Bouldern für Anfänger – So gelingt der Einstieg in die neue Sportart

9. Juni 2020

Ach, ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre: Wie ich dereinst in grauer Vorzeit mit dem Klettern begonnen habe, fand das draußen statt. Nur bei einer Mindestschneehöhe von fünf Metern und Temperaturen im dreistelligen Minusbereich in der Halle. Zu der wir mehrere Tage Fußmarsch auf uns nehmen mussten. Barfuß und in kurzer Hose.

In der Halle wurde dann geklettert, so richtig mit Seil und Gurt und so. Das war ernst zu nehmendes Training für draußen, da war kein Platz für Weicheier. Und wenn einer dann doch mal nicht mehr konnte, dann ging er zur Boulderwand. Um sich dort zum Ausruhen auf die Matte zu legen. War ja nichts los da, hat ja keiner gemacht damals.

Bouldern hat sich mittlerweile zum eigenen Trend entwickelt.

Naja, mal ehrlich, ganz so war das nie, aber so ähnlich. Noch vor einigen Jahren von vielen Kletterern als Trainingsmethode und Nebenprodukt zum klassischen Sportklettern angesehen, hat sich das Bouldern immer mehr zum ganz eigenen Trend entwickelt. Besonders praktisch ist es dabei, dass der Einstieg in die neue Sportart vergleichsweise leicht erscheint. Da es sich beim Bouldern um Klettern in Absprunghöhe handelt, fallen Aspekte wie gute Kenntnisse der Sicherungstechnik oder Materialkunde nahezu weg.

Aber wie stellt man es denn als Neuling am besten an, wenn man das Bouldern mal ausprobieren möchte, bzw. wie gelingt ein zielgerichteter Einstieg in die neue Sportart? Alle, die dabei vom Sportklettern kommen werden mich jetzt wahrscheinlich leicht ungläubig ansehen und denken: „Mann dein Ernst jetzt!?!, da geh ich halt hin und mache das mal.“ Ja klar, an euch richtet sich dieser Artikel auch nicht, sondern an den so viel besungenen „blutigen“ Anfänger.

Was? Bouldern ist Klettern ohne Seil oder so ähnlich?!

Die Bezeichnung Bouldern wird von dem englischen Wort „boulder“ also „Felsblock“ abgeleitet. Und darin liegt auch schon ein Teil der Erklärung. Beim Bouldern handelt es sich zumeist um ein konkretes „Kletterproblem“ das mit nur wenigen Zügen absolviert werden kann.

Ursprünglich wurde das Bouldern ausschließlich im Freien an vergleichsweise überschaubaren Felsblöcken betrieben, daher der Name. Mit dem vermehrten Bau von Kletterhallen ab den 1990er Jahren kam es aber auch zum allmählichen Bau von künstlichen Boulderanlagen. Ein Trend, der sich außerdem in den letzten Jahren etabliert hat, ist die Eröffnung reiner Boulderhallen.

Beim Bouldern handelt es sich um Klettern in Absprunghöhe. Boulderanlagen dürfen daher laut den Bestimmungen des TÜV maximal 4,5 Meter hoch sein, sofern sie nicht überklettert werden können. Also wenn man beispielsweise nicht oben auf den Boulderblock draufstehen kann. Bouldern ist außerdem eine sehr athletische und dynamische Art des Kletterns. Gute Routen sind dabei so geschraubt, dass sie Kletterer gezielt auf ihrem Leistungsstand fordern, dabei aber nicht vor unlösbare Probleme stellen.
Reine Boulderhallen oder größere Anlagen in Kletterhallen haben dabei den Vorteil, dass sie speziell auf das eher athletische Klettern ausgelegt sind.

Durch teilweise sehr verwinkelte Wandkonstruktionen, können so Routen eingerichtet werden, die eine besondere Koordination und den gezielten Einsatz von Kraft und Körperbeherrschung erfordern. Beim Bau von Boulderanlagen, deren Wartung und Absicherung gibt es außerdem verbindliche Standards, die helfen sollen das Verletzungsrisiko beim Training auf ein Minimum zu reduzieren. So müssen beispielsweise alle Anlagen mit einer durchgängigen und ausreichend dicken Matte ausgestattet sein, sodass ein Sturz zuverlässig abgefedert werden kann.

Wer? Für wen Bouldern überhaupt geeignet ist.

Wie bereits erwähnt, braucht es zum Bouldern keine größeren Vorkenntnisse. Daher ist die Sportart zunächst einmal für alle Personen geeignet, die keinen nennenswerten körperlichen Einschränkungen unterliegen. Bouldern ist eine Sportart, bei der es vor allem auf Kraft, Beweglichkeit und Koordination ankommt, eine gewisse Grundfitness kann also beim Bouldern (wie übrigens überall) durchaus vorteilhaft sein.

Beim Bouldern kann man Kraft und Koordination trainieren.

In Sachen Alter gibt es nach oben hin keine Beschränkungen, wer sich fit genug fühlt, kann selbstverständlich auch noch im hohen Alter bouldern gehen. Bei Kindern sieht es da ein wenig anders aus. Die Erfahrung zeigt hier (ähnlich wie beim Sportklettern), dass Kinder erst etwa ab dem Grundschulalter koordinativ in der Lage sind komplexe Bewegungsabläufe gezielt umzusetzen. Einzelfälle mag es da in jede Richtung geben, als gute Orientierung gilt aber trotzdem ein Mindestalter von 6-7 Jahren. Schaut man darüber hinaus einmal auf das Reglement unterschiedlichster Boulderhallen, so zeigt sich recht schnell folgendes:

  • Kleinkinder dürfen sich in der Regel nicht im eigentlichen Boulderbereich aufhalten. Dies ist vor allem der Sicherheit geschuldet. Denn nicht selten sind Kleinkinder bereits recht agil und beginnen ihre Umwelt zu erkunden, können dabei konkrete Gefahren nicht einschätzen.
  • Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 14 Jahren dürfen Boulderanlagen nur in Begleitung einer volljährigen Person benutzen. Diese trägt dann die Verantwortung. Je nach Halle gibt es auch unterschiedliche Regelungen wie viele Kinder/Jugendliche von einer Begleitperson beaufsichtigt werden dürfen. Als Faustregel kann man sich jedoch merken, dass pro Erwachsenem oft zwei Kinder erlaubt sind. Für Trainer oder Trainingsgruppen gelten andere Regeln.
  • Jugendliche in einem Alter von 14-18 Jahren können viele Boulderanlagen auch ohne eine Begleitperson besuchen. Für sie muss jedoch die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten vorliegen. Hierzu hält jede Boulderhalle spezielle Formulare bereit, die von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern im Vorfeld unterschrieben werden müssen.

Wie? Die ersten Schritte in der neuen Sportart.

Auch beim Bouldern ist es wie fast überall: Wenn man jemanden kennt, der einem zeigt wie es geht, dann hat man es meistens recht schnell drauf. Gerade mit Kletterern im Bekanntenkreis dürfte das also kein Problem sein. Wer nun aber völlig alleine und ohne (Kletter-)Freunde mit dem Bouldern anfangen möchte, kann das natürlich auch tun.

Viele Boulderhallen bieten hierzu eine Einweisung für Einsteiger an. Je nach Halle reicht es aus, wenn man sich kurz beim Empfang meldet und sich alles erklären lässt, wieder andere Anlagen haben festgelegte Zeiten an denen Einweisungen stattfinden.

Eine sicherlich sinnvolle Alternative zum „einfach mal Ausprobieren“ ist der Besuch eines Boulderkurses. Hierzu gibt es die unterschiedlichsten Konzepte und Kursmodelle. Diese werden beispielsweise von Vereinen wie dem DAV oder den Naturfreunden angeboten. Darüber hinaus bieten auch Boulderhallen immer wieder eigene kommerzielle Kurse für Anfänger an. Hier lohnt es sich also, einmal bei der örtlichen Klettergruppe oder der nächstgelegenen Boulderhalle anzufragen. Der Vorteil eines Kurses liegt dabei klar auf der Hand:

  • Erfahrene Trainer erklären die neue Sportart von Grund auf. Durch ein gezieltes Konzept werden die Teilnehmer nach ihrem Leistungs- und Entwicklungsstand eingewiesen und angeleitet.
    Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse werden von Anfang an zielgerichtet angeleitet. Hierdurch können typische Fehler schnell erkannt werden und schleichen sich nicht langsam ein.
  • Auch beim Bouldern gibt es einige Sicherheitsregeln zu beachten. Hier helfen die Trainer bei der Einhaltung und Umsetzung.
  • Sport macht in der Gruppe einfach mehr Spaß. Gerade am Anfang ist es oft nicht ganz leicht direkt einen Zugang zu den neuen Bewegungsabläufen zu finden. Wer sich jedoch mit Gleichgesinnten versucht, profitiert meist von gegenseitiger Hilfe und Motivation.

Egal ob man sich alleine oder zusammen mit einer Gruppe an die Wand wagt, ein paar Verhaltensregeln sollte man vorab verinnerlicht haben:

Sicherheit

Auch beim Bouldern wird Sicherheit großgeschrieben (und das nicht nur weil es ein Substantiv ist). Ganz wichtig ist es hierzu nicht nur auf die eigene Sicherheit zu achten, sondern auch die anderen Personen immer im Blick zu haben. Dies gilt sowohl beim Einsteigen in einen neuen Boulder, als auch beim Abspringen und beim Umherlaufen in der Halle.

Beim Bouldern gilt zwar der Grundsatz, dass möglichst kontrolliert aus einer Route abgesprungen werden soll, jedoch kommt es immer wieder auch zu unkontrollierten Stürzen. Um hierbei nicht von anderen Boulderern getroffen zu werden ist es ratsam deren Wege und Fallräume nicht zu kreuzen. Darüber hinaus müssen Fallräume generell freigehalten werden. Dinge wie Taschen, Trinkflaschen und Co. haben hier nichts verloren.

Spotten

Je nach Können und Art der Route kann es darüber hinaus sinnvoll sein einen Kletterpartner zu spotten bzw. sich selbst spotten zu lassen. Dies bedeutet vereinfacht, dass man einen Kletterpartner beim Stürzen oder Abspringen unterstützt.

Es geht dabei nicht darum die Person aufzufangen. Denn dazu müsste man je nach Gewicht und Fallhöhe des Partners schon fast übermenschliche Kräfte besitzen. Das Ziel beim Spotten ist es vielmehr den Kletterer gezielt auf den Boden bzw. die Matte zu leiten, sodass er sicher aufkommt. Hierdurch sollen beispielsweise Stürze auf den Kopf oder auch das Umknicken des Sprunggelenks vermieden werden.

Tischbouldern

In Corona-Zeiten eine Alternative: Tischbouldern

Klettertechnik

Das Thema „richtig klettern“ füllt ganze Lehrbücher. Darum ist es hier in Kürze auch schwierig, umfassend auf das Thema einzugehen. Für Einsteiger habe ich aber dennoch einen Tipp auf Lager: Ein klassischer Anfängerfehler ist, dass viel zu viel Kraft über die Arme aufgebracht wird. Beim Klettern zieht man sich aber nicht überwiegend mit den Armen hoch, sondern bestreitet das Vorankommen weitestgehend aus den Beinen heraus.

Gerade bei Senkrechten oder geneigten Touren sind die Hände und Arme hauptsächlich als Unterstützung der Beine zu sehen und dafür verantwortlich, dass man nicht aus der Wand kippt. Je steiler und überhängender eine Route jedoch wird, desto mehr muss selbstverständlich auch aus den Armen heraus geklettert werden.

Unabhängig vom Gelände gilt jedoch der Grundsatz am langen Arm zu klettern und so nicht durch das übermäßige Anspannen der Muskeln zu viel Kraft zu vergeuden. Wer das einmal verinnerlicht hat, wird sehen, dass er beim Klettern schnell Fortschritte macht und darüber hinaus länger durchhalten kann. Weiterführende Infos zum Thema Klettertechniken hat mein Kollege Felix einmal für euch zusammengetragen und auch für Anfänger gut verständlich beschrieben. Wenn ihr also tiefer in die Materie einsteigen wollt, dann schaut euch am besten gleich mal seine Artikelserie an:

Womit? Diese Dinge brauchst du fürs Bouldern.

Machen wir mal ein Spiel. Ich gehe zum Bouldern und packe in meinen Rucksack:
Bequeme Kleidung. Wie bei nahezu allen Sportarten (außer vielleicht Schach und Billard, aber so what…) ist bequeme Kleidung mit der man sich gut bewegen kann beim Bouldern definitiv das Mittel der Wahl. Expertentipp: Gerade am Anfang sollte man sich auf jeden Fall ein paar Gedanken über das richtige Beinkleid machen, denn Einsteiger neigen oft dazu sich die Knie an der Wand und den Griffen anzuschlagen.

Da diese Elemente zumeist sehr rau sind, kommt es hier in kurzer Hose auch schnell mal zum Aua am Knie. Daher empfiehlt es sich eine Hose zu wählen, die die Knie bedeckt. Wer jetzt aber seine Lieblingslaufhose mit dem superdünnen Stoff im Gepäck hat, wird sich sicherlich auch schnell ärgern, denn durch vermehrten Kontakt mit der Wand kommt es hier schnell zu kleinen Löchern im Material. Klare Empfehlung daher: Entweder eine etwas ältere Sporthose oder gleich eine spezielle Boulderhose aus robustem Material wählen.

Kletterschuhe

Kletterschuhe können in allen Hallen gegen eine kleine Gebühr geliehen werden. Wenn man die Sportart einfach nur einmal ausprobieren mag, macht es daher sicherlich auch Sinn, zunächst auf Leihmaterial zurückzugreifen. Für alle, die es aber definitiv ernst mit dem Bouldern meinen, empfiehlt sich die Anschaffung eigener Schuhe.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht immer in „fremde“ Kletterschuhe schlüpfen muss, sondern vielmehr auch, dass sich die eigenen Schuhe nach und nach an die persönliche Fußform anpassen können. Das macht auf Dauer das Tragen deutlich angenehmer. Außerdem bieten unterschiedliche Boulderhallen immer unterschiedliche Leihschuhe an. Während Halle A vielleicht Schuhe von einer Marke verleiht, die mir persönlich ganz gut passen, kann es sein, dass Halle B Schuhe von einer Marke hat, mit denen ich nicht so gut zurechtkomme.

Gerade für Anfänger ist jedoch der Kauf von Kletterschuhen alles andere als leicht. Zahlreiche Faktoren wie Anwendungsgebiet, Bauart der Schuhe, Verschluss und Fußform spielen hier eine wichtige Rolle. Für Anfänger gilt daher: Informieren, beraten lassen und anprobieren, anprobieren, anprobieren. Wenn ihr hier also noch Unterstützung braucht, dann schaut euch doch mal den Beitrag von Kollegin Frida mit dem schönen Titel „Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen?“ an.

Einen Chalkbag

Der Chalkbag oder das Magnesiasäckchen (wie wir „people form the last millennium“ sagen) ist ein gleichzeitig praktisches und modisches Accessoire beim Bouldern. Praktisch deshalb, weil sich darin das Magnesia (oder auch Chalk) unfallfrei transportieren lässt und beim Bouldern sprichwörtlich jederzeit zur Hand ist. Schweißnasse Hände können hierdurch schnell trockengelegt werden, sodass die Finger wieder über den optimalen Grip an den Griffen verfügen. Der meines Erachtens jedoch fast wichtigere Teil ist der Look.

Magnesium hilft beim Bouldern.

Magnesiabeutel gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen von groß bis klein, von sportlich dezent bis vollkommen abgespaced. Darüber hinaus unterscheidet man zwei grundlegende Arten von Chalkbags: Nämlich die, die am Körper getragen werden (mittels Bauchgurt oder beim Sportklettern direkt am Klettergurt) und jene, die eher eine große Tasche sind und in der Halle aufgestellt werden kann. Auch beim Inhalt gibt es deutliche Unterschiede. Chalk gibt es verschiedenen Formen, die je nach Anwendungsgebiet ihre Vorteile haben.

Diese hier alle einzeln aufzuführen und zu erklären würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wer also tiefer in die Welt des Chalks eintauchen möchte, dem sei folgender Blogbeitrag ans Herz gelegt: Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags.

Crashpad

Nur der Vollständigkeit halber: Wer draußen bouldern geht, der braucht mindestens ein zuverlässiges Crashpad. Die ersten Schritte beim Bouldern in der Natur zu machen ist jedoch für Anfänger nicht ratsam. Wie bereits erwähnt, sind alle Hallen und Boulderanlagen immer ausreichend mit Matten gesichert, sodass Anfänger ein Crashpad zumindest vorerst von der Ausrüstungsliste streichen können.

Also…

Für alle, die mit dem Bouldern anfangen wollen, gilt die klare Empfehlung: Machen! Denn Bouldern ist eine interessante und fordernde Sportart. Die Einstiegshürden sind beim Bouldern vergleichsweise klein, auch Anfänger werden hier schnell Spaß haben und Fortschritte erzielen. Der Anfang wird dabei durch einen Boulderkurs sicherlich erleichtert. Außerdem bieten Vereine inzwischen auch Bouldergruppen an, die das kontinuierliche Training in der Gruppe ermöglichen.

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