Die Save-Bouldering-Initiative

Bleibt sauber – Interview mit Christian von Save Bouldering

14. September 2017

Bouldern ist in aller Munde. Und das nicht erst seit gestern. Im ganzen Land schießen neue Hallen aus dem Boden und die bestehende Infrastruktur wird erweitert. Mit zunehmender Anzahl an Sportlern, steigt natürlich auch die Nutzung der natürlichen Boulderspots. Leider geht es dabei nicht immer ganz sauber zur Sache – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch was tun um der Verschmutzung Herr zu werden? Genau das trieb auch Christian um, der vor vier Jahren die Initiative „Save Bouldering“ gründete. Im Basislager-Interview erzählt er von seiner Idee, der Umsetzung und wie es ein paar prominente Namen auf die Liste der Unterstützer geschafft haben.

Hi Christian, erstmal vielen Dank, dass Du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Heute schon am Fels gewesen?

Die Save-Bouldering-Initiative

Klingt doch erstmal gar nicht so kompliziert.

Hallo zusammen, gerne. Und nein, leider nicht. Das lokale Angebot an Felsen ist bei mir eher mies, deshalb beschränkt sich der Aufenthalt am Fels jährlich eher auf wenige Trips nach Bleau – oder mal ganz verwegen – nach Schweden. Leider ist daher mein „Fels“ meisthin nur aus Plastik.

Erzähl uns ein bisschen was über dich – soweit ich weiß, kletterst und boulderst du schon einige Jahre durch die Gegend?

Ich bin Ende der 1980er zum Klettern gekommen. Nach einem Diavortrag des legendären Duos Güllich/Albert musste ich es einfach selbst ausprobieren und bin die ersten Jahre sehr häufig in der Fränkischen kletternd zugegen gewesen. Nach etwas weniger kletterintensiven Zeiten bin ich in den letzten zehn Jahren nun fast ausschließlich Bouldern und das am allerliebsten in Bleau. Besonders begeistert mich dort die Textur der Felsen und die qualitative Dichte an Problemen auch in gemäßigten Schwierigkeiten bis in den unteren 7. Grad, für viel mehr reicht es bei mir halt (noch) nicht.

Mit eurer Initiative wollt ihr die Boulderer da draußen ermutigen, den Sport nachhaltiger zu gestalten. Was war der Auslöser für die Gründung von SaveBouldering?

Ich wollte irgendwann, so um das Jahr 2013 herum, mehr aus meinem Hobby machen und war an der Eröffnung der Boulderwelt in Frankfurt beteiligt. Im Zuge dessen konnte ich live miterleben, wie sich der Randgruppensport Bouldern, durch das lokale Angebot an Indoormöglichkeiten, rasend schnell in die Breite entwickelt. Dass sich daraus auch schnell Konsequenzen für das Bouldern draußen ableiten würden, lag auf der Hand. Wer in letzter Zeit mal zu Hochzeiten wie Ostern in den populären Spots in z.B. Bleau zugegen war, kann das nur schwerlich leugnen. In einem Gespräch mit Irene und René von NIHIL Climbing bzw. MadRock Europa wurde uns klar, dass Boulderer, die in einer Halle an den Sport herangeführt werden, dort nicht unbedingt automatisch mit den Soft Skills ausgestattet werden, die es draußen für einen verantwortungsvollen Umgang in und mit der Natur braucht. Daher entschlossen wir uns, ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit den Jungs von Kletterszene.com, Gerhard und Sebastian, fanden sich schnell weitere Mitstreiter und wir gingen die Sache mal zaghaft an.

Wie lange hat es von der Idee bis zum ersten Poster-Entwurf gedauert?

Die Save-Bouldering-Initiative

Ein solches Plakat darf gerne überall hängen.

Das Poster war eher ein Zufall, ein oder zwei Wochen nach besagtem Gespräch war es schon fertig. Zu dem Zeitpunkt leitete ich noch den Bouldershop in der Boulderwelt Frankfurt und erdachte mir, einen Aushang dort zu platzieren, der wirklich rudimentäre Verhaltensregeln für das Draußenbouldern postulieren sollte: Verbote respektieren, Zugänge achten, Müll mitnehmen, Waldbrände vermeiden, Chalknutzung & Tickmarks begrenzen, Schuhe saubermachen und so weiter. Weil die Intention des Plakats gut angenommen wurde, gründeten wir kurz darauf eine Facebook-Seite und stellten eine einfache Website online. Darin sahen wir die Chance, das Ganze auch über den deutschen Sprachraum hinaus zu pushen und begannen sukzessive, zumindest die Website, in weitere Sprachen zu übersetzen. Inzwischen sind wir bei zehn Sprachen angekommen und decken damit einen Großteil Europas ab.

Da habt ihr in den vier Jahren eures Bestehens ja schon viel erreicht. Sicherlich auch dank eurer Unterstützer, unter denen sich auch prominente Namen wie Adam Ondra und Guillaume Glairon-Mondet finden – wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Profis?

Das war eher glücklicher Zufall bzw. ein wenig Networking. Guillaume Glairon-Mondet ist zum Beispiel im MadRock-Team und Irene fragte ihn einfach, ob er es übersetzen würde und er tat es gerne. An Adam Ondra kamen wir über Black Diamond, die die Initiative ebenfalls unterstützen. Die anderen Übersetzer waren entweder persönliche Kontakte oder Freiwillige, die uns damit unterstützen wollten. Generell ist es zwar schön, wenn man Unterstützung von großen Namen erfährt, aber ein wirklich breites „Spreading the word“ erreicht man vielmehr, wenn jeder, der es unterstützenswert findet, seinen vermeintlich kleinen Teil dazu beiträgt: danach handeln und andere animieren, es gleichzutun.

Wie verbreitet ihr eure Botschaft? Stehen schon Schilder an den berühmten Boulder-Spots?

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Boulderer treffen sich zum Aufräumen beim Magic Wood Clean Day.

Wir sind leider nicht in der Lage, große, aufmerksamkeitsstarke Aktionen auf die Beine zu stellen. Zeit und Geld sind da limitierende Faktoren, die wir alleine nicht überwinden können. Es freut uns sehr, wenn bei Clean-Up-Days in Bleau, in der Fränkischen oder auch in Kürze wieder im Magic Wood, ein Plakat von uns aufgehängt wird und wir sind froh um jeden einzelnen, den wir erreichen können. Sei es nun vor Ort oder über Facebook, eine Erwähnung im Netz, freiwillige Aktionen (Anzeigen in der Climax oder Postkartenbeilagen in den Boulderführern von Panico) oder dass doch mal irgendwo ein Plakat in einer Halle hängt.

Gab es auch irgendwann mal Gegenwind für eure Aktion oder wurde sie durchweg positiv aufgenommen?

Von Boulderern gab es bisher nahezu nur positives Feedback. Entweder ist es in der Sache an sich begründet, dass es nicht viel Negatives daran auszusetzen gibt oder aber wir sind noch zu klein und unbekannt und damit unter dem Radar derer, die sich daran reiben würden. Zumal wir auch wirklich versuchen, niemanden zu drangsalieren oder uns als die großen Moralaposteln aufzuführen. Wenn wir mit diesem Vorhaben mal brechen, dann richtet sich das eher an die Industrie, wenn dort aus Vermarktungsgründen Nachtbouldern propagiert wird oder Events in empfindlichen Gebieten abgehalten werden. Doch selbst von deren Seite gab es bisher kein negatives Echo.

Zum Schluss wäre noch Platz für eine Botschaft: Was möchtest du den Bergfreunden da draußen gerne mit auf den Weg geben?

Die Möglichkeiten für Outdooraktivitäten wie Bouldern sind limitiert, vielfach auch schon reguliert. Gebiete wie Bleau werden nicht „nachwachsen“ und wenn Gebiete erst einmal gesperrt werden, dann wird es sehr schwer werden, dies wieder aufzuheben. Es gibt viele Gelegenheiten durch unumsichtiges oder falsches Verhalten den weiteren Bestand dieser Ressourcen zu gefährden. Wenn Ihr Freude am Bouldern draußen habt, dann seid einfach fair und verhaltet Euch so, dass es für uns alle auch weiterhin noch möglich sein wird, die Zeit am Fels zu genießen. Zeigt Verantwortung und habt Spaß.

Wir danken für das Interview und wünschen euch natürlich weiterhin viel Erfolg. Alle Infos findet ihr natürlich auch auf der Homepage der Save-Bouldering-Initiative.

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