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Wie reagiert unser Körper eigentlich auf Belastung?

3. September 2019
Tipps und Tricks

Nach einem anstrengenden Aufstieg bei bestem Bergwetter schaust du nach oben und hast fast schon den Gipfel erreicht, aber auf einmal fühlen sich die Beine wie Pudding an und jeder Schritt wird zu einer Herausforderung. Was ist da nur los? Vielleicht etwas zu schnell gegangen? Eigentlich sollte das Training in den vergangenen Wochen ja ausgereicht haben. Aber ob Klettern auch so viel für die Fitness beim Wandern bringt? Und vielleicht hätte ich bei der Pause auf der letzten Hütte doch nicht so viel auf einmal essen sollen.

Um die nächste Berg- und Klettertour nicht so enden zu lassen, wollen wir heute einmal auf die physiologischen Grundlagen beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Trailrunning eingehen und uns ansehen, was in unserem Körper da genau passiert.

So arbeitet deine Muskulatur beim Bergsport

Alle unsere Bewegungen beruhen auf dem Zusammenspiel aus Nervensystem und Muskulatur. Dabei ist es egal, ob du kletterst oder die Maus am Computer klickst. Die etwa 600 Skelettmuskeln unseres Körpers machen etwa 45 Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Muskeln ziehen sich auf „Befehl“ der Nervenbahnen zusammen und entspannen anschließend wieder.

Jede Muskelgruppe hat zwei oder mehrere Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen. Ein einfaches Beispiel ist der Unterarm. Winkeln wir ihn an, wird der große Bizepsmuskel am Oberarm angespannt. An seinen Enden läuft er in sogenannte Sehnen aus, die auf der einen Seite am Schulterknochen und auf der anderen Seite am Unterarmknochen verankert sind.

Kontrahiert (=anspannen) sich der Muskel, so bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu, das dazwischen liegende Gelenk wird gebeugt. Gleichzeitig muss der entgegengesetzt arbeitende Streckmuskel, der Trizeps, entspannt werden. Dieses Prinzip nennt sich fachmedizinisch Agonist und Antagonist, im übertragenen Sinn sprechen wir von Spieler und Gegenspieler.

Die Muskeln brauchen Treibstoff

Damit ein Muskel sich an- und wieder entspannen kann, braucht er Energie. Durch eine exotherme Reaktion wird chemische in mechanische Energie umgewandelt. Die für die Muskelkontraktion benötigte Energie wird zum größten Teil durch die Hydrolyse (Wasseranlagerung) von Adenosintriphosphat (ATP) in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphat (Pi) zur Verfügung gestellt.

Das ATP ist quasi der Hauptversorger und primäre Energielieferant der Muskulatur. Da der Vorrat im menschlichen Körper jedoch begrenzt ist, muss die Muskulatur während des Wanderns oder Kletterns weiterhin ATP herstellen, um nicht vorzeitig zu ermüden. Die für den Wiederaufbau benötigte Energie wird durch Oxidation aus Kohlenhydraten, Fettsäuren und Eiweißen bzw. Aminosäuren gewonnen.

„Man isst und trinkt nicht am Berg, um Hunger und Durst zu stillen, sondern um die Leistungsfähigkeit zu erhalten!“ – Dieses Zitat stammt von einem Bergsteiger und gilt nach wie vor.

Energiebereitstellung – wann verbrennt der Körper was?

Entscheidend für die Energiebereitstellung im Muskel ist, ob diese mit ausreichender Sauerstoffaufnahme (aerob) oder unzureichender Sauerstoffaufnahme (anaerob) geschieht und ob dabei Laktat (Milchsäure) entsteht, welches sich in den Muskelfasern ansammelt.

Wer beim 2000 Meter Lauf Vollgas gibt, kann diese Anstrengung nur kurz durchhalten. Hierbei verbrennen die Muskeln nur Kohlenhydrate. Bei einer fünfstündigen Bergwanderung verbrennt der Organismus sowohl Kohlenhydrate als auch Fette. Dies hängt mit der deutlich niedrigeren Intensität zusammen. Das Problem ist, dass der Kohlenhydratspeicher des Körpers nicht sehr groß ist – ganz im Gegensatz zum Fettspeicher.

Umso besser der individuelle Fettstoffwechsel trainiert ist, desto weniger Glykogen (Kohlenhydratspeicher im Muskel) wird benötigt, um die Anstrengung aufrecht zu erhalten. Die Energiebereitstellung ist abhängig vom Trainingszustand und zu einem großen Teil auch von der Ernährung. Bei vielen Volksläufen findet am Abend vor dem Rennen häufig die sogenannte „Pasta Party“ statt, um die Glykogenspeicher in den Muskeln vor dem Wettkampf noch einmal aufzufüllen.

Die muskulären Glykogenreserven sind bei intensiver Belastung beim Bergsport je nach Trainingszustand nach etwa 60 bis 90 Minuten so gut wie verbraucht. Bei anhaltender Ausdauerbelastung ist der Muskelstoffwechsel nun auf eine vermehrte Fettverbrennung angewiesen. Die Energiebereitstellung durch Fette benötigt allerdings deutlich mehr Sauerstoff und erfolgt nur halb so schnell wie durch die Kohlenhydrate.

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, hat vielleicht schon vom berühmten „Mann mit dem Hammer“ gehört. Dieses Phänomen beschreibt die Erschöpfung der Kohlenhydrat-Speicher im Muskelgewebe. Durch die langsamere Freisetzung der Energie durch die Fette muss die Intensität deutlich verringert werden, um überhaupt noch weiterlaufen zu können. Intensität und Dauer der maximalen Leistung verhalten sich also gegenläufig zueinander. Je mehr ATP in den Zellen gebildet werden kann, desto höher ist auch die Leistung.

Wer beim Wandern oder Klettern zu schnell startet sorgt zudem dafür, dass sich Laktat in den Muskeln ansammelt. Wird die Intensität nicht verringert, ist irgendwann die sogenannte Laktatschwelle erreicht. Diese ist bei jedem Menschen anders und kann während einer Leistungsdiagnostik ermittelt werden. Beim überschreiten der anaeroben Schwelle „übersäuert“ der Muskel und kann nicht mehr richtig arbeiten. Der Muskel kann nicht mehr so viel Energie produzieren, um weiter den Berg hinauf gehen zu können. Die Intensität muss deutlich verringert werden, um die Bergtour überhaupt noch fortsetzen zu können.

Leistungslimitierende Faktoren am Berg

Allgemein lässt sich das Leistungslimit des Körpers dadurch definieren, dass die beanspruchten Muskeln nicht mehr in der Lage sind, eine für eine bestimmte Belastungsintensität geforderte Leistung zu erbringen, sie also zunehmend ermüden. Wie im Beispiel mit der körperlichen Erschöpfung kurz vor dem Gipfel in der Einleitung.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit hängt somit von den physiologischen Prozessen ab, die eine Ermüdung der Muskeln herbeiführen. Es ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, wie groß der Anteil verschiedener Prozesse an der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit ist. Aber folgende Faktoren haben auf jeden Fall einen großen Einfluss auf unser Leistungsvermögen:

  • VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme)
  • Koordination (Trittsicherheit, Schwindelfreiheit)
  • Psychologische Aspekte (ausgesetztes Gelände, Höhenangst)
  • Muskelfaserzusammensetzung (Training)
  • Energiebereitstellung
  • Wärmeregulation (Hitze/Kälte)
  • Wasser- und Elektrolythaushalt
  • Orthopädische Beschwerden

Die Gefäßkapazität in den Muskeln könnte etwa das Vierfache der durch das Herz verfügbaren Blutmenge nutzen. Bei Ausdauersportarten wie dem Bergwandern, Bergsteigen und Trailrunning ist somit die Transportkapazität des Herz-Kreislauf-Systems leistungslimitierend. Jedoch sagt die maximale Durchflussrate in den Blutgefäßen noch nichts über die Effizienz der Sauerstoffversorgung der Muskeln beim Sport aus, die mit regelmäßigem Training gesteigert werden kann, damit die Muskeln beim nächsten Mal eben nicht kurz vor dem Gipfel „schlapp“ machen, sondern bis zum Rückweg am Parkplatz nach der Tour brav ihren Dienst erfüllen.

Die berühmte Ausdauer, von der man gar nicht genug haben kann

Als „Ausdauer“ bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus gegen Ermüdung und die rasche Regenerationsfähigkeit nach einer körperlichen Belastung wie Klettern oder Bergwandern. Ausdauer beschreibt aber auch die motorische Fähigkeit, eine bestimmte Intensität (zum Beispiel die Lauf- oder Aufstiegsgeschwindigkeit) über eine möglichst lange Zeit aufrechterhalten zu können, ohne vorzeitig körperlich zu ermüden. Ebenso beschreibt sie die Zeit, die nach einer Tour am Berg für die Regeneration benötigt wird.

Durch verbesserte Ausdauer (Training) ist von Beginn an eine höhere Intensität möglich und die zu Verfügung stehenden Energiespeicher des Körpers können deutlich effizienter genutzt werden. Die menschliche Ausdauer stellt neben Kraft, Schnelligkeit, Koordination und der auf Mobilität und Dehnfähigkeit beruhenden Beweglichkeit eine grundlegende motorische Fähigkeit unseres Körpers dar. Jede einzelne Sportart erfordert und trainiert diese Grundfertigkeiten in unterschiedlichen Maßen, deswegen muss im nächsten Abschnitt auch noch auf die unterschiedlichen Bergsportarten eingegangen werden.

Unterschiedliche Belastung bei verschiedenen Spielarten des Bergsports

Generell können die meisten Sportarten am Berg als Ausdauersportarten bezeichnet werden. Der limitierende Faktor, der eine Tour oft schneller scheitern lässt als geplant, ist die körperliche Fitness. Besonders beim Wandern und dem klassischen Bergsteigen gerät das Herz-Kreislauf-System bei einem steilen Aufstieg schnell an seine Grenzen und der Plus geht so steil nach oben wie der Wanderweg.

Ein weiterer Faktor ist die muskuläre Belastung, vor allem beim Abstieg. Bei einem Abstieg von 1000 Höhenmetern ins Tal müssen die Muskeln der Beine jeden Schritt nach unten quasi „auffangen“, indem sie sich anspannen und das Körpergewicht halten. Viele kennen bestimmt den berühmten Muskelkater, der am nächsten Tag nach der ersten Bergtour der Saison eintritt. Bei diesem Phänomen sind die Muskeln am Ende des Abstieges komplett überfordert und verweigern dann erstmal ein paar Tage ihren Dienst.

Beim Alpinklettern, auf Hochtouren und auf Klettersteigen kommen häufig psychische Belastungen durch Ausgesetztheit oder Höhenangst im alpinen Gelände hinzu. Das klassische Felsklettern in den Bergen hat sich durch die zunehmende Popularität von Kletterhallen im städtischen Bereich auch zu einer Indoor Sportart (Sportklettern, Bouldern) entwickelt.

Das Klettern ist in erster Linie durch eine kraftbetonte Belastung der oberen Extremität (Arme, Schultern, Rücken) gekennzeichnet, während der unteren Extremität (vor allem die Beine) meistens eine stützende und stabilisierende Funktion übernimmt.

Beim Sportklettern in der Halle dauert die Belastung oft nur wenige Minuten an, weil die Routen relativ kurz sind. Hier ist vor allem die Muskelausdauer der limitierende Faktor, wenn die gewünschte Route auch nach dem fünften Versuch immer noch nicht funktionieren will. Bei länger andauernden, alpinen Touren ist ein Kletterer oft mehrere Stunden unterwegs und die generelle körperliche Ausdauerfähigkeit steht auf jeden Fall im Vordergrund.

Anaerobe Belastungen (Energiebereitstellung ohne Sauerstoff), wie wir sie im Absatz über die Energiebereitstellung kennen gelernt haben, finden sich beim Bergsport im Bereich des Wettkampfkletterns und beim Bouldern. Hier werden oft kurze Routen in möglichst schneller Zeit bewältigt und die Kletterer kommen gar nicht erst in den „Ausdauerbereich“ der Energieversorgung des Körpers.

Beim Trailrunning ist der Großteil der physiologischen Belastung derselbe wie beim Laufen im flachen. Allerdings kommt besonders in technischem Gelände ein erhöhtes Maß an erforderlicher Koordination hinzu, wenn es darum geht, gekonnt über Steine oder Wurzeln zu tänzeln. Steile Auf- und Abstiege fordern die Muskulatur genauso, wenn nicht sogar noch mehr als das Bergwandern im gleichen Gelände. Regelmäßiges Lauftraining am Berg zahlt sich aus, um die Muskeln an das Laufen in den Bergen zu gewöhnen.

Fazit und weitere Artikel zum Thema

Abschließend bleibt zu sagen, dass unser menschlicher Körper sich insgesamt sehr gut anpassen und auf Veränderungen einstellen kann.

Auch wenn orthopädische Probleme, schwere Beine oder die leeren Energiespeicher die letzte Bergtour doch etwas länger haben werden lassen als ursprünglich geplant, heißt das nicht, dass es beim nächsten Mal wieder so kommen muss. Durch die richtige Vorbereitung, ein an die persönliche Fitness angepasstes Gehtempo und ausreichende Verpflegung wird die nächste Gipfelbesteigung garantiert zu einem vollen Erfolg!

Dieser Artikel über die physiologischen Grundlagen und die körperliche Belastung beim Bergsport ist der Auftakt zu einer kleinen Artikelserie im Basislager der Bergfreunde. Nachdem wir heute die Grundlagen geklärt haben, geht es nächstes Mal noch etwas spezifischer zur Sache und wir sprechen über die Ernährung beim Bergsteigen. Worauf gilt es in der Höhe besonders zu achten? Was sollte unbedingt in die Brotzeitdose und was bleibt lieber daheim?

Das Nachhaltigkeitskonzept von Prana

31. Mai 2019
Ausrüstung

Die Marke Prana entstand 1992 in Südkalifornien und steht für bequeme und stylische Kletter-, Yoga- und Strandklamotten. Nachhaltigkeit hat für die Firma nach eigener Aussage von Anfang an eine Hauptrolle in allen Produktionsschritten gespielt und wird es auch in Zukunft tun. Man sieht sich dabei inspiriert durch die Yoga-Philosophie, die Umweltbewegung der amerikanischen Westküste und die Kletterszene der 90er Jahre.

Nachhaltigkeitskonzepte im Sinne von Umweltschutz und sozialer Verantwortung wurden bislang auch durchaus überzeugend umgesetzt. Auffallend an der Prana-Strategie sind die wiederholten Appelle an die Kundschaft, auch ihren Beitrag zu leisten und ebenfalls Verantwortung für die Umsetzung von Nachhaltigkeit zu übernehmen. Das klingt dann meist in etwa wie folgt:

„From the farm to the factory to our closets, we all have an opportunity to reduce our impact on the environment. Start asking questions about your clothes in the same way you ask about the food you eat, and you can help fundamentally change the way clothing is made.“

Kurz: JedeR kann überall ansetzen und auch mit kleinen Schritten etwas bewirken.

Prana investiert vorwiegend in Partner, die neue Wege in der Produktion von Kleidung gehen und gehört Organisationen wie Fair Trade, bluesign, Textile Exchange, Responsible Down Standard und vielen mehr an. Unter den US-Unternehmen war man einer der ersten bluesign-Systempartner und der erste große Bekleidungshersteller mit einer Fair Trade USA-Zertifizierung. Zudem steigt die Zahl der Fair Trade-Produkte von Saison zu Saison. Gleiches gilt für Produkte aus Bio-Baumwolle, Naturfasern und recycelten Stoffen. Schauen wir uns nun die Maßnahmen im Detail an.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Da Prana kaum technische Outdoorkleidung herstellt, gibt es den ansonsten in der Outdoorbranche sehr ausgeprägten Konflikt zwischen technischer Funktionalität und Umweltfreundlichkeit nicht in dem Maße. Bleibt natürlich immer noch der Rentabilitätskonflikt, mit dem nicht nur Outdoorfirmen, sondern alle Unternehmen zu tun haben. Doch dieser hindert Prana nicht daran, Umweltschutzmaßnahmen konsequent umzusetzen.

Kennzeichnung nachhaltiger Produkte

Prana macht durch das Liefern von guten Argumenten und die vorwegnehmende Beantwortung von Fragen und möglichen Einwänden immer wieder „Werbung“ für Bluesign – und andere Nachhaltigkeitsinitiativen.

Als Gründe werden die Wassereinsparung, die Vermeidung giftiger Chemikalien und die Vertrauenswürdigkeit des Labels genannt. An Fragen wird unter anderem Folgende beantwortet: „Wird die Leistungsfähigkeit der Kleidung durch den reduzierten Einsatz von Chemie beeinflusst?“

Antwort: „Nein, wir können die grundlegende Leistung und Qualität, die wir beabsichtigen, ohne die chemischen Methoden erreichen.“

Bio-Baumwolle, recycelte Wolle und Hanf

Seit 2018 sind 100% der Baumwoll-Produkte von Prana aus Bio-Baumwolle gefertigt. Daneben erweitert Prana laut Angaben der PR-Agentur KGK auch die Verwendung von Hanf und recycelter Wolle. Dafür werden in Italien Altkleider und Schnittreste zu Fasern zurück verarbeitet, um dann in neuen Produkten zum Einsatz zu kommen. Hanf wird wegen seiner Robustheit gern genutzt: weder im Anbau, noch bei der Ernte oder in der Verarbeitung benötigt er Pestizide oder Düngemittel.

Auch bei Biobaumwolle und recycelter Wolle liefert die Prana-Homepage die Argumente gleich mit:

  • Landwirte und ihre Familien sind keinen schädlichen Chemikalien mehr ausgesetzt.
  • Leben und Biodiversität im Boden erholen sich.
  • Mit jedem T-Shirt aus Bio-Baumwolle werden 115 Liter Wasser im Vergleich zu herkömmlicher Baumwolle eingespart.

Im FAQ-Bereich wird jedoch nicht ausschließlich gelobt, sondern auch auf eingegangene Kompromisse und Verbesserungspotentiale hingewiesen.

Gleiches gilt für die recycelte Wolle, deren Verwendung Ressourcen und Energie spart, Abfälle und Abwässer vermeidet, den Flächenverbrauch der Landnutzung verringert und das Tierwohl achtet. Auch ist der notwendige Aufwand zur Aufbereitung der Fasern (z. B. der Färbung) deutlich geringer. All diese Vorzüge werden laut Prana ohne Abstriche in Sachen Leistungsfähigkeit und Funktionalität des Endprodukts erreicht.

Recyceltes Polyester

Seit 2016 verwendet Prana recyceltes Polyester, das in der Regel aus PET-Flaschen stammt. Der Anteil der Produkte mit recyceltem Polyester wird seitdem ausgebaut, vor allem bei Bademode wie Boardshorts, Neopren-Teilen und Bikinis.

Responsible Down Standard (RDS)

Der RDS ist ein freiwilliger weltweiter Standard. Wenn Marken sich für diese Zertifizierung ihrer Produkte entscheiden, halten sie sich strikt an die „fünf Tierfreiheiten“, die da wären:

  1. Freiheit von Hunger und Durst
  2. Freiheit von Unbehagen
  3. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen oder Krankheiten
  4. Die Freiheit, normales Verhalten auszudrücken
  5. Freiheit von Angst und Leid

Mehr über den RDS und dessen Vertrauenswürdigkeit erfahrt ihr in diesem Bergfreunde Artikel.

Umweltschutz am Unternehmensstandort

Auch das gehört zum Prana-Nachhaltigkeitskonzept: Recycling, Kompostieren, Energie sparen und Müll vermeiden am eigenen Standort. Die bislang auffälligste Aktion ist wohl die Umstellung von Plastik auf Papier: seit 2011 verzichten die Kalifornier weitestgehend darauf, Produkte in Plastik-Verpackungen zu verschicken. Stattdessen greift man auf Tüten aus 100% Altpapier zurück. Bis 2017 sollen so an die 11 Millionen Plastiktüten eingespart worden sein, deren Gewicht dem von 25 Blauwalen entsprechen sollen.

Soziale Aspekte

Die Maßnahmen im sozialen Bereich beziehen sich – wie bei anderen Outdoorlabels auch – auf die Arbeitsbedingungen bei den Partnern und Zulieferern in den sogenannten Entwicklungsländern. Prana macht deren Erfolg sogar an konkreten Zahlen fest, ohne allerdings deren Herkunft genauer zu spezifizieren: „Since prAna became the first North American apparel brand to produce Fair Trade Certified clothing, we have given back $400,000+ to 33,000+ workers worldwide.“

Außerdem werden auf der Firmenhomepage demokratische Entscheidungsfindungen hinsichtlich der Verwendung von Geldern und die kommunale Entwicklung für die Familien der Landwirte und Fabrikarbeiter erwähnt.

Die wichtigsten „messbaren“ Maßnahmen sind die Teilnahme am Fair-Trade-Certified-Programm und die Mitgliedschaft in der Fair Labor Association. Prana weist auf den Unterschied zwischen der  Fair Trade Zertifizierung einzelner Fabriken (Fair Trade Factory) und der vollständigen Zertifizierung für das „Gesamtpaket“ (also über die ganze Produktionskette bis zu den Ausgangsmaterialien hinweg) hin. Bei Prana sind die Fair Trade Produkte, deren Anteil von Saison zu Saison zunimmt, als Ganzes zertifiziert.

Die Mitgliedschaft in der Fair Labor Association (FLA) besteht seit 2010, seit 2015 läuft das Social Responsibility Programm der Kalifornier offiziell mit Unterstützung der FLA.

Mitarbeiter und Kunden

Den Einbezug von Mitarbeitern und Kunden kann man als sozialen Aspekt der Nachhaltigkeitsbestrebungen betrachten. Prana erwartet von jedem einzelnen Mitarbeiter verantwortungsbewusste und umweltbewusste Praktiken, sei es beim Umgang mit Chemikalien oder bei der Müllentsorgung im Alltag. Die Kunden werden aktiv aufgerufen, sich für nachhaltige(re) Kleidung zu entscheiden.

Ökonomische Aspekte

Seit 2014 gehört prAna zu den Marken der Columbia Sportswear Company (COLM), die in erster Linie Wachstumsziele verfolgt und für Investoren interessant sein möchte.

Was sagen die Kritiker?

In Massenmedien und bei Verbraucherportalen ist Prana zurzeit noch nicht präsent, sodass es von dieser Seite keine Bewertungen gibt. Vereinzelte Berichte von Bloggern und Branchenmagazinen äußern sich bezüglich Nachhaltigkeit überzeugt und positiv.

Fazit

Da Kleidung und Accessoires von Prana viel über die Ansprache von Gefühlen und als Lifestyleprodukte verkauft werden, lässt sich natürlich vortrefflich diskutieren, ob wirklich jedes dieser schönen neuen Yogashirts und Kletter-Hoodies auch wirklich benötigt wird, oder ob nicht auch „unnötiger“ Luxuskonsum dabei herauskommt. Sagen wir mal so: wenn das Prana-Teil anstatt eines kurzlebigen Discounter- oder Großkonzernprodukts gekauft wird, ist das sicherlich ein Nachhaltigkeitsgewinn.

Zuletzt kann man immer noch einwenden, das ganze Nachhaltigkeitsgerede sei nur Eigenwerbung und diene letztlich doch nur dem Zweck der Umsatzsteigerung. Könnte stimmen, doch warum sollte man eigentlich immer den „niedersten“ Beweggrund annehmen? Man kann genauso gut annehmen, dass Prana sich tatsächlich für Biobaumwolle, recycelte Materialien und fairen Handel einsetzt. Letztlich ist es gar nicht so wichtig, denn zumindest kann man als potentieller Käufer bei Prana sehr detailliert nachvollziehen, warum sich die Entscheidung für die nachhaltige Alternative lohnt.

Polygiene: Wie funktioniert der Mief-Blocker und ist er nachhaltig?

9. Mai 2019
Ausrüstung

(Vorsicht, folgende Einleitung könnte Spuren von Ironie enthalten)

Angeblich soll es in den Bergen noch den rückständigen Brauch geben, nach dem Schwitzen nicht sofort zu duschen und die Klamotten zu wechseln. Igitt, wie eklig und vor allem auch rücksichtslos gegenüber den Mitmenschen. Schuld an diesem Missstand sind vor allem Bergunterkünfte, die keine Duschen und noch nicht mal heißes Wasser rund um die Uhr haben. Dort weht dann in den viel zu engen Massenlagern ein Aroma, das in der Großstadt wohl ABC-Alarm auslösen würde. Wann schafft die EU endlich Gesetze, dass solche Stinkehütten klimatisiert zu sein und  Raumduftsysteme vorzuhalten haben?

Solange die Bergwelt noch lückenhaft reguliert ist, müssen wir uns mit Provisorien behelfen. Eine Möglichkeit wäre, die körperlichen Anstrengungen soweit zu reduzieren, dass kein Schweiß mehr die Poren verlässt. Hier ist man mit vielen neuen Seilbahn- und Straßenbauprojekten schon auf einem guten Weg. Doch was tun, wenn das Schwitzen partout nicht vermieden werden kann und der nächste hochalpinen Sanitärbereich noch in der Planungsphase ist?

Wie kommt der Mief in die Klamotten?

Dann schlägt die Stunde von Technologien wie Polygiene. Polygiene bietet – ab jetzt ohne Ironie –  nicht nur optionalen Luxus wie Parfüm und Deo, sondern wirklich nützliche Vorteile. Warum das so ist, versteht man am besten nach einem genaueren Blick auf den schlechten Schweißgeruch sowie seine Entstehung und Auswirkungen. Obwohl man hier eigentlich nicht viel falsch verstehen kann, denn wie Schweiß entsteht und welche Funktion er hat, dürfte jeder Mensch wissen, der schon einmal selbst geschwitzt hat. Bei Erhitzung des Körpers wird das „Körperwasser“ aus den bis zu 2,6 Millionen Schweißdrüsen herausgepresst, um für kühlende Verdunstung auf der Haut zu sorgen. Diese Kühlung ist lebenswichtig, der Körper braucht sie so, wie ein Verbrennungsmotor Kühlwasser braucht.

Was vielleicht nicht jeder weiß: der Schweiß an sich hat keinerlei Eigengeruch. Er enthält aber Proteine und Fettsäuren, die wiederum als Nährstoffe für Bakterien und andere Mikroorganismen dienen, die sich auf der Haut befinden. Die Mikroorganismen bauen die Stoffe ab, was – analog zur menschlichen Verdauung – zu geruchsintensiven Abfallprodukten führt. Im warmfeuchten Klima sammeln sich diese Hinterlassenschaften zusammen mit den sich prächtig vermehrenden Mikroorganismen auf der Haut und in der Kleidung an.

Das stinkt dann nicht nur, sondern greift auch das textile Gewebe an, da die Abbauprodukte Säuren und Salze enthalten, die der Kleidung chemisch und mechanisch zusetzen können.

Was ist Polygiene?

Kurz und knapp: Polygiene ist ein in Textilien eingearbeitetes Silbersalz aus recyceltem Industriesilber. Zugleich ist es der Name der Herstellerfirma mit Sitz im schwedischen Malmö.

Es gibt mehrere Arten von Silbersalzen. Für Polygiene wird, wie zumeist bei Outdoorkleidung, Silberchlorid verwendet, da es wasserunlöslich ist und nicht aus der Kleidung ausgewaschen wird. Durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen können zwar minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese schädigen im Falle von Polygiene weder Organismen noch Abwassersysteme (dazu mehr im Abschnitt Nachhaltigkeit).

Polygiene basiert auf Silberchlorid aus 100 % recyceltem Silber von photochemischen und industriellen Rückständen. Eine Vermischung mit Silber aus dem Bergbau ist ausgeschlossen. Es wird ähnlich wie Farbe in die Textilfasern eingearbeitet. Dabei wird nur eine sehr geringe Menge Silber verbraucht: die Menge, die in einem Fingerring steckt, reicht für etwa 5000 mit Polygiene ausgerüstete Kleidungsstücke.

Die Silberbehandlung von Polygiene bleibt nach Angaben des Herstellers über die komplette Lebensdauer der Kleidungsstücke erhalten und wäscht sich auch nicht in der Waschmaschine aus. Es handelt sich bei Polygiene auch nicht um Nanosilber, welches aus Silberionen im Größenbereich von Nanometern (10-9 Metern) besteht und im Verdacht steht, sich aus der Kleidung zu lösen und durch die Haut in den Körper zu gelangen. Die für Polygiene verwendeten Silberionen sind mehr als 100mal größer und damit zu groß, um in die Haut einzudringen.

Zudem versichert Polygiene, dass die eigenen Silbersalze sich auch nach längerem Gebrauch nicht von den Textilien lösen. Sie sind zudem nur auf der Außenseite des textilen Trägermaterials aktiv und beeinträchtigen weder die Transpiration noch die natürliche Bakterienflora der Haut. Dementsprechend haben mit Polygiene ausgerüstete Stoffe in Europa die medizinische Zulassung der Kategorie 1, die auch Verbandsmaterial für den direkten Kontakt mit offenen Wunden umfasst.

Polygiene wird zumeist fertig eingearbeitet in Funktionswäsche angeboten, kann jedoch auch als Spray oder Waschzusatz nachträglich aufgebracht werden.

Wie funktioniert es?

Die winzigen Silberpartikel wirken ähnlich wie ein Antibiotikum: sie töten mikrobisches Leben auf breiter Front und verhindern so dessen Wachstum. Als „unverdauliche Brocken“ legen sie den Stoffwechsel der Mikroben lahm.

Die Frage ist aber nicht nur, wie es funktioniert, sondern auch, wie lange und wie gut es funktioniert. Das Outdoor-Magazin hat dazu einen Test über satte 14 Tage gemacht und kam zu folgendem Ergebnis.

Zum testen haben wir ein das Baselayer-Shirt Capilene Thermal Weight von Patagonia und ein Paar Wandersocken von SaferSox zur Verfügung gestellt bekommen. Polygiene empfahl uns das Shirt 8 Tage lang zu testen. Wir sollten Sport machen, das Shirt richtig vollschwitzen und dann lediglich zum Trocknen aufhängen. Zwischendrin durfte das Shirt nicht gewaschen werden.

Für unseren Test sind wir noch einen Schritt weitergegangen. Unser Tester hat das Patagonia-Shirt insgesamt 14 Tage lang getragen. Das Ergebnis: Es bleibt kein Schweißgeruch im Baselayer zurück.

Es blieben zwar andere Gerüche wie Essen oder Deo zurück, doch die Zahl derjenigen Bergfreunde, die sich auch davon beeinträchtigt fühlen und von ihrer Funktionskleidung eine entsprechende Lösung erwarten, dürfte sich zum Glück in Grenzen halten.

Welche Vorteile bringt die Geruchshemmung?

Die direkten Vorteile des Nicht-Stinkens dürften auf der Hand liegen. Sie liegen nicht nur in besserem Wohlgefühl und angenehmerer sozialer Interaktion auf engem Raum, sondern auch in besserer Hygiene. Die Abwesenheit von Bakterien und Pilzen bedeuten auch weniger potentielle Hautirritationen und andere gesundheitliche Probleme.

Hinzu kommen indirekte Vorteile, die daraus resultieren, dass Polygiene-Textilien weniger oft gewechselt und gewaschen werden müssen. Man kann mit deutlich weniger (Wechsel)Wäsche auskommen und dadurch das Rucksack- oder Reisegepäck reduzieren. Auch der Lebenszyklus der Produkte verlängert sich dadurch deutlich, da sowohl Mikroben als auch Waschgänge die Fasern schädigen und das Material abnutzen. Es wird weniger weggeworfen und nachgekauft, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont. Damit sind wir auch schon mitten im Thema Nachhaltigkeit.

Warum Polygiene nachhaltig ist

Es dürfte schon aus den bisherigen Zeilen hervorgegangen sein, dass Polygiene eine ziemlich nachhaltige Angelegenheit ist. Doch sie ist nicht nur ein bisschen nachhaltig, sondern rundherum und vollkommen. Warum? Weil nicht nur Material und Technologie selbst nachhaltig sind, sondern auch ihre direkten und indirekten Effekte. Das wird auch von Umweltorganisationen und Regulierungsbehörden anerkannt. So ist die permanente Textilbehandlung bluesign-zertifiziert und erfüllt strenge, unabhängige Umwelt- und Produktlebenszyklusstandards wie die EU Umwelt- und Abfallgesetze und den ISO 14001 Standard. Zudem befindet sich Polygiene auf der Öko-Tex-Liste (I-IV) von unabhängig geprüften und zertifizierten Produkten.

Gesundheit

Die Zertifizierungen schaffen eine hohe Verbrauchersicherheit, da mit steigenden Umweltstandards für Ausgangsstoffe und Herstellungsverfahren die Belastungen für die menschliche Gesundheit sinken. So wird beispielsweise die Reinheit des Silbers durchgehend kontrolliert, um Spuren anderer Metalle sicher auszuschließen. Auch eventuelle Wechselwirkungen des Silbers mit der Haut werden gründlich untersucht. So wurde in einer Studie des National Center for Biotechnology Information in den USA überprüft, ob das antimikrobielle Silber das Bakteriengleichgewicht auf der Haut stört. Die Forscher konnten dabei keinen Effekt von antibakterieller Kleidung auf die Mikroflora von gesunder Haut nachweisen. Sicher, Ergebnisse von Studien sind manches mal mit Vorsicht zu genießen, doch im Fall von Polygiene kann man schon aufgrund der Konstruktion von minimierten Risiken ausgehen.

Ressourcenverbrauch

Dieser Bereich dürfte der effektivste Nachhaltigkeitshebel von Polygiene sein, denn der Ressourcenverbrauch wird in allen Phasen des Produktlebenszyklus minimiert. Der Rohstoff Silber wird wie erwähnt aus recyceltem Material (Elektronikschrott) gewonnen und in sehr geringen Konzentrationen verwendet. Zudem kann die Polygiene-Behandlung in einem Arbeitsgang mit anderen Ausrüstungen aufgebracht werden und erfordert dadurch keinen zusätzlichen Wasser- und Energieeinsatz. Ein Bindemittel für die Fixierung der Polygiene-Moleküle am Stoff ist ebenfalls nicht nötig.

Die größte Ressourceneinsparung findet während der Verwendung der Polygiene-Bekleidung statt, denn sie wird deutlich weniger gewaschen als herkömmliche Sportkleidung. Letztere wandert teilweise nach jedem einzelnen Einsatz in die Waschmaschine. Mit Polygiene ist das nicht nötig, denn die unhygienischen Bakterien und Gerüche entstehen gar nicht erst. Wenn der Schweiß verdunstet und das Gewebe getrocknet ist, ist die Wäsche auch tatsächlich noch sauber genug, um  weiter getragen zu werden – natürlich nicht unbegrenzt, aber definitiv um ein mehrfaches länger als unbehandeltes Kunstfaser- oder Baumwollmaterial. Die „Bevor-es-eklig-wird-Tragedauer“ einer Polygiene-Unterwäschegarnitur kann man in etwa mit der von Merinowolle gleichsetzen.

Die Polygiene-Wäsche kann nicht nur seltener, sondern auch bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden. Das trägt ebenfalls zu reduziertem Energieverbrauch und längerer Produktlebensdauer bei. Und wenn diese schließlich doch irgendwann ihr Ende erreicht hat, kann die Kleidung inklusive der Polygiene-Ausrüstung recycelt werden.

Aus all dem ergibt sich eine einfache aber wirkungsvolle Nachhaltigkeitsformel:

Weniger waschen = weniger Wasserverbrauch, weniger Reinigungsmittel, weniger Energieverbrauch + längere Produktlebensdauer + mehr freie Zeit + gespartes Geld!

Auf der Polygiene-Homepage ist das Ganze mit diversen Zahlen angereichert. Sogar für die Geld- und Zeiteinsparung sind Zahlen angegeben: so geht man pro Waschmaschinenladung von 28 Minuten Zeitaufwand und 1,34 US$ Kosten aus. Insgesamt geht man davon aus, dass der „ökologische Fußabdruck“ (Wasser- und Energieverbrauch; Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung) eines Kleidungsstücks zu etwa zwei Dritteln aus dem Waschen und Trocknen resultiert.

Zwar können durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen irgendwann doch minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese verbinden sich laut Patagonia rasch mit Sulfiden in der Umwelt zu chemisch stabilem, nicht löslichem Silbersulfid, welches lebende Organismen nicht beeinträchtigt. Die Silberionen werden also deaktiviert, sobald sie in einen natürlichen Wasserlauf gelangen. „Auf gleiche Weise werden sie auch im Wasser einer Kläranlage deaktiviert, sodass sie weder die bakteriellen und Bio-Stufen der Anlagen belasten noch das gereinigte Wasser oder den Klärschlamm.“ Ohnehin sind geringe Mengen an Silberchlorid und Silbersulfid auch auf natürliche Weise im Trinkwasser, Meerwasser und im Boden vorhanden.

Fazit

Polygiene ist ein Paradebeispiel für Outdoor-Technologie, die funktionalen Nutzen mit  Nachhaltigkeit vereint. Die Behandlung sorgt dafür, dass man sich in Sport- und Outdoorklamotten deutlich länger wohlfühlen kann. Das wiederum kann helfen, den Reinlichkeitsdrang des urbanen Lifestyles samt seiner teils absurden Komfortansprüche unten im Tal zu lassen, statt immer tiefer in die Berge einzuschleppen. In dem Falle würde Polygiene womöglich gar zu einer Eindämmung des Erschließungswahns beitragen, der ja manchmal ganz ähnlich wie die fiesen kleinen Stinkebazillen wuchert …

S.Café – Kaffee zum Anziehen

2. Mai 2019
Ausrüstung

Kaffee wird hier langsam aber sicher zum Kernthema. Zuerst gab es den langen Artikel über gepflegten Kaffeekonsum in der wilden Natur, dann kam die revolutionäre Schuh-Innovation zur Lösung des leidigen Problems der Kaffee-to-go-Flecken auf Sportschuhen. Und jetzt kommt auch noch ein Gewebe aus Kaffeesatz um die Ecke.

Aus Kaffeesatz? Ja, das ist technisch möglich und schafft sogar zusätzliche natürliche Funktionalitätsaspekte bei den so produzierten Klamotten. Da kommen natürlich Fragen auf: Kann man aus dem Zeug bei drohendem Bergtod durch Übermüdung noch ein rettendes Käffchen brühen? Lässt sich in S.Café Klamotten die Zukunft lesen? Nein, diese Funktionen bietet die Kaffeekleidung nicht. Was sie wirklich bietet, dazu gleich mehr, zunächst schauen wir uns die Idee und die Entstehung der Marke S.Café an.

Die Idee stammt natürlich aus Kalifornien oder Skandinavien, wie immer, wenn es um Funktionsklamotten geht. Oder etwa nicht? Nein, diesmal kommt die nerdige Outdoor-Innovation aus dem fernen Osten, genauer aus Taiwans Hauptstadt Taipeh.

Die Idee hinter dem Kaffeesatz-Material

Dass Kaffeesatz und etwa nicht Bananenschalen oder Teebeutel als neuer Textilschlager entdeckt wurde, lag wohl daran, dass Jason Chen, Geschäftsführer der Firma Singtex, und seine Frau Mei-hui ihren Geistesblitz in einer Kaffeebar hatten. Verwundert hatten sie eine ältere Dame beobachtet, die den Barista um den Kaffeesatz bat. Auf den fragenden Blick des Ehepaars hin erklärte der Barista, das Kaffeesatz gut sei, um Gerüche aus dem Kühlschrank zu entfernen. Die geruchshemmende Eigenschaft von Kaffeesatz war also schon bekannt.

Chens Frau soll daraufhin scherzhaft vorgeschlagen haben, dass er doch Kaffeereste in seine Textilien einbauen möge, um den Schweißgeruch nach seinen häufigen Marathon-Trainingseinlagen loszuwerden. Der Legende nach dachte Jason dann kurz nach, wandte sich an seine Frau und rief laut aus: „GOOD IDEA!“ Es war also Mei-huis Idee und Jasons Umsetzung, die hier geboren wurde.

Die Idee kam wie gerufen und wurde patentiert, bevor Chen überhaupt wusste, wie er den Kaffee ins Textil bringen will. Schon zuvor hatte Singtex öfter neue Verfahren und Fasern erfunden, wurde jedoch meist zügig von der Konkurrenz auf dem chinesischen Festland kopiert und preislich unterboten. Deshalb stand man kurz vor der Pleite und wollte diesen Fehler nun nicht mehr wiederholen.

Entstehungsgeschichte und Entwicklung

Chen trommelte eine Gruppe von Partnern zusammen und man begann, die Möglichkeiten der Einarbeitung von Kaffeesatz in Garn zu erforschen. Die Umsetzung der scheinbar einfachen Idee nahm vier Jahre Forschung und harte Arbeit in Anspruch. Im Jahr 2009 war es dann soweit und die Erfindung konnte unter dem Markennamen S.Café präsentiert werden.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und die Nachfrage nach S.Café stieg schnell. In Taipeh entstand ein ganzes Netz an Partnerschaften mit Starbucks und lokalen Cafés, um den gebrauchten Kaffeesatz systematisch einzusammeln. Mittlerweile ist ständig ein Tross von Fahrzeugen unterwegs, um tagtäglich etwa eine halbe Tonne Kaffeesatz im Großraum Taipeh einzusammeln. Der andere Rohstoff für das Textilmaterial – Polyester – wird ebenfalls aus in einem nachhaltigen Kreislauf aus größtenteils lokal eingesammelten Abfällen gewonnen: aus recycelten PET Flaschen.

Weitere Entwicklungen

Recht bald nach der Einführung 2009 hat Singtex Unterwäsche, Bettwäsche, Schuhe und eine wachsende Palette weiterer Produkte aus S.Café entwickelt. Hinzu kommen Modifikationen des Materials selbst, die unter Namen wie P4Dry und Mylithe mit neuen Konfigurationen von Polymeren und Kaffeeresten weitere spezielle Funktionen erreichen. So soll Mylithe durch eine “Luftstruktur”-Methode ein baumwollartiges Tragegefühl vermitteln, ohne die ursprünglichen Eigenschaften von S.Café einzubüßen.

Da Jason Chen ein findiger und umtriebiger Firmenpräsident ist, sollen natürlich auch weiterhin neue Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsfelder erschlossen werden. Die wachsende Verbreitung von S.Café wird dank ständig erweiterter, weltweiter Kooperationen mit immer mehr führenden Textilunternehmen wie Timberland, American Eagle, North Face und Puma zielstrebig vorangetrieben. Auf Kosten der Umwelt soll dieses Wachstum aber auch künftig nicht gehen, weshalb Singtex auch weiterhin hohe Standards garantierende Zertifizierungen wie Bluesign, Oekotex und Cradle-to-Cradle anstrebt.

Herstellung

Die ersten Herstellungsschritte finden in den Röstereien und Kaffeebars statt. Die Bohne muss nämlich nicht nur bei Temperaturen zwischen 160 und 220°C geröstet, sondern auch pulverisiert und gebrüht werden, um zusammen mit den Polymeren der alten PET-Flaschen den textilen Stoff zu formen.

Beim Rösten schwillt die Kaffeebohne an, was bedeutet, dass ihr Innenraum größer wird. Beim Brühen entfernt dann das heiße Wasser Materialien aus den so entstandenen Hohlräumen. Aus dem so „präparierten“ Kaffeesatzpulver wird dann der Extrakt gewonnen, der, bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck in die Kunststoff-Filamente eingearbeitet und zu einem Garn geformt, die Eigenschaften der Ausgangsmaterialien verbindet.

Es bleiben zwar pro Filterportion nur etwa 2% nutzbarer Kaffee-Extrakt übrig, doch alles in allem klingt die Sache gar nicht mal so unergiebig. So reichen die Rückstände aus einer Tasse Kaffee laut Chen für etwa zwei bis drei T-Shirts.

Materialeigenschaften

Vor allem die Eigenschaften des Ausgangsmaterials Kaffeesatz kommen im Endprodukt gut zur Geltung. Die eben erwähnten Mikroporen absorbieren Gerüche, reflektieren die UV-Strahlung und trocknen doppelt so schnell wie Baumwolle. Feuchtigkeit wird bei S.Café-Gewebe kontinuierlich von der Haut auf die Außenseite transportiert, wo es sich über die Oberfläche verteilt und schnell verdunsten kann. Die Verdunstung trägt dazu bei, dass die Hauttemperatur im Vergleich zu herkömmlichen Stoffen um 1 bis 2°C abgekühlt wird – ein durchaus spürbarer Effekt.

Diese Eigenschaften im Zusammenspiel bewirken ein im Vergleich zu herkömmlichen Kunstfasern angenehmeres, natürlicheres Tragegefühl.

Da sich die Kaffeebestandteile im inneren der S. Café-Fasern befinden, braucht man sich um ein Nachlassen der Funktionalität nicht zu sorgen. Sie übersteht normale Maschinenwäsche problemlos und hält nicht weniger lang vor als andere funktionale Textileigenschaften.

All das macht S.Café nicht nur für Outdoor- und Sportbekleidung interessant, sondern auch für viele weitere Verwendungsbereiche bis hin zu alltäglichen Haushaltsartikeln.

Nachhaltigkeit

Natürlich hat Singtex um sein Vorzeigeprodukt eine Nachhaltigkeitsphilosophie gestrickt. Die ist allerdings kein künstliches PR-Produkt, sondern ein natürlicher Ausdruck des praktizierten Handelns. Der nachhaltige Kreislauf ist klar erkennbar: die eigentlich unnachhaltigen Auswirkungen der Kaffeetrinkkultur werden hier (teilweise) in einen nachhaltigen Kreislauf überführt. Aus den Abfällen eines globalen städtischen Lifestyles mit ständig wachsendem Kaffeekonsum wird ein nützliches Produkt gewonnen. Und es stellt sich heraus, dass in diesem Kreislauf noch viele weitere verborgene Produkte und Technologien auf ihre Entschlüsselung warten.

Zu diesem genial einfachen Konzept passt es bestens, dass Kleidungsstücke aus S.Café am Ende ihres Lebens kompostiert werden können. Wenn ihre Rückstände dann zum Anbau von Kaffee verwendet werden, wäre ein Lebenszyklus abgeschlossen.

Fazit

Die griffige Kurzformel für die Vermarktung von S.Café lautet: „Drink it, wear it“. Das ist einprägsam und fasst die Firmenphilosophie gut zusammen. Die Begeisterung fürs Kaffeetrinken ist hier auch verständlich, denn ohne all die fleißigen Trinker wäre der Kaffeesatz kein recycelter Abfall, sondern ein teurer Rohstoff.

Dennoch sollte man die Ermunterung zu (noch mehr) Kaffeekonsum vielleicht nicht allzu wörtlich nehmen. Auch so schon dürfte die „Leistungsgesellschaft“ mehr als genug vom Kaffee (an)getrieben sein und Singtex muss sicher keinen Mangel an Nachschub befürchten. Außerdem geht unsere persönliche Leistungskurve mit Koffein auf Dauer eher runter als rauf. Also, ruhig lieber öfter mal ein Schläfchen halten statt den nächsten doppelten Espresso zu kippen. Klar, leichter gesagt als getan, denn wir haben ja alle keine Zeit und sich einfach auszuruhen ist schon fast ein subversiver Akt. Aber ich schweife wohl gerade ab und bin nicht mehr beim Thema. Obwohl, es geht doch irgendwie um Kaffee, oder?

Klettertechnik Teil 4 – Stehen

23. April 2019
Tipps und Tricks

Obwohl beim normalen Gehen unbewusst ein Fuß vor den anderen gesetzt wird, zeigt sich an der Kletterwand ein anderes Bild. Der Blick geht nach oben zum nächstbesten Griff und die Beine werden blind gegen die Wand gesetzt, um schnellstmöglich hoch zu dem rettenden Griff zu gelangen. Dann kommt ein fortgeschrittener Kletterer, der mit einer scheinbar spielenden Leichtigkeit diese schwere Route meistert…

Diese scheinbare Eleganz ist zu einem großen Teil einer guten Fußtechnik zuzuschreiben. Doch kein Problem, eine gute Fußtechnik ist erlernbar und bringt schnellere Fortschritte als jedes Kraft- und Beweglichkeitstraining. In diesem Artikel lernst du ein paar kleine Tipps worauf du beim Treten achten kannst.

Präzise und bewusst Treten

Ein häufiger Tipp den man als Anfänger hört, ist das „leise Treten“. Was damit eigentlich gemeint ist, ist das präzise Treten. Wird ein Tritt bewusst gesetzt hört man fast nicht, dass da jemand klettert. Denn wer präzise tritt, tritt auch leise. Hier hilft es nach unten auf den Tritt zu schauen, bis der Fuß gesetzt ist. Es ist ein Vorteil zu wissen, dass man richtig steht, das gibt mehr Vertrauen in den Tritt.

Viele kleine Schritte führen zum Ziel

Der stete Tropfen höhlt den Stein, so soll es auch beim Treten sein.

Mit kleinen Schritten an der Wand sparst du mehr Kraft und bist in der Lage deinen Körperschwerpunkt durchgehend im Lot zu halten. Deshalb macht es Sinn, auch wenn zwei Tritte weiter der bessere Tritt ist, den kleinen Schlechten davor mitzubenutzen.

Auf was stehst du so?

Die Zehen haben ein vergleichbares sensorisches Gefühl wie unsere Finger. Auch wenn man drei bis fünf Millimeter Gummi zwischen Haut und Tritt ist. Für dieses Feedback spielt der große Zeh eine besondere Rolle.

Doch Anfänger machen sich dies nicht zu nutzen und stehen eher auf der Seite des Fußes. Das mindert nicht nur das sensorische Feedback, sondern auch die Bewegungsfreiheit auf dem Tritt. Dabei ist sie hilfreich, um den Körperschwerpunkt optimal zu platzieren. Versuche also auf dem vorderen Bereich deiner Kletterschuhe zu stehen. Das bringt dir nicht nur Trittgefühl und Bewegungsfreiheit, sondern auch ein paar Zentimeter mehr Reichweite, da du dich komplett aus der Wade herausdrücken kannst.

Spitze

Assymetrisch, Vorspannung und Downturn sind Kletterschuhkonstruktionen, die dabei helfen sollen mehr Druck auf die Spitze des Kletterschuhs zu bringen. Auf der Spitze macht agiler bei positionswechseln, da man den Fuß auf dem Tritt meist auch rotieren kann. In überhängendem Gelände erlaubt das Stehen auf der Spitze das aktive Ziehen aus den Beinen. Vor allem sehr kleine Tritte und Löcher können oft nur mit der Spitze gestanden werden. Somit ist das Stehen auf der Spitze eine Fertigkeit, die man von Anfang an lernen sollte.

Innenkante

Die Innenkante kann besonders in senkrechten und leicht geneigten Wänden helfen den Körperschwerpunkt nah an der Wand zu halten. Zusätzlich steht man biomechanisch optimal, auf dem großen Zeh. Da die Innenkante es aber nur wenig zulässt sich auf dem Tritt zu drehen, schränkt es den Bewegungsspielraum ein.

Außenkante

Die wahrscheinlich am wenigsten genutzte Kante des Kletterschuhs, kann angestellt werden um beim Eindrehen besser an die Wand zu kommen. Aber auch beim Durchkreuzen der Füße beim Weitertreten stellt man sich eher auf die Außenkante. Hier steht man auf der kleinen Zehe oder auf dem Kleinzehballen.

Abschüssige Tritte

Bei abschüssigen Tritten und Volumen hilft es die maximale Kontaktfläche von Sole und Tritt zu generieren. Damit das funktioniert, sollte möglichst frontal angestanden und die Ferse aktiv gesenkt werden. Dies ist eine gewöhnungsbedürftige Fußposition, aber mit etwas Übung gewinnt man schnell an Sicherheit.

Volumen

Das Stehen auf Volumen ist sehr spannend, oft vertraut man ihnen nicht so ganz. Um die Reibung zu verbessern gilt es mit aktiv gesenkter Ferse zu stehen. Damit die Körperposition optimal ist, hilft es das Volumen möglichst außen an der Kante zu treten.

Fußwechsel-Techniken

Bei Trittmangel kann es gut möglich sein, dass man viel lieber mit dem einen Fuß auf dem Tritt stehen würde, der gerade mit dem anderen Fuß belegt wird. Ein Fußwechsel kostet immer ein bisschen mehr Energie und Konzentration, aber ist das ein oder andere Mal die beste Option. PS: Achte bei Fußwechseln möglichst im langen Arm zu klettern (Artikel 1).

1. Nachrücken

Ist ein Tritt ausreichend groß, so setzt man von Beginn den ersten Fuß so, dass für den anderen Fuß noch etwas Platz bleibt. Wie im Beispiel wird der linke Fuß an die linke Kante des Trittes gesetzt. Dann wird der rechte Fuß daneben gesetzt und mit einer eleganten Drehbewegung des Linken wird für den Rechten etwas mehr Platz gemacht.

2. Umspringen

Diese Variante funktioniert am besten, wenn der Körperschwerpunkt über dem Standbein (im Bild links) liegt. Dann wird der rechte Fuß direkt über die Zehen des Linken gelegt und durch kurze Kraftübernahme durch die Hände ein schneller Wechsel vollzogen. Dabei wird der linke Fuß sehr schnell unter dem rechten Fuß herausgezogen und der rechte Fuß landet auf dem Tritt.

 

3. An der Wand zwischen stehen

Wenn relativ gute Griffe zur Verfügung stehen kann man auf elegante Weise die Wand mitbenutzen. Durch ein Zwischentreten an der Wand wird der Tritt für den anderen Fuß frei. Dabei muss man etwas höher an der Wand anstehen, damit der Fuß ausreichend Druck auf die Wand bringt. Während des Manövers hängt man primär an den Armen, bis der andere Fuß auf dem freigewordenen Tritt steht. Das ist in Überhängen natürlich deutlich anspruchsvoller als in der Geraden und setzt ein gutes Können voraus.

 

Wir hoffen, dir hat unsere Reihe zur Klettertechnik gefallen. Solltest du noch Fragen haben, stell‘ sie gerne in die Kommentare! Teil 1-3 kannst du hier nachlesen:

Klettertechnik Teil 1: Klettergrundlagen!

Klettertechnik Teil 2: Griffarten!

Klettertechnik Teil 3: Greifen!

Klettertechnik Teil 3 – Greifen

16. April 2019
Tipps und Tricks

Damit man weiß, wie man einen Griff optimal belasten kann, sollte genau hingeschaut werden. Denn mit ein bisschen Knobeln wird aus dem schwersten Sch**ßzug schnell eine schöne Bewegung und die verhasste Tour entpuppt sich als wahrer Schatz. Im letzten Teil habe ich dir gezeigt, welche Griffe in der Halle an die Wand geschraubt werden und in diesem Artikel lernst du, dass kleine Details einen großen Unterschied machen können. Enjoy!

Neigungswinkel von Griffen

Positiv

Sie lassen sich richtig gut festhalten, auch im Überhang! Da der Griff zur Wand neigt, lassen sich die Finger gut einhaken und es ist weniger Kraft nötig um sich festzuhalten.

Neutral

Wenn die Grifffläche senkrecht zur Wand hinausragt, lassen sich große Griffe am besten halb aufgestellt halten. Aber winzig kleine „Microleisten“ lassen sich nur mit voll aufgestellten Fingern halten.

Negativ

Wenn die Griffe von der Wand ab herabfallend sind, lassen sie sich meist nur mit hängenden Fingern halten. Was sie vor allem Abverlangen, ist ein gutes Körpergefühl. Denn wer aus dem Gleichgewicht gerät, kann sich nicht festkrallen und fällt ab.

Belastungsrichtung von Griffen

Untergriff

Griffe, die nach unten hin offen sind, lassen sich nur gut Belasten, wenn der Körper in der richtigen Position ist. Der Untergriff sollte sich in etwa auf Höhe des Bauchnabels befinden. Höher, zwischen Bauch und Kopfhöhe ist ein wesentlich größerer Kraftaufwand nötig. In diesem Fall sollte man schnellstmöglich auf einen Tritt hochstehen, um sich besser auszurichten. Liegt der Griff noch höher, über Kopfhöhe, lassen sich nur wenige Untergriffe gut halten.

Seitgriff

Seitgriffe lassen sich am besten nutzen, wenn man sich, wie in den Beispielen, zur Griff abgewandten Seite positioniert. Tipp: Eindrehen hilft ;)

Gaston

Ein besonderer Seitgriff, bei dem man über die Schulter zieht, ist der Gaston. Damit er richtig belastet werden kann, muss ein passender Tritt vorhanden sein. Wie im Beispiel zu sehen ist, ist das der Tritt links, so kann der rechte Arm den Körper kontrolliert nach rechts drücken.

Pressen!

In Verschneidungen hilft es sich in die Ecke zu pressen, indem man einen Gegendruck zwischen Händen und/oder Füßen erzeugt.

Bigger = Better?

Prinzipiell unterscheiden sich die Griffarten in ihrem Neigungswinkel, ihrer Größe und Ausrichtung. Dabei bedeutet größer nicht immer besser! So klein ein Griff auch sein mag, wenn man mal genauer hinschaut können sich kleine Unterschiede in ihrer Struktur ergeben.

Versuche doch einfach beim nächsten Hallenbesuch die Griffe etwas genauer zu inspizieren und zu ertasten. Es kann auch mal gut möglich sein, dass du einen kleineren Griff nimmst, um diesen über eine andere Körperposition auf einem anderen Tritt besser zu belasten, als den Großen. Mehr dazu in den folgenden Artikeln.

Klettertechnik Teil 2 – Griffarten

11. April 2019
Tipps und Tricks

Für jemand, der noch nie geklettert ist, zeigt der Blick an die künstliche Kletterwand eine Reihe scheinbar zufällig gesetzter Griffe und Tritte. Ein geübter Blick hingegen sieht viele verschiedene Kletterrouten und Bewegungen. In gleicher Weise erkennt ein Fortgeschrittener schneller, wie ein Klettergriff optimal gegriffen werden sollte und welche Körperposition am besten dazu passt. Dieser und der nächste Artikel sollen dir dabei helfen, deinen Blick für Griffe zu verbessern.

Griffformen

Henkel und Taschen

Für den Anfänger ist er der Lieblingsgriff. Aber in schweren Routen verschwindet er schnell oder ist nur im Überhang zu finden.

Auch wenn Henkel dazu verlocken sich mit purer Kraft an ihnen hochzuziehen, wird diese „Technik“ langfristig zur Frustration führen. Denn mit Klimmzügen kommt man spätestens am Felsen und in den schweren Touren nicht weit. Dann wird es wichtiger mit der richtigen Klettertechnik zu steigen. Deshalb sollte man die senkrechten und leicht überhängenden Henkelrouten in der Halle zum Erlernen der Grundlagen nutzen. Denn wenn das Niveau steigt und Henkel nur noch eine gute Ausruhposition darstellen, ist eine gute Klettertechnik hilfreicher als pure Kraft.

Leisten

Eine erste größere Hürde stellen die kleinen Leisten dar, auf die nur ein bis zwei Fingerglieder passen. Wenn man von Natur aus eine gute Fingerkraft hat, sind sie kein Problem. Da aber Ringbandverletzungen in den Fingern eine der häufigsten Verletzungen im Sportklettern ist, sind Leisten immer mit Vorsicht zu „genießen“. Denn je nach Fingerstellung bedeuten Leisten eine hohe Last auf die Fingerstrukturen.

Durch eine passende Ausrichtung reduziert sich die Verletzungsgefahr, dabei unterscheidet man drei Arten:

  • voll aufgestellte
  • halb aufgestellte
  • hängende Finger

Die schonendste aber technisch anspruchsvollste Variante ist es mit hängenden Fingern zu klettern. Wegen des kleinen Belastungswinkels muss der Körper besser positioniert werden. Deshalb nutzen die meisten Kletterer eher halb oder voll aufgestellte Finger beim Klettern. Mit diesen kann, aufgrund des größeren Belastungswinkels, über einen weiteren Bewegungsraum aktiv an den Griffen gezogen werden (siehe Bilder). Bei voll aufgestellten Fingern unterstützt der Daumen zusätzlich, doch diese Fingerstellung bedeutet gleichzeitig die höchste Last auf den Ringbändern.

In Bezug auf die Verletzungsvorsorge ist es also sinnvoller, mit hängenden Fingern zu klettern. Trotz allem ist das volle Aufstellen der Finger Teil des Kletterns und lässt sich bei winzig kleinen Leisten nicht vermeiden. Wie du die Finger langfristig auf die Belastungen beim Klettern vorbereitest, erfährst du im Artikel zur Fingerkraft.

Fingerloch

Schlanke Finger haben hier meistens einen Vorteil. Denn eine Besonderheit der Fingerlöcher ist ihre Größe, sie bestimmt wie viele Finger man „hineinstopfen“ kann.

Doch wie bei Leisten besteht eine hohe Verletzungsgefahr, weshalb bei Löchern auch auf die Fingerstellung zu achten ist. Zusätzlich bedeuten Löcher mit scharfen Kanten eine höhere Belastung auf die Ringbänder. Zu den häufigsten gehören Zwei-Finger-Löcher, welche Finger du bei diesen nutzt, ist im Prinzip nicht so wichtig. Denn muskulär besteht kein Unterschied zwischen der Kombination von Ring- und Mittelfinger zu Zeige- und Mittelfinger. Aufgrund anatomischer Unterschiede der Fingerlängen ist eine der Varianten angenehmer.

Aufleger (Sloper)

Diese großen glatten Griffe sollten am besten mit der gesamten Handfläche gehalten werden. Denn hier geht es um Haftreibung und diese ist abhängig von Anpressdruck und Kontaktfläche. Manche Sloper haben auch kleine Erhebungen, die sich wie Leisten halten lassen.

Einer der wichtigsten Faktoren bei Slopern ist die Zugrichtung (siehe Artikel 1). In leichteren Routen findet sich meistens direkt unter dem Griff ein Tritt, damit man schön unter den Griff „tauchen“ kann (wie in Bild 2). Anspruchsvolle Routen fordern etwas mehr Technik und Kraft, hier ist es häufig nötig einen Gegenzug mit einem anderen Körperteil zu erzeugen (Wie in Bild 1).

Volumen

Dem Sloper gar nicht so unähnlich und aufgrund ihrer Größe lassen sie sich oft auch wie im ersten Bild stützen. Wer sich unter dem Volumen befindet, hat es etwas kniffliger. Am besten halten lassen sie sich, wenn die Fingergelenke genau an der Kante des Volumens ansetzen.

Stützer

An Griffen muss man nicht immer nur Ziehen, es kann auch helfen sich mit dem Handballen zu stützen. Wenn ein guter Griff in einer weniger abdrängenden Wand vorhanden ist, kann man die Handfläche gegen die Wand pressen, um einen Fuß zu entlasten.

Zange (Pinch)

Zuschrauben angesagt! Durch den Daumen als Gegenspieler kann zusätzlich Druck auf Zangen ausgeübt werden. Breite Zangen sind je nach Handgröße mehr oder weniger schwer zu halten. Außerdem sollte man auf ihre Ausrichtung achten, denn sie könnten sich auch als Leiste halten lassen.

Affengriff (Knubbel und Kanten)

Draußen kaum vorhanden, aber in der Halle doch recht häufig, sind Griffe die wie ein Knubbel aus der Wand herausragen. Hier kann man den gesamten Handballen auflegen und so die Fingermuskulatur entlasten.

Was kommt noch?

In diesem Artikel hast du die verschiedenen Griffarten kennengelernt. Doch auch innerhalb der einzelnen Arten gibt es kleine aber feine Unterschiede, die im Projekt zwischen Erfolg und Misserfolg entscheidend sein können. Diese lernst du im nächsten Artikel kennen.

Bis dahin viel Spaß beim Bouldern und Klettern!

Klettertechnik Teil 1 – Klettergrundlagen

9. April 2019
Tipps und Tricks

Wer erst mit dem Klettern angefangen hat, konzentriert sich meist auf die Griffe, um sich erst daran hochzuziehen und dann die Füße nachzusetzen. Warum? Weil die Finger im Gehirn motorisch und sensorisch eine sehr große Rolle spielen. Folglich geben sie einem das Gefühl von Sicherheit und man neigt eher zum Hochziehen, als technisch zu klettern. In den niedrigeren Schwierigkeitsgraden geht das vielleicht noch, aber schwere Touren verlangen mehr als pure Kraft.

Ein Grundprinzip des Kletterns/Boulderns ist es die eigene Kraft über die Klettertechniken effizient an die Wand zu bringen. Damit man sich in den verschiedenen Körperpositionen und Tritttechniken sicher fühlt, ist Erfahrung notwendig. Die folgende Artikelreihe soll dir Fertigkeiten und Techniken zeigen, die dir dabei helfen ökonomischer zu klettern.

Der erste Artikel erklärt die Grundprinzipien, die den Kraftaufwand beim Klettern und das Verletzungsrisiko reduzieren. Sie sind situationsbezogen und individuell einzusetzen und können je nach Route nicht immer umgesetzt werden. Doch nach ein paar Übungsstunden findet sich der eigene Kletterstil und wann die Techniken anzuwenden sind.

Dabei helfen die folgenden Fertigkeiten:

  • Klettern am „langen Arm“
  • Zugrichtung beachten
  • Lastverteilung auf beide Hände
  • Klettern im Lot
  • Optimaler Formschluss
  • Aufs erste Mal Greifen
  • Weich Greifen

Klettern am „langen Arm“

Ein genereller „Fehler“ ist es sich hauptsächlich über die Arme hochzuziehen, anstatt sich über die viel leistungsfähigere Beinmuskulatur hoch zu drücken. Deine Hände sollen dich nur dabei unterstützen nicht von der Wand zu fallen und die Fortbewegung sollte aus den Beinen und der Hüfte kommen. Damit diese Technik richtig funktioniert sind besonders das Eindrehen und die Drei-Punkte-Technik zu beachten.

Das Eindrehen beschreibt die Hauptbewegung aus der Hüfte, dazu drehst du die Hüftseite der weiter greifenden Hand an die Wand. So ist es eher möglich die Kletterbewegung aus den Beinen und dem Rumpf zu holen. Das ist wiederum einfacher umzusetzen, wenn du immer mindestens drei Punkte an der Wand hast. Es kann auch schon helfen, einen Fuß so gegen die Wand zu drücken, dass er die Drehung unterstützt.

PS: Häufig neigt man dazu den Blick nur auf die kommenden Griffe zu richten. Damit du aber weißt, wo die Tritte sind, ist es wichtig den Blick nach unten zu richten.

Zugrichtung beachten

Um die Griffe in Zugrichtung zu belasten hat sich der Kletternde links von den Griffen ausgerichtet. Denn einen Griff gut und ausreichend festzuhalten bedeutet nicht immer die maximale Kraftanstrengung einzusetzen, sondern auch den Körper optimal in Zugrichtung des Griffes zu positionieren und das Gewicht auf die Tritte zu leiten.

Durch die Linksdrehung der Hüfte, die durch die Rumpfmuskulatur und das rechte Bein eingeleitet wird, bringt er das Gewicht auf den linken Fuß und entlastet die linke Hand, um damit mit langem Arm weiter zu greifen. Sobald der Zielgriff erreicht ist, wandert der Blick in Richtung der Beine, um seine Füße auf die neue Körperposition und den nächsten Zug auszurichten.

Die Pfeile in den Bildern zeigen die Richtung und Stärke der Belastung, die der Kletterer an die Wand bringt.

Lastverteilung auf beide Hände

Beim weiter Greifen sollte man darauf achten es erst so spät wie möglich durchzuführen. Je länger beide Hände einen Griff belasten, umso länger wird auch die Kraft auf beide Hände verteilt.

In den nächsten Bildern ist zu sehen, dass die rechte Hand so lange am Griff bleibt, bis die Körperposition es erlaubt den linken Griff bestmöglich in Zugrichtung zu belasten. Hierbei kommt die Bewegung alleine aus den Beinen und der Hüfte, die Hände werden nur genutzt, um nicht aus der Wand zu kippen.

Klettern im Lot

Auf diesen Beispielbildern ist ebenfalls zu erkennen, dass durch die passende Positionierung der Hüfte eine Entlastung der rechten Hand stattfindet. Der Kletterer im Bild bewegt seinen Körperschwerpunkt unter den linken Griff und auf den linken Fuß, damit die rechte Hand entlastet wird und weiter greifen kann.

Um im Lot zu klettern sollte der Körperschwerpunkt direkt über einem Tritt oder in etwa in der Mitte zwischen zwei Tritten liegen. So wird die Last hauptsächlich auf die Beine übertragen. Dabei sollte man vor dem weitergreifen darauf achten im Lot zu sein.

Weiches Greifen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das kraftsparende weiche Greifen. Häufig neigt man dazu stärker zuzugreifen, als es eigentlich notwendig ist, weshalb man bewusst darauf achten sollte mit möglichst wenig Kraftaufwand zu greifen. Damit ein weicher Griff umgesetzt werden kann, sind Zugrichtung und das Klettern im Lot zu beachten. Der Körper muss so positioniert werden, dass die Beine das meiste Gewicht aufnehmen. Wer auf weiches Greifen achtet, kann die verfügbare Kraft für die schwereren Züge aufbewahren, an denen doch mal pure Kraft notwendig ist.

Griffarten kennen

Wenn du einen Griff noch nicht kennst, weißt du oftmals nicht, wie du ihn optimal halten kannst. Dabei ist die „Haltbarkeit“ ;) des Griffes vor allem von dem sogenannten optimalen Formschluss abhängig. Nur wenn der Griff mit möglichst vielen Fingern und Fingergliedern belastet wird, kann auch das volle Kraftpotential der Hände genutzt werden. Dabei sollten die Finger auch im Verbund so nah wie möglich zueinander greifen.

Welche Griffarten am häufigsten vertreten sind und worauf du achten kannst, erkläre ich dir im nächsten Artikel dieser Reihe.

Ohne Nachgreifen

Versuche besonders in leichteren Routen jeden Griff beim ersten Mal optimal zu greifen ohne den Griff korrigieren zu müssen. So sparst du Zeit, Energie und Konzentration für weitere Kletterzüge. Am besten planst du schon im Voraus, wie du die Route klettern wirst. Das erfordert etwas Übung und wird zu Beginn etwas frustrierend sein, doch die Fehler, die man früh im Lernprozess macht, helfen einem dabei schnell besser zu werden.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Marmot

2. April 2019
Ausrüstung

Marmot ist eine Bekleidungs- und Ausrüstungsfirma, die standesgemäß im Sunny California der frühen Siebziger entstand und mittlerweile zu den bekanntesten weltweit operierenden Outdoorlabels gehört.

Man kann bei Marmot nicht unbedingt von einer umfassenden, alles durchdringenden Nachhaltigkeitsstrategie wie bei Patagonia oder Fjällräven sprechen. Es werden eher punktuelle Maßnahmen in verschiedenen Bereichen durchgeführt. Das klingt zunächst bescheiden, ist aber durchaus verständlich, denn bei Marmot ist der Anteil an wirklich hochfunktionaler, technischer Kleidung und Ausrüstung für anspruchsvolle Outdoor- und Bergunternehmungen relativ hoch. Doch das heißt nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit nur ein Schattendasein führen würde – die gezielten Maßnahmen haben es wirklich in sich und können je nach Erfolg der entsprechenden Produkte weitreichende Wirkung zeigen.

Als Haupt-Bausteine des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts kann man das Leitmotto „People, Product, Planet“ sowie die sogenannte Treadlight-Strategie betrachten. Hauptsächlich geht es bei diesen um technische Innovationen bei Materialien und Herstellungsverfahren, um Ressourcen effizienter zu verwenden und dabei zugleich die maximale Funktionalität der Produkte zu erreichen. Das versuchen viele andere Hersteller auch, doch das Besondere bei Marmot ist, dass die resultierenden Produkte nicht nur im hochpreisigen Segment anzutreffen sind (dazu gleich noch zwei Beispiele).

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Marmot sieht demzufolge langlebige und hochwertige Produkte als beste Maßnahme, um schädliche Umwelteinflüsse zu minimieren. Diese Herangehensweise sieht man nach eigener Aussage als treibende Kraft der Produktentwicklung. Es gibt hier auch nachweisbare Erfolge, von denen die Daunenalternative Marmot Eco Featherless und die umweltschonende Imprägnierung EvoDry hervorzuheben sind.

Eco Featherless

Die Daunenalternative aus Nylonfasern kam als Teil des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts in den Handel. Die Nylonfasern bestehen wiederum zu 75 Prozent aus recycelten Materialien.

Eco Featherless erreicht eine Wärmeleistung und Bauschkraft, die einer 700 Cuin Daunenfüllung entspricht, und ist dabei sowohl atmungsaktiv als auch feuchtigkeitsabweisend. Sie wärmt damit auch im nassen Zustand und wird durch häufiges Waschen kaum beeinträchtigt. Last but not least ist Eco Featherless hypoallergen und nach dem Ökostandard Bluesign zertifiziert.

EvoDry

Diese patentierte Imprägnierung wird ohne Wasser, nur mittels Hitze und Druck direkt in das trockene Garn eingebracht. Das Garn wird durchdrungen und hält dadurch dauerhaft Nässe stand. Jan Schapmann, Geschäftsführer von Marmot Mountain Europe, sieht darin nichts weniger als „die Zukunft der Regenbekleidung“.

Auch EvoDry besticht durch hohe Waschbeständigkeit: 100 Gänge in der Waschmaschine und im Trockner übersteht die Imprägnierung locker. Marmot versichert, dass EvoDry-Bekleidung die ganze Dauer über wasserdicht bleibt und nie nachimprägniert werden muss.

Bei EvoDry-Kleidungsstücken sind alle Bestandteile von der Imprägnierung bis hin zum Reißverschluss komplett PFC-frei.

Die Stoffe, auf denen die Imprägnierung aufgetragen wird, bestehen aus recyceltem Nylon und werden im umweltschonenden „Solution-Dye-Verfahren“ gefärbt. Dieses benötigt laut Outdoor-Magazin pro Jacke 85 Prozent weniger Färbemittel und 89 Prozent weniger Wasser als herkömmliche Verfahren. Energieeinsatz und CO2-Ausstoß sollen um fast zwei Drittel niedriger ausfallen.

EvoDry und Eco Featherless sind die Vorzeigetechnologien der oben erwähnten Marmot-Nachhaltigkeitsinitiative Treadlight. Sie sind aber nicht die Einzigen, hinzu kommt noch die Produktlinie der Thread T-Shirts, die aus 50% recyceltem Polyester (vor allem aus Plastikflaschen) und 50% recycelten Baumwoll-Verschnittresten hergestellt sind. Dank Letzterer werden vor allem der hohe Pestizideinsatz und Wasserbrauch der Baumwollproduktion verringert. Die verwendeten Farben sind deutlich schadstoffärmer und die T-Shirts trugen zur Schaffung von mehr als 1.300 Jobs auf Haiti bei.

Ein weiterer Umweltaspekt ist Marmots Selbstverpflichtung zur Verwendung von RDS-zertifizerter Daune. Der Responsible Down Standard (RDS) ist ein unabhängiger Zertifizierungsstandard, der die Rückverfolgbarkeit von Daunen sicherstellen soll und für die gesamte Produktionskette gilt. Auch ein durchwegs würdiger Umgang mit den Tieren soll sichergestellt werden. Bislang gelingt das in Bezug auf einzelne Produktionsketten und Unternehmen, langfristig soll es die gesamte Daunenindustrie zum Besseren verändern.

2015 begann Marmot mit der Verwendung von RDS-Daunen, seit Winter 2018 ist laut Eigenauskunft die Daune europaweit in allen Marmot-Schlafsäcken und Kleidungsstücken RDS-zertifiziert.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Neben einer wachsenden Zahl an Fair Trade Produkten hat Marmot einen Verhaltenskodex für Partner und Lieferanten. In dieser vertraglich bindenden „Vendor Compliance Policy“ werden Partner, Lieferanten und deren Subunternehmer zur Einhaltung international gültiger Standards und Normen des Arbeitsrechts verpflichtet. Man kann Marmot durchaus glauben, dass an der Umsetzung ernsthaft gearbeitet wird, denn es wird nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch auf langfristig wachsendes Vertrauen und gegenseitigen Respekt gesetzt. Mit 95 Prozent der Zulieferer unterhält man Geschäftsbeziehungen, die seit mehr als fünf Jahren andauern.

Ökonomische Aspekte

Ob Marmot eigenständig nachhaltige ökonomische Entscheidungen fällen und Strategien entwickeln kann, ist schwierig zu bewerten, da die Firma im Laufe der Jahre in ein Geflecht aus Übernahmen und Beteiligungen eingebunden wurde: „2004 wurde Marmot von K2 Sports übernommen, welches wiederum 2007 von der Jarden Corporation übernommen wurde. Nach der Übernahme von Jarden durch Newell Rubbermaid im Jahre 2016 wurde Marmot aus K2 ausgegliedert und die K2 Sports 2017 an Kohlberg & Company verkauft. Marmot ist bei Newell verblieben.“

Für Aussagen über die Planung und Durchsetzbarkeit von ökonomischen Nachhaltigkeitsstrategien benötigt man Einblicke in die Vorgaben, Entscheidungswege und Hierarchien bei Marmot und derer Mutterkonzerne, was den Rahmen dieses Artikels leider ein wenig sprengt.

Mitgliedschaften und Kooperationen

Marmot ist bluesign Systempartner, was die Verpflichtung beinhaltet, das bluesign-System in der gesamten Produktionskette anzuwenden. Das bluesign-System minimiert schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur durch einen international anerkannten Standard für nachhaltige Textilproduktion und Verbraucherschutz. Mit Inspektionen vor Ort wird sichergestellt, dass chemische Produkte und Rohstoffe korrekt und verantwortungsvoll eingesetzt und bedenkliche Stoffe vermieden werden.

Des Weiteren ist man Mitglied in der European Outdoor Conservation Association (EOCA). Die EOCA ist eine Initiative der Europäischen Outdoor-Industrie, die spezifische Umweltschutzprojekte unterstützt. Zudem unterstützt Marmot weitere Initiativen wie die dZi Foundation, die Cancer Climber Association, Guide Dogs for the Blind, Chicks with Picks, SOS Kinderdörfer und terre des hommes.

Was sagen die Kritiker?

Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Marmot mit 3 von 5 Punkten mittelmäßig mit der Tendenz zu „gut“ weg. Allerdings datiert der Check aus dem Jahr 2012, es kann sich also zwischenzeitlich einiges geändert haben. Ansonsten scheint Marmot bislang bei den Nachhaltigkeits- und Verbraucherportalen etwas unter dem Radar zu fliegen, denn seitdem scheint sonst niemand mehr nachgeprüft zu haben.

Das Alpin-Magazin sei von Marmots Nachhaltigkeitsbemühungen jedenfalls überzeugt, wie man in diesem Artikel über den Weg der Outdoorindustrie in die Nachhaltigkeit lesen kann. Über die mit EvoDry ausgestattete Eclipse Jacke heißt es:

„So schnell, robust und umtriebig, wie sich die namensgebenden Murmeltiere in der alpinen Welt bewegen, ist auch der Anspruch von Marmot an die eigenen Produkte. Das sieht man zum Beispiel in der neuen EvoDry-Technologie der Kalifornier, die nicht nur den Körper schützen soll, sondern auch die Umwelt. So besteht zum Beispiel das Eclipse Jacket aus recyceltem, sehr strapazierfähigem Nylon-Material und ist vom Reißverschluss bis zur Imprägnierung 100% PFC-frei. Dabei ist die Jacke atmungsaktiv, und hat 20.000 mm Wassersäule. Besonders schlau: Die Imprägnierung ist direkt ins Garn eingearbeitet, ein lästiges Nachimprägnieren entfällt daher“.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint das Nachhaltigkeitskonzept bei Marmot nicht allzu umfassend, doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich die punktuellen Maßnahmen als ziemlich effektiv. Allerdings ist auch die Kundschaft gefragt, nachhaltige Angebote wie Eco-Featherless und EvoDry wahrzunehmen und anzunehmen. Zumal Marmot es schafft, diese Technologien zu Preisen anzubieten, die sogar eher günstiger sind als die konventionellen Hightech Lösungen. Letztere sind im Grunde nur dann wirklich notwendig, wenn man zu dem eher kleinen Kreis der Bergfreunde gehört, der wirklich in große Höhen und stürmische Weiten vordringt. Denn das Niveau an Isolation, Wasserdichtigkeit und Gewichtsminimierung für den High-End Bereich ist (leider) nach wie vor nur mit PFC-haltiger Chemie und echten Daunen erreichbar.

Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Patagonia

19. März 2019
Ausrüstung

Es ist das Outdoor-Paradoxon: wir wollen unberührte Landschaft erleben und erhalten, verbrauchen aber reichlich Ressourcen, um sie mit eigenen Augen zu sehen. Wir regen uns über Sommerskifahrer und röhrende Porsches auf, steigen aber in den Flieger nach Neuseeland. Ob Hersteller und Anbieter von Outdoorware oder Konsument und Nachfrager: man schwärmt von Natur und Bergen, trägt aber genau dadurch auch zu deren Gefährdung bei.

Doch vielleicht gibt es auch eine andere Seite. So heizen bunte Bilder von Wasserfällen, Wäldern und Bergkulissen zwar einerseits die Konsum- und Reiselust an, doch gleichzeitig können sie durchaus auch den Sinn für die Schönheit der empfindlichen und schützenswerten Ökosysteme schärfen.

Nicht nur Klima: Was ist Nachhaltigkeit?

Vereinfacht gesagt: Nachhaltig ist, wenn man Ressourcen nicht schneller verbraucht, als die Natur sie – mit oder ohne menschlichen Einfluss – neu schaffen kann. Man kann dafür den selbstlosen Verzicht predigen, doch das wird kaum beachtet, geschweige denn ernst genommen. Auch kann das nur tun, wer glaubwürdig als Vorbild vorangeht – und das sind nicht Viele. Immerhin, wenn es denn mal jemand vormacht, wird es weithin respektiert und bewundert.

Trotzdem fruchten meist nicht einmal die vielen Appelle an die „freiwillige Selbstbeschränkung“ auf ein „vernünftiges Maß“. Sie riechen eben zu sehr nach Moralkeule und außerdem kann ohnehin niemand wirklich genau sagen, wo dieses goldene Mittelmaß liegt. Meist wird versucht, mit einem bestimmten „CO2-Budget“ pro Kopf und Jahr zu operieren. Derart auf Zahlen reduziert scheint es zwar besser umsetzbar, geht meiner Meinung nach aber am Kern des Problems vorbei – so wie im Grunde die ganze heutige Fixierung auf Zahlen, CO2 und „das Klima“.

Mit „Klimazielen“ und maximal „erlaubten“ Temperaturerhöhungen der Erde zeigt der Mensch neben der guten Absicht nämlich auch, dass er nach wie vor in dem technozentrischen Weltbild steckt, das die Probleme erst erzeugt hat. Ein solches Weltbild glaubt, mit Zertifikatehandel und etwas effizienterer Technologie die Temperaturverhältnisse der Erde zu steuern und damit das Umweltproblem in den Griff zu bekommen. Nur wird dabei vergessen, dass bei solch gewaltigen ökologischen Zusammenhängen auch kosmische Einflüsse wie die Sonne sowie auch die Erde selbst ein Wörtchen mitzureden haben. Auch geraten durch die CO2-Fixierung andere Probleme wie Bodenversiegelung oder Ausstoß von Ruß, Feinstaub und Aerosolen aus dem Blickfeld.

Echte Nachhaltigkeit muss auch andere Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die drei Ebenen des Nachhaltigkeitsmodells (Ökologisches, Ökonomisches und Soziales), sondern auch persönliche und grundsätzliche, nicht technische Aspekte wie ein Hinterfragen der eigenen Bedürfnisse und Motive. Um dann vielleicht so manchen Impulskauf oder die spontane Kurzreise um den halben Globus bleiben zu lassen. So kann man sich beispielsweise fragen: Brauche ich für meine Wanderpläne diese 3-lagige Hightech-Jacke mit 40 000 mm Wassersäule? Brauche ich die wasserabweisende und atmungsaktive Daunendecke für den Campingausflug? Muss alles immer nagelneu sein oder reicht auch mal ein gut gepflegtes Second-Hand-Teil?

Bei Outdoor-Kleidung bedeutet jedes Mehr an Funktion oft auch ein Mehr an Chemikalien. Aber jetzt fange ich hier selbst schon mit der Moralkeule an… Ich möchte aber nur zeigen, dass letztendlich die Hauptverantwortung bei uns als Kunden liegt, denn bei aller Werbeverführung der Welt kann kein Hersteller und kein Händler allein bestimmen, was gemacht und hergestellt wird.

Apropos Hersteller: dieser Artikel hier soll die Nachhaltigkeitsbemühungen von Patagonia unter die Lupe nehmen – und in folgenden Artikeln werden noch einige weitere Hersteller auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Patagonia

Zunächst Folgendes: eine durchweg nachhaltige/ethische Rohstoff-, Erzeugungs- und Vertriebskette kann nach wie vor kein Outdoor-Unternehmen leisten, ohne exorbitante Kaufpreise zu fordern. Auf diese Weise ist die Nachhaltigkeit eher eine kleine Spezialnische für die „gehobene“ Kundschaft. Damit wären wir aber eher beim berühmt berüchtigten „Freikaufen“ für einige wenige Superprivilegierte.

Wirkliche Nachhaltigkeit muss aber auch im effizienten, groß angelegten und preisgünstigen Rahmen funktionieren. Und hier ist Patagonia auf dem richtigen Weg, denn die Maßnahmen zielen nicht auf Exklusivität ab. Und Patagonia geht auch nicht den anderen „einfachen Weg“, nur einen unter vielen Aspekten nachhaltig zu gestalten und sich dann mit irgendeinem „klimaneutral“ erzeugten Zwischenprodukt ein grünes Image zu verschaffen. Nein, man setzt sich hier auf mehreren Ebenen für mehr Nachhaltigkeit ein und hat damit schon zu Zeiten begonnen, als nur die wenigsten global operierenden Unternehmen an derartiges dachten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Doch auch Patagonia war und ist ein wachsendes, global operierendes Unternehmen, dessen Verfahren und Produkte nicht immer vollständig nachhaltig sind. Elegant und diplomatisch wird dieses Problem in Formulierungen wie „zwischen Marketing und Umweltschutz“ ausgedrückt. Zu diesem Spagat gehören Engagements für verschiedene Umweltprojekte wie das bekannte Spendenkonzept „1% for the Planet“. Dessen Grundidee stammt von Patagonia-Gründer Yvon Chouinard selbst: 1% des jährlichen Unternehmensumsatzes geht an Organisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen.

Hauptsächlich will Patagonia die Umwelt-Nachhaltigkeit mit einem 4-Punkte Programm verbessern. Dieses besteht aus folgenden Punkten:

1 Reduce

Damit ist das Bestreben nach möglichst langer Lebensdauer der Produkte gemeint. Dadurch soll der Bedarf an ständig neuer Kleidung verringert werden. In diesem Rahmen ist auch die berühmte  Marketingkampagne „Do not buy this jacket“ während der Thanksgiving-Saison 2011 zu verstehen. Auf deren scheinbare Widersprüchlichkeit gehe ich später noch ein.

2 Repair

Patagonia gestaltet viele Kleidungsstücke so, dass Kunden sie möglichst einfach selbst reparieren können und unterstützt sie dabei mit Anleitungen im Internet. In den USA hat man eines der größten Textilreparaturzentren überhaupt aufgebaut und repariert dort jährlich 40.000 Kleidungsstücke.

In seinen Läden repariert Patagonia kaputte Outdoor-Bekleidung kostenlos und schickt mit dem „Worn wear truck“ seit 2017 einen Reparaturservice quer durch Europa (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage).

Außerdem nimmt Patagonia kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, andere Marken anzuprangern, die Reparaturen bewusst erschweren, um Kunden zu schnellem Neukauf zu bewegen. Mehr über die Worn Wear Aktivitäten findet sich in diesem Bergfreunde-Artikel und diesem Utopia-Bericht.

3 Reuse

Worn Wear dient auch als Label für den Second Hand Markt von Patagonia. Auf dieser Plattform wird gebrauchte Patagonia Bekleidung aufbereitet und gehandelt. Jeder Patagonia Kunde kann hier seine gebrauchte Kleidung weiter verkaufen.

4 Recycle

Wenn Weiterverwendung oder Reparatur nicht mehr möglich ist, kommt die Option Recycling zum Einsatz. Patagonia nimmt alle Bekleidungsstücke zurück und führt sie der Wiederverarbeitung zu. Damit werden viele nach wie vor hochwertigen Stoffe vor der Müllverbrennungsanlage oder der Deponie bewahrt. Schon seit langem produziert Patagonia einen Großteil seiner Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen. Mit dem Recycling von Daunen bei Patagonia haben wir uns hier im Basislagerblog schon einmal ausführlicher beschäftigt.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

„Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Patagonia wurde dabei in die zweitbeste Kategorie ‚Durchschnittliche‘ von fünf Kategorien eingestuft. Im ‚Outdoorguide‘ der Erklärung von Bern/Public Eye von 2012 erreichte Patagonia einen Platz in der höchsten Kategorie ‚Fortgeschrittene‘.“

Diese Wikipedia-Ausführungen zeigen die Schwierigkeiten des „Monitoring“, also der lückenlosen Überwachung und Bewertung aller Prozesse bei Großunternehmen (mit einem Umsatz von etwa 600 Millionen US$ (Stand 2013) und einer Mitarbeiterzahl von etwa 1300 gehört Patagonia eindeutig in diese Kategorie). Das Zurückverfolgen aller Wege und Zwischenprodukte kann da schon ziemlich kompliziert werden. Patagonia bemüht sich dennoch, alle Herstellungsschritte vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt transparent zu machen und fair zu gestalten. Letzteres zeigt sich auch an der Mitgliedschaft in verschiedenen Initiativen wie Fair Labor Association, die sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einsetzen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Seit 2013 zeigt sich das Unternehmen skeptisch gegenüber dem Konzept des ökonomischen Wachstums, weil es einen Punkt gäbe, an dem Wachstum direkt oder indirekt die Lebensbedingungen gefährden würde. Verantwortliches Wachstum wäre nur solches, das soziale und ökologische Folgen bedenke. Ähnliches wird zwar in jeder Sonntagsrede geäußert, doch bei Patagonia bestehen gute Chancen, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Denn die Firma ist und bleibt im Privatbesitz, ohne Beteiligung von anonymen Kreditgebern, die im Hintergrund die Geschäftsentscheidungen beeinflussen.

Marketing

Das Marketing bei Patagonia kann mit etwas Wohlwollen auch zur Nachhaltigkeitsstrategie gezählt werden, denn es zielt oft auf Umweltthemen ab. Ein zwar nicht messbarer, aber sicher nicht zu unterschätzender Beitrag von Patagonia liegt darin, viele Nachhaltigkeitsthemen überhaupt erst ins Bewusstsein der Outdoorbranche und ihrer Kunden gerückt zu haben.

Mit der bereits erwähnten „Kauft diese Jacke nicht“-Werbung positionierte man sich beispielsweise gegen Ressourcenverschwendung und Müllberge des schnelllebigen Modekonsums. Zunächst scheint eine derart widersprüchliche Botschaft wenig glaubhaft, doch man meinte sie durchaus ernst. Und wenn man zwischen Unternehmenswachstum und Marktwachstum unterscheidet, macht sie auch ökonomisch Sinn. Das Unternehmen Patagonia möchte eben dank seiner Nachhaltigkeitserfolge florieren. Firmengründer Chouinard sieht sich ja durchaus als Unternehmer im Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen, die beim Wegfall von schnelllebigem „Sinnloskonsum“ eben aufgrund ihrer mangelnden Nachhaltigkeit aus dem Markt gedrängt werden. Dann schrumpft zwar der Markt, doch die Firma wächst.

Was sagen die Kritiker?

Das Auge der kritischen Öffentlichkeit ist bei einer Firma wie Patagonia natürlich besonders wachsam. In der Vergangenheit hat es mehrfach Kritik von Tierschutzorganisationen gegeben. Die war berechtigt und wurde dementsprechend auch aufgenommen. Und zwar nicht in Form von Beschwichtigungen und Relativierungen, sondern in Form von Veränderungen. Im Falle einer Beschwerde von PETA über das Leid von Schafen in einem Zuliefererbetrieb nahm man diese Wolle umgehend aus der Verarbeitung. Nach Beschwerden über die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf entwickelte Patagonia den strengen „Traceable Down Standard“, der eine transparente Lieferkette und den Ausschluss von Zwangsfütterung und Lebendrupf sicherstellen soll.

Verbraucherschützer und Nachhaltigkeitsportale zeigen sich durchaus anerkennend. So bestätigt das Nachhaltigkeitsportal Utopia.de, dass die zahlreichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen weder Greenwashing noch Imagepflege, sondern echte Bemühungen sind. Der Verein Rank a brand kommt hingegen zu einem kritischen Urteil, das aber noch nicht abschließend gefällt scheint. Auch hier zeigen die abweichenden Ergebnisse, wie schwierig es ist, die Effektivität von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu bewerten.

Kritik in großen Medien wie Zeit.de und Spiegel-Online fällt eher undifferenziert aus und scheint auch teils Kritik um der Kritik willen zu sein. So schreibt man bei der Zeit:

„Das US-Unternehmen aus Kalifornien verkauft seinen Kunden nicht nur warme und langlebige Jacken, sondern ein Image: Öko-Coolness für politisch korrekte Hipster.“

Das klingt, als ob es falsch sei, dass Nachhaltigkeit mittlerweile sogar „cool“ sein kann. Wäre es denn besser, wenn sie immer noch mit muffigem Reformhaus- und Birkenstock-Image behaftet wäre? Mir sind Hipster ja auch nicht ganz koscher, insofern volles Verständnis für diese Breitseite. Dennoch ist sie eher ein Geschmacksurteil und unterstellt, dass Patagonia den Weg zur „Modemarke für Büromenschen“ einschlagen würde. Wenn, dann wäre das sicher fragwürdig, zumindest solange man nicht reine Modelinien ohne chemisch oder ressourcenaufwändig erzielte Funktionalität anbietet. Denn es stimmt schon, dass technische Outdoorkleidung in der Stadt oder beim Waldspaziergang wenig sinnvoll ist.

Auch der Spiegel kritisiert auf ähnliche Weise. Es werden auch hauptsächlich Probleme und Widersprüche hervorgehoben, die die Outdoorbranche allgemein betreffen.

Fazit

Ganz sicher kann Patagonia noch vieles verbessern und umfassende Nachhaltigkeit ist noch lange nicht erreicht. Betrachtet man es in Relation zur Gesamt-Outdoorbranche, gibt die Firma allerdings ein sehr gutes Bild ab. Patagonia ist aktiver als die meisten Mitbewerber und das auch schon seit viel längerer Zeit. Es treten zwar Versäumnisse und Fehler auf, doch diese werden nicht vertuscht oder schöngeredet, sondern nach und nach angegangen.

Sturzangst oder wie ein Angsthase das Klettern lernt

7. März 2019
Tipps und Tricks

Seit gut drei Jahren klettere ich, mal mehr mal weniger. Zur Zeit definitiv mehr, denn ich habe ein Problem. Ich habe Angst vor dem Klettern und Angst vor dem Fallen. Das passt doch nicht zusammen, oder?

Denn eigentlich sind Kletterer doch mutig und furchtlos. Sturzangst existiert nur in Büchern und wenn man Angst hat, dann vermeidet man eben solche Situationen und bringt sich nicht absichtlich in „Gefahr“. Man ist ja nicht doof oder?

In der Anfangszeit meiner „Kletterkarriere“ habe ich selbst keine Begegnung mit der Angst erlebt. Gemütlich konnte ich Routen spulen, denen ich gewachsen war. Ein möglicher Sturz wurde halt vermieden. Doch wie es der Natur des Menschen entspricht, meldet sich irgendwann der Ehrgeiz und man möchte den nächsten Schwierigkeitsgrad erreichen. Und da war sie, die Sturzangst, und traf mich mit voller Wucht.

Nach einem Tief kommt ein Hoch – Doch das Tief war verdammt tief!

Was sich in der Halle noch in Grenzen hielt, entwickelte sich am Felsen schnell zur regelrechten Sturzpanik. Meistens merke ich schon am Einstieg, dass irgendwas nicht stimmt. Mein Körper scheint nicht aufmerksam zu sein und meine Atmung ist flach. Ich freue mich nicht aufs Klettern, vielmehr baut sich ein unglaublicher innerer Druck auf: „Ich darf nicht versagen, ich muss schön klettern und hauptsächlich darf ich nicht fallen.“ Also steige ich ein, klettere die ersten Züge und komme nicht in die Gänge.

Jede Bewegung ist anstrengend und man fühlt keinen Flow. Der Kopf denkt nicht an den Moment, sondern ist immer einen Schritt voraus. Denkt an die möglichen Schlüsselstellen und in mir schnürt sich alles zu. Insgeheim weiß ich bereits jetzt, das ich scheitern werde.

Wenn dann die erste schwierige Stelle kommt, zögere ich viel zu lange. Ich überprüfe wo sich die letzte Exe befindet, checke das Sturzgelände. Ein schneller Blick nach oben sagt mir, dass es bis zur nächsten Exe definitiv zu weit ist und ich die Züge bis dahin niemals schaffe. Ich werde nervös, meine Hände schwitzen und mein Puls rast. Meinen Atmen halte ich an und meine Arme werden schwach. Ein schneller Blick nach unten sagt mir, dass ich sterbe, wenn ich falle. Und schon laufen mir Tränen über mein Gesicht. Verzweifelt rufe ich „Zu!“ nach unten und klettere bis zur letzten Exe ab. Alles ist verschwommen und ich höre nicht mal wie mir mein Partner aufmunternde Worte zuruft. Ich kralle mich immer noch an der Exe fest, da ich nicht mal Vertrauen in mein Seil habe, noch in meinen Partner.

An weiterklettern ist nicht mehr zu denken. Ich kann keinen klaren und logischen Gedanken mehr fassen. Am Wandfuß heule ich mich aus. Ich bin enttäuscht. Von mir und der ganzen Welt. Mein ganzes Training ist offensichtlich umsonst und Spaß macht es auch keinen. Ich möchte meine Kletterschuhe an den Nagel hängen!

Genau das mache ich auch, als ich zu Hause bin. Nichts wie weg mit dem Zeug, das hat ja eh keinen Sinn! Ich habe keine Lust mich andauernd vor anderen zu blamieren, Zeit und Geld zu investieren um dann zu versagen.

Konsequente Inkonsequenz

Drei Tage später nehme ich die Kletterschuhe vom Nagel und pilgere wieder zum Felsen. Warum, weiß ich bis dahin selbst noch nicht. Der Tag fühlt sich an wie jeder andere auch. Doch heute macht Klettern Freude. Ich traue mich in unbekannte und schwere Routen und habe keine Angst vor dem Fallen. Ich bin mir absolut bewusst, wie weit die Hakenabstände sind und wo ich womöglich fallen könnte.

Jeder Move fühlt sich richtig an und mein Kopf ist still. Ich fliege förmlich die Wand hinauf und fühle keine Anstrengung. Ich kann sogar den Ausblick genießen. An den Hakenabstand denke ich für keine Sekunde und mein Geist ist vollkommen wach. Ich fühle mich vollkommen frei und richtig stark. Am Umlenker fühle ich die Bestätigung, dass ich anscheinend doch klettern kann. Oder war das Zufall?

Zurück bleibt große Verwirrung. An einem Tag kann ich keinen 5er versteigen, am anderen Tag kann ich einen 8er Rotpunkt klettern. Irgendwas stimmt doch nicht mit mir?

Werde dein eigener Sherlock Holmes

Als ich diesen Widerspruch realisiere, beginne ich Nachforschungen anzustellen, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Denn man kann ein Problem nur lösen, wenn man weiß woher es kommt. Jedem, der mit Sturzangst zu kämpfen hat, empfehle ich, in sich hinein zu hören und die Ursprünge zu hinterfragen. Doch diese Angst ist ein sehr individuelles Gefühl.

Je mehr ich angefangen habe, ernsthaft an meinem Problem zu arbeiten, desto mehr fielen mir andere Kletterer auf, die ähnliche Verhaltensmuster zeigten. Dazu gehören: zögerhaftes Klettern sobald man über die Exe klettert, extrem überstrecktes Einhängen des Seils, verkrampftes Klettern in leichten Stellen und Festkrallen an jedem einzelnen Griff.

Einige Kletterer habe ich darauf angesprochen. Zunächst ist mir aufgefallen, dass niemand gerne und stolz darüber spricht. Sturzangst ist scheinbar ein Tabuthema. Doch sobald man den Mut aufbringt zu seiner Angst zu stehen, ergeben sich konstruktive und interessante Gespräche über Gefühle, Zweifel und Ängste von denen man noch nie gehört hat und die oft auch nichts mit dem Klettern zu tun haben. Häufig steht die Angst vor dem Scheitern auch im Vordergrund, Probleme aus dem Alltag werden auf den Sport übertragen. Und glaubt mir, es gibt viel mehr Kletterer mit Sturzangst als man denkt.

Dem Problem auf der Spur

Mir half zunächst es überhaupt zuzugeben, dass ich in offensichtlich kinderleichten Situationen Angst habe.

Mein Angstproblem entstand an meinem ersten Tag am Felsen. Mein damaliger Sicherungspartner ignorierte gekonnt alle Seilbefehle und ein „Zu“ half nichts. Seitdem habe ich damit zu kämpfen, meinem Partner zu vertrauen und zu realisieren, dass mich das Seil auffängt. Damals fühlte sich Vorstiegsklettern wie Free Solo an.

Wenn man ein Vertrauensproblem entwickelt oder negative Erfahrungen gemacht hat, ist absolut ratsam, das offen zu kommunizieren und auf die Beachtung der Seilbefehle zu bestehen. „Zu“ ist einfach „Zu“. Und es ist vollkommen in Ordnung den Kletterpartner zu wechseln, sollte dieser nach seinen eigenen Regeln spielen. Um das Problem zu ergründen und eine Lösung zu finden ist Ehrlichkeit – zu sich selbst und zum Kletterpartner – der erste Schritt.

In den Gesprächen stellte sich häufig heraus, dass sich viele missverstanden und nicht ernst genommen fühlen. Dafür muss man aber die Angst klar äußern, denn riechen kann man es wohl nicht!

Schritt für Schritt – Exe für Exe

Als nächste Station auf der Reise sollte man das eigene Gefühl hinterfragen. Ist die Angst überhaupt begründet oder bildet sich der Kopf das nur ein? Lasse ich mich von meinen Emotionen leiten oder kann ich versuchen meinen Verstand zu integrieren?

Grundsätzlich ist es am Besten auf sein Bauchgefühl zu hören, jedoch kann es in einer panischen Situation vorkommen, dass Fakten verzerrt wahrgenommen werden. Beispielsweise kann ein Hakenabstand in meinem Kopf viel weiter erscheinen, als in der Realität ist. Ein potenzieller Sturz ist in der Sturzangst-Fantasie tödlich, in Wirklichkeit maximal zwei Meter weit. Bevor man in eine Route einsteigt hilft es, die Hakenabstände zu betrachten um die Situation abschätzen zu können- ohne den Druck klettern zu müssen.

Befindet man sich in der Route, ist es zu Beginn angenehm, sich nicht gleich wieder zu überfordern. Kleine Schritte stärken das Selbstbewusstsein – das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Um einer Panikattacke zu entkommen stelle ich mir gewisse Regeln auf, denn Routine fördert meine Sicherheit: Zuerst Einbinden, dann Schuhe anziehen, chalken und dann Partnercheck.

Schon bei der ersten Kletterbewegung achte ich penibel darauf einzig auf den jetzigen Zug konzentriert zu sein, ich denke niemals an die kommende Schlüsselstelle. Ich denke von Exe zu Exe und setze mich nicht unter Druck den Umlenker zu erreichen. Ein wichtiger Baustein ist hier die bewusste Atmung: Je gleichmäßiger ich atme, desto ruhig ist mein Geist.

Ich spreche innerlich Mantras: „Du hast unendlich viel Kraft“, „Der Griff ist ein Henkel“, „Du kannst in Ruhe einhängen“. Sagt man sich diese Sätze oft genug, glaubt man sie mit der Zeit wirklich!

Du bist stark, du schaffst das!

Schlussendlich läuft es jedoch auf das Selbstbewusstsein hinaus, das man beständig aufbauen muss, um die Kraft zu haben dieses Problem zu bewältigen.

Steht man anfangs wie ein Häufchen Elend am Wandfuß, nachdem man erneut versagt hat, wird das von Mal zu Mal besser. Man betrachtet das Scheitern nicht mehr als Misserfolg, sondern nimmt es bewusster wahr und kann Positives daraus ziehen, da man lernt damit umzugehen. Scheitern ist nicht schwach, scheitern macht stark! Man lernt sich und seine Grenzen intensiver kennen.

Obwohl ich nun mehr positive Tage am Fels verbringe, gibt es nach wie vor Angsterlebnisse und man fühlt sich wieder an den Anfang zurückgeworfen. Warum ich mir das antue? Ganz einfach, die Liebe zum Klettern überwiegt die Angst vor dem Fallen und die Angst vor dem Scheitern. Wenn man für etwas brennt, nimmt man vieles in Kauf.

Seid mutig und gebt nicht auf!

Grundsätzlich sollte umgedacht werden: Einige Kletterhallen gehen mit gutem Beispiel voran und bieten spezielles Sturztraining an, doch auch die Community sollte dieses Thema nicht verdrängen. Schließlich ist Angst ganz natürlich und bewahrt uns vor dem Aussterben.

Das hier ist auch ein kleiner Aufruf an alle Angsthasen unter den Kletterern! Ihr seid mit dem Problem nicht allein. Seid mutig und geht mit eurer Angst offen um. Sie ist nichts wofür man sich schämen muss. Ergründet den Ursprung, fühlt in euch hinein und packt es an! Wenn ihr das Klettern so liebt wie ich es liebe, dann ist es jede Mühe wert. Es werden schlechte Tage kommen, an denen man alles wieder in Frage stellt und am liebsten aufgeben möchte. Macht weiter! Glaubt an euch und steht diese Momente durch.

Man bekommt zwar kein Geld dafür und auch keinen Preis verliehen, aber das Gefühl eine Route, egal wie schwer, angstfrei durchgestiegen zu sein, ist sowieso unbezahlbar. Für diese Freiheit, lohnt es sich die dunklen Tage durchzustehen und weiter zu kämpfen. Falls ihr wieder am verzweifeln seid, haltet an solchen Momenten fest und gönnt euch ruhig mal einen Moment zum Durchatmen und ein paar Tage Kletterpause.

Mit der Zeit werden mehr sonnige Tage als Regentage kommen. Es erfordert einiges an Geduld, Disziplin und Stärke, um die Sturzangst von Grund auf aufzuarbeiten, jedoch wäre es langweilig, wenn man alles geschenkt bekommt. Aber in dieser Hinsicht siegt die Sturheit!

Stärke kommt nicht vom Erfolg, wirklich stark wird man erst durch Scheitern.

Wenn ihr dann eine Station weiter seid, könnt ihr konkretes Sturztraining in Angriff nehmen. Im Basislager-Blog findet ihr einen weiteren interessanten Artikel zu verschiedenen Übungen um das richtige Fallen zu trainieren und sich langsam heranzutasten.

 

 

Was machen sommeraffine Bergfreunde im Winter?

31. Januar 2019
Tipps und Tricks

Das neue Jahr ist da und der Winter legt so richtig los – zumindest in der Bergwelt, wo es kürzlich wie verrückt schneite und die kalte Jahreszeit auch locker noch drei Monate regieren wird. Tiefschneejünger und Powderanbeter sind jetzt sämtlich in Ekstase und schmettern ein Halleluja nach dem anderen. Die Sommerfrischler hingegen schicken erste Stoßgebete zum Herrn, dass er die Zeit schneller verstreichen lasse.

Im vorigen Winter hat Bergwelten.com das „Team Winter“ und das „Team Sommer“ unter der Überschrift „Langer Winter: Fluch oder Segen?“ gegenübergestellt. Die zwei befragten Redaktionsmitglieder aus je einem der „verfeindeten“ Lager liefern für beide Seiten unterhaltsame Argumente.

Da ich selbst eher ins Dr. Sommer Team gehöre, habe ich mal angestrengt nachgedacht, wie wir den Winter ab sofort mehr genießen und endlich auch bergtechnisch konstruktiver verbringen können. Und zwar:

  • ohne Fernflug-Ausflucht in den Süden!
  • ohne teure Materialschlachten mit viel Zeit- und Planungsaufwand!
  • und auch ohne Wohnsitz in den Bergen!

Denn das kann ja jeder…

Vor der Lösung des Problems prokrastinierte ich erstmal eine Weile auf Facebook, um die Winterfreaks nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es bestätigte sich wieder mal mein Eindruck, dass diese zwischen Dezember und März grundsätzlich nichts anderes machen, als an irgendwelchen weißen Steilhängen unter blauem Berghimmel ihre Lines zu ziehen. Also die gecarvten, geboardeten und getourten Spuren im Tiefschnee meine ich.

Die Wintermuffel hauen derweil entweder Strand- und Sonnefotos von der Südhalbkugel raus oder gehen, nur die üblichen Katzenfotos postend, einem etwas unglamouröseren Alltag unter der grauen Dunstglocke der Städte nach. Soweit die soziokulturelle Grundlagenforschung, jetzt zu den Ergebnissen.

Dr. Sommer Team ab sofort auch winterfest

Die erste und naheliegendste Antwort heißt: trotzdem einfach rausgehen und machen. Klingt erstmal ernüchternd fantasiearm, doch angesichts all der aufwändigen und equipmentlastigen Trendsports hat so mancher längst vergessen, dass man auch im Winter einfach so draußen herumlaufen und -rennen kann.

Winterwandern

Ganz ohne spezielles Fortbewegungsequipment und mit relativ normalem Schuhwerk funktioniert das zum Beispiel beim Winterwandern. Einfach nur solide beschuht und eingekleidet geht es dabei durch die weiße – oder im Tiefland und städtischen Umfeld auch braune – Pracht. Bei den Bergnews gibt es einen schönen Einstiegstext, bei dem der Autor auch gewisse finanzielle Aspekte anspricht:

„In einer festen, ausgetretenen Spur geht es dem Ziel, einer schön gelegenen Hütte, einer Alm oder einem aussichtsreichen Gipfel entgegen, einzige Hilfsmittel sind Wanderstöcke und gute Schuhe – in Zeiten unleistbar gewordener Skiausrüstung und Pistenkarten ein geradezu idealer Sport, und mit Abstand der gesündeste! Ohne Gefahr, sich die Knochen zu brechen, tankt man auf, belebt Körper, Geist und Seele (…).“

Der Artikel geht auch auf die benötigte oder zumindest empfehlenswerte Ausrüstung ein, die neben den eher steifen, wasser- und kältefesten Schuhen im Idealfall auch Gamaschen und Grödeln (Ministeigeisen mit wenigen Zacken) umfasst. Hinzu kommen weitere Bekleidungs- und Ausrüstungstipps, die man in der konsequenten Form aber eigentlich nur für richtig kaltes und schneereiches Winterwetter braucht. Und das hat es – wie eben schon festgestellt – bei uns Flachländern direkt vor der Haustür ja nicht mehr so wahnsinnig oft. Man sollte sich eben soweit vorbereiten und ausrüsten, dass man beim Gang durch die Winterlandschaft nicht schon nach ein bis zwei Stunden komplett durchnässt und verfroren ist.

Da das Winterwandern auch schon wieder so etwas wie ein (Gegen)Trend geworden ist, wundert es nicht, dass die ersten Hersteller auch schon spezielle Winterwanderschuhe mit integrierten Spikes und anderen technischen Gimmicks anbieten.

Auch die Tourismusanbieter sehen offensichtlich einen Trend, denn es werden an immer mehr Orten eigens Wege fürs Winterwandern ausgeschildert und präpariert – und zwar nicht nur in den Alpen, sondern auch in deutschen Mittelgebirgs- und Wanderregionen. Mancherorts geht das schon so weit, dass Winterwanderwege ähnlich wie Langlaufloipen präpariert und kontrolliert, Vereisungen mit Sägemehl bestreut, sowie Ruhebänke von Eis und Schnee freigehalten werden. Das sind dann natürlich eher Angebote von Touristenorten, die mehr Wintergäste anziehen wollen. Doch auch „nichttouristische“ Outdoorer finden so gut wie überall reichlich Möglichkeiten für weniger oder gar nicht präparierte Touren.

Dem Trend entsprechend erscheint auch immer mehr Führerliteratur in Buchform und digital. Ein Beispiel unter vielen sind die „Münchner Winterwanderungen“, die oft ins direkte Umfeld der Millionenstadt führen und damit auch den „festhängenden Großstädtern“ Möglichkeiten eröffnen. Im weltweiten Netz hat Bergwelten.com gerade frisch einen Artikel mit 7 Winterwandertipps veröffentlicht – allerdings alle im Alpenraum und mit Lawinen-Vorsichtsmaßnahmen sowie LVS-Equipment als notwendigen Voraussetzungen.

Rennen hilft gegen Kälte…

Wir haben also erfreut festgestellt, dass es völlig in Ordnung und auch möglich ist, auch im Winter „einfach so“ draußen herumzuwandern. Und wo gewandert werden kann, kann auch gerannt werden. Joggen, Trailrunning, Speedhiken – all das geht ebenfalls im Winter.

Auch bei (nicht allzu tiefem) Schnee und Eis, sofern man sich ein paar Spikes oder die schon erwähnten Grödeln an die Schuhe heftet. Aber bei der mittlerweile auch im Mittelgebirge eher üblichen milden, leicht verregneten Winterwetterlage ist die Sache ebenfalls meist „nur ein Kopfproblem“. Die unzähligen Wege und Pfade sind zwar rutschig und teils matschig, aber mithilfe von robusten, optional mit Spikes/Grödeln versehenen Tretern genauso begehbar wie zu anderen Jahreszeiten. Eine kleine aber feine Auswahl an wintertauglichen Trailrunningschuhen mit integrierten oder montierbaren Spikes gibt es auch im Bergfreunde-Shop.

Zum Thema Training: wenn man dem großen Läufer-Jetset a la Kilian Jornet nacheifern will, hat man wieder das Zeit-Geld-Ressourcen-Problem. Dass es zum Glück trotzdem möglich ist, den Winter über auch in der Heimat ohne große Substanzverluste draußen zu trainieren, bezeugen zwei nicht ganz so bekannte Laufprofis in diesem Interview mit sportalpen.com. Jonathan Wyatt und Markus Kröll geben hier einige gute Tipps für Winterläufe – nicht nur in Bezug auf Kleidung und Schuhe, sondern auch auf das Laufen selbst. Dazu gehören u.a. längeres Aufwärmen, kürzere Schritte und langsameres um-die-Kurve-ziehen. Und als Alternative bei richtig schlechtem Wetter zieht Wyatt einfach einen Schlitten die Rodelbahn rauf und schlittert dann runter. Keine schlechte Idee, denn als Rodelbahn taugt jeder noch so kurze Hang…

…Langlaufen auch…

Das rhythmische Dahingleiten auf den schlanken Brettern kann eine schonende Ergänzung oder gar Alternative zum winterlichen Gerenne sein. Allerdings sind wir hier schon im Bereich des klassischen Wintersports, für den es halt g‘scheiten Schnee braucht. Die Ausrüstung und das organisatorische Drumherum sind beim Langlauf immerhin schonmal deutlich kleiner als bei Skitouren, Freeriding und anderen angesagten Winterfreuden.

Dennoch haben die nord- und tieflanddeutschen Bergfreunde mit dem Schietwetter nicht viel davon, wenn ich ihnen jetzt von märchenhaften Loipen im winterlichen Schwarzwald und den vielen gesundheitlichen Langlauf-Vorteilen vorschwärme. Was nebenbei gesagt auch nicht wirklich authentisch wäre, denn ich stand gerade erst einmal auf den Dingern und bin in alle möglichen Richtungen gerutscht, nur nicht vorwärts. Doch ich bin zuversichtlich, dass die richtige Grundtechnik in einem Kurs binnen ein bis zwei Tagen solide sitzt. Und dass es auch weiterhin in alpenfernen Lagen ab und zu genügend Schnee hat, um die Loipen zu spuren…

…Zügiges Klettern ebenfalls!

Es klingt nicht allzu verlockend, aber: Wenn man für gut durchblutete Finger sorgen kann, warum sollte man dann nicht an trockenen, sonnigen (und dann meist eiskalten) Wintertagen auch Sportklettern? Mit Thermoskanne, Wärmflasche, Handschuhen (evtl. fingerfrei) und als kleinen Luxus einem Taschenofen lässt sich das durchaus angenehm gestalten. Fast schon luxuriös wird es, wenn man auch den Kocher noch mitschleppt.

Es sollte aber auch wirklich ein Felsen sein, der Sonne abbekommt. Oder man sorgt durch eine leichtere Routenauswahl dafür, dass niemand stundenlang im eiskalten Schatten sichern muss. Am besten sind natürlich Felsen mit Südausrichtung und wenig schattigen Bäumen am Einstieg (auch wenn durch die fehlenden Blätter mehr Sonne als im Sommer durchkommt).

Und wenn der Winter ab Ende Februar nochmal so kalt wird wie er früher war, ist vielleicht auch im deutschen Mittelgebirge die eine oder andere Runde Eisklettern möglich. Doch damit sind wir erneut bei den „klassischen“ Winterdisziplinen, die einen erhöhten Aufwand fordern und für die es ohnehin schon genügend Ratgeberartikel gibt. Auch Skitouren gehören zu diesen klassischen Disziplinen, die nicht unbedingt in diesem Artikel erneut gepriesen werden müssen.

Und wenn das Wetter dauerhaft schiete ist? Motivation!

Wenn das wirklich miese Nieselwetter das Kommando übernimmt, ist es zu warm für Winterromantik und zu nass für alles Andere. Dann erscheint das gerade erwähnte „Kopfproblem“ besonders gern auf der Bildfläche: die tagelang tiefhängenden Wolken scheinen sich irgendwann irgendwie im Kopf abzusetzen, der einen dann wiederum glauben lässt, die Glieder seien tonnenschwer. Hier spielt der Faktor Motivation dann eindeutig die Hauptrolle.

Um die Motivation oben zu halten, gibt es viele Wege. Der einfachste und zugleich auch bequemste ist das Input sammeln: Bergblogs surfen, Führer wälzen, Bildbände schmökern, usw. Mit den richtigen Bildern im Hirn fällt es auch nach viel zu langer Feiertagspause wieder leicht(er), den Kampf gegen Schwerkraft und graue Suppe aufzunehmen. Eine ganze Stange an teils sehr effektiven Motivationstipps findet sich bei den veganen Läufern von bevegt.de. Keine Sorge, die sind auch anwendbar für ovo-, lacto-, omni-, paläo- und sonstwas essende Bergfreunde.

Einer der vielen Tipp ist, sich Sportpartner und Gruppen zu suchen, weil das neben mehr Spaß auch mehr Verbindlichkeit in die Sache bringt. Dank Facebook, Whatsapp, Couchsurfing, Meetup u. Co. gibt es dazu ja mittlerweile jede Menge Möglichkeiten. Auch in der eigenen Nachbarschaft kann man mithilfe von Initiativen (wie nebenan.de) Partner und Freunde für alles (Un)Mögliche finden. Und wenn keine passende Gruppe zu finden ist? Dann ist es nicht verboten, selbst eine zu gründen…

Der etwas andere Wintertipp…

Falls das mit der Motivation partout nicht klappen will, könnte es vielleicht doch an körperlichen Gründen liegen. Einer dieser Gründe könnte ein Mangel an Vitamin D3 sein. Viele Sportler achten im Winter speziell auf ihre Vitamin D3-Versorgung, da dieses wichtige Vitamin über Sonnenbestrahlung der Haut gebildet wird und im Winter häufig eine Unterversorgung vorliegt. Manche beheben den Mangel mit Nahrungsergänzungsmitteln, die aber nicht immer eine gute Bioverfügbarkeit aufweisen. Da Vitamin D zu jenen Vitaminen gehört, die man überdosieren kann, empfehlen wir im Zweifel des D3-Status beim Arzt abklären zu lassen.

Oder ihr nehmt unseren streng geheimen Proletentipp zum Vitamin-D-nachlegen, der nebenbei durch simulierte Sonnenstrahlung auch noch die Grundstimmung hebt: ab auf die Sonnenbank! Ja genau, der „Asitoaster“ ist zwar imagemäßig eher pfui, aber im richtigen Maß konsumiert bestimmt besser als gar kein Sonnenlicht oder zweifelhafte Präparate. Laut Ärztezeitung funktioniert die Sache durchaus mit einer kurzen(!) UVB-Bestrahlung alle zwei Wochen. Klar ist: wer krampfhaft braun werden will, um in der Fußgängerzone als weltreisender Bergheld aufzufallen, gefährdet eher seine Gesundheit statt die Wintermotivation zu steigern.

Ist‘s drinnen etwa doch am schönsten?

Neben den bisherigen teils wohl etwas ausgefallenen Winterbeschäftigungen gibt es natürlich noch das „voll normale“ Schlechtwetterprogramm. Dazu gehören alle Indoor-Aktivitäten, die in irgendeiner Weise mit Klettern, Laufen, Ausdauer, Kraft, Sport und im Idealfall auch Spaß zu tun haben. Abgesehen vom Training daheim sind diese allerdings auch wieder mit Kosten verbunden. Wer zweimal wöchentlich in die Kletter- oder Boulderhalle will, darf schon mal bis zu 80 € im Monat hinblättern.

Wenn man sich allerdings ein wenig in der „Szene“ umhört, wird man in manchen Städten auf „inoffizielle“ Boulder- und Kletterclubs stoßen, die nicht kommerziell und damit deutlich günstiger sind. Besonders dort, wo es viele Studenten gibt, haben oftmals ein paar Freunde irgendwann mal einen Dachboden oder Keller ausgebaut, der dann nach und nach „gewachsen“ ist. Das „Umhören“ und Auffinden solcher Gruppen und Vereine ist dank digitaler Vernetzung heute relativ leicht geworden. Doch die wirklich entscheidenden Schritte und Handlungen werden zum Glück auch heute noch analog vollzogen…

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