Alle Beiträge zum Schlagwort ‘Bouldern’

Regeneration – Wie man den Körper dabei unterstützen kann

14. Januar 2019
Tipps und Tricks

Während im ersten Teil der Regenerationsserie beschrieben wurde, warum Regeneration im Training notwendig ist, werden in diesem Teil Maßnahmen beschrieben, die den Regenerationsprozess unterstützen.

Wie lange der Körper zur Erholung benötigt, ist hauptsächlich von individuellen Faktoren (Alter, Trainingsniveau, Ernährungs- und Ermüdungszustand) und der Art der Trainingsbelastung abhängig. Je nach Einfluss dieser Faktoren benötigt der Körper 24 bis 72 Stunden Erholung, bevor ein Training wiederholt werden sollte. Diese Zeit kann durch gezielte Maßnahmen reduziert werden. Doch welche ist die Beste?

Auch wenn es einen Durchschnitt gibt, der für viele funktioniert, so sind alle Menschen unterschiedlich und damit haben verschiedene Maßnahmen auch unterschiedlich (gute) Wirkungen. Selbst Experten sind sich mit den erforschten Regenerationsmaßnahmen und deren Wirksamkeit uneinig.

Lassen wir die Experten in ihrem Elfenbeinturm mal ruhig weiter diskutieren und machen wir uns mal daran herauszufinden, welche Methode für uns selbst die beste ist. Denn ob eine Maßnahme gut ist oder nicht, lässt sich allein über eine längere Gewöhnungsphase eruieren, eine einmalige Anwendung wird sich in der Regel weder positiv noch negativ auswirken.

Wie, was, wann, wo?

Unterschieden wird zwischen aktiver und inaktiver Regeneration. Dabei ist die aktive Regeneration zum Beispiel eine aktiv durchgeführte leichte sportliche Betätigung und die inaktive Art eine entspannende Massage. Im Folgenden nenne ich praktische und einfach durchzuführende Maßnahmen und erkläre, warum sie sinnvoll sind.

Auf jeden Fall gilt es den Zeitpunkt, an dem man die Maßnahmen durchführt, zu beachten, denn dieser ist nicht unwichtig für die etwaigen Maßnahmen:

  • direkt nach der sportlichen Belastung.
  • für den Zeitraum von etwa 24h bis 72h nach der Belastung.

Die wichtigsten Faktoren für eine effiziente Regeneration sind:

  • Cool-Down nach dem Training
  • Ausgleichen des Flüssigkeits- und Mineralverlustes
  • Wiederauffüllen der Glykogenspeicher der Muskulatur
  • Mentale und körperliche Entspannung
  • Eine gute Grundlagenausdauer
  • Ausreichend Schlaf

Aktive Regeneration direkt nach der Belastung

Sportartspezifisches „Ausklettern“

Um den Abbau von Stoffwechselprodukten zu unterstützen, die Muskeln zu lockern und um psychisch ein wenig zu entspannen, bietet es sich an nach dem Training „auszuklettern“. Hierzu kannst du zwei bis drei sehr leichte Kletterrouten machen, die nur sehr wenig anstrengend sind. Wenn du in der Boulderhalle bist, machst du 5 bis 6 leichte Boulderprobleme. So bewegst du die Muskelgruppen, welche davor belastet wurden und förderst lokal die Durchblutung. Das hilft nicht nur die Abbaustoffe weg zu schaffen, sondern auch neue Nährstoffe zur Zellregeneration zum Muskel zu transportieren.

Tipp: Zieh dir direkt nach dem Sport etwas Warmes über, um ein Auskühlen zu verhindern.

Ausdehnen

Dass das Dehnen ein viel diskutiertes Thema in der Wissenschaft ist, habe ich bereits im Artikel über das richtige Aufwärmen erwähnt. Bisher gibt es Ergebnisse, die zeigen, dass das Aufwärmen einen kleinen regenerativen Effekt haben kann, andere Methoden aber eventuell besser wirken.

Bezogen auf die Regeneration ist Ziel des Dehnens, die Muskelermüdung zu reduzieren und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Diese Effekte sind messbar, haben meistens aber nur eine kleine Wirkung oder sind nur von kurzer Dauer. Ein sanftes Dehnen hat allerdings auch einen meditativen Effekt, der beruhigend auf das autonome Nervensystem wirkt und somit die Aktivität des Sympathikus senkt. Da es keine schädigenden Effekte gibt, liegt es an dir selbst, es in dein Cool-Down einzubauen. Wenn es durchgeführt wird, sollten die Bewegungen leicht dynamisch und schmerzfrei ablaufen.

Foamrolling

In den letzten Jahren hat die Behandlung der Muskelfaszien durch Faszien Rollen an Bekanntheit gewonnen. Aufgrund der Einfachheit und der Mobilität der Faszienrolle ist dieses Hilfsmittel sinnvoll.

Die manuelle Therapie ist vor und nach der Belastung anwendbar und kann die Leistungsfähigkeit, als auch die Regeneration fördern. Als regenerative Maßnahme hat sie eine Wirkung auf die Muskelermüdung, doch die aktuelle Studienlage zeigt, dass nicht jeder von dieser Behandlung profitiert. Wichtiger ist auch hier, dass keine nachteiligen Effekte der sportlichen Leistungsfähigkeit durch diese Behandlung bekannt sind. Die Wirkung dieser Massagemethode auf Faszien gilt als gesichert.

Ein gut funktionierendes Faszien Gewebe unterstützt die Muskulatur bei der Kraftentwicklung und erlaubt den Muskelfasern besser zu gleiten. Somit ist eine Behandlung in diesem Zusammenhang äußerst sinnvoll. So kann jeder für sich selbst herausfinden, ob diese Methode funktioniert.

Aktive Regeneration am Restday

Sportartunspezifische Ausdauerbelastung

So ein Tag ganz ohne Aktivität ist doch langweilig, oder? Das schöne ist, dass du mit anderen Sportarten deine Regeneration unterstützen kannst. Hierzu empfiehlt sich eine leichte Ausdauerbelastung, wie zum Beispiel Schwimmen, Laufen oder Radfahren. Alternativ sind auch leichte Belastungen mit Übungen aus dem Bereich des Yoga oder der Gymnastik sinnvoll. Durch diese Aktivität steigerst du die Stoffwechselaktivität und die Muskeldurchblutung. Gleichzeitig gibt dir eine andere Sportart auch etwas Abwechslung zur gewohnten Kletterbewegung.

Eine Regenerationseinheit sollte mindestens 20 Minuten bis maximal 60 Minuten dauern und eine geringe Intensität aufweisen (z. B. nur so schnell Laufen, dass du dich noch unterhalten kannst).

Eine Geheimwaffe zur Regeneration ist das Schwimmen, denn hier treffen, durch den Wasserdruck und die meist niedrige Wassertemperatur, die zwei Effekte aufeinander. Durch den externen Druck, der auf den Körper ausgeübt wird, werden Abbaustoffe besser abtransportiert und die Schädigung der Muskulatur reduziert. Gleichzeitig hat die Reduktion der Hauttemperatur eine schmerzlindernde Wirkung und hilft bei der Regeneration der Muskelfunktionen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Ein Vorteil von Ausdauersportarten ist, dass sie die Grundlagenausdauer verbessern. Auch wenn wir Kletterer keinen Marathon laufen, ist eine gut ausgebildete Grundlagenausdauer förderlich. Denn sie ist ein Zeichen für ein gut ausgebildetes Herz-Kreislaufsystem und eine optimierte Blutversorgung der Muskulatur. Damit verbessert sich die Regenerationsfähigkeit des Körpers nicht nur zwischen den Trainingseinheiten, sondern auch in Rastpositionen einer Route oder zwischen den einzelnen Versuchen.

Ob du eine gute Grundlagenausdauer hast lässt sich an sich nur durch eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik ermitteln, aber ein niedriger Ruhepuls (unter 60 Schlägen pro Minute) ist ein Indikator.

Passive Regenerationsmaßnahmen

Wechselbäder/-duschen

Im Profisport sind Eisbäder und die Kryotherapie gängige Methoden. Da aber nicht jeder eine Regentonne voll Eis oder eine Kältekammer mit bis zu -50 °C zu Hause hat, muss man zur Alternative greifen. Dazu eignet sich eine kalte Dusche oder die etwas angenehmere Wechseldusche. Durch warmes Wasser erhöht sich die Gewebetemperatur, erweitern sich die Gefäße und steigt schließlich der Blutfluss an.

Aufgrund der geweiteten Blutgefäße kommt es bei etwaigen Hämatomen zu einer Verstärkung der Problematik: es sammelt sich mehr Blut im Gewebe und Entzündungen können sich verstärken. Bei kaltem Wasser sinkt die Hämatomneigung, denn es wirkt gefäßverengend. Eine Kombination der beiden Methoden sorgt für eine Wechsel zwischen einer Weitung und Verengung der Blutgefäße.

Bei der Anwendung der Wechseldusche solltest du 1 bis 2 Minuten bei einer niedrigen Wassertemperatur (8 – 15 °C) und darauffolgend 1 bis 2 Minuten bei einer hohen Temperatur (38 – 42 °C, etwa handwarm) duschen. Dabei kannst du das Procedere mit zwei bis vier Wiederholungen lokal oder über den ganzen Körper durchführen. Für eine Behandlung des gesamten Körpers ist es sinnvoll von den Beinen beginnend über den Körper zu brausen und dann erst Nacken-/Schulterbereich zu behandeln.

Tipp: Wenn du die Behandlung am Abend durchführst, kann dir eine niedrige Temperatur zum Abschluss dabei helfen besser einzuschlafen. Angst vor der Kälte? Weitere Informationen zum Thema Kälteempfinden/-training findest du im Artikel Zelten im Winter – Das umfassende Kältetuning.

Kälte:

  • wirkt gefäßverengend und reduziert so Hämatome.
  • reduziert die neuromuskuläre Leitfähigkeit und hat somit eine schmerzlindernde Wirkung.
  • erhöht die Stoffwechselaktivität und fördert somit den Abtransport von Stoffwechselprodukten in der Muskulatur.

Wärme:

  • wirkt gefäßerweiternd und fördert so die Durchblutung und die Stoffwechselaktivität.
  • entspannt die Muskulatur.
  • fördert die psychische Entspannung.

Kalte Handbäder

Wem die Wechseldusche dann doch zu extrem ist, kann zumindest einen der am meisten belasteten Körperteile im Klettern lokal behandeln. Dazu kannst du einfach eine Schüssel mit Wasser und Eiswürfeln füllen, sodass ungefähr eine Temperatur zwischen 8 °C und 15 °C entsteht. Die Temperatur hast du ungefähr getroffen, wenn der Zeitraum im Wasser nicht als schmerzhaft empfunden wird. Es wird empfohlen 4-Mal hintereinander über 4 Minuten die Arme/Hände ins Wasser zu halten und dazwischen eine Pause von 2 Minuten einzuhalten.

Sauna

Wer nach 10 Minuten die Sauna verlässt, hat meist eine ziemlich rote Färbung. Das liegt an der gefäßerweiternden Wirkung der Wärmebehandlung. Dabei öffnen sich nicht nur die Gefäße der Haut, sondern auch die in der Muskulatur. Durch den verstärkten Blutfluss gelangen mehr Nährstoffe und Sauerstoff in die Muskelzellen und fördern damit die Zellerneuerung. Gleichzeitig erhöht sich die Atem- und Herzfrequenz, was diesen Effekt durch einen verbesserten Sauerstofftransport positiv beeinflusst.

Wie auch schon bei der Wechseldusche erwähnt, hilft die Wärme die Muskulatur zu entspannen – was wir auch psychisch als entspannend wahrnehmen. Wer danach noch in das Eisbad „hüpft“ sorgt für einen kleinen Gefäße schnell verschließen lässt und trainiert die kleine Muskulatur unserer Gefäße.

Wer bis vor kurzem noch krank war, sollte die Sauna jedoch meiden.

Kompressionskleidung

Der Kompressionseffekt übt einen Druck aus, der dem des Wasserdrucks ähnlich ist und somit eine vergleichbare Erholung bewirkt. Um diesen Effekt zu erreichen, sollte die Kompressionskleidung allerdings für mindestens 12 Stunden getragen werden.

So entspannt es klingt, Kompressionskleidung zu tragen, erweist sich diese Regenerationsmaßnahme allein nicht als ausreichend und sollte nur als Ergänzung zu anderen Maßnahmen genutzt werden. Neben der Kompressionskleidung gäbe es noch die etwas extremere Variante des Flossing. Hier werden Körperteile mit starken Kompressionsbandagen für kurze Zeit so stark abgeschnürt, dass der Blutfluss für einen kurzen Zeitraum vollständig unterbrochen wird. Sobald die Bandage wieder abgelegt wird, wird das Gewebe sozusagen mit „frischem“ Blut und Flüssigkeit geflutet und für einen kurzen Zeitraum besser durchblutet.

Schlaf und Power-Naps

Diese schöne Aktivität spielt in unserem Leben eine sehr große Rolle. Wenn wir nicht ausreichend geschlafen haben können verschiedene Konzentrations- und Wahrnehmungsprobleme entstehen, die einem Alkoholrausch ähnlich sind. Während der Schlafenszeit ist der Körper deutlich aktiver als man vermuten würde. Eine Schlüsselrolle spielt die vermehrte Ausschüttung von Wachstumshormonen, welche für Muskelaufbau und -regeneration wichtig sind. Aber auch für die psychische, kognitive und zentralnervöse Regeneration laufen im Schlaf viele Prozesse ab. Diese Gründe machen den Schlaf zu der wichtigsten Regenerationsmaßnahme für jeden Sportler.

Man sollte darauf achten, eine Schlafenszeit von etwa 7 bis 9 Stunden pro Tag einzuhalten. Wie viel Schlaf du brauchst, hängt von Alter, genetischen Einflüssen und der Jahreszeit ab. Dieser sollte dann auch im besten Fall eine hohe Qualität aufweisen. Denn man unterscheidet erholsamen Schlaf von nicht erholsamem Schlaf. Faktoren wie die Raumtemperatur (15 – 18 °C) und absolute Dunkelheit im Schlafbereich haben einen großen Einfluss darauf, ob man gut ein- und durchschlafen kann.

Bei Schlafmangel zeigt sich ein geringerer Wert an Wachstumshormonen und ein erhöhter Wert an katabolen (also „abbauenden“) Hormonen, die dem Muskelwachstum und der Regeneration schaden. Ebenfalls steigen die Entzündungswerte sowie die Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Folgen sind: Schlechtere Kraftentwicklung der Muskulatur, reduzierte Energiespeicher und geminderte kognitive Funktionen.

Neben einer erholsamen Nacht kommt dem viel belasteten Körper ein 20-minütiger Powernap (5 Minuten zum Einschlafen und 15 Minuten Schlafzeit) sehr entgegen.

Die passende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr

Grundsätzlich ein Thema, für einen eigenen Artikel! Die Ernährung stellt allerdings einen essenziellen Beitrag in der Thematik der Regeneration dar, weshalb ich hier ein paar kurze Worte darüber verlieren möchte.

Während dem Training verbraucht der Körper viele verschiedene Ressourcen, um seine Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Flüssigkeit, Energieträger und Nährstoffe, die je nach Art und Dauer der Belastung schon während oder erst nach der Belastung wieder zugeführt werden müssen. Der Wasser- und Mineralverlust sollte schon während langer sportlicher Aktivität ausgeglichen werden. Wichtig ist es schon zu trinken bevor das Durstgefühl aufkommt.

Mit Saftschorlen in einem Verhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Wasser hat man einen Sportdrink, der den Bedürfnissen des Körpers ganz gut gerecht wird. Softdrinks bringen durch ihren hohen Zuckergehalt nur Energie und können weder den Flüssigkeits- noch den Mineralverlust ausgleichen. Nach dem Sport sind neben der Rehydrierung auch die Füllung der Muskelglykogenspeicher über kohlenhydrathaltige Speisen wichtig – und zwar sehr zeitnah, vor allem nach einer anstrengenden Trainingseinheit. Auch die Proteinzufuhr sollte natürlich nicht außer acht gelassen werden.

Als praktischer Grundsatz zur Wahl der Nahrungsmittel sollten naturbelassene und unverarbeitete Produkte gewählt werden. Allgemein förderlich ist auch die Aufnahme von Lebensmitteln mit einem hohen Antioxidatiengehalt, um dem sogenannten oxidativen Stress entgegenzuwirken. Zu diesen gehören vor allem dunkelrote Früchte wie Sauerkirschen oder Beeren. Aber auch Gewürze wie Zimt, Kurkuma oder Ingwer wirken auf verschiedenste Arten entzündungshemmend und regenerationsfördernd. Wer Nahrungsergänzungsmittel in Erwähnung zieht, sollte bedenken, dass sie niemals eine gute Ernährung ersetzten können.

Alkohol – Das wohlverdiente Feierabendbier!?

Ist das „wohlverdiente“ Bier nun gut (weil „isotonisch“) oder ist die Wirkung des per se Alkohols schlecht? Zwar wirkt Alkohol entspannend, seine Einstufung als Zellgift ist jedoch eher ungünstig für die Regeneration. Denn sobald man Alkohol zu sich nimmt, den der Körper als Gift wahrnimmt, wird alles auf den Abbau dieses Stoffes umgestellt. Das bedeutet, dass andere Systeme zurückstecken müssen. Die Fettverbrennung wird eingestellt, weil Abbauprodukte des Alkohols zur Energiebereitstellung geeignet sind. Gleichzeitig wird durch den Konsum das Stresshormon Cortisol stärker ausgeschüttet und die Testosteronproduktion zurückgestellt. Das stoppt nicht nur den Muskelaufbau, sondern fördert sogar den Abbau von Muskelzellen.

Wenn wir Alkohol am Abend genießen schlafen wir schneller ein, aber…! Der Einfluss von Alkohol auf das zentrale Nervensystem beeinflusst die Abfolge und Dauer der Schlafphasen. Direkt nach dem Einschlafen fallen wir in den Tiefschlaf anstatt in eine kurze REM-Schlafphase, in der sich vor allem das Gehirn am besten regeneriert. Die spätere REM-Phase ist dann auch unruhiger und weniger tief als sie es ohne Alkoholeinfluss wäre. Da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht, müssen wir nachts auch häufiger auf die Toilette und können nicht richtig durchschlafen. Somit wirkt sich Alkohol doch sehr störend auf die Regenerationsfähigkeit des Körpers aus. Gegen ein Bier oder ein Glas Wein sollte dennoch nichts sprechen, in Gemeinschaft mit Freunden tut das dann auch der Seele gut.

Das war nun Teil 2 unserer kleinen Regenerationsserie. Wenn du Fragen hast kannst du diese gerne in den Kommentaren hinterlassen! Und falls du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, führen wir dich mit einem Klick auch gerne dorthin.

Ein Blick hinter die Kulissen bei Metolius

14. Januar 2019
Die Bergfreunde

Vom Highway biegen wir in ein unscheinbares Industriegebiet der Kleinstadt Bend im US-Bundesstaat Oregon. Irgendwo im Nirgendwo, wäre nicht das Weltklettergebiet Smith Rock gleich um die Ecke. Unterarme und Fingerkuppen brennen schon vom Klettern, da kommt die Firmenführung bei der amerikanischen Kultfirma Metolius wie gerufen.

Nach unzähligen Abzweigungen erreichen wir eine lange, in die Tage gekommene Halle mit hölzernen Dachschindeln. Keine Banner, keine Logos, nur ein kleiner Aufkleber an der Tür zum „Office“ lässt uns wissen, dass wir hier richtig sind. Das „Worldheadquarter“ von Metolius hat irgendwie Charakter. Ein deutliches Understatement, vielleicht eine Aussage… schließlich kommt es (wie beim Kletter-Equipment) auf den Inhalt an, nicht auf die Verpackung.

Von Kletterern für Kletterer

Eine Klingel gibt es nicht, die Tür ist nur angelehnt, also so treten wir ein. In einem kleinen Büro sitzen zwei Mitarbeiter – Marketingabteilung und Verkauf. Auf dem Schreibtisch stehen Hundeleckerlies anstatt einer Box Süßigkeiten wie in unseren Breiten – „um unsere Security bei Laune zu halten.“

In den nächsten 5 Minuten lernen wir mit Doug und Kent zwei der sechs Gründungsmitglieder von Metolius kennen. Die Firma ist nicht nur inhabergeführt, für Amerika völlig untypisch arbeiten die meisten Mitarbeiter seit vielen Jahren (wenn nicht sogar seit der Firmengründung im Jahre ’83) hier.

„Wir sind nur von einer kleinen Garage in eine etwas größere umgezogen“, scherzt Geschäftsführer Chip Miller. An der Wand zeigt er Fotos und Produkte von damals, „slider nuts“ (verstellbare Keile) sowie Friends mit flexiblem Steg. „Es brauchte aber nicht nur innovative Sicherungsmittel,“ erklärt uns Chip die Bedeutung von Metolius in Zusammenhang mit der amerikanischen Geburtsstunde des modernen Sportkletterns im nahegelegenen Smith Rock. „Es gab damals noch nicht einmal vernünftige Klettergurte!“ Und damit viel Potenzial für innovative Produkte: Metolius produzierte was die Kletterer brauchten. Zu 100% von Kletterern für Kletterer. „Jeder in unserer Belegschaft ist oder war Kletterer auf höchstem Niveau“, erzählt Chip, selbst Spitzenkletterer, Steilwandskifahrer und Bikeprofi. Bis heute bewirbt man sich bei Metolius am besten mit einem exzellenten Ruf in der Kletterszene.

Qualität statt Quantität

„Genug Geschichte, auf zur Rundtour.“ Noch nie hatte ich mir Gedanken über die Herstellung von Klemmgeräten gemacht, vielleicht bin ich deshalb so überrascht vor einem Regal mit Aluminiumstangen zu stehen? Schon erblicken die enttäuschten Augen hinter ein paar Fräsmaschinen riesige Wannen voller Klemmsegmente, was sich anfühlt wie Weihnachten.

„Wir sind die Einzigen, die Klemmsegmente fräsen, anstatt sie zu pressen oder zu gießen“, erklärt Chip stolz das Besondere an diesem Fertigungsverfahren. Nur so sei garantiert, dass die Segmente selbst nach vielen Jahren und wiederholtem Einsatz nicht brechen. Danach werden die Rohlinge gerüttelt, geschüttelt und poliert bis sie runde Kanten haben und glänzen.

Wir betreten den Bereich, wo Klemmgeräte zusammengebaut werden. Ein Mitarbeiter sitzt mit Rasierklinge und Kerze an einem Pult, schneidet und verödet Kevlarstücke für den Seilzug. Ein Anderer führt diese durch Klemmsegmente und verklebt sie, immer in einem Batch von 100 Stück. Es wird geschnitten, gezwickt, geklebt, getrocknet. Nirgends Fließbänder, Maschinen oder Roboter – alle Einzelschritte in aufwendiger Handarbeit!? Nach jedem Schritt wird jedes Stück kontrolliert und geprüft. Die Verblüffung ist groß, denn wie kann sich die Herstellung so rentieren? „Qualität über Quantität„, zwinkert Chip mir zu.

Wir klettern am Fels und nicht im Testlabor

Wenn einer weiß, wovon er redet, dann Chip. Mit diesen Worten bewegen wir uns in Richtung Test-Station. Hier wird zerstört, was nebenan gefertigt wird. Es fetzen Schlingen und es krachen Karabiner. Eine Maschine belastet Einzelstücke aus jedem Batch bis zur Zerstörung und kontrolliert die maximal erreichten Kräfte, um den Normen zu entsprechen. Je nach Produkt bedeutet das einen destruktiven Test von je 100 bis 200 Stück.

Mit einem lauten Knall fliegen die Zugarme der Maschine auseinander, ein Karabiner schaut nicht mehr „gesund“ aus. Beruhigend zu wissen, dass selbst im schlimmsten Szenario nie solche Kräfte wirken, wie gerade eben. „Wobei Friends im Fels ohnehin nicht brechen, sondern ausreißen!“ erklärt Chip. Deshalb vertraut man bei Metolius lieber auf einen wohl durchdachten Aufbau der Klemmsegmente: der geringe Winkel und die breite Fläche führen im Sturzfall zu einer deutlich höheren Haltekraft und größeren Auflagefläche und somit zu einer höheren Sicherheit. „Vorausgesetzt der Cam ist gut gelegt!“ Eine Farbskala soll helfen: das Farbschema der Ampel zeigt, ob ein Friend zu offen gelegt und im Sturzfall ausreißen könnte.

Wir stehen mittlerweile vor langen Stangen mit bunten Friends und Keilen aller Größen… und wünschten jetzt dieses Arsenal in unseren Keller herüber beamen zu können.

Leben und leben lassen

Mit dem Satz „Übrigens alles ‚Made in USA‘„, führt uns Chip in den nächsten Raum, wo er stichprobenartig den Aufdruck der Rollen mit Bandmaterial überprüft. „Darauf sind wir sehr stolz.“ Gleich nebenan rattern die Nähmaschinen. Hier entstehen Schlingen, Standplatzschlingen, Steighilfen und vieles mehr. Unter Anderem die berühmten Metolius Portaledges, von denen zwei Exemplare an einer langen Wand lehnen. „Wir könnten viel mehr davon verkaufen, aber sie zu fertigen ist irre aufwendig und uns fehlt schlichtweg die Zeit“ – so erklärt Chip warum die heiß begehrten Metolius ‚Biwaks‘ vergleichsweise schwer zu bekommen sind.

„Dort hinten ist übrigens der Fluss namens Metolius, nach dem die Firma benannt ist“, zeigt Chip in die Ferne. Unsere Blicke fallen über eine Tischtennisplatte zum Horizont und wieder zurück zur Tischtennisplatte. „Manchmal muss man sich zwischendurch einfach mal die Hände lockern.“

Leben und leben lassen. „Leider werden viele unserer Ideen kopiert und dreist als eigene Innovation vermarktet“, schimpft Chip. Die Firmeneigentümer hingegen sehen das lockerer. Wer auf so viele gute Ideen und Produkte zurückblickt, kann gelassen bleiben: den flexiblen Schaft an Klemmgeräten, das Campusboard oder die 45 Grad überlappenden Kanten am Crashpad, um nur einige zu nennen…

Friends forever

Zurück im Office stehen plötzlich zwei Männer in der Tür. „Ich wollte diese alten Cams überholen lassen, aber der Versand wäre teurer gekommen, als sie persönlich vorbei zu bringen…“ In der Hand hält er einen Strauß Klemmgeräte, die in meinen Augen eher ins Museum als an den Klettergurt gehören. Wider erwarten nimmt Kent die „Bestellung“ an – „einmal rundum erneuern mit Austausch der Zugseile, erneuern der Bandschlingen und polieren der Klemmsegmente, kostet 8 Dollar je Stück und ist nächste Woche fertig.“ Nachhaltiger geht es fast nicht. Und wieder fragen wir uns, wie sich das für die Firma rentieren kann – aber wir haben ja bereits gelernt, dass es darum nicht geht.

„Wollt ihr nicht ein paar Hexentrics mitnehmen?“ fragt Kent die beiden Kunden. „Wie wär’s mit einem T-Shirt? Und einem Campusboard?“ Die zwei Männer verlassen mit vollen Händen und einem breiten Lächeln das Metolius Worldheadquarter.

So unscheinbar das Gebäude von außen aussieht, das Innere hat sich als wahre Perle entpuppt. Selten findet man in der heutigen Zeit noch Firmen, bei denen Sport und Mensch derart im Vordergrund stehen. Metolius ist ein Haus mit Seele, eine Mannschaft voller Leidenschaft und Produkte, die auf die Bedürfnisse von Kletterern zugeschnitten sind.

Regeneration – Essenziell für (d)ein perfektes Training

9. Januar 2019
Tipps und Tricks

Eine berühmte Aussage von Wolfgang Güllich lautet: „Genügend Kraft ist ein Zustand, den es gar nicht gibt“. Was hierbei häufig außer Acht gelassen wird, ist die Meinung des Sportkletterpioniers zu einem richtigen Verhältnis von Belastung und Erholung. Schon damals sprach er von Kletterern die „… hoch motiviert wesentlich zu viel trainieren, als zu wenig“.

Auch heute, so scheint mir, ist diese Aussage hoch aktuell und das gilt nicht nur für den Klettersport. Denn Fakt ist, dass wir mit einem Training dem Körper Belastungen aussetzen, von denen er sich wieder erholen muss. Sind diese Belastungen richtig gesetzt kommt es zu einer Leistungssteigerung. Sind die Belastungen zu hoch und die Pausenzeiten zu kurz, sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern es steigt auch die Anfälligkeit für Verletzungen und Infektionen.

Die Regenerationsphase ist für unseren Körper wichtig und sie ist nötig um die Kraftleistung zu verbessern. Warum Regeneration wichtig ist und nicht immer etwas damit zu tun hat die Beine hochzulegen, erfährst du in dieser Serie bestehend aus zwei Artikeln. Teil 1 befasst sich mit dem Zusammenhang von Belastung und Erholung. In Teil 2 erfährst du was du alles tun kannst um deinen Körper bei der Regeneration zu unterstützen.

Der optimale Grat zwischen Belastung und Erholung

Wie ihr aus eigener Erfahrung wisst, erschöpft der Körper während des Trainings. Diese Erschöpfung „zeigt“ unserem Körper, dass es notwendig ist sich in Zukunft für solche Fälle besser „vorzubereiten“. Dem Training folgt eine Phase der verminderten Leistungsfähigkeit, auf die der Körper mit bestimmten Anpassungen reagiert.

Damit diese Anpassungsreaktion ausgelöst wird, ist es notwendig innerhalb des Trainings den richtigen Reiz zu setzen. Erreichen wir einen Reiz, der genau dem Leistungslevel entspricht oder darunter liegt, folgt keine Leistungsverbesserung. Allein ein „überschwelliger“ Reiz sorgt für eine Anpassungsreaktion, die zum Großteil erst nach dem Training, in der Erholungsphase, stattfindet. Der Körper verbessert sich dabei über das vorherige Niveau hinaus, so dass man für einen kurzen Zeitraum leistungsfähiger ist als zuvor. Das nennt sich in der Trainingswissenschaft „Superkompensation“. Nach diesem Prinzip ist es wichtig, kurz vor der vollständig abgeschlossenen Regeneration wieder mit dem Training zu beginnen und die Trainingsintensität über die Zeit zu steigern.

Ist die Pause zu kurz, befindet man sich noch nicht im Bereich der Superkompensation. Zu diesem Zeitpunkt kann nicht mit der gewünschten Intensität trainiert werden, was einen nicht ausreichenden Trainingsreiz bedeutet. Werden nun über einen längeren Zeitraum die Pausenzeiten zu kurz gestaltet oder mit einer zu hohen Intensität trainiert, sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern es steigt auch das Risiko für eine Überlastung. Dabei kann es auch zu einem Übertrainingssyndrom kommen.

Da der Grat zwischen Unter- und Überlastung sehr schmal ist, ist es wichtig zu wissen wann ein Training zu intensiv und zu häufig durchgeführt wird. Die Belastbarkeit des Körpers ist dabei nicht allein von dem Ermüdungszustand abhängig, sondern wird auch durch Alter, Trainingserfahrung, Alltagsstress und Krankheit bestimmt. Damit das Training häufiger und intensiver gestaltet werden kann, ist es sinnvoll die Erholung mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen.

Um sich durch das Training langfristig zu verbessern, ist es notwendig:

  • Den passenden Trainingsreiz zu wählen.
  • Das Training langsam zu steigern.
  • Erholungsphasen einzuhalten.

Ermüdung zeigt sich in

  • einem Empfinden, dass bei gleichem Kraftoutput der Anstrengungsgrad deutlich höher ist.
  • einer reduzierten physischen und psychischen Leistungsfähigkeit.

Darf ich auch trainieren, wenn ich krank bin?

Bei Infektionserkrankungen, besonders mit grippalem Infekt, ist das Training problematisch und wird nicht empfohlen. Denn die Ermüdung, die durch das Training hervorgerufen wird, betrifft auch das Immunsystem. Es ist nach der sportlichen Belastung geschwächt. Die Erreger, die bereits Teile des Körpers befallen haben, haben so ein leichtes Spiel in weitere Teile des Körpers einzudringen, auch noch kurz nach der Genesung.

Als „worst case“ gilt die Herzmuskelentzündung (Myokarditis), welche aufgrund der bereits bestehenden Erkrankung schwerer zu diagnostizieren ist. Je nach Grad der Entzündung kann sie eine Herzschwäche oder schwere Herzrhythmusstörungen auslösen. Dann besteht sogar die Gefahr eines plötzlichen Herztodes. Wenn man das so liest, sitzt man die Erkrankung lieber bei einer Tasse Kaffee und einem leckerem Stück Kuchen aus, oder?

Nicht nur die Muskulatur braucht eine Pause – Ist das Superkompensationsmodell richtig?

Die oben beschriebene Superkompensation ist ein typisches Erklärungsmodell für die Trainingsgestaltung. Doch das Modell ist nicht perfekt, da es sich nur auf die Glykogen-Speicher der Muskulatur bezieht. Damit sind die Belastungs- und Regenerationswerte des Superkompensationsmodells allein auf einen kleinen Teil des Muskelsystems und dessen Belastbarkeit bezogen, das der Dynamik von körperlichen Anpassungsprozessen nicht gerecht wird. Denn das Muskelsystem kann auch nur richtig arbeiten, wenn die weiteren Systeme auch funktionieren. Dazu gehören unter anderem das neuromuskuläre System, das endokrine System (Hormonsystem) und das autonome Nervensystem. Dennoch gibt das grundlegende Prinzip der Superkompensation einen guten Anhaltspunkt zur eigenen Trainingssteuerung.

Damit die nötigen Funktionen den aktuellen Anforderungen von Belastung und Energieverbrauch erhalten bleiben, durchlaufen alle Systeme in unserem Körper einen Zyklus der Belastung und Regeneration, sowie des Gewebeabbaus und -aufbaus. Dieser Zyklus ist bei keinem der Systeme gleich und so kann es schnell zu einem Ungleichgewicht zwischen Belastung und Erholung kommen. In einem starken Ermüdungszustand eines dieser Systeme ist der Körper nicht leistungsfähig. Dann kann nicht mit der nötigen Intensität trainiert werden, die Leistung stagniert und langfristig hat es eben auch den Effekt einer gesundheitlichen Schädigung. Dieser Gesundheitsschaden senkt Lebensqualität und damit auch den Spaß am Sport.

Doch auf welche Weise werden diese Systeme belastet und woran erkenne ich, dass ich von meinem Körper zu viel erwartet habe?

Ermüdung des Muskel-Skelett-Systems

Ein Training ermüdet die Muskulatur. Die Ermüdung kann aufgrund mechanischer (siehe Muskelkater), metabolischer (Anhäufung von Laktat) oder oxidativer (Veränderung des Elektrolythaushalts des Muskels, Freie Radikale) Ursachen entstehen.

Die Ursachen sind jeweils ein Auslöser für verschiedene Schädigungen und somit des Leistungsverlusts im Training; gleichzeitig sind sie Auslöser verschiedener Anpassungsreaktionen in der Muskulatur. Wie stark diese Ermüdung/Schädigung ist, hängt in der Regel von Art und Umfang der Belastung ab.

Was ist Muskelkater?

Muskelkater wird durch mikroskopisch kleine Verletzungen des Muskels verursacht und nicht aufgrund der Laktatanhäufung. Laktat ist ein Nebenprodukt, das entsteht, wenn der Muskel ohne die Hilfe von Sauerstoff Energie aus Kohlenhydraten gewinnt. Die Laktatanhäufung zeigt sich darin, dass der Muskel beginnt zu „brennen“. Die Ursachen für die kleinen Verletzungen der Muskulatur sind ungewohnte Belastungen und exzentrische (nachgebende) Muskelkontraktionen.

Typischerweise spürt man den Muskelkater nicht direkt nach der Belastung/dem Training, sondern erst 24 bis 48 Stunden danach. Der Schmerz verschwindet spätestens nach 4 Tagen wieder, wobei der entzündliche Prozess sogar noch mehrere Wochen anhalten kann, auch wenn wir den Schmerz nicht mehr spüren. Diese Muskelschädigung ist zwar, durch den Muskelkater, etwas schmerzhaft, signalisiert dem Körper aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Regeneration, welche dann in Form der Muskelproteinsynthese (Muskelaufbau) stattfindet.

Mit einem sorgfältig durchgeführten Aufwärmprogramm und regenerationsunterstützenden Maßnahmen kann man die Intensität des Muskelkaters eindämmen, jedoch nicht gänzlich verhindern. Somit stellt sich die Frage, ob man mit Muskelkater trotzdem trainieren kann. Die Antwort darauf lautet klar „Ja“ – sofern nicht das Training durchgeführt wird, das zum Muskelkater geführt hat. Gegen eine leichte Belastung anderer Art spricht jedoch nichts.

Zentralnervöse Ermüdung

Wenn wir uns sportlich bewegen erhöht sich die Aktivität unseres sympathischen Nervensystems. Es reguliert Körperfunktionen, die den Körper in eine erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen (Kampf- oder Fluchtreaktion), wie beispielsweise die Erhöhung der Herzfrequenz. Das ist auch gut so, denn so sind wir in der Lage sportliche Leistung zu bringen. Da aber das parasympathische Nervensystem (Ruhezustand) die regenerativen Prozesse steuert, ist es notwendig nach der Aktivität wieder „runterzukommen“.

Wie lange das autonome Nervensystem benötigt, um nach der Belastung auf den Normalzustand zurückzukehren, hängt von der Art und der Dauer der Aktivität ab. Die Umstellung von Leistungsbereitschaft in den Ruhezustand dauert nach hoch intensiven Belastungen (Maximalkrafttraining) länger als nach weniger intensiven Belastungen (Ausdauertraining). Mit Entspannungstechniken kann man auf das parasympathische Nervensystem gezielt einwirken.

Psyche und das endokrine System

Wer schon einmal ein schweres Projekt getoppt hat, kennt den Zustand der vollen Euphorie. Man sprüht vor Energie, obwohl man kurz davor noch den Körper bis zur Leistungsgrenze gebracht hat. Dies ist ein Beispiel dafür wie sehr die Hormone unseren Körper beeinflussen. Hormone werden als Reaktion auf bestimmte Situationen ausgeschüttet. Wie stark diese Reaktionen ausfällt ist von der Wahrnehmung und dem Umgang mit der Situation abhängig. So sind Nervosität und Ängste typische Reaktionen, die, durch die eigene Interpretation, unterschiedliche psychische und hormonelle Wirkungen haben. So kann Alex Honold die 1500 m des Half Dome im Free Solo klettern und wir schaffen es, unter höchster Anspannung, gerade so zum ersten Haken.

Doch nicht nur Klettersituationen haben diese Wirkung. Auch in Situation auf der Arbeit, in persönlichen Beziehungen oder durch intensives Lernen werden je nach Stressempfinden Stresshormone (Cortisol, Adrenalin und Co.) ausgeschüttet. So geraten wir häufiger in einen Zustand der erhöhten Leistungsbereitschaft als es uns bewusst ist.

In Bezug auf die Regeneration beeinflussen Stresshormone die Wundheilung negativ. So kann beispielsweise eine Sehne den Stress der Trainingsbelastung kompensieren, jedoch beeinflussen Stresshormone auch im Alltag die Wundheilung dieser Sehne. Irgendwann hält die Sehne diesen Belastungen nicht mehr stand und reißt. Auch wenn Cortisol eine entzündungshemmende Wirkung hat macht allein „die Dosis … das Gift“. Ist der Cortisolspiegel zu hoch so werden zur Energiebereitstellung alle Reserven, auch die Muskulatur, abgebaut. Somit sollten wir uns bewusst machen, dass wir uns von all diesen Situationen erholen müssen.

Die gute Nachricht ist, dass Stress bis zu einem gewissen Grad reine Wahrnehmungssache ist und durch einen proaktiven Umgang (Stresswahrnehmung und -verarbeitung) die individuelle Reaktion darauf gesenkt werden kann.

Was ist das Übertrainingssyndrom?

Wenn die Leistung einmal stagniert, neigt man als Sportler zu einer Erhöhung der Trainingsintensität und -häufigkeit. Meistens folgt darauf eine weitere Senkung der Leistungsfähigkeit und der Teufelskreis ist geboren. Das Training wird weiter gesteigert, um das Leistungsziel zu erreichen. Aufgrund des vielen Trainings bleibt keine Zeit für eine Pause, wodurch am Ende allein der Grad der Erschöpfung steigt.

Wer die nötige Pausenzeit über mehrere Wochen ignoriert wird nicht stärker, sondern gerät höchstwahrscheinlich in das sogenannte Übertrainingssyndrom. Dieser Zustand zeigt sich in einem anhaltenden Erschöpfungszustand, der dann trotz langer Pausenzeiten anhält und häufig auch von psychischen Symptomen begleitet wird. Neben der fehlenden Leistungsfähigkeit ist der Körper deutlich anfälliger für Verletzungen und Infektionskrankheiten. In diesem Fall sollte man sich eine längere Auszeit von der Sportart gönnen und langfristig nach einem Ausgleich und der richtigen Trainingsdosis suchen.

Bei einem Übertraining treten mehrere der folgend aufgezählten Symptome auf:

  • Depressive Verstimmungen
  • Generelle Apathie
  • Emotionale Instabilität
  • Leistungsminderung trotz Training
  • Innere Unruhe
  • Gereiztheit
  • Schlafstörungen
  • Training wird als Stress empfunden
  • Appetitlosigkeit
  • Verstärkung von Krankheit, Kopfschmerz oder Allergien
  • Antriebslosigkeit – Verlust der Trainingsmotivation

Falls ein Verdacht besteht ist eine ärztliche Untersuchung notwendig!

Woran kann ich erkennen ob ich mal eine Pause machen sollte?

Den aktuellen Ermüdungszustand kann man anhand zweier Tests ermitteln. Damit die Daten dieser Tests ausgewertet werden können sollten sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden. Nur so kann man per kleiner Selbstdiagnose ermitteln ob man an dem gegebenen Tag ein hartes Maximalkraft-/Kraftausdauertraining machen kann oder vielleicht doch lieber eine der schonenden Regenerationsmethoden durchführt, wie sie im zweiten Teil beschrieben werden.

Beide genannten Messmethoden sind allein Instrumente zur Trainingssteuerung. Sie eignen sich nicht als Grundlage für eine medizinische Diagnose von Überlastungserscheinungen. Falls ernsthafte Probleme bestehen ist der Gang zum Arzt unausweichlich!

Herzfrequenzmessung

Wer jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen seine Herzfrequenz misst, bekommt über die Zeit ein Gefühl für seine „normale“ Herzfrequenz, bei der der eigene Körper im ausgeruhten Zustand arbeitet. Nach stärkeren Belastungen, wie einem Maximalkrafttraining oder einem Projekttag, wird man am Morgen danach eine höhere Herzfrequenz als üblich messen. Dies ist dann ein Indikator für eine stärkere körperliche Ermüdung.

Ist der Puls etwa 5 Schläge höher als der Durchschnittswert sollte man sich genauer überlegen wie man sich an diesem Tag belastet. Hilfreich für diese Messung ist eine Handyapp (beispielsweise die HeartRateFree App), die über das Licht und die Kamera den Puls messen kann.

Good to Know: Ob du eine gute Grundlagenausdauer hast, erkennst du an einem niedrigen Ruhepuls.

CNS TAP TEST

Ebenfalls empfiehlt es sich regelmäßig einen Fingertipp Test durchzuführen, denn dieser zeigt die Aktivierung/Ermüdung des zentralen Nervensystems an. Bei dem Test tippt man nach den unten genannten Kriterien in 10 Sekunden so häufig wie möglich mit der Zeigefingerspitze auf einen Tisch. Wenn dieser Test mit einem höheren Messwert als üblich ausfällt, ist die Aktivierung sehr gut und man kann einen intensiven Trainings- oder Projekttag starten. Wenn der Test eher schlecht ausfällt, man also deutlich weniger „Tipper“ hinbekommt als sonst, kann dies ein Indikator für eine Ermüdung des zentralen Nervensystems, für Krankheit, Verletzung oder Übertraining sein.

Wichtig ist es zu beachten, dass in der Anfangsphase der Nutzung ein Lerneffekt den Score verbessern kann. Somit ist erst nach einer gewissen Lernzeit eine stabile Kurve zu erkennen, die sich auch für unsere kleine Diagnose eignet. Der Test sollte an beiden Händen durchgeführt werden und am besten nach dem Aufstehen. Der Test ist ebenfalls am leichtesten mit einer App durchzuführen (zum Beispiel: CNS Tap Test). Dabei sollten folgende Kriterien eingehalten werden:

  • Die gesamte Handfläche sollte auf einer geraden Oberfläche liegen.
  • Der Zeigefinger tippt für 10 Sek auf den Bildschirm/den Tisch.
  • Es zählen allein die Tipps, die in diesen 10 Sekunden geschafft wurden.
  • Der Test sollte an der rechten und an der linken Hand durchgeführt werden.

Wieviel Pause ist nötig, wenn ich verletzt bin?

Bewegung ist Leben! Nach einer Verletzung den betroffenen Körperteil vollständig ruhigzustellen ist in der Regel ein Fehler. Nach dem Prinzip der „adaptation on imposed demands“ (Anpassung an die gegebenen Belastungen) sorgt eine vollständige Ruhigstellung eines Körperteils für einen Abbau des Gewebes. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Muskel-Sehnen-Apparat unter anderem an Elastizität verliert. Auch wenn geschädigte Körperteile nur eine geringe Last aushalten, so können kleine Bewegungsreize die Wiederherstellung aller Funktionen fördern.

Bewegung ist Leben, denn sie bringt das Blut in das Gewebe und zeigt dem Körper, dass das Gewebe dieses Körperteils nützlich ist und instandgehalten werden sollte. Somit bleiben die Muskulatur, Bänder und Sehnen flexibel und die Knochen so weit möglich erhalten. Mittlerweile werden Patienten nach einer Operation auch schnellstmöglich mit Hilfe von Physiotherapeuten mobilisiert, um den Heilungsprozess zu unterstützen und die Funktionsfähigkeit zu erhalten. Besonders nach einer Verletzung empfiehlt es sich professionelle Hilfe zu suchen, um den betroffenen Teil bestmöglich zu belasten und nicht zu überlasten.

Sommer- und Winterpause

Nach einer intensiven Saison am Felsen und in der Halle ist es ratsam dem Körper für eine gewisse Zeit vollständig zu schonen. Ein gutes Beispiel sind die Fußballspieler, die in der Sommer- oder Winterpause für kurze Zeit fast vollständig auf den Sport verzichten. In dieser Zeit kann der Körper Regenerationsprozesse starten, welche ohne diese Pause nicht stattfinden könnten. Dazu gehören zum Beispiel kleine Schädigungen, die durch die ständige Belastung nicht richtig heilen konnten.

Am besten plant man mindestens alle 6 Monate einen zweiwöchigen Block. In der ersten Woche sollte dann keinerlei sportliche Aktivität stattfinden und in der zweiten Woche werden weniger intensive Aktivitäten gestartet. Es ist auch kein Problem diese Pause auf 3 Wochen zu verlängern, diese Pause hat man sich wirklich verdient. Erfahrungsgemäß hat solch eine Pause auch noch keinem geschadet und hat sehr wahrscheinlich einen leistungssteigernden Effekt.

Soweit Fragen? Wenn ja kannst du diese gerne in einem Kommentar hinterlassen! Ansonsten geht es mit der Regenerationsserie in Teil 2 weiter, in dem du erfährst welche Maßnahmen du unternehmen kannst, um deinen Körper bei der Regeneration zu unterstützen.

Speedklettern – Was ist das und was bringt das?

9. Januar 2019
Tipps und Tricks

Wo liegt hier überhaupt Erklärungsbedarf? Speedklettern ist klettern auf Speed, ist doch ganz einfach. Also nein, nicht unter Einfluss eines Amphetamins, sondern auf Maximalgeschwindigkeit getrimmt. Okay, das war jetzt ein eher lahmes Wortspiel, ich gebs zu. Doch das Doping mit Speed war tatsächlich einst unter unverfänglichen Markennamen wie Pervitin im Höhenbergsteigen verbreitet. Und es soll auch heute noch verbreitet sein. Doch die heutigen Speedkletterer sind ganz bestimmt drogenfrei unterwegs.

Sie sind auch weniger an Himalayabergen als an künstlichen Kletteranlagen aktiv. Um genau zu sein sind sie überwiegend an einer standardisierten, bei internationalen Wettbewerben genau 15 Meter hohen Kunstwand mit standardisierter Griff- und Trittfolge aktiv. Es sei denn sie betreiben die andere Art von Speedklettern. Ja, es gibt zwei, das Speedklettern ist ein Zwilling.

Titelbild: Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/
Autor: Henning Schlottmann
Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International

Speedklettern 1 und Speedklettern 2

Die erste Art Speedklettern ist die eben umschriebene Sportdisziplin, die mit dem ursprünglichen Klettern nur noch bedingt zu tun hat. Bei Speedkletterwettkämpfen sieht die Action eher nach einem vertikalen Vollsprint als nach klassischem Klettern aus. Die Weltrekorde von 5,48 Sekunden (Männer) und 7,32 Sekunden (Frauen) liegen zufällig auch ziemlich in der Nähe der Bestzeiten beim 100 Meter Sprint. Möglich ist so viel Geschwindigkeit natürlich nur im Toprope, also mit Seilsicherung von oben. Die Speedkletterer werden mittlerweile maschinell gesichert.

Beliebt ist diese Sportart vor allem (oder vielleicht auch nur) in Russland, Ukraine und Osteuropa, womöglich weil dort vielerorts „normale“ Klettermöglichkeiten dünn gesät sind. Vielleicht auch, weil der Sport im Osten jahrzehntelang auf möglichst präzises Kräftemessen ausgelegt war.

Das hohe Maß an Standardisierung und Künstlichkeit ist ein Grund, warum viele Sport- und Felskletterer mit der Wettkampfdisziplin Speedklettern wenig anfangen können. Dazu später mehr.

Die zweite Art Speedklettern hat mit der Vollgasturnerei am Plastik wenig bis gar nichts zu tun. Es ist von der Art Speedklettern die Rede, bei der die Hubers, Stecks und Arnolds dieser Welt in unfassbar kurzen Zeiten durch große Wände wie den El Capitan oder die Eiger Nord jagen. Hier wird nicht für wenige Sekunden, sondern über mehrere Stunden maximal auf die Tube gedrückt. Hier hängt auch kein Topropeseil in der Wand, sondern es wird schwieriges und garantiert unstandardisiertes Fels-, Eis- und Mixedgelände mit wenig bis gar keiner Sicherung überwunden. Alles in allem ist diese Interpretation des Speedkletterns sehr facettenreich und natürlich maximal schwierig. Sie verdient eher einen eigenen Artikel und soll hier nur am Rande erwähnt sein.

Wie läuft ein Speedkletterwettkampf ab?

Den relativ simplen Ablauf habe ich oben schon grob skizziert. Die detaillierten Standards für das Speed-Klettern werden von der International Federation of Sport Climbing (IFSC) festgelegt. Ein IFSC-Wettkampf läuft über mehrere KO-Runden, in denen jeweils zwei Kletterer gegeneinander antreten, um in der Regel eine 10, 12 oder 15 Meter hohe Wand zu erklettern. Unter ihren Füßen befindet sich eine Platte, die, sobald die Füße von ihr abheben, mit der Zeitmessung beginnt. Oben am Ende der Route ist ein Buzzer angebracht, der die Zeitnahme stoppt. Wer den Buzzer zuerst drückt, hat gewonnen und ist jeweils eine Runde weiter, bis im Finale der Gesamtsieger ermittelt wird.

Um faire Bedingungen zu garantieren, werden standardisierte Kletterwände eingesetzt, bei denen standardisierte Griffe und Tritte in einer genau festgelegten Abfolge angeordnet sind. Die Bewegungen der Kletterer sind also bei jedem Wettkampf überall auf der Welt immer die gleichen. Eine „offizielle“ Speed-Trainingswand sieht überall auf der Welt gleich aus.

Welche Anforderungen stellt Speedklettern?

Bei der hier näher beleuchteten „ersten Art“ von Speedklettern geht es natürlich darum, Hände und Füße so schnell wie möglich von den Griffen und Tritten zu lösen, um schnellstmöglich die nächsten Griffe und Tritte zu erreichen – von denen sie sich wiederum so schnell wie möglich lösen sollen, um … nun, das dürfte jetzt klar sein.

Es berühren wirklich nur die Hände und Füße die Wand – anders als beim Felsklettern, wo fast jedes Körperteil beim Klemmen, Stemmen und Pressen zum Einsatz kommen kann. Neben höchster Präzision beim Greifen und Treten ist hier ein enormes Maß an Schnellkraft und Maximalkraft gefragt – nicht nur in den Händen und Füßen, sondern in jeder Muskelfaser des Körpers.

Die qualitative Kletterschwierigkeit der Speed-Route spielt logischerweise kaum eine Rolle, da die Herausforderung nicht im Überwinden von Schwierigkeiten, sondern allein in der Geschwindigkeit liegt. Laut Climbing Magazine liegt ihre Schwierigkeit etwa im amerikanischen Grad 5.10a, was in der UIAA-Skala einer 6+ entspricht.

(Speed)Klettern wird olympisch

Diese sehr spezifischen Anforderungen verlangen ein anderes Trainingsprogramm als das Sportklettern. Dieser Punkt ist deshalb erwähnenswert, weil die Wettkampfteilnehmer bei künftigen Olympiaden im Leadklettern, Bouldern UND Speedklettern antreten müssen – und zwar innerhalb eines Tages.

Dieses Dreiergespann an Disziplinen wird sich „Olympic-Combined-Modus“ nennen. Grund dafür ist, dass das IOC Speedklettern als Teil des Klettersports ansieht und dessen „ganze Bandbreite abbilden“ will. Damit schaffen die Sportfunktionäre womöglich eine selbsterfüllende Prophezeiung, denn durch dieses erzwungene Einbinden ins olympische Kletterprogramm könnte das Interesse am Geschwindigkeitsklettern nicht nur beim Massenpublikum, sondern auch beim Kletternachwuchs steigen. Die Popularitätssteigerung bei nichtkletternden Zuschauern erhofft man sich vermutlich wegen der simplen, klaren Dramaturgie des Speedwettkampfs, die „einfacher“ anzuschauen ist als ein Leadwettkampf.

Die detaillierte Gestaltung der Wettkämpfe und die Einbindung des Speedkletterns in Olympia ist ein komplizierter Prozess, an dem viele Institutionen beteiligt sind und der noch nicht abgeschlossen ist. Wie genau der Olympiamodus voraussichtlich funktionieren wird und welche Schwierigkeiten es auf dem Weg gibt, kann man in diesem Klettern-Artikel nachlesen.

Wer will eigentlich Speedklettern? Ist der Sport populär?

Ohne die Aufnahme ins olympische Programm wäre das Speedklettern für die meisten Kletterer wohl überhaupt kein Thema. Zumindest scheinen sich die meisten Statements, die man in Interviews im Netz so findet, eher auf das Olympiathema als auf das Speedklettern an sich zu beziehen. Laut des schon erwähnten Artikels im Climbing Magazine sind die meisten Athleten begeistert, dass Klettern die olympische Bühne erreicht hat, kritisieren aber das Format als „Dreikampf“. Sie vergleichen es mit Marathonläufern, die einen 100-Meter-Lauf machen müssen. Boulderer und Sportkletterer mit Medaillenambitionen müssten dem Schnellklettern Trainingszeit widmen. Ein Athlet kommentierte, dass Speedklettern „weit entfernt ist von dem, was man als Geist des Kletterns bezeichnen kann“.

Ähnlicher Meinung sind auch einige bedeutende Kletterer, die im oben verlinkten Klettern-Artikel zitiert werden. So äußerte sich der zum Spitzenbergsteiger mutierte David Lama folgendermaßen:

Solange man sich dessen bewusst ist, dass ein Wettkampf noch nie die Grundidee des Kletterns widergespiegelt hat und nie widerspiegeln kann, ist es weder gut noch schlecht. Es ist schlicht und einfach egal. (…) Müsste ich persönlich die Entscheidung treffen, würde ich mich aber klar gegen die Olympischen Spiele aussprechen.

Auch der vielleicht weltbeste Sportkletterer Adam Ondra ist skeptisch:

Sportklettern kommt aus dem Felsklettern, und daraus sind die Disziplinen Lead und Bouldern entstanden; aber Speedklettern ist eine künstliche Disziplin, es hat meiner Meinung nach nicht viel gemein mit der Idee des Kletterns. (…) Deshalb denke ich, dass alles andere besser wäre als diese Kombination. Sollte diese Kombination in den Spielen kommen, werde ich hart überlegen müssen, ob ich teilnehme oder sie boykottieren werde.“

Diese kritischen Stimmen sind bei weiten nicht die Einzigen. Neben vielen Stimmen, die Olympia generell mit Kommerz und Korruption assoziieren, empfinden es manche Kletterer auch als unmöglich, die Besonderheit des Kletterns in einen olympischen Wettkampf zu packen. Es fällt auf, wie viele Kletterer von einem „Geist“ und einer „Grundidee“ des Kletterns sprechen und das Speedklettern explizit davon ausschließen.

Wohin geht die Reise? Zukunft des Speedkletterns

Wenn ich hier einen rein subjektiven Eindruck anbringen darf: für mich sieht die Sache nach einem politischen Tauschgeschäft aus: man bekommt mehr Aufmerksamkeit, die mit mehr Geld, Privilegien und „Wachstumsmöglichkeiten“ einhergeht und nimmt dafür mehr Regulierung und Fremdbestimmung in Kauf. Ob so ein Tausch gut oder schlecht für den Klettersport ist, kann ich nicht beurteilen. Er passt aber in die heutige Zeit, in der solche „Tauschgeschäfte“ auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattfinden.

Das Speedklettern wird im Zuge der Urbanisierung und „Indoorisierung“ des Kletterns sicher Aufwind bekommen. Dennoch wird es wohl kein Breitensport werden und auch nicht der nächste Megatrend. Sicher bin ich mir bei diesen Prognosen aber nicht, denn sicher ist nur, dass sich die Zeiten ändern…

Noch keine Geschenke? Wie wärs mit ein paar Bergfreu(n)den?

6. Dezember 2018
Kaufberatung

Jo, is denn scho wieder Weihnachten? Jupp, ist es, und damit auch wieder Zeit für Konsumrausch, Verweigerung oder irgendwas dazwischen. Letzteres ist die schwierigste Option, denn hier muss man durchaus nachdenken und die Beschenkten richtig einschätzen, um passende Präsente zu erwischen. Klar im Vorteil sind hier all jene, die Bergfreunde und Outdoorenthusiasten wie uns unter ihren Angehörigen und Freunden haben. Denn bescheiden wie wir sind, kann man uns immer irgendwie zufrieden stimmen ;-P Außerdem gibt es einen riesengroßen und prall gefüllten Geschenkesack, in dem garantiert für Jeden etwas dabei ist. Ich habe da mal reingeschaut und mir einen Haufen Sachen ausgesucht, die ich mir auf jeden Fall gern selber schenken lassen würde ;-)

Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf vielseitig verwendbaren Gegenständen. Extreme Spezialitäten wie den Haulbag fürs Bigwallclimbing werdet ihr hier also nicht finden. Auch macht es nicht viel Sinn komplexe Ausrüstungsgegenstände wie Tourenskischuhe, die zumeist individuell abgestimmt sein müssen, mit hineinzunehmen. Andererseits… so eine nagelneue Komplettausrüstung für den Einstieg in die gerade beginnende Skitourensaison hätte auch was, oder?

Es sollen hier auch nicht nur lustige Gadgets sein, sondern auch wirklich nützliche Dinge. Es sollen Kleinigkeiten dabei sein, die nicht die Welt kosten, und dicke Dinger, falls jemand dieses Weihnachten mal richtig Eindruck schinden will. Außerdem ist hier was für Kletterer dabei, für Campingfreaks, für Männer, für Frauen, für die reifere Generation und für Kids. Also, auf geht’s zum Bergfreundegeschenkekauf!

1. Passt immer: Der Bergfreunde-Weihnachtsgutschein

Den Einstieg macht das universale Alleskönnergeschenk, das nie verkehrt sein kann: Der Bergfreunde.de Weihnachts-Gutschein. Auch wenn man keine Idee hat oder nicht weiß, was der zu Beschenkende da genau in den Bergen treibt, sind mit diesem Geschenk leuchtende Augen garantiert. Der Gutschein-Code wird auf einer schönen Karte verschickt und ist unbegrenzt gültig. Der Gutschein-Betrag wird beim Einkauf im Bergfreunde.de Shop nach Eingabe des Gutschein-Codes automatisch verrechnet.

2. Falls der Winter zur Abwechslung mal wieder kalt wird: Winter-Outdoorjacken

  • Als Edelvariante empfiehlt sich die Swisswool Piz Bianco Jacket Winterjacke von Ortovox. Schon die Optik mit den gedeckten Farben verrät es: Hier handelt es sich um etwas richtig Hochwertiges! Die wohlige Wärme der winddichten und wasserabweisenden Outdoorjacke kommt von weichen Merinowoll-Inserts, die sich richtig gut anfühlen und natürliche funktionale Eigenschaften haben. Hinzu kommt eine super Ausstattung, die ebenfalls ein sehr weites Einsatzspektrum ermöglicht. Mehr dazu in der Produktbeschreibung.
  • Die Günstig-aber-gut-Variante: Der Women’s Aden Wintermantel von Helly Hansen. Viel Funktion, angenehme Wärme und einen bewährten Markennamen kann man auch mit kleinerem Budget bekommen. Weitere Infos zu dem Mantel gibt es in der Produktbeschreibung.

3. Endlich Ruhe im Massenlager: Ohrenstöpsel für unterwegs

Mit kleinem Kostenaufwand kann man etwas wirklich wertvolles schenken: Erholsame Nachtruhe. Die Eagle-Creek Ohrstöpsel sind waschbar und wiederverwendbar und kommen im Set mit sechs Plugs im praktischen Aufbewahrungsdöschen.

4. Was nicht passt wird passend gemacht: Mit dem Bear Grylls Gerber Multitool

Wer gleich nach dem Fest zum nächsten Wildnistrip aufbricht, sollte das Gerber Multitool noch einstecken. Schließlich benutzt auch Superman Bear Grylls solch ein Teil, wenn er im Dschungel und in der Wüste mal wieder eine Unterkunft baut, Feuer macht oder Käfern, Skorpionen und anderen Leckerbissen nachstellt.

5. Auch in dunklen Winternächten schön gemütlich: Die LED-Campleuchte

Die Apollo LED-Lampe von Black Diamond glänzt als Multitalent. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine klappbare Steh- und Hängelampe, die in alle Richtungen für bis zu 225 Lumen an blendfreiem Licht sorgt.

6. Funktionale und stimmungsvolle Winterklamotten

Wer nicht nur Wärme und Funktion, sondern auch stimmungsvolles Design mit Winter- und Gebirgsmotiven sucht, sollte sich mal bei der deutschen Edelschmiede mit dem Schweizer Bergdorf im Namen umschauen. Bitte hier entlang: Zum Bergfreunde-Maloja-Shop.

7. Überall sauberes Trinkwasser: Der Katadyn Pocket Filter

Bei etwas so Wichtigem wie sauberem Trinkwasser verlässt man sich gern auf ein richtig edles Schweizer Markenprodukt wie den Katadyn Pocket Filter. Der hat zwar seinen Preis, doch wenn man bedenkt, dass hier 50.000 Liter Wasser ohne Filterwechsel gereinigt werden, zahlt sich die Sache ganz sicher aus. Und nebenbei ist man mit dieser unabhängigen Wasserversorgung auch noch für den nächsten Weltuntergang gerüstet.

8. Für die langen Winterabende braucht es gute Bücher

9. Kalender

Wer das ganze Jahr über „on Fire“ bleiben will, greift zum Kalender. Im Bergfreunde-Kalender-Shop gibt es eine kleine aber feine Kalenderauswahl für Bergsportdisziplinen wie Klettern, Running oder Bouldern.

10. Immer voller Durchblick: Echo Pocket Mini-Fernglas

Eher ein schönes Spielzeug als wirklich notwendig, dafür aber auch wirklich klein und leicht: Das Brunton Echo Pocket Scope. Es passt in die Jackentasche und bietet dennoch gute Vergrößerungswerte!

11. Unverzichtbare Winterbegleiter: Fäustel und Fingerhandschuhe in einem

Vielseitiger als die Roeckl Kadane Handschuhe geht’s kaum, denn die taugen fürs Fahrrad genauso wie für den Alltag und den Berg. Möglich macht es die integrierte „Kapuze“ (der über die halboffenen Finger klappbare Fäustel). Wenn beim Hantieren mit GPS, Taschenmesser und Pausenstullen oder während einer Klettereinlage freie Finger gefragt sind, klappt man ihn einfach zurück und fixiert ihn am Klettverschluss auf der Oberhand. Funktioniert super, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

12. Gefütterte Hüttenschuhe mit Kunstfaserfüllung

Heimelige Gemütlichkeit auch im eiskalten Basecamp, Biwak oder Winterraum – geht sowas? Ja, sofern man die Camp Booties von Exped im Gepäck hat – kuschelig-warme und weiche „Hausschuhe“ mit Kunstfaserfüllung. Dank ihrer rutschfesten Sohle ist auch der Toilettengang nach draußen kein Problem.

13. Outdoor-Besteckset: Gute Tischmanieren auch in der Wildnis

Das KUPILKA – Geschenkset besteht aus Tasse, Untersetzer, Löffel und sorgt für Flair beim Campen und Picknicken. Es besteht aus einem neuartigen Verbundmaterial aus Kiefernholzfasern und dem Kunststoff Polypropylen, wodurch es unter anderem spülmaschinenfest und recycelbar ist.

14. Creme statt Staub: Dickflüssiger Chalk von den Bergfreunden

Mit dem LiquidChalk von Bergfreunde.de macht man sich und den Mitkletterern in langen winterlichen Hallensessions eine Freude. Man selbst hat staubtrockene Grip-Finger und die Anderen keinen Feinstaub in der Lunge. Und wenn es hart auf hart kommt, deckt man damit schnell noch einen Pickel ab ;-)

15. Weihnachtliche Leckereien

Warum nicht mal ein paar schöne Energieriegel statt der üblichen langweiligen Plätzchen? Okay, nicht wirklich, an Weihnachten bleiben wir lieber bei „richtigem“ Zuckerkram. Doch für unterwegs und draußen macht spezielle Trekking- und Outdoor-Nahrung oftmals Sinn. Das Zeug ist leichter, haltbarer, einfacher zu lagern, praktischer portioniert, schneller zubereitet und schmeckt manchmal trotzdem richtig anständig. Und dank all dieser Vorzüge lässt es sich auch sehr gut als Geschenk verpacken ;-)

Bei unserer Shopauswahl ist vom Müsli zum Frühstück mit fertigem Milchpulver, über Nudel- und Fleischgerichte, bis hin zu vegetarischem und veganem Trekking-Essen für jeden Kletterer, Wanderer oder Expeditionsteilnehmer das Richtige dabei.

16. Die berüchtigten Socken – aber anders!

Mut zum Klischee – mit Socken zu Weihnachten! Aber nicht mit irgendwelchen Socken, sondern mit den richtig sportlichen und fetzigen Winter Run Kompressionssocken für Läufer, Trailrunner und Skitourengeher! Die sehen zwar nicht so putzig aus, haben aber einiges mehr drauf als Omas Selbstgehäkelten vom letzten Jahr. Überzeugt euch selbst – beispielsweise mit den cep Winter-Kompressionssocken.

17. Farbenfrohe Trinkflasche für die Kurzen

Die Kids Wide Mouth von Hydro Flask Trink- und Thermosflasche ist praktisch und macht auch in der Schule einen coolen Eindruck. Und sie wartet mit kleinen Extras auf, die für die Kids von Vorteil sind.

18. Für die großen Jungs und Mädels: Der Fiskars Axt- und Messerschärfer

Mit diesem Teil machen Rechts- und Linkshänder nicht nur Messer, sondern auch Äxte wieder fit. Sehr einfach und intuitiv in der Bedienung, liefert der Fiskars Nachschärfer auch für Laien gute Ergebnisse. Ein super Geschenk für Bastlernaturen, die es kaum erwarten können gleich nach der Bescherung mit dem Schleifen loszulegen!

So, bis hierhin hat der Blick in den großen Bergfreunde-Jutesack hoffentlich für Jede und Jeden was Passendes zutage gefördert. Falls ich ein wirklich wichtiges Weihnachts-Must-Have übersehen haben sollte, gerne rein damit in die Kommentare!

Sohle runter, Schuh noch gut – Welche Hersteller bieten den Sohlen-Service?

20. Dezember 2018
Pflegetipps

Auch bei guten Schuhen ist es nach ein paar hundert Kilometern Stock und Stein soweit: Die Sohle hat an den häufigst abgetretenen Stellen kaum noch Profil und an den Stellen, wo der höchste Druck abgefangen wird, bröselt und schwindet das Material. Auch der Geröllschutzrand ist mittlerweile ziemlich löchrig und zerkratzt. Alles in allem sieht‘s „untenrum“ ziemlich düster aus. Der Schuhschaft hingegen ist zu diesem Zeitpunkt oft noch völlig in Ordnung und zudem auch richtig schön eingelaufen.

Unser, in der Wegwerfgesellschaft, gut eingeübte Standardmove wäre nun, die ‚kaputten‘ Treter in die Tonne zu befördern und ein neues Paar zu kaufen. Das geht schnell und erfordert den geringsten Aufwand.

Doch wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Reparatur der Schuhe? Bei guten und teuren Bergschuhen kann diese deutlich preisgünstiger sein als die nächste Neuanschaffung. Außerdem stellt sich ja noch die Frage, was ein bessere Gefühl hinterlässt: Eine unnötige Geld- und Ressourcenverschwendung oder eine optimale Nutzung der Schuhlebensdauer. Und schließlich gibt es ja auch noch die dritte „Alternative“: Die halb verschlissenen Schuhe so lange weiter zu benutzen, bis sie die Backen endgültig zusammenkneifen. Das ist allerdings eher keine gute Idee, denn erstens will man es sicher nicht erleben, dass mitten im steilen Geröllfeld der Schuh am Fuß auseinanderfällt, zweitens ist es nicht gerade heilsam für Füße und Knöchel, mit abgelaufenen und verfortem Sohlen unterwegs zu sein.

Ab wann lohnt sich die Reparatur?

Die Sohle ist ein Verschleißteil, das sich schneller abnutzt als der Rest des Schuhs. Höchste Zeit für eine neue Sohle wird es dann, wenn sie kaum noch sichtbares Profil aufweist. Zu diesem Zeitpunkt sollte man den Schuh-Unterbau auch auf mögliche weitere Materialalterung prüfen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn diese findet bisweilen unsichtbar im Inneren der Sohle statt und ist nicht nur auf physische Belastung, sondern vor allem auch auf Feuchtigkeit zurückzuführen.

Für die feuchtigkeitsbedingte Zersetzung des Sohleninneren (genauer: der Zwischensohle und des Dämpfkeils) gibt es sogar ein Fachwort: Hydrolyse. Ihre Vermeidung ist der Hauptgrund warum gute Pflege und vor allem gründliches Trocknen (während und nach der Tour) sowie eine trockene Lagerung so wichtig sind!

Ob und wann sich die Reparatur lohnt ist natürlich auch eine Kostenfrage. Die Kosten hängen davon ab wie viele Sohlenteile ausgewechselt werden müssen und zu welcher Kategorie die Schuhe gehören. So ist der Spaß bei einem Wander- und Trekkingschuh billiger als bei einem steigeisenfesten Bergschuh.

Am günstigsten sind Reparaturen bei Kletterschuhen. Hier fängt der  Sohlentausch bei 20 € an und endet bei ca. 60 €. Beim Schuster um die Ecke kann es billiger sein, doch ist es Glückssache, ob bei diesem die spezielle Kompetenz für Kletter- und Bergschuhe vorhanden ist. Bei guten Markenbergschuhen belaufen sich die Kosten je nach Anbieter und Aufwand auf 40 bis 80 €. Bei Internetanbietern kann es auch an die 100 € gehen. Das ist viel Geld, doch gemessen an einer Neuanschaffung immer noch deutlich günstiger.

Obacht gilt bei Schuhen mit Membran (z.B. Gore-Tex): hier solltet ihr drauf achten, ob die Schuhe noch wasserdicht sind. Ist das nicht der Fall kann es ggf. Sinn machen, neue Schuhe zu kaufen. Bei Volllederschuhen oder Schuhen ohne Membran stellt sich die Frage natürlich nicht.

Wie funktioniert die Reparatur? Welche Möglichkeiten gibt es?

Vom Prinzip her ist der Austausch der Profilsohle sehr simpel: Die beschädigte alte Sohle wird abgeschliffen oder abgezogen, die Neue draufgeklebt, fertig. Die praktische Durchführung ist jedoch in den seltensten Fällen so einfach, selbst wenn keine weiteren Teile ausgetauscht werden müssen. Am besten überlässt man das Ganze also jenen Experten, die sich mit dem gesamten Sohlenunterbau auskennen und auch den Gummirand fachgerecht austauschen können.

Um die Schuhe in die Hände dieser Experten zu geben, gebt man sie in der Regel bei dem Fachhändler ab, bei dem sie gekauft wurden. Dieser schickt die Schuhe dann an den Hersteller weiter. Abholung oder Versand der reparierten Schuhe werden ebenfalls über den Händler abgewickelt. Ein direktes Einsenden an den Hersteller ist nur in wenigen Fällen möglich. Deshalb listen viele Schuhhersteller auf ihren Websites die autorisierten Fachhändler auf, die ihre Marke vertreiben. Das konkrete Vorgehen bei den renommierten und in unserem Shop vertretenen Bergschuhherstellern schauen wir uns im letzten Abschnitt an.

Alternativ bleiben folgende drei Möglichkeiten:

  • Einsenden an einen Online-Spezialschuster für Berg- und Kletterschuhe: Hierbei handelt es sich um eine relativ sichere Möglichkeit, die allerdings nicht die Schnellste und Günstigste ist.
  • Einen Schuster in der eigenen Umgebung kontaktieren und fragen, ob sie Kletter-/Bergschuhe reparieren können: Das ist zwar leider Glückssache, aber kann durchaus funktionieren. Es kann allerdings auch sein, dass man bei einer Neubesohlung nicht unbedingt die Originalsohle des Herstellers bekommt. Entsprechend ist diese Möglichkeit nicht die sicherste, aber im Glücksfall die Günstigste und Schnellste.
  • Do it yourself: Bei dieser Alternative hantiert man mit Klebern wie Freesole herum und hat selbst im einfachsten Fall, wenn zum Beispiel nur die Laufsohle verschlissen ist, keine Erfolgsgarantie. Die Forenbeiträge in Outdoorforen, die überwiegend von Schwierigkeiten und Misserfolgen berichten, sprechen da eine deutliche Sprache. Außerdem sind oft nicht nur die Profilsohle, sondern auch weitere Teile wie Zwischensohle und Dämpfkeil beschädigt und müssen entsprechend ebenfalls ersetzt werden. Damit dürfte man als Schuh-Laie, alleine schon wegen den fehlenden Spezialwerkzeugen, überfordert sein. Wenn es allerdings wirklich nur die abgelaufene Profilsohle ist, klappt es vielleicht mit dieser Anleitung des Outdoor-Magazins.

Sonderfall Reklamation

Sollte in Ausnahmefällen die Schuhsohle trotz „sachgemäßer Verwendung“ innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist unbrauchbar werden, kann ein Konstruktionsfehler und Reklamationsfall vorliegen.

Das ist natürlich immer ärgerlich, doch wenn du den defekten Schuh bei den Bergfreunden gekauft hast, kannst du sicher sein, dass sie sich im Garantiefall voll für dich reinhängen! So steht dir im begründeten Gewährleistungsfall der gesetzliche Anspruch auf Nacherfüllung oder, falls nicht möglich, Gelderstattung zu. Bitte unternehme in diesem Falle keine überstürzten Reparaturversuche, denn die Gewähr verlischt bei unsachgemäßer Reparatur durch einen nicht autorisierten Servicepartner. Auch wenn die Schuhe zurück an den Händler gehen, wird es eher zu einem Umtausch als zu einer Reparatur kommen.

Alles Weitere zu diesem Ablauf findest du zusammengefasst auf der Bergfreunde-Reklamationsseite.

Infos zu den Regelungen verschiedener Hersteller folgen gleich im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Können alle Schuhe repariert werden? Welche Bauart muss der Schuh haben?

Eine komplette Neubesohlung ist im Normalfall nur möglich, wenn der Schuh in der „gezwickten“ oder in der „zwiegenähten“ Machart hergestellt ist. Nur hier sind Brandsohle, Laufsohle und andere Teile des Schuh-Unterbaus so verbunden, dass eine saubere Auftrennung und Erneuerung möglich ist.

Alternativ gibt es die „gestrobelte Machart“, bei der höchstens ein Abschleifen und Neubekleben der Laufsohle möglich ist, nicht aber ein kompletter Sohlenaustausch. Die gestrobelte Bauweise kommt eher bei weicheren und flexibleren Schuhen zum Einsatz. Die Laufsohle wird hier ohne Kleber an den Schaft „angespritzt“ und ist demnach nicht ohne weiteres ablösbar. Man erkennt gestrobelte Schuhe leicht an ihrer, an der Schuhinnenseite verlaufenden, Verbindungsnaht zwischen Schaft und Brandsohle. Man muss nur die Einlegesohle entnehmen, um die Strobelnaht zum Vorschein zu bringen. Bei der gezwickten und der zwiegenähten Machart ist hingegen nur die Brandsohle zu sehen, die unsichtbar aber stabil mit dem Schaft verklebt oder vernagelt ist. Unter Bergfreunde-Reklamationsseite findest du ein Bild, auf dem der Unterschied gut zu sehen ist.

Auflistung der Hersteller, die einen Austausch der Sohle anbieten

Wenn es ein hochwertiger Bergstiefel oder Trekkingschuh ist, den du dein eigen nennst, stehen die Chancen gut eine Tip-Top-Neubesohlung vom Hersteller zu bekommen. Allerdings gilt das auch wirklich nur bei einigen der Top-Hersteller. Bei allen anderen wird es innerhalb der Gewährleistungszeit eher zum Umtausch kommen und nach Ablauf der Gewährleistung schwierig mit der Reparatur.

Hier folgend das Vorgehen bei einigen der renommierten und im Bergfreundeshop vertretenen Hersteller:

Hanwag, Mammut und Lowa bieten auch einen Reparaturservice außerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren an – natürlich mit Kosten und auch auf jeden Fall individuell abgestimmt. Das kann auch über den Hersteller direkt organisiert werden, dauert meistens aber mehrere Wochen.

LaSportiva und Boreal führen auf Anfrage und nur in seltenen Fällen Reparaturen außerhalb der Gewährleistung durch. Bei allen anderen Herstellern werden Reparaturen nur innerhalb der Gewährleistungszeit und mit Einschränkungen durchgeführt. Dazu gehören: Edelrid, Haglöfs, Salewa, Martini (sehr langsam), Duckfeet (verweist an Schuster in DE wenn nicht innerhalb der Gewährleistung oder Eigenverschulden), Mavic, Montura (sehr langsam).

Soweit der kleine Einblick in die Welt der Schuhreparaturen. Zunächst sieht das Ganze etwas kompliziert aus, doch mit den Infos dieses Artikels sollten dem nächsten Sohlentausch abgesehen von ein bis zwei Anrufen beim Händler oder Hersteller keine großen Hindernisse im Weg stehen.

Hier noch ein paar meiner vorherigen eigenen Rechercheergebnissen:

Habt ihr noch Fragen? Dann ab damit in die Kommentare!

 

Interview mit dem Wettkampfkletterer Steffen Hilger

17. Oktober 2018
Die Bergfreunde

Was reizt einen Kletterer, an Wettkämpfen teilzunehmen und vor allem, wie hält man die Fokussierung auf das Ziel aufrecht, wenn der Kopf mal nicht so will? Das und noch viele andere Fragen, habe ich Steffen Hilger, 25, gestellt. Der gebürtige Münchner klettert seit dem 14. Lebensjahr und konnte auch durch seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann seine Leidenschaft quasi zum Beruf machen.

Neben dem Routenschrauben gibt er sein Wissen und seine Erfahrungen auch in Trainerstunden weiter und motiviert so nicht nur sich selbst sondern auch andere ihr Bestes zu geben.

Hi Steffen, danke, dass du dir Zeit genommen hast, wie geht’s dir?

Es freut mich auch heute hier zu sein, mir geht’s super! Vielen Dank!

Seit gut 7 Jahren bist du im Wettkampf aktiv und hast zahlreiche Erfolge vorzuweisen: den 1. Platz im Lead bei den Junioren bei den bayrischen Meisterschaften 2011. 2015 hast du gleich in Regensburg, Würzburg und Bad Tölz die Stadtmeisterschaften gewonnen. 2016 warst du Vize-Stadtmeister in Bad Tölz und hast auf der Climb free, einem Bouldercup, den zweiten Platz belegt genau wie bei der süddeutschen Meisterschaft 2017 in Neu-Ulm. Der Erfolg reißt also definitiv nicht ab.Was reizt dich so am Wettkampfklettern?

Ich finde das Wettkampfklettern total cool, weil man immer wieder die Leute aus dem ganzen Kletter-Zirkus trifft, die man sonst, vor allem entfernungsbedingt, nicht so oft sieht. Auf Wettkämpfen sind alle wieder da und es ist total schön, mit den Leuten zu plaudern, die man ewig nicht gesehen hat.

Auch die Aufgeregtheit vor dem Wettkampf reizt mich sehr und am Besten finde ich tatsächlich, wenn man dann zum Finale rauskommt, vor dem großen Publikum klettert und vor der tosenden Meute im Boulder oder in der Route alles geben kann. Das sind richtig starke Gefühle und Erlebnisse, die man so schnell nicht mehr vergisst.

Hast du einen Trainer, der dich gezielt darauf vorbereitet oder erarbeitest du dir alles selbst?

Früher war ich in der Jugendgruppe in der Münchner High-East Kletterhalle aktiv und hatte da einen Trainer. Seit einigen Jahren bin ich jetzt im Boulderwelt-Athletenteam und habe auch da zwei hervorragende Trainer, die mich aber eher beim Bouldern weiter bringen.

Fürs Lead Klettern (Vorstiegsklettern) habe ich im Moment keinen Trainer. Aber wenn man selbst einiges vom Training weiß oder in den letzten Jahren dazugelernt hat, dann kann man auch selbstständig daran weiterarbeiten. Die Grenzen sind meist eh nur die, die der eigene Kopf dir setzt. Wenn man da also gerade im Lead Klettern weiterarbeitet, spezifisch den Kopf trainiert, bringt das oft viel mehr als das pure körperliche Training.

Wenn du mal merkst, dass du im Training keine Fortschritte machst, was macht du dann? Wie motivierst du dich, das harte Training durchzuziehen?

Tatsächlich ist das bei mir eher selten der Fall, ich fühle mich eigentlich fast immer fit. Nur nach einer Krankheit bin ich gefühlsmäßig mal schwach, das ist ja dann auch klar. Oder eben nach einem Übertraining, wenn ich einfach viel zu viel gemacht habe.

Aber ansonsten fühle ich mich eigentlich immer fit und hab auch so viel Spaß am Klettern, dass ich immer motiviert bin mehr zu machen und mehr zu trainieren, damit ich noch besser werde. Aber das kommt von dem Spaß an sich, den mir das Training und das Klettern bereitet. Der Spaß motiviert mich!

Bist du vor oder während einem Wettkampf nervös?

Am Wettkampftag selber ist es ganz oft so, dass sich alles ganz normal anfühlt. Aber spätestens, wenn das Hinweisschild „Hier geht’s zum Kletterzentrum xy“ auftaucht, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Wenn ich dann die Halle vor mir sehe, werde ich immer aufgeregter. Aber das Gefühl finde ich cool!

Wenn ich dann die Halle betrete und die Routen anschaue, friert es mich immer ein wenig oder ich zittere sogar. Aber dieses Gefühl ist eben auch das Besondere daran. 

Hast du Selbstzweifel oder Angst? Und wie gehst du dagegen vor, falls solche Gefühle aufkommen?

Es kommt immer drauf an, finde ich, in welchem Bereich man gerade startet. Wenn ich bei einer Stadtmeisterschaft antrete, fühle ich mich als einer von den Besten und dann denke ich mir: „Okay, die Finalroute ist jetzt da und wenn ich das nicht klettere, dann klettert die auch sonst keiner.“ Das klingt jetzt ein wenig arrogant, aber das ist eine Einstellung, die dir beim Wettkampf unglaublich weiterhilft, weil man wirklich cool an die Sache ran geht. Du gehst dann in die Route rein und fühlst dich vom ersten Griff an stark und ohne Zweifel. Auf Basis dieser Gedanken klettere ich dann auch gut und bringe eine top Leistung.

Aber es gibt auch die anderen Wettkämpfe , die eine höhere Ebene haben. Zum Beispiel der Deutschland-Cup, wo ich mich eben nicht als einer von den Besten fühle und wenn ich da im Finale stehe, denke ich mir oft: „Oh die sind ja alle viel besser“. Da sind dann Selbstzweifel dabei und auch eine gewisse Furcht vor dem, was in dieser Route auf mich zukommt oder ob ich sie überhaupt schaffe. Das ist aber leider eine ziemlich schlechte Einstellung, weil ich da auch ganz oft auch nicht die Leistung bringe, die ich bringen könnte.

Am besten ist es, einen Wettkampf folgendermaßen anzugehen. Man sagt sich „Hey, hier bin ich und das kann ich!“ Wenn man so auftritt, bringt das einem die beste Leistung. Das ganze umzudrehen ist tatsächlich ein wenig schwierig, man muss sich wirklich gut zureden und das Selbstvertrauen aufbauen und sagen: „Okay das ist die Route, die nehme ich jetzt so wie sie ist und wenn da ein Sprung drin ist oder sonst irgendwas, ist das kein Problem; ich bin hier weil ich gut bin und das kann.“ Diesen Schalter umzulegen, das ist die eigentliche Kunst.

Wenn man vor dem Finale hinter dem Vorhang sitzt, sich gerade einbindet und hört wie das Publikum jubelt, weil der vor dir die Route getoppt hat, dann steigert das natürlich die Anspannung und den Druck, vor allem wenn man in der Qualifikation schon sehr gut war.

Dann stehst du vor all den Leuten, die quasi nur auf dich warten und weil du bisher ja schon sehr gut warst, schauen sie dir mit hohen Erwartungen beim Klettern zu. Da bist du dann total aufgeregt. Doch sobald du die ersten Griffe in der Hand hast, bist du in der Route drin und plötzlich ist diese Nervosität komplett weg, du hörst keine Jubelschreie mehr, keinen Moderator. Du bist dann wie in einem Tunnel und konzentrierst dich nur auf den nächsten Griff. Das ist ein wahnsinnig geiles Gefühl und wenn man das hat, dann ist man schon auf dem richtigen Weg.

Wenn man noch alles mögliche von außen hört, dann ist man nicht wirklich in dieser Route drin und dann bringst du auch nicht die Leistung, weil du an viel zu viele andere Sachen denkst. Absolut fokussiert zu bleiben und den Rest auszublenden ist ein wichtiger Aspekt im Wettkampf!

Wie sieht ein typischer Wettkampftag bei dir aus? Hast du besondere Rituale oder Glücksbringer?

Am Wettkampftag selbst schaue ich, dass ich so früh wie möglich vor Ort bin, dass ich auf jeden Fall genug Zeit habe, mir die Routen anzuschauen und mich in Ruhe ausgiebig aufwärmen kann und vor dem Einstieg in die Qualifikation auch noch eine richtige Pause habe. So kann ich mich gut vorbereiten. Zeitdruck wäre hier kontraproduktiv. Danach fachsimpelt man ein wenig mit den anderen Teilnehmern über die Routen.

Dann kommen die Qualifikationsrouten, die man im Flash klettern muss. Also entweder sieht man ein Video der Route oder sie wird vorgeklettert. Je nach Startnummer bekommt man seine Startzeit und darf dem Kletterer davor auch zusehen. Vom psychischen Aspekt her, finde ich es sehr wichtig, wie die erste Route für mich läuft. Sie bestimmt den Verlauf des ganzen Wettkampfes. Das heißt, wenn die erste Route gut funktioniert, habe ich eigentlich einen optimalen Auftakt für die zweite Route; da fühle ich mich einfach gut und gehe mit diesem positiven Gefühl in die nächste Runde hinein. Wenn die erste Route nicht so gut läuft, habe ich Zweifel und auch Druck für die nächste. Die zweite Route muss dann einfach laufen, sonst kommst du nicht weiter.

In der Quali werden die Routen zugelost, und wenn ich zuerst die bekomme, die mir mehr liegt, hilft mir das natürlich auch sehr. Nach der Quali gibt es eine längere Pause. Da esse ich dann nochmal was und schaue mir nach Möglichkeit die Final-Route an (bei Deutschland-Cups bleiben die Routen verdeckt). Danach gibt es eine Besichtigungszeit von 6 Minuten, wo sich alle die Routen gemeinsam anschauen. Schließlich wartet man in der Isolation, in der man den anderen nicht zu sehen kann. Die Route wird dann im Onsight-Modus geklettert, also ohne vorher gesehen zu haben, wie die einzelnen Bewegungen ablaufen sollen. Das ist dann die wirkliche Königsdisziplin. Nach dem Finale steht die Siegerehrung an und ganz groß geschrieben wird danach auch das Beisammensein mit den anderen Teilnehmern. War ich erfolgreich, fahre ich auch dementsprechend glücklich nach Hause.

Als Ritual kontrolliere ich meinen Knoten immer wieder, ob er auch passt. So ein Ritual gibt mir einfach Sicherheit und beruhigt mich, weil man den Ablauf schon kennt. Außerdem gibt es einen ausführlichen Partnercheck. Danach kann ich ohne Gedanken an die Stürze losklettern. Aber einen Glücksbringer in dem Sinn habe ich nicht.

Wie gehst du damit um, wenn du am Wettkampftag merkst, dass du irgendwie nicht richtig reinkommst, es nicht gut läuft?

In der Hinsicht kann ich von meinem dritten Wettkampf, der bayrischen Meisterschaft erzählen. Der war mir total wichtig und ich wollte unbedingt den bayrischen Meistertitel gewinnen. Ich war auch super in Form und die Entscheidung lief eigentlich nur zwischen meinem Konkurrenten und mir. Darauf habe ich mich super vorbereitet, sehr viel trainiert. Aber es lief überhaupt nicht. Die erste Quali-Route war zwar gut, aber die zweite habe ich vermasselt und bin deshalb nicht ins Finale gekommen. Das hat mir so richtig gestunken, ich war sauer, wütend und absolut enttäuscht.

Aber ich habe für mich als Erfahrung mitgenommen, dass ich das so in Zukunft nicht mehr machen werde, weil mich das bloß runterzieht und im Endeffekt gar nichts bringt. Es war ja trotzdem ein cooler Wettkampf, mit vielen coolen Leuten. Man sollte immer versuchen, die positiven Aspekte hervorzuheben.

Es ist nicht so wichtig, wenn ich mal nicht so gut war. Davon sollte man sich nicht runterziehen lassen.

Diese Gelassenheit ist ein Schlüssel, die dich insgesamt fröhlicher macht. Nichts desto trotz darf man seinen Ehrgeiz genauso weiter haben, auch für den nächsten Wettkampf. Man darf das Ziel schon fokussieren, aber diese gewisse Gelassenheit sollte man trotzdem haben.

Wie unterscheidet sich dein Training für den Wettkampf und für den Felsen? Sind die Anforderungen an einen Wettkampfkletterer anders als an einen Felskletterer?

Es gibt definitiv Unterschiede zwischen Fels- und Wettkampfkletterern. Beim Lead Klettern im Wettkampf ist es mehr ein Fitness-Test. Das heißt du bekommst die Route vorgesetzt und musst die ideal klettern, damit du so hoch wie möglich oder gar bis ganz nach oben kommst.

In den Wettkampfrouten bleibt normal nicht viel Zeit zum Rasten. Eine Route ist eigentlich zum Durchlaufen; also es gibt keine guten Möglichkeiten zum Schütteln. Das bedeutet folglich, dass die Route geklettert werden muss, da sonst die Kraft ausgeht. Die Routen sind nämlich von mittelschwer bis sehr schwer aufgebaut, sodass man nach oben hin irgendwann abfällt. Das heißt, je fitter du bist, desto besser stehen deine Chancen im Wettkampf.

Beim Felsklettern ist das ganz anders, da muss man nicht unbedingt schnell klettern können. Normalerweise gibt es hier immer wieder mal gute Griffe, Rastpositionen, wo man teilweise auch die Hände loslassen kann. Da ist die reine Kraftausdauer nicht unbedingt zielführend. Viel wichtiger ist da eine sehr gute Technik, ein gutes Auge, um in verschiedenen Felsarten die Griffe zu erkennen, sowie schnell zu analysieren welche Bewegungen mir weiterhelfen, auch in unübersichtlichen Situationen.

Und beim Alpinklettern, wo auch die Hakenabstände, anders als beim Sportklettern, ziemlich weit sind, da ist  der Kopf nochmal wichtiger. Das Einschätzen von gefährlichen Situationen ist essentiell und dass man die objektive und subjektiven Gefahren bewusst einschätzen kann. Eine gute Selbsteinschätzung ist hier unumgänglich. Natürlich müssen Sicherungstechniken und Seilhandling in großen Wänden optimal beherrscht werden.

Wo steht der Druck mehr im Vordergrund? Hast du Sturzangst? Wenn ja, wo tritt sie häufiger auf und was tust du dagegen?

Ich hatte tatsächlich sehr lange Sturzangst. Ich bin 9er geklettert, ohne einmal reinzufallen. Das war schon krass. Aber wenn man in den 10. Grad kommt, muss man irgendwie doch mal stürzen, sodass man etwas ausprobieren kann.

An das Sturztraining hab ich mich dann langsam herangetastet. Beim Training habe ich jedes Mal eine kleine Übung gemacht: Ich bin bis zur 5. Exe geklettert und hab mich reinfallen lassen, dann weiter zu 6. Exe und hab mich wieder reinfallen lassen und immer so weiter. Also ganz kleine Stürze.

Allerdings muss man da dran bleiben. Es bringt nichts, das Training ein- oder zweimal zu machen. Wenn man es über einen längeren Zeitraum durchzieht, bringt das viel. Das muss man aber auch wirklich wollen.

Wenn ich ein Projekt am Felsen habe, das ich unbedingt durchsteigen möchte, warte ich eine gewisse Zeit, bis ich in den nächsten Versuch starten kann, damit ich wieder genug Kraft gesammelt habe. Merke ich, dass ich nervös werde, steige ich ein bevor das Gefühl noch schlimmer und mir fast schon schlecht wird. Erwischt man den Moment davor richtig, passt es meistens auch. Vor allem nicht zu verbissen zu sein ist der Schlüssel. Ein wenig Abstand zum Projekt ist immer gut, dann geht es leichter und der Flow im Klettern kommt mit der Leichtigkeit. So baut man sich auch nicht unnötig viel Druck auf.

Wettkampf oder Fels? Was liegt dir mehr und was liebst du mehr?

Das Wettkampfklettern hat auf jeden Fall seine Reize. Gerade wenn man im Finale vor Publikum klettert, sind das ganz besondere Momente. Aber tatsächlich liebe ich das Felsklettern mehr. Das gibt mir einfach mehr. Es ist facettenreicher, auch vom mentalen Anspruch her, denn man muss sich einfach trauen, weiter zu klettern.

Außerdem ist man draußen in der Natur, in einer wahnsinnigen Umgebung und dann hast du dieses besonderer Gefühl, wenn der Wind dir ins Gesicht streift, wenn du die letzten Züge kletterst, wenn du total am Limit bist und dann den Umlenker erreichst. Hinter dir geht die Sonne gerade unter und taucht die Felsen in ein rotes Licht. Das sind unglaubliche Momente. Oder wenn man eine große Felswand durchsteigt. Das sind Erlebnisse, die kriegt man in der Halle, denke ich, nicht. Also mir gibt die Natur auf jeden Fall mehr.

Und zum Schluss, beschreibe einmal deinen perfekten Klettertag!

Der sieht folgendermaßen aus: ich bin mit meinen besten Freunden oder mit der Freundin am Felsen unterwegs, wo sonst niemand ist. In einer tollen Landschaft mit genialen Tiefblicken. Dort klettern wir ein paar tolle und auch schwere Routen, die uns fordern. Wo die Linie der Route an sich so genial ist, dass man sie klettern will und wo man sich total freut, dass man das erleben und gerade hier sein darf. Und wenn dann jeder seinen Erfolg hat und die Sonne untergeht, ist das was ganz Besonderes.

Wenn es dann zum Abschluss noch ein Eis in Arco gibt und man durch die Gassen läuft und sich am Marktplatz hinsetzt um die Erlebnisse zu verarbeiten und Revue passieren zu lassen, dann passt einfach alles zusammen.

Was sind deine weiteren Ziele?

Eines meiner weiteren Ziele ist es, die schweren Grade in Mehrseillängenrouten zu übertragen. Das wär total cool, eine 8a oder den 10. Grad auf eine große Wand zu projizieren, schon im Sportkletterstil, aber eben in mehreren Seillängen. Ein anderes Ziel sind die Nordwände der Drei Zinnen in den Sextener Dolomiten, die möchte ich unbedingt klettern. Das ist ein ewiger Traum von mir, da wollte ich schon immer durchklettern und ich hoffe, dass ich das ziemlich bald realisieren kann.

Vielen Dank Steffen für das motivierende und inspirierende Gespräch!

Mehr Informationen zu Steffen Hilger findet ihr auf seiner Website: www.steffenhilger.de

Finale Ligure – Klettern, Pizza und Mee(h)r

27. September 2018
Tipps und Tricks

Finale Ligure ist ein Must-Go auf fast jeder To-Do-Liste eines Kletterers. Normalerweise sind solche Must-Gos oft nicht ganz so reizvoll, wie sie angepriesen werden und Finale Ligure ist nicht unbedingt der nächste Weg, wenn man in Deutschland wohnt und sich ein neues Kletterziel sucht.

Jedoch nimmt man die etwas weitere Anfahrt gerne in Kauf, wenn man weiß, was das Klettererherz hier erwartet. Neben absolut bockharten Touren sind auch viele Schmankerl für Anfänger, die erstmals an den Felsen gehen, dabei. Und zudem bietet sich neben den steilen Wänden meistens ein atemberaubender Ausblick über grüne, bewaldete Täler oder den weiten Ozean.

Wir hatten uns vorgenommen Silvester in Italien zu feiern und da zu dieser Zeit in Finale Ligure nach wie vor perfekte Bedingungen zum Klettern und Bouldern herrschen, ist es für uns das perfekte Ziel. Doch auch im Herbst und Frühling sind die Temperaturen dort optimal um so richtig Gas zu geben. Falls man das Ganze allerdings mit einem Badeurlaub verbinden möchte, sollte man besser den Herbst wählen, da dann das Meer auch noch nicht ganz so kalt ist.

Außerdem gibt es hier auch die Möglichkeit, die kleinen Orte und das Umland mit dem Mountainbike zu erleben. So kommt man auch bequem zu manchem Felsen und kann sich an seinem „Restday“ sportlich vergnügen. Wer also ein großes Auto hat, sollte den Drahtesel einpacken und satteln.

Im Ort Finale Ligure selbst gibt es zahlreiche Möglichkeiten, in kleinen Appartements oder Ferienwohnungen unterzukommen und wenn man mit einer größeren Gruppe unterwegs ist, lohnt es sich auf jeden Fall auch das Umland in Betracht zu ziehen. Hier sind einige Zufahrten zu den Häusern vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, da es meist steil hinauf geht, doch wann hat sich ein Kletterer schon mal vor der Vertikalen gefürchtet?

Wenn man die zahlreichen Kletterführer von Finale Ligure durchwälzt, merkt man auf jeden Fall sofort, dass man mindestens ein ganzes Jahr hier bleiben müsste, um wirklich alles gesehen zu haben. Daher kann ich hier natürlich nur eine kleine, aber umso feinere Auswahl an Spots geben.

Bric Reseghe bei Calvisio

Das erste Ziel unseres virtuellen Kletter-Trips ist das Gebiet „Bric Reseghe“ oberhalb der Ortschaft Calvisio. Fährt man noch etwas weiter, nach Chiesa di San Cipriano bis zur kleinen Kirche, hinauf, kann man dort direkt parken. Den restlichen Weg ins Dorf Calvisio Vecchia geht man zu Fuß.

Währenddessen durchquert man riesige Obstgärten und hat einen tollen Ausblick bis zum Meer und Finale Ligure. Der Weg führt einen durch zwei alte Torbögen, sowie durch weitere Bereiche des alten Dörfchens. Sobald man die Kreuzung mit der Ruine erreicht hat, biegt man nach rechts ab und folgt einer Trockenmauer. Der Zustieg ist durchwegs mit roten Rechtecken und blauen Punkten markiert, so ist die Wegfindung durchaus leicht und bildet insgesamt einen gemütlichen Spaziergang.

Früher bestand das Gebiet aus gerade einmal 11 Routen; heute ist es auf etwa 70 Routen angewachsen. Nach dem Zustieg erreicht man direkt den ersten Sektor, der die Kletterer mit leichten und mittelschweren Routen anlockt. Quert man nach rechts, gelangt man in das restliche Gebiet, in dem auch die schwierigen Routen auf uns warten.

Insgesamt gibt es hier fünf Sektoren. Das windgeschützte Klettergebiet umfasst Routen von 3c bis 8a, was für Finale ziemlich einmalig ist, ein so breites Spektrum an Schwierigkeitsgraden zu bekommen.

Alle Routen sind hervorragend abgesichert und am Wandfuß lässt es sich bequem sichern. Von delikaten Platten bis hin zu abdrängenden Überhängen ist hier alles vorhanden. Jedoch muss man darauf achten, dass das Gebiet vom 1. Januar bis 31. Juli wegen Vogelbrut gesperrt ist.

Da „Bric Reseghe“ auch ideal für Familien ist und der Zustieg gerade einmal 15 Minuten dauert, kann es schon einmal zu einem kleinen Andrang (vor allem in den leichteren Routen) kommen. Falls die Lieblingstour gerade nicht frei ist, gibt es aber zahlreiche lohnende Ausweichziele sowie die schöne Aussicht, die man in der Zwischenzeit genießen kann.

Valle Rian Cornei mit zahlreichen Klettergärten

Vom Meer geht es nun ins Landesinnere und damit zum nächsten Klettergarten. „Falesia del Silenzio Inferiore“ im Tal Rian Cornei ist unser Ziel und ich kann jetzt schon sagen, dass der Klettergarten genauso abenteuerlich ist, wie sein Name es schon ankündigt.

Erneut parkt man bei der zuvor genannten Kirche – nur diesmal von Orco. Von dort folgt man den Markierungen mit den zwei senkrechten Linien und dem roten Dreieck. Danach geht man die Schotterstraße bergauf und orientiert sich an den Holzwegweisern, die uns kurz nach einer markanten Felsrinne etwas flacher zu einer Grotte führen. Anhand roter Markierungen kann man den Weg kaum verfehlen und geht einen mit Drahtseil versicherten Steig und ein paar Stufen zum Ziel.

Der erste Blick auf „Falesia del Silenzio Inferiore“ ist beeindruckend und fast einschüchternd. Wir stehen direkt unter einer ausladenden, überhängenden Wand aus gelben Fels. Kein Wunder, dass sich hier quasi nur die Profis tummeln, denn in diesem Abschnitt findet man kaum etwas unter 6c. Auch wenn es hier „nur“ zum Projektieren reicht, ist es eine Freude, den anderen zuzusehen und mit anzufeuern. Schön ist auch, dass hier fast jede Nation vertreten ist.

Insgesamt umfasst dieser Abschnitt nicht weniger als 40 Routen. Von technisch anspruchsvollen Platten bis hin zu athletischen Überhängen ist alles dabei. Aber auch entspanntere Routen finden ihren Platz im linken Bereich des Sektors.

Für Familien ist dieses Gebiet jedoch nur bedingt geeignet, da der Zustieg teilweise ausgesetzt und sehr steil ist. Abgesehen davon ist jedoch die Absicherung sehr gut. Und zudem hat man von hier aus einen weitreichenden Blick in das bewaldete Valle Rian Cornei.

Rocca di Corno – groß, hoch, offensichtlich lohnenswert

Wenn man das Umland von Finale Ligure etwas durchquert, sticht immer wieder ein großer freistehender Felsblock ins Auge (man wäre wohl kein richtiger Kletterer wenn man da nicht hinschauen würde): der„Rocca di Corno“.

Wir können uns dem Felsbrocken auf jeden Fall nicht entziehen und nehmen ihn uns als nächstes Ziel vor. Gesagt getan und wir fahren durch die Ortschaft Calvisio nach Verzi. Die Straße ist dort sehr schmal und mündet in eine Schotterstraße. Am Ende dieser Straße gibt es einen Parkplatz, der leider schnell überfüllt ist. Es gilt also: Der frühe Vogel fängt den Wurm, oder in diesem Fall eben den Parkplatz.

Vom Parkplatz aus ist es ein Katzensprung zum Felsen. Man überquert den Bach und folgt dem Pfad, der einen direkt zum Sektor Sud führt. Auf dem Pfad kann man natürlich auch schon vorher in die anderen der vier Sektoren abzweigen, oder eben am Wandfuß entlang den Standort wechseln. Besonders lohnenswert sind die Sektoren Sud und Zona Rossa. Zum Einen hat man hier den besten Ausblick auf Finale und das Meer und zum Anderen sind hier die längsten und beeindruckendsten Routen zu finden. Die ambitionierten Kletterer toben sich hier im mächtigen Überhang aus, aber auch für Anfänger und Genusskletterer ist etwas dabei. Selbst ein paar Mehrseillängentouren (in den unteren Schwierigkeitsgraden) können hier absolviert werden.

Für kleinere Kinder ist dieses Gebiet nicht empfehlenswert. Das liegt vor allem daran, dass der Wandfuß relativ abschüssig ist. Aber auch für die Älteren kann dieser Felsbrocken ungünstig sein, da die Hakenabstände etwas weiter voneinander sind und der Übergang damit für den Ein oder Anderen mehr Überwindung kostet.

Trotzdem bleibt der Klettertag am „Rocca di Corno“ absolut unvergesslich und kann als beeindruckende Klettererfahrung eingeordnet werden.

Da es im Winter ziemlich schnell dunkel wird, konnte wir auch noch einen Blick auf Finale Ligure bei Nacht ergattern.

Klein aber oho – die Grotta dell’Edera

Ein richtiger Finale Ligure Kletterurlaub ist nicht komplett ohne einmal in der „Grotta dell’Edera“ Fels geschnuppert zu haben. Von außen erkennt man die markante Grotte nicht im Geringsten. Wüsste man also nicht wo sie sich befindet, würde der Schatz für immer verborgen bleiben.

Peilt man die Grotte an, muss man erst einmal der Contrada Valle folgen, bis man den Parkplatz Scimarco erreicht (der ist übrigens immer gut besucht). Das Auto geparkt, geht es zu Fuß eine kurze Strecke an der Straße zurück. Nachdem man an eine kleine Siedlung gelangt, durchquert man die engen Gassen und folgt der Beschilderung. Es geht leicht bergan, bis man schließlich kleinere Felsen erreicht. Von dort kann man nun auch den Eingang der Grotte sehen.

Die Höhle selber ist unten etwas weitläufiger. Der Weg führt über große Felsstufen aufwärts. Danach kommt ein enger, versicherter Steig. Die Stirnlampe ist hier absolut notwendig und durch die kleine Öffnung zur Grotte passt man besser ohne Rucksack durch. Das bedeutet jetzt allerdings nicht, dass ihr den Rucksack zurücklassen müsst; er kann einfach vom Seilpartner nachgereicht werden.

Da es in der Höhle immer feucht ist, sollte man festes Schuhwerk tragen und das Wegstück mit erhöhter Aufmerksamkeit zurücklegen. Doch kaum schlüpft man aus dem engen Gang fällt einem förmlich die Kinnlade herunter, denn eine zylinderförmige Grotte mit großem Dachfenster, Löchern und Sintern sieht man dann doch nicht so häufig.

Überhang-Freaks kommen hier auf jeden Fall nicht zu kurz. Trotzdem ist es von Vorteil wenn man den 7. Schwierigkeitsgrad solide beherrscht, um ein wenig Spaß zu haben. Doch auch wenn man nur zum „Gucken“ kommt, ist diese Grotte absolut einen Ausflug wert und der innere Abenteurer zufrieden gestellt.

Familien mit kleineren Kindern ist der Besuch dennoch abgeraten, denn der Zustieg kann durchaus heikel werden.

Fazit

Obwohl die Grotte ein ziemliches Highlight ist, ist sie nicht das einzige, was im Gedächtnis bleibt. Final Ligure ist bei Sportlern und vor allem bei Kletterern durchaus bekannt, aber der kompakte, vielseitige Fels und die schöne Aussicht packt einen einfach immer wieder. Von der Pizza und dem guten Wein natürlich ganz zu schweigen.

Ein anderes Highlight dieses Trips war für mich aber auf jeden Fall noch die Silvester-Feier, zu der wir von unseren schon etwas betagteren Vermietern eingeladen wurden. Wir hatten verstanden, dass das gesamte Dorf zusammen feiern würde und wanderten daraufhin motiviert vom Ferienhaus in die Siedlung hinunter. Als uns allerdings keine Menschenseele begegnete und alles verdammt ruhig war, wurde uns klar, dass wir das wohl falsch verstanden haben. Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns dann doch gewünscht ein wenig italienisch sprechen zu können.

An der besagten Adresse angekommen, fanden wir jedoch den „Ältestenrat“ des Dorfes sowie unsere Vermieter, mit denen wir uns verabredet hatten. Die Rentner blieben also zum Feiern im Dorf, während sich die Jugend am Meer versammelt.

Mit der Runde genossen wir ein selbstgekochtes Fünf-Gänge Menü, mit jeder Menge Wein und erlebten alten italienischen Schlager. Das große Feuerwerk blieb aus, denn im Dorf selbst wurden nur genau zwei Raketen abgefeuert. Wir haben unseren Silvester-Abend aber definitiv nicht bereut! Für uns war Finale damit nicht nur ein außergewöhnlicher Kletter-Trip mit tollen Spots, sondern auch eine schöne zwischenmenschliche Erfahrung, mit so viel Gastfreundschaft, so dass es auch genügt hat, dass wir auf alles nur mit „Sì“ geantwortet haben.

Wenn ihr also mal Lust habt Finale Ligure auf eine besondere Art und Weise kennen zulernen, dann zögert nicht davor auch mal über die Feiertage dort hinzugehen. Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen!

Ein paar Fakten zur Orientierung

Fakten „Bric Reseghe“

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Lacrema bei der Kirche
  • Zustieg: 15 Minuten
  • Ausrichtung: Süden, Osten
  • Charakter: Platten-, Wand-, Überhangkletterei
  • 5 Sektoren mit etwa 70 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 3c bis 8a
  • Ausrüstung: Sportklettern, 60 Meter Seil
  • Familienfreundlich und sehr gut abgesichert

Fakten „Falesia del Silenzio Inferiore“

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Ordo bei der Kirche
  • Zustieg: 30 Minuten (teilweise versicherter Steig und sehr steil)
  • Ausrichtung: Südwesten
  • Charakter: Platten-, Überhangkletterei
  • Großer Sektor im Valle Rian Cornei mit etwa 40 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 5c bis 7c+
  • Ausrüstung: Sportklettern, 60 Meter Seil, feste Schuh für Zustieg
  • Sehr gute Absicherung aber nur bedingt familienfreundlich

 Fakten „Rocca di Corno“

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Corno am Ende der Schotterstraße bei Verdi
  • Zustieg: 15 Minuten
  • Ausrichtung: Süden
  • Charakter: Überhang-, Wandkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4a bis 7c
  • Ausrüstung: Sportklettern, Mehrseillängentouren, 70 Meter Seil
  • Gute Absicherung aber nur bedingt familienfreundlich

Fakten „Grotta dell’Edera“

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Scimarco
  • Zustieg: 20 Minuten
  • Ausrichtung: Norden, Süden, Osten, Westen
  • Charakter: Sinter-, Loch-, Überhangkletterei
  • Zylinderförmige Grotte mit 15 Routen
  • Schwierigkeit: 6b bis 8a+
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil, Stirnlampe!
  • Sehr gute Absicherung, nicht familienfreundlich

 

Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

13. Dezember 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte.

Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Klettern an der Adria – Istrien, ein Paradies für Sportkletterer

8. Oktober 2018
Tipps und Tricks

Wenn man Kroatien oder Istrien hört, denkt man zunächst nur an Badeurlaub, viel Sonne, schöne Strände, warmes Wasser und fantastische Wände. Moment, Wände? Ganz richtig, denn neben all diesen touristisch attraktiven Zielen mausert sich Kroatien gerade zu einem sehr beliebten Kletterspot. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn es bei uns noch zu kalt oder schon wieder zu ungemütlich ist, liefert Kroatien die besten Bedingungen zum Klettern am Fels. Doch es locken nicht nur aussichtsreiche Felsen in bester Qualität, auch das Rahmenprogramm kann überzeugen.

Kroatiens Vorteil ist, dass es hier zum Einen zahlreiche junge Gebiete gibt, die sportklettermäßig sehr gut abgesichert sind und zum Anderen, dass man die Vorzüge des entspannten Lebensgefühls an der Adriaküste voll und ganz genießen kann. Da Kroatien gerade einmal vier Millionen Einwohner hat, kann man sich denken, dass die Klettergebiete nicht sonderlich überlaufen sind und man somit auch die Ruhe eines beschaulichen Dorfes genießen kann.

Kleine Dörfer und ganz viel Wald

Als ich zum ersten Mal istrischen Boden betrete bin ich regelrecht in die kleinen malerischen Ortschaften verliebt. Jede Örtlichkeit besitzt eine kleine Kirche aus Stein, deren Kirchtürme man Kilometer weit auf den sanften Hügeln sieht. Und zudem sieht man Wald, viel Wald.

Wer sich jetzt Gedanken darüber macht, wo und wie man hier Klettermeter sammeln soll, wo hier doch alles so flach erscheint, der kann beruhigt werden: die Felsen kommen.

Wir beginnen mit unserem Ausgangspunkt der Kleinstadt Roc. Roc ist etwa 50 Kilometer südöstlich von der italienischen Großstadt Triest entfernt und in unmittelbarer Nähe von Buzet, einer Stadt mit etwa 6100 Einwohnern, die sich eignet, um seinen Vorrat an Lebensmitteln aufzustocken. Obwohl Roc ein Stadtrecht besitzt, wohnen nur knapp 180 Menschen in dem kleinen Ort. Mit ihren kleinen Appartements und Ferienwohnungen ist die Stadt perfekt, um dort sein Basecamp aufzuschlagen.

Kompanj bei Roc

Von unseren Vermietern werden wir mit Sliwowitz und heimischem Obst begrüßt und fühlt sich direkt wohl. Schaut man sich etwas genauer um, sieht man nach wie vor eine Menge Wald. Doch etwas weiter im Hinterland erheben sich ein paar unscheinbare Hügel mit Wänden. Unser erstes Ziel steht fest: die wollen wir uns ansehen.

Über holprige Straßen erreichen wir nach einer Viertelstunde das Klettergebiet Kompanj, das eines der schönsten und größten Klettergebiete in ganz Istrien ist. Besonders schön ist hier, dass man fast den ganzen Tag in der Sonne klettern kann, man eine grandiose Aussicht über Istrien hat und sogar ein kleines Eck vom Meer sieht.

Unser Auto parken wir an dem Parkplatz, den man dank der Beschilderung nicht verfehlen kann. Wer mit dem Campingbus oder Zelt unterwegs ist, kann auf dem Parkplatz auch direkt nächtigen. Voraussetzung ist hierfür jedoch sich (wie immer) ruhig zu verhalten und keinen Müll zu hinterlassen.

Vom Parkplatz ausgehend, erreicht man, mittels den Holztafeln, innerhalb von 15 Minuten das südlich ausgerichtete und familienfreundliche Klettergebiet. Ab hier muss man sich jetzt nur noch für einen der vier Sektoren entscheiden. Routen vom Schwierigkeitsgrad 5 bis 10 sind hier alle dabei und sowohl Kraftpakete als auch Plattenschleicher kommen hier auf ihre Kosten. Selbst ein paar Sinterschmankerl sind hier zu finden.

Da sich die meisten Routen im 20 bis 30 Meter Bereich einordnen lassen, ist man an den Felsen mit einem 70 Meter Seil gut unterwegs. Zudem sind die Routen sportklettermäßig perfekt abgesichert. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, bei denen ein paar Bolts schon Rost angesetzt haben. Eine Routenempfehlung kann man hier wohl kaum abgeben, da jeder Sektor seine eigenen Vorzüge hat.

Kamena vrata bei Buzet

Wenn man noch eine Alternative in der Nähe von Buzet sucht, ist man mit dem Gebiet Kamena vrata bestens beraten. Der Felsen liegt im Randgebiet der Stadt in einem kleinen Canyon und ist vor allem am Nachmittag schön schattig und nicht zu heiß.

Der Parkplatz ist direkt neben der Straße und an einem Fluß. Das Campen eignet sich auch hier wieder gut. Um an den Felsen zu gelangen, überquert man einfach die Straße und ist in 5 Minuten schon dort.

Vier Sektoren locken mit anfängertauglichen bis hin zu sehr sportlichen Routen und einer perfekten Absicherung. Auch für Genusskletterer, die lange und gemütliche Touren suchen, ist hier etwas dabei.

Die Route „Gucci Gucci“ im Sektor Botanicus checkt zwar „nur“ bei 5a UIAA ein, ist aber ein richtiges Schmankerl für Anfänger oder zum Aufwärmen. Am Umlenker angekommen, hat man einen schönen Blick auf die Stadt Buzet und den kleinen Canyon.

Vela Draga im Ucka Nationalpark

Uns zieht es weiter in Landesinnere, beziehungsweise Richtung Rijeka, in den östlichen Teil Istriens. Hier landet man geradewegs im Ucka Nationalpark, dessen Felstürme man direkt neben der Autobahn definitiv nicht übersieht.

Seit 1963 steht die Vela Draga Schlucht unter Naturschutz und wird seit 1998 auch vom Staat als geomorphologisches Naturdenkmal geschützt. Im Nordwesten der Schlucht stehen bis zu 100 Meter hohe Steinsäulen, die durch Erosion des Kalksteingebirges entstanden sind. Im Osten wird die Schlucht durch eine imposante Felswand begrenzt. Allerdings wird an der Schlucht auch schon seit 1930 an den Türmen geklettert. Doch Naturschutz und Kletterer haben sich bisher nicht negativ beeinflusst. Ein friedliches und rücksichtsvolles Miteinander zwischen Natur und Sportler ist hier bestens organisiert.

Um in die Schlucht zu gelangen, parkt man an dem beschilderten Parkplatz, der sich direkt an der Autobahn befindet. Von dort aus folgt man dem Themenpfad mit den entsprechenden Infoschildern. An diesen kann man sich auch gleichzeitig über die Entstehung der Steintürme umfassen informieren.

Nach etwa 600 Metern folgt der steile Abstieg in die Schlucht. Hier sollte man unbedingt trittsicher unterwegs sein und darauf achten keine Steine loszutreten, da sich häufig ein Klettergarten unterhalb des Weges befindet.

Nach gut 20 Minuten hat man das Zentrum der Türme erreicht und schnell fällt auf, was Vela Draga alles zu bieten hat. 11 (teilweise auch kleine) Sektoren mit über 60 Routen, die wiederum kleine Leisten, Überhänge und Platten haben, zeichnen die Schlucht aus. Eins ist sicher: Anfänger wie auch Profis werden hier glücklich. Vor allem die Ausgesetztheit an den Türmen ist reizvoll. Allerdings hat man dann doch ganz schön viel Luft unter dem Hintern und muss seine Psyche zu dem ein oder anderen Zug erst mal überreden. Doch die Aussicht über die Schlucht ist eine würdige Belohnung.

Après Climbing Programm

Wer nach dem Klettern eine Abkühlung sucht, oder den Flair des Mittelmeeres erleben möchte, der ist in Opatija genau richtig. Vor allem außerhalb der Hauptreisezeiten ist der Charme der Stadt ganz besonders. Den Strand hat man fast für sich alleine und zahlreiche Lokale laden dazu ein die kroatische Küche zu entdecken.

Quer durch Istrien

Weiter geht es quer durch ganz Istrien an die westliche Küste, an den bekannten Limski Kanal. Von vielen wird der Kanal oft fälschlicherweise als Fjord bezeichnet (aber ein Fjord entsteht durch einen Gletscher, der hier definitiv fehlt um von einem Fjord sprechen zu können). Der Limski Kanal ist vielmehr eine sogenannte Ria – eine schmale, lange und weit ins Landesinnere reichende Meeresbucht, die aus Flusstälern hervorgegangen ist. Nichts desto trotz erinnert der Kanal an einen Fjord.

Wie bei den vorherigen Örtlichkeiten, gibt es auch auch hier einen Campingplatz. Dieser befindet sich direkt am Kanal. Wer sich allerdings gegen das Campen entscheidet, kann auf eine der zahlreichen, günstigen Appartements zurückgreifen, die sich entweder Richtung Ronvinj im Süden oder Porec im Norden befinden.

Wir halten uns an das nördliche Ufer des Kanals und parken kurz vor einem großen Aussichtsturm mit Souvenirladen. Kurz an der Straße entlang und am Turm vorbei gelaufen, führt ein schmaler Pfad abwärts in den Wald. Da sich einige Wege bereits im Wald trennen, ist es hier am besten schon im Vorhinein entschlossen darüber zu sein, welcher der fünf Sektoren besucht wird. Schilder gibt es hier keine, aber mit ein wenig Orientierung ist man sicher unterwegs.

Nach etwa 20 Minuten erreicht man das Klettergebiet und hat einen wunderschönen Ausblick über den Fjord, nein sorry über die Ria, mit einigen Fischfarmen und dem bewaldeten Umland. Der Fels ist grau-gelb, schön kompakt und wieder findet man von sehr gemütlichen Touren bis hin zu technischen oder kräftigen Herausforderungen alles was das Herz begehrt. Die meisten Routen sind jedoch senkrecht bis leicht überhängend mit Slopern und guten Griffen.

Für die leichteren Touren sollte man beachten, dass die Absicherung zwar nach wie vor gut ist, aber die Hakenabstände teilweise etwas weitersind. Nicht jedermanns Sache aber auf jeden Fall noch vertretbar.

Da der Fels komplett südlich ausgerichtet ist, ist dieses Gebiet eher was zwischen Herbst und Frühjahr oder für späte Abendstunden mit Sonnenuntergang über dem Limski Kanal. Auch Familien können hier einen entspannten Klettertag genießen. Dabei sollte die Sonnencreme jedoch nicht vergessen werden. Ein wenig ungewohnt ist am Ende des Klettertages, dass man nicht entspannt zum Auto runterlaufen kann, sondern noch den kleinen Anstieg bewältigen muss. Aber nach so vielen schönen Eindrücken nimmt man diese Anstrengung eigentlich gar nicht mehr wahr.

Der besondere Charme Kroatiens

Um den Klettertag angemessen ausklingen zu lassen gibt es in Istrien dutzende Möglichkeiten. Ob größere Stadt an der Küste oder verschlafenes Dorf im Landesinneren, überall begegnet man herzlichen und freundlichen Menschen, bei denen man sich direkt zu Hause fühlt.

Wenn man die Nähe zum Meer sucht, sind vor allem Novigrad im Westen und Opatija im Osten empfehlenswert. Bezaubernde Gassen, kleine Cafés und ausgedehnte Strände mit kleinen Häfen laden zum Seele baumeln und entspannen ein.

Nach einem anstrengenden Klettertag die Füße in das noch laue Meer hängen lassen oder noch direkt am Klettergarten den Sonnenuntergang genießen, die Farben, die der kroatische Horizont zu bieten hat, sind einzigartig und genauso ist das Klettererlebnis in diesem kleinen Land.

Nur die selbstgebrannten Schnäpse der Kroaten sind definitiv mit Vorsicht zu genießen. Denn hier ist der Alkoholgehalt teilweise so hoch, dass man auch am nächsten Tag noch meint, man hat ein Zwillingsseil statt dem eigentlichen Einfachseil dabei. Doch auch eine solche Erfahrung bereichert einen Klettertrip enorm.

Ein paar Fakten zur Orientierung

Kompanj Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz bei Klobasi
  • Zustieg: 15 Minuten, gut beschildert
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: Sinter-, Platten-, Überhang-, Wandkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 5c bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Kamena vrata Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Fluss kurz nach Buzet
  • Zustieg: 5 Minuten, nicht zu verfehlen
  • Ausrichtung: Südöstlich
  • Charakter: Platten-, Wand-, Sinterkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 50 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4c bis 8a+
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Vela Draga Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz „Vela Draga“ direkt an der Autobahn
  • Zustieg: über Themenpfad, gut beschildert
  • Ausrichtung: Nordöstlich
  • Charakter: Leisten-, Überhang-, Plattenkletterei
  • 11 große und kleine Sektoren mit etwa 60 Routen
  • Schwierigkeit: 4a bis 7b
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Bedingt familienfreundlich (steiles Gelände im Zustieg), gute Absicherung

Limski Kanal Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz kurz vor dem Aussichtsturm direkt an der Straße
  • Zustieg: nach dem Aussichtsturm Pfad abwärts in den Wald
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: senkrechte und überhängende Klettereien
  • 5 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4b bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 80 Meter Seil
  • Familienfreundlich, gute Absicherung

Materialinfo: Was ist Modal Stoff?

26. September 2018
Ausrüstung

Modal. Diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn klingt das Wort doch tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.

Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.

Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoorboom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an Materialien (wie Modal) sprunghaft.

Synthetik oder Natur?

Bei Modal handelt es sich um eine Faser, die aus dem Holz der Buche gewonnen und in einem chemischen Prozess verarbeitet wird. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.

Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.

Zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten wurden entwickelt: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.

Wie wird es hergestellt?

Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für Modal. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese werden in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse aufbereitet und anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammengesponnen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.

Eigenschaften

Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist Modal deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.

Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist Modal sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.

Bislang wird Modal vor allem in Fasermischungen verarbeitet, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.

Haptik und Tragegefühl

Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.

Da wundert es also kaum, dass Modal als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden wird. Modal wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.

Eignung im Outdoorbereich

Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.

Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.

Einordnung und Vergleich

Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und wird wohl nur noch von Tencel-Lyocell überboten. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (die österreichische Lenzing AG) produziert, weshalb Modal auf Dauer leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein dürfte. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.

Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt Modal als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung von Modal werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien zu 95 % hergestellt.

Pflege

Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn Modal pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege ihr Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für die hier abschließenden, einfachen Tipps:

  • Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
  • Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
  • Man kann Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allredings ein wenig knittert, ist das in aller Regel überflüssig.
€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.

Bitte beachte, dass wir Cookies verwenden, um die Nutzung dieser Website zu verbessern. Wenn Du auf der Seite weitersurfst, stimmst Du der Cookie-Nutzung zu.