausgesetztes Gelände, Höhenangst)
  • Muskelfaserzusammensetzung (Training)
  • Energiebereitstellung
  • Wärmeregulation (Hitze/Kälte)
  • Wasser- und Elektrolythaushalt
  • Orthopädische Beschwerden

Die Gefäßkapazität in den Muskeln könnte etwa das Vierfache der durch das Herz verfügbaren Blutmenge nutzen. Bei Ausdauersportarten wie dem Bergwandern, Bergsteigen und Trailrunning ist somit die Transportkapazität des Herz-Kreislauf-Systems leistungslimitierend. Jedoch sagt die maximale Durchflussrate in den Blutgefäßen noch nichts über die Effizienz der Sauerstoffversorgung der Muskeln beim Sport aus, die mit regelmäßigem Training gesteigert werden kann, damit die Muskeln beim nächsten Mal eben nicht kurz vor dem Gipfel „schlapp“ machen, sondern bis zum Rückweg am Parkplatz nach der Tour brav ihren Dienst erfüllen.

Die berühmte Ausdauer, von der man gar nicht genug haben kann

Als „Ausdauer“ bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus gegen Ermüdung und die rasche Regenerationsfähigkeit nach einer körperlichen Belastung wie Klettern oder Bergwandern. Ausdauer beschreibt aber auch die motorische Fähigkeit, eine bestimmte Intensität (zum Beispiel die Lauf- oder Aufstiegsgeschwindigkeit) über eine möglichst lange Zeit aufrechterhalten zu können, ohne vorzeitig körperlich zu ermüden. Ebenso beschreibt sie die Zeit, die nach einer Tour am Berg für die Regeneration benötigt wird.

Durch verbesserte Ausdauer (Training) ist von Beginn an eine höhere Intensität möglich und die zu Verfügung stehenden Energiespeicher des Körpers können deutlich effizienter genutzt werden. Die menschliche Ausdauer stellt neben Kraft, Schnelligkeit, Koordination und der auf Mobilität und Dehnfähigkeit beruhenden Beweglichkeit eine grundlegende motorische Fähigkeit unseres Körpers dar. Jede einzelne Sportart erfordert und trainiert diese Grundfertigkeiten in unterschiedlichen Maßen, deswegen muss im nächsten Abschnitt auch noch auf die unterschiedlichen Bergsportarten eingegangen werden.

Unterschiedliche Belastung bei verschiedenen Spielarten des Bergsports

Generell können die meisten Sportarten am Berg als Ausdauersportarten bezeichnet werden. Der limitierende Faktor, der eine Tour oft schneller scheitern lässt als geplant, ist die körperliche Fitness. Besonders beim Wandern und dem klassischen Bergsteigen gerät das Herz-Kreislauf-System bei einem steilen Aufstieg schnell an seine Grenzen und der Plus geht so steil nach oben wie der Wanderweg.

Ein weiterer Faktor ist die muskuläre Belastung, vor allem beim Abstieg. Bei einem Abstieg von 1000 Höhenmetern ins Tal müssen die Muskeln der Beine jeden Schritt nach unten quasi „auffangen“, indem sie sich anspannen und das Körpergewicht halten. Viele kennen bestimmt den berühmten Muskelkater, der am nächsten Tag nach der ersten Bergtour der Saison eintritt. Bei diesem Phänomen sind die Muskeln am Ende des Abstieges komplett überfordert und verweigern dann erstmal ein paar Tage ihren Dienst.

Beim Alpinklettern, auf Hochtouren und auf Klettersteigen kommen häufig psychische Belastungen durch Ausgesetztheit oder Höhenangst im alpinen Gelände hinzu. Das klassische Felsklettern in den Bergen hat sich durch die zunehmende Popularität von Kletterhallen im städtischen Bereich auch zu einer Indoor Sportart (Sportklettern, Bouldern) entwickelt.

Das Klettern ist in erster Linie durch eine kraftbetonte Belastung der oberen Extremität (Arme, Schultern, Rücken) gekennzeichnet, während der unteren Extremität (vor allem die Beine) meistens eine stützende und stabilisierende Funktion übernimmt.

Beim Sportklettern in der Halle dauert die Belastung oft nur wenige Minuten an, weil die Routen relativ kurz sind. Hier ist vor allem die Muskelausdauer der limitierende Faktor, wenn die gewünschte Route auch nach dem fünften Versuch immer noch nicht funktionieren will. Bei länger andauernden, alpinen Touren ist ein Kletterer oft mehrere Stunden unterwegs und die generelle körperliche Ausdauerfähigkeit steht auf jeden Fall im Vordergrund.

Anaerobe Belastungen (Energiebereitstellung ohne Sauerstoff), wie wir sie im Absatz über die Energiebereitstellung kennen gelernt haben, finden sich beim Bergsport im Bereich des Wettkampfkletterns und beim Bouldern. Hier werden oft kurze Routen in möglichst schneller Zeit bewältigt und die Kletterer kommen gar nicht erst in den „Ausdauerbereich“ der Energieversorgung des Körpers.

Beim Trailrunning ist der Großteil der physiologischen Belastung derselbe wie beim Laufen im flachen. Allerdings kommt besonders in technischem Gelände ein erhöhtes Maß an erforderlicher Koordination hinzu, wenn es darum geht, gekonnt über Steine oder Wurzeln zu tänzeln. Steile Auf- und Abstiege fordern die Muskulatur genauso, wenn nicht sogar noch mehr als das Bergwandern im gleichen Gelände. Regelmäßiges Lauftraining am Berg zahlt sich aus, um die Muskeln an das Laufen in den Bergen zu gewöhnen.

Fazit und weitere Artikel zum Thema

Abschließend bleibt zu sagen, dass unser menschlicher Körper sich insgesamt sehr gut anpassen und auf Veränderungen einstellen kann.

Auch wenn orthopädische Probleme, schwere Beine oder die leeren Energiespeicher die letzte Bergtour doch etwas länger haben werden lassen als ursprünglich geplant, heißt das nicht, dass es beim nächsten Mal wieder so kommen muss. Durch die richtige Vorbereitung, ein an die persönliche Fitness angepasstes Gehtempo und ausreichende Verpflegung wird die nächste Gipfelbesteigung garantiert zu einem vollen Erfolg!

Dieser Artikel über die physiologischen Grundlagen und die körperliche Belastung beim Bergsport ist der Auftakt zu einer kleinen Artikelserie im Basislager der Bergfreunde. Nachdem wir heute die Grundlagen geklärt haben, geht es nächstes Mal noch etwas spezifischer zur Sache und wir sprechen über die Ernährung beim Bergsteigen. Worauf gilt es in der Höhe besonders zu achten? Was sollte unbedingt in die Brotzeitdose und was bleibt lieber daheim?

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