Bouldern und klettern in Skandinavien. Foto: Moon Climbing

Bouldern und Klettern in Skandinavien

10. April 2015

Was macht das Klettern und Bouldern in Skandinavien einzigartig und wo befinden sich die besten Kletter- und Bouldergebiete

Wir erklären Euch, was das Klettern und Bouldern in Skandinavien einzigartig macht

Für’s Trekking oder Paddeln in herrlicher Landschaft sind Norwegen und Schweden schon bestens bekannt. Dass man dort aber auch wunderschönen Fels vorfindet, an den man sich unverzüglich hängen will, davon wollen wir Euch in diesem Beitrag erzählen. Er soll Euch einen kleinen Vorgeschmack zu den besten Kletter- und Bouldergebieten verschaffen und eine Antwort auf die Frage finden, was denn das Klettern in Skandinavien, genauer, in Norwegen und Schweden, eigentlich so speziell macht.


Dabei legt er keinen Wert auf Vollständigkeit, sondern soll eher ein bisschen Inspiration geben und Euch Lust auf mehr machen. Nur ein wichtiger Fakt zu Beginn: die Skandinavier sind sehr auf Umweltschutz bedacht, weshalb das Setzen von Bohrhaken in weiten Teilen der Gebiete vermieden wurde. Stände sind teilweise gebohrt, der Rest ist selbst abzusichern. Infos entnimmt man am besten einem Kletterführer oder fragt die einheimischen Kletterer.

Klettern in Norwegen

Norwegen ist dem eingefleischten Bergsportler vor allem als Mekka des Eiskletterns bekannt. Egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener, hier findet jeder seine Linie. Für Anfänger eignet sich das bekannte Gebiet um Rjukan besonders gut. Hier befindet sich auch der Austragungsort für das populäre Eiskletterfestival. Wer es wilder und unberührter mag und auch einer kleinen Erstbegehung nicht abgeneigt ist, der fährt nach Laerdal, wo es riesige Wasserfälle zum Austoben gibt. Große Teile dieses Gebietes sind unerschlossen. Zu guter Letzt wären da auch noch Gudvangen und das Hemsedal zu erwähnen. Alle diese Gebiete sind von Oslo aus sehr gut innerhalb weniger Stunden zu erreichen.

Panico - Setesdal - Klettern in Südnorwegen

Panico – Setesdal – Klettern in Südnorwegen

Geht es ums Sport- und Alpinklettern, ist vor allem das Gebiet um das Setesdal ganz weit vorn auf der Beliebtheitsskala, nicht zuletzt weil es ganz im Süden Norwegens liegt und daher für uns Mitteleuropäer hervorragend zu erreichen ist. Von Dänemark aus gelangt man per Fähre schnell aufs norwegische Festland. Der Granit des Setesdals bietet für Kletterer sowohl eine große Anzahl erschlossener Routen mit gebohrten Ständen, als auch eine riesige Spielwiese für leidenschaftliche Routen-Erschließer. Neu hinzugekommene Routen werden auf www.kletterninnorwegen.de in unregelmäßigen Abständen und mit übersichtlichen Topos aktualisiert. Bei sehr vielen Routen handelt es sich um glatte, griffarme Reibungsplatten-Kletterei, die man definitiv mögen muss, die aber auch mächtig Spaß machen kann, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Friends, Keile und Schlingen sind trotz einiger Haken ein Muss!

Topptur - Stetind & Narvik - Kletterführer

Topptur – Stetind & Narvik – Kletterführer

Wen es in extremere Gefilde zieht, der ist in der Gegend um Narvik, genauer gesagt, dem Stetind, bestens aufgehoben. Der imposante Berg liegt nördlich des Polarkreises und kann daher das ganze Jahr über mit frischen Temperaturen aufwarten. Auch hier ist bereits ein Kletterführer erschienen, der Routenvorschläge durch den glatten Granit gibt. Es wird ausschließlich clean geklettert. Hoch im Norden finden sich zudem natürlich die Lofoten, deren Fels für Mehrseillängenfans ebenfalls eine Menge zu bieten hat, nicht nur wegen der einmaligen Landschaft und rauen Natur. Die Schwierigkeiten der erschlossenen Routen liegen zwischen 4 und 8 (UIAA). Ein Kletterführer ist mit „Climbing in the Magic Islands“ von Ed Webster oder dem aktuelleren „Lofoten Rock“, erschienen im Rockfax Verlag, auch verfügbar. Diesen kann man unter anderem vor Ort erstehen.

Klettern in Schweden

So ziemlich das Gegenstück zum rauen, wilden Alpincharakter der norwegischen Klettereien findet man in Schweden. Am Meer klettern zu können, ist ein tolles Erlebnis und lässt den Zwiespalt zwischen Wasser oder Bergen in frischer Meeresluft auflösen. Im beliebten Schärengebiet Bohuslän nördlich von Göteborg gibt es nicht nur süße, kleine Inseln, sondern auch besten Granit bei warmem Klima im Sommer. Die hier überwiegenden Sportkletterrouten sind wesentlich kürzer als im norwegischen Fels und weitgehend selbst abzusichern. Viele Infos bekommt man auch in der Touristeninformation von Uddevalla.

Auch vor den Toren der Hauptstadt Stockholm kann man klettern, vor allem, wenn man gern in den höheren Schwierigkeitsgraden unterwegs ist. Die anspruchsvollen Sportkletterrouten z.B. um den Örnberget oder auf Värmdö starten bei ca. 6b (franz. Skala). Doch von den ungefähr 2000 Routen, die sich im Umkreis Stockholms von nur einer Stunde Fahrt finden, ist auch für Einsteiger was dabei. Noch mehr Gebiete für Genusskletterer sind beispielsweise die Klippen am Agelsjön bei Norrköping oder Kullaberg nördlich von Helsingborg (von Deutschland ebenfalls sehr gut zu erreichen). Mehr Infos und Karten rund ums Klettern in Schweden findet man unter www.sverigeföraren.se, wenn man des Schwedischen mächtig ist.

Bouldern

Blöcke finden sich in Norwegen und Schweden nicht nur dort, wo es auch Felswände gibt. Beide Länder sind hier in der Tat eine riesige Spielwiese. Viele Blocks liegen im Setesdal im Süden Norwegens. Nico Altmaier von Vertical Axis, mit dem die Bergfreunde schon länger zusammenarbeiten, war 2014 zum Bouldern in Norwegen und hat einen sehr schönen Film von dort mitgebracht.

Und auch Schweden hört man immer häufiger, wenn es darum geht im Urlaub Bouldern zu gehen. In Schweden gibt es im beschaulichen Städtchen Västervik sogar ein internationales Boulder Meet mit vielen Stars der Szene, welches bisher drei Mal stattfand und die Blocks an der Ostküste erst richtig bekannt gemacht hat. Noch viel mehr Spots kann man auf der Karte des Sverigeföraren erkunden.

Und zu guter Letzt, einer der derzeit stärksten Boulderer stammt aus Finnland,  er hört auf den Namen Nalle Hukkataival und stammt aus Helsinki und in Schweden etabliert sich schon seit Jahren eine noch kleine, aber schon recht feine und sehr engagierte Boulderszene. Eine Halle war auch beim Auftakt der Hardmoves Boulderleague in Hannover zu Besuch und wird kommenden Herbst teilnehmen.

Fazit

Wieso sollte man also zum Klettern oder Bouldern nach Skandinavien fahren? Was macht diese Gegend so besonders?

Ganz sicher, erst einmal die Vielfalt, die man im hohen Norden vorfindet und die vom entspannten Boulder am Meer über extreme 750 Meter lange Alpinabenteuer bis hin zur extremen Eiskletterroute alles bereithält. In Norwegen besticht das raue, unberechenbare Klima, der Blick auf Fjorde, die See oder grüne Hügel – das aufregende Gefühl von echter Wildnis, welches man an den beliebten, erschlossenen Kletterwänden der Alpen nur noch selten findet. Möchte man sich auf der „sicheren“ Seite bewegen und sich an Kletterführer halten, so hat man genau so seine Freude dabei, wie sich in Erstbegehungen zu beweisen.

In Schweden dagegen lässt sich ein relaxter Urlaub am Meer oder am See bestens mit anspruchsvoller Sportkletterei oder Boulderproblemen verbinden. Weil es im Sommer erst sehr spät, oder nördlich des Polarkreises, nie dunkel wird, könnte man sich theoretisch bis tief in die Nacht die Finger langziehen. Und nicht zuletzt machen einem die freundlichen, entspannten Gemüter der Skandinavier den Aufenthalt zum Vergnügen. Auf geht’s gen Norden!

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