Blauer Zehennagel – schmerzhaft für Wanderer und Trailrunner

16. März 2020

Das Symptom tritt meistens bei längeren Wanderungen in Wanderschuhen, Bergschuhen oder Trekkingstiefeln oder nach langen Laufeinheiten mit Running- und Trailrunningschuhen auf. Oft ist einer der großen Zehen oder manchmal sogar beide gleichzeitig betroffen. Die Rede ist vom blauen Zehennagel – ein Nagel, der wie ein blauer Fleck aussieht – nur dass sich der blaue Fleck eben direkt unter dem Nagel befindet.

Blauer Nagel aus medizinischer Sicht

Sieht nicht schön aus und fühlt sich auch nicht gut an so ein Subunguales Hämaton. Foto: Alex Lozupone, CC BY-SA 3.0

Die medizinische Fachsprache bezeichnet den blauen Fußnagel als „Subunguales Hämaton“, also ein Bluterguss unter dem Nagel. Ein Subunguales Hämatom kann entweder an einem der Fingernägel oder einem der Fußnägel auftreten.

Oft ist dafür ein Schlag oder Einklemmen die Ursache. Wer schon einmal mit dem Hammer sein Ziel verfehlt hat, den Finger in der Tür eingeklemmt hat oder sich eine Flasche auf den Fuß fallen ließ, wird sich vermutlich noch lebhaft an den stechenden Schmerz und die daraus resultierende Verletzung mit blauem Nagel erinnern.

Plötzliche oder schleichende Verletzung

Bei robusten Wanderschuhen ist es fast unmöglich die Zehen derart einzuklemmen oder anzustoßen, dass sich ein solches Hämatom bildet. Auch Trailrunningschuhe sind meistens mit verstärkter Zehenkappe ausgestattet. Das Risiko sich beim Trailrunning einen Nagel blau zu schlagen ist jedoch generell höher, denn der Trailrunningschuh bietet weniger Schutz als ein Wander- oder Bergschuh und Trailrunner sind zudem schneller im Gelände unterwegs.

Besonders beim langen Bergablaufen können blaue Zehennägel entstehen.

Im Gegensatz zu einer plötzlichen Verletzung durch einen Stoß können blaue Zehennägel auch durch stetige Erschütterungen und ständiges Reiben entstehen. Wer beispielsweise beim Bergablaufen dauernd mit den Zehen an der Innenseite der Fußspitze anstößt, läuft mit jedem Schritt in Richtung blauer Nagel.

Da die Verletzung in dieser Form allerdings schleichend voranschreitet und viele kleine Einblutungen am Ende des Tages zu einem großen blauen Nagel wachsen, sind Outdoorsportler bei einer schleichenden Verletzung eher überrascht, wenn sie nach der Wanderung ihren schmerzenden Zehen von den Wanderstiefeln befreien.

Welche Faktoren können zum „blauen Nagel“ beim Wandern und Trailrunning führen?

Zu einer schleichenden Verletzung und letztendlich zu einem blauen Nagel kommt es meistens durch eine Kombination der folgenden Umstände. Manchmal genügt dafür sogar ein einziger Auslöser.

Unpassende Schuhe

Wer beim Wandern oder Trailrunning bei jedem Schritt mit den Zehen vorne am Schuh anstößt, trägt meistens schlichtweg zu kleine Schuhe. Nicht umsonst wird Outdoorsportlern beim Schuhkauf empfohlen, diese in verschiedenen Größen zu testen, mit den passenden Sportsocken anzuprobieren, sie abends zu tragen, wenn die Füße am Ende des Tages tendenziell am größten sind und die Schuhe ruhig eine halbe Stunde oder sogar länger an den Füßen zu tragen.

Schuhe, die zu klein, zu groß, zu schmal oder zu breit sind lassen den Fuß im Schuh anstoßen, rutschen oder „schwimmen“. Neben schmerzenden Zehen, Füßen und Beinen kann dadurch auch ein Subunguales Hämatom die Folge sein. Neue Schuhe müssen meistens erst ein paar Tage eingelaufen werden, bevor es schmerzfrei auf anstrengende Tageswanderungen oder mehrtägige Touren geht.

Falsche Schnürung

Der beste Wanderschuh oder Runningschuh nützt wenig, wenn er nicht optimal geschnürt ist. Knöchelhohe Wanderschuhe und Trekkingstiefel sind in der Regel mit einer 2-Zonen-Schnürung ausgestattet. Das bedeutet, dass der untere Bereich der Schnürung am Spann und der Bereich oberhalb des Knöchels unterschiedlich fest geschnürt werden können.

Ein „klemmender“ Haken zwischen den beiden Bereichen ermöglicht individuelles Schnüren. Von dieser Möglichkeit sollten Wanderer immer Gebrauch machen und den Schuh so schnüren, dass der Fuß nicht oder nur kaum nach vorne rutschen kann. Daher macht es auch Sinn den Schuh im Tagesverlauf immer wieder an das Gelände (z.B. Anstiege & Abstiege) und die Situation anzupassen.

Zu lange Strecken

Besonders Ultramarathonläufer haben häufiger mit blauen Zehennägeln zu kämpfen.

Je länger die Laufstrecke, desto mehr Schritte machen Wanderer und Trailrunner. Wenn bei jedem Schritt die feinen Gefäße am Fußnagel ein kleines Stück mehr strapaziert werden, sollten zumindest alle anderen Faktoren die zum blauen Nagel führen können möglichst ausgeschlossen werden. Mit passenden Schuhen, richtigen Socken und angepasster Schnürung sind beste Voraussetzungen für lange Wanderungen und Laufstrecken geschaffen.

Unpassende Socken

Was für die Schuhe gilt, lässt sich natürlich auch auf Wandersocken, Trailrunningsocken und Multisportsocken übertragen. Sie müssen einfach passen, dürfen nicht verrutschen und im besten Fall schützen sie mit entsprechenden Verstärkungen die Zehen, den Ballen und die Ferse. Blaue Nägel und auch Blasen an den Füßen lassen sich dadurch prima verhindern.

Falsche Fußpflege

Am besten läuft es sich in Wanderschuhen und Laufschuhen mit kurz geschnittenen Zehennägeln. Bei zu langen Nägeln steigt nicht nur die Gefahr für einen schmerzhaften blauen Nagel, zusätzlich verstärkt sich auch die Möglichkeit, dass der Nagel sich auch noch teilweise oder ganz ablöst. Das ist dann wirklich gar nicht mehr angenehm.

Was kann man gegen den blauen Nagel machen?

Wer nach einer Wanderung oder Laufeinheit Schmerzen am Nagel verspürt und daraufhin feststellt, dass der Nagel bereits blau unterlaufen ist, sollte den Fuß zunächst ruhigstellen, hochlegen und kühlen. Natürlich ist es nicht hilfreich, den gleichen Schuh in nächster Zeit wieder zu tragen. Besser ist es einen offenen Schuh (z.B. eine Trekkingsandale) zu wählen, bei dem die Zehen nirgends anstoßen und der Zeh gut belüftet wird.

Falls der Nagel sich ganz oder teilweise vom Nagelbett gelöst hat oder im Verlauf löst, könnte das Risiko einer Infektion bestehen. Die dabei entstehende Wunde muss fachgerecht versorgt werden. Wer sich dabei unsicher ist, sollte lieber seinen Hausarzt aufsuchen.

Auch wenn die Schmerzen zu stark werden, kann der Arzt Abhilfe schaffen. Mit eine sogenannten „Trepanation“ kann er den Druck auf den Nagel verringern und zum schnelleren Abheilen des Blutergusses beitragen. In jedem Fall muss dringend verhindert werden, dass sich das Nagelbett entzündet, denn das wird dann erst recht schmerzintensiv.

Wie lange braucht der blaue Nagel für die Heilung?

Selbst im günstigsten Fall, das heißt, wenn der Nagel sich nicht löst und „nur“ blau unterlaufen ist kann es sehr lange dauern, bis der Zeh wieder vollständig abgeheilt ist. Der blaue Nagel wächst aus dem Zeh komplett heraus. Das bedeutet, selbst wenn man sehr schnell nachwachsende Nägel hat, dauert es mindestens vier Monate, bis sich der Nagel gänzlich regeneriert hat. Oft kann es aber auch ein Jahr dauern, bis von der Verletzung nichts mehr zu sehen ist.

Schwieriger kann es werden, wenn der Nagel abgefallen ist, denn der nachwachsende Nagel wächst dann oft krumm, schief und gerne auch in die Haut ein. Deswegen sollten Outdoorsportler mit stark beschädigtem oder komplett abgelöstem Nagel auf jeden Fall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Meistens löst sich der Nagel jedoch nicht ab und nach ein paar Tagen mit sehr schmerzempfindlichen Zehen wird der blaue Nagel eher zum ästhetischen Problem, das sich nach ein paar Monaten von selbst erledigt.

Wer einmal mit einem blauen Zeh zu kämpfen hatte, ist in jedem Fall gut beraten, seine Ausrüstung genau unter die Lupe zu nehmen, um in Zukunft schmerzfrei die Berge zu genießen.

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