Eine eierlegende Wollmilchsau? Die Hariana Jacket von Black Yak im Test

8. April 2020

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Bevor wir hier mit dem eigentlichen Test loslegen, vielleicht zunächst ein paar Worte zum Hersteller der Hariana Jacket – Black Yak.

Das koreanische Unternehmen mit Sitz in Seoul wurde 1973 von dem Profikletterer Tae Sun Kang gegründet und konzentrierte sich zunächst auf den asiatischen Raum, mit den Kernmärkten Korea, China und Japan. Seit 2016 versucht sich die Marke mehr und mehr auch in Europa und Nordamerika zu etablieren. Dies soll vor allem durch innovative Technologien und die Entwicklung neuer Produktkategorien erreicht werden, was Black Yak schon 2016/2017 einen ISPO-Award eingebracht hat.

Diese Entwicklungsfreude wird bei Black Yak auch durch die Zusammenarbeit mit renommierten Extrembergsteigern wie Adam Bielecki und Jost Kobusch ermöglicht, die auch als Haupttester für die im letzten Jahr auf den Markt gebrachte Midshell-Kategorie fungierten.

Midshell – Was soll das sein?

Die Ankündigung von Black Yak im Hardshellsegment mit einer neuen Bekleidungskategorie aufzuwarten, sorgte für einige Aufregung in der Outdoor-Szene. Denn wer sucht sie nicht schon seit ewigen Zeiten – die komplett wetterfeste, rucksackkompatible und trotzdem hochatmungsaktive Hardshelljacke?

Die Jacke verspricht komplette Wasserdichtigkeit und höhere Atmungsaktivität.

Black Yak verspricht mit der Hariana Jacket komplette Wasserdichtigkeit und höhere Atmungsaktivität.

Die Grundidee von Black Yak bei der Hariana Jacket und der dazugehörigen Hose ist folgende: es wird zwar ein Dreilagen-Laminat verbaut, aber keine klassisch wasserdichte Membran wie GTX Pro, C-Knit, Paclite oder Active, sondern ein Gore Windstopper. Dies soll dennoch für komplette Wasserdichtigkeit sorgen (die Wassersäule der Jacke beträgt 20 000mm) und gleichzeitig eine deutlich höhere Atmungsaktivität gewährleisten. Hört sich zunächst einmal toll an, aber funktioniert das auch in der Praxis?

Ein erster Eindruck und die Features

Auffällig beim ersten Kontakt mit der Jacke ist zunächst einmal das Außenmaterial. Dies fühlt sich in der Tat eher an wie ein robustes Softshellmaterial.

Die Jacke ist in Größe M großzügig geschnitten, also ohne Probleme für ein Layeringsystem aka Zwiebelprinzip geeignet. Ich habe sie sowohl mit einem Fleece als auch mit unterschiedlich dicken Daunenjacken probiert, was beides, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken, funktioniert hat.

Die Hariana hat zwei große Front-RV-Taschen, die recht ungewöhnlich mittig am Hauptreißverschluß angelegt sind. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber Sinn, da der Hüftgurt des Rucksacks dem Öffnen nicht in die Quere kommen kann. Alle RVs sind laminiert und damit naturgemäß etwas hakelig, laufen aber problemlos. Das gilt auch für die sehr großzügig gestalteten Unterarmbelüftungen.

Last but not least hat die Hariana einen herausnehmbaren Schneefang und eine natürlich helmkompatible und größenverstellbare Kapuze.

Mit nachgewogenen 402 Gramm ist die Jacke zwar kein absolutes Leichtgewicht, aber noch in einem vernünftigen Rahmen für ein Dreilagen-Produkt. Wünschenswert wäre die Möglichkeit gewesen, die Jacke in einer Tasche zu verstauen, das Packmass lässt leider zu wünschen übrig.

Wind & Wetter

Ich habe die Hariana zunächst einmal bei einigen regnerischen, ziemlich windigen und kühlen Tagestouren mit einem ca. drei – vier Kilogramm schweren Daypack getestet. Die Winddichtigkeit der Jacke ist hervorragend, auch die leichten Schauer konnten der Hariana nichts anhaben. Der nächste Schritt war der obligatorische Test unter der Dusche, auch diesen überstand sie ohne Probleme.

Marco mit der Hariana Jacket im Härtetest.

Marco mit der Hariana Jacket im Härtetest – nach 90 Minuten im strömenden Regen hatte er nicht mehr viel zu lachen…

Der Härtetest kam dann bei einer kleinen Tour mit meinem großen 58 Liter Rucksack. Hier regnete es für knapp zwei Stunden in Strömen und nach ca. 90 Minuten drückten die dreizehn Kilogramm an den Schultern die Feuchtigkeit doch durch. Ich wurde zwar nicht komplett nass, aber wirklich trocken hielt die Jacke mit einem schweren Trekkingrucksack dann auch nicht.

Zuletzt habe ich die Jacke noch bei trockenen, aber windigen und deutlich wärmeren Bedingungen ausgeführt. Und hier kann die Hariana dann richtig punkten, denn selbst bei knapp 17 Grad geratet ihr in der Jacke nicht ins Schwitzen. Die Atmungsaktivität kommt einer Softshelljacke damit deutlich näher als einer Hardshell. Deshalb ist die Jacke wirklich ein idealer Begleiter für sehr bewegungsintensive Aktivitäten wie Skitourengehen, Hochtouren und zügiges Wandern mit nicht zu schwerem Gepäck und auch nicht dauerhaft nassen Bedingungen.

Fazit

Die eierlegende Wollmilchsau hat auch Black Yak nicht hervorgebracht, dazu ist die Wetterfestigkeit mit schwerem Rucksack leider nicht ausreichend. Aber eine hochwertig verarbeitete Hardshelljacke, mit vernünftigem Wetterschutz, die in puncto Atmungsaktivität wirklich schwer zu schlagen ist, ist ihnen gelungen.

Auf einen Blick

  • Wetterschutz: 3 Punkte
  • Atmungsaktivität: 5 Punkte
  • Tragekomfort: 5 Punkte
  • Gewicht/Packmass: 4 Punkte

Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit der Hariana Jacket gemacht oder sind noch Fragen offen geblieben? Dann freuen wir uns über eure Kommentare!

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