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Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

26. September 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte.

Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Klettern an der Adria – Istrien, ein Paradies für Sportkletterer

26. September 2018
Tipps und Tricks

Wenn man Kroatien oder Istrien hört, denkt man zunächst nur an Badeurlaub, viel Sonne, schöne Strände, warmes Wasser und fantastische Wände. Moment, Wände? Ganz richtig, denn neben all diesen touristisch attraktiven Zielen mausert sich Kroatien gerade zu einem sehr beliebten Kletterspot. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn es bei uns noch zu kalt oder schon wieder zu ungemütlich ist, liefert Kroatien die besten Bedingungen zum Klettern am Fels. Doch es locken nicht nur aussichtsreiche Felsen in bester Qualität, auch das Rahmenprogramm kann überzeugen.

Kroatiens Vorteil ist, dass es hier zum Einen zahlreiche junge Gebiete gibt, die sportklettermäßig sehr gut abgesichert sind und zum Anderen, dass man die Vorzüge des entspannten Lebensgefühls an der Adriaküste voll und ganz genießen kann. Da Kroatien gerade einmal acht Millionen Einwohner hat, kann man sich denken, dass die Klettergebiete nicht sonderlich überlaufen sind und man somit auch die Ruhe eines beschaulichen Dorfes genießen kann.

Kleine Dörfer und ganz viel Wald

Als ich zum ersten Mal istrischen Boden betrete bin ich regelrecht in die kleinen malerischen Ortschaften verliebt. Jede Örtlichkeit besitzt eine kleine Kirche aus Stein, deren Kirchtürme man Kilometer weit auf den sanften Hügeln sieht. Und zudem sieht man Wald, viel Wald.

Wer sich jetzt Gedanken darüber macht, wo und wie man hier Klettermeter sammeln soll, wo hier doch alles so flach erscheint, der kann beruhigt werden: die Felsen kommen.

Wir beginnen mit unserem Ausgangspunkt der Kleinstadt Roc. Roc ist etwa 50 Kilometer südöstlich von der italienischen Großstadt Triest entfernt und in unmittelbarer Nähe von Buzet, einer Stadt mit etwa 6100 Einwohnern, die sich eignet, um seinen Vorrat an Lebensmitteln aufzustocken. Obwohl Roc ein Stadtrecht besitzt, wohnen nur knapp 180 Menschen in dem kleinen Ort. Mit ihren kleinen Appartements und Ferienwohnungen ist die Stadt perfekt, um dort sein Basecamp aufzuschlagen.

Kompanj bei Roc

Von unseren Vermietern werden wir mit Sliwowitz und heimischem Obst begrüßt und fühlt sich direkt wohl. Schaut man sich etwas genauer um, sieht man nach wie vor eine Menge Wald. Doch etwas weiter im Hinterland erheben sich ein paar unscheinbare Hügel mit Wänden. Unser erstes Ziel steht fest: die wollen wir uns ansehen.

Über holprige Straßen erreichen wir nach einer Viertelstunde das Klettergebiet Kompanj, das eines der schönsten und größten Klettergebiete in ganz Istrien ist. Besonders schön ist hier, dass man fast den ganzen Tag in der Sonne klettern kann, man eine grandiose Aussicht über Istrien hat und sogar ein kleines Eck vom Meer sieht.

Unser Auto parken wir an dem Parkplatz, den man dank der Beschilderung nicht verfehlen kann. Wer mit dem Campingbus oder Zelt unterwegs ist, kann auf dem Parkplatz auch direkt nächtigen. Voraussetzung ist hierfür jedoch sich (wie immer) ruhig zu verhalten und keinen Müll zu hinterlassen.

Vom Parkplatz ausgehend, erreicht man, mittels den Holztafeln, innerhalb von 15 Minuten das südlich ausgerichtete und familienfreundliche Klettergebiet. Ab hier muss man sich jetzt nur noch für einen der vier Sektoren entscheiden. Routen vom Schwierigkeitsgrad 5 bis 10 sind hier alle dabei und sowohl Kraftpakete als auch Plattenschleicher kommen hier auf ihre Kosten. Selbst ein paar Sinterschmankerl sind hier zu finden.

Da sich die meisten Routen im 20 bis 30 Meter Bereich einordnen lassen, ist man an den Felsen mit einem 70 Meter Seil gut unterwegs. Zudem sind die Routen sportklettermäßig perfekt abgesichert. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, bei denen ein paar Bolts schon Rost angesetzt haben. Eine Routenempfehlung kann man hier wohl kaum abgeben, da jeder Sektor seine eigenen Vorzüge hat.

Kamena vrata bei Buzet

Wenn man noch eine Alternative in der Nähe von Buzet sucht, ist man mit dem Gebiet Kamena vrata bestens beraten. Der Felsen liegt im Randgebiet der Stadt in einem kleinen Canyon und ist vor allem am Nachmittag schön schattig und nicht zu heiß.

Der Parkplatz ist direkt neben der Straße und an einem Fluß. Das Campen eignet sich auch hier wieder gut. Um an den Felsen zu gelangen, überquert man einfach die Straße und ist in 5 Minuten schon dort.

Vier Sektoren locken mit anfängertauglichen bis hin zu sehr sportlichen Routen und einer perfekten Absicherung. Auch für Genusskletterer, die lange und gemütliche Touren suchen, ist hier etwas dabei.

Die Route „Gucci Gucci“ im Sektor Botanicus checkt zwar „nur“ bei 5a UIAA ein, ist aber ein richtiges Schmankerl für Anfänger oder zum Aufwärmen. Am Umlenker angekommen, hat man einen schönen Blick auf die Stadt Buzet und den kleinen Canyon.

Vela Draga im Ucka Nationalpark

Uns zieht es weiter in Landesinnere, beziehungsweise Richtung Rijeka, in den östlichen Teil Istriens. Hier landet man geradewegs im Ucka Nationalpark, dessen Felstürme man direkt neben der Autobahn definitiv nicht übersieht.

Seit 1963 steht die Vela Draga Schlucht unter Naturschutz und wird seit 1998 auch vom Staat als geomorphologisches Naturdenkmal geschützt. Im Nordwesten der Schlucht stehen bis zu 100 Meter hohe Steinsäulen, die durch Erosion des Kalksteingebirges entstanden sind. Im Osten wird die Schlucht durch eine imposante Felswand begrenzt. Allerdings wird an der Schlucht auch schon seit 1930 an den Türmen geklettert. Doch Naturschutz und Kletterer haben sich bisher nicht negativ beeinflusst. Ein friedliches und rücksichtsvolles Miteinander zwischen Natur und Sportler ist hier bestens organisiert.

Um in die Schlucht zu gelangen, parkt man an dem beschilderten Parkplatz, der sich direkt an der Autobahn befindet. Von dort aus folgt man dem Themenpfad mit den entsprechenden Infoschildern. An diesen kann man sich auch gleichzeitig über die Entstehung der Steintürme umfassen informieren.

Nach etwa 600 Metern folgt der steile Abstieg in die Schlucht. Hier sollte man unbedingt trittsicher unterwegs sein und darauf achten keine Steine loszutreten, da sich häufig ein Klettergarten unterhalb des Weges befindet.

Nach gut 20 Minuten hat man das Zentrum der Türme erreicht und schnell fällt auf, was Vela Draga alles zu bieten hat. 11 (teilweise auch kleine) Sektoren mit über 60 Routen, die wiederum kleine Leisten, Überhänge und Platten haben, zeichnen die Schlucht aus. Eins ist sicher: Anfänger wie auch Profis werden hier glücklich. Vor allem die Ausgesetztheit an den Türmen ist reizvoll. Allerdings hat man dann doch ganz schön viel Luft unter dem Hintern und muss seine Psyche zu dem ein oder anderen Zug erst mal überreden. Doch die Aussicht über die Schlucht ist eine würdige Belohnung.

Après Climbing Programm

Wer nach dem Klettern eine Abkühlung sucht, oder den Flair des Mittelmeeres erleben möchte, der ist in Opatija genau richtig. Vor allem außerhalb der Hauptreisezeiten ist der Charme der Stadt ganz besonders. Den Strand hat man fast für sich alleine und zahlreiche Lokale laden dazu ein die kroatische Küche zu entdecken.

Quer durch Istrien

Weiter geht es quer durch ganz Istrien an die westliche Küste, an den bekannten Limski Kanal. Von vielen wird der Kanal oft fälschlicherweise als Fjord bezeichnet (aber ein Fjord entsteht durch einen Gletscher, der hier definitiv fehlt um von einem Fjord sprechen zu können). Der Limski Kanal ist vielmehr eine sogenannte Ria – eine schmale, lange und weit ins Landesinnere reichende Meeresbucht, die aus Flusstälern hervorgegangen ist. Nichts desto trotz erinnert der Kanal an einen Fjord.

Wie bei den vorherigen Örtlichkeiten, gibt es auch auch hier einen Campingplatz. Dieser befindet sich direkt am Kanal. Wer sich allerdings gegen das Campen entscheidet, kann auf eine der zahlreichen, günstigen Appartements zurückgreifen, die sich entweder Richtung Ronvinj im Süden oder Porec im Norden befinden.

Wir halten uns an das nördliche Ufer des Kanals und parken kurz vor einem großen Aussichtsturm mit Souvenirladen. Kurz an der Straße entlang und am Turm vorbei gelaufen, führt ein schmaler Pfad abwärts in den Wald. Da sich einige Wege bereits im Wald trennen, ist es hier am besten schon im Vorhinein entschlossen darüber zu sein, welcher der fünf Sektoren besucht wird. Schilder gibt es hier keine, aber mit ein wenig Orientierung ist man sicher unterwegs.

Nach etwa 20 Minuten erreicht man das Klettergebiet und hat einen wunderschönen Ausblick über den Fjord, nein sorry über die Ria, mit einigen Fischfarmen und dem bewaldeten Umland. Der Fels ist grau-gelb, schön kompakt und wieder findet man von sehr gemütlichen Touren bis hin zu technischen oder kräftigen Herausforderungen alles was das Herz begehrt. Die meisten Routen sind jedoch senkrecht bis leicht überhängend mit Slopern und guten Griffen.

Für die leichteren Touren sollte man beachten, dass die Absicherung zwar nach wie vor gut ist, aber die Hakenabstände teilweise etwas weitersind. Nicht jedermanns Sache aber auf jeden Fall noch vertretbar.

Da der Fels komplett südlich ausgerichtet ist, ist dieses Gebiet eher was zwischen Herbst und Frühjahr oder für späte Abendstunden mit Sonnenuntergang über dem Limski Kanal. Auch Familien können hier einen entspannten Klettertag genießen. Dabei sollte die Sonnencreme jedoch nicht vergessen werden. Ein wenig ungewohnt ist am Ende des Klettertages, dass man nicht entspannt zum Auto runterlaufen kann, sondern noch den kleinen Anstieg bewältigen muss. Aber nach so vielen schönen Eindrücken nimmt man diese Anstrengung eigentlich gar nicht mehr wahr.

Der besondere Charme Kroatiens

Um den Klettertag angemessen ausklingen zu lassen gibt es in Istrien dutzende Möglichkeiten. Ob größere Stadt an der Küste oder verschlafenes Dorf im Landesinneren, überall begegnet man herzlichen und freundlichen Menschen, bei denen man sich direkt zu Hause fühlt.

Wenn man die Nähe zum Meer sucht, sind vor allem Novigrad im Westen und Opatija im Osten empfehlenswert. Bezaubernde Gassen, kleine Cafés und ausgedehnte Strände mit kleinen Häfen laden zum Seele baumeln und entspannen ein.

Nach einem anstrengenden Klettertag die Füße in das noch laue Meer hängen lassen oder noch direkt am Klettergarten den Sonnenuntergang genießen, die Farben, die der kroatische Horizont zu bieten hat, sind einzigartig und genauso ist das Klettererlebnis in diesem kleinen Land.

Nur die selbstgebrannten Schnäpse der Kroaten sind definitiv mit Vorsicht zu genießen. Denn hier ist der Alkoholgehalt teilweise so hoch, dass man auch am nächsten Tag noch meint, man hat ein Zwillingsseil statt dem eigentlichen Einfachseil dabei. Doch auch eine solche Erfahrung bereichert einen Klettertrip enorm.

Ein paar Fakten zur Orientierung

Kompanj Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz bei Klobasi
  • Zustieg: 15 Minuten, gut beschildert
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: Sinter-, Platten-, Überhang-, Wandkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 5c bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Kamena vrata Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Fluss kurz nach Buzet
  • Zustieg: 5 Minuten, nicht zu verfehlen
  • Ausrichtung: Südöstlich
  • Charakter: Platten-, Wand-, Sinterkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 50 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4c bis 8a+
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Vela Draga Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz „Vela Draga“ direkt an der Autobahn
  • Zustieg: über Themenpfad, gut beschildert
  • Ausrichtung: Nordöstlich
  • Charakter: Leisten-, Überhang-, Plattenkletterei
  • 11 große und kleine Sektoren mit etwa 60 Routen
  • Schwierigkeit: 4a bis 7b
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Bedingt familienfreundlich (steiles Gelände im Zustieg), gute Absicherung

Limski Kanal Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz kurz vor dem Aussichtsturm direkt an der Straße
  • Zustieg: nach dem Aussichtsturm Pfad abwärts in den Wald
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: senkrechte und überhängende Klettereien
  • 5 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4b bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 80 Meter Seil
  • Familienfreundlich, gute Absicherung

Materialinfo: Was ist Modal Stoff?

26. September 2018
Ausrüstung

Modal. Diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn klingt das Wort doch tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.

Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.

Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoorboom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an Materialien (wie Modal) sprunghaft.

Synthetik oder Natur?

Bei Modal handelt es sich um eine Faser, die aus dem Holz der Buche gewonnen und in einem chemischen Prozess verarbeitet wird. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.

Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.

Zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten wurden entwickelt: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.

Wie wird es hergestellt?

Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für Modal. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese werden in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse aufbereitet und anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammengesponnen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.

Eigenschaften

Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist Modal deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.

Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist Modal sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.

Bislang wird Modal vor allem in Fasermischungen verarbeitet, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.

Haptik und Tragegefühl

Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.

Da wundert es also kaum, dass Modal als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden wird. Modal wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.

Eignung im Outdoorbereich

Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.

Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.

Einordnung und Vergleich

Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und wird wohl nur noch von Tencel-Lyocell überboten. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (die österreichische Lenzing AG) produziert, weshalb Modal auf Dauer leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein dürfte. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.

Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt Modal als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung von Modal werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien zu 95 % hergestellt.

Pflege

Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn Modal pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege ihr Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für die hier abschließenden, einfachen Tipps:

  • Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
  • Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
  • Man kann Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allredings ein wenig knittert, ist das in aller Regel überflüssig.

Paraclimbing – kein Platz für Schubladen

21. August 2018
Die Bergfreunde

Wenn jemand mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung klettern geht, dann nennt man das Paraclimbing. Die Einschränkungen, mit denen Paraclimber konfrontiert werden, können sehr unterschiedliche Ursachen haben, wie etwa Amputationen, Lähmungen oder extreme Sehschwächen, bis hin zur absoluten Blindheit. In den Kletterhallen sieht man bisher nur selten Kletterer mit Handicap und nur wenige wissen, dass man in der Vertikalen trotz allem sehr gut zurechtkommen kann.

In Deutschland ist das Klettern für Behinderte noch unterrepräsentiert, doch es gibt ein wachsendes Engagement in Form von Kletterkursen und Wettkämpfen, die explizit für Kletterer mit Handicap ausgelegt sind.

Viele Paraclimber berichten von einem neuen Lebensgefühl, das ihnen das Klettern gegeben hat. Sie haben Spaß daran, sich mit den Routen auseinanderzusetzen und entwickeln einen großen Ehrgeiz, um neue Ziele aus eigener Kraft zu erreichen. Diese gewonnene Erfahrung lässt sich für die Kletterer dann auch häufig in den Alltag übertragen.

Ein Wettkampf mit sich selbst

Wer in unserer Gesellschaft mit einer Behinderung lebt, trifft auf Hindernisse – unweigerlich. Eigentlich eine Art Analogie zum Klettern, denn an der Wand ist man ja auch permanent damit beschäftigt, Hindernisse zu überwinden. Ist der Klettersport am Ende ein großer Gleichermacher?

Man könnte fast darauf kommen, denn im Gegensatz zu anderen Behindertensportarten werden beim Paraclimbing keine zusätzlichen – und oft sehr teuren – Hilfsmittel benötig. Deshalb besteht die größte Hürde meist darin, sich zu überwinden und den ersten Schritt zu wagen. Schön ist es, wenn Vorbilder im Paraclimbing zeigen, dass man mit ein wenig Training und Willenskraft die ersten Züge oder Routen schaffen kann und auf die eigene Leistung stolz sein darf.

Davon berichtet beispielsweise die Paraclimbing Weltmeisterin Melinda Vigh in einem Interview mit der Tageszeitung TAZ: „Klettern hilft mir, die Perspektive zu wechseln. Weil man das für schwere Routen braucht. Das kann ich auf das Leben außerhalb der Kletterhalle übertragen“.

Durch die ständige Anpassung an die wechselnden Ansprüche im Klettern steht man jedes Mal vor einer neuen Hürde, die es zu überwinden gilt. Doch ist diese gemeistert, kommt der Gedanke „Ich kann‘s ja doch, geil!“. Mit der wachsenden Erfahrung entwickelt man ein neues Körpergefühl und Selbstbild. Damit gehen die Paraclimber dann in den Alltag zurück und versuchen, eigenständig Lösungen für aufkommende Probleme zu finden (und das finden sie auch). Ebenfalls gibt ihnen das verbesserte Körpergefühl Sicherheit – sich im Alltag zu bewegen und ihrem Körper zu vertrauen.

Umso besser ist es, wenn es für die Betroffenen die Möglichkeit gibt, das Klettern mit Behinderung genauer kennen zu lernen. Dazu gehören zum Beispiel Inklusionsgruppen in den Kletterhallen und Wettkämpfe, wie der erste nationale Paraclimbing Cup in der DAV Kletterhalle in Karlsruhe.

Erster nationaler Paraclimbing Cup Deutschland

Dieses Jahr hat der erste nationale Paraclimbing Cup in der Kletterhalle der DAV Sektion Karlsruhe stattgefunden. Schon bei der Planung ihrer Kletterhalle hat die Sektion das Thema Inklusion berücksichtigt und die gesamte Halle barrierefrei gestaltet. So kann sich die Inklusionsgruppe der Sektion wöchentlich zum Klettern treffen und in ihrer Teilnehmerzahl wachsen. Durch den Erfolg dieses Angebots fühlten sich die Betreiber motiviert, den ersten nationalen Paraclimbing Cup in Karlsruhe zu veranstalten.

Mit knapp 75 Teilnehmern war die Halle prall gefüllt. Mitmachen durfte natürlich jeder: vom Anfänger bis hin zum Leistungssportler. Sogar die Athleten des DAV Paraclimbing Nationalkaders waren dabei. Das führte zu einer schönen Mischung aus Hobby- und Leistungssportlern und erfüllte den Tag ganz nach dem Motto „Bei uns ist jeder ein Gewinner“.

Denn das Ziel der Veranstaltung war es nicht, den besten Paraclimber Deutschlands ausfindig zu machen, sondern eine Kulisse zu bieten, in der sich die Kletterer mit Handicap kennen lernen und austauschen konnten – und natürlich weniger erfahrenen Paraclimbern einen Rahmen zu geben, um sich weiter auszuprobieren.

Letztendlich entwickelte sich eine lockere Atmosphäre, in der die Teilnehmer großen Spaß hatten, was sich in diversen offenen Gesprächen zeigte. So erzählte eine Teilnehmerin, es sei echt super, so viele starke Kletterer zu sehen von denen sie lernen könne. Am Ende stand auch sie grinsend auf dem Treppchen.

Wenn diese positiven Erlebnisse nun Andere dazu motivieren, solche Events zu planen, wäre das genau der Erfolg, den sich die Veranstalter wünschen. Sie möchten nämlich diese kleine Sparte unseres Sports vorantreiben. In diesem Sinne: Danke an die Helfer der DAV Sektion Karlsruhe für das große Engagement!

Paraclimbing als Wettkampfformat

Wie in vielen anderen Sportarten, gibt es natürlich auch im Paraclimbing ganz offizielle Weltmeisterschaften. Es kommt unweigerlich die Frage auf, wie viele unterschiedliche Wertungsgruppen es wohl geben wird. Schließlich hat ein erblindeter Sportler ganz andere Hindernisse zu überwinden, wie ein amputierter. Wie kann da ein fairer Wettkampf stattfinden? Wir schauen uns das mal an…

Wie wird geklettert?

Selbst wenn viele Teilnehmer den Vorstieg sicher beherrschen, wird in den Wettkämpfen generell im Toprope geklettert. Wie bei den anderen Weltmeisterschaften gewinnt dann die Person, welche die meisten Züge in der Finalroute schafft. Wenn mehrere Kletterer die gleiche Anzahl an Zügen schaffen, gewinnt der schnellste. Wer sich das einmal genauer anschauen möchte, kann sich die Replays der Paraclimbing Weltmeisterschaft von diesem Jahr auf YouTube anschauen – es lohnt sich!

(Un)Fair?

Paraclimbing ist eine vergleichsweise junge Kletterdisziplin, die erst seit 2011 vom International Federation of Sportclimbing (iFSC) veranstaltet wird. Seither gibt es regelmäßig Weltmeisterschaften im Paraclimbing, an denen unter anderem auch schon deutsche Kletterer auf dem Podium standen.

Durch die großen Unterschiede in Bezug auf die jeweiligen Einschränkungen fällt eine faire Einteilung in Leistungsklassen allerdings schwer.

Um die Leistungen der Kletterer mit Behinderung dennoch so objektiv wie möglich zu vergleichen, gibt es offizielle Regelungen der iFSC. Hier werden die Kletterer abhängig vom Handicap in verschiedene Kategorien eingeteilt. Je nach Wettkampfgröße gibt es dann auch eine Unterteilung in die jeweiligen Schweregrade der Einschränkung (1 bis 3).

Daraus ergeben sich bei den internationalen Wettkämpfen folgende Klassen:

  • „B“ – Blinde Athleten (1 bis 3)
  • „AL“ – Athleten mit Beinamputation (1 bis 3)
  • „AU“ – Athleten mit Armamputation (1 bis 3)
  • „RP“ – Athleten mit neurologischer Beeinträchtigung (1 bis 3)

Auf einer WM wird eine Kategorie jedoch nur gebildet, wenn mindestens 6 Athleten aus 4 verschiedenen Nationen teilnehmen. So kommt es dann doch vor, dass es zu nicht ganz „fairen“ Zusammensetzungen kommt. So kletterte zum Beispiel eine amerikanische Teilnehmerin mit nur einem Arm in einer Kategorie mit Teilnehmern, denen lediglich die Hand fehlt. Durch den Mangel an Mitstreitern war es nicht anders möglich. Wenn sie teilnehmen wollte, musste sie das Klettern unter ungleichen Voraussetzungen akzeptieren.

Die Paraclimber hoffen, dass mit steigender Bekanntheit und der damit verbundenen höheren Teilnehmerzahl die Kategorien stärker ausdifferenziert werden können, um faire Bedingungen zu schaffen. Solange gilt immer noch: „Dabei sein ist alles!“

Fest steht: Es ist war und ist sehr beeindruckend, welche Leistungen Paraclimber an die Wand bringen und wieder einmal ein guter Grund, etwaige Vorurteile in der Schublade zu lassen.

Verletzungsfrei Klettern: Aufwärmen, aber richtig!

26. September 2018
Tipps und Tricks

In den bisherigen Artikeln habe ich dir erzählt, wie du mit spezifischem Training die Kletterleistung schrittweise verbessern kannst. Dabei habe ich jeweils erwähnt, dass ein angemessenes Erwärmen notwendig ist, bin aber nicht genauer darauf eingegangen, wie es aussehen soll. Warum du ein Warm-up als essenziellen Bestandteil deines Trainings sehen solltest und nach welchen Prinzipien es strukturiert werden sollte, beschreibe ich dir in diesem Artikel. Aber Achtung: Mein Ziel ist es nicht, dir hundert verschiedene Übungen zu zeigen, sondern, dich für das Thema Warm-up zu sensibilisieren, einige empfehlenswerte Übungen dazu werden in den kommenden Wochen auf dem Bergfreunde YouTube-Kanal folgen.

„Kaffee ist integraler Bestandteil des Kletterns“ Wolfgang Güllich

„Aufwärmen ist integraler Bestandteil des Kletterns“ Ich ;)

Warum aufwärmen?

Dass das Aufwärmen vor dem Sport wichtig ist, wissen viele, aber nur selten wird es konsequent durchgeführt. Vielleicht kennst du das miese Seitenstechen, wenn du deine Joggingrunde zu früh mit einer hohen Geschwindigkeit begonnen hast. Oder wenn du beim Klettern zu früh in anspruchsvolle Touren gehst und die Unterarme sofort anfangen zu brennen – dann spürst du den sogenannten Flash-Pump.

Ein angemessenes Warm-up reduziert nicht nur die Wahrscheinlichkeit für diesen Flash-Pump oder das Seitenstechen, sondern bereitet auch Körper und Psyche auf die kommende Belastung vor und reduziert so zum Beispiel das Verletzungsrisiko.

Mit einem guten Warm-up erhöht sich die generelle Leistungsbereitschaft des Körpers erheblich. Dadurch ermöglicht es ein effizientes Training beziehungsweise die optimale Leistungsbereitschaft für dein aktuelles Projekt. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, währenddessen in deinen Körper hineinzuhören: Reicht deine aktuelle Tagesform für eine intensive Session aus, oder solltest du dich doch lieber ein bisschen schonen?

Ein gutes Warm-up führt zur:

  • Aktivierung der Muskulatur
  • Erhöhten körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Reduzierten Verletzungsanfälligkeit
  • Verbesserten Koordination
  • Erhöhten Aufmerksamkeit

Was passiert, wenn ich mich nicht aufwärme?

Wenn du kein Warm-up vor dem Training durchführst, wirst du schneller ermüden. Da dein Körper noch im Ruhezustand ist, werden der Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem nicht in der Lage sein, aufkommende Stoffwechsel-Produkte zu verarbeiten. Folglich wird sich das Laktat in der Muskulatur schneller anhäufen. Laktat ist eine der Ursachen für das Brennen der Muskulatur, das du bei erhöhter Anstrengung spürst. Dann kommt es zum Flash-Pump, bei dem die Unterarme von Beginn an „zu“ gehen. Aber nicht nur das, du bist auch anfälliger für Verletzungen.

Der Verzicht auf ein Warm-up führt zu:

  • Schneller Ermüdung
  • Flash-Pump
  • Höherer Verletzungs-Wahrscheinlichkeit

Welche Auswirkungen hat ein Warm-up?

Erhöhen der Körpertemperatur

Die größte Rolle im Warm-up spielen die Körperkerntemperatur, sowie die Temperatur der Arbeitsmuskulatur. Im aufgewärmten Zustand arbeiten der gesamte Stoffwechsel und der Bewegungsapparat wesentlich effizienter.

Ganz allgemein wird durch ein angemessenes Aufwärmen das gesamte Gewebe in deinem Körper auf die kommende Belastung vorbereitet. Es wird durch die höhere Temperatur elastischer und folglich weniger anfällig für Zerrungen oder ähnliche Verletzungen.

Verbesserte Körperwahrnehmung und Koordination

Bei der richtigen Temperatur können Nervenfasern die ankommenden Bewegungssignale schneller an die Muskulatur leiten, gleichzeitig erreichen sensorische Signale schneller das Gehirn. Dadurch verbessern sich deine Körperwahrnehmung und deine Reflexe, um auf mögliche Ausrutscher beim Klettern schneller reagieren zu können.

Vorbereitung der Gelenke auf die kommende Belastung

Je wärmer die Gelenke sind, umso flüssiger wird die „Gelenkschmiere“, sodass die Gelenke sozusagen besser geölt sind. Zusammen mit der besser arbeitenden Muskulatur hast du dann auch eine verbesserte Beweglichkeit. Außerdem sind aufgewärmte Gelenkknorpel weniger anfällig auf Druck- und Reibungskräfte, wodurch Knorpelschäden unwahrscheinlicher werden.

Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems

Die erhöhte Temperatur aktiviert zusätzlich die Herz-Kreislauf-Funktionen. Das Herz erhöht die Anzahl der Pulsschläge und die Blutgefäße erweitern sich. So kann mehr Blut vom Herzen zur Muskelzelle fließen. Gleichzeitig können die einzelnen Blutzellen mehr Sauerstoff aufnehmen. So gelangt mehr Blut und Sauerstoff in die Zellen. Dadurch verbessern sich die Nährstoffzufuhr und der Abtransport von Abbaustoffen.

Verbesserte Konzentrationsfähigkeit

Da nicht nur die Muskulatur stärker durchblutet wird, sondern auch das Gehirn, kannst du dich besser konzentrieren.

Reduzierung von Nervosität und Ängsten

Falls du vor bestimmten Leistungssituationen Nervosität an den Tag legst oder gar Angst hast, kannst du sogar diese negativen Effekte durch ein Aufwärmtraining besser in den Griff bekommen.

Worauf ist bei einem Warm-up fürs Klettern oder Bouldern zu achten?

Wie lange ein Warm-up dauern sollte, wird von sehr vielen Einflussfaktoren bestimmt. Wie schnell der Körper seine Leistungsbereitschaft entwickelt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Manch einer benötigt eine ganze Stunde spezifischen Aufwärmens um richtig warm zu werden, ein Anderer ist nach der ersten Aufwärmroute schon in seinem Langzeitprojekt. Deine eigene Aufwärmzeit und -struktur kannst du nur feststellen, indem du ein paar Erfahrungen mit verschiedenen Aufwärmeinheiten hast.

Generell gilt: Nimm‘ dir lieber etwas zu viel Zeit als zu wenig.

Um zu entscheiden, wie du dich am besten aufwärmst, solltest du dir zunächst die Frage stellen: Welche sportlichen Ziele habe ich heute? Dabei solltest du die Art der Belastung und deine aktuelle Tagesform berücksichtigen. Ein Warm-up kann dir sogar helfen aus einem schlappen Tag einen Leistungstag zu machen. Erfahrungsgemäß dauert das Aufwärmen dann länger als sonst. Ohne dich zu kennen und zu wissen was du so trainieren oder projektieren möchtest, empfiehlt sich generell gesagt ein Warm-up von mindestens 20 Minuten. Dabei solltest du folgende Bausteine einbeziehen, die du individuell an deine Bedürfnisse und Ziele anpassen kannst:

  • Generelles Aufwärmen zur Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems
  • Spezifisches Aufwärmen zur Vorbereitung des Muskel-Skelett-Apparats

Generelles Aufwärmen

Das Ziel eines generellen Aufwärmens ist es, die Gewebetemperatur zu erhöhen. Hierzu empfiehlt sich eine moderate Ausdauerbelastung (so dass du dich ohne Probleme unterhalten könntest) von 5 bis 15 min. Hier kannst du Übungen wie Laufen, Radfahren (z.B. auf dem Weg in die Kletterhalle), Seilspringen oder Hampelmänner anwenden. Während der ersten 5 Minuten erhöht sich die Körpertemperatur am stärksten. Daher solltest du dem generellen Aufwärmen mindestens 5 Minuten widmen.

Zur Verletzungsvermeidung ist die Erhöhung der Muskeltemperatur der wichtigste Bestandteil des Warm-ups. Falls du einmal weniger Zeit haben solltest, führe vor der Belastung zumindest ein generelles Warm-up durch!

Spezifisches Aufwärmen

Der spezifische Teil des Aufwärmens soll deine Muskeln auf die kommende Bewegung vorbereiten. Je intensiver deine Trainingssession oder das noch offene Projekt ist, desto länger solltest du dich mit der richtigen Vorbereitung befassen.

Berücksichtige hier ebenfalls deine Tagesform und persönlichen Stärken bzw. Schwächen. Folgende Punkte solltest du in ein spezifisches Warm-up einbauen:

Kletterspezifische Muskulatur

Hierzu gehören natürlich die Arm- und Schultermuskulatur. Aber auch die Core-Muskulatur sollte ausreichend vorbereitet werden. Sind in deinem aktuellen Projekt zum Beispiel auch anspruchsvolle Heelhooks, dann sollte natürlich auch die hintere Beinmuskulatur vorbereitet werden.

Die schlafenden Muskeln wecken

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen und wird daher von verschiedenen großen und kleinen Muskeln stabilisiert. Diese Eigenschaft ist wichtig, um einen großen Bewegungsraum zu ermöglichen. Dadurch erhöht sich allerdings auch die Verletzungsgefahr.

Die großen Muskeln formen den typischen Kletterrücken und bei vielen Bewegungen nehmen sie den kleinen Muskeln die Arbeit ab. So kann es sein, dass die kleinen Muskeln bei einem Warm-up nicht richtig aktiviert werden, obwohl sie zur Stabilisation der Schulter einen großen Beitrag leisten. Achte darauf, auch diese in dein Warm-up miteinzubeziehen.

Dynamisches Dehnen

…ein viel diskutiertes Thema in den letzten Jahren und es gibt vermutlich noch für eine Weile keinen wahren Konsens.

State of the Art ist es, sich vor der Belastung alleine dynamisch und nur kurz zu dehnen (max. 30 sec). Damit ist ein Dehnen gemeint, bei dem man immer nur leicht in die Dehnung hineinwippt. Es hat sich nämlich gezeigt, dass sich die Kraftfähigkeit nach einem langen statischen Dehnen verringert. Solche Dehnübungen kannst du nach deinem Training oder an einem separaten Tag durchführen.

Klettern mit steigendem Schwierigkeitsgrad

Zum Abschluss kannst du dich auch noch auf die eigentlichen Kletterbewegungen einstimmen. Ziel dieses Warm-up-Bausteins ist es, dich auf die Bewegungen und die gegebenen Bedingungen vorzubereiten, sowie die Durchblutung der Armmuskulatur nochmals anzuregen. Dazu beginnst du in leichten Routen (etwa drei Grade die deutlich unter deinem maximalen Kletterniveau liegen). Ist dir das zu langweilig, kannst du währenddessen spielend verschiedene Techniken ausprobieren.

WICHTIG: Hier geht es nicht darum, anderen zu zeigen, dass du dich in harten Routen aufwärmen kannst, sondern darum, sich passend aufzuwärmen. Nach ca. 5 bis 10 Minuten leichter Kletterei beginnst du damit, schwierigere Routen zu klettern, um perfekt auf dein Projekt vorbereitet zu sein. Denke dabei auch daran angemessene Pausen einzubauen.

Falls du an diesem Tag kein Klettertraining beabsichtigt hast, sondern ein Fingertraining oder Ähnliches, kannst du dich auch hier mit einem steigenden Schwierigkeitsverlauf der Übungen auf die kommende Belastung vorbereiten.

Das waren jetzt die Basics, auf die du achten solltest. Falls du individuelle Problemzonen hast (Finger, Schulter, etc.) spreche bitte mit einem Sportorthopäden oder Physiotherapeuten, der dir genaue Auskunft darüber geben kann worauf du im Speziellen achten solltest.

Nach dem Warm-up

Hast du dich für dein Projekt aufgewärmt, kann es Sinn machen, dir etwas Warmes überzuziehen und dir einige Minuten Beruhigungszeit zu geben. So kannst du dich mental auf die kommende Leistung vorbereiten und beispielsweise nochmals die Crux Sequenzer im Gedanken durchgehen.

Hast du noch Fragen, kannst du uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen. Und ansonsten wünschen wir dir gutes Aufwärmen und ein tolles Kletterprojekt!

Rucksackapotheke für die Erste Hilfe

26. September 2018
Tipps und Tricks

Kann man dieses Thema nicht schnell abhaken? Man braucht doch schließlich nur eines der vielen fertig gepackten Erste-Hilfe-Sets zu kaufen und gut ist. Meistens ist da ja sogar noch eine Bedienungsanleitung drin, die ich mir im Notfall immer noch schnell durchlesen kann. Und überhaupt, diese Notfälle sind doch eher Theorie, bei mir wird sowas eh nie eintreten. Oder?

„Ich hab das voll im Griff und bin eh vorsichtig“

Als sehr junger Bergfreund habe ich selbst so gedacht (bzw. darüber überhaupt nicht nachgedacht) und Erste-Hilfe-Sets eher immer für ein optionales Extra gehalten. Das hat sich dann allerdings schnurstracks geändert als ich binnen weniger Jahre viermal Situationen am Berg erlebt habe, in denen Erste-Hilfe-Zeug zum Einsatz kam – davon einmal an mir selbst. Das hat mich von der Notwendigkeit des Ganzen ziemlich überzeugt.

Außerdem lernte ich von da an, dass es immer besser ist wenn man lieber zu viel als zu wenig Material dabei hat. So hat bei meinem eigenen Unfall zum Beispiel ein zufällig in der Nähe befindlicher Rettungssanitäter mehrere Rollen Verband als Blutstiller in meinem offenen Schienbein verschwinden lassen, bevor er das Ganze mit einem weiteren Verband umwickelte und (zu meinem Leidwesen) kräftig zusammendrückte. Womöglich war es jedoch gerade dieser kreative Einsatz an reichlichem Material, der mir die eigentlich vorprogrammierte Infektion, der über eineinhalb Stunden unbehandelten Wunde, erspart hat. Die paar Gramm Zusatzgewicht für Verbandsmaterial können sich also durchaus lohnen!

Und noch eine Lektion habe ich gelernt: auf schnelle oder gar sofortige Hilfe per Handyanruf sollte man sich NICHT verlassen – nicht einmal im deutschen Alpenraum. Auch heutzutage gibt es im Gebirge überall Zonen und Winkel, die ohne Netzabdeckung sind.

Befindet sich in solch einer Zone mal ein Verletzter, der sich nicht bewegen kann und von keinem weiteren Gruppenteilnehmer umgeben ist, der Hilfe holen kann, bleibt nur noch das alpine Notsignal. Dieses besteht aus sechs akustischen und/oder optischen Hilferufs-Signalen, die pro Minute ausgesendet werden. Diese Signale verlaufen dabei so, dass eine Minute lang die sechs Signale erzeugt werden, dann eine Minute Pause folgt und danach für eine Minute weitere sechs Signale einsetzen. Eine eventuelle Antwort besteht dabei aus drei Signalen pro Minute.

Auch Signalraketen könnten hier sinnvoll sein und das selbst in alpinen Gebieten, die nicht abgelegen oder einsam sind.Warum? Auch viel frequentierte Bergmassive haben Routen in unübersichtlichem Gelände, mit versteckten Ecken und Winkeln. Im Falle eines Unfalls kann das laute Leuchtgeschoss der entscheidende Hinweis für suchende Retter sein.

„Ab wann“ wird das Erste-Hilfe-Set zur Pflicht?

Mittlerweile habe ich selbst bei leichten Wanderungen, meist auch beim Ausflug zum Klettergarten, das Erste-Hilfe-Set im Rucksack dabei – quasi fest installiert in der Deckeltasche.

Und apropos Klettergarten: erstaunlicherweise scheint es als normal zu gelten, beim Sportklettern KEIN Erste-Hilfe-Set dabei zu haben, obwohl das Verletzungsrisiko dort sicher nicht geringer ist als bei Bergwanderungen. Viele verlassen sich hier wohl darauf, dass im Notfall schon irgendjemand irgendwas dabei haben wird.

Andererseits: klar, wenn man wirklich auf Nummer sicher gehen wollte, müsste man wohl auch beim Radeln in der Innenstadt ein Set dabei haben. Das wäre vielleicht übertrieben, doch bei allen „kleineren“ Unternehmungen ist die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets eben eine individuelle, subjektive Entscheidung.

Ein wirkliches Argument gegen die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets gibt es jedenfalls nicht. Nicht einmal der Gewichtseinwand, da die allermeisten Artikel im Erste-Hilfe-Set so wenig wiegen, dass die meisten Bergfreunde den Unterschied, ob sie dabei sind oder nicht, kaum merken.

Bei „richtigen“ Bergtouren und Klettereien, die über einen ganzen Tag und länger hinweg dauern, ist die Sache hingegen klar: kein Erste-Hilfe-Set = fahrlässige Dummheit. Den unverzichtbaren Erste-Hilfe-Bedarf für solche Zwecke schauen wir uns nun einmal gemeinsam näher an:

Der Inhalt der Rucksackapotheke

Die meisten der folgend aufgezählten Dinge sind schon in den kleineren Basic-Sets enthalten. Die etwas größeren Sets hingegen enthalten oftmals viel zusätzliches Material zur Wundbehandlung, an dem man für kleine, einfache Touren durchaus abspecken kann. An anderen Dinge (vor allem an Medikamenten) wird man hingegen aufstocken müssen.

Meist empfiehlt es sich deshalb das gekaufte Set an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen und mit einem Einkauf in der Drogerie und Apotheke zu vervollständigen. Manche der entsprechenden Artikel gibt es auch hier im Bergfreunde Shop – neben zahlreichen verschiedenen Erste-Hilfe-Sets für unterschiedliche Bedürfnisse und Reisearten.

Für den Umfang gibt es eine simple Regel: je länger, abgelegener und riskanter/verletzungsträchtiger die Unternehmung, desto umfangreicher die Apotheke. Ihre Zusammensetzung ist vor allem vom Reiseziel abhängig. Wir befassen uns in der folgenden Auflistung „nur“ mit der Ausstattung für Bergwanderungen und alpine Touren. Fernreisen in Dschungel, Wüsten und andere exotische Destinationen erfordern jeweils andere spezielle Zusammensetzungen. Ähnliches gilt für Familienausflüge, bei denen man zwar vermutlich weniger mit großen Wunden, mehr dafür aber mit anderen Dingen wie allergischen Reaktionen oder kleineren Verbrennungen rechnen muss.

Dies wäre eine Auflistung unserer Must-Have-Utensilien, die in der Erste-Hilfe-Tasche nicht fehlen sollten:

  • Verbandsschere: Sie sollte scharf aber nicht spitz sein, denn es kann auch schon mal vorkommen, dass es schnell gehen muss. Die Schere am Taschenmesser oder die Nagelschere im Kulturbeutel kann natürlich auch benutzt werden. Sicherlich ist diese aber nicht steril.
  • Pinzette: Sie eignet sich u.a. zum Entfernen von Splittern. Bei Touren durch viel Wald, Gebüsch und Unterholz lohnt es sich zusätzlich eine Zeckenzange mitzunehmen.
  • Rettungsdecke: Zum Schutz vor Kälte oder UV-Strahlung während des Wartens auf Rettung.
  • Signalpfeife: Für das alpine Notsignal.
  • Sortiment Pflaster (Wundschnellverband): Diese sollte man sortiert in mindestens zwei verschiedenen Größen einpacken.
  • Blasenpflaster: Für kleinere Touren sollten 2-3 Pflaster reichen. Für längere Touren lohnt es sich nochmals an 2-3 weiteren Pflastern aufzustocken.
  • Sterile Wundauflagen/Kompressen: Auch hier reichen für kleinere Touren 2-3 Wundauflagen zum Abdecken größerer Wunden/Verletzungen. Für ernstere Touren sollten jedoch wieder 2-3 mehr eingepackt werden.
  • Tape: 1 Rolle Tape ist perfekt! Tape ist vor allem unentbehrlich, da es auch für Notreparaturen an der Outdoorausrüstung einsetzbar ist.

  • Verbandspäckchen: Für einfache Touren sollte 1 großes und 1 kleines Verbandspäckchen (am besten mit fixierter Wundauflage/Kompresse) im Gepäck sein. Bei größeren Touren sollten zusätzlich 2 elastische Verbandsrollen (möglichst selbstklebend, um leicht fixierbar zu sein und besseren Halt bei beispielsweise verstauchten Knöcheln zu geben) in die Erste-Hilfe-Tasche wandern.
  • Dreiecktuch: Bei einfachen Touren genügt 1 Dreiecktuch zum Stabilisieren von Gelenken und Schienen bei Brüchen. Bei größeren Touren sollte zusätzlich an einem Verbandtuch (Maße 40 x 60 cm) zum Abdecken großflächiger Verletzungen aufgestockt werden.
  • Einmalhandschuhe: und/oder 2-3 Reinigungstücher.
  • Wunddesinfektionsmittel: (Zum Beispiel Alkoholgel oder Alkoholtücher)
  • Kühlmittel: (Voltaren, Biofreeze, o.a.)
  • Schmerzmittel: (Paracetamol, Ibuprofen (wirkt auch gegen Höhenkopfschmerzen))

Extras für große Touren in abgelegenem Terrain:

  • Wundnahtstreifen/Klammerstreifen: Zum Verschließen klaffender (Platz)Wunden, die man ohne Nadel und Faden behandeln muss. Allerdings rollt sich das Gewebe bei größeren Wunden zur Verhinderung von Blutverlust an den Wundrändern ein, sodass sie, wenn überhaupt, nur direkt nach der Verletzung zusammengehalten werden können.
  • Sam Splint Schiene: Zum Schienen von Brüchen. Eine leicht gepolsterte Leichtmetallschiene ist empfehlenswert, da sie sich in fast alle Richtungen biegen lässt.
  • Fieberthermometer: Dieses sollte robust sein, sodass es während der Tour möglichst nicht kaputt gehen kann.
  • Kohletabletten: Besonders hilfreich, wann immer einen Montezumas Rache ereilt. Und das kann bei fremdländischer Küche schneller der Fall sein, als man denkt.
  • Wasseraufbereiter oder -Desinfektion: Hilft, die vorherige Problematik zu umschiffen. Die Tabletten oder Tropfen passen ebenfalls ganz easy ins Erste-Hilfe-Pack.

Für wochenlange Trekkings oder Expeditionen empfiehlt das Bergsteiger-Magazin die Nutzung weiterer Taschen als variablen Stauraum. Dort „finden diverse Medikamente, Hydratationspulver, Wundspülungen (Care Plus) etc. [ihren] Platz.

Optional/Spezialbedarf:

  • Brand- und Wundsalbe
  • Medikament gegen Höhenkrankheit
  • individuell benötigte Medikamente wie zum Beispiel Antihistaminika für Allergiker

Auf den ersten Blick sieht die Liste vermutlich nach ziemlich viel Ballast aus. Wenn man all das allerdings einmal zusammenpackt, dürfte man kaum über 500 g Gewicht kommen. Und zum Vergleich: die größten, für mehrere Verletzte befüllten Sets, in denen weitere Dinge wie Beatmungstuch, Lippenbalsam und Blutlanzetten integriert sind, wiegen um die 850 Gramm.

Rucksackapotheke für größere Gruppen

Der eben genannte Bedarf reicht in aller Regel für kleinere Gruppen bis etwa 4 Personen aus. Einen Unfall trifft oftmals „nur“ ein Gruppenmitglied. Doch man weiß nie, ob der Steinschlag oder der Seilschaftssturz nicht auch mal mehrere Bergfreunde zugleich erwischt.

Meistens ist das Erste-Hilfe-Set auch dann greifbar, selbst wenn derjenige, der es im Rucksack hat, selbst der Verunglückte ist. Natürlich kann man aber auch hier nicht darauf zählen, weshalb man für Gruppen eigentlich nur eine Empfehlung geben kann: je mehr Erste-Hilfe-Sets dabei sind, desto besser. Es dürfte auch besser sein, wenn mehrere Teilnehmer ein kleineres Set bei sich tragen, als wenn einer ein Riesen-Set mit sich trägt.

Last but not least: die Erste-Hilfe-Tasche

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Hülle der Bergapotheke sollte passen. Bei kleinen Sets ist der Nachteil, dass der Inhalt oft in einen Beutel „gestopft“ ist, den man dann im Fall eines Unfalls durchwühlen muss. Die allermeisten Outdoor-Erste-Hilfe-Taschen sind jedoch entsprechend durchdacht. Sie bestehen aus robustem Nylon und sind dank Rundumreißverschluss, wie ein Mini-Koffer, aufklappbar. Die besten Taschen lassen sich mehrfach aufklappen, haben durchsichtige Innentaschen und Fächer, und sind übersichtlich geordnet. Viele Sets lassen sich zudem außen am Rucksack oder am Gurt befestigen, wodurch sie immer gut sichtbar und schnell greifbar sind.

Fazit

Der Überblick soll euch hoffentlich gezeigt haben, dass die Erste-Hilfe-Tasche ein absolut Muss im Outdoor-Gepäck ist. Bevor man an ihr einspart, sollte lieber auf ein anderes Outdoor-Gadget verzichtet werden. Mit gutem Gewissen kann man so auf jeden Fall das bisschen Gramm des Erste-Hilfe-Sets auf seinem Rücken tragen und in einer Notfallsituation entsprechend agieren. Trotz allem Risiko und aller Vorsichtsmaßnahme hoffen wir jedoch natürlich, dass das Erste-Hilfe-Set bei euch nie in einen ernsteren Einsatz kommen muss.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Tschüss Käsefüße – Outdoor Socken waschen leicht gemacht

7. September 2018
Pflegetipps

„Pfui Teufel! Bleib mir bloß weg mit deinen Käsemauken!“ Das oder etwas Ähnliches haben wir sicher alle schon des Öfteren nach einem langen Fußmarsch zu hören bekommen. Ganz klar, der natürliche Fußschweiß, die Feuchtigkeit und Bakterien haben über den Tourentag ganze Arbeit geleistet und die Socken in eine pestilenzartige Muffeloase verwandelt. Aber auch Matsch, Laub und ähnlicher Unrat, der sich in die Schuhe verirrt hat, haben den Fußklamotten zu schaffen gemacht. Die Socken müssen in die Wäsche! Aber was gibt’s beim Waschen der Outdoor Socken zu beachten? Gute Frage, drum hier eine kleine Sockenwaschberatung.

Allgemeine Tipps zum Waschen der Outdoorsocken

Keine Angst, die Sockenwaschkunde ist kein Hexenwerk! Dennoch gibt es ein paar wichtige Dinge, die ihr beachten müsst. Starten wir mit ein paar allgemeinen Tipps zur richtigen Sockenwäsche. Der Leitgedanke des Sockenwaschens: achtet in jedem Fall auf die Herstellerangaben! Gerade funktionelle Gewebe sind echte Hochleistungsmaterialien und haben oft ihre ganz eigenen Pflege Dos und Don’ts.

Dreht die Socken vor dem Waschen auf links. Warum? Ganz einfach, der wahre Schmutz lagert sich nicht außen an, sondern durch Schweiß und Hautpartikeln am Inneren der Socke. In Sachen Waschprogramm könnt ihr, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dem Schongang vertrauen. Der normale Waschgang wird eure Socken jedoch sicherlich auch nicht umbringen. Achtet aber in jedem Fall auf die Angaben des Herstellers.

Ein weiterer Tipp für das seit frühesten Waschmaschinentagen bekannte Sockenmysterium – der auf Nimmerwiedersehen verschwundene Sockenpartner. Ob die Socken von einem Dimensionsloch in der Trommel verschluckt oder von Kobolden entwendet werden, wie sie verschwinden wird sich wohl niemals vollständig aufklären, aber ein Mittel gegen den plötzlichen Sockenschwund gibt es allemal.

Nehmt zum Sockenwaschen ein herkömmliches BH-Netz oder ein Wäschenetz zur Hand. Das hält zum einen die Socken beisammen und schont zum anderen empfindliche Funktionssocken (oder feine Merinosocken) vor dem Abrieb durch die Trommel. Zudem schützt es vor Schäden durch Reißverschlüsse, Knöpfen oder Nieten anderer Kleidungsstücke.

Welche Socke wird wie gewaschen?

Nun geht’s ans Eingemachte. Welche Socke wird wie gewaschen? Egal ob aus Wolle, Kunstfaser, Baumwolle oder Merinowolle, um eure Socken sauber zu bekommen, müsst ihr keine hohen Temperaturkaliber auffahren. Zwar ist die Waschtemperatur nach wie vor materialabhängig, jedoch reichen 30 bei Merinowollgeweben bis maximal 40 Grad bei funktionellen Kunstfasermaterialien in aller Regel aus.

Moderne Waschmittel sorgen auch bei niedrigen Temperaturen für eine umfassende Reinigung und waschen eure Socken wie im bekannten Werbeslogan porentief rein. Temperaturen über der 40 Grad Grenze sind nicht nur unnötig, sie können empfindliche Gewebe sogar nachhaltig schädigen. Umwelt und Geldbeutel freuen sich über den Niedrigtemperaturwaschgang ebenfalls. Weniger ist also wiedermal Trumpf.

Wie sieht es an der Waschmittelfront aus?  Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Hauptsache ist, dass ihr auf Zusätze wie Bleiche, Chlor, optische Aufheller oder Weichspüler verzichtet. Ein Vollwaschmittel scheidet von vornherein aus, da es mit vielen aggressiven Zusätzen und Aufhellern für ein strahlendes Weiß daherkommt. Die schonendste Alternative ist das Feinwaschmittel. Hier wird eine besonders schonende Waschlauge mit einem feinporigen Schaum erzeugt, die wie ein Polster für empfindliche Materialien wirkt – sozusagen eine Art schaumiger Airbag, der die Socken beim Schleudergang schützt.

Feinwaschmittel ist vor allem für Funktionstextilien zu empfehlen, da es sehr gewebeschonend ist und keine Zusätze enthält, die die Funktionalität beeinträchtigen oder das Gewebe schädigen. Ich persönlich nehme ab und an ein übliches Colorwaschmittel. Das ist zwar nicht ganz so schonend wie ein Feinwaschmittel, kommt aber ebenfalls ohne Bleiche und ähnliche Zusätze aus und verhindert gleichzeitig ein Abfärben, beziehungsweise ein Ausbluten der Farben. Aber Achtung: Colorwaschmittel eignet sich nicht für Wolle oder Seide!

Merinosocken sind in der Regel herrlich pflegeleicht. Ihr solltet nur darauf achten, dass ihr bei 30 Grad bleibt und wenn möglich den Schongang einstellt. Als Waschmittelkandidaten bietet sich ein Fein- oder ein Wollwaschmittel an. Letzteres sollte in jedem Fall für Socken aus „normaler“ Wolle verwendet werden, da das Wollwaschmittel ohne Protease auskommt. Protease ist ein eiweißspaltendes Enzym, dass auf Dauer die Wollfasern schädigt.

Liegt bei euch eine Pilzerkrankung am Fuß vor, gibt es spezielle medizinische oder fungizide Waschmittel und Spüler, die dem Fußpilz auf der Socke an den Kragen gehen. Temperaturmäßig solltet ihr hier auf mindestens 60 Grad gehen, da ansonsten bei einem Waschgang unterhalb dieser Temperatur circa 10 bis 15% der Sporen überstehen. Hier sollte allerdings auch wieder die Herstellerangaben beachtet werden!

Die große Wäschekontroverse – Warum kein Weichspüler?

Das keine Bleiche, kein Chlor oder ähnliches an die geliebte Outdoorsocke sollte, lässt sich locker nachvollziehen. Aber warum kein Weichspüler? Schließlich riecht das Zeug (meistens) prima und die Wäsche fühlt sich hinterher kuschelig weich an. Der Grund liegt an den sogenannten kationischen Tensiden, die im Weichspüler enthalten sind. Diese Tenside legen sich als Film auf die einzelnen Fasern, lassen die Faseroberfläche glatter wirken und sorgen so für eine softe Haptik. Hört sich toll an? Naja!

Die Krux liegt gerade an diesem Film, denn er vermindert die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von Geweben, was bei Funktionstextilien eher hinderlich ist. Eure Socken sind dann nämlich weich, eure Füße aber leider schwitzig und stinkig. Gleichzeitig schadet Weichspüler elastischen Kunstfasern. Sie verlieren ihre Dehnbarkeit, leiern aus oder werden brüchig. Das ist vor allem für die Sockenbünde pures Gift.

Der Nutzen, den Weichspüler auf die Wäsche hat, ist folglich fraglich und zudem enthalten einige dieser weichmachenden Produkte Zusätze wie Silikone, Lösungsmittel, Farbstoffe oder Formaldehyd, die sich schädlich auf die Umwelt auswirken.

Kann die Socke in den Trockner?

Bei der Trocknerfrage gilt wieder der altbekannte Hinweis auf die Angaben des Herstellers zu achten. In den meisten Fällen können die Socken jedoch bei niedriger Temperatur und im Schonprogramm durchaus die eine oder andere Runde im Wäschetrockner drehen. Ich würde dem allerdings immer die Trocknungsvariante in der frischen Luft vorziehen: auf der Leine an der oder auf einem gut belüfteten Wäscheständer. Auf diese Weise bleibt die Socke in jedem Fall in Takt und der Bund verliert auch nicht an Elastizität.

Ihr seht, die Outdoor Socken richtig zu waschen ist kein großes Ding. Wenn ihr auf ein paar Kleinigkeiten achtet, hat selbst der fieseste Schmutz und der übelste Geruch keine Chance und eure Socken sind schnell wieder für den nächsten Einsatz bereit!

Was tun gegen Zecken?

9. Juli 2018
Tipps und Tricks

„Kenne deinen Feind“, heißt es in der Kriegslehre. Und die blutsaugende Bakterien- und Krankheitsschleuder namens Zecke ist für viele Outdoorer so etwas wie der Staatsfeind Nr. 1.

Da wir die Zecken weder ignorieren noch loswerden können, sollten wir uns stattdessen ein mal in sie hineinversetzen und die Welt aus ihrer Sicht betrachten. Ein Herz für Zecken also? Na, so weit wollen wir dann auch nicht gehen. Wir wollen nur genauer wissen, wer die Biester sind, um so besser zu verstehen, warum sie uns so gerne piesacken. Vielleicht können wir im Idealfall ja dann auch ihr Interesse von uns ablenken.

Was sind Zecken?

Wie das winzige, achtbeinige Tierchen aussieht, dürfte wohlbekannt sein. Ebenso wie die Tatsache, dass es extrem zäh und überlebensfähig ist. Zecken können problemlos 9 Jahre alt werden, manche sogar 20 Jahre erreichen. Sie scheinen also „nicht totzukriegen“ zu sein und haben dies mit ihren ähnlich beliebten Kollegen und Kolleginnen, den Kakerlaken, gemeinsam.

Mit ihren etwa 900 Arten gehört die Zecke zu den Milben, die wiederum eine Unterklasse der Spinnentiere im Stamm der Gliederfüßer sind. Das Blut von Tieren und Menschen ist ihre Leibspeise. Eigentlich ist das verlorene Tröpfchen Blut für uns durchaus verschmerzbar und auch der Stich ist meistens kaum bemerkbar. Dennoch sind Zecken kaum weniger gefürchtet als Skorpione oder Schlangen. Darauf werden wir später noch ausführlich eingehen, zunächst schauen wir uns allerdings erst einmal das Verhalten und die Verbreitung der Zecken an.

Verhalten

Oft heißt es Zecken würden sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen. Doch das stimmt so nicht. Wenn überhaupt, dürften solche gezielten Zecken-Basejumps eher selten vorkommen. Vielmehr warten Zecken bis etwa 1,5 m Höhe auf Grashalmen, in Pflanzen und Gebüsch. Streifen wir an diesen vorbei, krallen sich die Zecken an dem Wirt fest.

Die meisten Arten, wie der hierzulande weit verbreitete Holzbock, sind „passive Lauerer“. Sie bewegen sich kaum „freiwillig“. Nur bestimmte Arten, wie die Braune Hundezecke, bewegen sich bei der Wirt-Suche mit etwa 5-8 m pro Stunde aktiv vorwärts.

Auf der Suche nach Mahlzeit hilft den Zecken ihre Fähigkeit, Vibrationen, Lichtveränderungen und Stoffe zu erkennen, die das potenzielle Opfer aussendet, abatmet und ausschwitzt. Auf der Haut des Menschen oder Tieres krabbeln sie dann oft bis zu mehreren Stunden umher, bis sie eine möglichst feuchte, warme und gut durchblutete Einstichstelle gefunden haben. Beim Menschen sind das bevorzugt Kniekehlen, Achselhöhlen, der Haaransatz am Nacken, die Leistengegend, der Bauchnabel oder die dünne Haut hinter den Ohren.

Beim Stich gibt die Zecke Speichel in die Wunde ab. Damit hemmt sie die Blutgerinnung und das Schmerzempfinden des Tieres oder Menschen. Das Opfer bemerkt so oftmals überhaupt nichts. In aller Ruhe wird die Zecke dort verweilen,  bis sie sich zum vielfachen ihrer Normalgröße „vollgesoffen“ hat und sich vom Körper des Wirts abfallen lässt. Das Ganze wirkt für menschliche Maßstäbe schon irgendwie grotesk und „maßlos“. Eigentlich ist die Zecke auch nur eine Art Quartalssäufer und bleibt die allermeiste Zeit  abstinent. Nur drei Mal in ihrem Leben benötigt die Zecke die Blutauffrischung: in ihren Entwicklungsstadien als Larve (hier ist die Zecke am gefährlichsten, da sie zu diesem Zeitpunkt sehr klein und am schwersten zu sehen ist), als Nymphe und als ausgewachsene Zecke. Dazwischen können manche Zeckenarten bis zu 5 Jahre ohne „Mahlzeit“ auskommen!

Lebensraum und Verbreitung

Zecken sind – leider – weltweit verbreitet. In Deutschland (insbesondere in Süddeutschlands feuchten Wäldern und Wiesen) finden sie günstige Bedingungen vor.

Die Zeckensaison ist hierzulande von März bis Oktober, bei milden Wintern aber auch länger – und in Extremfällen sogar ganzjährig. Viele Zeckenarten können auch starken Frost über mehrere Tage hinweg unbeschadet überstehen.

Warum sind Zecken gefährlich?

Es ist kein großes Geheimnis: die Gefahr der Zecke liegt in den Krankheiten, die sie überträgt. Zecken gehören unter allen parasitischen Tiergruppen zu den größten Überträgern von Krankheitserregern. Menschen werden regelmäßig und in relativ großer Zahl durch Zeckenstiche(/-bisse) mit verschiedenen Krankheiten angesteckt.

Der abgegebene Speichel der Zecke kann Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger in das menschliche Blut schleusen und trotz der Immunabwehr in seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen. Auch der weniger appetitliche erbrochene Inhalt aus dem Verdauungstrakt der Zecke kann in unser Blut gelangen, wenn die Zecke beim Herausziehen gequetscht wird.

Es folgen nun einige Informationen über mögliche Krankheiten sowie Vorbeugungsmaßnahmen. Medizinische Themen sind allerdings oftmals komplex, heikel und beinhalten manchmal weit weniger gesichertes Wissen als es auf den ersten Blick erscheint. Deshalb der Hinweis, dass wir hier keine Gewähr für die Richtigkeit aller Angaben gegeben werden kann.

Welche Krankheiten übertragen sie?

Die am häufigsten auf Menschen übertragenen Erkrankungen sind die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose. Daneben gibt es eine Reihe weiterer möglicher Krankheiten. Mehr dazu erfahrt ihr, wenn ihr auf diesen Link klickt.

FSME

Die gefürchtete Virenkrankheit führt zunächst zu grippeähnlichen Symptomen, bevor sie Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks auslöst. Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel und später Lähmungen, die schlimmstenfalls lebensbedrohlich werden können. Gegen die FSME gibt es keine schulmedizinische Therapie, dafür aber die Möglichkeit zur Impfung. Zum Glück ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion relativ gering:

Selbst in FSME-Gebieten tragen laut Robert-Koch-Institut nur durchschnittlich bis zu 3,4 Prozent aller Zecken das Virus in sich.

Und das bedeutet zudem noch nicht, dass man bei drei von hundert Zeckenstichen infiziert wird, da nicht jede infizierte Zecke die Krankheit auch auf den Menschen überträgt.

Borreliose

Diese ebenfalls gefürchtete „multisystemische Infektionskrankheit“ wird laut Lehrmeinung von der Bakterienart Borrelien hervorgerufen. Die möglichen Symptome sind aufgrund der enormen Beweglichkeit und Wandlungsfähigkeit der Borrelien derart vielfältig, dass bei unbemerkten Zeckenstichen oft ganz andere Krankheiten diagnostiziert werden.

Anscheinend gibt es die Krankheit noch gar nicht so lang und rund um ihre mysteriöse Herkunft rankt sich sogar eine Verschwörungstheorie. Die ersten Fälle wurden 1975 in der Nähe des Städtchens Lyme im US-Bundesstaat Connecticut beobachtet, deshalb trägt die Krankheit auch im Vollständigen den Namen Lyme-Borreliose.

Im Gegensatz zu FSME gibt es bei Borreliose weder typische Risikogebiete noch Schutzimpfungen, dafür aber bessere Behandlungsmöglichkeiten. Borrelioseerreger sind stärker verbreitet: in Zecken-Hochburgen wie Baden-Württemberg und Bayern sollen mehr als 50 % der Zecken infiziert sein. Zum Glück gilt auch hier, dass nicht jede infizierte Zecke die Krankheit gleich überträgt. Laut Studien tritt bei „nur“ 5 % der gestochenen Personen tatsächlich eine Borreliose-Infektion auf. Das sind in Deutschland aber immer noch eine Menge Fälle: je nach Quelle etwa 60.000 bis 160.000 Menschen. Diese Zahl ist wahrscheinlich auch noch mit einer hoher Dunkelziffer geprägt, weil wie gesagt viele Symptome nicht als Zecken-Infektion zugeordnet werden.

Symptome, Ausprägung und Verlauf der Krankheit folgen keinem bestimmten Muster, sondern sind bei jedem Betroffenen verschieden. Häufig treten am Anfang  grippeähnliche Symptome mit Schwindel, Gelenk- und Muskelschmerzen und/oder Magen-Darm-Beschwerden auf. Im weiteren Verlauf kann dann nahezu alles passieren, bis hin zu Herzproblemen und Persönlichkeitsveränderungen.

Im chronischen Stadium können, ähnlich wie bei der FSME, unter anderem Lähmungserscheinungen auftreten. Diese führen bisweilen zu einer Polio-Diagnose (da Polio/Kinderlähmung als kaum heilbar gilt), die den Patienten zum Dauerpatienten machen kann. Das wäre dann einer der oben erwähnten Verwechslungsfälle.

Wandderröte: der rote Ring

Auch folgende Aussage hört und liest man häufig: wenn sich nach einigen Tagen rund um den Zeckenstich ein roter Ring oder Kreis bildet, ist das ein sicheres Zeichen für eine Borreliose-Infektion. Umgekehrt ist man aus dem Schneider, wenn sich dieser Ring (die sogenannte Wanderröte) nicht bildet. Letzteres wäre schön, doch leider gibt es auch Fälle, bei denen im Vorfeld der Krankheit keine solche Wanderröte beobachtet wurde. Demnach gilt, dass eine ausbleibende Wanderröte ein relativ sicheres, jedoch kein absolut sicheres Entwarnungssignal ist.

Gegenmaßnahmen: Vorbeugung

Hier endlich eine gute Nachricht: gegen die krankmachenden Krabbler kann man einige abschreckende Geschütze auffahren. Und falls Abschreckung nicht reicht, kommt die Abwehr. Tipps wie die Folgenden gibt es nebenbei gesagt auch für Haustiere, doch wir beschränken uns hier auf die menschlichen Bergfreunde.

Das Grundmotto der Vorbeugung lautet: „unattraktiv werden“. Die Blutsauger sollen gar nicht erst auf die Idee kommen uns an die Fersen zu heften.

Verhalten

Oft heißt es, man solle hohes Gras und Buschwerk meiden. Das ist zwar durchaus korrekt, doch da kann man dem geneigten Bergfreund dann eigentlich auch gleich empfehlen, möglichst zu Hause zu bleiben. Realistischer ist es, in Risikozonen stets wachsam zu bleiben und regelmäßig „Körperscans“ auf Zecken durchzuführen. Am besten schon während der Tour und nicht erst hinterher, denn je früher so ein fieser Hautbohrer gefunden wird, desto besser.

Kleidung

Die einfachste Maßnahme: mit körperbedeckender, geschlossener Kleidung soll das Risiko minimiert werden, dass Zecken auf die Haut gelangen. Helle Kleidung gilt als vorteilhaft, da sich diese leichter nach Zecken absuchen lässt.

Das klingt in der Theorie allerdings weit einfacher, als es dann in der Praxis ist, denn man muss schon ähnlich wie ein Astronaut abgedichtet sein, um Zecken wirklich fernzuhalten. Auf der Suche nach Mahlzeit finden Zecken auch die kleinste Ritze und das kleinste Loch. Außerdem: wer will bei hochsommerlichen Temperaturen schon langärmelige Kleidung und Socken über die langen Hosenbeine tragen? Wenn die Jahreszeit allerdings passt, schadet es natürlich nicht, die Haut möglichst dicht abzudecken. Der Profioutdoorer Andreas Happpe empfiehlt auf seiner Website trekkingguide.de einige speziell vor Zecken schützende Kleidungsstücke.

Immer gut: möglichst gesund sein

Ein allgemein guter Gesundheitszustand könnte auch eine effektive Zeckenvorbeugung sein. Mir erzählte einst eine Krankenschwester, dass kerngesunde Menschen weniger anziehend auf Zecken wirken sollen. Ich weiß nicht, ob das stimmt, doch es deckt sich durchaus mit meiner eigenen Erfahrung. Der Ratschlag, sich möglichst ganzheitlich gesund zu halten, ist also in diesem Zusammenhang spekulativ, dürfte aber generell nie falsch sein :-)

Chemiekeule

Hier gibt es eine große Auswahl an Repellents und Sprays, die Schutz vor Zecken bieten sollen. Wirklich verlässlich erscheinen aber nur die wenigsten Mittel. Zudem muss man das Mittel alle 1-3 Stunden neu auftragen. Bei diesen Mengen denkt man besser nicht zu genau darüber nach, was dabei so alles über die Haut ins Blut gelangt. Nicht umsonst wird auch empfohlen, das Zeug möglichst schnell nach der Tour abzuwaschen. Dennoch gilt: werden die chemischen Helfer nicht zu oft benutzt und verteilt man sie nur auf kleinere freie Hautareale, ist die synthetische Chemie im Blut wohl besser als FSME oder Borrelien.

Impfung: nur bei FSME

Soll man sich impfen lassen, um die Schrecken einer nicht behandelbaren Krankheit namens FSME aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu nehmen? Persönlich halte ich das nur dann für eine Überlegung wert, wenn man ein wahrer Zeckenmagnet und zugleich häufig in Wald und Wiese unterwegs ist.

Natürliche Mittel: Schwarzkümmelöl und Kokosöl

Das alte Hausmittel Schwarzkümmelöl wurde erst vor wenigen Jahren von dem bayrischen Gymnasiasten Alexander Betz als Zeckenmittel entdeckt. Eigentlich sollte das ins Futter seines Hundes gemischte Öl gegen dessen Allergie helfen. Als der Hund jedoch plötzlich keinen Zeckenbefall mehr hatte, forschte Betz nach, ob es am Öl lag und kam zu einem positiven Ergebnis. Für das Experiment bekam er 2014 sogar einen Preis bei „Jugend forscht“.

Ein weiteres durchaus effektives Anti-Zecken-Hausmittel ist naturbelassenes Kokosöl. Eine der darin enthaltenen gesättigten Fettsäuren, die Laurinsäure, wirkt äußerst abstoßend auf Zecken. Auch diese Wirkung wurde erst vor kurzem wissenschaftlich „entdeckt“:

Mitarbeiter der FU Berlin (Hilker, Kahl und Dautel) entdeckten erst vor kurzem die abschreckende Wirkung von Laurinsäure auf Zecken. In konkreten Labortests wiesen sie nach, dass zwischen 81 und 100 Prozent der Versuchs-Zecken bereits bei einer zehnprozentigen Laurinsäure-Lösung das Weite suchten. Trug man die Lösung auf die Haut von Versuchspersonen auf, dann fühlten sich immer noch bis zu 88 Prozent der Zecken abgestossen. (…) Diese Schutzwirkung hielt ausserdem sechs Stunden lang an. Damit ist Laurinsäure deutlich länger wirksam als andere Mittel.

Die Wirkung der Öle soll umso besser sein, je naturbelassener, sprich je mehr „bio“ sie sind. Hundertprozentigen Schutz kann man bei den sanften Hausmitteln jedoch nie erwarten. Dafür haben sie neben der Anti-Zecken-Wirkung eher positive und pflegende als schädliche „Nebenwirkungen“. Ihr größter „Nachteil“ ist jedoch, dass sie speziell bei höherer Dosierung und häufigem Gebrauch nicht gerade billig sind. Allerdings sind die chemischen Helfer ja auch nicht gratis und wirken ebenfalls nicht immer hundertprozentig.

Es gibt viele weitere alternative Mittelchen, deren Wirksamkeit meist umstritten ist.

Trotzdem gestochen: Gegenmaßnahmen zur Abwehr

Hat man sich trotz aller Vorsicht eine oder mehrere Zecken gefangen, heißt es natürlich so schnell wie möglich raus damit. Mit den Fingern bzw. Fingernägeln funktioniert es nur ganz am Anfang, wenn die Zecke gerade an der Oberfläche gekratzt hat. Ansonsten wird man meist feststellen, dass es schwierig bis unmöglich ist, sie ganz herauszubekommen. Doch auch im Anfangsstadium des Stichs sollte man besser geeignete Werkzeuge benutzen, da man die Zecke wie schon zuvor erwähnt mit den Fingern unter Umständen so drückt, dass sie ihren Darminhalt samt Erregern in die Wunde entleert. Auch Abbrennen oder Beträufeln mit Öl ist aus diesem Grunde nicht empfehlenswert.

Stattdessen soll man mit einer Pinzette oder besser einem speziellen Zeckenentferner vorsichtig an der Zecke ziehen, bis sie loslässt. Die Zange fasst die Zecke dabei möglichst nah an der Haut des Gestochenen. Es gibt diverse Zeckenzangen, Zeckenhaken, Zeckenpinzetten, Zeckenschlingen, ganze Zecken-Multisets und sogar elektrische Zangen mit für die Zecken tödlichen Stromstoß.

Entfernte Zecken sollte man, wenn man sich unsicher fühlt, aufbewahren, um sie einem Labor auf Krankheitserreger testen zu lassen. Zeitpunkt und Ort sollten notiert werden und wenn möglich die Einstichstelle desinfiziert werden. Auch aus versicherungstechnischer Sicht wird das Eintüten und Mitnehmen der Corpus-delicti-Zecke empfohlen.

Infiziert oder nicht?

Mit einfachen Testsets, die man ab ca. 10 € bekommt, kann man Zecken auch als Laie von daheim aus auf Borrelien testen. Das ist zwar bequem, gilt aber als nicht sonderlich zuverlässig. Wer auf Nummer sicher gehen will, zahlt besser die ungefähren 30 €, die ein Labortest kostet. Für FSME gibt es keine Do-it-yourself-Schnelltest, dafür aber Labortests, die nicht viel teurer als die bei Borreliose sind.

Bei ersten Anzeichen einer Erkrankung oder anhaltenden Beschwerden sollte nicht erst lange getestet, sondern medizinische Hilfe aufgesucht werden. Generell sollte auch bei ungewöhnlichen Beschwerden ein Zeckenbiss in Betracht gezogen werden, selbst wenn man davon nichts bemerkt hat oder sich daran nicht erinnert.

Wie bei so vielen Krankheitsbildern und Behandlungskatalogen sollte man auch im Fall der Zeckenkrankheiten beachten, dass die Sache immer komplexer und „unschärfer“ wird, je näher man hinschaut. Ein bisschen Einlesen reicht nicht, um die (Un)Wirksamkeit von Vorbeugungs- und Behandlungsmethoden wirklich beurteilen zu können.

Antibiotika

Das beste Beispiel für das Problem sind Antibiotika: in vielen Medienberichten werden Antibiotika nach wie vor als sicheres und schnelles Heilmittel gegen Borreliose präsentiert. Dabei gibt es unter Medizinern immer mehr Kritiker, die auf das oft ziemlich ungünstige Verhältnis von erwünschten Wirkungen zu Nebenwirkungen hinweisen. Bei Borreliose gilt besonders in fortgeschrittenen Stadien, dass Antibiotika statt der Krankheit eher das eigene Immunsystem schwächen. Man sollte sich also besser nicht darauf verlassen, dass es Antibiotika schon richten werden, wenn man die eigenverantwortliche Vorbeugung und Abwehr nachlässig angegangen ist. Das beste aller Zeckenmittel ist und bleibt somit die eigene Wachsamkeit!

 

Gewinnspiel The North Face Mountain Festival 2018

Win: Mit den Bergfreunden zum Mountain Festival

30. April 2018
Die Bergfreunde

Es gibt ja so Events, von denen erzählt man jedem. Ständig. Erzählt, wie ultra cool es war, wie viel Spaß man hatte und dass man da auf jeden Fall wieder hin muss. Der Titel des Beitrags verrät es schon: Das Mountain Festival von The North Face war eines dieser Events. Und ja: Wir fahren auch dieses Jahr wieder hin. Und du kannst mit! Was Du dafür tun musst, wollen wir dir hier verraten…

Oh, sweet Memories!

Paragliding, Canyoning, Wandern, Bergsteigen, Trailrunning, Kayaking, Partying, Camping – gerade für alle Festivalkenner unter euch Outdoorern sollte das Mountain Festival eigentlich ein Pflichttermin sein. Vereint es doch alles, was man für ein dementsprechend gelungenes Wochenende braucht: Berge, inspirierende Vorträge und Party mit guter Musik. Teilweise bis spät in die Nacht. Dementsprechend geschafft waren wir auch nach diesen vier Tagen im schönen Lauterbrunnen. Die ganze Geschichte könnte ihr übrigens in unserem Blogartikel zum Mountain Festival 2017 nachlesen.

Tschau Schweiz, ciao bella Italia!

Wo geht die Reise 2018 hin? Lauterbrunnen ist – leider – nicht mehr der Austragungsort des Mountain Festivals. Stattdessen hat The North Face aber einen neuen Kracher im Angebot: Mit Courmayeur dürfen wir in diesem Jahr im Aostatal unsere Zelte aufschlagen. Im Schatten des großen Mont Blanc. Der liegt nämlich nur 10 km entfernt und bietet eine ebenso beeindruckende Kulisse, wie die hohen Steilwände im Lauterbrunnental.

Das genaue Programm ist bis dato noch nicht bekannt, dürfte aber ähnlich ausfallen, wie in den letzten Jahren. Du scharrst jetzt schon mit den Hufen und kannst es wie wir kaum abwarten? Dann sichere dir hier 2 x 2 Karten und verbringe ein unvergessliches Wochenende mit deinem besten Bergfreund bei einem der coolsten Events diesseits des Äquators (ok, vielleicht übertreiben wir hier ein bisschen. Aber es war und wird wirklich ziemlich cool!).

Herrgott, …zefix, was muss ich denn jetzt genau tun?

Also gut, kommen wir zum Eingemachten: Wie auch im letzten Jahr, gibt es einen Fotowettbewerb. Teilnehmen ist relativ einfach: Wir wollen ein Bild von dir und deinem besten Bergfreund – bestenfalls ein Mensch, denn wir haben ja zwei Tickets. Und so gehts:

  1. Bild auf Facebook oder Instagram posten
  2. Tagge uns mit @Bergfreunde.de (Facebook) oder @bergfreundede (Instagram) UND dem Hashtag #mountainfestival2018 
  3. Alle Postings, die bis zum 31.05. das Licht der Welt erblicken, nehmen automatisch teil.
  4. Am 31.05. werden die Gewinner per Los ermittelt.

Hier könnt ihr die ausführlichen Teilnahmebedingungen nachlesen. Wir freuen uns auf eure Schnappschüsse!

Skandinavische Outdoor-Marken in der Übersicht

8. August 2018
Kaufberatung

Inhaltsverzeichnis

Skandinavien und Outdoor: dieses Begriffspärchen gehört einfach zusammen. Rondane oder Hurrungane, Sarek oder Kebnekaise sind klingende Namen in den Ohren eines jeden Outdoor-Träumers. Vor Ort gibt es von diesen auch jede Menge, denn zwischen Skaggerak und russischer Tundra ist das Draußensein eine weit verbreitete Lebenseinstellung, die mit Stil und Hingabe gepflegt wird.

In Norwegen, wo laut Umfragen fast 90% der erwachsenen Bevölkerung zu den Outdoorbegeisterten zählen, erklimmt man zackige Gipfel hoch über dem Fjord und überquert Plateaugletscher mit Skiern. In Schweden zieht man mit oder ohne Hundeschlitten durch die Weite und in Finnland wird genüsslich sauniert und eisgebadet. Schnee, Regen, Kälte, Wind und Dunkelheit zählt man dabei nicht als Gründe, kürzer zu treten. Wie sollte das auch gehen – gemütlich wie am Sonnenstrand ist es eher selten.

Gut, vielleicht war jetzt das eine oder andere Klischee dabei, doch dass man sich in Skandinavien gern und viel in der traumhaft schönen Natur aufhält, ist unbestritten. Tatsächlich ist das Draußensein vor allem in Norwegen eine regelrechte Staatsphilosophie, die weit über die Gelegenheits-Naturverbundenheit von uns Mitteleuropäern hinausgeht: Friluftsliv heißt die institutionalisierte Outdoorbegeisterung, die sogar an der Uni studiert werden kann.

Angesichts des rauen Klimas ist das Ganze jedoch weit mehr als bloßes Freizeitvergnügen, es geht auch um die pure Notwendigkeit der Anpassung. Schließlich will kaum jemand den fast ein halbes Jahr dauernden Winter eingeschlossen im Zimmer verbringen. Das allseits bekannte Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung“ stammt nicht umsonst aus Skandinavien. Da ist es auch kaum verwunderlich, dass es im europäischen Norden so eine große Zahl an Herstellern gibt, die die „richtige“ Kleidung auf allerhöchstem Niveau zusammenschneidern.

Und auch alles andere, das man für den Aufenthalt in wilder Umgebung braucht, stellt man zwischen Dänemark und Finnland überall in hoher Qualität her. Wir wagen hier nun einen größeren, aber dennoch ganz sicher nicht vollständigen Blick über größere und kleinere Qualitätsschmieden des Nordens, die zwar vor allem für Kleidung bekannt sind, aber auch in Sachen Zelte und Campen richtig was drauf haben.

Was sind die großen Marken?

Den allermeisten Outdoor- und Skandinavienfreunden fällt sicherlich die Marke mit dem roten Polarfuchs zuerst ein: Fjällräven. Obwohl eher Norwegen mit „klassischem Fjäll“, also steinigem und windgepeitschtem Hochland, assoziiert wird, ist es doch eine schwedische Outdoormarke, die es im Namen tragt. Deren Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung bewährt sich definitiv auf jedem Fjäll –  egal ob in Norwegen oder Schweden. Der Anspruch der Schweden an sich selbst ist sehr hoch und wird konsequent eingelöst. Das behaupten nicht nur die Marketingexperten, sondern auch die allermeisten Käufer, die sich auf ambitionierten Nordlandtouren völlig auf das Material verlassen.

Der Ruf der Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke und Textilien ist dementsprechend seit den 60er Jahren ungebrochen gefestigt. Das liegt hauptsächlich an einer hochrobusten Funktionalität, die sich niemals an irgendwelche vermeintlich nachgefragten Modestyles angebiedert hat. Und dennoch ist das Design in seiner Klarheit alles andere als plump oder unästhetisch. Es ist vielmehr ein cleaner Style mit hohem Wiedererkennungsfaktor. Deshalb haben manche Produkte trotzdem über die Outdoorszene hinaus viel Beachtung bekommen.

Da Fjällräven-Equipment sehr lange hält, in zeitlosem Design gestaltet und mit hohen Umwelt- und Sozialstandards produziert ist, ergibt sich ein hohes Level an Nachhaltigkeit wie von selbst und ohne große Worte.

Außerhalb der Berg- und Outdoor-Sphäre dürfte wohl ein norwegisches Traditionslabel die größte Bekanntheit haben: Helly Hansen. Die markant-eleganten Jacken und Taschen bekommt man auch im urbanen Großstadtdschungel häufiger zu Gesicht. Man wird der uralten Traditionsschmiede aber nicht gerecht, wenn man sie nur auf Streetwear reduziert. Kleidung und Accessoires von Helly Hansen stehen für eine unglaubliche Bandbreite an Aktivitäten – von Segeln über Skifahren bis zur Arbeit auf der Ölbohrinsel ist hier alles dabei.

Was sind die Klassiker?

In Norwegen waren und sind oftmals die Firmengründer selbst alte Hasen und harte Hunde des Friluftsliv. So auch bei Bergans, wo es standesgemäß eine klassisch schöne Gründerstory gibt. Der Wanderer und Jäger Ole F. Bergan stellte nach einem Jagdtrip durch ein paar schmerzhafte Andenken fest, dass seine Kleidung nicht optimal war und beschloss, es besser zu machen. Das ist seit der Firmengründung 1908 bis heute ziemlich überzeugend gelungen. Jacken, Hosen oder Rucksäcke von Bergans of Norway genießen unter Freiluftfreunden aus aller Welt einen sehr guten Ruf.

Ein Klassiker mit historischer Note ist der norwegische Schlafsackhersteller Ajungilak. Nach der Übernahme durch die Mammut AG ist das Label allerdings in die Schweiz ausgewandert. Die Schlafsäcke mit dem gelb-schwarzen Logo tragen jedoch heute noch ihren norwegischen Kern und stehen auch unter den neuen Hausherren für robuste Verlässlichkeit.

Auch Schweden hat mit Haglöfs ein echtes Klassiker-Label in Sachen Outdoor vorzuweisen. Und auch hier begann die Produktion vor über 100 Jahren mit der Mission, die einheimischen Wildniswanderer bei ihren Exkursionen in das raue Umland bestmöglich zu schützen. Daran hat sich bis heute gar nicht so viel geändert – abgesehen von stetigen kleinen Verbesserungen und einer etwas größeren Kundschaft. Neben einem hohen Nachhaltigkeitsniveau bietet Haglöfs mit besonderen Passformen und herausragenden Farbkonzepten für Frauen eine sehr gute Produktauswahl.

Diese kleine Vorauswahl an Klassikern ist aber natürlich komplett subjektiv und darf gerne erweitert werden. Gleiches gilt für die folgenden Geheimtipps.

Was sind die Geheimtipps?

Bis hier haben wir vor allem Marken hervorgehoben, die fast allen Outdoorern irgendwo schonmal begegnet sind. Jetzt kommen wir allerdings zu einigen nordischen Labels, die weit weniger Bergfreunden bekannt sein dürften, aber dafür umso mehr einen genaueren Blick wert sind:

In den endlosen schwedischen Wäldern kann es ziemlich dunkel werden und man kann sehr leicht verloren gehen. Wenn man allerdings das durchdachte und zuverlässige Equipment des schwedischen Herstellers Silva dabei hat, sollte das um einiges einfacher sein. Silvas Lampen, Kompasse oder Ferngläser haben den Ruf, auch unter den schlechtesten äußeren Bedingungen für schnelle und sichere Orientierung zu sorgen.

Ein Spezialist auf höchstem Niveau ist der schwedische Handschuhhersteller Hestra. Das Anwendungsspektrum der Hestra-Handschuhe ist breit gefächert: von Skifahren über Bergsteigen bis zu groben Arbeiten reichen die Aktivitäten, für die Hestra garantiert die idealen Handschützer parat hat.

Zählen wir Island zum „erweiterten Skandinavienkreis“, dann können wir hier mit 66° North noch ein richtig kleines feines Label für hochwertige Outdoorkleidung mit hineinnehmen. Der Name der 1926 in Island gegründeten Firma verrät eindeutig, wofür die Sachen entworfen sind: für den stürmisch-kalten 66. Breitengrad!

Die norwegische Skifahrerin Kari Traa ist eher als Olympiasiegerin anstatt als Mützenstrickerin und Skikleidungs-Designerin bekannt. Doch diese „Nebentätigkeiten“ beherrscht sie ganz offensichtlich kaum weniger gut als das Skifahren. Besonders Frauen sind begeistert von den funktionalen und farbenfrohen Kreationen aus der Hand der Olympionikin.

Etwas bekannter als die beiden Letztgenannten, aber immer noch eine überschaubare Outdoor-Größe ist die schwedische Rucksäcke- und Bekleidungs-Adresse Klättermusen. Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und perfekt durchdachte Details sind die Kennzeichen der Produkte aus dem mittelschwedischen Åre. Interessiert?

In den folgenden Abschnitt kommen nun die Marken nach Ländern geordnet an die Reihe. Dabei handelt es sich um die skandinavischen Qualitätslabels, die zwar richtig gut, aber weder große internationale Player noch geheimnisumwitterte Edelschmieden für handverlesene Eingeweihte sind.

Norwegische Outdoor Marken

Hier im Länderabschnitt gehen wir alphabetisch vor, denn sonst kann es chaotisch werden. Es gibt nämlich weit mehr skandinavische Outdoorlabels als der auf Mitteleuropa geeichte Bergfreund so gemeinhin glaubt. Von manchen der folgenden Marken hast du bisher sicher auch noch nichts gehört:

  • Aclima: Wohl kaum jemand sonst zieht so konsequent eine umweltfreundlich-nachhaltige Produktion durch wie das Familienunternehmen aus der Nähe von Oslo. Den Norwegern gelingt das dabei ohne Abstriche bei Funktion und Design.
  • Dale of Norway: Wer handgemachte und zeitlos-traditionell designte Norwegerpullis aus 100 %  Wolle von norwegischen Schafen sucht, ist bei Dale of Norway womöglich an der Besten aller Quellen.

  • Devold: Auch diese Qualitätsschmiede ist nach ihrem Gründer benannt – und auch sie stellte ihre robusten und funktionalen Produkte zunächst für Fischer und andere in rauer Natur Arbeitende her. Heute ist die Marke vor allem für hochwertige Pullover und Merino-Unterwäsche bekannt.
  • Helsport: Schlafsäcke, Zelte und Rucksäcke sind die Spezialität dieses gut 60 Jahre alten Familienunternehmens. Die Erfindung des Tunnelzelts, diverse Designpreise und die Ausstattung norwegischer Himalayaexpeditionen konnte sich Helsport seitdem ins Stammbuch schreiben.
  • Norrøna: Man könnte dieses, 1929 in der Nähe von Oslo gegründete Label, eigentlich auch zu den Klassikern zählen – schließlich hat jeder schonmal irgendwo den einprägsamen Schriftzug der Nordländer in irgendeinem Berg- oder Klettermagazin gesehen. Oder von der ersten GoreTex-verarbeitenden Firma in Europa gehört. Norrøna steht wie wohl kein zweites Label für das skandinavische Bergsteigen im alpinen Stil, sowie für die entsprechend hohen technischen Anforderungen an Kleidung und Ausrüstung.
  • Sweet Protection: Dass die Norweger auch Hardware können, zeigt die Sport-Schutzausrüstung, deren Name im Wintersport Programm ist. Vor allem auf dem Snowboard und auf dem Mountainbike fühlt man sich mit dem hochwertigen Equipment nicht nur wirklich sicher, sondern auch angenehm eingekleidet.
  • Ulvang: Und nochmal ein Olympiasieger aus Norwegen – 1995 brachte der Langläufer Vegard Ulvang seine erste Wollsocke auf den Markt. Seitdem hat er sein Sortiment ein wenig ausgeweitet und seine Firma ist eine Top-Adresse für Merino-Bekleidung geworden.
  • Viking Footwear: Die Schuhe dieser ebenfalls kleinen, aber feinen Manufaktur sind wie eine Eintrittskarte in die nordische Wildnis. Trocken, sicher und alltagstauglich sind die Stichwörter, die spontan fallen, wenn von Viking Footwear die Rede ist.

Schwedische Outdoor Marken

Auch wenn der östliche Nachbar nicht ganz so viele spektakuläre Landschaften abbekommen hat, gibt es dort kaum weniger Hersteller von hochwertigem Outdoorequipment.

  • Didriksons Outdoor-Fashion: Vor allem bei stürmischem Küstenklima bewährt sich die alltagstaugliche Funktionskleidung von Didriksons. Das breite Sortiment reicht dabei von der Mütze bis zur Jacke.
  • Houdini: Der große Zauberkünstler konnte sich einst aus jeder Klemme befreien. Mit der nach ihm benannten Sportswear kommt man gar nicht erst hinein, denn schlechtes Wetter stecken die funktionalen Klamotten bestens weg. Ganz wie einst Houdini auf der Bühne, sehen die Teile der  jungen Schwedenfirma richtig elegant aus.
  • Icebug: Auch dieser kleine, feine Schuhhersteller ist an der schwedischen Westküste zuhause und kennt sich mit rutschigem, schlammigen Terrain aus. Wie der Markenname es jedoch auch verrät mit Glatteis. Icebug Outdoor-Schuhe sind deshalb besonders gerne auf winterglatten Straßen und hartgefrorenen Trails unterwegs.
  • Ivanhoe: Das, nach dem legendären Ritter benannte, Familienunternehmen steht für hochwertige Merino- und (Baum-)Wollkleidung und markante Designs.  Nach wie vor wird zu 80% in Schweden produziert.
  • Lundhags: Kompromisslos gute Schuhe für strenge Winterexkursionen waren lange Zeit das Kerngeschäft der vom Schuhmacher Jonas Lundhag 1932 gegründeten Firma. Auch heute findet man noch die unverwechselbaren Schalenschuhe im Sortiment – welches mittlerweile auch Jacken, Hosen und Rucksäcke für anspruchsvolle Touren umfasst. Zu Recht gehört das geschwungene L mittlerweile zu den bekanntesten und größten Skandinavien-Labels.
  • Pinewood: Skandinavische Outdoorklamotten genießen einen guten Ruf, gelten aber nicht unbedingt als die Preiswertesten. In diese Lücke stößt der junge Senkrechtstarter Pinewood, der seit 1990 die erste Liga der Funktionskleidung aufmischt und zeigt, dass Qualität aus dem Norden nicht teuer sein muss. Klingt gut?
  • Woolpower: Möglichst viel Wärme bei möglichst hohem Tragekomfort – so könnte man klassische Woolpower-Eigenschaften umschreiben. Der schwedische Bekleidungshersteller begann mit Nylonstrumpfhosen, bis er 1972 gemeinsam mit dem schwedischen Militär ein neuartiges Frottiergewebe aus 70% Merinowolle und 30% Kunstfaser entwickelte. Inzwischen ist der einstige Strumpfproduzent eine der weltweiten Top-Adressen für komfortable Funktionstextilien.
  • Peak Performance: „Echte Bekleidung für echte Skifahrer“, lautet das Motto der innovativen Firma, die wie die Kollegen von Klättermusen aus dem nordschwedischen Åre stammt. Die hohe Funktionalität und Qualität der Peak Performance Textilien erlaubt gleichzeitig ein breites Einsatzspektrum, als auch die Spezialisierung auf einzelne Sportarten.

  • Primus: Wenn in der Outdoorküche eine wirklich lange Tradition auf maximale Expertise trifft, dann sind die Produkte und Systeme von Primus nicht weit. Das schwedische Traditionsunternehmen hat in seiner langen Geschichte Abenteurer wie Roald Amundsen und Edmund Hillary mit extrem haltbaren und verlässlichen Kochern und Geschirr ausgestattet. Heute ist Primus mehr denn je unterwegs und sorgt für warme Mahlzeiten in stürmischen Weiten und eisigen Höhen. Bedarf an entsprechender Ausrüstung?
  • Sätila: Skandinavische Outdoorproduzenten gelten bisweilen als detailverliebte Spezialisten – so auch die Mützenexperten von Sätila. Das hat auch gute Gründe, denn Details sind in der rauen nordischen Natur nicht nur Spielerei, sondern manchmal überlebenswichtig. Die richtige Mütze ist dafür ein sehr guter Anfang. Schicke Mütze gefällig?

Finnische Outdoor Marken

  • Suunto: Auch wenn der Glanz von Nokia etwas verblasst ist, weiß die Welt dennoch, dass die Finnen mit der Technik ganz gut können. Dass es auch mit der Präzisionstechnik richtig gut klappt, zeigen sie mit den erstklassigen Messinstrumenten von Suunto. Deren Höhenmesser, Kompasse und Sportuhren sind für Outdoorer weltweit nicht nur schöne Spielzeuge, sondern oft genug auch lebenswichtige Helfer. Völlig zu Recht hat sich Suunto eine weltweit führende Stellung im Bereich der Sportinstrumente erarbeitet.

  • Kupilka: Auch bei dieser Marke kommt der raffinierte finnische Tüftlergeist zum Vorschein. Das spezielle Outdoor-Geschirr und Besteck von Kupilka besteht aus einem eigens kreierten Biomaterial, das nicht nur umweltfreundlich ist, sondern auch mit einer Reihe an Nachteilen anderer Materialien umgeht. So ist es spülmaschinenfest, leicht, robust und verbrennt dir dennoch nicht die Finger.

Dänische Outdoor Marken

Zum Abschluss machen wir noch einen Abstecher in den sonnigen (naja) Süden des Nordens. Ja, auch Dänemark zählt man meist zu Skandinavien, obwohl es durch Kattegat und Skagerrak von der großen Halbinsel getrennt ist. Die Natur ist hier bei weitem nicht so wild wie weiter nördlich, doch das Wetter passt mit dem Rest schon ganz gut zusammen. Zumindest wissen die Outdoor Hersteller auch hier, was gutes Material aushalten muss.

  • Nordisk: Das wohl bekannteste dänische Outdoorlabel bietet seit mehr als 100 Jahren ein breites Spektrum an Kleidung und Ausrüstung an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer möglichst einfachen Konstruktionsweise für die Gewichtsreduzierung und Schwachpunktvermeidung. Viele Produkte sind für den entspannten Freizeiteinsatz konzipiert, doch es gibt auch Serien für extreme Beanspruchung und ambitionierten Einsatz.
  • Ecco: Die besten Schuhe der Welt? Nun, darüber kann man streiten. Unbestritten ist, dass Ecco als einer der wenigen Schuhproduzenten weltweit eigene Gerbereien und Schustereien betreibt und damit eine enorme Qualität erreicht. Die bemerkt man nicht nur beim Snowboarden und Winterwandern, sondern auch im Alltagseinsatz.

Einen weiteren Beweis, dass ordentliche skandinavische Outdoorgüter weder teuer noch elitär sein müssen, liefert die Firma Oase Outdoors mit ihren drei bekannten und erfolgreichen Marken:

  • Robens: Zelte und alles andere, dass das Campen und draußen sein angenehm macht, stellt Robens zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis her.

  • Outwell: Wenn die ganze Familie Campingurlaub macht, sind Outwell-Produkte die perfekte Wahl. Komfort, Spaß am draußen sein und Urlaubsfeeling sind Stichworte, die hier groß geschrieben werden.
  • Easy Camp: Auch bei Easy Camp stehen Benutzerfreundlichkeit und Komfort an erster Stelle. Dazu sind auch diese Produkte zu einem prima Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben.

So, das soll es mal gewesen sein mit unserem skandinavischen Rundumschlag. Habt ihr bei den ganzen Marken einen Favoriten. Oder haben wir gar einen Vertreter vergessen? Lasst uns gerne einen Kommentar da. Wir freuen uns!

Trainingstipps für starke Finger

3. August 2018
Tipps und Tricks

„Wie kann man sich da überhaupt festhalten?“ Das ist eine Frage, die mir manchmal gestellt wird und die ich mir selbst noch viel öfters stelle, wenn ich vor Routen stehe, die deutlich über meinem Limit liegen. Die Antwort dazu kenne ich mittlerweile: Es ist unter anderem eine gute Portion Fingerkraft gepaart mit einer richtig guten Klettertechnik.

Ohne Zweifel zählt die Fingerkraft zu den dominantesten Faktoren, um möglichst schwere Touren klettern zu können. Das zeigt sich auch bei einem Blick auf die Kletter-Elite. So unterschiedlich die körperliche Erscheinung dieser „Übermenschen“ auch ist, eines haben sie alle gemeinsam: Sie können sich verdammt gut an ziemlich kleinen Griffen festhalten und haben darin sehr viel Erfahrung. Aber für uns „Normalsterbliche“ gibt es Hoffnung. Auch wenn die Kraft und Verletzungsanfälligkeit der Finger eine große genetische Komponente beinhaltet, kann sie mit ein wenig Geduld und Zeit sehr gut trainiert werden.

Vielleicht sollte ich noch gar nicht mit einem Zusatztraining beginnen?

Zu Beginn ein paar Worte an die Anfänger in unserem schönen Sport. Euch möchte ich sagen, dass Klettern mehr als nur pure Kraft ist. Alle Aspekte des Kletterns können in den ersten Jahren über reines Klettern sehr gut trainiert werden. Ein spezifisches Fingertraining ist für Anfänger mit einem hohen Verletzungsrisiko verbunden. Konzentriert euch deshalb lieber erstmal auf Technik, Taktik, Bewegungsgefühl, mentale Fähigkeiten usw.

Ein solider Kraftaufbau benötigt viel Zeit

Auch wenn die Hand oberflächlich gesehen am Handgelenk endet, zieht sich ihr extrem komplexes System über viele Gelenke, bis hin zur Schulter. Wichtig zu wissen ist, dass der Bewegungsapparat der Hand aus sehr vielen und komplex miteinander verbundenen Knochen, Sehnen, Bändern und Muskeln besteht.

Letztere geben uns die Kraft, sich an den kleinen Griffen festzuhalten. Sie sind sehr gut trainierbar und machen schnell Fortschritte. Bei den Sehnen und Bändern unserer Hand und des Unterarms sieht das ein bisschen anders aus. Sie brauchen größere Trainingsreize und auch wesentlich länger, um die gleiche Belastbarkeit zu entwickeln. Hier hilft auch kein Tape, sondern einfach nur Zeit!

Wenn wir zu einem frühen Zeitpunkt unserer Kletterkarriere mit einem Fingertraining beginnen, entwickelt sich die Leistungsfähigkeit der Muskulatur zu schnell und kann zu Kletterverletzungen führen. Der Verletzungsprozess sieht dann wie folgt aus: Die Hand- und Armmuskulatur ist trainiert und leistungsfähig um kleine Griffe zu halten, Bänder und Sehnen in den Fingern sind jedoch noch nicht ausreichend belastbar. Doch mit der neuen Kraft geht man nun in das Langzeitprojekt, um es endlich ans Top zu schaffen.

Doch plötzlich rutscht beim Schlüsselzug der Fuß weg und man fängt den Schwung mit dem Oberkörper auf. Entweder macht es hier gleich „Pflup“ und man hat an einem der Ringbänder ein akutes Trauma oder man wiederholt dieses Szenario und erzwingt eine chronische Überlastung. Beide Fälle zählen zu typischen Verletzungsmustern bei Kletterern und erhöhen das Risiko, sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu verletzen.

Es zeigt sich, dass man das Thema mit der Fingerkraft eher konservativ angehen sollte. Mach dir Bewusst, dass dich eine Verletzung weit zurückwirft; der Heilungsprozess der Finger gerne mal sechs Monate oder länger benötigen kann.

Gründe, um sich die Finger zu stärken

Es ergibt Sinn, dass starke Finger kleinere Griffe festhalten können. Doch Fingerkraft bringt noch einen weiteren Vorteil. Du kannst dich länger festhalten. Wieso? Der Grund ist die Maximalkraft. Sie ist die maximale Spannung, die du in einem Muskel durch reine willentliche Anstrengung erzeugen kannst. Mit einem guten Training kannst du deine willkürliche Leistung an das Limit der Kraftreserven für Notsituationen annähern. Das heißt, die Muskelzellen werden länger versorgt und du bleibst länger an der Wand. Denn kurz und knapp: je stärker deine Finger sind, umso kleiner können Griffe sein bevor sich die Leistungsfähigkeit der Muskulatur reduziert.

Richtig ins Training starten

Damit ein Fingertraining auch seine volle Wirkung erzielen kann, musst du gut vorbereitet sein. Dazu gehört unter anderem eine ausreichende Pausenzeit zwischen den Fingertrainingseinheiten. Es ist zu empfehlen maximal zweimal pro Woche ein Fingertraining durchzuführen. So kannst du zwischen den Traningseinheiten 48 Stunden pausieren und hast auch noch Zeit zum Klettern/Bouldern.

An den Trainingstagen ist es besonders wichtig, sich gründlich aufzuwärmen. Am besten beginnst du mit Übungen wie Seilspringen oder Jumping-Jacks, um den gesamten Kreislauf in Schwung zu bringen. Anschließend widmest du dich den Fingern mit wiederholtem Hängen an großen Griffen und ein wenig Stretching (<10sec Dehnungszeit).

Für das richtige Hängen, oder Training am Fingerboard belastest du nicht nur deine Finger, sondern auch die Schultern. Deshalb ist es wichtig mit der richtigen Form an den Leisten zu hängen. Diese Kriterien solltest du deshalb beachten:

  • Halte die Leisten zum Training alleine mit der offenen Hand, oder mit nur leicht aufgestellten Fingern und nicht mit dem Daumen unterstützt.
  • Damit du deine Schulter nicht unnötig belastest, ist es wichtig die Schultermuskulatur anzuspannen. Dies gilt besonders bei einem Training mit Zusatzgewicht!

Durch das wiederholte Hängen und Stretching reduzierst du die Verletzungsgefahr und erhöhst deine Leistungsfähigkeit für das folgende Training.

Es empfiehlt sich die folgenden Trainingsprotokolle für je vier Wochen durchzuführen und anschließend mindestens eine Woche zu pausieren. Danach kannst du entweder die Intensität im selben Protokoll erhöhen oder du führst eins der anderen beiden Programme durch. Natürlich kannst du dich auch erst einmal an die neue Kraft gewöhnen und anschließend einige Wochen ohne Fingertraining vergehen lassen. Wir sind keine Profis und müssen uns nicht an ideale Trainingspläne halten.

Maximalkraft der Finger trainieren – man muss sich nicht immer platt machen

Die folgenden Trainingsprotokolle unterscheiden sich in Dauer, Intensität (Griffgröße/Zusatzgewicht) und Pausenzeit. Jede Variation dieser Faktoren hat einen unterschiedlichen Trainingseffekt auf die Fingermuskulatur, sowie Sehnen und Bänder.

Um die Maximalkraft zu trainieren, muss der Trainingsreiz eine sehr hohe Intensität aufweisen, sodass du die Übung nur kurze Zeit ausführen kannst. Anschließend ist eine längere Pause nötig, um im nächsten Durchgang wieder volle Leistung zu bringen. Nach solch einem Training wirst du dich unerwartet fit fühlen. Lass dich aber nicht täuschen, dein Körper hat viel geleistet und benötigt eine Pause.

Mit diesen Trainings wird vor allem das Nervensystem trainiert. Der Effekt ist anschließend, dass der Körper die Ansteuerung der Muskulatur verbessert. Das kann bedeuten, dass mehr Nervenimpulse an die Muskulatur geschickt werden, mehr Muskelzellen gleichzeitig aktiviert werden und leistungsfähigere Muskelfasertypen früher aktiviert werden. Diese neuromuskuläre Anpassung ist ein qualitatives Merkmal der Leistungsfähigkeit der Muskulatur und in diesem Fall deiner Griffkraft.

Eva Lopez‘ minimale Leisten Training

Eva Lopez untersucht Trainingsmethoden für das Klettern. Basierend auf ihren Studien hat sie folgendes Trainingsprotokoll für die Maximalkraft der Finger empfohlen. Hierfür benötigst du ein großes Angebot an Trainingsleisten. Sie verwendet zum Beispiel das Progression Trainingsboard. Etwas weniger Auswahl ist allerdings auch nicht schlimm. Unter diesen Griffen suchst du einen aus, an dem du bei maximaler Anstrengung gerade so 15 Sekunden lang hängen kannst. Dies ist dein Trainingsgriff. Er ist dein Freund für die nächsten 4-Wochen.

  • 12 Sekunden Hängen
  • 3 Minuten Pause
  • 4-mal Wiederholen

Punkte 1 bis 3 ergeben einen Satz. Nach 5 Minuten Pause kannst du einen weiteren Satz wiederholen. Anfänger sollten es bei 2 Sätzen belassen. Fortgeschrittene können bis zu 5 Sätze an verschiedenen Grifftypen ausführen.

Fortgeschrittene Kletterer (UIAA 8 bis 9) und Boulderer (Fb 7a) können dieses Protokoll als Einstieg in das Fingerboardtraining nutzen und deutliche Fortschritte erzielen.

Maximalkrafttraining mit Zusatzgewicht (nach Eric Hörst)

Nachdem du das erste Protokoll fleißig über mehrere Trainingszyklen trainiert hast, werden die Leisten, an denen du hängen kannst, sehr klein und irgendwann auch sehr schmerzhaft. Spätestens dann bist du an dem Punkt angekommen, an dem es Zeit ist wieder größere Leisten zu wählen und die Trainingsintensität durch zusätzliches Gewicht (10 bis 50 kg extra) zu erhöhen. Denke beim Auflegen des Zusatzgewichts daran, dass es um ein vernünftiges Training gehen soll und nicht darum andere zu beeindrucken. Wähle anfangs eine Trainingsleiste, an der du mit dem ersten Fingerglied hängen kannst. Füge so viel Gewicht hinzu, dass du sie für 13 Sekunden gerade so halten kannst.

Wie du das richtige Gewicht herausfindest, zeige ich dir demnächst in einem Video auf unserem Youtube-Channel. An dieser Leiste trainierst du mit dem Gewicht wie folgt:

  • 10 Sekunden Hängen
  • 3 Minuten Pause
  • 4-mal Wiederholen

Danach 5 Minuten Pause und einen weiteren Satz durchführen.

Das Zusatzgewicht hältst du für mindestens 4 Wochen gleich, danach kannst du kontrollieren, ob eine Anpassung notwendig ist.

Kraftausdauer – Wann „sich platt machen“ funktioniert

Beim Klettern will man nicht nur die kleinste Griffe festhalten, sondern man will ja auch ans Top der Route kommen. Dazu ist es nötig, wiederholt Griffe zu Halten und wieder los zulassen. Je länger die Route, umso öfter müssen wir weiter greifen. Man spürt, dass die Unterarme immer fester werden und sie zu brennen beginnen. Das folgende Protokoll hilft dir dabei, diese Phasen besser durchzustehen.

Intermittierendes Hängen (Repeaters)

Das Beastmaker (Ned Feehally) hat dieses Trainingsprotokoll wohl berühmt gemacht, oder zumindest sehe ich viele Trainierenden nach den Programmen/Intervallen der Beastmaker-App trainieren. Zudem erzählen viele von den guten Erfolgen, die sie mit dieser Vorgehensweise erreicht haben. Im Grunde ist dieses Protokoll auch wirklich gut, um die Finger kletterspezifisch zu trainieren, jedoch wird es fälschlicherweise als Fingerkrafttraining bezeichnet. Aufgrund der hohen Wiederholungszahl und der vergleichsweise niedrigen Intensität ist es aber im Kraftausdauerbereich einzuordnen. Das zeigt sich besonders durch die körperliche Reaktion während dem Training.

Das Halten und Loslassen entspricht dem Muster beim Klettern und erzeugt einen „Pump“ in den Unterarmen. Eben dieser Pump zeigt, dass wir uns im Bereich der „laktaziden anaeroben Energiegewinnung“ befinden. Das bedeutet, dass der Muskel seine Energie primär aus der unvollständigen Glykolyse speist. Unvollständig ist sie, weil die Energie schneller zur Verfügung stehen muss, als der biochemische Prozess diese liefern kann.

Dieser Prozess ist für den Körper kein Problem. Er lässt einfach ein paar Reste übrig, darunter das Laktat. Dieses Laktat sammelt sich in der Muskulatur und kann nur bei einer bestimmten Intensität weiter abgebaut werden. Sobald die Intensität der Übung diese Schwelle überschreitet, fängt der Muskel an zu brennen. Über einer bestimmten Laktatschwelle versagt die Muskulatur schließlich.

Mit dem folgenden Protokoll trainierst du die Kraftausdauer durch Verbesserung dieser Abbauprozesse und der Laktattoleranz der Muskulatur. Für die Protokollausführung hast du zwei Optionen:

  • Option 1: Du besorgst dir ein Beastmaker und die passende App (die vorgeschlagenen Intervalle sind ziemlich fordernd und sollten deshalb nicht in einen Boulder-/Klettertag integriert werden).
  • Option 2: Methode nach Eva Lopez. Diese kann in einen Boulder-/Klettertag integriert werden.

Für das Training wählst du einen Griff, der dich so fordert, dass du bei der letzten Wiederholung eines Satzes gerade so durchhalten kannst. Eine Session ist also erstmal nötig, um den richtigen Griff herauszufinden.

  • 10 Sekunden hängen und 5 Sekunden Pause entspricht einer Wiederholung
  • Diese Wiederholung absolvierst du vier bis fünf mal hintereinander
  • Danach machst du eine Minute Pause und wiederholst dieses Vorgehen abhängig von deinem Trainingsniveau drei (ganz in Ordnung) bis fünf (ziemlich heftig) mal

Unabhängig vom Trainingsprotokoll sei nochmal daran erinnert: die Anpassung der Sehnen und Bänder läuft nicht so schnell ab, wie die der Muskulatur. Das bedeutet, dass wir beim Klettern in der Lage sind kleinere Griffe zu halten, aber die Belastbarkeit der Finger nicht unbedingt gewährleistet ist. Deshalb sollte man direkt nach einem Fingerkraftzyklus beim Klettern und Bouldern besonders aufmerksam sein, um sich nicht zu verletzten. Gleichzeitig ist es wichtig die Gegenspieler der Fingerbeugemuskulatur zu stärken. Wie das funktioniert, kannst du in unserem Artikel über Antagonistentraining nachlesen.

 

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