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Überlastungen an Händen und Fingern vorbeugen – wer entscheidet über meine Fingerkraft?

12. Januar 2021
Tipps und Tricks

Die Fingerkraft ist erst einmal genetisch bestimmt. Doch gezieltes Fingertraining ist unerlässlich für eine gute und nachhaltige Performance beim Klettern. Viele Kletterinnen und Kletterer kennen es sicher: Hände und Finger können durch das Klettern oder Bouldern schnell mal überreizt und überlastet werden. 

In diesem Artikel spreche ich mit Prof. Dr. med. Volker Schöffl. Er ist ein sehr erfahrener Kletterer, Arzt der deutschen Nationalmannschaft Sportklettern und Leiter der Sektion Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin, Chirurgie der oberen Extremität am Klinikum Bamberg. Wir sprechen über das beste Training zum Vorbeugen von Verletzungen sowie das wachsende Interesse an der Klettermedizin. Letztes Jahr stellt man ihn mir als „Primus inter pares“ zur Behandlung von Kletterverletzungen vor. Er wurde 2020 in die Focus Ärzteliste der besten Mediziner und Medizinerinnen Deutschlands aufgenommen. Also Textmarker raus und Obacht!

Unsere Hand- und Fingergelenke bestehen aus insgesamt 27 kleinen Knochen. Viele Sehnen und Muskeln mit denen wir unsere Hand und Finger bewegen können, haben ihren Ursprung im Ellenbogen und Unterarm. Sie fächern sich dann immer mehr auf. Die feine Beweglichkeit kommt auch durch die genialen Konstruktionen mit den Bändern und Sehnen zustande. Beispielsweise sorgen die Ringbänder und Kreuzbänder dafür, dass unsere Sehnen der Finger so fixiert sind, dass das Beugen funktioniert und nichts aneinander reibt während wir sie bewegen. 

Auch bei gut trainierten Leuten, die viel Erfahrung haben und ihren Körper optimal nutzen, fordert der Klettersport viel Kraft aus den Fingern und Händen. Umso wichtiger ist es sie stärker wahrzunehmen, fit zu halten und gezielt zu trainieren um mögliche Überlastungen vorzubeugen.

Übungen der Finger- und Handgelenke sollten immer individuell abgestimmt werden. Der Körperbau, eher breite oder fragile Gelenke und die eigene Fitness sollten bei der Auswahl der Übungen berücksichtigt werden. Um Beschwerden zu vermeiden, ist es immer wichtig bewusst den ganzen Körper beim Klettern oder Bouldern zu nutzen, sodass die Hände und Finger geringeren Belastungen ausgesetzt sind.

Es ist schon so, dass Leute mit dünnen Fingern anfälliger sind für Verletzungen. Die Überstreckbarkeit der Gelenke erhöht die Verletzungsgefahr. Ein isoliertes Fingertraining unabhängig von der Fingerkraft, lässt die Belastungen beim Klettern deutlich besser verkraften. Mit gutem Fingertraining kann ich vieles kontrollierter machen.“ 

Stärkere Fingergelenke bekommt ihr durch das Trainieren mit Softbällen, Tennisbällen, Therabändern, Finger-Stretchern oder Finger-Strengthenern. Von der Firma Theraband gibt es auch spezielle „Handexerciser“, die ganz gut sind. Natürlich eignet sich immer das Finger- oder Hangboard bei ausreichenden Vorkenntnissen und aufgewärmter Muskulatur. Nach den Belastungen durch das Klettern oder Bouldern könnt ihre eure Finger auch gut mit etwas Fingergymnastik verwöhnen. Dazu eignen sich zum Beispiel mittelgroße Holzkugeln, die ihr durch die Finger spielt.

Um vor allem die Finger zu schonen, werden immer häufiger Tapes verwendet. Doch, dass ist gar nicht mal so gut. Das Tapen von Fingergelenken ist keine gute Idee, wenn keine Verletzungen vorliegen. 

Generelles prophylaktisches Tapen hat in zwei Studien gezeigt, dass es zu mehr Verletzungen führt. Tapen nach einer Verletzung ist natürlich kein Problem. Doch zur Vorbeugung von Verletzungen rate ich, sich darauf zu konzentrieren, dass das Klettern nicht nur mit den Fingern stattfindet. Fingerkraft ist genetisch bedingt. Personen, die viel Fingerkraft haben, sind am Anfang vielleicht bevorteilt, doch dies führt oft zu Kletterbewegungen, die nicht auf den ganzen Körper verteilt sind. Dann kommt es schnell zu Überlastungen der Finger.

Finger und Hände können schnell mal zu viel belastet werden. Gerade Personen, die vor einer kurzen Zeit, vor 1 bis 2 Jahren, mit dem Klettern oder Bouldern begonnen haben, holen zu viel Kraft aus den Fingern und Händen, anstatt den ganzen Körper effektiv zu nutzen. Andauernde Schmerzen nach dem Sport weisen auf akute Überlastungen hin. 

Akute Überlastungen können ein bis zwei Wochen anhalten. Sie sind meist einfach zu behandeln. Durch eine Sportpause und Fingergymnastik lassen sich die Überlastungen schnell beruhigen. Wenn nach zwei Wochen keine Besserung eingetreten ist, sollte es weiter ärztlich abgeklärt werden. Über chronische Beschwerden sprechen wir nach 6-8 Wochen.“ 

Im Klettersport gehören Verletzungen an den Fingergelenken zu den häufigsten Verletzungsarten. Auch Verletzungen an den Händen sind häufiger auf zu hohe Belastungen als auf Stürze zurückzuführen. Durch ständige Überlastungen können sich zudem Knochenödeme in der Hand bilden. 

An Fingerverletzungen gibt es eine ganze Menge. Es können Bänder und Sehnen reißen oder der Kapsel-Band-Apparat durch ungünstige Belastung stark beschädigt werden. Die häufigsten Schäden sind Verletzungen der Ringbänder. Durch einen schwierigen Zug in aufgestellter Fingerposition reißen die Ringbänder ganz oder teilweise. Dies wird häufig von einem hörbaren „Schnalzen“ und im Anschluss durch zunehmende Schmerzen begleitet. 

Die meisten Verletzungen werden konservativ behandelt. Operationen an der Hand bringen immer Spätfolgen mit sich. Nach einer OP sollte die verletzte Hand schrittweise trainiert werden. Bei Fußverletzungen braucht es mindestens ein Jahr. Bei Verletzungen der Hand und Finger geht die Anpassung etwas schneller. Doch können bis zur Vollbelastung bei schwerwiegenderen Verletzungen schon mal drei bis sechs Monate vergehen.

Unsere Finger- und Handgelenke scheinen jetzt sehr anfällig für Überlastungen und Verletzungen zu sein. Doch machen sie auch einige Anpassungsprozesse, die uns vielleicht erst einmal gar nicht so bewusst sind. Bei Kletterinnen und Kletterin ist beispielsweise zu beobachten, dass die Gelenke der Finger dicker werden und somit unsere Seitenbänder an Kraft zunehmen und uns so vor Verletzungen schützen. 

Wir akzeptieren in der Klettermedizin viel mehr Anpassungserscheinungen als die normale Orthopädie. Bevor jemand ein Sportverbot ausspricht, gibt es in der Regel noch viele Möglichkeiten und Wege den Klettersport weiter auszuüben.

So sind verdickte Fingergelenke nicht grundsätzlich ein Problem. Auch Anpassungen an den Händen können toleriert werden. Bei anhaltenden Beschwerden oder langjährigem Klettersport, ist es ratsam eine Person aufzusuchen, die sich gut mit Kletterverletzungen auskennt. Volker Schöffl macht Mut, dass es inzwischen fast in jeder Ecke Hilfe gibt.

Natürlich geht die Behandlung von Hand- und Fingerverletzungen etwas weg von der klassischen Orthopädie. Bei anhaltenden Beschwerden nach Unfällen oder Überlastungen sollte man schauen, wer sich in der Region damit beschäftigt. Oft lassen sich auch in Kletterhallen die entsprechenden Kontakte finden. Ich glaube, dass überall jemand da ist, der weiterhelfen kann. Es gibt auch Unfallchirurgen und Sportmediziner, die mit dem Klettern nichts am Hut haben und sich extrem gut auskennen. Letztes Jahr hatte ich zwei chilenische Handchirurgen hier, die sich in die Klettermedizin einarbeiten wollten. Sie kannten alle Paper und waren extrem interessiert.“ 

Teilweise sind klettermedizinische Erkenntnisse schon in die klassische Orthopädie und Unfallchirurgie integriert. Doch längst nicht alle. Für Interessierte, ob mit Doktortitel oder ohne, haben Volker und Isabelle Schöffl, Christoph Lutter und Thomas Hochholzer das Buch „Klettermedizin – Grundlagen, Unfälle, Verletzungen und Therapie“ im Sommer 2020 herausgebracht. 

Über unsere Fingerkraft entscheiden wir Kletterinnen und Klettern nun doch schlussendlich selbst. Regelmäßiges Training und ein gutes Körperbewusstsein helfen uns die Kraft zu erhalten. 

„Morgen geh ich sicher zum Trainieren, ganz sicher…“ oder wie man seine Motivation wiederfindet

3. November 2020
Tipps und Tricks

Wahrscheinlich war jeder Sportler, ob professionell oder hobbymäßig, schon mal an dem Punkt, an dem er sich einfach nicht zum Training aufraffen konnte. Der innere Schweinehund lässt grüßen.

Soweit ist das ja auch ganz normal und menschlich und doch lässt uns ein Motivationsloch nicht einfach kalt. Wir ärgern uns über uns selbst und sind unzufrieden, dass wir schon wieder auf der Couch gelandet sind, statt eine Runde durch den Park zu drehen. Es ist ja auch angenehmer nach der Arbeit daheim zu fläzen, als sich nochmal nach draußen zu begeben und sich anzustrengen. Ausreden sind da schnell zur Hand. 

  • „Heute ist es zu kalt.“
  • „Heute ist es zu warm.“
  • „Heute war es so anstrengend in der Arbeit.“
  • „Ich fühl mich irgendwie nicht so danach.“
  • „Und morgen geh ich ja dann auch sicher…“

…oder auch nicht. Um dem Motivationsloch den Kampf anzusagen, ist es manchmal hilfreich, sich zu fragen, woher die Unlust kommt. Hat man es in letzter Zeit etwas übertrieben? Ist der Körper zu platt, um noch mehr Leistung abzurufen? Reicht vielleicht einfach ein Tag Pause, oder zieht sich das Loch schon Wochen oder sogar Jahre hin?

Komfortzone und Routinen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir lieben unsere Routinen und geplanten Abläufe. Deshalb fällt es uns zeitweise auch so schwer aus Mustern auszubrechen und die Komfortzone zu verlassen. Und Sport, beziehungsweise das Training, liegt bei den meisten die es als Hobby betreiben, außerhalb der Komfortzone, denn es bedeutet Stress und Anstrengung. Deshalb ist es auch so schwer, nach der Arbeit noch eine Runde zu laufen, anstatt auf dem Sofa zu landen.

Doch unser Gehirn lässt sich da ganz einfach austricksen. Die Gewohnheit, jeden Abend auf dem Sofa zu landen, ist fest einprogrammiert. Doch genauso leicht lässt sich der Kopf umprogrammieren. Man sagt, eine neue Routine lässt sich innerhalb von etwa sechs Wochen manifestieren. Plant man also einmal die Woche abends zum Sport zu gehen (man will es ja nicht gleich übertreiben) und zieht das sechs Wochen durch, dann hat man sich eine neue Routine erschaffen und einem fällt es deutlich leichter die Bewegung zu wählen, statt das Sofa. Denn der Kopf weiß nun, dass es an einem Tag in der Woche zum Sport geht und sieht es nach einer Zeit als normale Gewohnheit an, mit der er sich wohlfühlt. 

Pause muss sein: Sport-Burnout

Trotzdem kann es vorkommen, dass man selbst mit sportlichen Routinen, einfach einen Hänger hat. Da rennt man fast täglich ins Fitnessstudio, zum Klettern, Yoga oder Laufen und plötzlich geht gar nichts mehr. Man will seine Trainingsklamotten nicht mal mehr ansehen. Ein klassisches Sport-Burnout. Sowas kann nach Übertraining oder Überlastung passieren, bei denen der  Körper das deutliche Signal sendet, dass er eine Pause braucht. Oder auch nach zu wenig Ruhetagen. Nicht umsonst gibt es im Job das Wochenende, an dem man sich körperlich und geistig erholen und wieder Kraft sammeln kann.

Das lässt sich so auch auf den Sport übertragen. Bei einem Motivationsloch helfen oft einige Tage Ruhe für den Körper und Abstand zum Training. Man kriegt den Kopf frei, die Muskeln regenerieren sich komplett und sind danach wieder voll einsatzfähig. Und da braucht man auch gar kein schlechtes Gewissen haben, denn ausreichend Regeneration gehört zum Sport genauso wie ein durchdachtes Training. Und neben dem ganzen Training darf man die Lebensqualität nicht ganz vergessen. Einmal ein Bierchen mit Freunden zu genießen, statt zum Trainieren zu gehen, hat noch niemandem geschadet.

Ziele: Warum tu ich mir das eigentlich an?

Man plagt sich durch eine Trainingseinheit, rennt im Regen seine fünf Kilometer Runde durch den Wald oder marschiert ins Fitnessstudio. Das kann ja gar keinen Spaß machen, oder? Sport soll keine Quälerei sein. Klar geht man gerne mal an seine Grenzen, aber der Spaß sollte dabei nie verloren gehen. Denn das Ganze hat auch seinen Sinn.

Mit regelmäßiger sportlicher Bewegung hält man sich fit und gesund. Wie oft bewundert man betagte Menschen, die immer noch aktiv Sport betreiben. Das kommt nicht von irgendwoher. Der Spruch „Wer rastet, der rostet.“ hat sicher einen wahren Kern. In einem Motivationsloch kann man sich immer ins Gedächtnis rufen, warum man das Ganze eigentlich macht. Gesundheit für jetzt und das hohe Alter, Vorbeugung vor Verletzungen, ein gesundes Herz-Kreislauf-System, die Traumfigur, bessere Blutwerte… Es gibt immer einen Grund sich sportlich zu betätigen.

Sport ist ein Geschenk – Dankbarkeit für einen gesunden Körper

Hört sich hochtrabend an, ist aber wahr. Denn viele Menschen haben nicht das Glück, vollkommen gesund zu sein und sich körperlich uneingeschränkt zu bewegen. Es muss nur eine kleine Verletzung dazwischenkommen und schon ist man ausgebremst. So kann man den Sport durchaus als Geschenk ansehen. Bei jedem Kilometer durch den Wald kann man seine Gesundheit feiern, denn man läuft! Verknüpft man sportliche Aktivitäten mit Dankbarkeit für einen gesunden Körper, dann verschwinden negative Gefühle ganz schnell. 

Mit musikalischem Schwung durchs Training

Ein alter Trick, der sich aber bewährt hat. Stellt euch eine Playlist mit motivierenden Liedern zusammen und schon läuft das Training wie von allein. Es gibt sogar spezielle Playlists zum Laufen, die sich am Schritttakt orientieren und man so das Laufen selbst fast vergisst. Ruhige Musik zum Yoga, Heavy Metall zum Krafttraining, für jede Sportart lässt sich ein Musik-Genre finden, das die Motivation ordentlich pusht. 

Shopping-Tour

Nein, shoppen gehen soll nicht das neue Cardio-Programm werden. Vielmehr hilft es der Motivation oft auf die Sprünge, wenn man sich neue Sportklamotten kauft. Klingt vielleicht oberflächlich, ist aber durchaus hilfreich. Denn wer will denn die neuen Klamotten im Schrank verstauben lassen? Schöner ist es doch, wenn man sie auch den Sportkollegen präsentiert. So eine neue Laufhose kann einen ordentlichen Motivationsschub geben.

Training mit Freunden oder Partnern

Oft ist es ziemlich schwer, sich alleine aufzuraffen. Gerade, wenn man in einem Motivationsloch ist. Man sucht sich Ausreden, um bequem daheim zu bleiben und beruhigt damit sein schlechtes Gewissen. Aber wie läuft es jetzt, wenn man sich mit jemandem zum Sport verabredet hat? Da ist es schon schwerer plausible Ausreden zu finden. Und man lässt seinen Partner ja auch ungern hängen. Zum einen hat man damit eine Art Verpflichtung zum Sport zu gehen und zum anderen macht das gemeinsame Training auch mehr Spaß. Man legt sich mehr ins Zeug und motiviert sich gegenseitig. Auch ein Coach kann bei einem Motivationsloch hilfreich sein, denn er kann bei Bedarf den nötigen „Tritt in den Hintern“ verpassen.

Kurz- und Langzeitziele

  • „Ich möchte 20 Kilo abnehmen.“
  • „Ich will endlich den 10er klettern können.“
  • „Ich will den Everest erklimmen!“

Das alles sind Ziele, die man normalerweise nicht innerhalb kurzer Zeit oder mit normalem Aufwand erreichen kann. Solche Ziele sind oft ein langer Weg, gepflastert von Rückschlägen, Tiefs und Burnouts. Beginnt man erst motiviert mit dem Training, wird einem bald bewusst, dass das Ziel doch sehr fern ist. Der weite Weg kann oft demotivierend wirken und man verliert den Fokus schnell.

Schöner wäre es doch, wenn man eine Woche trainiert und sein Ergebnis parat hat. Um sein Langzeitziel zu erreichen und die Motivation nicht zu verlieren, helfen Kurzzeitziele. Beispielsweise ist es für unsere Motivation besser zu sagen: „In einem Monat laufe ich die Runde schneller und leichter als heute.“, als zu sagen: „Nächstes Jahr schaffe ich den Marathon.“ Denn durch relativ schnell erreichbare Ziele hält man die Lust und Motivation hoch. Zudem machen kleine Erfolge stolz und man sieht, dass das Langzeitziel Stück für Stück erreicht wird. 

„Aber der klettert/läuft/schwimmt immer besser als ich!“

Wer hat sich nicht schon mit seinem Trainingspartner oder anderen Sportlern verglichen. Das kann durchaus motivierend sein. Andererseits ist auch schnell ein Frustgefühl da und man denkt sich: „Das schaffe ich ja nie.“ Schon ist die Motivation futsch und der Sinn des eigenen Trainings wird in Frage gestellt. Besser ist es, sich mit sich selbst zu vergleichen.

Wo war ich vor einem Jahr? Wo habe ich mich verbessert? Den Zug kann ich jetzt viel besser klettern als vor einer Woche.

Das sorgt für ein positives Mind-Set und blendet die Leistung anderer aus. Denn schließlich kann man nur an seinem eigenen Körper arbeiten. Da man die Hintergründe des anderen Sportlers nicht kennt, nicht weiß, wie viel Einsatz er für diese Leistung betreiben muss, kann man sich selbst auch nie mit anderen vergleichen. 

Variationen im Training

Jede Woche dasselbe Programm durchzukauen wirkt ermüdend. Steckt man in einem Motivationsloch, hilft es mehr Abwechslung ins Training zu bringen. Läuft man immer am selben Fluss entlang, ist es vielleicht auch mal spannend durch den Wald oder auf einen kleinen Berg zu laufen. Macht man täglich seine Yoga-Übungen in den eigenen vier Wänden, wäre es ja auch mal schön, die Session in den Park oder in den Garten zu verlegen. Im Krafttraining lassen sich einzelne Übungen auch mal wechseln, um der Monotonie entgegenzuwirken. 

Das Gefühl danach

Das Glückshormon Dopamin ist verantwortlich für das Hochgefühl nach dem Sport. Hat man eine sportliche Schaffenskrise, braucht man nur an das Gefühl nach dem Sport denken. Man ist ausgeglichen, innerlich zufrieden und einfach glücklich. Es fühlt sich so an als wäre man jeder Herausforderung gewachsen. Das kann durchaus süchtig machen und die Erinnerung daran hilft, dass man sich in einem Motivationsloch aufrafft und die Couch für zwei Stunden verlässt. Belohnt wird man danach mit einem herrlichen Gefühl. 

Wenn alle Stricke reißen

Jetzt hat man jeden Motivationsratgeber durchgelesen, sich einen Coach besorgt, läuft im Wald, statt am Fluss und das auch noch mit einer neuen Laufhose. Doch die Lust ist immer noch nicht da. Der Fokus ist einfach vollkommen abhandengekommen und die Motivation hat sich brav unter der Couch versteckt. Dann hilft nur eins: Abstand.

Denn sich täglich ins Training zu quälen, löst die Blockade nicht, sondern verschlimmert womöglich noch die Frustration. Man will ja gar nicht mal an seine Grenzen gehen, der Erfolg bleibt sowieso aus und schon sitzt man in einem Teufelskreislauf. Die Devise „Auf zu neuen Ufern“ kann nicht nur das bestehende Problem lösen, sondern auch den eigenen Horizont erweitern.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, eine neue Sportart auszuprobieren. Wollte man nicht schon immer mal einen Pilates-Kurs machen oder mal die neue Boulderhalle auschecken? Alles was einen auf andere Gedanken bringt ist hilfreich. Zudem wird nebenbei der Körper weiter trainiert. Mit den neuen Reizen, die eine ungewohnte Sportart mit sich bringt, werden andere Muskelgruppen trainiert als bisher. Dadurch kann man gestärkt in seine alte Sportart zurückkehren oder vielleicht hat man sogar eine neue Leidenschaft entdeckt.

Denn möglicherweise schlummern noch viel mehr Talente in einem, die man erst entdeckt, wenn man die Gewohnheiten bricht. Sei es mit Sport zu beginnen, die Sportart zu wechseln, oder sich durch ein Motivationstief zu kämpfen. Am Ende geht man immer gestärkt aus einer sportlichen Motivationskrise! Man darf nur nicht die Flinte ins Korn, beziehungsweise die Laufschuhe/ Kletterschuhe/ Schwimmsachen ins Eck werfen!

Azubi a.D.: IT-Bergfreund Jonas im Interview

5. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass unser Bergfreunde-IT-Azubi Jonas seinen ersten Arbeitstag bei uns antreten durfte. Für ihn sicher so aufregend wie für uns, denn er ist seit einer langen Zeit der erste Azubi, der die Bergfreunde-Bühne betritt.

Und letztens war es dann soweit: Jonas hat seine Abschlussprüfung in der Tasche und ist seitdem Vollzeit-Bergfreund! Wir haben das zum Anlass genommen und ihn mal zu einem kleinen Interview gebeten…

Jonas – Hand aufs Herz: Warum die Bergfreunde? Zufall? Fan? Was hat dich zu uns gebracht?

Es war tatsächlich – soweit ich mich erinnern kann – Zufall. Ich war damals noch auf dem technischen Gymnasium und in der 12. Klasse. Als ich immer weniger Lust hatte, mein Abi fertig zu machen, hab ich angefangen, mich über Ausbildungsberufe zu informieren und mir schließlich mal einen Überblick über potenzielle Stellen verschafft. Irgendwann wurde mir die Jobseite der Bergfreunde auf Facebook vorgeschlagen.

Die Bergfreunde kannte ich schon, da hab ich immer mein Kletterzeug bestellt, deshalb habe ich mal geschaut was die so für Jobs haben. Dort habe ich dann die Azubistelle gesehen und mich beworben. Ich dachte mir, wenn ich genommen werde, mach ich statt Abi nur Fachhochschulreife und eine Ausbildung. Falls nicht, mache ich mein Abi fertig und schau dann was passiert. Das war auch die einzige Stelle auf die ich mich beworben habe, die anderen Unternehmen haben mich nicht so Interessiert, als dass ich dafür mein Abi abgebrochen hätte.

Als du dich bei uns beworben hast, gab es eine lustige Geschichte wegen deines Tattoos: Erzähl mal. 

Die Bewerbungsphase war durch und mündlich war schon alles geklärt, soweit ich weiß hab ich nur noch auf den Ausbildungsvertrag gewartet. Zu dem Zeitpunkt war ich drauf und dran, mir ein Tattoo stechen zu lassen und war mir etwas unsicher, wie die Bergfreunde mit so etwas umgehen, daher hab ich damals nachgefragt, ob ein sichtbares Tattoo in Ordnung ist. Unterschrieben hätte ich auf jeden Fall, aber mein Tattoo hätte ich vielleicht an einer anderen Stelle stechen lassen.

Zu meiner Beruhigung war es kein Problem und ich habe sogar einen neuen Tattoovorschlag bekommen: ein schönes Tribal mit der Überschrift “System Administrator”. Spoiler: Ich habe mich für ein anderes Motiv entschieden. ;)

Kannst du dich noch an deine erste Woche erinnern? Wie war dein Eindruck von der Firma und den Kollegen?

Die erste Woche war – wenig verwunderlich – ganz anders als in der Schule und hat mir vor allem deutlich mehr Spaß gemacht. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde erstmal vielen Leuten vorgestellt, wurde herumgeführt, habe anderen über die Schulter geschaut, meinen Arbeitsplatz eingerichtet und das eine oder andere einfache Helpdesk-Ticket erledigt. Viel mehr ist glaube ich in der ersten Woche auch nicht passiert.

Hat sich der Eindruck gegenüber den Kollegen nach der ersten Neujahrsfeier grundlegend geändert?

Die Neujahrsfeier war richtig gut. Ich dachte ja eigentlich, Betriebsfeiern wären eine eher steife Angelegenheit. Ich sollte aber schnell eines besseren belehrt werden. Nach der Neujahrsfeier habe ich mich mit vielen Kollegen, die ich davor nicht so richtig kannte oder mit denen ich nicht viel zu tun hatte, viel mehr unterhalten und ich fand, das hat alles auch etwas gelockert.

Vor allem aber erinnere ich mich an den Kater am nächsten Tag, der war nicht ganz so angenehm.

Wie bist du eigentlich im Berufsfeld IT gelandet?

Ich war schon immer gerne am Computer und hatte da schon das eine oder andere Projekt. In der Schule war Informatik auch nie ein Problem. Meine Alternative wäre übrigens die Schreinerei gewesen, aber in der Informatik sind die Berufsaussichten doch etwas besser.

Neben Klettern und bei den Bergfreunde arbeiten, was machst du sonst so. Erzähl uns alle schmutzigen Geheimnisse! ;)

Ach, lauter nerdigen Kram. Die Klischees muss man ja auch bedienen. Ich spiele gerne Brettspiele, verbringe Zeit an der Playstation, sitze am Computer. Wenn dann der Nerd in mir mal im Keller bleibt und ich nicht beim Klettern bin, mache ich hin und wieder “Gettoworkout” im Rahmen des Unisport-Programms mit oder lass den Hobbyschreiner raus und bastle mir irgendwas aus Holz, meistens Trainingsgeräte fürs Klettern.

Wenn du die Wahl hättest: Welche drei Ausrüstungsgegenstände aus dem Bergfreunde-Shop würdest du dir sofort bestellen?

Neue Kletterschuhe könnte ich mal wieder gebrauchen, aber sonst fällt mir momentan nichts Spezielles ein. Kletterzeug kann man aber immer gebrauchen, einen Satz Cams oder ein paar Offset Nuts wären auch noch nützlich.

So, genug gequasselt: Die letzten Worte gehören dir. Was willst du den Bergfreunden da draußen noch sagen?

Passt auf euch auf und habt Spaß.

Was ist bei einem Sturz auf die Schulter in den Bergen zu tun? (Teil 2)

19. August 2020
Die Bergfreunde

Leichtere Verletzungen lassen sich gut selbst oder mit Hilfe anderer Personen versorgen. Wichtig ist in Ruhe zu schauen und zu klären, was passiert ist.
Ist die Bewegung stark eingeschränkt? Wo sind die Schmerzen? Sind Fehlstellungen zu sehen? Schwellt der Arm oder die Schulter rasch an? Wie fühlen sich die Finger an? Gibt es Taubheitsgefühle?

Wenn ihr Taubheitsgefühle, eine verschobene oder offene und stark blutende Wunde habt, solltet ihr schnellstmöglich die Bergwacht informieren. Weit weg vom Handynetz und Hilfemöglichkeit können Luxationen auch selbst eingerenkt werden, sofern ihr es schon einmal gemacht habt. Bei leichteren Verletzungen ist es ähnlich wie bei Verletzungen der unteren Extremitäten: 

 

Die Schulter ist zu schonen. Der Oberkörper sollte hochgelagert werden. Offene Wunden sind bei groben Verunreinigungen mit Wasser auszuspülen und möglichst abzudecken. 

In den Bergen auf die Schulter oder den Arm stürzen, hat genau einen Vorteil. Je nach Verletzung lässt es sich immer noch zur nächsten Berghütte oder Nothilfe laufen. 

Einen Hinweis auf schwere Verletzungen gibt das starke und schnelle Anschwellen des verletzten Körperteils. Das ist ein Zeichen dafür, dass eine starke Blutung eingetreten ist. „Nur“ Prellungen schwellen in der Regel nicht innerhalb von Minuten an. Leichtere Verletzungen können und sollten im Tal versorgt werden. Je nach körperlicher Verfassung ist es ratsam nach Verletzungen und Stürzen abzusteigen und die Tour nicht fortzusetzen. Bei allem Stress, Schmerz und Schock ist es notwendig zu schauen, ob wirklich die Rettungsmittel der Bergwacht beizuholen sind.

Durch einen direkten Aufprall auf die Schulter können neben Schulterluxationen und Schlüsselbeinfrakturen auch unsere Schultereckgelenke verletzt werden. Je nach Schwere sprechen Ärztinnen und Ärzte von Schultereckgelenkssprengungen. Das Schultereckgelenk liegt an der oberen Außenseite unsere Schulter. Dort wird das Schlüsselbein mit dem Pfannendach „verbunden“.

 

Das Eckgelenk ist beim Heben des Arms überkopf beteiligt. Beim Klettern unterstützt es die Überkopfbewegungen maßgeblich.

Die Verletzungen am Schultereckgelenk seien es Frakturen oder Verschiebungen bringen häufig auch Verletzungen der stabilisierenden Bänder mit sich. 

Diese werden in verschiedene Schweregrade klassifiziert (Rockwood 1-6). Etwas laienhaft zusammengefasst werden Verletzungen der Bänder konservativ behandelt, wenn sie nur überdehnt oder teilweise gerissen sind. Stärkere Verletzungen, die auch von außen zu ertasten sind, werden operiert. Auch wird hier wieder nach eurer Aktivität, Sportlichkeit und eurem Alter entschieden, welche operativen Maßnahmen notwendig sind.

Symptome bei einer Schultereckgelenksverletzung sind eine stark eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter, Blutergüsse, Schwellungen und starke Schmerzen. Eventuell lässt sich eine Vorwölbung des Schlüsselbeins am äußeren Ende erkennen.

Auch bei einem Aufprall auf die Schulter könnt ihr euch die Schulterpfanne brechen: 

„Knöcherne Verletzungen an der Gelenkspfanne werden häufig operiert. Je größer ein Knochenfragment ist, desto ausgeprägter ist meist auch die Gelenkinstabilität. Die Stabilität wieder herzustellen ist dann das Ziel der operativen Therapie.“ Dr. med Andreas Thannheimer, Klinikum-Garmisch-Partenkirchen

Natürlich können je nach Energie, die auf euren Schulterbereich einwirkt und je nach Höhe des Sturzes Kombinationen von Brüchen, geschädigten Bändern und Luxationen entstehen.

Bei Brüchen am Oberarm wird wieder je nach Alter der Person bei der Behandlung unterschieden.

„Brüche am Oberarm und Oberarmkopf werden bei jüngeren Verletzten in der Regel operiert. Wir versuchen eine möglichst anatomische Wiederherstellung, sodass die Person wieder eine hohe Funktionalität erlangen kann und das Risiko einer Arthrose Entwicklung gering bleibt. Bei älteren Patientinnen und Patienten können Verschiebungen besser toleriert werden und führen im Langzeitverlauf nach konservativer wie operativer Therapie oft zum gleichen Ergebnis.“ Dr.med. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Das Ausheilen von Schulterverletzungen kann je nach Schwere stark variieren. Handeln und ein Krankenhaus aufsuchen, solltet ihr bei:

  • Offenen Wunden
  • Verschiebungen der Knochen
  • Funktionsverlust der Schulter
  • Gefühlsverlust – Sensibilitätsstörungen
  • Taubheit in/um die Schulterregion
  • Kälterwerden der Hand oder der Finger
  • Starken Schmerzen

Auch können erst nach einiger Zeit die lokalen Schmerzen unerträglich werden, wenn sie durch andere körperliche Reaktionen zunächst überdeckt worden sind. 

 

Zum Ende dieser zweiteiligen Schulterexpedition noch ein Merksatz:

Junge Personen bis 30 Jahre verletzen sich meist knöchern, da die Gelenke noch wenig vernarbt sind. Ältere Personen hingegen schädigen und reißen sich meistens die Sehnen, da die Gelenke und Gelenkstrukturen schon vernarbter und damit „stabiler“ sind.

Bei so viel Verletzlichkeit unserer Schulter ist es umso wichtiger, dass wir die Schulterregion gut trainieren, flexibel halten und nicht überstrapazieren. Nur so ist sie zwar fragil und aber auch stark zugleich.

Trendsportart Buildering – Urbanes Klettern oder”Wo eine Wand ist, kann auch geklettert werden!”

22. Juli 2020
Tipps und Tricks

Zur Zeit schießt eine Kletterhalle nach der anderen aus der Erde. Zwar hat der Klettersport seinen Ursprung am Berg, aber in den letzten Jahren hat er sich immer mehr im städtischen Raum ausgebreitet. So haben sich auch die unterschiedlichen Spielformen des Kletterns gewandelt. War früher nur der verwegene Alpinist der wahre Kletterer, so ist die Sportart heute viel breiter aufgestellt. Eine vermeintlich junger Neuzugang im Reigen der verschiedenen Kletterarten ist das sogenannte „Buildering“. Was das genau ist, welche Ausrüstung man dazu benötigt, wer für diese Sportart geeignet ist und wo Buildering an seine Grenzen stößt, wird im Folgenden erklärt. 

Am Anfang steht? – Die Definition!

Während sich „Bouldern“ vom englischen Wort „Boulder“ (Steinblock) ableitet, leitet sich „Buildering“ vom englischen Wort „Building“ (Gebäude) ab. Und das erklärt dann auch schon, worum es geht. Builderer bewegen sich kletternd an von Menschen geschaffenen Objekten und Bauten. Im Gegensatz zum Klettern und Bouldern,geht es hier also ausschließlich darum, an künstlichen Strukturen, wie Steinmauern, Brücken, Säulen und Gebäuden hochzuklettern. 

Eintagsfliege für Hipster oder Sport mit Geschichte?

Wer meint, dass das Buildering aus der Langeweile ein paar Jugendlicher entstanden ist, der irrt. Da den Kletterfans früher nicht dutzende Hallen zum Trainieren zur Verfügung standen, mussten sie sich was einfallen lassen und wurden erfinderisch. 

Bereits vor 120 Jahren erklomm der Student und Kletterer Geoffrey Winthorp Young das Dach seiner Universität in Cambrigde. Ob er nun wusste, dass er der erste Builderer war, sei mal dahingestellt. 

Einen höheren Bekanntheitsgrad genießt der französische Freikletterer und Builderer Alain Robert. Er kletterte bereits an mehr als 70 Wolkenkratzern dieser Welt, wie dem Eiffelturm, dem Empire State Building oder dem Taipei 101. Dabei bewegte er sich nicht nur einmal in der illegalen und lebensgefährlichen Zone und brachte die Sportart ziemlich in Verruf. 

Nachdem die Sportart etwas in Vergessenheit geraten war, beweist die aktuell stark wachsende Szene der Builderer, dass sie keineswegs an Attraktivität verloren hat. Beispielsweise finden in Österreich und in Italien regelmäßig Buildering-Cups statt. Im Ruhrpott wurden von 2006-2008 sogar Buildering-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Builderer aus ganz Europa nahmen an den Wettkämpfen teil, bei denen es hauptsächlich um das Miteinander, den Austausch und um den Spaß am urbanen Klettern ging. Für hohe Preisgelder hat es noch nicht gereicht.

“Du kannst doch nicht einfach an der Brücke da klettern!” Do’s and Don’ts beim Buildering

Bevor man seine Kletterschuhe und den Chalkbag auspackt und die nächste Brücke oder ein Haus erklimmt, sollte man sich genau darüber informieren, was erlaubt ist und wo es Grenzen gibt. 

Rein theoretisch ist Klettern an Gebäuden nicht verboten. Die Umsetzung in der Praxis ist aber etwas komplizierter. Zuallererst gilt es zu unterscheiden, ob das Gebäude privat oder öffentlich ist und wie die örtlichen Gegebenheiten und Vorschriften sind. 

So sind weiße Wände oder Wände mit Pflanzen an öffentlichen Gebäuden tabu. Der Gummiabrieb der Sohlen und das Chalk hinterlassen Spuren, die man hier nicht möchte. Auch muss man auf die eigene Sicherheit achten, da moosige, lockere Tritte zu einem Sturz führen können. 

Gebäude, Brücken oder Unterführungen an Hauptverkehrslinien sind ebenfalls auszulassen, da man Autofahrer ablenken könnte. Dass Denkmal geschützte Gebäude tabu sind, dürfte sowieso klar sein. Vorsichtshalber sollte man die Finger von belebten Innenstädten mit alten Häusern lassen, da man hier nicht nur Gehwege blockiert, sondern auch ungewolltes Aufsehen erregt. Es ist grundsätzlich praktischer an Orten zu buildern, die weniger frequentiert sind, als eine Fußgängerzone. 

Es ist wichtig, das Umfeld stets im Blick zu haben, damit man keine anderen Personen gefährdet. Sollte man auf einem Privatgrundstück buildern, so ist das nur mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Besitzers möglich. 

Und sollte man trotz allen Vorsichtsmaßnahmen darum gebeten werden, hier nicht zu klettern, ist es diplomatischer sich freundlich und rücksichtsvoll zu verhalten und lieber den Standort zu wechseln. Denn nur so kann das Buildering auf längere Sicht von allen Seiten geduldet werden.

Zusammengefasst heißt das, dass Buildern an öffentlichen Gebäuden, Uferbefestigungen, Unterführungen, Mauern und Brücken erlaubt ist. Die örtlichen Gegebenheiten müssen jedoch stets berücksichtigt werden. Verboten ist es an privaten Gebäuden, ohne die vorherige Erlaubnis, an stark befahrenen Straßen und an Denkmalgeschützten Gebäuden. 

Spielregeln verstanden – es kann losgehen

Da nun die Regeln abgesteckt sind, sind der Kreativität bei der Wahl des Buildering-Spots keine Grenzen mehr gesetzt. Mit ein bisschen Fantasie entdeckt man schon in der nächsten Brücke eine schöne Route. 

Ähnlich wie beim Bouldern, sind die Routen meist relativ kurz, also in Absprunghöhe und sehr kraftintensiv. Gerade Steinmauern mit verschiedenen Strukturen und Uferbefestigungen bieten ein herrliches Gelände mit reichlich Schwierigkeitsgraden. 

Wer gerne höher hinaus will, erklimmt Brückenbögen oder Unterführungen. Dabei schadet es nicht, wenn man Kletter- oder Bouldererfahrung mitbringt.

Grundsätzlich sollte man als Buildering-Anfänger nicht alleine losziehen und die Stadt unsicher machen. Erfahrene Builderer kennen nicht nur gute Spots zum Klettern, sondern sind auch ein praktischer Spotter und Ratgeber im neuen Gelände. 

Um Gleichgesinnte zu finden, ist der DAV eine gute Anlaufstelle. Regelmäßig organisieren Jugendgruppen Buildering-Treffen in den Städten. Lokale Gruppen in den sozialen Medien sind ideal, um sich Tipps zu holen und sich einer Gruppe anzuschließen. Die Buildering-Szene hat auch schon Kletterführer veröffentlicht, die Straßennamen enthalten, wo sich ein lohnenswertes Ziel befindet. 

Buildering ist gut für die Umwelt

Oft muss man als Städter weit fahren, um den nächsten Felsen zu erreichen. Auch die Kletterhalle ist nicht immer unbedingt direkt vor der Haustüre. Daher empfiehlt es sich, seine nähere Umgebung mal intensiver zu erkunden und eine Vielzahl von neuen Klettermöglichkeiten zu entdecken. Das erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern ist auch gut für die Umwelt

Dresscode Buildering – Casual Safety 

Nun juckt es schon in den Fingern und man möchte am liebsten sofort die nächste Brücke hinauf rasen. Doch ganz ohne Ausrüstung sollte man nicht losziehen. Für die eigene Sicherheit ist ein Crashpad absolut notwendig. 

Sollte man fallen, vermeidet die Matte einen harten Aufprall und Verletzungen. Kletterschuhe sorgen für einen guten Grip an den Strukturen und ermöglichen ein präzises Antreten. Je nach Gelände sind auch Turnschuhe geeignet. Gegen feuchte, rutschige Hände hilft Chalk. Jedoch sollte man darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen. Also am besten auch eine kleine Bürste mit einpacken. 

Wer gerne mit mehr Sicherheit unterwegs ist, nimmt Schlingen und Expressen mit, die er um ein Brückengeländer legen und ohne Beschädigungen zu verursachen, wieder entfernen kann. Bei gesicherten Routen sind ein Kletterpartner mit Sicherungsgerät, ein Klettergurt und ein Seil nützlich. Komfortable, atmungsaktive Kleidung rundet die Ausrüstung ab. Damit kann man sich ohne Einschränkungen bewegen und genießt ein gutes Körperklima.  

Kein Auto, wenig Ausrüstung und das Kletterparadies direkt vor der Haustüre, Buildering ist eine Sportart, mit der sich die zukünftige Klettergeneration noch intensiver beschäftigen wird!

Urbanisierung im Bergsport

21. Juli 2020
Die Bergfreunde

In Sachen Kleidung und Mode ist „Urban Outdoor“ längst kein Trend mehr, sondern eine langjährig etablierte Sparte. Etwas anders sieht es beim tatsächlich ausgeübten „urbanen Bergsport“ aus. Dieses Phänomen macht sich erst seit wenigen Jahren bemerkbar, drängt dafür aber nun mit Macht in den Vordergrund. Neben Klettern und Bouldern in den immer zahlreicheren Hallen umfasst der urbane Bergsport alles, was findige Marketingwortschöpfer unter „Vertical Fitness“ zusammenfassen. Hierbei werden weitere Trendsportarten wie Crossfit und Parcours als Zusatzelemente in den Bergsport eingebaut – teils ganz konkret in Form von Zusatzanlagen in Kletter- und Boulderhallen.

Diese Entwicklung ist natürlich auch beim wichtigsten Bergsportverband, dem Deutschen Alpenverein angekommen. Der DAV ist laut eigener Aussage „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie.

Urban, Bergsport, Outdoor: unscharfe Begriffe

Legt man jedoch die Wikipedia-Definition des Begriffs „Bergsport“ zugrunde, gibt es da eigentlich nichts zu fördern, denn eine „Urbanisierung des Bergsports“ kann es ihr zufolge nicht geben. Der Begriff Bergsport umfasst nämlich „mehrere, im Gebirge ausgeübte Sportarten.“ Und im Gebirge gibt es schließlich keine Städte und keine Urbanität. Naja, fast keine, Innsbruck oder Bozen liegen schon irgendwie im Gebirge. Aber nach dieser Lagedefinition wäre wiederum alles, was dort an Sport stattfindet, automatisch Bergsport. Also nicht nur die Turnerei an den bunten Synthetikgriffen der Kletterhalle, sondern auch die Kickerei auf dem Bolzplatz nebenan …

Doch damit genug der nicht ganz ernst gemeinten Sprachspitzfindigkeiten. Sie sollten auch nur zeigen, dass weder der Bergsport noch die Urbanität begrifflich scharf abzugrenzen sind. Wir haben es hier mit Begriffen zu tun, aus denen man sich die Bedeutung fast schon nach Gusto rauspicken kann. Ich mache das mal beispielhaft:

Urbaner Bergsport umfasst Sportarten, die mit Bergen in Bezug stehen. Und, seien wir mal großzügig, mit Felsen und schönen Landschaften. Zum „urbanen Bergsport“ zählt damit alles, was dem Training und dem Erhalt der Berg-und-Fels-Fitness dient. Und von mir aus auch alles, bei dem man sehnsüchtig an die nächsten Bergeroberungen denkt.“

Und noch mehr Durcheinander: während sich „Bergsport“ normalerweise problemlos vom weiter gefassten Begriff „Outdoor“ (der auch Aktivitäten auf dem platten Land und dem Meer umfasst) abgrenzen lässt, verschmelzen in der urbanen Sphäre auch diese Beiden. Man kann im Grunde also den urbanen Bergsport so weit dehnen, dass noch die Yogasession im hippen Berliner Studio dazu zählt. Denn wenn sie der Beweglichkeit für diesen einen krassen Spreizmove in der geplanten Elbsandstein-Tradroute dient – warum nicht?

Urbane Bergsportarten

Mit dieser breiten Definition hat man eine Menge urbaner, alter und neuer, Trend und Nicht-Trend-Sportarten unter dem Label „urbaner Bergsport“ vereint. Man hat damit auch nicht nur einen Trend, sondern einen Megatrend, denn die Zahl der so definierten urbanen Bergsportler dürfte in die Millionen gehen. Man bemerkt das auch in den „echten Bergen“, denn der Zulauf wächst dort beständig. Immer mehr Menschen wollen ihre in der Stadt trainierten Kräfte und Fähigkeiten im Bergurlaub austesten und ausleben. Sie profitieren dabei von den immer vielfältigeren Sport- und  Trainingsmöglichkeiten. Welche das sind, schauen wir uns im Folgenden mal genauer an.

Kletterhallen

„Urbaner Bergsport“ Nummer 1 ist ohne Zweifel das Hallenklettern. Auch mit Eintrittspreisen von um die 10 Euro sind die meisten der etwa 500 deutschen Klettertempel (mit mehr als 100 Quadratmetern Kletterfläche) meist gut gefüllt. Zu den großen Hallen kommen noch unzählige kleinere Wände in Fitnesscentern, Schulen, Universitäten oder Reha-Einrichtungen hinzu. Selbst im Sommer und bei schönem Wetter sind viele Indoor-Kletteranlagen bemerkenswert gut besucht. Vor allem für junge Nachwuchsathleten ist das Klettern immer weniger an das Erlebnis von Natur und Draußen-sein gekoppelt.

Die schnelle Erreichbarkeit der Hallen und der vergleichsweise geringe Aufwand für ein intensives sportliches Erlebnis dürften wichtige Gründe für den Indoor-Kletterboom sein. Der Technik- und Wartungsaufwand der Hallenbetreiber ist hingegen recht groß, die Investitions- und Betriebskosten gehen schnell mal in die Millionen. Deshalb auch die nicht ganz günstigen Eintrittspreise. Im Fitnessstudio zahlt man allerdings ähnlich viel für Training an Maschinen, die zwar oft aufwändig sind, aber eher wenig Erlebniswert bieten.

Bouldern

Das Handelsblatt beschreibt das Bouldern in einem Artikel über den „umkämpften Boulderhallenmarkt“ als „ultimative Urbanisierung des Abenteuers“. Und das Magazin hat recht, denn einfacher und schneller als mit dem Klettern in Absprunghöhe lässt sich „Nervenkitzel, Freiheit, Muskelaufbau“ inklusive Vertikalfeeling nicht mehr in die Städte bringen. Die Nachfrage nach diesem Erlebnismix lässt die Zahl an Boulderhallen und innerstädtischen Boulderspots rasant wachsen. Sie dürfte in die Hunderte gehen – genaue Angaben sind schwierig, da die Vielfalt der Anlagen schwer zu erfassen und abzugrenzen ist.

Das Bouldern kann in vielen Städten auch „outdoor“ an Brücken, Mauern und Gebäuden betrieben werden. Diese Spielart hört dann auf den Namen „Buildering“. Allerdings ist „dank“ zunehmender Verbots- und Regulierungsdichte im öffentlichen Raum auch hier ein Trend weg von den kostenlosen und „natürlichen“ Strukturen hin zu künstlichen und kommerziellen Anlagen erkennbar. Immerhin sind Ausstattung und Infrastruktur in Letzteren oft vom Feinsten.

Slackline

Die zwischen Bäumen aufgespannten Gurtbänder mit fröhlich darauf balancierenden Menschen sind in Parks und an Uferpromenaden mittlerweile ein gewohnter Anblick. Hier werden Koordination und Gleichgewicht auf spielerische Weise geschult. Die große Mehrheit der Freizeitsportler übt den Seiltanz im Stadtpark und in Absprunghöhe. Selbstverständlich gibt es auch beim „Slacklinen“ immer mehr Spielarten und Extremformen. Die Königsdisziplin ist die „Highline“, bei der man auf dem Seil in einer Höhe balanciert, aus der ein Sturz zu schweren Verletzungen oder zum Tod führt.

Moment, dabei ist man doch gesichert, oder? Ja, keine Sorge, die meisten Highliner tragen einen Gurt, der über eine Schlinge mit Karabiner die Verbindung zum Seil herstellt. Doch es gibt auch hier wie im Sportklettern die Spielart des „Free Solo“, bei der ohne Sicherung hunderte Meter über Schluchten und Abgründen „geslackt“ wird. Und all jene, denen das „normale Slacken“ nicht genug, das Free-Solo-Highlinen aber zu haarsträubend ist, können es ja mal mit „Slackdecken“ probieren: mit dem Longboard auf dem Seil herumrutschen …

Crossfit

„Das härteste Training der Welt“, liest und hört man im Zusammenhang mit Crossfit öfter. Und natürlich sind sich Crossfitter einig, dass ihr Training auch das Beste ist. So weit so normal, mit ähnlichen Superlativen lockt von Bodyweight über Calisthenics bis zu Freeletics quasi jedes trendige Workout. Triathleten wiederum, die für den Ultraman trainieren, werden allen widersprechen und klarstellen, dass ihr Training das Härteste und Beste der Welt ist.

Unbestreitbar ist, dass Crossfit viele Fitnessaspekte enthält, die auch Bergsportler gut gebrauchen können. Das Ganzkörpertraining bringt nämlich nicht nur Kondition und Kraft nach vorn, sondern auch Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit.

Die Besonderheit an Crossfit ist die Bedeutung der Anwesenheit eines Trainers: „Um Verletzungen vorzubeugen, ist es wichtig, das Level dem Können des Athleten anzupassen und nicht an seinen Vorstellungen. Deswegen gibt es CrossFit nur mit einem geschulten Trainer an der Seite. Es liegt in seiner Verantwortung, die Trainingsintensität, die Schwere der Gewichte, die Wiederholungen und die Geschwindigkeit der Übungsausführung an die Fähigkeiten des Trainierenden anzupassen.

Yoga

Für das Bergsteiger-Magazin sind Yoga und Bergsteigen „die perfekte Kombination.“ So weit würde ich jetzt nicht gehen, denn auf engen Hütten und in steilen Wänden lassen sich Asanas eher nicht so gut einüben. Doch vor und nach dem Gang in die Berge hat man mit Yoga tatsächlich ein hervorragendes Hilfsmittel für vielseitige Entwicklung. Und dass man die Fitnesseffekte des Yoga für den Bergsport gebrauchen kann, daran besteht kein Zweifel. Natürlich sollte man sich unter den unzähligen Yogaarten die Passenden aussuchen. Vielleicht gibt es ja am Berg Situationen, in denen die liebende Hingabe des Bhakti Yoga gefragt ist, doch normalerweise sind eher kraftbetonte Wege wie Iyengar oder Ashtanga für den Bergsport interessant.

Die Berg-Bloggerin Stefanie Dehler ist tausendprozentig überzeugt von den positiven Yoga-Wirkungen. Für ihren sehr informativen Artikel hat sie eine populäre Yogalehrerin nach möglicher „Bergrelevanz“ des Fernost-Imports befragt. Deren Antwort:

Yoga schafft eine wundervolle Verbindung von Körper und Geist; schult Konzentration, Gleichgewicht und Koordination und sorgt gleichermaßen für Kraft und Beweglichkeit.

Alles Eigenschaften, die einem Bergsportler mit Sicherheit zu Gute kommen. Zudem bietet die Asanapraxis im Yoga ein großes Repertoire an Übungen zur Stärkung der Körpermitte und Schulter Rückenpartie. Ich hör den Berg schon rufen ;)

Man kann darüber streiten, ob die „Zweckentfremdung“ von Yoga unter Weglassung des spirituellen Aspekts überhaupt als Yoga bezeichnet werden kann. Doch selbst wenn es nur eine ausgefeilte Gymnastik mit wohlklingendem „Label“ sein sollte, verdient Yoga definitiv die Aufmerksamkeit der urbanen Bergfreunde.

Bikeparks

Das Bergauf und Bergab mit dem Fahrrad hätte man früher wohl zum Radsport gezählt und diesen sauber vom Bergsport getrennt. Seit aber immer steilere Pisten und ruppigere Wege mit immer geländegängigeren Bikes befahren werden, ist der Zweiradsport irgendwie beim Bergsport mit reingerutscht. Und ja, wenn man es anhand der Reviere betrachtet, die sich Bergwanderer und Mountainbiker oft (und nicht immer ganz freiwillig) teilen, dann ist Mountainbiken definitiv Bergsport.

Steile Hänge und Downhills können aber auch kurz sein – vielen Bikern geht es vor allem um die Intensität der Abfahrt. Und sollte es mal an Steigungen und Gefälle mangeln, schaffen immer mehr Dirtparks mit ihren Hügeln und Hindernissen Abhilfe. Diese sorgen dafür, dass auf kleiner Fläche Sprünge geübt und Techniken verfeinert werden können. Viele der etwa 40 bei Googlemaps in Deutschland angezeigten Bikeparks befinden sich dort, wo den Bikern von der landschaftlichen Umgebung viele Möglichkeiten geboten werden. Allerdings sind diese oft mit langen Anfahrten und vielen Höhenmetern verbunden. Der Vorteil der Parkanlagen ist sicherlich die konzentrierte Vielfalt an teils neuartigen Möglichkeiten für Fahrerlebnis und Training. Dann wundert es nicht mehr, dass diese „Spielplätze“ gerade auch fortgeschrittene, routinierte und „verwöhnte“ Biker ansprechen.
Die Mountainbiker haben konzentrierten Spaß und können ihren Spielraum im Gebirge mächtig erweitern. Doch angesichts der aufwändigen und materialintensiven Umgestaltung von Landschaftsarealen kommt die Frage auf, in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis das Ganze steht. Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?
Die letztgenannten Fragen stellen sich umso mehr, je größer und aufwändiger Freizeitanlagen werden. Beim urbanen Freizeitspaß mit Bergbezug sind wohl die Skihallen, von denen es in Deutschland derzeit sechs gibt, der Gipfel der fragwürdigen Entwicklungen.

Fazit

Ob man die Urbanisierung des Bergsports gut oder schlecht findet, spielt keine Rolle, denn aufzuhalten ist sie nicht. Die Nachfrage nach Sport, Bergerlebnis und Outdoorfeeling in der Stadt wird weiter steigen, denn nach wie vor zieht es mehr Menschen vom Land in die Städte als umgekehrt.

Laut Dr. Wolfgang Wabel, Geschäftsbereichsleiter Bergsport im DAV, ist der Bergsport „in den Städten angekommen.“ Der Verein führt deshalb mittlerweile auch die Mehrheit seiner Sektionsangebote „im urbanen Bereich“ durch. Seine Bemerkung „der Name Alpenverein passt eigentlich nicht mehr“ versieht er in seinem Vortrag „Bergsport hinterm Horizont“ mit einem Zwinkersmiley. Dabei ist das womöglich eine gar nicht so unzutreffende Feststellung. Denn wie gesagt, der DAV ist „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie“. Und er „ist sich damit bewusst, dass neue gesellschaftliche Gruppen zum Bergsport und zum DAV kommen und den Verband damit verändern.“ Die Frage ist, wann diese Veränderung in Identitätsverlust übergeht und der Alpenverein zu einem austauschbaren Service- und Sportverband wird. Das Kernthema Berg und der im Namen verankerte Bezug zu den Alpen wäre jedenfalls erhaltenswert – ebenso wie die einstmals alleinigen Ziele, den „Erlebnisraum Berg“ zu erschließen und zugleich für ihn zu sensibilisieren. Das wäre natürlich einem anderen gesellschaftlichen Megatrend entgegengerichtet: dem ständigen Wachstum mit immer neuen einverleibten Themen und Kompetenzen. Der urbanisierte Bergsport wird sich jedenfalls mit oder ohne Breitband-Alpenverein gut entwickeln.

Die häufigsten Fehler beim Sportklettern

Die Schulter – Fragil und stark zugleich (Teil 1)

19. August 2020
Tipps und Tricks

Eines der schönsten Elemente beim Klettern sind für mich die dynamischen Sprünge oder Züge. Sie vermitteln Leichtigkeit und Freiheit. Mit einem Augenzwinkern sehe ich darin das kleine Wunder die Schwerkraft durch eigene Technik und Energie überlisten zu können. Dynamische Bewegungen fordern nicht nur eine aufgewärmte Muskulatur, sondern auch einen stabilen und muskulär gut trainierten Schulterbereich.

Unsere flexibelsten Gelenke formen die Schulter und ermöglichen ihren großen Bewegungsumfang.
Fünf Gelenke, Bänder, Sehnen und ein großer und breiter Muskelapparat sichern unsere Bewegungen und Sprünge beim Klettern. Überkopfbewegungen mag unsere Schulter nicht so gerne. Wir fokussieren uns erstmal auf die drei wichtigsten Gelenke, bevor wir zur idealen Nutzung und zum Training unserer Schulter kommen.

Das erste Gelenk, das ich euch vorstelle, verbindet unsere Schultergürtel mit dem Rumpfskelett und wird deshalb mediales Gelenk des Schlüsselbeins genannt. Das Brustbein-Schlüsselbein Gelenk ist funktionell ein Kugelgelenk und sorgt für das Vor- und Rückführen sowie das Anheben und Senken der Schulter. Das Gelenk ist „nur“ funktionell ein Kugelgelenk, da die straffen Bänder die Beweglichkeit einschränken.

Weniger mittig in unserem Körper und eher an der Außenkante unserer Schultern liegt das Schultereckgelenk. Es wird medizinisch auch das laterale Gelenk des Schlüsselbeins genannt. Das Gelenk ist an der Rotation des Schlüsselbeins wie auch an der Hebung unseres Arms über die Schulterhöhe beteiligt.

Das eigentliche Schultergelenk wird gebildet vom Oberarmkopf und der kleinen Gelenkfläche am äußeren, unteren Teil des Schulterblatts.

Durch die kleine und flache Gelenkfläche ist das Schultergelenk das beweglichste Gelenk des kompletten Körpers. Doch fördert die geringe knöcherne Führung und die wenigen Bandstrukturen oft das „gewöhnliche“ Auskugeln (Luxieren) des Arms. Unsere Schultergelenke können wir optimal durch eine gut ausgebildete Muskulatur in ihren Funktionen unterstützen und so Verletzungen vorbeugen.

Für Kletterinnen und Kletterer ist es besonders wichtig die Muskulatur gut zu trainieren und flexibel zu halten.
„Es ist hilfreich, die schulterzentrierende Muskulatur zu trainieren. Das sind im Wesentlichen die außen- und innendrehenden Muskeln. Ganz gut lassen sich diese Übungen mit einem Thera-Band machen.

Weniger sollte man die Arme in der Abduktion kräftigen. Auch hilft das Thera-Band beim Trainieren des Delta Muskels sowie der Pectoralis Muskeln. Das ist sozusagen die Prämium-Muskulatur zum Schutz der Schulter.“ Dr. med. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Zu Beginn einer Route in der Halle oder im Gelände solltet ihr das Aufwärmen nicht vergessen.
Das Bewegen einer kalten, nicht aufgewärmten Muskulatur kann zu Mikroverletzungen führen, die dann wiederum im Ganzen Folgeschäden mit sich bringen können. Das Aufwärmen im Klettersport im Schulterbereich ist unabdingbar und sollte nicht unterschätzt werden.

Es gibt Personen, die nach dem Klettern und vor allem durch die Überkopfbewegungen Schmerzen bekommen. Dies kann leider auch angeborene und anatomische Gründe haben.

„Es gibt Patienten, bei denen durch ein ausladendes Schulterdach bei Überkopfbewegungen frühzeitig ein Kontakt zwischen Rollhügel und Schulterdach entsteht, was gerade bei Kletterern zu Beschwerden führen kann. Sie sollten die schmerzauslösenden Belastungen reduzieren. Wenn es nicht besser wird oder wiederholt auftritt, sollte sie sich ärztlich untersuchen lassen. Manchmal muss dann abgewogen werden ob es sinnvoll ist weiter zu klettern oder eventuell eine andere Bergsportart zu wählen.“ Dr. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Wenn doch mal etwas schiefgeht und ihr auf die Schulter stürzt, können es je nach Höhe schwere oder leichte Verletzungen sein.
Das Auskugeln der Schulter ist die häufigste Sportverletzung. Das Schultergelenk bzw. der Oberarm luxiert durch die hohe Flexibilität und geringe Führung recht schnell.

Durch einen Sturz oder auch nur das Abrutschen mit noch fixierter Hand an einem Griff könnt ihr euren Arm aus dem Gelenk bringen. Doch Schulterluxationen verheilen bei geringer Gewalteinwirkung recht gut. Im Klettersport kann es auch oft etwas heftiger sein.

„Schulterluxationen bei jungen Patienten (unter 30 Jahren) werden in der Regel operiert, da das Risiko einer erneuten Luxation alleine aufgrund der noch vor dem Patienten liegenden Lebenszeit höher ist. Bei älteren Patienten nimmt im Gegenzug die Elastizität des Gewebes ab und Vernarbungsprozesse nehmen zu, was wiederum die Stabilität erhöht und eine OP meist unnötig macht.“ Dr.med. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Neben Luxationen können Schlüsselbeinfrakturen schnell durch Stürze oder starken Wandkontakt passieren. Ein Bruch am Schlüsselbein wird in der Regel konservativ behandelt und kann problemlos ausheilen. In den OP-Saal werden ihr erst geschoben, wenn es komplexere Frakturen sind oder eure Haut durch den Aufprall beschädigt ist.

„Bei Schlüsselbeinfrakturen ist es häufig so, dass diese konservativ behandelt werden können. Mögliche Gründe zu operieren sind eine Verschiebung, ein mehrteiliger Bruch und natürlich offene Verletzungen.“ Dr. Andreas Thannheimer, Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Jetzt haben wir kurz die Anatomie und die in der Regel gut abheilenden Verletzungen aufgezeigt. Im zweiten Teil geben wir euch Tipps und Einsichten wie ihr euch bei einem Sturz auf die Schulter in den Bergen bestmöglich versorgen könnt und wann ihr unbedingt die Bergrettung rufen solltet. Auch besprechen wir komplexere Verletzungen und unterschiedliche Heilungsprozesse.

 

Bouldern für Anfänger – So gelingt der Einstieg in die neue Sportart

9. Juni 2020
Tipps und Tricks

Ach, ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre: Wie ich dereinst in grauer Vorzeit mit dem Klettern begonnen habe, fand das draußen statt. Nur bei einer Mindestschneehöhe von fünf Metern und Temperaturen im dreistelligen Minusbereich in der Halle. Zu der wir mehrere Tage Fußmarsch auf uns nehmen mussten. Barfuß und in kurzer Hose.

In der Halle wurde dann geklettert, so richtig mit Seil und Gurt und so. Das war ernst zu nehmendes Training für draußen, da war kein Platz für Weicheier. Und wenn einer dann doch mal nicht mehr konnte, dann ging er zur Boulderwand. Um sich dort zum Ausruhen auf die Matte zu legen. War ja nichts los da, hat ja keiner gemacht damals.

Naja, mal ehrlich, ganz so war das nie, aber so ähnlich. Noch vor einigen Jahren von vielen Kletterern als Trainingsmethode und Nebenprodukt zum klassischen Sportklettern angesehen, hat sich das Bouldern immer mehr zum ganz eigenen Trend entwickelt. Besonders praktisch ist es dabei, dass der Einstieg in die neue Sportart vergleichsweise leicht erscheint. Da es sich beim Bouldern um Klettern in Absprunghöhe handelt, fallen Aspekte wie gute Kenntnisse der Sicherungstechnik oder Materialkunde nahezu weg.

Aber wie stellt man es denn als Neuling am besten an, wenn man das Bouldern mal ausprobieren möchte, bzw. wie gelingt ein zielgerichteter Einstieg in die neue Sportart? Alle, die dabei vom Sportklettern kommen werden mich jetzt wahrscheinlich leicht ungläubig ansehen und denken: „Mann dein Ernst jetzt!?!, da geh ich halt hin und mache das mal.“ Ja klar, an euch richtet sich dieser Artikel auch nicht, sondern an den so viel besungenen „blutigen“ Anfänger.

Was? Bouldern ist Klettern ohne Seil oder so ähnlich?!

Die Bezeichnung Bouldern wird von dem englischen Wort „boulder“ also „Felsblock“ abgeleitet. Und darin liegt auch schon ein Teil der Erklärung. Beim Bouldern handelt es sich zumeist um ein konkretes „Kletterproblem“ das mit nur wenigen Zügen absolviert werden kann.

Ursprünglich wurde das Bouldern ausschließlich im Freien an vergleichsweise überschaubaren Felsblöcken betrieben, daher der Name. Mit dem vermehrten Bau von Kletterhallen ab den 1990er Jahren kam es aber auch zum allmählichen Bau von künstlichen Boulderanlagen. Ein Trend, der sich außerdem in den letzten Jahren etabliert hat, ist die Eröffnung reiner Boulderhallen.

Beim Bouldern handelt es sich um Klettern in Absprunghöhe. Boulderanlagen dürfen daher laut den Bestimmungen des TÜV maximal 4,5 Meter hoch sein, sofern sie nicht überklettert werden können. Also wenn man beispielsweise nicht oben auf den Boulderblock draufstehen kann. Bouldern ist außerdem eine sehr athletische und dynamische Art des Kletterns. Gute Routen sind dabei so geschraubt, dass sie Kletterer gezielt auf ihrem Leistungsstand fordern, dabei aber nicht vor unlösbare Probleme stellen.
Reine Boulderhallen oder größere Anlagen in Kletterhallen haben dabei den Vorteil, dass sie speziell auf das eher athletische Klettern ausgelegt sind.

Durch teilweise sehr verwinkelte Wandkonstruktionen, können so Routen eingerichtet werden, die eine besondere Koordination und den gezielten Einsatz von Kraft und Körperbeherrschung erfordern. Beim Bau von Boulderanlagen, deren Wartung und Absicherung gibt es außerdem verbindliche Standards, die helfen sollen das Verletzungsrisiko beim Training auf ein Minimum zu reduzieren. So müssen beispielsweise alle Anlagen mit einer durchgängigen und ausreichend dicken Matte ausgestattet sein, sodass ein Sturz zuverlässig abgefedert werden kann.

Wer? Für wen Bouldern überhaupt geeignet ist.

Wie bereits erwähnt, braucht es zum Bouldern keine größeren Vorkenntnisse. Daher ist die Sportart zunächst einmal für alle Personen geeignet, die keinen nennenswerten körperlichen Einschränkungen unterliegen. Bouldern ist eine Sportart, bei der es vor allem auf Kraft, Beweglichkeit und Koordination ankommt, eine gewisse Grundfitness kann also beim Bouldern (wie übrigens überall) durchaus vorteilhaft sein.

In Sachen Alter gibt es nach oben hin keine Beschränkungen, wer sich fit genug fühlt, kann selbstverständlich auch noch im hohen Alter bouldern gehen. Bei Kindern sieht es da ein wenig anders aus. Die Erfahrung zeigt hier (ähnlich wie beim Sportklettern), dass Kinder erst etwa ab dem Grundschulalter koordinativ in der Lage sind komplexe Bewegungsabläufe gezielt umzusetzen. Einzelfälle mag es da in jede Richtung geben, als gute Orientierung gilt aber trotzdem ein Mindestalter von 6-7 Jahren. Schaut man darüber hinaus einmal auf das Reglement unterschiedlichster Boulderhallen, so zeigt sich recht schnell folgendes:

  • Kleinkinder dürfen sich in der Regel nicht im eigentlichen Boulderbereich aufhalten. Dies ist vor allem der Sicherheit geschuldet. Denn nicht selten sind Kleinkinder bereits recht agil und beginnen ihre Umwelt zu erkunden, können dabei konkrete Gefahren nicht einschätzen.
  • Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 14 Jahren dürfen Boulderanlagen nur in Begleitung einer volljährigen Person benutzen. Diese trägt dann die Verantwortung. Je nach Halle gibt es auch unterschiedliche Regelungen wie viele Kinder/Jugendliche von einer Begleitperson beaufsichtigt werden dürfen. Als Faustregel kann man sich jedoch merken, dass pro Erwachsenem oft zwei Kinder erlaubt sind. Für Trainer oder Trainingsgruppen gelten andere Regeln.
  • Jugendliche in einem Alter von 14-18 Jahren können viele Boulderanlagen auch ohne eine Begleitperson besuchen. Für sie muss jedoch die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten vorliegen. Hierzu hält jede Boulderhalle spezielle Formulare bereit, die von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern im Vorfeld unterschrieben werden müssen.

Wie? Die ersten Schritte in der neuen Sportart.

Auch beim Bouldern ist es wie fast überall: Wenn man jemanden kennt, der einem zeigt wie es geht, dann hat man es meistens recht schnell drauf. Gerade mit Kletterern im Bekanntenkreis dürfte das also kein Problem sein. Wer nun aber völlig alleine und ohne (Kletter-)Freunde mit dem Bouldern anfangen möchte, kann das natürlich auch tun.

Viele Boulderhallen bieten hierzu eine Einweisung für Einsteiger an. Je nach Halle reicht es aus, wenn man sich kurz beim Empfang meldet und sich alles erklären lässt, wieder andere Anlagen haben festgelegte Zeiten an denen Einweisungen stattfinden.

Eine sicherlich sinnvolle Alternative zum „einfach mal Ausprobieren“ ist der Besuch eines Boulderkurses. Hierzu gibt es die unterschiedlichsten Konzepte und Kursmodelle. Diese werden beispielsweise von Vereinen wie dem DAV oder den Naturfreunden angeboten. Darüber hinaus bieten auch Boulderhallen immer wieder eigene kommerzielle Kurse für Anfänger an. Hier lohnt es sich also, einmal bei der örtlichen Klettergruppe oder der nächstgelegenen Boulderhalle anzufragen. Der Vorteil eines Kurses liegt dabei klar auf der Hand:

  • Erfahrene Trainer erklären die neue Sportart von Grund auf. Durch ein gezieltes Konzept werden die Teilnehmer nach ihrem Leistungs- und Entwicklungsstand eingewiesen und angeleitet.
    Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse werden von Anfang an zielgerichtet angeleitet. Hierdurch können typische Fehler schnell erkannt werden und schleichen sich nicht langsam ein.
  • Auch beim Bouldern gibt es einige Sicherheitsregeln zu beachten. Hier helfen die Trainer bei der Einhaltung und Umsetzung.
  • Sport macht in der Gruppe einfach mehr Spaß. Gerade am Anfang ist es oft nicht ganz leicht direkt einen Zugang zu den neuen Bewegungsabläufen zu finden. Wer sich jedoch mit Gleichgesinnten versucht, profitiert meist von gegenseitiger Hilfe und Motivation.

Egal ob man sich alleine oder zusammen mit einer Gruppe an die Wand wagt, ein paar Verhaltensregeln sollte man vorab verinnerlicht haben:

Sicherheit

Auch beim Bouldern wird Sicherheit großgeschrieben (und das nicht nur weil es ein Substantiv ist). Ganz wichtig ist es hierzu nicht nur auf die eigene Sicherheit zu achten, sondern auch die anderen Personen immer im Blick zu haben. Dies gilt sowohl beim Einsteigen in einen neuen Boulder, als auch beim Abspringen und beim Umherlaufen in der Halle.

Beim Bouldern gilt zwar der Grundsatz, dass möglichst kontrolliert aus einer Route abgesprungen werden soll, jedoch kommt es immer wieder auch zu unkontrollierten Stürzen. Um hierbei nicht von anderen Boulderern getroffen zu werden ist es ratsam deren Wege und Fallräume nicht zu kreuzen. Darüber hinaus müssen Fallräume generell freigehalten werden. Dinge wie Taschen, Trinkflaschen und Co. haben hier nichts verloren.

Spotten

Je nach Können und Art der Route kann es darüber hinaus sinnvoll sein einen Kletterpartner zu spotten bzw. sich selbst spotten zu lassen. Dies bedeutet vereinfacht, dass man einen Kletterpartner beim Stürzen oder Abspringen unterstützt.

Es geht dabei nicht darum die Person aufzufangen. Denn dazu müsste man je nach Gewicht und Fallhöhe des Partners schon fast übermenschliche Kräfte besitzen. Das Ziel beim Spotten ist es vielmehr den Kletterer gezielt auf den Boden bzw. die Matte zu leiten, sodass er sicher aufkommt. Hierdurch sollen beispielsweise Stürze auf den Kopf oder auch das Umknicken des Sprunggelenks vermieden werden.

Klettertechnik

Das Thema „richtig klettern“ füllt ganze Lehrbücher. Darum ist es hier in Kürze auch schwierig, umfassend auf das Thema einzugehen. Für Einsteiger habe ich aber dennoch einen Tipp auf Lager: Ein klassischer Anfängerfehler ist, dass viel zu viel Kraft über die Arme aufgebracht wird. Beim Klettern zieht man sich aber nicht überwiegend mit den Armen hoch, sondern bestreitet das Vorankommen weitestgehend aus den Beinen heraus.

Gerade bei Senkrechten oder geneigten Touren sind die Hände und Arme hauptsächlich als Unterstützung der Beine zu sehen und dafür verantwortlich, dass man nicht aus der Wand kippt. Je steiler und überhängender eine Route jedoch wird, desto mehr muss selbstverständlich auch aus den Armen heraus geklettert werden.

Unabhängig vom Gelände gilt jedoch der Grundsatz am langen Arm zu klettern und so nicht durch das übermäßige Anspannen der Muskeln zu viel Kraft zu vergeuden. Wer das einmal verinnerlicht hat, wird sehen, dass er beim Klettern schnell Fortschritte macht und darüber hinaus länger durchhalten kann. Weiterführende Infos zum Thema Klettertechniken hat mein Kollege Felix einmal für euch zusammengetragen und auch für Anfänger gut verständlich beschrieben. Wenn ihr also tiefer in die Materie einsteigen wollt, dann schaut euch am besten gleich mal seine Artikelserie an:

Womit? Diese Dinge brauchst du fürs Bouldern.

Machen wir mal ein Spiel. Ich gehe zum Bouldern und packe in meinen Rucksack:
Bequeme Kleidung. Wie bei nahezu allen Sportarten (außer vielleicht Schach und Billard, aber so what…) ist bequeme Kleidung mit der man sich gut bewegen kann beim Bouldern definitiv das Mittel der Wahl. Expertentipp: Gerade am Anfang sollte man sich auf jeden Fall ein paar Gedanken über das richtige Beinkleid machen, denn Einsteiger neigen oft dazu sich die Knie an der Wand und den Griffen anzuschlagen.

Da diese Elemente zumeist sehr rau sind, kommt es hier in kurzer Hose auch schnell mal zum Aua am Knie. Daher empfiehlt es sich eine Hose zu wählen, die die Knie bedeckt. Wer jetzt aber seine Lieblingslaufhose mit dem superdünnen Stoff im Gepäck hat, wird sich sicherlich auch schnell ärgern, denn durch vermehrten Kontakt mit der Wand kommt es hier schnell zu kleinen Löchern im Material. Klare Empfehlung daher: Entweder eine etwas ältere Sporthose oder gleich eine spezielle Boulderhose aus robustem Material wählen.

Kletterschuhe

Kletterschuhe können in allen Hallen gegen eine kleine Gebühr geliehen werden. Wenn man die Sportart einfach nur einmal ausprobieren mag, macht es daher sicherlich auch Sinn, zunächst auf Leihmaterial zurückzugreifen. Für alle, die es aber definitiv ernst mit dem Bouldern meinen, empfiehlt sich die Anschaffung eigener Schuhe.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht immer in „fremde“ Kletterschuhe schlüpfen muss, sondern vielmehr auch, dass sich die eigenen Schuhe nach und nach an die persönliche Fußform anpassen können. Das macht auf Dauer das Tragen deutlich angenehmer. Außerdem bieten unterschiedliche Boulderhallen immer unterschiedliche Leihschuhe an. Während Halle A vielleicht Schuhe von einer Marke verleiht, die mir persönlich ganz gut passen, kann es sein, dass Halle B Schuhe von einer Marke hat, mit denen ich nicht so gut zurechtkomme.

Gerade für Anfänger ist jedoch der Kauf von Kletterschuhen alles andere als leicht. Zahlreiche Faktoren wie Anwendungsgebiet, Bauart der Schuhe, Verschluss und Fußform spielen hier eine wichtige Rolle. Für Anfänger gilt daher: Informieren, beraten lassen und anprobieren, anprobieren, anprobieren. Wenn ihr hier also noch Unterstützung braucht, dann schaut euch doch mal den Beitrag von Kollegin Frida mit dem schönen Titel „Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen?“ an.

Einen Chalkbag

Der Chalkbag oder das Magnesiasäckchen (wie wir „people form the last millennium“ sagen) ist ein gleichzeitig praktisches und modisches Accessoire beim Bouldern. Praktisch deshalb, weil sich darin das Magnesia (oder auch Chalk) unfallfrei transportieren lässt und beim Bouldern sprichwörtlich jederzeit zur Hand ist. Schweißnasse Hände können hierdurch schnell trockengelegt werden, sodass die Finger wieder über den optimalen Grip an den Griffen verfügen. Der meines Erachtens jedoch fast wichtigere Teil ist der Look.

Magnesiabeutel gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen von groß bis klein, von sportlich dezent bis vollkommen abgespaced. Darüber hinaus unterscheidet man zwei grundlegende Arten von Chalkbags: Nämlich die, die am Körper getragen werden (mittels Bauchgurt oder beim Sportklettern direkt am Klettergurt) und jene, die eher eine große Tasche sind und in der Halle aufgestellt werden kann. Auch beim Inhalt gibt es deutliche Unterschiede. Chalk gibt es verschiedenen Formen, die je nach Anwendungsgebiet ihre Vorteile haben.

Diese hier alle einzeln aufzuführen und zu erklären würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wer also tiefer in die Welt des Chalks eintauchen möchte, dem sei folgender Blogbeitrag ans Herz gelegt: Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags.

Crashpad

Nur der Vollständigkeit halber: Wer draußen bouldern geht, der braucht mindestens ein zuverlässiges Crashpad. Die ersten Schritte beim Bouldern in der Natur zu machen ist jedoch für Anfänger nicht ratsam. Wie bereits erwähnt, sind alle Hallen und Boulderanlagen immer ausreichend mit Matten gesichert, sodass Anfänger ein Crashpad zumindest vorerst von der Ausrüstungsliste streichen können.

Also…

Für alle, die mit dem Bouldern anfangen wollen, gilt die klare Empfehlung: Machen! Denn Bouldern ist eine interessante und fordernde Sportart. Die Einstiegshürden sind beim Bouldern vergleichsweise klein, auch Anfänger werden hier schnell Spaß haben und Fortschritte erzielen. Der Anfang wird dabei durch einen Boulderkurs sicherlich erleichtert. Außerdem bieten Vereine inzwischen auch Bouldergruppen an, die das kontinuierliche Training in der Gruppe ermöglichen.

Die Anatomie der Hüfte: Dreh- und Angelpunkt des Körpers

8. Juni 2020
Tipps und Tricks

Der Oberschenkelknochen sitzt in einem unserer stabilsten Gelenke, dem Hüftgelenk – umgeben von den stärksten Muskeln unseres Körpers. Ein Luxusleben?! Vielleicht. Für entspannte Berg- und Klettertouren brauchen wir ein bewegliches Hüftgelenk. Beim Klettern ist eine flexible Hüfte fast ein Muss um Tritte perfekt anzutreffen.

Die Hüfte ist für unsere aufrechte Haltung und Fortbewegung von großer Bedeutung. Bei fast jeder Bewegung, die wir machen, ist sie mit dabei. Beim Wandern oder Trailrunning können schnell Schmerzen entstehen, die durch Fehlstellungen, Fehlhaltungen oder falsche Schuhe ausgelöst werden können. Auch ungleichmäßige Belastung oder Gewichtsverteilung können Schmerzen und Reizungen verursachen.

Im Hüft-, Becken- und Oberschenkelbereich wirken insgesamt 29 Muskeln und vier Hüftgelenksbänder zusammen. Manche Muskelgruppen sind die stärksten unseres Körpers. Andere Muskeln reichen vom Hüftansatz bis zum Schienbein und sind recht dünn und schmal.

Durch die starken Muskeln und Bandstrukturen kommt es an der Hüfte selten zu knöchernen Verletzungen.

Erst bei einer sehr starken Krafteinwirkung wie beispielsweise bei einem Sturz über vier Metern mit ungünstigem Aufprall können Teile der Hüfte brechen. Gewalteinwirkungen können auch dazu führen, dass der Oberschenkelkopf aus der Gelenkpfanne springt. Doch vielmehr können beim Sport Reizungen und Entzündungen auftreten. Bevor wir zur Anatomie übergehen möchte ich euch zwei Basisübungen vorstellen, die für Bergfreunde unverzichtbar sind.

Hüftbeuger

Für eine der gängigsten Dehnübungen geht ihr in den Ausfallschritt. Euer vorderes Bein winkelt ihr an. Der Winkel zwischen Wade und Oberschenkel liegt bei circa 90 Grad. Euer hinteres Knie, Wade sowie Fußrücken können Bodenkontakt haben. Der Oberkörper ist aufgerichtet und der Rücken gerade. Jetzt spürt ihr ein Ziehen an der Innenseite der Hüfte. Atmet tief ein und aus. Je nach Befinden könnt ihr mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen.

Dehnung der Gluteal-Region (Unterer Rücken, Hüfte, Gesäßmuskeln)

Ihr legt euch auf den Boden und winkelt das linke Bein an. Den rechten Fußknöchel platziert ihr entspannt unterhalb des Knies über das linke Bein. Jetzt hebt ihr mit Hilfe der Hände in der Kniebeuge euer linkes Bein an und zieht es zum Bauchnabel. Dadurch ist ein Ziehen in der unteren Rückenmuskulatur und hinteren Hüftregion zu spüren. Je nach Befinden könnt ihr auch hier mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen und natürlich das Bein wechseln.

Um zu verstehen woher manche Schmerzen kommen können und wie diese durch ein paar Übungen gemildert werden, hier ein paar anatomische Einblicke.

 

Anatomische Grundvorstellungen in der Hüftregion helfen jedem, der oft in den Bergen unterwegs ist.

Was viele von uns recht einfach an unseren Körpern fühlen können, ist der Becken

kamm, der oberste Ansatz der beiden Hüftbeine. An diesem breiten Kamm setzt eine der wichtigsten Muskeln für unseren Rücken an, der Latissimus dorsi. Der große Rückenmuskel breitet sich von dort wie ein großer Fächer nach oben aus.

Ein wenig niedriger an beiden Hüftbeinen setzen viele starke Muskeln an. Am unteren seitlichen Ende der robusten Hüftbeine sind die Oberschenkel in die Hüftpfanne eingehängt. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, auch Nussgelenk genannt, und hat einen großen Bewegungsspielraum.

Kommen wir zurück zu den Muskelgruppen. Am prominentesten sind die Gluteus-Muskeln.

 

Der Gluteus maximus ist der kräftigste Muskel an unserem Körper. Er bestimmt die Form unseres Pos.

Er ist ein breiter und oberflächiger Muskel. Er setzt am Beckenkamm an und verläuft schräg abwärts zum Trochanter major. Den Knochenvorsprung, auch großer Rollhügel genannt, könnt ihr seitlich am Oberschenkel ertasten.

Wir brauchen den Gluteus maximus vor allem zum Bergsteigen, zum Treppensteigen und zum Aufstehen aus dem Sitzen. Im Stand stabilisiert er unsere Bewegungen und schafft eine aufrechte Haltung. Unterhalb des Gluteus maximus liegt Gluteus medius und noch eine Schicht tiefer der sehr viel kleinere Gluteus minimus. Die kleineren Gesäßmuskeln medius und minimus sind hauptsächlich für das Abspreizen der Beine zuständig.

Die Gluteus Muskeln gehören zu den neun äußeren Hüftmuskeln, die alle an der Rückseite unseres Körpers ihren Ursprung haben. Die äußeren Muskeln im Hüftgelenk sind zuständig für Außenrotation, Extension sowie Heranziehen und Abspreizen unserer Beine. Nicht zuletzt stabilisieren sie unser Hüftgelenk.

Wenn Schmerzen in der Innenseite der Hüfte, Oberschenkelvorderseite und im unteren Rücken auftauchen, haben diese oft mit dem Muskel lliopsoas zu tun.

 

Dieser „Hüftbeuger“ Muskel liegt unterhalb der Leistenregion. Er ist der stärkste Beugemuskel.

Er setzt an der Lendenwirbelsäule an und verläuft innenliegend entlang der Hüfte bis zum Ansatz des Oberschenkels. Der Iliopsoas gehört zu den vier Muskeln der inneren Hüftmuskulatur.
Schließlich möchte ich euch eine beeindruckende und großflächige Muskelgruppe vorstellen. Sie geht von den Hüftbeinen über das Knie zum Schienbein und bedeckt sozusagen die Oberschenkelvorderseite. Die Gruppe quadriceps femoris ist verantwortlich für das Beugen und Anheben des Oberschenkels und vor allem für das Strecken des Kniegelenks.
Es gibt noch viele weitere Oberschenkelmuskeln, die mit der Hüfte zusammenhängen.

 

Bei so vielen Muskeln ist das Abhängen für den Oberschenkel gar nicht so einfach.

Umso wichtiger ist, dass wir unsere Hüfte bewegen und die starke Muskulatur dehnen. Bei Schmerzen, die länger anhalten oder wiederkehren, ist es gut einen Physiotherapeuten oder einen Facharzt aufzusuchen. Es können Reizungen von Fehlbelastungen sein, doch auch Entzündungen entstehen teilweise über einen längeren Zeitraum und sollten entsprechend behandelt werden.
Damit eure Oberschenkel entspannt abhängen und ihr die Muskulatur lockern könnt, empfehle ich das Aushängen und Pendeln an der Reckstange oder am Hangboard. Alternativ könnt ihr die Beinschaukel mit Hilfe eines Bretts machen, das ihr auf den Boden legt. Ihr stellt euch mit dem linken Bein auf das Brett und pendelt das rechte Bein vor und zurück. Die Beinschaukel entspannt eure Strukturen und führt zu einer leichten Dehnung. Die Übung könnt ihr ruhig häufiger am Tag wiederholen, vor allem wenn ihr viel im Home-Office sitzt und weniger in Bewegung seid. Und wie einer meiner Trainer immer sagte: Immer schön in die Dehnung atmen und entspannen.

Bergfreundinnen im Portrait

6. März 2020
Die Bergfreunde

Bergsport war lange Zeit männlich. Selbst bis kurz vor der letzten Jahrtausendwende gab es DAV Sektionen, die keine Frauen in ihre Reihen aufgenommen haben. Ein Glück sind diese Zeiten endgültig vorbei. 2004 erfasste die Datenbank des DAV ca. 40% weibliche Mitglieder und zum heutigen Tage dürften es hoffentlich noch ein paar mehr geworden sein – die Berge sind schließlich für alle da.

Hier bei den Bergfreunden ist das zum Glück alles kein Thema. Im Gegenteil. Zur Feier des Weltfrauentages 2020 wollen wir euch deshalb vier Bergfreundinnen vorstellen, die (fast) keine Gelegenheit auslassen, die Berge von nahem zu sehen!

Bergfreundin Mia

Klettern, Bergsteigen, Biken, Trekking, Trailrunning, Schwimmen – wie auch immer und wann auch immer sich die Gelegenheit bietet rauszugehen – Bergfreundin Mia ist mit dabei. Und wenn nicht, dann kümmert sie sich im Bergfreunde Marketing Team um alle Belange rund um Suchmaschinenwerbung.

Warum gehst du raus?

Ich genieße die frische Luft, stille und vielen neuen Erlebnisse draußen. Es gibt immer Neues zu entdecken, egal ob beim Laufen durch den Wald, beim Klettern in den Bergen oder einer Runde mit dem Rennrad.

Dein schönster Outdoor-Moment?

Da gibt es viele! Der letzte war vermutlich eine Biwaknacht auf dem Rossberg (einem Berg in der Gegend von Tübingen) bei minus 5 Grad, Lagerfeuer und mit guten Freunden. Wenn Morgens das Wasser gefroren ist und der Schlafsack mit einer Eisschicht bedeckt ist, weiß man, dass man seine Zeit sinnvoll verbracht hat – denn Draußen ist die beste Zeit! 😊

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Mhm, es gab da mal eine sehr unschöne Abseilaktion bei einer Mehrseillängentour in Frankreich, die mir noch sehr lange im Kopf geblieben ist.

Wohin geht der nächste Trip?

Mit einem guten Kletterfreund eine Woche nach Sizilien zum Sportklettern.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da hast du mich erwischt 😉 Wenn ich mal keinen Sport mache oder im Büro arbeite, verbringe ich gerne Zeit mit Freunden bei einem Kochabend in Kombination mit einem guten Spiel oder Film.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Hannah

Das Lieblingsspielzeug von Bergfreundin Hannah hat zwei Räder und ordentlich Federweg. Bikeparks sind ihr zweites Wohnzimmer und solange der Kopf in einem Fullfacehelm steckt, fühlt sie sich pudelwohl. Hannah ist bei den Bergfreunden im Händlermarketing tätig und war davor in unserem Gearhead-Team.

Warum gehst du raus?

Weil das kalte Radler nach einem Tag im Bike Park am Besten schmeckt und ich die tollsten Bike Freundinnen hab!

Dein lustigster Outdoor-Moment?

Da ich regelmäßig stürze an den seltsamsten Stellen auf dem Trail ist jede Ausfahrt ein Highlight.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Bei meinem ersten Bike Park Besuch in Albstadt bin ich regelmäßig aus dem Schlepplift gefallen, bis der Mitarbeiter dort Mitleid hatte und ich jedes Mal umsonst Hoch durfte (mittlerweile klappts aber besser).

Wohin geht der nächste Trip?

Ich warte auf die Eröffnung der Parks, dann steht Brandnertal auf der Liste.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da ich Mode und Klamotten liebe – Ganz klar Shopping!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Britta

Einer der kreativsten Köpfe bei uns hat blonde lange Haare und gehört zu Bergfreundin Britta. Britta kümmert sich bei uns um die Entwicklung der Marke Bergfreunde und hat vor allem in Sachen Grafik und Design richtig was auf dem Kasten. Brittas Outdoor-Leidenschaft hat was mit großen Rucksäcken und weiten Wegen zutun. Meistens bestreitet sie diese zu Fuß, manchmal aber auch mit dem Rad.

Warum gehst du raus?

Um einen Ausgleich zu meinem Alltag am Computer zu schaffen. Frische Luft, Natur und Bewegung sind gesund, lassen einen abschalten und machen glücklich!

Dein schönster Outdoor-Moment?

Mit Freunden am Lagerfeuer sitzen oder unter freiem Himmel schlafen, und sich dabei ganz geborgen fühlen, das ist wohl einer der schönsten Momente, den man draußen haben kann. Außerdem durch schier unendlich weite Berglandschaften wandern und immer wieder dankbar die atemberaubende Schönheit der Natur bewundern, davon werde ich nie genug bekommen!

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Als mir auf dem GR20 ein Hund nachts im Vorzelt ein Loch in den Rucksack gebissen hat, um die Mülltüte samt Inhalt aufzufressen!

Wohin geht der nächste Trip?

Seit mir ein Kollege vom Königssee-Radweg erzählt hat, bin ich angefixt…

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung? 

Gärtnern! Ich liebe es, selber Kräuter und Gemüse anzupflanzen und von Mutter Natur mit einer eigenen kleinen Ernte belohnt zu werden!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

  • ARC’TERYX Women’s Cerium LT Hoody: Die ist so unfassbar leicht, sodass man sie kaum am Körper spürt, lässt sich super klein zusammenpacken und hält einen in jeder Situation warm!
  • INOV-8 – Women’s Roclite G 345 GTX Wanderschuhe: Die haben mich durch den GR20 getragen und mich mit ihrer Leichtigkeit am Fuß und ihrem super Grip überzeugt!
  • ENGEL – Baby Body L/S Merinowolle – Merinounterwäsche: Den kriegt jede meiner Freundinnen, die ein Baby hat, und alle sind begeistert! Aus ökologischer Merinowolle mit Seide, produziert in Deutschland!

Bergfreundin Gerbine

„Goede dag“ – solltet ihr mal bei uns anrufen und diese Worte durch den Telefonhörer schallen hören, dann seid ihr möglicherweise bei Gerbine gelandet. Sie stammt ursprünglich aus den schönen Niederlanden und kümmert sich im Bergfreunde Kundenservice als internationale Sachbearbeiterin um die Sorgen und Nöte unserer – vornehmlich – niederländischen Kunden. Abseits des Bergfreunde-Office findet man Gerbine meistens auf den Trails der schwäbischen Alb oder in den Alpen.

Warum gehst du raus?

Das ist einfach: Vor allem um den Kopf frei zu machen und die frische Luft und unsere schöne Natur zu genießen.

Dein schönster/lustigster Outdoor-Moment?

Es gibt doch nichts schöneres als nach einem Trail-Lauf in den Bergen im Ziel anzukommen und mit Sonnenschein und einem schönen Ausblick belohnt zu werden.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Beim Surfen wehte der Wind etwas stärker als ich dachte und ich schaffte es nicht mehr alleine zum Strand zurückkommen. Meine Brüder haben mich den ganzen Urlaub noch ausgelacht. Peinlich! 😉

Wohin geht der nächste Trip?

Ich fahre in etwa drei Wochen ins Montafon zum Skifahren.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Ich liebe es aus alten Dingen etwas Neues zu machen. Mein aktuelles DIY-Projekt ist ein alter Stuhl, den ich im Müll gefunden habe.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Doppelinterview: Bergfreundin Anna und ihr Unfallchirurg Dr. med. Sebastian Scheidt

18. Februar 2020
Die Bergfreunde

„Wissen Sie, eigentlich halte ich nichts von Ärzten.“

So sprach mich eine ältere Dame im Wartebereich der Ambulanz der Unfallchirurgie an. „Oh, meinen Sie?“, fragte ich zurück und gab ihr Raum zum Reden. Die Entscheidung über meinen Unfall und den Heilungsprozess journalistisch zu berichten, fiel an diesem Tag.

Auch mit dem Ziel und der Hoffnung aufzeigen zu können, dass eine konstruktive Zusammenarbeit im Bezug auf den Heilungsprozess möglich ist. Eine transparente Erklärung des Arztes und ein Verständnis für die Situation der Patientin sind unabdingbar. Aber auch auf der Seite der Patientin spielt die Bereitschaft zur Mitarbeit eine große Rolle.

Im Doppelinterview erhaltet ihr Tipps, wie ihr im Falle eines Sturzes handeln solltet. Mein behandelnder Unfallchirurg und ich geben euch Einblicke in die Behandlungs- und Entscheidungsprozesse. Wir sprechen über regelhafte und individuelle Heilungsprozesse, aber auch über unausgesprochene Annahmen und gegenteilige Meinungen.

Ich danke Sebastian Scheidt für die Bereitschaft und das Einlassen auf die besondere Interviewsituation.

Dr. med. Sebastian Scheidt ist als Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn tätig. An der Unfallchirurgie reizt ihn besonders die Verbindung manueller Fähigkeiten mit dem theoretischen Hintergrund – vor allem, wenn der ganze Körper in Betracht gezogen werden muss. Nicht zuletzt schätzt er das breite Spektrum von Verletzungen an einem Uniklinikum und die Arbeit im Team. Seinen bisherigen Forschungsschwerpunkt der degenerativen und traumatischen Wirbelsäulenverletzungen und der Infektionsdiagnostik erweitert er derzeit durch Forschungen zu Verletzungen der unteren Extremitäten, im Speziellen der Verletzungen des Knie- und Sprunggelenks.

Was ist Dir noch von der Zeit direkt nach deinem Sturz in Erinnerung geblieben?

Anna: Ich spürte jetzt keine Angst oder Panik und lag durch den Sturzverlauf bereits in der stabilen Seitenlage. Ich bin liegen geblieben, habe die Schockreaktionen meines Körpers wahrgenommen und versucht die Fragen meiner Kletterpartnerin zu beantworten. Der Rettungswagen war nach meinem Empfinden recht schnell vor Ort. Die Rettungskräfte überzeugte ich irgendwie, mich nicht in das nächste Dorfkrankenhaus, sondern in die Uniklinik nach Bonn zu fahren.

Was ist direkt vor Ort nach einem Sturz auf die Füße (Ground Fall) aus notfallmedizinischer Sicht zu tun?

Sebastian Scheidt: Man sollte zunächst schauen, ob die verletzte Person bei Bewusstsein und ansprechbar ist. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn mehrere Personen vor Ort sind, sollten diese um Mithilfe gebeten werden – sodass neben der Notfallversorgung eine andere Person den Rettungsdienst alarmieren kann. Wenn offene Verletzungen zu sehen sind, das heißt blutende Wunden oder Knochenbrüche sollten diese möglichst geschient werden – besonders, wenn man im Gelände unterwegs ist. Wenn der Unfall in der Halle passiert, ist es wichtig, die verletzte Person möglichst schmerzfrei zu lagern bis der Rettungsdienst eintrifft, was ja hier in unserem Fall recht gut funktioniert hat.

Wie hast Du die Zeit in der Uniklinik wahrgenommen? Gibt es etwas, das Du heute anders machen würdest?

Anna: Ich hätte mehr zu meiner Verletzung und den Umständen sagen können. Auch habe ich vielleicht etwas viel geschwiegen, um zu einem unauffälligen Fall zu mutieren, woraus in meiner damaligen Logik resultieren sollte, nicht in der Klinik bleiben zu müssen. (lacht)

Welche Merkmale führten zu der eindeutigen Entscheidung erst mal nicht zu operieren?

Sebastian Scheidt: Bei der vorliegenden Verletzung war eine sofortige OP-Indikation nicht gegeben. Die Gelenke des Fußes und Sprunggelenks waren durch den Abriss des Knochenfragmentes und des gerissenen Bandkomplexes nicht betroffen. Es lag keine Luxation vor – das heißt das Gelenk war nicht aus der Führung gesprungen. Da auch kein Knochenbruch mit Ausstrahlung in das Gelenk und den Knorpel vorlag, konnte zunächst eine Ruhigstellung und weitere Diagnostik erfolgen.

Wie lassen sich die Verletzungen des Fußes zusammenfassen?

Sebastian Scheidt: Es lag eine knöcherne Absprengung an der Innenseite des Sprungbeins vor – also knapp unterhalb des oberen Sprunggelenks. Hier heften in der Regel Kapsel-Band-Strukturen an, die durch den Sturz teilweise abgesprengt wurden – auf der Außenseite, war das vordere Außenband gedehnt und das hintere gerissen. Weitere Sturzfolgen waren Knochenmarködeme, Hämatome und Begleitentzündungen im Fuß.

Dein Fuß war insgesamt für zwei Monate ruhiggestellt. Wusstest Du das direkt nach der Erstversorgung in der Uniklinik?

Anna: Oh je, ich glaube nicht. (lacht) Ich hatte ein paar Tage nach der Behandlung im Notfallzentrum einen Termin in der unfallchirurgischen Ambulanz und da haben wir das Vorgehen besprochen. Mein Fuß sollte erst mal für sechs Wochen ruhiggestellt werden. Nach den MRT Bildern Anfang Juli wurde beschlossen die Ruhigstellung auf acht Wochen zu erhöhen.

Wann entscheiden Sie, dass eine zweimonatige Ruhigstellung notwendig ist? Gibt es ähnliche Fälle, in denen Sie zu einer OP raten würden?

Sebastian Scheidt: In der Regel stellen wir solche Verletzungen für sechs Wochen ruhig. Die sechs Wochen dienen zur Erholung der Bandstrukturen, dem Abschwellen der Begleitentzündung und geben auch den Prellungen des Knochens die Möglichkeit abzuheilen. Auch gibt die Phase der Ruhigstellung dem Knochenfragment die Möglichkeit wieder anzuwachsen.

Aufgrund der starken Ödeme haben wir die Ruhigstellung um zwei Wochen verlängert. Bei Verletzungen, die in den Gelenkraum ziehen und somit den Knorpelüberzug beeinträchtigen können, wird in Abwägung der möglicherweise entstehenden Langzeitfolgen eine operative Therapie empfohlen. Auch bei komplexeren Bandverletzungen, die eine Instabilität bewirken, tendieren wir zu einer operativen Stabilisierung, nachdem der Fuß abgeschwollen ist – sodass der Patient wieder mit einer guten Gelenkführung mobil sein kann.

Die Zeit nach der Ruhigstellung war für Dich viel schlimmer. Kannst Du kurz beschreiben, warum?

Anna: Da haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. In erster Linie meine eigenen Erwartungen und die meiner Auftraggeber wieder schnell komplett körperlich fit zu sein – also, dass der Fuß und das Bein wieder komplett funktionsfähig sind. Es war schwierig anzunehmen, dass mein Fuß nicht so schnell abheilt. Dazu kam auch, dass die Ungewissheit über den Heilungsprozess wieder zugenommen hat. Vor allem dadurch, dass von der medizinischen Seite mir keine klare Zeitangabe gegeben werden konnte. Aber auch durch die Physiotherapie, die nur wenig an dem Zustand meines Fußes veränderte. Durch die anhaltenden Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen habe ich auch erst richtig verstanden, wie schwerwiegend meine Verletzung war.

Ist es möglich Patientinnen und Patienten im Vorfeld aufzuklären, wie der Heilungsprozess verläuft?

Sebastian Scheidt: Grundsätzlich werden die Patienten darüber aufgeklärt, dass sie über einen Zeitraum von ca. 12 Wochen mit Einschränkungen in der Mobilität zu rechnen haben. Dazu muss immer vermittelt werden, dass der Heilungsprozess individuell verschieden verlaufen und so auch mal den Zeitraum überschreiten kann.

Lässt sich generell die Heilungsdauer mit der Fitness der Patientin in Verbindung setzen?

Sebastian Scheidt: Patienten, die eine Grundfitness mitbringen – ein gutes Körpergefühl, eine gute Koordinationsfähigkeit haben, kein Übergewicht aufweisen und regelmäßig sportlich aktiv sind, finden häufig zügiger in ihren Alltag und den Sport zurück. Aber auch hier können wir nicht immer davon ausgehen. Auch junge und sportliche Patienten, wie auch hier, können von der regelhaften Heilungsdauer abweichen.

Über eine so lange Behandlungsdauer erwartet man schon fast, dass es Unstimmigkeiten zwischen Arzt und Patientin gab. Fällt Dir da eine Situation ein?

Anna: Ja schon. Nachdem ich von der Ruhigstellung in die Teilbelastung übergegangen bin, habe ich ihn gefragt, ob er mir nicht Physiotherapie verschreiben möchte. Und er sagte nur: „Da Sie eine junge und sportliche Patientin sind, denke ich, dass die Defizite in ihrer Muskulatur sich wieder selbst aufbauen. Durch die Verletzung sind keine Bewegungseinschränkungen an dem Gelenk aufzuweisen … “ Das habe ich anders gesehen und ich hatte auch noch den Druck wieder vollständig funktionieren zu müssen. Ich habe dann trotzdem ab der zehnten Woche mit der Physiotherapie begonnen.

Sebastian Scheidt: Mir war wichtig, dass zunächst die Alltagsbelastung wiedererlangt werden kann. Eine physiotherapeutische oder gar manual-therapeutische Behandlung bei dem vorliegenden knöchernen Abriss war mir noch zu früh. Meine Besorgnis war, dass Heilungsprozesse in der Tiefe durch zu viel Therapie verzögert oder gar unterbrochen werden.

Behindern solche Unstimmigkeiten das Arzt-Patientin-Verhältnis?

Anna: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mir damals gedacht, wenn ich aus seiner Sicht meinem Fuß schwerwiegend schaden kann, wird er mir das schon deutlich sagen. Im weiteren Verlauf war für mich vor allem wichtig, dass er schließlich feststellte, dass die Heilung nicht mehr, wie erwartet, verläuft. Und er für die Verschlimmerung des Zustandes Mitte Oktober eine Erklärung findet – und natürlich den Fuß und den Heilungsprozess nochmal genauer anschaut, um mögliche Prozesse und Annahmen neu beurteilen zu können.

Sebastian Scheidt: Aufgrund der anhaltenden Beschwerden und Einschränkungen führten wir eine erneute MRT Diagnostik durch. Hier zeigte sich zum einen ein rückläufiges Knochenmarködem, welches auf eine rückläufige Verletzung hindeutet. Allerdings zeigte sich auch, dass das abgesprengte Knochenstück weiterhin nicht angewachsen ist. Durch die Zugabe von Kontrastmittel konnten wir ausschließen, dass keine Durchblutungsstörungen im Knochen vorliegen.

Die Verletzung ist jetzt sieben Monate her. Hast Du erwartet, dass die Heilung so langwierig ist?

Anna: Wenn ich zurückdenke, wie stark meine Schmerzen waren und aus welcher Höhe ich auf meinen Fuß gefallen bin… Mir war schon klar, dass ich nach zwei Monaten noch nicht laufen kann. (lacht) Ein anderer Arzt hat mir irgendwann im Sommer mal gesagt, dass Verletzungen am Sprungbein und am Sprunggelenk sehr lange dauern können. Aktuell habe ich weiterhin Einschränkungen in der Funktion des Sprunggelenks, Schwellungen um den Talus, am Innen- und Außenknöchel und kann mich nicht schmerzfrei bewegen. Auch Klettersport ist nach einem kleinen Test noch nicht wieder möglich. Am deutlichsten sind die Einschränkungen für alle sichtbar, wenn ich Treppen hoch oder runtergehe – wo manche Menschen mich doch lieber die Treppe hochtragen möchten, als meine sichtbar eingeschränkten und unharmonischen Bewegungen beobachten zu müssen. (lacht)

Wie sehen Sie das?

Sebastian Scheidt: Im Prinzip haben wir beide erwartet, dass der Fuß nach einer Phase von sieben Monaten eigentlich wieder so stabil ist, dass er im Alltag keine Probleme macht und dass Sport fast wieder auf gleichem Niveau möglich ist. – Wobei wir hier auch wieder bei der individuellen Heilungsdauer sind und auch nach sieben Monaten die Beschwerden mit weiteren Therapien und Maßnahmen in den Griff zu bekommen sind.

Gehen wir ein wenig weg von deiner Verletzung. In deinem zweiten Artikel beschreibst Du, dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist. Was begeistert Dich so?

Anna: Im Zusammenhang mit der Körperarbeit bei Schauspielerinnen und Schauspielern finde ich es immer wieder beeindruckend, wie das Sprunggelenk so reibungslos und lautlos unseren Körper bewegen kann. Besonders veranschaulicht das vielleicht ein Bild vom hibbeligen Kleinkind. Ohne viel Kraftaufwand springt es auf und ab und nutzt mühelos seine Sprunggelenke.

Sebastian Scheidt: Dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist, dem kann ich nur beipflichten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass diese zierlichen Knochen die gesamte Körperlast tragen und auch bei Sprüngen, wo sie ein Vielfaches des Körpergewichts abfedern müssen, nicht zerbrechen. Das gesamte Konstrukt des Fußes und des Sprunggelenks wird neben der marginalen knöchernen Führung hauptsächlich durch die Kapsel – und Bandstrukturen gehalten und stabilisiert. Dieses Zusammenspiel erlaubt überhaupt erst die einzigartige Bewegungsfreiheit und Stabilität. In der Therapie dürfen diese Strukturen nicht vernachlässigt werden. Gerade bei Sportlerinnen und Sportlern sollten diese entsprechend trainiert und im Verletzungsfall ausgiebig rehabilitiert werden.

Welche prophylaktischen Maßnahmen empfehlen Sie ihren Patientinnen und Patienten?

Sebastian Scheidt: Gerade im Klettersport ist es wichtig sich vor der Belastung ausreichend warm zu machen und seinen gesamten Körper zu dehnen, um ihn auf die bestehende Anstrengung vorzubereiten. Ausgleichssportarten sind sehr zu empfehlen, da sie zum einen die Gesamtfitness, aber auch das Körpergefühl und somit die Rumpfstabilität erhöhen. Andere Betätigungen, wie Joggen oder Schwimmen führen beispielsweise zur Kräftigung der Bänder und Knochen. So führen Spitzenbelastungen, wie Stürze, weniger häufig zu Verletzungen.

Hast Du noch was zu ergänzen?

Anna: Im Kletter- und Bouldersport gibt es Sturztrainings. Verschiedene Techniken können helfen Verletzungen zu verhindern oder wenigstens etwas zu mildern. Auch lege ich immer viel Wert auf das Aufwärmen der Muskulatur und der Bänder. So können viele Verletzungen vermieden werden – abgesehen von Unfällen mit starkem Wand- oder Bodenkontakt, die meist schwerwiegendere Verletzungen mit sich bringen. Und auch, wenn es banal klingt, klettert oder bouldert nicht bis zur vollen körperlichen Erschöpfung.

Mit diesem Doppelinterview möchte ich allen Ärztinnen und Ärzten sowie ihren Teams danken, die mich unterstützt haben und teilweise weiterhin unterstützen. Die abschließende Kletterreportage der Artikelreihe wird voraussichtlich im Sommer 2020 veröffentlicht.  

Titebild: Tim Liss

Weitere Artikel der Reihe:

Hoch hinaus oder die Kunst des Sturzes

Der Fuß – eine geniale Konstruktion

„Wir bringen Sie wieder zum Laufen.“

Der lange Weg zurück Teil 3: „Wir bringen Sie wieder zum Laufen“ 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

„Das MRT zeigt uns, dass das Sprungbein durch den Sturz und den Aufprall doch ausgeprägter geprellt ist, als wir zunächst gedacht haben. Ich würde Sie bitten an ihrer Aktivität etwas zurückzuschrauben. Wir wollen die Ruhigstellung noch etwas verlängern.“ 

Wenige Minuten später:

Zwei Monate sind 61 Tage, 61 Tage sind 1464 Stunden und das noch in Minuten? Ich bin müde. Ich kann die Verletzung und ihre Folgen nicht akzeptieren. Wir haben 35 Grad im Schatten und dieser riesige, schmerzende Stiefel um meinen Fuß, macht die Situation nicht erträglicher. Es sind die zwei Prozent Hoffnung auf eine gute Nachricht, die den Weg in die Uniklinik etwas leichter machten.

Nur sie kam nicht. So sprach die eigene Schmerz- und Körperwahrnehmung auch nicht für eine positive Entwicklung. Es sind die Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, wenn man die Projekte für die kommenden Monate absagen muss. Es ist die Sprachlosigkeit einiger Leute, die den Zustand nicht besser macht. Ein Satz eines älteren, sehr geschätzten Regisseurs und Kollegen bleibt in meinem Kopf hängen und kommt immer wieder in die Repeat-Schleife: „Ich verstehe das nicht, du bist doch so eine gute Künstlerin, du hast doch so eine gutes Körperbewusstsein, wie kann dir denn nur so ein Unfall passieren?!“ Ich finde keine passende Antwort.

Ich brauche mehr Informationen. Ich brauche Gewissheit. Ich brauche Ruhe.

Tipp 1 – Informationen

Ich will alles wissen – alles zu meinem Fuß, alles über Fußverletzungen im Klettersport und die Nachwirkung von Stürzen im Allgemeinen. Ich empfehle euch euren behandelnden Unfallchirurg oder mitbehandelnden Hausarzt zu fragen, um an weitere Informationen zu kommen. Bei mir lief es etwas anders. In meinem Bekanntenkreis konnte ich meine Fragen und vor allem mein Leid einfacher verständlich machen. Ich telefonierte mit Leistungssportlern aus Deutschland und Österreich.

Sie waren mir eine große Stütze für meine psychische Verfassung und in der Einschätzung der Schmerzen. Auch sprach ich immer wieder mit Unfallchirurgen, die vor allem Bergunfälle in den österreichischen Alpen behandeln. Wichtig hier zu erwähnen ist, dass ich den Chirurginnen und Chirurgen die gleichen Fragen gestellt habe, wie meinem behandelnden Chirurgen vor Ort, um im Idealfall dieselben Erklärungen und Herleitungen zu bekommen und fast immer bekam. Die Antworten führten dazu, dass Gewissheit entstehen konnte. Darüber hinaus hatte das Wissen über die Verletzung, das ich stetig ausbauen konnte, einen sehr befreienden Effekt.

Tipp 2 – Humor

Ich bin überzeugt, dass Lachen und Freude in solchen angespannten Situationen die wichtigsten heilungsfördernden Mittel sind, die es gibt. Sei es Situationskomik, die Witze der besten Freund*innen, lustige Videos oder Serien, die das Leben in der Zeit leichter und entspannter machen.

Tipp 3 – Freund*innen & Familie

Nahestehende und liebe Personen aus meinem Freundeskreis und meiner Familie hatten und haben eine enorme Wichtigkeit. Wenn ich zurückdenke, sind spontane Überraschungsbesuche und Ausflüge die schönsten Momente in der Zeit der Ruhigstellung. Sei es ein kleiner Trip im Rollstuhl zur Eisdiele, ein Ausflug ins Rhein-Main Tal oder ins bergige Umland – ein wenig Höhenluft atmen.

Auch barrierefreie Konzerte kann ich nur empfehlen. Ein wenig vorsichtig wäre ich im Nachhinein bei basslastiger Musik. Der Bass verursachte bei mir sehr starke Schmerzen.

Tipp 4 – Take it slowly – das Laufenlernen

Wenn ich beobachte, wie oft Kleinkinder bei den Versuchen zu Laufen stocken, sich neu sortieren, eine Pause machen und doch immer weiter machen – so langsam verliefe, rückblickend, bestimmt ein idealer Anfang des erneuten Laufenlernens. Durch die lange Ruhigstellung und die Verlagerung des Gewichts auf die linke Körperhälfte und die Krücken, haben sich der Körper und die natürlichen Abfolgen verändert. Das erstmalige Aufsetzen des rechten Fußes ohne feste Schuhe führte zu einer kleinen Nervenachterbahn.

Die Wahrnehmung und Empfindsamkeit gegenüber der Beschaffenheit des Bodens ist sehr hoch. Seien es Wiese, Waldwege, Erhebungen, kleine Steinchen oder Bürgersteige, die mit unebenen Platten gepflastert sind. All das, bekam ich ungefiltert von der Fußsohle ins Hirn gesendet. Positiv lässt sich so das Laufenlernen mit einer kleinen Entdeckungsreise gleichsetzen. Mein Tipp für euch – betrachtet das Laufenlernen als kleine Abenteuerreise und versucht es so entspannt und bewusst wie möglich anzugehen. Forciert keine Belastungen und Abläufe, die der Fuß eventuell noch gar nicht leisten kann.

Tipp 5 – Ausgleich & Sport

Im Hochsommer mit einem großen Stiefel, der bis zu den Knien reicht, ruhig gestellt zu sein, ist keine einfache Situation. Ich habe mir einen Rollstuhl geliehen, um mir die zwei Monate so angenehm, wie möglich zu machen. Durch dieses Extra konnte ich gut einen Ausgleich schaffen. Ideal ist es, wenn der Rollstuhl auch in der eigenen Wohnung nutzbar ist, dann ist das Leid unter der mangelnden Eigenständigkeit sehr viel geringer. In der ersten Zeit nach der Verletzung ist an Sport schon aufgrund der starken Schmerzen im ganzen Körper nicht zu denken.

Nach Absprache und mit sehr gutem Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten des Körpers trainierte ich in der Zeit der Ruhigstellung den Oberkörper. Wenn eher wenig Zugang zu dem eigenen körperlichen Befinden besteht, würde ich die Krücken als „sportliches“ Element empfehlen. Krücken im Hochsommer mit riesigem Stiefel am Bein, Schmerzen und nur einem Fuß als Stütze, dienen auch gut als Sportprogramm. Treppensteigen ist eine kurze und effiziente Auspower-Methode mit Sixpack Garantie.

Für mich hat als ausgleichende Methode die Alexander-Technik gut funktioniert. Statt Alexander-Technik können bestimmt auch Elemente aus Yoga oder Feldenkrais unterstützend sein. Die Alexander-Technik setzt sich mit dem individuellen Aufbau des Körpers und der individuellen Nutzung des Bewegungsapparates auseinander.

Sie ist ein gutes Mittel, um falsche Spannungen und Irritationen in Bewegungsabläufen zu lösen und wieder zu einer natürlichen Laufbewegung zu kommen. Auch während der Ruhigstellung hat die Technik mir geholfen, um die Verletzung und meine neue Lebenssituation anzunehmen und einen guten Zugang zu meinem Körper zu behalten. Natürlich ist in Zeiten der Ruhigstellung keine natürliche Bewegung zu erlernen – hier half mir die bewusste Wahrnehmung der Heilungsprozesse und der Veränderungen im Körper. Durch die Einschränkung schafft der Körper andere Bewegungsmuster.

Das Studieren des eigenen Körpers und das Optimieren von Bewegungsabläufen kann leicht zu einer Wissenschaft werden. Hier ist es wichtig, erst mal nur wahrzunehmen, zu verstehen und in Ruhe zu handeln um neue, stimmige Abläufe zu erreichen.

Im Allgemeinen ist Alexander-Technik hilfreich bei:

  • Stressreaktionen des Körpers und Geistes
  • ungünstigem Gebrauch des Bewegungsapparates
  • Schmerzen und Spannungen des Bewegungsapparates
  • Nervenerkrankungen und Unruhe

Neben der Alexander-Technik kann Physiotherapie hilfreich sein und sollte verschrieben werden, um die Bewegung des Gelenks zu fördern. Am besten geht ihr zu speziellen und erfahrenen Physiotherapie Zentren für Sportlerinnen und Sportler und nehmt nicht die erste Physiotherapie Praxis in eurer Nähe.

Tipp 6 – Reden, reden, reden

Ich kann euch nur ans Herz legen mit allen Personen, die bei eurem Sturz dabei waren, auch darüber zu sprechen. Nicht um den genauen Hergang zu erläutern, sondern vor allem über die Erinnerungen, die bleiben, zu reden. Seien es die Geräusche des Aufpralls, die anderen Personen im Kopf haben und einem selbst nicht präsent sind. Das Austauschen von Erinnerungen hat nicht nur mir geholfen, sondern auch allen Beteiligten ihre Erinnerungen zu verarbeiten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

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