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Bergfreund Jan am Kilimanjaro

Auf den Kilimandscharo – Tipps für die Packliste

13. Februar 2018
Packlisten, Tipps und Tricks

5.895m – für viele ist es ein lange gehegter Traum, einmal im Leben auf dem Dach Afrikas zu stehen. Bei mir kam diese Idee eher spontan, nach dem Studium. Da hat man ja erstmal Zeit, wenn es einen nicht direkt an die nächste Uni oder ins Berufsleben verschlägt. Dabei wäre letzteres gar nicht so schlecht gewesen, kostete die Besteigung seinerzeit doch geschlagene 3.000 Euro, mit allem Drum und Dran – Flüge, Hotel, Nationalparkgebühren, Guides, anschließende Safari … the list goes on.

Ein anderer, nicht unwesentlicher Teil dieser Kosten: die gesamte Ausrüstung, welche für solch eine Besteigung notwendig sein wird. Dabei habe ich so Allerlei falsch gemacht. Nicht nur weil plötzlich das nötige Kleingeld fehlte, sondern auch aus mangelnder Erfahrung. Dieses und weiteres Wissen möchte in an dieser Stelle weitergeben – in der Hoffnung so manch einem angehenden Kilimandscharo-Begeher hoffentlich hilfreiche Infos mit auf den Weg geben zu können.

Das höchste Bergmassiv Afrikas

Die größte Herausforderung an Mensch und Material ist sicherlich die nicht zu unterschätzende Höhe dieses formschönen Vulkanes. So gilt es nicht nur, seinen Körper auf knapp 6.000m Höhe zu bugsieren (das ist immerhin höher als das Everest-Basislager), sondern dabei fünf völlig unterschiedliche Klimazonen zu durchwandern:

  • Landwirtschaftlich genutzter Kulturwald
  • Bergregenwald ab 1.700m bis zur Baumgrenze
  • Die alpine Stufe beginnt ab etwa 2.800 m und führt zunächst durch Grasland sowie eine von Heidegebüsch geprägte Steppenregion
  • Ab 4.000m geht es über die sogenannte Hochlagenwüste (karg und steinig, mit großen Tag-/Nacht Temperaturamplituden) bis knapp 1.000m unterhalb des Gipfels
  • Die eigentliche Gipfelregion befindet sich in der nivalen Zone, d.h. wo sich Schnee, Gletscher und Gipfelkrater die Klinke in die Hand reichen.

Von der Wahl einer geeigneten Route

Nun geht es natürlich nicht in einem Rutsch bergauf, das würde den nicht-akklimatisierten Mitteleuropäer schlichtweg überfordern, sondern je nach gewählter Route in Etappen rauf, wieder ein Stückchen runter, am nächsten Tag weiter rauf, usw. Frei nach der tansanischen Sprechart „Pole, Pole“ (Langsam, Langsam) bahnt man sich seinen Weg in fünf bis neun Tagen zum Uhuru Peak. Dabei bieten sich vor allem die längeren Routen nicht nur auf Grund ihrer landschaftlichen Vielfalt, sondern auch der wesentlich besseren Akklimatisierungsmöglichkeiten gleich in doppelter Hinsicht an.

Wir haben uns für die seinerzeit eher seltener begangene 7-Tages-Tour über die Machame-Route – die sogenannte Whiskey-Route entschieden. Körperlich vielleicht etwas fordernder, da länger (und auch etwas teurer), dafür aber mit besseren Chancen, auch tatsächlich den Gipfel zu erreichen (was schließlich auch 9 von 10 Leuten aus unserer Gruppe gelang).

Ausrüstung? Ja was genau eigentlich?

Spätestens in der Gipfelnacht ist mir schmerzlich (bzw. eher frierend) bewusst geworden, was ich hätte besser machen können. Typischer Anfängerfehler mögen jetzt die einen sagen, war doch klar die anderen. Dabei sind es genau diese Fehler, aus denen man lernt. Und nicht wenige Fragen, die uns regelmäßig erreichen, drehen sich um die Punkte:

  • Wie kalt wird es werden? Welche Bekleidung empfiehlt sich nicht nur für die Regenwaldetappen, sondern vor allem für den Gipfeltag?
  • Welche Komforttemperatur sollte mein Schlafsack haben? Welche Isomatte bietet sich an?
  • Was ist mit Zelten und Verpflegung?
  • Und last but not least: Trinkflasche oder Trinksystem?

Dies sind natürlich nur einige der Fragen, die man sich im Vorfeld der Tour stellen sollte und stellen muss. Deren Beantwortung fällt jedoch nicht immer ganz so leicht. Aus diesem Grund möchte ich schlicht einige Orientierungshilfen liefern, die zwar keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeiten erheben, mir persönlich das Leben jedoch erleichtert hätten.

Welche Bekleidung muss mit? Was ist Nice-to-have?

Ein Blick in meine Packliste zeigt vor allem eins: Kleide dich nach dem Zwiebelprinzip und nimm nicht zu viel mit! Ein Paar Merino T-Shirts, ein Paar Merino-Longsleeves (Materialstärke 200 g/m²) und eine Windstopper-Softshelljacke. Dazu eine Trekkinghose, bei der die Beine abnehmbar sind. Schon steht die Basis und man kommt die ersten Tage problemlos über die Runden. Vor allem die Merinobekleidung trocknet schnell und stinkt wenig. Ein klarer Gewinn für Übernachtungen im Zelt.

Spannend hingegen wird der Übergang von 3.000m in die teils windgepeitschte Hochlagenwüste. Hier gibt es nur noch wenig Schutz durch die Vegetation, sodass man Wind und wenn man Pech hat, dem Regen ziemlich ausgeliefert ist. Abhilfe schafft auf jeden Fall winddichte Oberbekleidung sowie ein Buff, den man sich bei Bedarf ins Gesicht ziehen kann. Die (leichte) Regenjacke sollte dabei griffbereit im Tourenrucksack verstaut sein.

Achja, fast vergessen, die Schuhe… Oft werde ich gefragt, ob es denn die steifen Bergstiefel für den Kili sein müssen. Meine Antwort lautet nein. Ein ordentliches Paar (eingelaufene!) knöchelhohe Wanderschuhe der Kategorie B sind meiner Meinung nach vollkommen ausreichend. Da es sich bei der ganzen Besteigung mehr um ein ausgedehntes Höhentrekking handelt, sollten vor allem das Abrollverhalten, der Komfort und die Atmungsaktivität der Schuhe stimmen. Für mich haben sich ein paar Hanwag Banks GTX bewährt. Wer darüber hinaus noch länger im Land bleibt, zum Beispiel für eine Safari, der sollte neben 3-4 Paar Socken auf jeden Fall ein leichtes, luftiges zusätzliches Paar Schuhe einpacken.

Kommen wir nun zum Eingemachten: Alles oberhalb von 4.000m. Hier habe ich den wohl größten Fehler begangen und mir aus Mangel an nötigem Kleingeld keine Daunenjacke gekauft. Das wiederum sollte mir spätestens am letzten Abend vor dem Gipfel sowie auf dem Weg zum Uhuru Peak selbst einige Unannehmlichkeiten bereiten. Als ich mich in einer abstrusen Kombination aus T-Shirt, Longsleeve, Fleecejacke, noch einer Fleecejacke, Windstopperjacke und einer zusätzlichen Hardshelljacke on top zum Gipfel gebibbert habe, während sich die Anderen in ihrer gemütlichen Daunenjacke verkriechen konnten. Nehmt also um Gottes Willen ein Daunenoberteil mit. Keine von diesen 800 Euro Michelin-Männchen-Dingern, aber zumindest eine aus dem mittleren Preissegment, einigermaßen klein verpackbar mit 650 bis 700 cuin Bauschkraft. Damit sollte einem doch geholfen sein.

Nice-to-have ist auf jeden Fall eine lange Unterhose. Auch hier hat sich eine aus Merinowolle mit 200 g/m² bewährt – im Schlafsack sowie auf dem Weg zum Gipfel ein echter Zugewinn. Wer es mag, dem sei auch ein Kunstfaserrock empfohlen. Vor allem in den abendlichen Stunden, mit einem leckeren Tee in der Hand, kann es die Behaglichkeit vor dem Zelt beim gemütlichen Beisammensitzen doch nochmal deutlich erhöhen.

Was letztlich so Dinge wie Handschuhe und Mütze angeht, da gibt es nur wenig zu sagen. Vergessen sollte man sie jedenfalls nicht. Eine warme, bequeme Wollmütze unter der Kapuze, dazu ein Paar winddichte und zum Beispiel mit Primaloft isolierte Fingerhandschuhe, schon sollte der letzten Etappe auf das Dach Afrikas nichts mehr im Wege stehen. Außer der großen Höhe natürlich. Aber hier reagiert einfach jeder Mensch anders. Und wenn man Symptome der akuten Höhenkrankheit zeigt, sollte man diese keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Lieber auf Nummer sicher gehen, den Gipfel streichen und dafür Gesund wieder runterkommen… So wie es schließlich auch einer Mitstreiterin aus unserer Gruppe ergangen ist. Hut ab für diese Entscheidung, gehört doch einiges an Mut dazu, aber wer weiß schon wofür es gut war? Unser Bergführer jedenfalls hat schon so einige Fälle erlebt, in denen er und seine Guides Leute mit Sauerstoffflaschen vom Berg runterkarren mussten.

Wie man sich bettet, so liegt man…

Apropos Schlafen. Mein Kunstfaserschlafsack von Mountain Hardwear mit 1°C Komforttemperatur plus ein Mikrofaser-Inlet war schon nicht schlecht, ist aber sicher nichts fürs Frostbeulen. Wer hingegen auf Nummer sicher gehen will, wählt einen Kunstfaserschlafsack im Bereich -2°C Komfort oder knapp darunter. In den wärmeren Lagen (Stichwort Schwitzen; Feuchtigkeit) kann man diesen einfach weiter geöffnet lassen, weiter oben am Berg wird man über einen Wärmekragen dankbar sein.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum dann nicht gleich einen Daunenschlafsack mitzunehmen. Hier würde ich grundsätzlich nicht widersprechen, für mich war jedoch hauptsächlich der Preis ausschlaggebend. Daune ist noch leichter, bietet ein besseres Isolationsvermögen im Vergleich zum Gewicht und gleicht das Körperklima gerade bei den hohen Temperaturdifferenzen am Kili zwischen Lager 1 und Lager 5 besser aus – kostet dafür aber auch entsprechend mehr. Letztlich ist es also eine Frage des Geldbeutels. Orientieren sollte man sich in beiden Fällen an den -5°C bis 0°C Komforttemperatur, für besonders kalte Nächte weit oben kommt ein zusätzliches Inlet zum Einsatz.

Wer nicht gerade auf einer Therm-a-Rest Z-Lite Sol Faltmatte übernachten will, sollte sich zudem Gedanken über eine selbstaufblasende Isomatte machen. Meine ist die Exped SIM Lite UL 3.8 – ein guter Kompromiss aus Packmaß, Gewicht und Isolationsvermögen. Mit ihrem R-Wert von 3,2 reicht sie bis etwa -5°C. Auch hier bietet sich die Überlegung an, auf eine etwas dünnere, dafür leichtere Matte zu setzen, auf die Gefahr hin, gerade in den höheren Lagen bei niedrigen Temperaturen bzw. Bodenfrost zu bibbern. Oder im Gegenteil: Wer auf Nummer sicher gehen will, orientiert sich an einer Mattendicke von 4 bis 5 cm.

Die Zelte (zumindest kenne ich es nicht anders) werden in der Regel vom Veranstalter gestellt und von den eigens zugeteilten Trägern in die einzelnen Lager verbracht. So muss man sich zumindest um diesen Punkt nicht weiter kümmern.

Zum Thema Verpflegung und Trinkwasser

Auch wenn das mit dem Thema „by fair means“ nicht viel zu tun hat, aber auch die Verpflegung wird zu großen Teilen von den Trägern in die einzelnen Lager geschleppt. Selbst wenn ich persönlich der Ansicht bin, dass ich alles was ich am Berg benötige, selbst mit hinauf und wieder mit hinunter nehme, so sind die Regeln am Kili ein bisschen anders. Ohne die Träger geht hier nichts. Und vielleicht ist das auch gut so, immerhin handelt es sich beim stark reglementierten Tourismus am Kili häufig um die Haupteinnahmequelle für viele Chaggas, die so ihre Familien ernähren.

 

Auf jeden Fall muss man sich neben Energieriegeln für die einzelnen Tagesetappen nicht um Trekkingnahrung oder Ähnliches kümmern. Meist gibt es ein kleines Frühstück und zu Abend etwas Warmes, mit Kartoffeln, Fleisch und Reis. Für den kleinen Hunger zwischendurch schwöre ich auf Clif Bar. Wem das verständlicherweise zu teuer ist, der sollte mal die Haferriegel von Oatsnack ausprobieren – kleine Kraftpakete, die noch dazu gut schmecken und nicht so schnell wegschmelzen.

Mein letzter Punkt dreht sich um’s Trinkwasser. Dazu ein Vergleich: Person 1 trägt eine Trinkblase mit drei Litern Fassungsvermögen im Rucksack. Person 2 eine handelsübliche ein Liter Trinkflasche in der Seitentasche. Wer trinkt mehr bzw. regelmäßiger? Die Antwort ist eindeutig und braucht keiner weiteren Erklärung. Mein Trinksystem von Camelbak hat nur einen Haken, bzw. viel mehr war es mein Denkfehler, keinen Isolationsschlauch mitzunehmen. Das resultierte darin, dass ich die ganze Nacht auf dem Weg zum Gipfel an einem eingefrorenen Beißventil genuckelt habe. Erst mit dem Sonnenaufgang konnte ich sehnsüchtig dabei zusehen, wie das Wasser im Schlauch langsam wieder seinen Aggregatzustand in Richtung trinkbar änderte.

Wie dem auch sei, die Wasserversorgung am Berg ist durchweg gut und durch die Träger gewährleistet. Das heißt, ich muss selbst nur dafür Sorge tragen, mir täglich meine Vorräte zu füllen (3-4 Liter Wasser pro Tag sind durchaus nötig und für eine angemessene Akklimatisierung zu empfehlen). Wer dann noch daran denkt, dass sein Wasser bei Minustemperaturen ja einfrieren könnte und entsprechend Vorkehrungen trifft (und damit meine ich nicht, das Wasser durch hochprozentigen Schnaps zu ersetzen), der wird auf der sicheren Seite sein. So gibt es für die meisten Trinksysteme passende Winter Kits mit isolierten Schläuchen.

Was muss definitiv nicht mit?

Viel wird darüber geschrieben, was man auf solchen Bergtouren alles braucht. Noch wichtiger ist jedoch, sich darüber Gedanken zu machen, was man alles nicht braucht! Und da gibt es am Kilimandscharo so einiges, was definitiv zu Hause bleiben kann. Um der endlosen Litanei also an dieser Stelle ein Ende zu setzen, hier meine Top 5 der Dinge, die man einfach nicht braucht:

  • Schwere Bergstiefel (Kategorie C-D) und mehr als 3 Paar Socken
  • Gamaschen jeglicher Art
  • Mehr als eine gute (abzippbare -> universelle) Trekkinghose
  • Mehr als zwei T-Shirts, zwei Longsleeves, eine Fleece- und eine Daunenjacke
  • Handy, Smartphone und Co – am Berg hat‘s eh keinen Empfang, dafür lieber eine gute Kamera mit Ersatzakku einstecken

In diesem Sinne wünsche ich allen Aspiranten einen eindrücklichen Aufstieg und sichere Abkehr vom einstigen höchsten Berg Deutschlands.

Zelten im Winter: das umfassende Kältetuning

Zelten im Winter – das umfassende Kältetuning

13. Februar 2018
Tipps und Tricks

Bei Eis und Schnee, bilden Haut und Muskeln so etwas wie die letzte „Verteidigungslinie“ gegen die Kälte. Und auch die Wichtigste, denn wenn du komplett durchfroren bist, helfen auch die cleveren Techniktipps und coolen Equipment-Hacks nur noch eingeschränkt weiter. Deshalb ist es im Winter ganz besonders wichtig, die Tour an individuellen Fitnessstand und Leistungsvermögen anzupassen. Noch mehr als im Sommer gilt es, zurückhaltend und mit Reserven zu planen.

Weil ein richtig konfiguriertes Körper-Geist-System für das Zelten im Winter so wichtig ist, gehe ich bei diesem Artikel „von innen nach außen“ vor. Erst kommt das Kältetuning für Körper und Geist mit einem anschließenden Kurzportrait der Kälte. Denn wenn man deren Prinzipien und Wege kennt, muss man nicht tausend Strategien und Tricks auswendig lernen, sondern kann sich selbst welche einfallen lassen. Anschließend folgen Tipps rund ums Übernachten und Kochen, dann geht es an die nächst äußeren „Kälteschutzmauern“: Kleidung, Schlafsack, Isomatte und Zelt.

Kältetuning für Körper und Geist

Fangen wir mit einer echten Neuigkeit an: Kälteempfinden und Kälteempfindlichkeit sind nicht von den Genen vorherbestimmt, sondern ähnlich wie Muskeln, beeinflussbar und trainierbar. Diese erfreuliche Tatsache ist zwar nicht wirklich neu, doch offenbar vielen Bergfreunden nicht bekannt. Wäre sie es, würde man diesem sicher nicht ganz uninteressanten Punkt sicher mehr Aufmerksamkeit schenken. In den allermeisten Artikeln, die ich zu diesem Thema gefunden habe, wurde er aber nur als Randnotiz oder gar nicht behandelt.

Körper: Kältetraining

Kontrollierte Begegnungen mit der Kälte sind als Booster für Immunsystem und Gesundheit gerade ziemlich hip. Man trainiert für die Kälte, indem man regelmäßig auch im Winter vor die Tür geht, öfter mal kalt duscht (hier kann man sich langsam herantasten), Wechselbäder nimmt und sich nicht den ganzen Winter über in dicke Schals und Polarklamotten einmümmelt.

Ausgelöst hat die Sache wohl ein leicht exzentrischer Holländer namens Wim Hof. Der Mann ist so etwas wie ein lebendes Thermostat, das sich beim Tauchen im Polarmeer genauso wohlfühlt wie beim Marathon in der Wüste. Da er dabei willentlich sein vegetatives Nervensystem steuert und weitere Dinge tut, die nach medizinischer Lehrmeinung unmöglich sind, tat man ihn lange Zeit als genetischen Sonderfall oder Scharlatan ab. Doch er ließ sich wissenschaftlich untersuchen und fing an, Workshops zur „Wim Hof Methode“ zu geben. In einem regelmäßig stattfindenden Workshop gehen die Teilnehmer nach etwa einer Woche in T-Shirts und kurzen Hosen bergwandern – im Winter auf einen Gipfel an der polnisch-tschechischen Grenze.

Das soll übrigens keine Werbung für irgendwelche Gurus oder Seminare sein. Erstens gibt es auch viele kostenlose Infos und zweitens ist es, soweit ich weiß, die erste allgemein zugängliche Methode, durch die Ottonormalbergfreunde deutlich unempfindlicher gegen Kälte werden können.

Geist: Akzeptanz und Gewöhnung

Ein weiterer Pfeiler des Kältetrainings ist die veränderte Einstellung zur Kälte: während wir gewohnt sind, nur ihren starren, lebensfeindlichen Aspekt zu sehen, vergessen wir meist das ebenfalls vorhandene, intensiv belebende Element (das man z.B. nach einer kalten Dusche genießen kann). Wie plättend und ermüdend ist dagegen die Luft im überheizten Büro …

Solche sprichwörtlichen „warmen Gedanken“ sind mehr als nur ein Witz am Rande. Im Gegenteil, ihre Wirkung kann durchschlagend sein. Die tibetische Tummo-Meditation, an der die Wim-Hof-Methode angelehnt ist, arbeitet mit Visualisierungen von Flammen, die zur Erzeugung von tatsächlicher Körperwärme beitragen – und zwar so viel, dass Fortgeschrittene damit (nach langer Praxis) die Eisschollen durchschmelzen, auf denen sie sitzen. Auch wenn unsereiner das wahrscheinlich nicht bis zum nächsten Camping im Winter schafft, zeigt es doch, dass viel mehr möglich ist, als die Schulweisheit uns träumen lässt.

Verdammt, es wird trotzdem kalt!

Auch positive Einstellung und gute Eingewöhnung können nicht immer verhindern, dass man doch mal richtig schlottert. In dem Fall muss man hoch auf die Beine und irgendwie den Kreislauf in Schwung bringen: Kniebeugen, Hampelmänner, herummrennen mit schweren Steinen oder was einem sonst so einfällt. So lange bis es wärmer wird, ohne dass man schwitzt. Dann hat man sich den warmen Schlafsack redlich verdient!

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn der Körper noch Energiereserven hat. Ist man dermaßen am Ende, dass nichts mehr geht, wird es Zeit, die Tourenplanung zu hinterfragen und über einen (hoffentlich möglichen) Abbruch nachzudenken…

Exkurs: Was ist Kälte?

Das bessere Verständnis von Kälte hilft nicht nur für Gegenmaßnahmen, sondern kann vielleicht auch unnötige Ängste abbauen. Man kann Hitze und Kälte als Bewegungszustände betrachten: bei Hitze sind Moleküle in schneller Bewegung, bei Kälte sind sie langsamer oder gar nicht unterwegs. Je kälter es wird, desto weniger bewegt sich, bis irgendwann alles starr ist. Da Bewegung bekanntlich Platz beansprucht, enthält ein Kubikmeter warme Luft weniger Luftmoleküle als ein Kubikmeter kalte Luft. In der kalten Luft sind die Moleküle dichter gestaffelt, weshalb kalte Luft „schwerer“ ist und zu Boden sinkt. Dabei wird die warme Luft verdrängt, zum Himmel verflüchtigt und abkühlt.

Schafft man es jedoch, eine Schicht Warmluft in einer Hülle „festzuhalten“ und das zu wärmende Objekt (z.B. den eigenen Körper) mit dieser Hülle möglichst komplett zu bedecken, kann die kalte Luft die Warmluft nicht mehr einfach verdrängen. Jeder Wärmeschutz bei Kleidung, Schlafsäcken, Isomatten und Behausungen basiert auf dem Versuch ein Paket an Warmluft in einer möglichst stabilen Hülle „einzusperren“ und „festzuhalten“. Ob Daunenjacke, Kunstfaserschlafsack oder doppelt verglastes Fenster: sie alle sperren eine relativ warme Luftschicht ein, die die Kaltluft von draußen abweist.

Kältetuning: kochen, essen, trinken, verdauen … und rauslassen!

Die Blase drückt, der Darm rumort: leider geben auch auf winterlicher Outdoor-Tour die Rhythmen und Begrenzungen des Körpers den Ton an. Mit dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer ist es dann manchmal nicht mehr so weit her. Wenn man trotzdem Spaß an der Sache haben will, kommt man nicht umhin, rund um die Energieaufnahme und -Abgabe einige Tipps und Regeln zu beherzigen. Eigentlich ist es nur eine Regel, die allerdings nicht immer leicht zu befolgen ist: die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme so zu gestalten, dass man den Schlafsack nachts nicht für irgendein Geschäft verlassen muss.

Heißt das, man soll möglichst lange vor dem Nächtigen nichts essen und trinken? Nein, keineswegs! Nächtlicher Mangel an Flüssigkeit und Nahrung ist schlecht für Schlaf und Regeneration. Man braucht die Energie im Bauch, um sich während des Schlafs warm zu halten. Das macht der Körper auch dadurch deutlich, dass es sich mit Hunger oder Durst sehr schlecht einschlafen lässt. Ein bis zwei Stunden vor dem Aufs-Ohr-legen ist ein guter Zeitraum, um ordentlich reinzuhauen. In dieser Zeit sollte man auch nur noch sparsam trinken. Ich weiß nicht, ob man es erwähnen muss, aber ja, es stimmt: je heißer und energiereicher die Getränke und Suppen, desto besser. Noch besser ist, wenn man eine Thermoskanne hat, in der man den heißen Stoff für den nächsten Tag schön warmhalten kann.

Oft hört und liest man, dass Ingwer, Chili und andere scharfe Gewürze gut fürs Warmhalten sind. Das stimmt, aber vor dem Schlafengehen sollte man es damit nicht übertreiben, denn die anregende Wirkung auf den Kreislauf kann auch das Einschlafen erschweren.

Trinken/ Schnee schmelzen

Bei Kälte empfindet man zwar weniger Durst, hat aber dennoch jede Menge Flüssigkeitsbedarf. Die Luft ist oft sehr trocken und die Gliedmaßen werden nur mit ausreichend Flüssigkeit gut durchblutet. Wenn Schnee liegt, braucht man sich um den Nachschub keine Sorgen zu machen – sofern man genug Brennstoff für den Kocher hat.

Je nachdem wie trocken der Schnee ist, kann es mit dem Schmelzen etwas länger dauern. Nimmt man Eis, sollte man es in möglichst kleine Stücke zerhacken. Am Anfang wird man die Mengen zum Trinken und kochen noch nicht so gut einschätzen können, weshalb man öfter warmes Wasser übrig haben wird. Dieses schüttet man nicht weg, sondern füllt es in die Isolierflasche oder Thermoskanne, um es später zu verwenden.

Kochen

Falls es draußen keine windgeschützte Stelle gibt, muss man im Vorzelt (Apsis) kochen. Dort hat man idealerweise zuvor eine Vertiefung in den Schnee gegraben, die Platz zum Sitzen schafft und als „Entsorgungssenke“ für kalte Luft dient. Diese Grube darf nicht über den Zeltrand hinausragen, sonst kann es hereinschneien.

Beim Kochen im (Vor)Zelt dürfen Konzentration und Aufmerksamkeit in keiner Sekunde nachlassen, sonst kommt es ganz schnell zum Super-GAU. Der Kocher muss so stabil wie möglich und so weit weg wie möglich von allem Brennbaren stehen. Sehr wichtig ist auch eine ausreichende Belüftung – ansonsten kann es zu einer Kohlenmonoxidvergiftung kommen.

Das erste Alarmzeichen für Sauerstoffmangel ist eine flackernde und „puffende“ Kocherflamme. Fortschreitender Sauerstoffmangel führt zu Schläfrigkeit und schließlich im schlimmsten Fall zu einem unschönen Ableben. Besonders wenn man alleine unterwegs ist, geht man hier ein ziemliches Risiko ein.

Brennstoff

Bei sehr tiefen Temperaturen haben Benzin- und Spirituskocher Vorteile gegenüber den sonst sehr  vorteilhaften Gaskartuschen. Deren komprimierte Propan-Butan-Gemische verdunsten bei extremer Kälte nicht mehr richtig. Immerhin kann man versuchen, die Kartuschen in der Kleidung oder im Schlafsack warm zu halten. Da das reichlich umständlich ist, greift man für den Winter besser zu Benzin- oder Multifuel-Kochern.

Kältetuning für die Kleidung

Unterwegs auf Tour sollte man sich nicht zu warm einpacken. Klingt zunächst unlogisch, doch angesichts der Anstrengung kommt man auch bei Eiseskälte überraschend schnell ins Schwitzen. Damit gerät Feuchtigkeit in die Kleidung und auf die Haut. Das gibt nicht nur ein unangenehm klammes Gefühl bei der ersten Pause, sondern kann auch für den Rest der Tour die Auskühlung beschleunigen. Die dicke Isolationsjacke kommt also meistens nur in Pausen und am Lagerplatz zum Einsatz.

Generell hält man sich am besten an das gute alte Zwiebelprinzip: Zieh dir die Kleidung in mehreren Schichten an und aus, am besten immer bevor du frierst oder schwitzt. Zwischen jeder Kleidungsschicht bildet sich ein kleines Luftpolster, welches die Isolierung erzeugt. Mehr Schichten bringen solange mehr Wärme, wie sie sich nicht gegenseitig zusammendrücken. Das Zwiebelprinzip gilt selbstverständlich auch für den Kopf, die Hände bzw. die Handschuhe und die Füße, die man bei extremer Kälte mit Daunen-Booties warmhalten kann. Am Kopf kann man bei extremer Kälte eine Mütze mit einem darunter gezogenen Buff-Tuch kombinieren oder – für den angemessen grimmigen Look – auch eine Sturmhaube/Balaklava überziehen.

Wichtig: Auch der beste Kälteschutz kann nutzlos werden, wenn er nicht durch einen bestmöglichen Nässeschutz ergänzt wird. Das Beispiel des Schwitzens hat hoffentlich deutlich gemacht, wie schnell der Kälteschutz ansonsten untergraben werden kann. Beim Aufenthalt im Schnee sollte man deshalb immer genügend schützende Unterlagen zur Hand haben – sei es der Rucksack, die Isomatte, ein Biwaksack oder eine Rettungsdecke. Letztere empfiehlt sich nicht nur bei Wintertouren als leichte, stabile und preiswerte Helferin in vielen Situationen (Unterlage, Extradecke, zum Einwickeln, …).

Kältetuning für die Ausrüstung – Schlafsack

Ein Winterschlafsack sollte nicht nur eine eng verschließbare Konturkapuze haben, sondern auch einen ebenfalls zuziehbaren Wärmekragen. Nur dieser kann das Eindringen von Kaltluft über den Hals- und Brustbereich wirklich unterbinden.

Der Schlafsack muss nicht nur dick sein, sondern auch zur Körperform passen und den Körper relativ eng umschließen – aber nicht so eng, dass man sich nicht mehr umdrehen kann. Vom Kopf bis zu den Füßen gilt: Druck auf einen zu engen Schlafsack drückt die Füllung zusammen und lässt an der entsprechenden Stelle Kälte eindringen (Kältebrücke). Zu große Hohlräume im Schlafsack entziehen dem Körper ebenfalls Wärme.

Idealerweise sollte der Schlafsack gerade so viel Platz haben, dass man noch ein paar Schichten Kleidung anziehen kann. Diese bringen allerdings nur dann zusätzliche Wärme, wenn sie nicht auf die Schlafsackfüllung oder die eigene Haut drücken. Denn wie gesagt, Wärme wird vor allem durch umhüllte Luftpolster festgehalten. Der große Vorteil des Schlafens mit mehreren Schichten Bekleidung: man muss morgens nicht halbnackt in der Eiseskälte herumhantieren.

Inlet und VBL

Statt zusätzlicher Kleidung wird auch oft ein Inlet empfohlen, um ein paar Grad mehr Wärme herauszuholen und zugleich den Schlafsack vor Feuchtigkeit und Schmutz zu schützen. Allerdings ist es nicht gerade bequem, in einem Sack innerhalb eines Sacks zu liegen, der sich je nach Bewegung im Schlaf herumschiebt und verfaltet.

Ein besonderes Inlet ist der Vapour Barrier Liner (VBL). Er besteht aus einem undurchlässigen, also auch nicht atmungsaktiven Gewebe und wird für sehr kalte Unternehmungen bei Verwendung von Daunenschlafsäcken empfohlen. Auch in sehr kalten Nächten gibt der Körper Feuchtigkeit mit gelösten Salzen ab, die auf Dauer die empfindlichen Daunen schädigen können. Der VBL fängt Wasserdampf und Schweiß ab und erhält den Schlafsack so voll funktionsfähig. Der Schläfer schmort dafür im eigenen Saft…

Wärmflasche oder Wärmestein

Eine mobile Miniheizung im Schlafsack kann eine echte Wohltat sein. Dafür kann man die mit heißem Wasser gefüllte Trinkflasche verwenden oder einen Stein, den man in die Nähe des vielleicht vorhandenen Lagerfeuers gelegt hat. Flasche oder Stein dürfen natürlich nur so heiß sein, dass man sie noch berühren kann und sie den Stoff des Schlafsacks nicht beschädigen.

Isomatte

Wer das „Luftpolsterprinzip“ verstanden hat, weiß, warum eine dicke Isomatte im Winter unentbehrlich ist, ohne sie würde die in Kleidung und Schlafsack gespeicherte Wärme sofort durch den direkten Bodenkontakt entweichen. Die Isolationsleistung der Matte hängt nicht von ihrer Dicke allein ab, sondern auch von ihrer Konstruktion. Diese bestimmt, wie viel Luft, wie stabil in der Matte eingeschlossen werden kann.

Früher brauchte es dafür robusten Schaumstoff, mittlerweile erreichen auch hauchdünne Kammerwände eine erstaunliche Dämmwirkung. Deren formale Bezeichnung lautet „Wärmedurchgangswiderstand“ und wird mit dem R-Wert angegeben. Der R-Wert ist eine ganze Zahl zwischen 1 und 6. Je größer die Zahl, desto besser isoliert die Matte gegen den kalten Boden. Ab einem R-Wert von 4 isoliert die Matte gegen Bodentemperaturen von etwa -10°C und gilt gemeinhin als wintertauglich.

Wenn eine solche Matte allerdings noch transportabel sein soll, kommt man um eine dreistellige Investition nicht umhin. Alternativ kann man zwei preiswerte Isomatten kombinieren oder eine Matte mit unterlegten Packsäcken, Kleidungsstücken oder Rettungsdecken „verstärken“. Solche Provisorien sind allerdings weder komfortabel noch sonderlich effektiv. Außerdem fehlt das „verbaute“ Material meist an anderer Stelle.

Kältetuning für die Ausrüstung – Zelt

Ein wintertaugliches Zelt muss stabiler und dicker sein als ein leichtes Sommerzelt. Das Gestänge muss auch der Last von nassem Schnee standhalten. Es empfiehlt sich ein doppelter Gestängesatz oder ein Ersatzgestänge, plus ein paar passende Rohrstücke zum Schienen eines Gestängebruchs.

Das Zelt muss viel Platz in Apsis und Innenzelt bieten, da man wesentlich mehr Ausrüstung und Kleidung dabei hat und weniger wendig ist. Die Luftzirkulation muss genauso gewährleistet sein wie im Sommer, denn sonst bleibt die Feuchtigkeit im Zelt und es wird klamm.

Allerdings müssen die Öffnungen für den Fall von anhaltendem Schneetreiben relativ hoch oben angebracht und verschließbar sein. Grundsätzlich sollte man für lange Wintertouren in den Bergen oder im hohen Norden nicht am falschen Ende sparen und nur auf hochwertige und verlässliche Zelte zurückgreifen.

Standortwahl

Gerade im Winter sollte man nicht nur nach Schönheit gehen, sondern vor allem nach Sicherheit. So sollten weder Schneemassen noch Äste auf das Zelt fallen können, noch sollte man in einer Kältesenke stehen. Auch lawinengefährdete Stellen wie Schluchten, schneebedeckte Hänge oder Schneeverwehungen sollten gemieden werden. Windgeschützt darf es natürlich auch gern sein, weshalb man hinter einem Felsen oder einem umgekippten Baum wesentlich besser postiert ist als auf offenem Feld. Der Eingang kommt möglichst auf die windabgewandte Seite.

Zeltaufbau

Den Aufbau des Zeltes sollte man vor der Tour reichlich geübt haben, damit man ihn auch unter widrigen Bedingungen sicher beherrscht. Wenn der Schnee nicht tief ist, legt man am bestens mit der Lawinenschaufel den Untergrund frei, sodass man das Zelt so aufstellen kann wie zu anderen Jahreszeiten gewohnt. Auch temperaturtechnisch ist nackter Erdboden die bessere Unterlage als Schnee und Eis. Ansonsten tritt man den Schnee (mit Skiern oder Schneeschuhen) platt und lässt ihn sich für etwa eine viertel Stunde verfestigen. Dann wird das Zelt mithilfe von Schnee- oder Sandheringen aufgebaut. Der Schnee um die Heringe muss ggf. nochmals festgetreten werden, bevor die Zeltleinen gespannt werden können. Alternativ oder zusätzlich können auch Skier, Stöcke, Steine oder andere Gegenstände je nach Schneekonsistenz senkrecht oder horizontal nach dem T-Anker-Prinzip versenkt werden.

Da das Zelt nun vertieft im Schnee steht, hat es bereits einen gewissen Windschutz. Allerdings sollte es gerade bei Pulverschnee nicht zu tief stehen, da sonst die Eingänge und Apsiden zugeschneit werden können. Für solche Fälle muss auch stets die Lawinenschaufel parat sein.

Wenn es stürmisch werden könnte und viel Schnee vorhanden ist, sollte man über einen zusätzlichen Wind-Schutzwall nachdenken, den man mithilfe der Lawinenschaufel baut. Die Seite zum Wind steigt dabei flach an, die Seite zum Zelt steil. Mit dieser Mauer, die etwa 1m entfernt vom Zelt stehen sollte, verhindert man auch das Eindringen von Schnee in den Raum zwischen Außen- und Innenzelt. Wenn der Wind unter das Zelt zu greifen droht, sollte man auch den unteren Rand des Zeltes mit einem kleinen Wall verstärken.

Zuletzt hebt man im Eingangsbereich die im Abschnitt über das Kochen bereits erwähnte Grube aus. Sie dient als Kältegraben, der den Schlafplatz wärmer hält, verhindert das Eindringen von Schnee ins Zelt und bietet eine bequeme Sitzgelegenheit.

Eine übersichtliche und anschauliche Videoanleitung für den Aufbau von Hilleberg-Zelten im tiefen Schnee gibt es hier.

Das Zelt heizen?

Für das Camping im Winter gibt es mehr oder weniger handliche Mini-Heizungen, die unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen auch in Zelten betrieben werden können. Für manche Gaskocher gibt es spezielle Aufsätze, die ebenfalls als Heizung funktionieren. Das Ganze dürfte aber eher für stationäre Dauercamper interessant sein oder für größere Expeditionen, die sich ein fixes Basecamp einrichten.

Für alle anderen dürfte die mobile Heizung zu schwer und zu umständlich in der Bedienung sein. Außerdem bietet kaum ein handelsübliches Zelt die erforderlichen Möglichkeiten an Sauerstoffzufuhr und Abluftabzug. Auch die Liste an Gefahren durch Verbrennungen, umfallende Gasflaschen, defekte Brenner oder Schläuche ist nicht gerade kurz. Alles in allem sollte man besser versuchen, mit den hier genannten „traditionellen“ Methoden für Isolation, Windschutz und Wärme zu sorgen.

Fazit: Wer sich Schritt für Schritt bzw. Schicht für Schicht an die Kälte herantastet, wird bei der nächsten Tour im Winter mehr Spaß haben und weniger frieren.

Wie du endlich gute Outdoorfotos machst

Wie du endlich gute Outdoor-Fotos machst!

30. Januar 2018
Tipps und Tricks

Du hast mehrere Tage damit zugebracht, zu fliegen, mit dem Auto zu fahren, mit dem Zug zu fahren oder vielleicht sogar eine Kombination all dieser Transportmittel benötigt, um dein gewünschtes Ziel zu erreichen. Der Zustieg war mehr als nur schweißtreibend. Und jetzt bist du endlich da, der Ort, der Berg, von dem du immer geträumt hast, von dem deine Kletterfreunde schon hundertmal erzählt haben und mit dem du bei deinen Buddys in der Kletterhalle prahltest.

Also möchtest du diese Tour natürlich in all seiner Pracht auf deinem Smartphone oder deiner schicken Digitalkamera festhalten. Zuhause am Computer erkennst du, dass die Bilder diesem magischen Ort einfach nicht gerecht werden. Du realisierst, dass du mehr oder weniger nichts vorzuzeigen hast, um anderen die Faszination der Gefühle dieser Bergtour zu vermitteln. Das muss man zwar nicht unbedingt, aber wenn du dich ein wenig für Fotografie interessierst und bei der nächsten Tour gewappnet sein willst, haben wir hier für dich ein paar praktische Tipps…

1. Auf die goldene Stunde warten

Die Zeit kurz nach dem Sonnenaufgang und kurz bevor dem Sonnenuntergang ist die absolut beste Zeit, um spektakuläre Fotos zu schießen. Wenn die Sonne untergeht, wird das Licht viel weicher und wirft keinen harten Schatten mehr. Die Farben wirken sehr viel intensiver. Insgesamt ist im Vergleich zum Tageslicht deutlich mehr Kontrast vorhanden. Das besondere Licht kann für ein sehr dramatisch wirkendes Umfeld sorgen. Und genau diese Stimmung und Emotionen wollen wir ja mit unseren Fotos transportieren. Besonders zur goldenen Stunde kann der Fotograf optimal experimentieren und Schatten oder Silhouetten kreativ mit ins Bild einbauen.

Die Zeit des Sonnenauf- und Untergangs kann für die jeweilige Region übers Internet herausgefunden werden. Auch viele Outdooruhren wie die Suunto Ambit/Spartan oder Garmin Fenix können diese anzeigen. Denn es gilt sich zu beeilen und keine Zeit zu verschwenden – die Sonne geht immer schneller auf und unter, als man denkt.

2. Linien führen den Betrachter durchs Bild

Bestimme Elemente in einem Bild können helfen, den Blick beim ansehen eines Fotos zu führen. Das können zum Beispiel Straßen, Wanderwege, Wasserläufe, Zäune oder ähnliches sein. Aber auch natürliche Dinge wie Sanddünen, Wellen, Bäume oder Berge eignen sich hierfür ideal. Besonders wenn solche Linien den Vordergrund mit dem Hintergrund verbinden, helfen sie ein Gefühl von Tiefe entstehen zu lassen.

Dein Foto wirkt immer noch nicht so dynamisch? Oft hilft eine Veränderung des Standpunktes, um den gewünschten Effekt von Tiefe entstehen zu lassen. Geh ein paar Schritte nach vorne oder hinten und versuche, das Bild neu zu komponieren.

 

3. Öfters mal den Standpunkt wechseln

Wir sind es gewohnt, die Welt auf der Höhe unserer Augen wahrzunehmen. Darum wird Werbung im Alltag so platziert, dass wir sie auf jeden Fall sehen. Indem du bei deinem nächsten Outdoorfoto gezielt die Perspektive wechselst, wird dein Bild auf Instagram viel besser wahrgenommen als der ganze Einheitsbrei. Du kannst zum Beispiel auf einen Felsen klettern, um dem Betrachter die ganze Szene aus der Vogelperspektive zu zeigen. Oder du kniest bzw. legst dich auf den Boden, um eine besonders tiefe Perspektive zu zeigen.

Auch eine schon oft gesehene Aufnahme von einem Ort kann aus einer „neuen“ Perspektive total anders wirken. Es gibt auch über und unterhalb der Augenhöhe viel zu entdecken.

4. Menschen im Bild verstärken die Perspektive

Sobald eine Person auf einer Landschaftsaufnahme zu sehen ist, hilft das dem menschlichen Auge zu verstehen, von wo aus das Bild aufgenommen wurde. Durch diesen Trick gelingt es, dem Betrachter das Gefühl zu geben, als wäre er selbst die Person auf dem Photo. Gleichzeitig verstärkt ein Mensch die Dynamik einer Landschaft und gibt einen Eindruck, wie weit entfernt die Berge im Hintergrund wirklich sind.

Besonders bei schlechtem Wetter oder suboptimalem Licht kann es helfen, wenn die Person Outdoor-Bekleidung in hellen und kräftigen Farben trägt. Außer dir ist niemand vor Ort? Auch ein Zelt oder Tiere im Vordergrund können helfen, den gewünschten Effekt beim Betrachter zu erzielen.

5. Weite macht Eindruck

Nach dem anstrengenden Aufstieg bietet sich auf dem Gipfel des Berges ein nicht endend scheinender Ausblick in die Ferne. Aber wie schafft man es, dieses Gefühl über allem zu stehen und in die Ferne zu blicken, auf einem Foto festzuhalten? Hier können Weitwinkel-Objektive helfen, möglichst viel von Landschaft in einem Foto darzustellen.

Auch die Panorama-Funktion der Digitalkamera ermöglicht weite Aufnahmen. Und wenn aus Platzgründen nur das Smartphone dabei ist: hierfür gibt es spezielle Weitwinkel-Linsen, die vor das integrierte Objektiv des Handys geklemmt werden können.

6. Auch in der Dunkelheit kann man spannende Fotos machen

Wenn nach einem langen Wandertag das Zelt aufgebaut ist und die Dunkelheit langsam herein bricht gibt es trotzdem noch genügend Möglichkeiten, beeindruckende Bilder zu schießen. Ein Freund kann mit einer Stirnlampe ganz stillstehen und auf eine bestimmte Stelle leuchten. So wird das Licht der Lampe gebündelt und erscheint nicht als wild umherspringender „Schleier“ auf dem Bild. Ebenso kann das aufgebaute Zelt von innen von einer Lichtquelle beleuchtet werden. Bei deinen Varianten empfiehlt sich der Einsatz eines Statives, um scharfe und nicht verwackelte Ergebnisse zu erhalten.

Auch Sterne am Himmel über den Bergspitzen lassen sich relativ einfach fotografieren. Hier sind vor allem die richtigen Einstellungen an der Kamera entscheidend, um schöne Fotos zu machen. Die Kamera sollte fest auf einem Stativ angebracht werden. Zur Not tut es auch ein passender Stein oder ein Fensterbrett auf der Berghütte. Die Blende sollte so weit offen wie möglich sein (so bekommst du das Maximum an Licht, das dein Objektiv auf den Sensor fallen lässt). Anschließend kannst du mit verschiedenen Belichtungszeiten experimentieren. Belichtest du zu lang, bewegen sich die Sterne am Himmel durch die Rotation der Erde und erscheinen unscharf. Der ISO-Wert sollte je nach Kameramodell zwischen 1600 – 5400 liegen.

Die besten Ergebnisse erzielt man in Nächten, an denen der Mond schön hell am Himmel leuchtet. Je weiter man von der Zivilisation entfernt ist, desto besser. Durch die sogenannte „Lichtverschmutzung“ – die Beleuchtung der Städte – ist der Sternenhimmel sonst nicht so klar zu sehen wie in der Wildnis.

7. Eine längere Belichtung eröffnet neue Möglichkeiten

Langzeitbelichtungen sind eine spannende Methode für viele kreative Motive. Besonders bei sich bewegendem Wasser wie an einem Bachlauf, Wasserfall oder am Meer bieten sich Langzeitbelichtungen an, um die Bewegungen des Wassers sanfter wirken zu lassen. Du kannst mit Belichtungszeiten zwischen 1 – 30 Sekunden experimentieren. Je länger, desto größer ist der Effekt.

Du hast kein Stativ dabei? Ebenso wie bei den Nachtaufnahmen kannst du auch hier kreativ werden und natürliche Elemente wie einen Baumstumpf oder einen Felsen nutzen, um deine Kamera abzulegen. Ebenso sollte der Selbstauslöser der Kamera benutzt werden oder über einen externen Auslöser (gibt es Kabelgebunden, kabellos oder über eine App der Kamerahersteller) ausgelöst werden. Sonst kann es sein, dass die Kamera beim Drücken des Auslöseknopfes etwas wackelt und die gesamte Aufnahme unscharf wird.

8. Störelemente im Bild sind interessant

Besonders wenn du ein Motiv im Hintergrund fotografieren willst, sind sogenannte „Störer“ eine spannende Bereicherung. Das können zum Beispiel Äste, Pflanzen, Mauern oder Blumen sein. Es darf auch gerne mal etwas chaotisch wirken. In der Natur ist ja auch nicht alles perfekt aufgeräumt.

Tipp: Bereit für die nächste große Tour und alles ist eingepackt? Dann nicht vergessen, die Akkus der Kamera zu laden und eine Speicherkarte einzulegen, bevor es losgeht. Viele moderne Kameras (und Smartphones ja sowieso) lassen sich unterwegs per USB über eine Powerbank laden. Somit ist es egal, ob die Tour 3 Tage oder 3 Wochen dauert. Die Kamera ist damit immer bereit, die wunderschönen Landschaften und Momente festzuhalten.

9. Reflektionen ins Bild einbauen

Wasser kann man sich für seine eigene Komposition zu Nutze machen. Reflektionen auf Seen, dem Meer oder auch in Pfützen nach einem Regenschauer lassen ein Bild sehr dynamisch wirken. Die Komposition mit einer Reflektion wirkt sehr symmetrisch. Allerdings sollte das Wetter dazu windstill sein. Bewegt sich das Wasser zu sehr, erkennt man die Reflektion nicht mehr optimal. Sucht euch eine Stelle zum Fotografieren, wo besonders viel oder ein interessantes Detail der Landschaft im Wasser reflektiert wird.

Auch mit einem Smartphone lässt sich diese Art der Fotografie sehr einfach umsetzen.

Eine kleine technische Erklärung der Fotografie

Verschlusszeit (Belichtungszeit): Bezeichnet die Dauer, während der Kameraverschluss offen steht. In dieser Zeit wird das Bild auf den Sensor „belichtet“. Die Messung erfolgt üblicherweise in Sekunden. Kurze Belichtungszeiten (1/500) ermöglichen es, Bewegungen von sich schnell bewegenden Objekten quasi einzufrieren (Vögel am Himmel, Sportfotografie). Lange Verschlusszeiten (1-30 Sekunden) ermöglichen die Glättung von sich bewegendem Wasser, die Aufnahme des Sternenhimmels und sorgen besonders bei dunklen Lichtverhältnissen dafür, dass etwas auf dem Bild erkennbar ist auch wenn nur wenig Licht vorhanden ist.

Blende (F-Stop): Regelt, wie weit das Objektiv geöffnet wird. Umso weiter das Objektiv geöffnet wird, desto mehr Licht fällt auf den Sensor der Kamera. Kleinere Blendenstufen (f/1.4 – 3.5) erzeugen weniger Schärfentiefe und einen verwaschenen Hintergrund. Daher eignen sich die kleinen Blendenstufen ideal, um ein Objekt vom Hintergrund zu „isolieren“ (Portrait, Makro-Aufnahme von Tieren oder Pflanzen. Größere Blendenzahlen (f/5.6 – 22) eignen sich perfekt für Landschaftsaufnahmen. Die Aufnahme bekommt eine höhere Tiefenschärfe und auch der Hintergrund wird noch scharf abgebildet.

ISO (Lichtempfindlichkeit): Der ISO-Wert regelt, wie sensibel der Sensor der Kamera auf Licht reagiert. Als Faustregel empfiehlt sich bei hellen Lichtverhältnissen (Tag, Sonne) ein ISO-Wert zwischen 100 -250. In der Dämmerung, am Abend und vor allem nachts ist nur noch sehr wenig Licht vorhanden. Hier sorgt ein ISO-Wert von 1600 – 3200 für gute Aufnahmen.

Weitwinkel: Ein sogenanntes Weitwinkel-Objektiv hat eine kurze Brennweite (10 – 24 mm) und damit einen größeren Bildwinkel. Das bedeutet, das weit entfernte Objekte kleiner abgebildet werden. Dadurch entsteht im Vergleich zu einer längeren Brennweite (50 – 100 mm) ein kleiner Bildmaßstab und es passt „mehr“ mit aufs Motiv.

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Alpamayo und Artesonraju - Teil 1

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Alpamayo und Artesonraju – Teil 1

25. Januar 2018
Die Bergfreunde

Als Bergsteiger ist die Frage nach dem nächsten Projekt allgegenwärtig. Ist einmal eines gefunden, dann fesselt es dich komplett und lässt deine Gedanken nicht mehr los. Du bist gefangen bis du es versucht hast. Wenn du gerade von einer Expedition wie dieser zurückkommst und vielleicht noch nicht einmal verarbeitet hast, was alles in den Wochen passiert ist, wie sollst du dann schon wieder ein neues Projekt finden? Projekt erledigt, Route geklettert, auf zur Nächsten!  Meistens ist es leider nicht so einfach. Große Projekte kosten mental viel Kraft. Doch dann reicht eben wieder ein einziges Foto von einem Berg, um diesen nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen.

Zeig mir ein Foto von einem schönen Berg und meine Abenteuerlust ist geweckt

Zeitsprung – Es ist September 2016 in Arco und ich komme nach einem langen Klettertag aus der Tür von Marco Gelato und schau’ auf mein Handy. Flo hatte mir ein Bild von der Alpamayo Südwestwand geschickt und sofort war die Begeisterung und Abenteuerlust geweckt. Seit diesem sonnigen Nachmittag sollte mich diese Wand nicht mehr loslassen.

Bis es allerdings soweit war, sollte noch einiges an Organisationsaufwand auf uns zukommen. Nach unzähligen Skype-Sessions, nächtelangem Studium des Kartenmaterials und abenteuerlichen Vorbereitungstouren, stehen wir endlich Mitte August 2017 bei 30 Grad in unseren 6000er Schuhen am Flughafen Frankfurt und warten darauf, dass die 20 Packungen Schokolade in Truffis Daunenjacke anfangen davon zu laufen.

Das richtige Team braucht es für solche Aktionen und ich hätte mir dieses mal kein besseres vorstellen können: Wir sind insgesamt zu fünft – Max, Truffi, Steffen, Flo und ich. Allesamt mit Erfahrung im Höhenbergsteigen und gute Alpinisten, der eine mehr, der andere weniger.

3000 Höhenmeter: Gestern Frankfurt, heute Lima, morgen Santa Cruz – die Akklimatisation läuft

Nach guten 16 Stunden landen wir in Lima und haben direkt die nächste Etappe vor uns. Bis zu unserem Ziel Huaraz sind es nochmal 7 Stunden mit dem Auto. Im Halbschlaf kommen wir nachts um 2:30 Uhr endlich nach 30 Stunden Reisezeit im Hotel Santa Cruz an und schon der Weg in den zweiten Stock lässt die Atmung kurz nach oben schießen. Wir befinden uns bereits auf 3000 Metern – wie praktisch, die Akklimatisation läuft! Diese war bereits im Vorfeld ein großer Diskussionspunkt: Sollten wir von Huaraz erst ein paar leichtere Touren unternehmen oder direkt durchstarten?

Wir entscheiden uns für letzteres. Für eine Stadtbesichtigung ist damit am nächsten Tag nur bedingt Zeit. Schließlich wollen wir am Tag danach aufbrechen. Also steht die Logistik auf dem Plan. Essen, Nationalpark-Tickets sowie Gas müssen besorgt werden. Der letzte Punkt auf der Liste bereitet uns allerdings ziemliche Kopfschmerzen. Zu unserer Zeit herrschte wohl ein ziemliches Gas-Monopol in Huaraz, das im kleinsten Outdoorladen erst einmal gefunden werden musste. Puh, wir haben alles und endlich kann es losgehen!

4300 Höhenmeter: Auf dem Weg ins Alpamayo Basislager

Es ist der dritte Tag und wir starten morgens in Richtung Santa Cruz Tal, dem Ausgangspunkt für Alpamayo und Artesonraju. Die offensive Akklimatisationsstrategie sollte sich allerdings noch etwas rächen. Wir wollen langsam aufsteigen und je nach Bedarf noch den ein oder anderen Ruhetag einplanen.

Willy, der Hotelmanager, fährt mit uns zum Taleingang nach Cashapampa, wo die von ihm organisierten Esel für den Transport ins Basislager warten. Über seine Unterstützung sollten wir uns nicht das letzte Mal freuen. Es ist einfach Goldwert einen lokalen Kontakt vor Ort zu haben!

Nach zwei Tagen kommen wir im Alpamayo Basislager an, welches mit seinen 4300m schon für die ersten Kopfschmerzen bei uns sorgt. Mit einer kurzen Akklimatationstour zur nah gelegenen Lagune Arhuaycocha passen wir uns weiter an die Höhe an. Wir verbringen eine weitere Nacht im Basislager und deponieren tagsüber den Großteil der Ausrüstung im nächsten Camp. Flo hat leider dermaßen Kopfschmerzen, dass er entscheidet über das Moränenlager hinaus nicht weiter aufzusteigen. Schade, aber sicher richtig.

5500 Höhenmeter: Aufstieg zum High Camp 

Von dort aus steht die letzte Etappe zum High Camp an und diese hat es nochmal in sich. Es geht durch einen steilen Gletscherbruch auf 5500m hoch. Der Rucksack wird gefühlt von Schritt zu Schritt schwerer und die dünne Luft zwingt uns öfters eine Pause auf. Die Sinnfrage schießt mir die ganze Zeit durch den Kopf, bis wir endlich am Pass ankommen und die Alpamayo Gipfelwand zu Gesicht bekommen.

Auf Bildern sieht die Wand schon beeindruckend aus, aber jetzt stehen wir endlich davor. Das gibt Kraft für den restlichen Tag. Jetzt heißt es Zelt aufbauen, kochen, packen und ab ins Bett – der Ablauf ist mittlerweile automatisiert. Erschöpft und aufgeregt zugleich, heißt es jetzt für ein paar Stunden die Augen zu machen, bis es schon wieder um zwei Uhr in der Nacht losgehen soll.

5947 Höhenmeter: Gipfelglück am Alpamayo

Dann ist es endlich soweit: Zunächst wenig schwierig zum Bergschrund, über den es senkrecht nach oben geht. Danach sind wir wach und gehen am laufenden Seil zügig die Wand hoch, bis wir im letzten Teil auf eine weitere Seilschaft auflaufen. Dort wird es nochmal steil und es folgen schöne Längen im Eis zum Gipfel. Die Aussicht ist an diesem Morgen unbeschreiblich und ich kann es kaum glauben, dass wir schon nach einer Woche hier oben am Gipfelpilz stehen – Wahnsinn!

Das Gleiche denkt sich wohl auch mein Körper während des Abstiegs. Die Sonne knallt mittlerweile mit voller Kraft und es hat gefühlte 40 Grad auf letzten Meter zurück ins Zelt. Nun streikt der Körper komplett und ohne einen Bissen runter zu kriegen geht es mit Kopfschmerzen ins Bett. Truffi geht es ähnlich und wir beide müssen den am nächsten Tag geplanten Quitaraju leider abschreiben. Wir wollen nur noch schnellstmöglich runter ins BC, wo Flo noch auf uns wartet. Schnell geht das leider nicht von statten, da auch noch am nächsten Tag keine große Regeneration zu sehen ist. Nachdem das Zelt abgebaut war, hätte ich mich gleich wieder reinlegen können. Puh – jetzt noch der Gegenanstieg wieder hoch zum Pass mit all dem Geraffel. Doch wie hat Hermann Buhl schon immer gesagt: “Es muss gehen!”

5500 Höhenmeter: Zurück im Basislager Alpamayo

Wie erwartet ist der Abstieg nochmal eine echte Kraftprobe. Doch mit jedem Meter, den es nach unten geht, kommen wir besser voran und schließlich am Abend im Basecamp an.

Am nächsten Tag gehen Flo und ich nochmals hoch ins Moränencamp, um den Rest der Ausrüstung zu holen. Das danken uns Steffen und Max, die ebenfalls ziemlich platt aber erfolgreich von der Quitaraju Nordwand zurückkommen. Somit sind wir wieder vereint und es geht nach einem Tag Pause im Basislager weiter in Richtung Artesonraju. Dessen Nordgrat hatten wir bereits die ganze Zeit im Blick und wundern uns nicht, warum er als Vorlage für Paramount Pictures gelten soll.

5000 Höhenmeter: Das Moränencamp des Artesonraju

Das Moränencamp des Artesonraju liegt auf der anderen Seite des Tales und ist vom Alpamayo BC in einem (langen) Tag zu erreichen. Wir vermissen die Esel und verfluchen des Öfteren die steile Gletschermoräne. In der Dämmerung kommen wir endlich auf 5000m an. Zum Abendessen gibt es eine Balkan-Reispfanne à la Trek’n Eat. Die Trockennahrung hatten wir für die Hochlager eingepackt – zum Glück, denn noch mehr Gewicht hätte ich hier nicht hochschleppen wollen. Wir malen uns noch schnell eine Route durch den Gletscher aus, bevor wir in die Schlafsäcke kriechen.

6025 Höhenmeter: Gipfelerfolg am Artesonraju

Gegen Mitternacht geht dann der Spießrutenlauf los. Der Neuschnee verdeckt die letzten Spuren. Steffen, der Erfahrenste, führt uns durch den wilden Gletscher und wir gewinnen Meter für Meter. Das vorab ganz gut vorausgesagte Wetter lässt noch auf sich warten. Mit dem Sonnenaufgang stechen wir durch die Wolkendecke. Hier oben ragen nur noch die höchsten Gipfel aus ihr hervor. “Wie muss das erst am Gipfel aussehen” – schießt es mir durch den Kopf. Bis dahin ist es allerdings noch ein gutes Stück: Ein steiles Eis-Couloir führt bis zum eigentlichen Grat hinauf, der sich dann noch in die Länge zieht und unsere Aufmerksamkeit bis zur letzten Minute fordert. Endlich zeigt der Höhenmesser die 6025m an. Gipfelerfolg am Artesonraju und die Cordillera Blanca liegt uns in einem Wolkenmeer zu Füßen. Da spar ich mir jede weitere Beschreibung – schaut euch die Bilder an!

So schön es hier oben auch ist – dies war erst die erste Hälfte des Abenteuers. Mit ein paar Mal abseilen ist es diesmal nicht getan. Der Abstieg wird nochmal ein schöner Ritt. Es geht den gleichen Weg retour und der weicher werdende Schnee macht es uns nicht leichter. Als wir wieder im Moränenlager ankommen werden die letzten Essens-Reserven mobil gemacht und auf den Tag angestoßen. So langsam wird das doch was mit der Akklimatisierung!

Keine Pause in Sicht – Eseltreiber Petro will nicht verpasst werden

In unserer Planung war natürlich kein Pausentag einkalkuliert, also ist an ausschlafen nicht zu denken. Wir müssen am nächsten Morgen unseren Eseltreiber Petro im Alpamayo Basislager erwischen, wo noch ein Großteil unserer Ausrüstung deponiert ist. Die Schleife muss also auch noch gedreht werden bevor es dann endgültig zurück ins Tal Cashapampa geht.

Es müssen bald an die 30 Kilometer gewesen sein, die es bei strahlendem Sonnenschein wieder nach unten ging. Gestrahlt haben auch wir über beide Ohren als uns Willy wieder empfangen hat, um uns schnellstmöglich zurück nach Huaraz zu Pizza und Bier zu bringen.

Das war Tag 13 von 22 der Expedition und wir haben die beiden Hauptziele Artesonraju und Alpamayo bereits erfolgreich abgehakt. Wie es weitergehen sollte, wussten wir zu diesem Zeitpunkt selber noch nicht. Wollen wir uns an Peru’s Höchstem, dem Huascaran (6768m), versuchen oder doch die technisch anspruchsvollere Pisco Südwand inklusive Huandoy Norte in Angriff nehmen? Ihr erfahrt es im zweiten Bericht!

Vegane Outdoor-Produkte

Vegan unterwegs – tierfreie Produkte für Outdoorer

8. Januar 2018
Ausrüstung

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Das Thema Nachhaltigkeit dominiert gerade wie kein anderes den Outdoor-Markt. Herstellerfirmen packen das Thema „soziale und ökologische Verantwortung“ auf ihre Agenda, lassen sich unter dem bluesign- oder einem anderen Standard zertifizieren oder entwickeln gleich ganz eigene. Das ist natürlich sehr zu begrüßen!

Unter dieser Prämisse entstehen auch inzwischen Produktlinien für vegetarisch und vegan lebende Menschen. Denn auch dieses Thema wird immer aktueller und nicht nur bei uns landet hin und wieder ein Kunde mit der Frage: Was ist bei euch im Shop wirklich vegan? Wir wollen dieser Frage an dieser Stelle einmal nachgehen…

Veganes für die Füße – Wanderschuhe

Einer der Bereiche, an den man beim Thema vegane Outdoor-Ausrüstung wohl zuerst denkt, sind die Schuhe. Klar – bei Bergstiefeln und Wanderschuhen ist Leder irgendwie omnipräsent – und natürlich maximal problematisch, wenn man nach tierfreien Alternativen sucht. Die Stolperfallen lauern aber nicht nur im Material selbst. Der Teufel steckt wie immer im Detail, so kann z.B. das Klebemittel, das am Schuh verwendet wird, tierisches Protein enthalten.

Glücklicherweise gibt es Firmen, die den Bedarf an veganen Alternativen erkannt haben. So erobert zum Beispiel Lowa das Herz aller wanderlustigen Veganer mit einer ganz eigenen Produktlinie. Als Obermaterial kommt ein Kunstleder zum Einsatz und die verbaute GORE-TEX-Membran macht die Schuhe wasserdicht. Der Schweizer Outdoor-Hersteller Mammut bietet mit seinen T Aenergy-Modellen einen ganz ähnlichen Aufbau an. Der Schaft wird durch zwei unterschiedlich strukturierten Polyamid-Garne abrieb- und reißfest. Auch hier sorgt Gore-Tex dafür, dass der Schuh dicht bleibt. Im Bereich Approach-Schuhe geht der Vegan-Preis an Salewa, deren Wildfire-Serie ebenfalls ohne tierische Komponenten auskommt. Bei den Kletterschuhen hat Red Chili mit dem Durango VCR und dem Durango Lace ebenfalls vegane Varianten im Angebot und last but not least sei hier noch der The One von SO ILL erwähnt.

Auch muss man heute nicht mehr auf gute Performance verzichten, nur weil man Synthetikschuhe trägt. Lederschuhe sind zwar sehr langlebig, jedoch ist die Entwicklung der synthetischen Schuhe so weit fortgeschritten, dass auch sie bei richtiger Pflege lange ein treuer Begleiter sind. Echtes Leder passt sich der Fußform des Trägers an, weitet sich aber mit der Zeit. Das passiert bei einem Kunstleder beziehungsweise Synthetikschuh in der Regel nicht. Er behält seine Form bei. Synthetische Schuhe sind zudem besonders alltagstauglich, da sie sehr leicht zu reinigen sind und nicht die intensive Pflege eines Leder-Schuhs brauchen.

Obenrum vegan – auf was sollte man bei Bekleidung achten

Vegane Outdoor-Ausrüstung hört nicht bei den Schuhen auf, auch wenn dieser Bereich der sein dürfte, in dem das Thema am relevantesten ist. Auch bei der lieben Outdoor-Bekleidung gibt es ein paar Dinge, die man beachten sollte.

Der große Elefant im Raum heißt „Daune“. Die kommt bekanntlich von Gänsen oder Enten und ist demnach natürlich nicht vegan. Die Alternative lautet: Kunstfaser. Auch diese Isolations-Technologie auf Basis von Polyester ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass es zahlreiche Jacken und Thermo-Layer gibt, die mit ihren Daunenkollegen mithalten können und sie in manchen Bereichen sogar übertreffen. Stichwort „Wärmeleistung bei Feuchtigkeit“. Hersteller wie z.B. The North Face versuchen die Struktur von Daune nachzuahmen. Im Marketing-Sprech nennt sich das dann „Thermoball“.

In aller Regel findet ihr in den Attributen auf unserer Produktseite einen Hinweis, ob tierische Komponente in der Bekleidung verbaut sind. Dort steht dann „enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs“.

Wer darüber hinaus auf eine möglichst ökologische Fertigung der Bekleidung und vor allem auf die nachhaltige Schonung von Ressourcen Wert legt, der sollte nach Produkten aus recyceltem Polyester Ausschau halten. Die Herstellung aus eingeschmolzenen PET-Flaschen verbraucht zwischen 50 bis 70% weniger Energie als die konventionelle Fertigung einer chemischen Faser aus Rohöl. Einige Marken wie zum Beispiel Bleed (bieten auch ausdrücklich vegane Bekleidung an), Klättermusen, Patagonia und Vaude haben bereits solche Produkte in ihrem Sortiment.

Hier lohnt sich ein Blick auf das Etikett, wo der Recyclinganteil explizit aufgeführt ist. Der amerikanische Outdoor-Ausrüster Patagonia, der im Thema Umweltschutz schon länger Vorreiter in der Branche ist, hat noch eine Schippe draufgelegt. Patagonia betreibt ein eigenes Rücknahme-System. Das heißt, dass Kunden ihre Kleidung zurück in den Laden bringen oder ins Werk schicken können und daraus wieder neue Bekleidung hergestellt wird. Darüber hinaus bietet Patagonia auch an, kaputte oder beschädigte Kleidungsstücke zu reparieren um zu verhindern, dass Produkt zu schnell im Mülleimer landen.  Auch Pyua aus Kiel hat sich darauf spezialisiert und nimmt Ware nach Gebrauch wieder zurück. So entsteht ein Kreislauf, bei dem Outdoor-Bekleidung aus synthetischen Fasern nach Gebrauch immer wieder zu neuer Mode verarbeitet wird.

Back to the Roots – Back to Naturfaser

Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und auf Naturfasern zurückgreifen. Ich weiß schon, was ihr denkt: Kleidung aus Naturfasern und schweißtreibende Aktivitäten, verträgt sich das denn überhaupt? Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, dass man schon nach kurzer Zeit dementsprechend mieft und für lange Zeit galt das Prinzip auch als undenkbar. Bisher bestand Funktionsunterwäsche aus Mikrofasern, die gegen Geruchsbildung mit Nano-Silber behandelt werden mussten.

Doch es geht. Die schwedische Firma Fjällräven setzt bereits seit ihrer Gründung auf ihr zuverlässiges G-1000-Material, das heute zwar nicht mehr zu 100%, aber immerhin noch zu einem Drittel aus Baumwolle besteht. Das große Problem – zumindest aus tierischer Perspektive: Bei vielen Fjällräven-Modellen finden sich Lederapplikationen und das Wachs, dass die Bekleidung wetterfest macht, enthält Bienenwachs.

Anders sieht es bei Lundhags aus, die bei ihrer Polycotton-Technologie einen ähnlichen Aufbau haben wie Fjällräven, bei Modellen wie der Women’s Gliis Jacket oder der Lomma Jacket aber ohne Lederapplikation auskommen. Dennoch dürfte dieses Material einer synthetischen Hardshell im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht das Wasser reichen, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Regen angeht. Und auch hier ist hier genaues Hinsehen nötig, denn Polycotton gibt es vereinzelt als gewachste Variante.

Vegane Ernährung auf Tour

Und dann gibt’s da natürlich noch das Thema Nahrung. Denn was wär eine Wanderung oder Trekking-Tour ohne die Brotzeit, die Leib und Seele zusammenhält? Wer schon länger vegan lebt, der hat vermutlich ohnehin sehr viel Ahnung, was bei der Ernährung geht und was nicht. Aber auch hier gibt es natürlich Hersteller, die passende Trekkingnahrung liefern, so z.B. Adventure Menu, BLA BAND, Lyo Food, Innosnack und Chimpanzee – um nur einige zu nennen.

Im Zweifel hilft aber natürlich immer der Blick in die Zutatenliste, denn natürlich wird dort haarklein aufgedröselt, welche Bestandteile im Produkt vorhanden sind.

Unterm Strich…

… lässt sich also feststellen, dass vegane Bekleidung und Outdoor-Ausrüstung zwar noch keinen dominanten Platz in den Produktlinien der Hersteller einnehmen, es allerdings in den letzten Jahren zumindest auf das Radar geschafft haben. Und das zum Glück bei namhaften Firmen, die auch tierfreie Produkte mit einem hohen Qualitätsanspruch herstellen. Vor dem Hintergrund, dass es immer mehr Menschen gibt, die ihren Konsum umstellen, sicherlich eine begrüßenswerte Entwicklung.

Vegane Produkte findet ihr bei uns, indem ihr in der Suchfunktion das schöne Wort „Vegan“ eintippt und dann weiter filtert. Oder ihr folgt einfach folgendem Link:

Das kleine 1x1 der Wanderbekleidung

Das kleine 1×1 der Wanderbekleidung

28. Dezember 2017
Kaufberatung

Welche Socken zieh‘ ich heute zu meinen Wanderschuhen an? Die Gestreiften oder die mit den Blümchen? Nehm‘ ich die rote oder die blaue Jacke? Ich meine, die sollten ja schon zu den Schuhen und den Socken passen. Ach ja, und über die passende Sonnenbrille müssen wir ja gar nicht erst anfangen zu diskutieren, oder?

Ja, diese Dinge sind wirklich wichtig. Am Berg muss schließlich alles perfekt aufeinander abgestimmt sein. Aber mal Spaß beiseite. Die Wahl der richtigen Wanderbekleidung sollte gut überlegt sein. Während man sich gerade noch total nass und verschwitzt über die Bergkuppel schleppt, fängt man im nächsten Moment schon bitterlich an zu frieren. Schuld daran: die falsche Bekleidung.

Die verschiedenen Teile der Wanderbekleidung müssen perfekt zusammenspielen. Trägt man beispielsweise Unterwäsche aus Baumwolle, wird dadurch die gesamte Kette der Atmungsaktivität schon von Beginn an abgeschnitten – aber das kennt ihr sicher schon. Nein? Na, dann lasst uns euch helfen!

Also wie sieht die richtige Wanderbekleidung aus? Wie ist man von Kopf bis Fuß beim Wandern und Trekking funktionell gut ausgerüstet. Wir sind dem Ganzen mal auf den Grund gegangen.

Funktionell ausgerüstet von Kopf bis Fuß beim Wandern und Trekking

Als die Menschen in Europa im 18. und 19. Jahrhundert nach und nach ihre Begeisterung für Wanderungen durch Städte, Länder und Landschaften entdeckten, bestand die Ausrüstung dafür aus ganz gewöhnlicher Alltagsbekleidung. Hosen und Hemden aus Leinen oder Hanfgewebe, Umhänge aus Wolle und später auch Jacken und Mäntel aus Baumwolle waren die Bekleidung der ersten Wanderer. Teils zum Vergnügen und teils aus wissenschaftlichem Interesse begannen sie die Welt zu Fuß zu erkunden. Ihre Lederschuhe mögen komfortabel gewesen sein, aber es dauerte noch etliche Jahrzehnte bis zur Erfindung wasserdichter Membrane und rutschfester Sohlen.

Dementsprechend mühsam und aus heutiger Sicht strapaziös waren die Wanderungen, denn die Bekleidung war schon im trockenen Zustand sehr schwer – nach einem kräftigen Regenschauer umso schwerer. Winddicht und gleichzeitig gut belüftet? Fehlanzeige! Minimales Packmaß und trotzdem robust? Auf keinen Fall! Funktionelles Schichtsystem? Gibt es nicht!

Weitab von jeglichem Komfort, auf den moderne Wanderer nicht verzichten möchten, legten die Pioniere beachtliche Strecken über mehrere hundert Kilometer zurück, die auch mit heutiger Trekkingausrüstung eine anspruchsvolle Herausforderung darstellen. Damit bereiteten sie den Anfang für einen Breitensport, der etliche funktionelle Innovationen hervorgebracht hat und der im 21. Jahrhundert mit der Outdoorbranche und dem Wandertourismus einen regelrechten Boom erfährt.

Komfortable Wanderschuhe mit gutem Grip

Statt die Wanderbekleidung von „Kopf bis Fuß“ zu analysieren, fängt diese Beschreibung direkt bei den Füßen an und arbeitet sich dann langsam aufwärts am Wandersmann, beziehungsweise an der Wandersfrau. Ohne Zweifel sind Wanderschuhe das ausschlaggebende „Kleidungsstück“, das Wanderer von Spaziergängern und Menschen in Alltags- und Freizeitbekleidung unterscheidet. Wanderschuhe gibt es in zahlreichen Varianten und Ausprägungen, die über eine wichtige Gemeinsamkeit verfügen: eine griffige Outdoor-Sohle, die auf Wanderwegen und im Gelände einen sicheren Tritt und perfekten Grip garantiert.

Wandersohlen sind stark profiliert und bestehen aus Gummimischungen, die guten Grip auf matschigen Waldwegen ebenso gewährleisten, wie auf losem Geröll und rutschigen Wurzeln. Neben vielen verschiedenen hauseigenen Designs und Gummimischungen greifen viele Hersteller auf bewährte Sohlentechnologie von Vibram oder Michelin zurück. Einige Wanderschuhe lassen sich zudem wieder besohlen und haben dadurch eine noch höhere Lebensdauer.

Im Aufbau und Design der Wander- und Outdoorschuhe gibt es große Unterschiede. Vom leichten Multisportschuh mit luftdurchlässigem Mesh-Gewebe, über niedrig geschnittene Zustiegsschuhe mit ausgeprägtem Geröllschutz, bis zu Wander- und Trekkingstiefeln mit hohem Schaft und mehrzoniger Schnürung. Für schnelle Wanderungen in einfachem Gelände sind die leichten Wanderschuhe ideal. Bei anspruchsvollen Touren mit schwerem Wanderrucksack geben hohe Wanderschuhe den Knöcheln die nötige Stabilität und schützen vor Verletzungen.

Leichtwanderschuhe und strapazierfähige Trekkingstiefel gibt es meistens mit oder ohne wasserdichte Membran. Wanderschuhe ohne Membran sind in der Regel sehr gut belüftet. Schon bei der ersten nassen Wiese sind sie allerdings schnell durchnässt. Bei Wanderstiefeln mit wasserdichter Gore-Tex Membran oder anderen vergleichbaren Laminaten bleiben die Füße dagegen auch bei anhaltenden Regenschauern und bei Schneefeldern in den Bergen zuverlässig trocken. Trotzdem entweicht auch der Wasserdampf durch die mikroporöse Membran nach außen und sorgt dadurch für ein komfortables Tragegefühl. Da die atmungsaktiven Membrane ein gewisses Temperaturgefälle benötigen, um die Feuchtigkeit optimal nach außen zu transportieren, kann die Atmungsaktivität in heißen und tropischen Gebieten eingeschränkt sein. Die Wasserundurchlässigkeit ist davon allerdings nicht betroffen und jederzeit gegeben.

Je nach Hersteller und Schuhmodell kommen unterschiedliche Leisten in der Herstellung zum Einsatz. Das bedeutet, dass manche Wanderschuhe etwas breiter geformt sind, andere wiederum eher für schmale Füße perfekt passen. Auch Dämpfung und Fußbett werden auf ihr jeweiliges Haupteinsatzgebiet optimiert und so fühlen sich die Schuhe teils sehr gut sitzend und fest an, oder auch besonders weich und komfortabel. Bei der Auswahl der Wanderschuhe gilt es daher zu überlegen, in welchem Gelände die Schuhe in erster Linie zum Einsatz kommen. Beim Anprobieren sollten Wanderer die Schuhe am besten nachmittags oder abends (wegen der Passform, denn da sind die Füße oft etwas angeschwollen) für eine gewisse Zeit anziehen und in der Wohnung damit probelaufen. Nach etwa ein bis zwei Stunden merkt man so ziemlich schnell, ob der Wanderschuh gut und komfortabel sitzt. Beim Einlaufen im Gelände gilt es die ersten Kilometer in einfachem Terrain zurücklegen, bevor es auf die erste große Wanderung geht. Im Laufe der ersten Wanderungen passen sich die Schuhe dann immer besser an die Fußform an und werden in der Regel etwas weicher. Bei Wanderschuhen aus synthetischen Materialien geht dieser Prozess etwas schneller, als bei reinen Lederschuhen. Sind diese allerdings erst einmal perfekt an die eigenen Füße angepasst, sitzen die Wanderschuhe aus Leder besonders komfortabel. Um die Auswahl der Schuhe noch einfacher und anschaulicher zu machen gibt es hier noch eine ausführlichere Kaufberatung für Wanderschuhe.

Gut sitzende Wandersocken

Jeder gute Wanderschuh ist ohne die passenden Wandersocken nur halb so gut. Erst durch das Zusammenspiel von Schuh und Socke ergibt sich hoher Tragekomfort und ein angenehmes Mikroklima an den Füßen. Die Wahl der Wandersocken richtet sich nach der Auswahl der Wanderschuhe. Bei niedrigem Schaft und sportlichen Schuhen fallen auch die Socken niedriger und sportlicher aus. Für hohe Wanderstiefel eignen sich dagegen höhere Socken mit dämpfenden Verstärkungen am Schaft, an der Ferse und im Zehenbereich. In jedem Fall muss die Wandersocke über den Stiefelrand reichen um Druckstellen zu vermeiden.

Wandersocken bestehen entweder aus synthetischen Materialien, die eine besonders gute Passform ermöglichen, Merinowolle, oder Mischgewebe mit Merinowolle und Kunstfasern. Merinowolle sorgt für ein besonders angenehmes Fußklima und wärmt selbst im feuchten oder sogar nassen Zustand noch. Zudem ist Merinowolle von Natur aus geruchshemmend. Nach einer mehrtägigen Tour mit Merinosocken ist der Geruch im Vergleich zu Kunstfasersocken sehr intensiv „riechbar“. Socken aus Synthetikmaterial haben dafür den Vorteil, dass sie schneller trocknen, als Wandersocken aus Merinowolle. Wie auch immer Wanderer sich in der Materialfrage entscheiden – die Passform der Wandersocke muss perfekt sein, denn sonst können sich Druckstellen und Blasen bilden. Eine gute Wandersocke rutscht nicht, wirft keine Falten, zwickt nicht, drückt nicht und fühlt sich auch nach einer anstrengenden Tour im Gebirge noch toll an. Alle wichtigen Kriterien findest du auch in der Kaufberatung für Wandersocken nochmals genau erklärt.

Funktionsunterwäsche für ein komfortables Tragegefühl

Funktionelle Unterwäsche erfüllt beim Wandern verschiedene Zwecke. Bei kühlem Wetter wärmt sie angenehm, an heißen Tagen trocknet sie zügig und gibt die Feuchtigkeit schnell vom Körper nach außen ab. Dabei sitzt sie bequem, scheuert nicht und hinterlässt keine Druckstellen. Je nach Wetterbedingungen gibt es die Funktionsunterwäsche für Wanderer in langarmiger und langbeiniger Ausführung, als Boxershorts, Funktionsunterhosen, T-Shirts oder Tanktops.

Neben der guten Passform mit bequemen Gummizügen und elastischen Materialien ist von allem eine hochwertige Verarbeitung mit flachen Nähten sehr empfehlenswert. Für die Herstellung von Funktionsshirts und Funktionsunterhosen kommen in erster Linie Merinowolle, Polyester und Mischgewebe mit anderen strapazierfähigen und elastischen Kunstfasern zum Einsatz. Merinowolle bietet als unterste Bekleidungsschicht ein super Gefühl auf der Haut und spendet bei Kälte angenehme Wärme, kühlt aber gleichzeitig bei warmen Außentemperaturen. Selbst im feuchten Zustand hält Merinowolle den Körper warm und dank ihrer natürlichen geruchshemmenden Eigenschaft, ist Funktionsunterwäsche aus Merinowolle auch nach einer mehrtägigen Wanderung immer noch verhältnismäßig frisch.

Die oft noch etwas leichteren synthetischen Funktionsshirts und Funktionsunterhosen können Feuchtigkeit noch schneller nach außen leiten. Das Tragegefühl auf der Haut fühlt sich dabei oft etwas kühler an. Manche Shirts und Hosen sind mit geruchshemmender Technologie ausgestattet, die den natürlichen Effekt der Merinowolle imitiert. Beide Materialien und diverse Mischformen sind bei Wanderern weit verbreitet und hängen nicht zuletzt davon ab, welches Material sich individuell besser anfühlt. Auf Unterwäsche aus reiner Baumwolle und T-Shirts aus Baumwolle sollten Wanderer allerdings besser verzichten. Die Baumwolle saugt sich schnell voll und braucht sehr lange um wieder zu trocknen. Dabei kühlt sie den Körper unangenehm aus und sorgt für ein unbehagliches Tragegefühl. Hinzu kommt, dass atmungsaktive Wanderjacken und Wanderhosen nur perfekt die Feuchtigkeit abtransportieren können, wenn auch die Baselayer am Körper den Dampf gut ableitet. Mit Unterwäsche aus Baumwolle würde die gesamte Kette der Atmungsaktivität schon von Beginn an abgeschnitten. Wenn du dir nicht sicher bist, ob Kunstfaser oder Merinowolle für dich besser geeignet ist, findest du im Blogartikel über Funktionsunterwäsche zusätzliche Informationen und Anregungen.

Wanderhosen, Zip-Off Hosen und Wandershorts

Gute Bewegungsfreiheit, bequeme Passform und strapazierfähige Materialien, die schnell trocknen und die Feuchtigkeit vom Körper zügig abtransportieren, machen eine gute funktionelle Wanderhose aus. Dabei kommen von Baumwolle, über verschiedene synthetische Fasern bis hin zu Tencel, Hanf und Elasthan, die verschiedensten Materialkombinationen zum Einsatz. Dadurch sind manche Wanderhosen besonders elastisch und andere dafür extra stabil. Tourenhosen mit schoeller Gewebe und das robuste G-1000 Material von Fjällräven sind dabei nur zwei Beispiele für bekannte hochwertige Materialmischungen. Teilweise werden Wanderhosen an den Knien und am Gesäß speziell verstärkt, damit die beanspruchten Stellen gut vor Abrieb und Beschädigung geschützt sind und die Hose trotzdem sehr atmungsaktiv und bewegungsfreundlich bleibt. Ergonomisch vorgeformte Kniepartien, elastische Zwickeleinsätze und individuell anpassbare Bundweiten ergänzen die funktionellen Wanderhosen. Um dir die Wahl der Wanderhose zu vereinfachen gibt es hier noch weitere Infos zu den verschiedenen Outdoorhosen.

Zip-Off Hosen, also Wanderhosen mit abnehmbaren Beinen, sind bei Wanderern sehr beliebt, da sie hohe Flexibilität erlauben. Wenn es morgens, beim Start der Wandertour, noch kühl ist, und die Temperaturen gegen Mittag hin immer weiter steigen, verwandelt sich die praktische Zip-Off Pant im Handumdrehen in ein kurze oder knielange Wandershort. In der Regel müssen dafür nicht einmal die Wanderschuhe ausgezogen werden. Auch für mehrtägige Touren bei wechselnden Temperaturen und Wetterbedingungen sind die flexiblen Hosen ideal und das Gepäck wird dabei auch etwas leichter, da auf ein zusätzliches Kleidungsstück verzichtet werden kann.

An warmen Sommertagen greifen Wanderer am liebsten gleich zu kurzen oder knielangen Wandershorts. Vom Material und vom Design ähneln sie in jeder Hinsicht den Wanderhosen mit langen Beinen. Atmungsaktivität und Bewegungsfreiheit sind auch bei den Shorts die wichtigsten Kriterien. Mit elastischen Konstruktionen und praktischen Zwickeleinsätzen im Schritt unterstützen sie sportliche Wanderer in jedem Terrain.

Wetterschutz ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für Wanderer. Viele Wanderhosen schützen gut vor Wind und sind mit einer wasserabweisenden DWR Behandung (Durable Water Repellent) versehen. Dadurch perlen Wassertropfen an der Oberfläche einfach ab und werden nicht vom Stoff aufgesaugt. Bei einem kräftigen Regenschauer kommt allerdings auch die wasserabweisende Oberflächenbehandlung an ihre Grenzen. Deshalb ziehen Wanderer bei anhaltendem Regen wasserdichte Outdoorhosen vor. Hardshellhosen mit atmungsaktiver GORE-TEX® Membran, oder anderen wasserdichten Laminaten, sorgen auch bei starkem Regen für trockene Beine. Bei wechselhaften Wetterbedingungen ist eine leichte Hardshellhose besonders praktisch, da sie bei Bedarf über der normalen Wanderhose getragen werden kann. Regenhosen mit seitlichen Reißverschlüssen sind dabei ideal für unkompliziertes An- und Ausziehen. Die leichten Hardshellhosen lassen sich sehr kompakt verstauen und fallen mit ihrem geringen Gewicht kaum zur Last im Wanderrucksack.

Beim Wandern durch nasse Wiesen, oder durch Schnee sind wasserdichte Gamaschen eine super Alternative zu wasserdichten Wanderhosen. Sie schützen von der Wade abwärts und verhindern, dass Schnee oder Nässe von oben in die Wanderstiefel gelangt. Die praktischen Wandergamaschen wiegen nur ein paar Gramm und sind bei Bedarf schnell angelegt, ohne dass dafür die Wanderschuhe ausgezogen werden müssen. Wenn du noch zusätzliche Hilfe bei der Auswahl von Hardshellhose und Gamaschen brauchst, hilft dir die Kaufberatung für Gamaschen und die Kaufberatung für Regenhosen mit Sicherheit weiter.

Wanderhemden, Softshellwesten und Hardshelljacken

Karierte Hemden aus schnelltrocknendem Funktionsmaterial sind bei Wanderern im Sommer schon lange sehr beliebt. Die luftigen Hemden bieten an warmen Tagen ein super Tragegefühl, sind pflegeleicht und robust zugleich. Funktionelle T-Shirt aus synthetischen Materialien oder Merinowolle leisten ebenfalls beste Dienste. Bei kühlen und windigen Bedingungen greifen Wanderer sehr gerne zu Softshelljacken oder Softshellwesten. Besonders die funktionellen Wanderwesten sind sehr beliebt, denn sie bieten eine gute Mischung aus Windschutz am Hals und Oberkörper, sind aber über die Arme bestens belüftet und sorgen für angenehme Bewegungsfreiheit. Viele Softshelljacken und Outdoorwesten sind zusätzlich mit einer wasserabweisenden Behandlung geschützt und widerstehen damit auch leichtem Regen sehr gut.

Bei anhaltenden und kräftigen Niederschlägen leistet eine wetterfeste Hardshelljacke mit gut sitzender Kapuze beste Dienste. Die wasserdichten Regenjacken und Outdoorjacken sind mit atmungsaktiven Membranen von GORE und anderen Herstellern ausgestattet und sorgen dafür, dass der Regen nicht in die Jacke eindringt, der Wasserdampf aber gleichzeitig entweichen kann. Viele Hardshelljacken verfügen dazu über extra Ventilationsöffnungen, zum Beispiel mit Reißverschlüssen unter den Armen, um bei anstrengenden Aufstiegen für zusätzliche Belüftung zu sorgen. Die Regenjacken für Wanderer sind unterschiedlich leicht und robust. Bei schweren Touren- und Trekkingrucksäcken sollte auch die Hardshelljacke dementsprechend robust sein. Als Ergänzung bei Tagestouren kommen dagegen oft leichte Modelle zum Einsatz, die sich sehr kompakt zusammenlegen und verstauen lassen. Neben klassischen Regenjacken verwenden manche Wanderer auch gerne Regenponchos oder Trekkingschirme, um sich vor Regen zu schützen. Beides hat den Vorteil, dass bei anhaltendem Regen die Rückenpartie und die Träger des Wanderrucksacks nicht nass werden. Deswegen verwenden einige Wanderer auch zusätzlich zu wasserdichter Rucksackhülle und Hardshelljacke einen handlichen Outdoorschirm, der verhindert, dass das Wasser zwischen Jacke und Rucksack durch läuft.

An besonders kühlen Tagen sind Fleecejacken oder isolierende Kunstfaserjacken die perfekte Ergänzung zur Wanderbekleidung. Sie lassen sich entweder „solo“ über der Basisschicht tragen, oder als praktische Zwischenschicht unter der Hardshelljacke oder Softshellweste. Fleecejacken trocknen schnell, sind weich, warm und pflegeleicht und erfreuen sich daher jederzeit größter Beliebtheit bei Wanderern. Die Kaufberatung für Fleecejacken hilft dabei, die Richtige aus der großen Auswahl zu finden.

Mützen, Sonnenbrillen und Handschuhe

Mit dieser grundlegenden Ausstattung sind Wanderer schon sehr gut ausgerüstet. Dazu noch der passende Wanderrucksack, eventuell ein Paar Trekkingstöcke, eine Trinkflasche oder ein Trinksystem und die Tour kann beginnen. Da die Auswahl von Rucksack und Stöcken allerdings ebenso vielfältig ist, wie die Auswahl an Wanderbekleidung, widmet sich diesen Themen eine eigene Kaufberatung für Rucksäcke und eine Kaufberatung für  Wanderstöcke und Trekkingstöcke. Ein paar kleine Helfer und Accessoires machen die Wanderbekleidung allerdings erst komplett. Sehr wichtig ist die richtige Auswahl der Kopfbedeckung. Eine warme Mütze oder ein weiches Stirnband aus Fleece sind bei Kälte und Wind optimal. An klaren sonnigen Tagen hilft ein Cap oder Sonnenhut vor Sonnenbrand und Sonnenstich. Viele Wanderer unterschätzen die Intensität der Sonne in den Bergen. Wenn dann noch die Luft etwas kühler ist, oder ein angenehm frischer Wind weht, ist Kopfweh und Übelkeit schon fast vorprogrammiert. Deswegen lieber den Kopf schützen, statt sich den ganzen Tag ungeschützt „braten“ zu lassen.

Vielleicht nicht direkt ein Kleidungsstück, aber beim Wandern am Wasser oder in den Bergen genauso unverzichtbar, wie gutes Schuhwerk und funktionelle Bekleidung, ist eine hochwertige Sonnenbrille, die die Augen vor schädlicher UV-Strahlung schützt. Für die meisten Wanderer ist eine komfortabel sitzende Sonnenbrille der Kategorie zwei oder drei die richtige Wahl. Wer viel in großer Höhe und auf Schnee und Eis wandert, sollte sogar zur Kategorie vier greifen. Noch mehr Informationen zu Sonnenbrillen und Gletscherbrillen kannst du in der ausführlichen Kaufberatung für Sonnenbrillen nachlesen.

Leichte Fleecehandschuhe oder winddichte Softshellhandschuhe sind an kalten Tagen eine prima Ergänzung. Die dünnen Handschuhe haben eine angenehme Wärmeleistung und garantieren gleichzeitig eine gute Feinfühligkeit bei der Verwendung von Trekkingstöcken. Viele Outdoorhandschuhe sind touchscreenfähig und müssen nicht zur Bedienung von GPS-Gerät oder Smartphone ausgezogen werden.

Ein Halstuch, Schal oder Schlauchtuch ist nicht unbedingt bei jeder Tagestour im Sommer mit dabei, aber immer wenn das Wetter umschlägt, spendet es angenehme Wärme und bietet guten Windschutz.

Perfekte Funktionalität durch optimales Zusammenspiel der Wanderbekleidung

Egal ob Wanderschuhe, Wandersocken, Trekkinghose oder Hardshelljacke – die Wanderbekleidung ist ein Team, das Hand in Hand arbeitet und beim funktionellen Zusammenspiel nur so gut ist, wie sein schwächstes Glied. Das bedeutet im Klartext, dass die Wanderausrüstung aufeinander abgestimmt sein muss und keine Schwachstellen haben darf. Die besten Schuhe sind nicht bequem, wenn die Socken nicht passen und die atmungsaktivste Regenjacke kann keinen Dampf abtransportieren, wenn die Funktionsunterwäsche die Feuchtigkeit darunter bindet. Gute Passform und ein angenehmes Tragegefühl entstehen aus der Summe aller (Bekleidungs-)Teile und machen dein Leben als Wanderer komfortabler, leichter und freundlicher.

Auf Biegen und Brechen - Carbon im Materialcheck

Auf Biegen und Brechen – Carbon im Materialcheck

28. Dezember 2017
Ausrüstung, Gear-Tipp!

Carbon dürfte so ziemlich jedem Bergfreund schon mal zu Ohren gekommen sein. Denn das Material steckt in allerlei Sportgeräten und wird auf Grund von besonderen Eigenschaften, wie Leichtigkeit und Steifigkeit (nicht Festigkeit!) in vielerlei Hinsicht von so manchem Gearhead gefeiert.

Wenn sich bei euch schon allein wegen dieser Unterscheidung ein Fragezeichen auftut, solltet ihr unbedingt weiterlesen. Denn wir haben in diesem Artikel das Material Carbon etwas genauer unter die Lupe genommen und wissen jetzt ganz genau Bescheid, was die Eigenschaften, Zusammensetzung oder auch Vor- und Nachteile gegenüber oftmals günstigeren Materialien, wie Aluminium betrifft.

Carbon, was ist das eigentlich?

Das bruchfeste und leichte Carbon wird als Material für allerlei Sportgerät immer populärer. Sein Name ist ein Kunstwort aus dem lateinischen Begriff für Holzkohle und bezieht sich auf das chemische Element Kohlenstoff. Im Grunde eine sehr natürliche Sache, denn ohne Kohlenstoff wäre die Erde nicht viel mehr als ein Stein ohne biologische Strukturen – also auch ohne Menschen. Da könnte man Carbon doch eigentlich als Naturmaterial preisen, zumindest wenn man es mal großzügig über eine lange Verwandlungskette hinweg betrachtet. Denn für Carbon wird der Kohlenstoff verwendet, der einst in verrottenden Pflanzen in der Erde eingeschlossen wurde, woraus das heute geförderte Erdöl entstand. Jenes Erdöl, das der Träger vieler Kohlenwasserstoffe ist, die heute als Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion dienen.

Zugegeben, das war jetzt eine arg gedehnte Deutung und auch nur die halbe Wahrheit. Denn das, was umgangssprachlich als Carbon bezeichnet wird, besteht nur zum Teil aus den hauchdünnen Kohlenstofffasern. Deshalb lautet die korrekte Bezeichnung eigentlich auch: carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK). Das wiederum erklärt immer noch nicht, was Carbon jetzt genau ist. Deshalb heißt es noch genauer: kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff.

Woraus besteht Carbon?

Halten wir für den Anfang fest, dass bei dem landläufig als Carbon bezeichneten Gemisch eigentlich nur der Faseranteil aus Carbon/Kohlenstoff besteht und der Rest der Materialfläche beziehungsweise Masse durch andere Chemikalien aufgefüllt wird. Es handelt sich also um einen Verbundwerkstoff. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen, werden auch Verbindungen aus CFK und GFK als Carbon gehandelt, wobei GFK für „glasfaserverstärkter Kunststoff“ steht.

Die Kohlenstoffasern/Glasfasern liegen also in ihrem „Bett“ aus einer Kunststoffmatrix. Die Matrix verbindet als Gitterstruktur die Fasern und füllt Zwischenräume aus. Sie wird zumeist aus Epoxidharz gebildet, einem sogenannten Duroplast, das alle möglichen chemischen Elemente enthält, aber keine Kohlenstofffasern. Duroplaste sind vereinfacht gesagt Kunststoffe, die nach dem Aushärten nicht mehr durch Hitze verformbar sind und hohe mechanische Belastungen aushalten.

Carbon, steif aber nicht unbedingt fest

Keine Sorge, wir wollen das hier nicht zu einer Vorlesung in Werkstoffkunde auswalzen – nur eben tief genug durchdringen, um die Eigenschaften von Carbon-Equipment verstehen und mit anderen Materialien wie Aluminium vergleichen zu können. Wichtig zu wissen ist, dass der Materialverbund von der hohen Zugfestigkeit und Steifigkeit der Kohlenstofffasern profitiert. Die Matrix wiederum verhindert, dass sich die Fasern bei Belastung gegeneinander verschieben. Da das Verbundmaterial nur in Faserrichtung wirklich stabil ist, werden die Fasern meist in verschiedenen Richtungen verlegt.

Aufgrund dieser komplexen Verbindungsmuster erreicht Carbon die besondere Steifigkeit, für die es bekannt ist. Steifigkeit ist übrigens nicht mit Festigkeit gleichzusetzen. Sie beschreibt eine hohe Widerstandskraft gegen (elastische) Verformung – das Material schwingt und bewegt sich unter wachsender Belastung nicht, bricht dann aber bei Überlastung unvermittelt auseinander.

Festigkeit bezeichnet hingegen die Bruch-Resistenz gegen mechanische Belastung. Ein Stoff der sehr steif ist, muss also nicht unbedingt fest sein, sondern kann durchaus leicht zu brechen sein. Umgekehrt muss ein sehr fester Stoff nicht unbedingt steif sein, er kann durchaus elastisch nachgeben. Klassische Carbon-Sportgeräte wie Angelruten oder Sportpfeile müssen sehr steif, aber nicht unbedingt sehr fest sein.

Carbon ist nicht gleich Carbon 

Die oben genannten Matrizen bilden Fasermatten (Carbon- oder Glasfaser), die für die Verarbeitung zu einem Carbonrohr in bestimmten Winkeln zueinander verwoben werden. Da es diverse Carbonmischungen und Faseranordnungen gibt, die allesamt verschiedene Zug-, Druck-, Schlag- und Bruchfestigkeiten sowie verschiedene Steifigkeiten und Dämpfungen erzeugen, ist es sehr schwer, sich unabhängig von den Herstellerangaben ein genaues Bild von der Konstruktionsweise und den Eigenschaften des verwendeten Carbons zu machen.

Der komplizierte Aufbau macht Carbon nicht nur „undurchsichtiger“, sondern auch teurer als ähnlich belastbare Metalle. Warum nimmt man dann überhaupt Carbon statt Aluminium, welches vordergründig ja auch alle gewünschten Eigenschaften aufweist? Nun, bei Sportgeräten wie Wanderstöcken, Rennrädern oder Angelruten ist eine enorm hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht gefragt. Und hierin ist hochwertiges Carbon unschlagbar. Moment, hochwertiges Carbon? Gibt es etwa auch Minderwertiges?

Minderwertiges Carbon trifft es wohl nur in seltenen Fällen, doch der Begriff kann in der Regel sehr breit ausgelegt werden. Hochwertiges Carbon hat, anders als häufig angenommen, nicht unbedingt den höchsten Carbonfaseranteil, sondern die beste Mischung in der besten Matrix. Es kann durchaus zu viel des Guten sein, wenn ein Stock mit der Bezeichnung „100% Carbon“ zwar ultraleicht und steif ist, dafür aber aufgrund der höheren Sprödigkeit auch schnell bricht.

Anteile von 80-90% Carbon gelten als idealer Kompromiss, der sowohl gute Steifigkeit als auch Dämpfung und Bruchfestigkeit ermöglicht. 60-70% Carbon bedeutet i.d.R. etwas mehr Gewicht, aber auch nochmals mehr Stabilität und günstigere Preise. Bei weniger als 60% Anteil sehen Fachleute keine Vorteile mehr gegenüber gleich teuren/billigen Aluminiumstöcken.

Allerdings reicht auch die Prozentangabe als Kriterium zur Qualitätsbestimmung allein nicht aus. Die weiteren Faktoren sind nur mit weiterem Informationsbackground und nicht ohne Expertise erkennbar. Aber: man kann sich bei renommierten Herstellern wie Leki oder Komperdell durchaus auf die Verwendung hochwertiger Ausgangsmaterialien bzw. -Kompositionen verlassen. Kauft man nicht gerade ein Billigmodell vom Discounter, kann man bei normaler Bergwander-Beanspruchung in aller Regel mit einer zuverlässigen Performance rechnen. Man muss schon „mit Schmackes“ zwischen Blöcken oder Wurzeln hängen bleiben, um einen Nicht-Discounter-Trekkingstock zum Brechen zu bringen.

Carbon vs. Aluminium

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Aluminium ist eher fest, während Carbon eher steif ist. Das heißt im Klartext:

Aliminium schwingt bei Stoßbelastungen und verbiegt sich mehr oder weniger bei Überbelastung. Carbon reagiert kaum auf mechanische Impulse, bricht jedoch bei Überlastung mit scharfen Abbruchkanten.

Das langsamere Nachgeben von Aluminium ist im Falle eines Sturzes theoretisch weniger gefährlich. Allerdings sprechen wir hier von Situationen, wo das volle Körpergewicht eines durchschnittlich schweren Erwachsenen ruckartig auf den Stock einwirkt. Hier sollte man sich keine unnötigen Befürchtungen heranzüchten, denn sofern die Wander- und Trekkingstöcke nicht gerade aus dem Discounter stammen, sind sie eigentlich nur durch unglückliche Querbelastungen bei unkontrollierten Bewegungen auf losem Untergrund zu brechen.

Etwas Vorsicht ist tatsächlich angeraten, wenn die Stöcke sehr lang ausgefahren sind. Dann kann es besonders bei Aluminium Probleme mit der Stabilität geben. Deshalb und wegen der besseren Stoßabsorption werden vor allem beim Nordic Walking, das bekanntlich auch bei fülligeren Bergfreunden beliebt ist, hochwertige Carbonstöcke empfohlen. Generell gilt für groß gewachsene oder schwerere Personen die Empfehlung stabiler, qualitativ hochwertiger und ruhig auch etwas schwererer Stöcke in besonderem Maße.

Nicht besser oder schlechter, sondern anders

Bei etwa gleicher Bruchfestigkeit und Stabilität haben die Carbonmodelle gegenüber den Aluminium-Artgenossen einen Leichtigkeitsvorteil von etwa 10% des Gewichts. Ein Vorteil, der sich in einem entsprechend höheren Preisniveau recht genau widerspiegelt. Bei Basismodellen für Einsteiger oder für geringere Beanspruchungen fällt der Preisvorteil deutlicher zugunsten von Aluminium aus. Diese Angaben sind allerdings nur Schätzungen, die sich auf meine nicht repräsentative Stichprobe kreuz und quer durch das Bergfreunde-Angebot stützen. Wie viele Prozentpunkte es auch genau sein mögen – das eingesparte Gewicht bringt weitere Vorteile wie eine bequemere Handhabung und langsamere Ermüdung des Benutzers mit sich.

Nimmt man jetzt noch hinzu, dass Alustöcke auf Feuchtigkeit mit Korrosion reagieren können und deshalb nach Regentouren auseinandergenommen und getrocknet werden sollten, könnte man meinen, das Pendel schlage eindeutig zugunsten von Carbon aus. Doch dem ist nicht unbedingt so, man kann nicht sagen, Carbon sei besser als Aluminium. Für Alpinisten beispielsweise, die häufig auf grobem Block- und Schottergelände unterwegs sind, dürften (gute) Aluminiumstöcke die bessere Wahl sein.

Da sich die Vorteile von Carbon und Alu bei Stöcken auch nicht ausschließen, mischen Hersteller wie Leki oder Black Diamond bei einigen Modellen die Materialien, um die Abstimmung zwischen Eigenschaften wie Schwungverhalten, Steifigkeit und Robustheit zu perfektionieren.

Die Balance aus Vor- und Nachteilen des Carbons variiert natürlich je nach Sportgerät. Als stabilisierende Zwischenlage in der Sohle von Ski- und Skitourenstiefeln oder als Außenmaterial bei Rennradschuhen kommen die Vorteile von (dünnem) Carbon viel deutlicher zum Tragen, während Aluminium hier mit seiner Verformbarkeit offensichtlich weniger geeignet ist.

Body Mapping - die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

Body Mapping – die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

12. Dezember 2017
Ausrüstung

Man kennt das. Auf Tour hat man schon gefühlt jede Lagen-Kombination probiert, doch so richtig will das mit dem Zwiebelprinzip nicht funktionieren. Irgendwie gibt es immer eine Stelle an der man entweder schwitzt, oder einem zu kalt ist. Toll ist das nicht und trübt im Zweifel den Genuss am Draußensein. Doch die Outdoor-Industrie wäre nicht die Outdoor-Industrie, wenn sie dieses Problem nicht schon längst erkannt und eine entsprechende Idee dazu entwickelt hätte. In diesem Zusammenhang geistert immer mal der Begriff des „Body Mappings“ über die Artikelseiten und Kataloge. Was sich darunter verbirgt, wollen wir euch in diesem Beitrag näherbringen.

Body Mapping – was ist das?

Zumeist sieht man einer Jacke, einer Hose oder einem anderen beliebigen Kleidungsstück nicht an, welche Technologie darin steckt. Nebulöse Begriffe tummeln sich da in der Produktbeschreibung und beim Nachlesen der Materialzusammensetzung wird einem fast schwindelig. Was soll man damit anfangen ohne gleich den Kundenservice anrufen zu müssen? In dem Falle ist die Antwort relativ einfach: Sie findet sich in diesem Beitrag.

Body Mapping heißt frei übersetzt „Körper-Vermessung“ oder wenn man es etwas plastischer braucht „Körper-Kartografie“. Wie auf einer Landkarte, auf der auch nicht alles gleich aussieht, gleicht so manches Produkt mit Body-Mapping-System einem Puzzle. Es werden dreidimensionale Körperzonendiagramme erstellt, die dabei helfen, die Körperstellen zu identifizieren, die am meisten Hitze produzieren und somit anfälliger für eine übermäßige Schweißproduktion sind.

Hier wird der Stoff dementsprechend anders gewebt, als an Stellen, die gewärmt werden müssen. Ein klassisches Beispiel kennt man von vielen Laufjacken. Hier sind die Bereiche unter den Achseln oftmals deutlich luftiger gestaltet, damit die Hitze schneller abtransportiert werden kann und man weniger schwitzt. Oder aber Hybridjacken wie die Women’s Endeavor Thermoball Jacket von The North Face, die am Oberkörper und Halsbereich mit Thermoball-Kunstfaser gefüttert ist und an den Armen aus einem atmungsaktiveren Fleece-Material besteht.

Ein Kleidungstück, das nach dem Body-Mapping-Prinzip konstruiert wurde, ist quasi ein intelligentes Produkt, das auf die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Körperstellen eingeht.

Wie funktioniert die Konstruktion von Body-Mapping-Textilien?

Das Prinzip Body-Mapping klingt erstmal ziemlich simpel, erfordert aber in der Realität viele Einzelschritte: Zunächst werden mit den erwähnten dreidimensionalen Körperzonendiagrammen verschiedene Muster der Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe identifiziert. Danach wird weiter differenziert: Für welches Geschlecht wird das Kleidungsstück gefertigt, welchen Wetterbedingungen muss es standhalten und für welche Aktivität soll es herhalten.

Mit Hilfe dieser Informationen ermöglicht man dem Sportler eine Bekleidung, die perfekt auf die spezifischen umweltbedingten Anforderungen der jeweiligen Sportart zugeschnitten ist.

Welche Vorteile bringt mir das Body Mapping System?

Menschen können selbst in extremen Temperaturen überleben und auch trainieren, denn der menschliche Körper ist sehr widerstandsfähig und kann sich vielen verschiedenen Klimabedingungen anpassen. Aber wenn körperliche Leistung bei sportlichen Herausforderungen gefragt ist, sollte die Funktionsbekleidung den Körper soweit entlasten, dass man sich voll und ganz auf seine Tätigkeit konzentrieren kann.

Um die Körpertemperatur in den Griff zu bekommen ist das eingangs erwähnte Zwiebelprinzip weit verbreitet. Hinter dem Begriff verbirgt sich schlicht, dass man statt einer dicken Kleidungsschicht, mehrere dünne Schichten tragen soll. Vor allem die unterste Schicht hat beim Zwiebelprinzip den schwersten Job von allen. Sie muss bei Wärme kühlen, bei Kälte wärmen, den Schweiß ableiten und möglichst schnell wieder trocknen, damit man nicht unangenehm friert. Eine wahre Härteprobe! Über das Body-Mapping-System versucht man, dieses Problem noch besser in den Griff zu bekommen und den Tragekomfort und die Funktion eines – in diesem Beispiel – Baselayers zu optimieren.

Vor allem bei sehr aktiven und somit anstrengenden Sportarten, wie zum Beispiel Skitour, Berglauf, Radtour, Langlauf oder Joggen, bei denen der Körper sehr stark ins Schwitzen kommt, bringt Body Mapping erhebliche Vorteile mit sich. Da faktisch weniger Kleidungsstücke nötig sind, um perfekt ausgerüstet zu sein, spart man sich eine Menge Gewicht und Ballast.

Und sollte man mal eine Pause machen oder etwas langsamer weiter laufen als zuvor, kühlen empfindliche Körperstellen wie der Rücken und die Schulterpartie nicht sofort aus. An verschwitzte Stellen, wie der Achsel- oder Brust- und Oberbauchbereich wird der Schweiß dagegen zuverlässig abgeleitet. So muss man sich nicht zuerst dick einpacken nur um während des Laufens eine Schicht nach der anderen wieder auszuziehen und zu überlegen wo man denn jetzt die Klamotten hinsteckt.

Genauso vorteilhaft ist das Body Mapping für den Radsport, wo es immer eine logistische Herausforderung sein wird, das nötige Gepäck beziehungsweise die Kleidung so platzsparend wie möglich unterzubringen. Auf dem Rennrad fördert ein geringes Gewicht und ein geringer Luftwiderstand durch anliegende Kleidung zusätzlich die Geschwindigkeit. So kann sich der Athlet komplett auf seine Performance konzentrieren.

Aber auch im Mehrschichtsystem, wie man es auf Hoch- oder Skitour am Körper hat, spielt die Technik ihre Vorteile optimal aus. Gerade wenn man mehrere Body-Mapping-Teile kombiniert kann beispielsweise der Schweißtransport sehr schnell von statten gehen und hängt sich nicht an einer Schicht auf.

Wo stößt das Prinzip an seine Grenzen?

Die Body Mapping Produkte sind darauf ausgelegt ein angenehm trockenes und bequemes Körpergefühl zu vermitteln. Das Ziel ist, viele Kleidungsschichten auf möglichst wenige einzudampfen. Das führt dazu, dass Hybridprodukte entstehen, die z.B. Soft- und Hardshellkonzepte vereinen. Solche Jacken sind dann ebenfalls relativ strickt mit Sportarten assoziiert, bei denen sie ihre Vorteile bestmöglich ausspielen.

Dementsprechend können sie in anderen Bereichen aber an ihre Grenzen stoßen. Geht man mit besagter Hybridjacke beispielsweise stundenlang durch strömenden Regen, dürfte das deutlich unangenehmer sein, als mit einer reinrassigen Hardshelljacke.

Auf Grundlage dessen sollte man sich beim Kauf eines Body-Mapping-Produkts gut überlegen, wo es zum Einsatz kommt. Hält man sich einigermaßen an den vorgesehenen Einsatzzweck, kann man sich auf ein großartiges Produkt freuen, dass das Draußensein noch angenehmer macht.

Unser Versandversprechen zu WEihnachten 2017

Unser Versandversprechen zum Fest

8. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Guten Morgen! Ja, ich meine Dich, Du Schlafmütze. Weihnachten steht vor der Tür und wenn Du Deinen Lieben etwas Gutes tun willst, dann wird es langsam Zeit, sich um Geschenke zu kümmern. Damit das auch alles rechtzeitig zum Fest klappt, haben wir noch ein paar Infos für Dich, was Du beachten solltest, wenn Dein Geschenk bergfreundig sein soll.

Garantierter Versand bis…

Die erste und wichtigste Frage: Bis wann muss ich eigentlich bestellen, damit die Sendung noch rechtzeitig da ist? Nun, die Antwort ist relativ leicht: Am besten gleich! Solltest Du Dir trotzdem noch etwas Zeit lassen wollen, können wir Dir versprechen, dass wir Bestellungen aus Deutschland, die bis zum 22.12. um 6 Uhr morgens bei uns einlaufen noch fristgerecht an DHL übergeben. Bei Bestellungen aus der Schweiz und Österreich gehen Bestellungen bis zum 18.12.2017 um 12 Uhr fristgerecht in den Versand.

Wichtig zu erwähnen: Wir können Dir zwar versprechen, die Pakete rechtzeitig an die DHL zu übergeben, die Zustellung liegt allerdings in deren Händen und dafür können wir leider keine Garantie übernehmen.

Weil wir hier immer von fristgerecht sprechen: DHL gibt uns einen „letzten Abgabezeitpunkt für eine vorweihnachtliche Zustellung“, dem wir mit unserem Versandversprechen gerecht werden.

Die zweite Frage: Gilt das für alle Bestellungen? Auch hier gibt’s eine klare Antwort: Leider nicht. Ausgenommen sind:

  • Bestellungen per Vorauskasse, da hier natürlich noch die Tage bis zum Geldeingang hinzu kommen
  • Sperrgut-Bestellungen. Diese können unter Umständen länger dauern, da Sperrgut nicht automatisiert versandt wird.

Passt nicht, gefällt nicht! Bis wann kann ich Geschenke zurückgeben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Geschenke auch mal nicht gefallen – gerade wenn der oder die Beschenkte keine eigenen Wünsche äußert (an dieser Stelle einen schönen Gruß an meine Eltern). Aber natürlich kann auch die Passform nicht stimmen oder ein anderer Grund ist dafür verantwortlich, dass Geschenke wieder den Weg zurück in unser Lager finden.

Natürlich hast Du – wie bei allen anderen Bestellungen auch – 30 Tage Zeit, alles ausgiebig anzuprobieren und zu begutachten. In unseren AGBs findest Du unter Paragraph §8 alle weiteren Infos zum Rückgaberecht. Oder du besuchst unsere Retouren-Infoseite, wo alle wichtigen Infos zusammengefasst sind.

Gut zu wissen: Kommentare verzögern den Versand

Noch eine nicht ganz unwichtige Info zum Schluss: Zwar freuen wir uns, wenn Du uns einen schönen Gruß im Notizfeld der Bestellungen hinterlässt, Deine Bestellung verzögert das aber, weil wir jede Notiz von einem Kundenservice-Mitarbeiter überprüfen lassen. Wenn also wirklich pressiert, verzichte lieber auf ein paar nett gemeinte Worte und schicke uns lieber direkt eine Email. Oder gleich ein Paket mit Schokolade. Die mögen wir hier sehr! ;)

Sodale, ich hoffe, nach der Lektüre dieses Beitrags bist Du ausreichend informiert. Falls Du dennoch Fragen haben solltest, zögere bitte nicht uns zu kontaktieren.

Unterschiedliche Schuhleisten – worauf ist zu achten?

Unterschiedliche Schuhleisten – worauf ist zu achten?

28. Dezember 2017
Ausrüstung

Dass es verschiedene Schuhgrößen gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Ebenso wie die Tatsache, dass damit in aller Regel die Schuhlänge gemeint ist, welche wiederum der Fußlänge plus einem gewissen Abstand zur Schuhinnenseite entspricht. Dieser Abstand soll bei Bergschuhen 1 bis 2 cm betragen, da sonst bei längeren Abstiegen die mehr oder weniger geschwollenen Füße früher oder später meist schmerzhaft gegen die Schuhvorderseiten stoßen.

Im Grunde könnte das schon ausreichend Grundwissen für einen erfolgreichen Kauf eines passenden Schuhs sein. Aber nur, wenn man zufällig gerade die Fußform hat, die der Hersteller des Wunsch-Schuhs für den Standard hält. Denn der Fußtyp wird bekanntlich nicht nur durch die Länge bestimmt – und der eigene Fußtyp weicht in der Regel etwas von der Norm ab (was auch daran liegen könnte, dass es diese statistische Größe nur auf dem Papier gibt). Man sollte also noch ein paar mehr Dinge als nur die eigene Schuhgröße kennen, wenn man den passenden Sitz nicht dem Zufall überlassen will.

Fußform = Leistenform = Schuhform

Da der Leisten manchmal unter den Produktmerkmalen eines Schuhs angegeben wird, könnte man meinen er sei ein Bestandteil. Doch er befindet sich keineswegs im Schuh, sondern nur in den Werkstätten der Hersteller und der immer selteneren Schustereien, wo er als Blaupause und Formgeber für Schuhschaft und -Sohle dient. Das er nur eine vergröberte Kopie des Fußes ist, ohne die Zehen, Ecken, Kerben und anderen Feinheiten, reicht völlig aus, denn die mehr oder weniger weiche Schuhinnenseite muss den Fuß nicht komplett millimetergenau abbilden.

Dieser fußförmige Klotz besteht im oft handgeschnitzten Original meist aus Holz und bei den Kopien für die Massenproduktion meist aus Kunststoff. Die meisten Hersteller verwenden einen Standardleisten als Vorlage für ihre Schuhserien und versuchen abweichende Fußformen vor allem mit ergänzenden Schuheinlagen zu bedienen. Manchmal wird der Standardleisten noch in einer breiteren und einer schmaleren Version gefertigt, doch allein das macht die Produktion schon deutlich aufwändiger und teurer. Nur Wenige nehmen die Mühe in Kauf, mehrere Leisten für spezielle Fußformen vorzuhalten. Da der Leisten im Grunde gar nichts anderes ist als die Fußform ist, sollte man auch den Fuß etwas genauer kennen lernen. Auch weil die Leistenformen sowieso meist nach den Fußformen oder Details der Fußanatomie benannt sind.

Fußtypen und Anatomie

Es gibt zwei Kriterien, nach denen Fußtypen meist eingeordnet werden: der Zehenform und der Gesamtfußform. Aus der Zehenform hat man drei Typen abgeleitet, aus der Fußform vier.

Nach Zehenform unterscheidet man Ägyptische Füße, Römische und Griechische Füße:

  • Beim Ägyptischen Fuß ist der Große Zeh auch der Längste, während die Zehen 2 bis 5 von oben betrachtet mehr oder weniger steil und mehr oder weniger geschwungen nach hinten zur Seite ziehen.

  • Beim Römischen Fuß hat der zweite und bisweilen auch der dritte/mittlere Zeh die gleiche Länge wie der Große, während der Rest in bekannter Weise nach hinten zur Seite zieht.

  • Beim Griechischen Fuß ist der zweite Zeh länger als der Große und der Mittlere gleich lang oder kürzer als der Große.

Diese Unterteilung ist schon mal präziser als nur die Länge, sagt aber über den nicht ganz unwichtigen Rest des Fußes (also die Fußform) noch nicht viel aus. Die Typisierung hat hierfür vier Haupttypen ausgemacht, Romanisch, Angelsächsisch, Germanisch und Baltisch:

  • Der angelsächsische Fuß ist relativ gerade, schmal und länglich, mit einem langen dominanten großen Zeh.

  • Der germanische Fuß ist sichelförmig und in der Ferse schmaler als im Vorfuß.

  • Der romanische Typus ist deutlich gerader, als der Germanische und insgesamt breit und voluminös.

  • Der baltische Fußtyp ist die breite Variante des Angelsächsischen, wobei der große Zeh noch dominanter ist und die Ferse in der Breite dem Vorfuß gleich kommt.

Ob diese Typenlehre mit ihren europäischen Bezeichnungen für die ganze Welt zutrifft? Zumindest in Europa wird man damit die gängigen Formen gut abgedeckt haben.

Ab wann ist ein Fuß breit oder schmal?

Breit oder schmal sind die zwei simpelsten Grundausprägungen des Fußes. Doch welche Proportion zur Länge ist schmal oder breit? Das wird keineswegs immer angegeben und muss oftmals per Augenmaß eingeschätzt werden. Einen Umrechnungsfaktor kann man sich nur ungefähr aus Länge-Breite-Tabellen wie der Bont Tabelle ableiten. Hier ein Beispiel für Schuhgröße 45:

Länge: 28,5 cm. Die Breite eines „Normalfuß“ in Größe 45 wäre dann zwischen 10,6 und 11 cm. Die eines „Schmalfußes“ kleiner als 10,6 cm und die eines „Breitfußes“ größer als 11 cm. Man könnte jetzt einen Umrechnungsfaktor daraus ableiten, doch das macht wenig Sinn: er ändert sich nämlich von Schuhgröße zu Schuhgröße. Da ist der Blick in die Tabelle letztlich einfacher.

Würde man das Kriterium der Breite samt seiner Ausprägungen schmal, normal und weit mit den vier Zehentypen kombinieren, hätte man schon zwölf mögliche Fußtypen. Kombiniert man sie dann noch mit den vier Formtypen, käme man auf 48 mögliche Fußtypen, die den passenden Leisten und Schuh suchen. Da es außerdem noch viele weitere, vielfältig geformte „Fußabschnitte“ wie: Zehen, Ballen, Ferse, Innen- und Außenrist, Spann, Quergewölbe, Längsgewölbe gibt, die alle in verschiedenen Proportionen zueinander aufgebaut sein können, kommen unendliche weitere Kombinations- und Differenzierungsmöglichkeiten hinzu.

Hier ahnt man langsam, wie komplex die Erfassung des Fußes und seine „Übersetzung“ in passende Schuhe wirklich ist. Bei der Anatomie wird es ohnehin unübersichtlich, da der Fuß wirklich eine Menge „Bauteile“ hat. Die wohl einfachste anatomische Gliederung ist die Dreiteilung in drei etwa gleich lange Segmente von vorn nach hinten: Vorderfuß, Mittelfuß, Rückfuß. Zwar nicht sehr präzise, aber sehr praktikabel, da man hier immer unmissverständlich weiß, wo man sich ungefähr befindet.

Für mehr Volumen: der Spann

Mit der Länge und der Breite sind zwei Dimensionen abgedeckt, doch der Fuß hat bekanntlich drei. Es fehlt also noch die Höhe, die hauptsächlich durch den Spann „erzeugt“ wird. Der Spann beginnt bei den Zehen und erstreckt sich bis zum Knöchelgelenk und unteren Schienbein. Er kann flach oder steil verlaufen, was die Fußform erheblich beeinflusst.

Für einen „steilen“ Spann passt natürlich nur ein Schuh mit einem genügend geräumigen Schaft. Die Schafthöhe und -Weite kann aber normalerweise dank Schuhzunge und Schnürzug genügend angepasst werden, um die meisten Spann-Formen abzudecken. Ergänzend werden oft auch Einlegesohlen als Möglichkeit der Volumenverkleinerung genannt. Das sollte meiner Meinung nach nur die letzte Möglichkeit sein, falls sich wirklich partout kein passender Schuh finden lässt.

Spezialfälle

Hallux Valgus: klingt wie etwas, das aus dem Magen hochsteigt, ist aber eine Fehlstellung des großen Zehs, meist ein Knick in Richtung des Nachbarzehs mitsamt einer bei Schuhkontakt früher oder später schmerzenden Ausbeulung des Zehengrundgelenks. Meist entsteht Hallux Valgus durch häufiges Tragen von unpassendem Schuhwerk in Verbindung mit einer unnatürlich veränderten Art des Fußgebrauchs beim Gehen. Einige Hersteller bieten spezielle Leisten für diesen Spezialfall an, dazu gleich mehr.

Senkfuß und Plattfuß: Auch dieser Fall ist so häufig, dass einige Hersteller spezielle Leisten dafür verwenden. Hier lässt die geschwächte Muskulatur im Längsgewölbe die Knochen in Richtung Boden absinken, anstatt sie in der vorgesehenen Position zu halten. Wenn der Fußabdruck noch halbwegs sichelförmig ist, spricht man vom Senkfuß, wenn er komplett aufliegt, vom Plattfuß. Der Plattfuß kann sich durch die verstärkte Belastung der Fußinnenseite zu einem Knickfuß „weiterentwickeln“. Ab diesem Stadium hat man größere Probleme als die Wahl des optimalen Wanderschuhs.

Zu guter Letzt gehört noch der Spreizfuß in die Liste der beliebtesten Fußspezialitäten. Beim Spreizfuß ist die Muskulatur im Quergewölbe geschwächt, jenem leicht nach oben gewölbten Bogen, den der Fuß knapp hinter und parallel zu den Zehen beschreibt. Die Zehen werden durch das Absinken des Quergewölbes konzentrisch nach außen gedrückt und auseinandergespreizt.

Die genannten Fehlstellungen treten natürlich auch gern kombiniert auf und wirken tendenziell gegenseitig verstärkend aufeinander. Doch Diagnosen und Symptomverläufe sollen hier nicht das Thema sein, es geht hier mehr um Überblick und Einordnung als um Details und Spezialfälle.

So vielfältig wie der Fuß: verschiedene Hersteller und ihre Leisten

Es braucht also eine gewisse Palette an verschiedenen Standardleisten, damit die Vielfalt der Fußformen von Seiten der Hersteller einigermaßen abgedeckt ist. Die meisten Hersteller verwenden zwischen zwei und sechs verschiedene Leisten, die sie auf verschiedene Modelle und Serien verteilen. Nur selten gibt es verschiedene Ausführungen wie besonders weit und besonders schmal für ein und dasselbe Schuhmodell. Dennoch ist das Spektrum an Größen und Formen bei den meisten Produzenten groß, sodass es auch eine entsprechend große Zahl an verschiedenen Leisten als Vorlage braucht. Schauen wir uns einige Beispiele an.

Bei Lowa lässt sich die Modellsuche (hier in der Beispielsuche nach Backpackingschuhen) nicht nur nach Standardkriterien wie Schuhgröße, Geschlecht oder Schuhtypen filtern, sondern auch nach breiten und schmalen Leisten.

Darüber hinaus werden unter dem Menüpunkt „Passform und Qualität“ auch die verschiedenen Leisten erklärt. Für jeden Schuhtyp hat Lowa spezielle Leisten nach den jeweils besonderen Anforderungen und Erfahrungswerten modelliert. Für die Damenmodelle verwendet Lowa spezielle Leistenformen. Die Unterscheidung der Leistenformen richtet sich quasi selbsterklärend nach der Fußform:

  • Standard Leisten: normale Leistenform
  • S-Leisten (schmal): weniger Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • W-Leisten (weit): mehr Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • WXL-Leisten: erweiterter Zehenbereich kombiniert mit mehr Volumen im Ballen

Bei Hanwag weichen nicht nur die Formen und Bezeichnungen leicht ab, sondern es gibt auch so viele verschiedene Leisten wie bei kaum einem anderen Hersteller. Neben den geschlechterspezifische Leisten wären da die Leisten nach Einsatzbereichen (z.B. etwas weiter für die Linien Trek und Trek Light, enger für die Rock-Serie). Zusätzlich gibt es sechs Spezialleisten für Leute, die keinen „Standardfuß“ haben:

  • Wide-Leisten: Der Fersenbereich ist normal konstruiert, allerdings bietet der Schuh im Vorfuß- und im Ballenbereich mehr Platz. Wide-Modelle sind für Menschen, denen ein „normales“ Modell vorne zu eng ist.
  • Narrow-Leisten: Narrow ist das englische Wort für Schmal. Dieser Leisten passt all jenen, denen ein normal geschnittener Schuh zu weit ist. Der Hanwag Tatra ist bspw. in einer entsprechenden Variante erhältlich.
  • Bunion-Leisten: Hallux Vagus, also der Schiefstand der Großzehe in Verbindung mit einer Versteifung des Großzehengrundgelenks, ist vor allem für Frauen, aber auch viele Boulderer und Sportkletterer ein bekanntes Problem. Hanwag verwendet deshalb den bisher einmaligen Bunion-Leisten. Er bietet im Bereich des Großzehengrundgelenks deutlich mehr Platz.
  • Straightfit-Leisten: Dieser Leisten brilliert vor allem durch eine geräumige Zehenbox und ist gedacht für Menschen mit breitem Vorfuß.
  • Alpin-Wide-Leisten: Der normale Alpine-Leisten ist eher schmaler konstruiert, damit er eine bessere Performance lifern kann. Wer hier gerne dennoch etwas mehr Platz braucht, greift zur Alpin-Wide-Leiste. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit dickeren Socken zu arbeiten.
  • Naturalfit Leisten: Durch die NaturalFit Technologie wird die natürliche Haltung des Fußes unterstützt und das Barfußgehen immitiert. Großartig auf Reisen und im Alltag.

Der italienische Produzent Aku verwendet für seine Outdoor-Schuhe ebenfalls sechs verschiedene Leisten, die mit anderen Begriffen bezeichnet ein sehr ähnliches Formenspektrum abdecken wie  Hanwag. Unter der Überschrift „Formenstudium sind sie jeweils kurz beschrieben.

Bei anderen Herstellern wie Meindl gibt es zwar keine Beschreibungen der Leisten, doch dafür lässt sich die Modellsuche nach Fußform und diversen anderen Filtern vornehmen.

Die Firma Dachstein hat die Schuhweite ebenfalls im Filter der Modellsuche eingebaut. Allerdings erfasst die Spezifizierung hier wie da mit der Breite nur eine der vielen möglichen Formen und Eigenschaften eines Fußes/Leistens/Schuhs.

Fazit

Ein wirklich präziser Filter, der mehrere Formenmerkmale umfasst und kombiniert, wäre noch viel aufwändiger, da man so jedes Schuhmodell einzeln möglichst detailliert erfassen müsste. Das ist für einen einzelnen Hersteller durchaus noch zu leisten, wird für einen Reseller mit X-Marken im Angebot aber zu einer Herkulesaufgabe. Zumal das zuverlässige Erkennen der Formen und spezifischen Merkmale nicht mal eben im Vorbeigehen zu machen ist, sondern einen genauen Blick mit geschultem Auge braucht. Ganz abgesehen davon, dass die Serien und Modelle ständig wechseln.

Man muss sich also bis auf weiteres die (überschaubare) Mühe machen, die eigenen Fuß-Maße und -Formen herauszufinden (Habe ich einen baltischen Fuß? Ist mein Fuß relativ schmal oder breit? …) und die Werte einzuordnen. Letzteres kann man anhand von Schuhgrößentabellen, die es im Netz an jeder Ecke gibt. Allerdings gibt es nur wenige, die über die Fußlängen hinausgehen – so wie die oben erwähnte Bont-Tabelle, die auch die Fußbreite einbezieht.

Es gibt also viele gute Ansätze, doch bislang noch kein Gesamtpaket, um Füße, Leisten und Schuhe wirklich genau passend zusammenzuführen. Wer den wirklich passenden Leisten sucht, muss in der Regel bei den einzelnen Herstellern auf die Suche nach Informationen gehen. Ich hoffe dass dieser Artikel dazu beiträgt, das Ganze künftig stressarm und effizient abzuwickeln.

Wie pflege ich meinen Rucksack?

Wie wasche und pflege ich meinen Rucksack?

28. Dezember 2017
Pflegetipps

Den Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Tourenrucksack mal einer gründlichen Reinigung zu unterziehen, dafür gibt es zahlreiche Gründe: Angefangen von müffelnden Schulterträgern, die nach der zehnten sommerlichen Wandertour in den Bergen schon etliche Male mit Schweiß und Sonnencreme vollgesogen und wieder getrocknet sind, über verdreckte Trekking- und Reiserucksäcke an denen so viel Staub hängt, dass man die ursprüngliche Farbe nur noch erahnen kann, bis hin zur ausgelaufenen Trinkflasche und undichter Müsli-Box.

Je nach Verunreinigung kommen bei der Rucksackpflege unterschiedlich aufwändige Maßnahmen zum Einsatz. Empfehlenswert ist vor allem eine regelmäßige Grundpflege, denn dadurch wird das aufwändige Waschen und Trocknen des Rucksacks eher zur Ausnahme.

Richtiges Waschen des Rucksacks

Darf der Rucksack in der Waschmaschine gewaschen werden?

Um eine immer wieder auftauchende Frage in Bezug auf verschmutzte Rucksäcke vorab zu beantworten: Nein! Auf keinen Fall! Ein Wanderrucksack oder Trekkingrucksack gehört niemals in die Waschmaschine! Auch nicht bei 30°C Wäsche, auch nicht mit Kaltwäsche und auch nicht mit Feinwaschmittel. Zwar scheint es immer wieder „Spezialisten“ zu geben, die in Outdoorforen solche Tipps verbreiten, aber davon ist dringend abzuraten. Im besten Fall gehen nur die Beschichtung oder Teile des Rucksacks dabei kaputt. Im schlimmsten Fall gibt die Waschmaschine gleich mit den Geist auf. Dasselbe gilt übrigens auch fürs Trocknen: Rucksäcke im Trockner sind ebenfalls tabu.

Komplette Handwäsche von Rucksäcken

Bei starker Verunreinigung durch Matsch beim Radfahren, oder nach einer langen Trekkingtour lässt sich die Komplettwäsche kaum vermeiden. Nachdem der Rucksack getrocknet ist, wird zunächst mit einer großen Bürste der grobe Schmutz entfernt. Angetrocknete Erde lässt sich so zu einem Großteil gut entfernen. Wenn das nicht ausreicht, kann die Bürste auch etwas angefeuchtet werden, um den Schmutz zu lösen. Der normal verschmutzte Innenraum wird zunächst einfach mit der Öffnung nach unten ausgeklopft und ausgeschüttelt oder mit einem Staubsauger ausgesaugt. Hartnäckigeren Schmutz danach einfach mit einem feuchten Schwammtuch auswischen.

Falls das Abbürsten nicht den gewünschten Grad an Sauberkeit bringt, oder der Rucksack zu lange Zeit gar nicht gereinigt wurde, lässt sich der Einsatz von speziellen Textilwaschmitteln nicht vermeiden. Haushaltsübliche Waschmittel sind in der Regel zu aggressiv für die Reinigung der Rucksäcke und können das Material angreifen. Das spezielle Textilwaschmittel lässt sich auf zwei verschiedene Arten anwenden: Entweder zur Reinigung einzelner Partien – dazu das Waschmittel mit lauwarmem Wasser nach Dosierungsanleitung mischen und per Schwamm oder Bürste die betroffenen Partien reinigen, oder in einer Wasch- oder Badewanne den Rucksack komplett einweichen und per Handwäsche mit Bürste die stark verschmutzen Stelle säubern. Falls der Rucksack über ein herausnehmbares Tragegestell verfügt, sollte dieses vor der Wäsche entfernt werden.

Bei ausgelaufenen Trinkflaschen gilt es möglichst zügig zu reagieren und die Flüssigkeit so gut es geht mit einem Schwamm oder Tuch aufzunehmen und zu reinigen. Je nach Flüssigkeit können unschöne Flecken auf dem Rucksack zurückbleiben. Deswegen sollte man den Rucksack danach so schnell wie möglich, wie oben beschrieben, mit Textilwaschmittel einweichen und putzen. Wenn der Inhalt der Thermosflasche mit Tee oder Kaffee erst richtig eingetrocknet ist, kann die Reinigung sehr schwierig werden. Gleiches gilt auch für Säfte und andere „klebrige“ Erfrischungsgetränke.

Komplettwäsche oder teilweise reinigen?

Viele Wanderer waschen ihre Rucksäcke nie, andere ein Mal im Jahr und wieder andere reinigen je nach Bedarf. Je nach Einsatzbereich und Intensität der Nutzung kann es bei Wanderern zum Beispiel öfters zu verunreinigten Schulterträgern, Hüftflossen und Rückenpartien kommen. Die durch Schweiß und Sonnencreme verschmutzen Partien sind oft fleckig und fangen an unangenehm zu riechen. Dabei hilft es beispielsweise schon in regelmäßigen Abständen die Träger und den Rücken mit dem milden Waschmittel zu reinigen und gut auszuspülen.

Trekkingrucksäcke oder Fahrradrucksäcke werden zusätzlich durch Staub und aufgewirbelten Dreck verunreinigt. Da hilft regelmäßiges Bürsten von außen am Besten. Mindestens einmal im Jahr ist ein Vollbad und eine intensive Reinigung doch sehr empfehlenswert. Bei saisonaler Nutzung ist auch die richtige Lagerung wichtig: Der Rucksack sollte vollkommen trocken sein und an einem trockenen und gut belüfteten Ort gelagert werden. Bei Lagerung in modrigen Kellerräumen oder halbfeuchten Rucksäcken drohen ansonsten Stockflecken, Schimmelbefall und Modergeruch.

Im schlimmsten Fall – der ausgelaufenen Suppe und den meisten anderen Flüssigkeiten – gilt es zunächst an Ort und Stelle das gröbste aufzuwischen und den Rucksack provisorisch mit Hilfe von Taschentüchern oder einem zusätzlichen T-Shirt zu trocknen. Bei einer Tagestour sollte der Rucksack noch am selben Abend eingeweicht und gereinigt werden. Bei mehrtägigen Touren lässt sich mit einer milden Seife und Wasser improvisieren. Die gründliche Wäsche erfolgt dann nach der Tour.

Trocknen von Rucksäcken nach der Handwäsche

Nach dem Einweichen und Abbürsten muss der Rucksack zunächst gründlich ausgespült werden. Am besten geht das in der Badewanne oder Dusche mit der Handbrause und lauwarmem Wasser. Jegliche Schmutz- und Seifenreste müssen auf jeden Fall sehr gründlich ausgespült werden und vor allem die Schaumstoffteile sollte man mehrfach ausdrücken, damit keine Waschmittelreste im Schaumstoff zurückbleiben.

Danach wird der Rucksack kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Am besten bleiben dafür alle Taschen und Reißverschlüsse geöffnet, damit das Wasser überall abfließen und abtropfen kann. Damit der Rucksack optimal trocknen kann, sollte er nach Möglichkeit an der frischen Luft im Schatten aufgehängt werden. So riecht er danach besonders frisch und wird beim Trocknen nicht durch die UV-Strahlung beschädigt. Am besten trocknet der Rucksack an warmer und windiger Luft („Föhn-Effekt“).

Je nach Rucksack und Außentemperatur kann der Trockenvorgang einige Zeit dauern. Falls kleine Taschen oder andere schwer erreichbare Stellen so gar nicht trocknen wollen, kann man sich mit mit saugfähigen Tüchern oder Zeitungpapier behelfen. Die entsprechenden Stellen werden für ein paar Stunden ausgestopft und saugen dabei einen Großteil der Flüssigkeit auf. Einen Föhn zur Trocknung in Erwägung zu ziehen, ist ebenso wenig ratsam, wie den Rucksack auf die aufgedrehte Heizung zu legen. Beides kann das Material beschädigen und im schlimmsten Fall den Rucksack unbrauchbar machen.

Die Pflege nach der Wäsche

Je nachdem wie intensiv die Rucksackreinigung ausgefallen ist, hilft es die Reißverschlüsse mit Silikonspray zu schmieren und gängiger zu machen. Außerdem sollte der Rucksack von Zeit zu Zeit von außen imprägniert werden, damit Wassertropfen beziehungsweise Schmutzpartikel an der Oberfläche abperlen und man nicht immer gleich das Raincover überziehen muss. So saugt sich das Material auch nicht mit Wasser voll und der Rucksack wird nicht schwerer.

Außerdem hält der Rucksack länger und der Schmutz bleibt nicht am Rucksack hängen – was wiederum dazu führt, dass der Rucksack seltener gewaschen werden muss. Nachdem ja schon ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Waschmaschinen und Trockner tabu sind für die Reinigung von Rucksäcken, noch ein weiterer wichtiger Hinweis: bitte den Rucksack auch auf keinen Fall nach der Wäsche bügeln (ja, auch das soll es geben)! Das verträgt das Material überhaupt nicht.

Bei der Kontrolle der Reißverschlüsse und der Auffrischung der Imprägnierung sollte man den Rucksack außerdem auf kleine Beschädigungen an den Nähten und am Material untersuchen. Je früher man eine kleine Beschädigung an einer Naht erkennt, desto schneller und einfacher lässt sie sich beheben. Auf großer Tour ist es dann meist etwas schwieriger.

Pflege von Reißverschlüssen, Klettbändern und Co.

Alle Verschlüsse, Zurrgurte und Einstellmöglichkeiten sind bei einem Rucksack einer ständigen mechanischen Belastung ausgesetzt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man diesen Teilen zu gegebener Zeit eine kleine Frischzellenkur zukommen lässt.

Durch Verunreinigungen von außen sowie Materialabrieb kann es mit der Zeit dazu kommen, dass Reißverschlüsse nur noch schlecht laufen oder an manchen Stellen sogar klemmen. Diesem Problem kommt man jedoch vergleichsweise einfach mit handelsüblichem Silikonspray bei. Dieses kann einfach auf den Reißverschluss bzw. dessen Schlitten aufgetragen werden. Durch mehrfaches Öffnen und Schließen des Rucksacks verteilt es sich dann gleichmäßig und sorgt dafür, dass der Reißverschluss wieder leichtgängiger wird. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht zu viel aufgetragen wird. Auch empfiehlt es sich, nach einer kurzen Einwirkzeit den Reißverschluss mit einem sauberen Tuch abzuputzen und somit überschüssiges Material zu entfernen.

Auch in Klettverschlüssen sammeln sich mit der Zeit so allerhand Staub und Flusen an. Je schlimmer die Verschmutzung ist, desto schlechter hält letztlich der Verschluss. Doch auch hier kann einfach, schnell und effektiv Abhilfe geschaffen werden. Mit einer kleinen Bürste (Zahnbürsten haben sich sehr bewährt) können alle Partikel wieder aus dem Klett gekämmt werden.

Zurrgurte und Einstellvorrichtungen werden ebenfalls mit der Zeit schwergängig und können nach regem Gebrauch regelrecht festsitzen. Abhilfe liefert hier ein längeres Bad in lauwarmem Wasser. So können tief sitzende Verunreinigungen gelöst und die Bänder wieder geschmeidig gemacht werden.

Imprägnierung erneuern

Rucksäcke sind selten richtig wasserdicht, aus diesem Grund ist es ratsam bei schlechtem Wetter den Inhalt zusätzlich mit einer Regenhülle zu schützen. Trotz allem sind viele Rucksäcke zumindest leicht imprägniert, um ihn für Spritzwasser und Staub undurchlässig zu machen. Doch auch dieser Schutz nimmt durch äußere Einflüsse nach und nach ab. Mit einer handelsüblichen Sprühimprägnierung kann die Schutzschicht einfach wieder hergestellt werden. Jedoch sollte sie nur auf Bereiche aufgetragen werden, die außerhalb des Tragesystems liegen, da es sonst bei Personen mit empfindlicher Haut zu Irritationen kommen kann.

Lagerung des Rucksacks

Der erste Schritt zur Langlebigkeit ist die richtige Lagerung und Aufbewahrung des Rucksacks. Niemals sollte man den Rucksack unnötig quetschen oder knicken. Idealerweise lagert der Rucksack gänzlich entleert in einem dunklen und gut belüfteten Raum. Starke Temperaturschwankungen wie sie im Auto oder auf einem unisolierten Dachboden vorkommen, können dem Material schaden und eine vorzeitige Alterung hervorrufen. Wird ein Rucksack mit anderen Ausrüstungsgegenständen unvorsichtig in ein Regal oder Schrank gestapelt, kann es durch zu hohe Querbelastung zu einer unerwünschten Verformung des Tragesystems kommen.

Speed - schnell unterwegs am Berg

Speed – schnell unterwegs am Berg

7. Februar 2018
Die Bergfreunde

Die im Führer angegebene Gehzeit unterschreiten – um vieles. An einer langen Schlange von aufsteigenden Wanderern oder Skitourengehern im schnellen, aber gleichmäßigen Rhythmus vorbeiziehen. Stehend abfahren im Geröll mit langen Schlittschuhschritten, während sich daneben eine Gruppe langsam und vorsichtig über den steilen Schotterweg hinabmüht. Der beeindruckende Zeitunterschied vom ersten mühsamen Aufstieg ins Hochlager an einem hohen Berg bis zum raschen Aufstieg mit guter Akklimatisation dank häufiger Auf- und Abstiege mit Gepäcklast.  Im spielerischen Wettlauf gegen die Seilgefährten von einem Block zum anderen springen und die beste und schnellste Abstiegsroute finden durch die chaotisch ineinander verkeilten Granitblöcke …

Es gibt viele Arten des schnellen Unterwegsseins in den Bergen, bei denen man viel Spaß haben kann, ohne direkt an Bergläufen, Ultra Trails oder Skitouren-Rennen teilzunehmen.

Geschwindigkeit als Sicherheitsaspekt

Schnell in den Bergen unterwegs zu sein macht viel Spaß, vor allem, wenn man top trainiert ist und noch keine Knieprobleme kennt. Man fühlt sich stark, bei schnellem Klettern im Fels oder bei technisch schwierigen Abstiegen in Rekordzeit sieht man sich fast schon als Artist und freut sich über seine Leistungsfähigkeit. Darauf darf man stolz sein.

Vor allem wenn man sich zusätzlich die Aufgabe stellt, im steilen Geröll beim raschen Auf- oder Abstieg keinen einzigen Stein loszutreten. Schnelle Auf- und Abstiege stehen für gutes Training, viel Erfahrung und jenes wunderbare Gefühl von Leichtigkeit am Berg, das einen manchmal fast besoffen machen kann vor Glück. Der Fachbegriff dafür heißt Flow.

Dies umso mehr, weil wirklich jeder die schlechten und zähen Tage am Berg kennt, wenn man sich – mangels Training, mangels Akklimatisation, wegen einer nicht auskurierten Erkältung, wegen Stress im Beruf oder was auch immer – „auffi quälen“ muss. Wenn nichts vorangeht, wenn man erstmals an einer Route abschmiert, die man schon x-mal vorgestiegen ist oder wenn man auf einer Skitour heftig keuchend in den Stöcken hängt, obwohl man langsam aufgestiegen und noch nicht lange unterwegs ist. Oder wenn man bei einer ganz normalen Wanderung mit knallroter Birne hinterher hechelt. Dann, ja dann, hat man wirklich keinen guten Tag erwischt!

Hinzu kommt, dass Zeit ein wichtiger Sicherheitsfaktor in den Bergen ist. Die Gehzeit spielt eine wesentliche Rolle bei allen Aktivitäten am Berg. Zum einen bietet die Gehzeitangabe im Führer eine wichtige Information zur persönlichen Tourenplanung daheim. Zum anderen ist sie ein Indiz für die eigene Leistungsfähigkeit und darüber, was man sich zutrauen darf oder nicht.

Für die Tourenplanung ist allerdings immer die aktuelle oder durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Langsamsten der Gruppe ausschlaggebend – und nicht die eigene Bestleistung.
Das Einhalten der angegebenen Gehzeit und der eigenen Zeitplanung mit Puffer ist wichtig – vor allem im Hochgebirge. Nachmittags sind die Gletscher, Eiswände oder Mixed-Routen bei intensiver Sonneneinstrahlung wesentlich gefährlicher als frühmorgens, wenn Schnee und Eis noch beinhart gefroren sind.

Gewitter kommen wesentlich häufiger am Nachmittag vor, als am frühen Morgen. Und ein Abstieg im Dunkeln mit Stirnlampe macht weniger Spaß als bei Tageslicht. Wenn der nächtliche Abstieg dann trotz Stirnlampe zu schwierig oder schwer zu finden ist, dann muss man ungeplant biwakieren. Das kann trotz Biwaksack – je nach Witterungsverhältnissen und Exposition – ziemlich unangenehm werden.

Schnelligkeit am Berg ist also normalerweise ein Plus an Sicherheit. Sie kann aber auch lebensgefährlich werden, beispielsweise wenn man sich als Normalbergsteiger für die Akklimatisation an einem höheren Berg nicht genügend Zeit nimmt. Oder wenn das Tempomachen unterwegs auf Kosten der Trittsicherheit geht und derjenige abstürzt. Oder wenn im direkten Wettrennen zweier gestresster Bergsteiger der eine nicht mehr mithalten kann, stürzt oder kollabiert.

Speed-Bergsteigen

Schnelligkeit ist zudem ein leicht nachvollziehbarer Gradmesser, mit dem man die eigene Leistung besser verdeutlichen kann. Speed-Besteigungen von berühmten Bergen oder Wänden sind und waren daher schon immer in: Top-Athleten demonstrierten so auf berühmten Routen oder an hohen Bergen im Himalaya ihre sonst oft kaum mehr vermittelbare Überlegenheit gegenüber anderen Bergsteigern. Es sind die Superlative, die die Menschen interessieren. Ob Kilian Jornet am Everest, Kilimandscharo oder beim Ultra Trail du Mont Blanc, die Huber-Buam mit ihren herausragenden Speedbegehungen im Yosemite – immer geht und ging es um Rekordzeiten.

Die Eiger-Nordwand als Maßstab

Wenn einer wie der Schweizer Ueli Steck den Geschwindigkeitsrekord auf der klassischen Heckmair-Route in der Eiger Nordwand pulverisierte, dann verstand auch die breite Öffentlichkeit, was die modernen Profis heutzutage leisten können. Den Mythos der 1800 m langen Eiger Nordwand und die Geschichte(n) und Tragödien um ihre Erstbesteigung, kennen sehr viele Nichtbergsteiger.

Schwerer Riss, Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne, Ausstiegsrisse – das sind Begriffe, die auch Nichtbergsteigern vertraut sind, wenn sie sich für die Berge interessieren. Zwar müssten diese auch wissen, dass die Ausrüstung inzwischen viel leichter und wesentlich besser geworden ist als früher und es stark auf die Verhältnisse in der Wand ankommt. Dennoch ist der unfaire Vergleich viel beeindruckender, wenn man weiß, dass die Erstbegeher 1938 für die Route zwei Biwaks, (Anderl Heckmair, Ludwig Vörg), also drei lange Tage, und die andere Seilschaft drei Biwaks, also insgesamt vier Tage zur Routenfindung und Begehung der Route im vereisten V. Grad brauchten.

Das langsamere österreichische Team aus Fritz Kasparek und Heinrich Harrer hatte bereits einmal biwakiert, bevor sich alle vier zu einer Seilschaft zusammenschlossen. Wegen der vielen Quergänge beträgt die reale Kletterstrecke der Heckmair Route rund vier Kilometer im oft vereisten brüchigen Fels und den Eisfeldern.

Reinhold Messner und Peter Habeler zeigten bereits 1974 ihre Klasse und durchstiegen die lange berühmte Nordwand in knapp zehn Stunden. Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider schafften es 1983 jeweils allein in unter fünf Stunden und 2003 brauchte der Südtiroler Bergführer Christoph Hainz im Alleingang nur noch 4,5 Stunden. Und dann kam Ueli Steck: Bereits im Alter von 18 Jahren stieg Ueli Steck zum ersten Mal durch die Eiger Nordwand und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der besten und schnellsten Bergsteiger der Welt.

Ab 2007 jagten Ueli Steck und sein Freund, der Extrembergsteiger Dani Arnold, einander als Alleingeher jeweils den Durchsteigungsrekord ab. Für die beiden war die Heckmair-Route eher eine Joggingtour an ihrem Hausberg als eine heikle Kletterei wie Steck einmal in einem Interview sagte.

Ende 2015 rannte Ueli Steck, der am 30. April 2017 bei einer Akklimatisationstour am Lhotse tödlich verunglückte, in 2 Stunden 22 Minuten durch die Wand und holte sich seinen Rekord wieder zurück. Am Beispiel der Begehungszeiten der Heckmair Route versteht jeder, was damit verdeutlicht und erklärt werden soll. Die Route Young Spider in der Nordwand (1800 Hm bis zu 7a/A2 im Fels, WI 6 im Eis und M7 im Kombi-Gelände), die Ueli Steck an fünf eisigen Tagen in der Wand als zweite Begehung überhaupt und als Winter-Soloerstbegehung gelungen war, dürften nur extreme Alpinisten kennen oder Spezialisten, die sich zumindest vorstellen können was diese Schwierigkeitsbewertungen „in natura“ bedeuten. Die breite Öffentlichkeit kann mit solchen Beschreibungen der Schwierigkeitsgrade nichts anfangen.

Wer als normaler Kletterer oder Bergsteiger ohne das immense Trainingspensum und die Erfahrung eines Profibergsteigers „light and fast“ und womöglich als Solokletterer im Absturzgelände unterwegs sein will, der muss schon wissen, was er tut und sich darüber im Klaren sein, dass selbst Profis abrutschen können. Schnell unterwegs zu sein macht mächtig Spaß, kann aber auch zur Droge werden. Man muss selbst das richtige Maß finden und viel trainieren.

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