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Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

20. September 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte. Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Alpine Gefahren und wie man sie bestmöglich umgeht

13. September 2018
Tipps und Tricks

Letztens im Klettergarten ist doch diesem Typen der Bart in den Abseilachter geraten. Und wo war das nochmal mit dem in den Oberschenkel gehauenen Eispickel? Ich glaub in Chamonix, da ist ja auch letztens einer von seinen über die Schulter gelegten Seilschlingen erdrosselt worden. Und wie war das nochmal mit der Frau, die auf einem angeschmolzenen Schneefeld ertrunken ist? Denkt man genauer drüber nach, auf welche Arten man am Berg eigentlich zu Schaden kommen kann, ist man geneigt, kurzfristig die geplante Tour mit den Kollegen abzusagen. Doch das ist gar nicht nötig, immerhin muss man es mit der Vorsicht auch nicht total übertreiben :-)

Einerseits ist es wichtig, die hier im Artikel porträtierten Gefahren der Berge zu kennen, aber andererseits sollte man diese auch nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Als gesunden Mittelweg empfehlen wir, sich sorgfältig zu informieren, um möglichst alle realistischen Gefahrenquellen zu kennen (ohne sich davon verrückt zu machen). Mindestens genauso vergegenwärtigen sollte man sich die schönen Seiten der Berge und sich die Vorfreude auf kommende Touren nicht schmälern lassen.

Allerdings ist die Grenze zwischen diesem gesunden Optimismus und dem puren Leichtsinn fließend und nicht immer einfach zu erkennen. Die meisten Bergunfälle resultieren aus einer falschen Einschätzung dieser Grenze. Deshalb sollte man besonders als Einsteiger die Schwierigkeit und den Anspruch der geplanten Tour im Zweifel herunterschrauben – und während einer Tour besser umkehren, wenn Unsicherheiten und Verzögerungen (zum Beispiel Wetterentwicklung, Tempo der Gruppenteilnehmer, …) auftreten.

Gefahrenquellen

In den Bergen gibt es fast nichts, was nicht zur Gefahrenquelle werden kann. Der rutschige und lockere Untergrund, das falsche Schuhwerk, die hinterm Berg versteckt heraufziehenden Wolken oder die sich im Geröll verlierende Wegspur. Vor kurzem wurden sogar Kühe als alpine Gefahr entdeckt – es hatte eine Reihe kurioser Kuhattacken gegeben, die Zweifel an der unerschütterlichen Harmlosigkeit des Wiederkäuers weckten. Doch alles in allem dürfte sich das Risiko vom wahnsinnig gewordenen Alpenrind gehörnt zu werden in Grenzen halten. Schauen wir stattdessen auf die „klassischen“, regelmäßig auftretenden Gefahren der Berge.

Der Berg und seine Umwelt

Früher galt schon die bloße Nähe eines Bergs als gefährlich. Neben Lawinen und Eis waren dort Drachen und böse Geister zu fürchten. Obwohl die übernatürlichen Bedrohungen heute nicht mehr allzu bedeutend sind, haben die Berge noch immer einiges an Gefahr zu bieten.

Gelände

Hohe Wände, schmale Grate und Felsbänder, auf denen sich der Weg entlangschlängelt. Der Absturz aus eisigen Höhen dürfte spätestens seit dem Matterhorn-Erstbesteigungsdrama die sinnbildliche Berggefahr Nummer 1 sein. Und in der Tat, wo es hoch hinaus geht ergeben sich viele Möglichkeiten tief zu fallen. Dafür muss es gar nicht mal dramatisch steil zugehen, denn auf hart gefrorenem Gletschereis reicht schon ein geringes Gefälle aus, um im Falle eines Falles eine nicht mehr zu bremsende Fahrt aufzunehmen.

Gefahrenvermeidung: Die Tour passend zum Können planen und im Absturzgelände stets konzentriert bleiben. Wenn gesichert werden soll, müssen die entsprechenden Handgriffe und der Umgang mit dem Material wirklich „sitzen“. Ansonsten ist umkehren die bessere Alternative.

Steine

Verwitterung, Erosion und Permafrost bestimmen die Stabilität der Felsen und Berge. Überall dort wo der steinerne Zusammenhalt bröckelt lösen sich Steine, Blöcke oder manchmal ganze Felsstrukturen. In ersterem Fall spricht man von Steinschlag, bei letzterem von einem Felssturz. Ein Felssturz von großem Ausmaß wird Bergsturz genannt. In solchen Fällen nützt natürlich auch der Steinschlaghelm nichts mehr. Doch das Risiko, solch große Gesteinsmassen abzubekommen, ist eher gering.

In den meisten Alpenregionen gibt es ein geologisches Monitoring, durch welches viele Fels- und Bergstürze vorhergesagt und entsprechende Bereiche abgesperrt werden. Eine Garantie gegen solche Naturgewalten gibt es dennoch nicht.

Gefahrenvermeidung: Gegen Verletzungen durch kleine Geschosse und auch gegen schmerzhafte Kopfstöße beim Klettern hilft das Tragen eines Steinschlaghelms. Zusätzlich sollte man in steinschlaggefährdetem Gelände stets wachsam und reaktionsbereit sein. Wenn Steine geflogen kommen, begibt man sich so schnell und so nah wie möglich an den Hang bzw. die Felswand (möglichst unter einen Vorsprung, Gesicht zum Hang gewendet) und schützt den Kopf am besten mit dem Rucksack, notfalls mit den Armen.

Beim Klettern kommt das Risiko von Griff- und Trittausbruch sowie des Ausbruchs von (Zwischen)Sicherungen hinzu. Hier schützt man sich am besten, indem man den Fels durch abklopfen auf Festigkeit prüft. Ein sattes, leises Geräusch weist auf Festigkeit hin. Ein hallender, hohler und lauter Klang mahnt hingegen zur Vorsicht.

Eis

Auch Eis kommt gerne mal von oben angeflogen. Wanderer betrifft das kaum, Hochtourengeher im Gegensatz durchaus. Hochtourengeher passieren an den großen Bergen öfter Gletscherbüche, Eisbalkone oder gar Hängegletscher. Der Grad des Risikos hängt hauptsächlich von der Temperatur und der Stabilität der Eisformation ab. Grundsätzlich gilt: je fester das Eis gefroren ist, desto geringer ist die Gefahr, dass sich etwas löst.

Die Gefahrenvermeidung funktioniert mehr oder weniger gleich wie beiden fliegenden Steinen. Allerdings ist der Zeit- und Planungsfaktor hier noch wichtiger.  Eisschlaggefährdete Stellen sollte man möglichst früh am Tag hinter sich gebracht haben.

Schnee

Schneemassen als Gefahrenquelle betreffen vor allem Skitourengeher, Schneeschuhgeher, Freerider und andere Winter-Bergsportler. Hier gilt es sich mit dem Lawinenlagebericht auseinanderzusetzen und sich mit der Materie theoretisch und praktisch fit zu machen. Ein Anfang dafür kann beispielsweise der Basislager-Artikel zum Thema Skitourenplanung sein.

Abgeschiedenheit – Infrastruktur – Versorgung

Trotz dichter Erschließung der Alpen findet man sich beim Bergwandern und -steigen gelegentlich in Bereichen wieder, in denen der nächste Latte Macchiato weit weg ist. Um stets genügend Energie für alle Herausforderungen zu haben, gehört ausreichend Treibstoff in Form von Proviant in den Rucksack. Zudem kann oberhalb der Schneegrenze auch das Wasser sehr knapp werden.

Gefahrenvermeidung: Mit vorausschauender, zurückhaltender und wenn möglich flexibler Tourenplanung lassen sich die allermeisten Notlagen von vornherein vermeiden.

Höhensonne

Nicht nur die stärkere UV-Strahlung, sondern auch die Hitze gehört zu den sonnenbedingten Risikofaktoren im Gebirge. Die aggressive Strahlung wird in der Höhe aufgrund der geringeren Atmosphärendichte weniger reflektiert, absorbiert und kommt stattdessen direkt auf der menschlichen Haut an. Die Hitze wird in der alpinen Höhe aufgrund der trockenen Luft und der oft anstrengenden Bewegungen viel schneller als im Tal zur Belastung. Dazu kann das grelle und vom Schnee extrem stark reflektierte Sonnenlicht die Augen stark belasten und zu Kopfschmerzen oder gar Schneeblindheit führen.

Gefahrenvermeidung: Die ziemlich einfachen und effizienten Schutzmaßnahmen dürften allgemein bekannt sein: einen gut sitzenden Sonnenhut tragen, eine gute Sonnencreme benutzen und eine gute Sonnen- bzw. Gletscherbrille auf der Nase. Trinkt man dann noch regelmäßig, vor dem großen Durstgefühl, in kleinen Schlückchen ausreichend Wasser, sollte man mit der Höhensonne keine Probleme bekommen.

Luftdruck – Sauerstoffgehalt

Steigt der Mensch in die Höhe, machen sich diverse vorübergehende körperliche Veränderungen bemerkbar. Je nach Aufstiegshöhe und -geschwindigkeit sind diese Veränderungen mehr oder weniger intensiv und unangenehm. Ab etwa 2000m Höhe bemerken die meisten Menschen Unterschiede zum Befinden in Meereshöhe. Schnelle Müdigkeitserscheinungen, Kopfschmerzen und leichte Schwindelgefühle können sich einstellen.

Steigt man zu schnell zu hoch, kann auch die lebensbedrohliche Höhenkrankheit auftreten. Deren Symptome resultieren aus der geringeren Sauerstoffmenge, die der Körper jetzt noch aus der Luft ziehen kann. Der Sauerstoffanteil ist zwar in jeder Höhe der Gleiche, doch mit zunehmender Höhe und „dünnerer“ Luft gibt es weniger verfügbare Luftmoleküle und damit auch weniger Sauerstoffmoleküle.

Die Gefahrenvermeidung ist auch hier ganz einfach und besteht darin, dem Körper genügend Zeit zu geben. Er kann sich nämlich problemlos auf das verringerte Sauerstoffangebot einstellen, indem er vermehrt rote Blutkörperchen produziert. Dieser Prozess dauert je nach Höhe und Aufstiegsgeschwindigkeit einige Stunden bis Tage (oder auch Wochen, wenn es auf die richtig großen Berge der Welt geht). Während der Umstellung ist der Körper weniger belastbar und hat einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, sodass auf reichlich Wasser- und Mineralstoffzufuhr zu achten ist.

In den Alpen kann man die höchsten Gipfel nach ein bis zwei Akklimatisierungstouren auf kleinere Berge von 2500 – 3500m Höhe, nach einigen Tagen Aufenthalt in 2000m Höhe, oder mehr, ansteuern. Es gibt zwar auch den, an manchen Viertausendern durchaus funktionierenden, „Trick“ so schnell auf- und abzusteigen, dass der Körper die Höhenänderung „gar nicht mitbekommt“, doch das ist eine ziemlich belastende und auch nicht ganz ungefährliche Strategie. Man sollte hier besser nicht irgendwo hoch oben „steckenbleiben“ …

Wetter

Je höher es hinaus geht, desto stärker ist man dem Wind und den Wetterlementen ausgesetzt. Das liegt vor allem daran, dass der Wind mit zunehmender Höhe auf weniger Reibungswiderstand und Hindernisse durch den Erdboden und das Gelände trifft. Auch andere Wetterelemente wie  Niederschlag und Temperatur schlagen dort heftiger aus, da die Berge eine Barriere bilden an welcher sich die Wolken stauen, auftürmen und abregnen. Deshalb gehen in den Bergen Wetterumschwünge und Gewitter meist schneller und heftiger vonstatten als im Flachland.

Gefahrenvermeidung: Auch hier ist es kein großes Geheimnis wie man sich am besten schützt. Zunächst holt man sich möglichst genaue Wetterprognosen ein, um daran die (eher vorsichtige/defensive) Tourenplanung auszurichten. Während der Tour beobachtet man möglichst fortlaufend die Wetterentwicklung und gleicht sie mit der Prognose ab. Darüber hinaus hat man am Berg auch bei schönstem Sommerwetter immer eine Isolationsjacke bzw. ein wärmeisolierenden Pulli und eine Regenjacke/Hardshelljacke dabei.

Die komplexeste Gefahr: der Mensch

Achtung, jetzt wird’s philosophisch: der Mensch ist auch am Berg ein komplexes Wesen mit sehr vielen Verhaltensoptionen und Möglichkeiten, Fehler zu machen. Außerdem neigt der Mensch zur Unvernunft und handelt aus extremen inneren und äußeren Zuständen heraus: von hundemüde bis hellwach, von angenervt bis euphorisch, von resigniert bis inspiriert, von panisch bis tollkühn. All diese Zustände können die Gefährdung sowohl erhöhen als auch verringern – je nachdem ob sie zur rechtzeitigen Verkürzung oder zum Abbruch der Tour führen, oder zu riskanten Aktionen verleiten.

Eine tolle Fitness kann zum Beispiel das Risiko verringern, wenn man schneller und sicherer unterwegs ist. Gleichzeitig kann sie aber auch die Gefahr erhöhen, indem man sich durch sie zu viel vornimmt.

Körperliche Verfassung 

Wenn keine Möglichkeit zur Umkehr besteht oder man sich hoch oben an einem anspruchsvollen Berg befindet, wird die (vorschnelle) Ermüdung zum größten Risikofaktor. Das subjektive Müdigkeitsgefühl kann einen manchmal ganz schön täuschen, weshalb die äußeren Anzeichen wahrgenommen werden sollten. Langsamere Reaktionen, eine nachlassende Konzentration und Koordination sind verlässliche Marker für eine körperliche Ermüdung.

Je geringer die körperliche Fitness ist, desto schneller setzt die Ermüdung ein. Klingt trivial, ist aber in der Praxis gar nicht so leicht zu handhaben, denn man muss den eigenen Körper recht gut kennen, um das eigene Leistungsvermögen mit den Zahlen und Daten einer geplanten Bergtour abgleichen zu können. Gelingt dieser Abgleich, hat man eine realistische Selbsteinschätzung bewiesen und wird sich auf der Bergtour weder unter- noch überfordert fühlen.

Normalerweise benötigt man Erfahrung (inklusive einiger Touren-Fehlschläge), um zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu kommen. Die wachsende Erfahrung geht im Idealfall mit wachsender Fitness durch Training und wachsendem technischen Können (bessere Steig- und Klettertechnik, effizienterer Umgang mit dem Material, usw.) einher.

Das körperliche Leistungsvermögen wird von sehr vielen physischen und psychischen, äußeren und inneren Faktoren wie Orientierungsfähigkeit, Ausrüstung oder auch der Taktik beeinflusst. Je mehr man von diesen Faktoren kennt, bewusst einbezieht und durch Training positiv beeinflusst, desto geringer ist das Risiko einer geplanten Tour.

Noch komplexer wird es, wenn mehrere Menschen gemeinsam unterwegs sind. Dann gewinnt der psychologische Faktor an Bedeutung und die Gruppendynamik treibt ihre bunten Blüten.

Ausrüstung

Je anspruchsvoller die Bergtouren, desto mehr Gefahrenquellen gibt es und desto mehr wird die Ausrüstung zum Risikofaktor. Pickel, Steigeisen, Seil, Karabiner und Co. bieten unendliche Möglichkeiten sich durch Anwendungsfehler in Teufels Küche zu bringen. Welch absurde Pannen und Unfälle dabei möglich sind, klärt seit vielen Jahren die Buchreihe „Sicherheit und Risiko in Fels und Eis“ von Pit Schubert auf.

Gibt es subjektive und objektive Gefahren?

Das klassische Darstellungsschema der Gefahren am Berg trifft eine Unterscheidung zwischen subjektiven und objektiven Gefahren. Als subjektive Gefahren gelten jene, die „von innen kommen“, also aus dem Menschen heraus entstehen. Als objektive Gefahren gelten jene, die „von außen kommen“, also „vom Gebirge ausgehen“. Diese Unterscheidung suggeriert, dass nur ein Teil der Gefahren beeinflusst werden kann, während der Rest der objektiven Gefahren „nicht beeinflussbar“ und demnach als „Restrisiko“ hinzunehmen ist.

Mittlerweile gilt jedoch eher der Standpunkt, dass es keine objektiven Gefahren gibt, da sämtliche Gefahren überhaupt erst durch die subjektiven Entscheidungen entstehen. Auch die Gefahr von Steinschlag und Lawinen entsteht letztendlich erst durch die subjektive Entscheidung, die Bergtour anzutreten. Mit dieser Entscheidung begibt man sich immer bereitwillig ein Stück weit in Gefahr – so ähnlich wie man sich bereitwillig in eine gewisse Gefahr begibt; zum Beispiel wenn man in ein Auto steigt.

Fazit

Ja, es „lauern“ viele Gefahren im Gebirge, soweit die schlechte Nachricht. Doch die Gute folgt sogleich: die allermeisten dieser Gefahren lassen sich auf erfreulich einfache Weise eliminieren bzw. minimieren. Mit einer den Voraussetzungen der Tourenteilnehmer und der erwartenden Wetterlage angepassten Tourenplanung hat man hier schon mehr als die halbe Miete! Und  je mehr Touren du vorsichtig angehst, desto mehr Erfahrung gewinnst du – und Erfahrung ist eine der wertvollsten Ressourcen am Berg überhaupt. Aus ihr kann ein Gefühl für den Berg („Mountain Sense“) entstehen, „eine Art sechster Sinn, der als Radar arbeitet um alpine Gefahren zu erkennen. Du entwickelst dieses Gefühl durch viel Erfahrung und die Art und Weise wie du deine Erfahrungen reflektierst.“ In diesem Sinne passt auf euch auf und habt eine tolle Bergerfahrung!

Die Wahl der Zeltfarbe – mehr als eine Geschmacksfrage

11. September 2018
Tipps und Tricks

„Nein, wir nehmen auf unsere Tour nicht den aufgeblasenen Goldfisch mit, den sieht man ja auf hundert Kilometer!“ So oder so ähnlich enden bei uns zu Hause oft Diskussionen zur Auswahl des geeigneten Zelts bzw. der optimalen Zeltfarbe. Grün, rot, weiß, blau, gelb, schwarz und alle anderen Farben auch, bei Zelten gibt es fast nichts, das es nicht gibt. Unterschiedliche Farben haben dabei nicht selten auch unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen, die mal mehr oder weniger wichtig sein können.

Warum die Zeltfarbe aber so wichtig ist, um darüber lange Diskussionen zu führen, was außer „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ noch dahinter steckt und warum wir den fetten Goldfisch (ein knallorangenes Zwei-Mann-Zelt) trotzdem lieb haben, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Atmosphäre

Wer kennt das nicht, ein Zimmer kann noch so gemütlich eingerichtet sein, hängt man aber eine kaltweiße Neonröhre an die Decke ist das ganze Ambiente futsch. Ähnlich verhält es sich mit einem Zelt. Zeltplanen sind in der Regel nicht lichtdicht und lassen daher Restlicht durch. Wie stark die Lichtintensität jedoch ist, hängt mitunter von der Farbe des Zelts ab. Auch die Lichtfarbe im Inneren des Zelts steht in Abhängigkeit zur Farbe der Außenhaut. Daher macht es durchaus Sinn einmal darüber nachzudenken, welche Ansprüche man an das natürliche Licht innerhalb eines Zelts hat.

Es gibt Menschen, die können nur dann schlafen, wenn es absolut dunkel ist. Heller Mondschein, Straßenlaternen oder auch nur die frühmorgendliche Dämmerung stellen somit ein definiertes Feindbild dar. Diesem Problem kann man mit der gezielten Wahl der Zeltfarbe problemlos entgegenwirken. Wenn ihr euch also auch schon bei Aussprüchen wie: „Schatz ich kann nicht schlafen, der große Wagen leuchtet heute wieder so hell!“, ertappt habt, solltet ihr darauf achten ein Zelt zu wählen, das möglichst wenig Licht nach innen durchlässt. Dunkle Farben wie schwarz, dunkelgrün, blau und grau sind hierzu bestens geeignet.

Ist es im Zelt schön dunkel kann man vielleicht besser und länger schlafen. Jedoch kann dieser Segen auch schnell zum Fluch werden, wenn man sich tagsüber im Zelt aufhalten möchte bzw. muss. Da ist es dann nämlich auch vergleichsweise finster.

Regentage können so zu einer echten Zerreißprobe werden, denn gerade an trüben Tagen sieht die Welt in dunklen Zelten noch trüber aus, als sie es eigentlich ist. In farbenfroheren und vor allem helleren Zelten gestaltet sich das schon ganz anders. Selbst wenn draußen beinahe die Welt untergeht, ist es meist noch ausreichend hell um Karten zu spielen oder ein Buch zu lesen. Auch wirken sich ein strahlendes Gelb, Hellgrün oder Orange positiv aufs Gemüt aus und helfen dabei den Lagerkoller ein wenig hinauszuzögern.

Lichtabsorbtion

Jeder der schon einmal im Hochsommer in einem schwarzen Auto gesessen hat kann mitreden. Alles was dunkel ist heizt sich im Sonnenlicht stark auf. Davon sind selbstverständlich auch Zelte nicht ausgenommen. Vor etwa zehn Jahren verbrachte ich meinen Sommerurlaub in Griechenland; mit dabei war auch mein dunkelgrünes Zelt, damals das Einzige, das ich besaß. Dieses Zelt hatte die Eigenschaft sich in der Sonne dermaßen aufzuheizen, dass ich oft bereits in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf gerissen wurde.

Selbst an Tagen, die eigentlich zum Entspannen und Erholen vorgesehen waren, wurde ich einige Male zum unfreiwilligen Frühaufsteher.

Klar kann man auch versuchen sein Zelt in den Schatten zu stellen, allerdings ist das je nach Zeltplatz schwierig bis hin zu unmöglich. Auch kann der Verlauf der Sonne dazu führen, dass man nur zu einer bestimmten Tageszeit Schatten hat. In Solchen Fällen ist es also definitiv von Vorteil wenn das Zelt eine Farbe aufweist, die das Licht schlechter absorbieren und sich somit auch weniger stark aufheizen kann. Hierzu sind helle Farben wie Weiß, Gelb oder Hellgrau bestens geeignet.

Wer jedoch gerne im Winter oder in kalten Regionen zeltet, wird sich vielleicht über ein sich stärker aufheizendes Zelt freuen und sollte somit eher ein Zelt mit dunkler Plane wählen. Wenn man es dann noch schafft, das Zelt so zu platzieren, dass es schon in dem Morgenstunden Sonne abbekommt, steigt die Temperatur bis zum Aufstehen nicht selten auf ein halbwegs angenehmes Maß. Das Verlassen des warmen Schlafsacks sollte daraufhin nicht mehr all zu schwer fallen.

Sichtbarkeit

Betrachtet man einen Zeltplatz von oben, sieht der komplett chaotisch und kunterbunt aus. Klar, Zelte gibt es ja auch in allen erdenklichen Farben. Das ist zum einen sehr praktisch um dem persönlichen Geschmack gerecht zu werden, andererseits kann es aber auch helfen das eigene Zelt schneller zu finden. Stellen wir uns doch einfach einmal einen Zeltplatz in der Ferienzeit vor. Dort reihen sich die Zelte nicht selten dicht an dicht. Hätten jetzt alle Zelte die exakt gleiche Farbe, würde das Unterscheiden bzw. Auffinden des eigenen Zelts deutlich schwieriger werden. Auch der Satz: „Kannst du mir bitte meinen Pullover mitbringen, der liegt in dem roten Zelt da drüben.“, würde deutlich an Bedeutung verlieren.

Doch während unterschiedliche Zeltfarben auf dem Zeltplatz zunächst nur der Unterscheidung dienen, spielen sie in der freien Natur eine wesentlich bedeutendere Rolle. Hier stellt sich gleich zu Anfang eine bedeutende Glaubensfrage: „Will ich gesehen werden oder nicht?“. Diese Entscheidung zu treffen ist nicht nur wichtig, sondern auch gar nicht so einfach, wie es zunächst erscheint. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle mal zwei Denkansätze aufführen:

  • Minimal Impact und Homogenität mit der Landschaft

Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber genau die Kernaussage dieses Arguments. „Was man nicht sieht, ist auch nicht da.“ Ein Zelt, das sich also mehr oder weniger perfekt in die Landschaft einpasst wird zunächst einmal nicht gesehen. Dies kann beispielsweise beim Wildcampen (ich weiß, keiner von uns würde das jemals verbotenerweise tun…) von Vorteil sein. Andere Personen sehen zumindest auf den ersten Blick nicht, dass da irgendwo ein Zelt in der Landschaft steht und fühlen sich somit auch nicht belästigt. Außerdem „verfilmen“ sich grüne, braune oder beige Zelte ganz gut mit der Umgebung und stören somit auch keine Fotomotive oder Panoramasichten.

  • Gut gefunden werden und „instagrammability“

Klar doch, wer beispielsweise sein Camp inmitten atemberaubender Natur fotografisch festhalten möchte, freut sich darüber, dass das Zelt besonders heraussticht. Sieht ja irgendwie auch cool aus… Eine gute Sichtbarkeit des Zelts kann aber noch wesentlich wichtigere Vorteile haben: Man kann es auch noch aus der Ferne sehen. Dies ist gerade bei Notfällen wichtig. Wer also beispielsweise auf fremde Hilfe angewiesen ist und einen Notruf absetzen muss wird voraussichtlich schneller gefunden werden, wenn er in einem krachbunten Zelt ausharrt. Aber auch in weniger dramatischen Situationen kann sich eine Signalfarbe beim Zelt bezahlt machen. Durch ein strahlendes Gelb, Orange oder Rot bleiben Zelte auch noch in dichtem Nebel halbwegs gut sichtbar und können so beispielsweise auf der Rückkehr von einer Tagestour schneller gefunden werden.

Insekten

Zum Thema wie sich die Zeltfarbe auf Insekte auswirkt gehen die Meinungen teilweise weit auseinander. Die einen raten von gelben Zelten ab, weil diese mehrheitlich Käfer anziehen sollen. Die anderen sehen das Problem eher bei der Farbe Orange. Und wieder andere behaupten, dass die Zeltfarbe kaum etwas mit der Anlockung von Insekten zu tun hat.

Auch kann es stark von der jeweiligen Gegend und den jeweiligen Insekten abhängen, welche Farbe eventuell bevorzugt wird. Somit ist es wahrscheinlich sinnvoller darauf zu achten, dass das Zelt über ausreichend engmaschige Insektennetze verfügt, sodass es hier für Krabbeltiere aller Art (egal wovon sie angezogen werden) kein Durchkommen gibt.

Welche ist nun die richtige Zeltfarbe?

Das ist so einfach nicht zu sagen. Wer sein Zelt überwiegend auf Zeltplätzen aufstellt und das auch noch in Regionen mit einem angenehmen Klima und ggf. unter einen Baum, der kann die Zeltfarbe einfach nach Lust und Laune wählen. Wer aber in der freien Wildbahn campen möchte, für den werden die oben genannten Punkte schon wesentlich wichtiger. Hierzu noch zwei Fallbeispiele:

Zelte ich auf einem Gletscher oder in hochalpinem Gebiet, ist es mir wichtig, dass ich im Fall eines Wetterumbruchs schnell wieder zu meinem Zelt zurückfinde. Gerade bei Nebel ist hier mit einem grauen oder weißen Zelt schnell der Ofen aus. Somit tendiere ich hier dazu das bereits erwähnte knallorangene Zelt mitzunehmen. Ein schnelles Auffinden des Zelts ist mir dabei wesentlich wichtiger, als dass es sich besonders gut in die Landschaft einpasst. Außerdem müsste ein Zelt, das auf Gletschern etc. optisch mit der Landschaft verschmilzt weiß oder hellgrau sein und das besitze ich ohnehin nicht. (Wird mir zu schnell schmutzig.)

Bin ich irgendwo im bewaldeten Gebiet unterwegs und komme vielleicht auch mal in die Verlegenheit, halblegal mein Lager aufzuschlagen oder will schlichtweg nicht gesehen werden, damit keiner dumme Fragen stellt, nehme ich hier in der Regel ein grünes Zelt mit. Für mich hat sich dabei hellgrün als perfekt herausgestellt. Diese Farbe passt sich meist gut in die Landschaft ein, bietet aber auch im Inneren des Zelts ein großartiges Licht. Ein Tipp noch für alle, die eher auf Tarnung setzen: Oft werden die Abspannleinen mit reflektierenden Fäden versehen. Wer also auch nachts nicht auffallen möchte, sollte diese tauschen.

Nun zu euch: Worauf kommt es euch bei der Zeltfarbe an? Nach welchen Kriterien wählt ihr aus? Schreibt uns doch mal einen Kommentar!

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

6. September 2018
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore-Tex Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach noch mit rein gedrückt. Aus Gore-Tex Windstopper wird Gore-Tex Infinium Windstopper.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von Gore-Tex-Infinium angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

Caro North in Juneau, South East Alaska

28. August 2018
Bergfreunde Pro-Team

Rund um mich herum ist nur weiß – so weit das Auge reicht. Nichts als weiß. Wir befinden uns in einer riesigen, weiten Gletscherlandschaft im Südosten Alaskas. Es ist einsam hier, denn über viele Kilometer sind wir die einzigen Lebewesen in dieser Eiswüste. Wir, das sind ich, Caro, und meine Freundin Brette Harrington. Was wir hier machen? Klettern natürlich…

Wie alles begann

Etwas skurril ist es schon. Eigentlich war ich zu einem Rocktrip nach Nordamerika aufgebrochen um zwei Monate lang hohe Felswände und cleane Risse zu klettern. Mal keine Handschuhe und dicke Daunenjacken tragen, wie ich es schon die letzten 6 Monate in Patagonien getan hatte. Aber wie es eben immer so läuft: am Ende kommt doch alles anders.

Meine Freundin Brette Harrington hatte mich gefragt, ob ich sie auf das Eisfeld nach Juneau, South East Alaska begleite. Für mich klang es spannend und ich war sofort motiviert. Fortan hieß es also für mich Gletscher-, Eis- und Skimaterial zu besorgen. Zum Glück unterstützte mich Mammut USA, sowie einige von Brettes Freunden dabei, mich mit allerlei an Ausstattung zu versorgen.

Neben der Planung bin ich noch schnell eine Tour am Chief in Squamish geklettert (Freeway 5.11, onsight) und ehe ich mich versah, ging auch schon unser Flieger von Vancouver nach Juneau.

In Juneau, South East Alaska

Spätabends kamen wir in Juneau an. Doch wir verloren nicht viel Zeit, da das Wetter gut war. Deshalb ging es für uns auch schon am nächsten Mittag mit dem Helikopter raus auf das Eisfeld, das sich nicht weit von der kleinen Hafenstadt erstreckt.

Der Helikopter setzte uns in einer weiten Landschaft aus riesigen Gletschern ab. Überall um uns herum ragten die Gipfel aus Fels, Schnee und Eis hervor.

Nachdem wir unser Basislager auf einem flachen Stück Gletscher etablierten, erkundeten wir auch schon die nahen Wände. Allerdings zog sich auf dem Rückweg das Wetter zusammen, dass wir fast unsere Zelt wiederfinden konnten. Wir bekamen damit also schon einmal einen ersten Vorgeschmack davon, wie schnell sich das Wetter hier verändern konnte. Ohne Sicht hatten wir kaum Anhaltspunkte zur Orientierung und es fiel schwer uns überhaupt vorwärts zu bewegen.

Die Gipfel rufen

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker schon früh. Aber mit einem Blick aus dem Zelt erkannten wir sofort, dass unser Aufbruch erstmal nach hinten verschoben werden musste – wir befanden uns nämlich komplett im Whiteout. So gingen wir also erst um 10 Uhr mittags los in Richtung Dukes. Dukes war unser Ziel, da wir dort auf der Westseite eine interessante Mixedline gesehen hatten.

Allerdings merkten wir schnell, dass der Eisschlauch, den wir anvisiert hatten, leider nur noch aus schlechtem Eis und warmen Schnee bestand. So begannen wir zu queren und durch die Wand zu klettern. Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf kamen über den Eisschlauch ziemliche Massen an Schnee herunter.

Wir kletterten anspruchsvolle Längen durch Fels und Schnee. Wir versuchten immer achtsam zu sein, verwendeten auch mal Moos zum hooken unserer Pickel, um keine lockeren Steine loszutreten.

Weiter oben angekommen, gelangten wir in ein Schneecouloir. Wir mussten dies also schnell erklimmen, um nur möglichst kurz unter der Gifelwächte exponiert zu sein. Danach folgten noch zwei Seillängen im Fels. Brette stieg sie mit ihren Kletterschuhen vor, während ich mit den Bergschuhen hinterher kam. Am Abend zuvor hatte ich bei Schere-Stein-Papier verloren, weshalb wir nur ihre Kletterschuhe dabei hatten. Zwei Paar Kleeterschuhe wären zu viel Gewicht gewesen.

Zwölf Stunden später standen wir dann endlich auf dem Gipfel. Es war immer noch hell und das Sonnenlicht beleuchtete die Mendenhall Towers in der Ferne. Dort waren Marc-André Leclerc und Ryan Johnson vor einigen Monaten im Abstieg ums Leben gekommen. Marc-André war Brettes Freund und auch ein guter Kumpel von mir. Unsere Erstbegehungen widmen wir diesen beiden inspirierenden Menschen, die leider viel zu früh von uns gehen mussten.

Nach kurzem inne halten machten wir uns an den Abstieg. Hier in Alaska wird es fast nicht dunkel, weshalb wir unsere Stirnlampe nur für eine gute Stunde auspacken mussten. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt, aber es ist wirklich der Wahnsinn!

Das nächste Abenteuer wartet

Als nächste Tour wählten wir die Nordostseite des südlichen Dukes (sie ist 10b, M5+, 85°, 500m). Am nächsten Tag befuhren wir einige Gipfel mit Ski, bevor wir dann, wegen schlechtem Wetter, einen Ruhetag im Zelt einlegten. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Devils Paw, wo wir das Süd-Ost Couloir mit Ski befahren wollten. Doch die Distanzen hier sind enorm und so bedeutete die Route für uns, dass wir über 20 Meilen hin- und das ganze wieder zurück laufen mussten.

2 Tage lang liefen wir auf flachen Gletschern, erklimmten dann in anstrengender Spurarbeit das Couloir, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Bedingungen zum befahren dort nicht gerade gut sind. Aber Schnee oder Lawinenlageberichte gibt es dort nicht und so mussten wir es ausprobieren, um die Bedingungen kennenzulernen.

Wir konnten ein paar Kurven fahren, mussten dann aber das 40-45° steile Couloir mit Pickel in der Hand abrutschen, da es so hart gefroren war. Aber immerhin konnten wir die Skier komplett anlassen und wir waren uns einig, dass es trotzdem ein gutes Abenteuer war.

Danach mussten wir erneut zwei Tage bis zu unserem Basislager zurücklaufen. Die Füße schmerzten und auch unsere Rücken, Schultern und Hütten hatten unter dem Gewicht der Rucksäcke zu leiden. Und auch das Wetter wechselte schnell zwischen Sonne, Schneefall und Hagel. Dementsprechend waren wir froh, als wir endlich wieder bei unseren Zelten ankamen.

Vom Eis in die Sonne

Da wir wohl nochmal ein gutes Wetterfest erwarten durften, entschieden wir uns noch eine Woche länger auf dem Eisfeld zu bleiben. Doch trotz der erwartungsvoll positiven Prognosen, saßen wir wegen eines Schneesturm, erst einmal drei Tage in unserem Zelt fest. Unsere Hoffnung noch etwas zu klettern, schwand damit jeden Tag mehr.

Doch dann klärte sich das Wetter tatsächlich auf und wir konnten an den Takku Towers noch eine Felslinie erstbegehen. Durch seine verrückten Formationen ist dieser Fels zum Klettern wirklich genial. Teilweise ist er auch so kompakt, dass es er ziemlich runout und ausgesetzt ist. Wir waren auf jeden Fall überglücklich, auch weil wir nach so langem Warten im T-Shirt klettern konnten.

Unseren letzten Abend auf dem Eisfeld verbrachten wir in wundervollem Lichtspiel, an dem sich auch die Mendenhall Towers beteiligten. In Gedanken verabschiedeten wir uns von Marc-André und Ryan, die noch immer am Fuße der Mendenhalls liegen und auch der Grund für unsere Expedition waren.

Am nächstem Tag ging unser Flieger wieder zurück in die Zivilisation. Ein starker Kontrast nach 13 Tagen Einsamkeit.

Microadventures – das Abenteuer vor der Haustüre

23. August 2018
Tipps und Tricks

Wer kennt das nicht, die Woche war stressig, auf der Arbeit hat es nicht so geklappt wie es sollte, dazu kamen noch ein Dutzend Privattermine und überhaupt reicht es gerade einfach allgemein. Doch nun ist ja zum Glück Wochenende und man kann den ganzen Stress hinter sich lassen, einfach mal was machen, was Cooles, was Spontanes, was in der Nähe ist und auch nicht viel kostet. Ja aber was denn eigentlich genau?

Die Antwort auf diese Frage lautet „Microadventures“.

Microadventures, was ist das denn?

Geprägt wurde der Begriff der Microadventures durch den britischen Abenteurer und Blogger Alastair Humphreys. Es geht hierbei im Wesentlichen darum, vergleichsweise kurze, günstige und einfach zu realisierende Aktivitäten zu finden. Also Kurzabenteuer vor der eigenen Haustüre. Hierbei sind der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt. Ob ihr dabei zu Fuß, mit dem Rad oder vielleicht sogar mit dem Boot unterwegs seid, spielt keine Rolle. Wichtig ist lediglich, dass Ihr Spaß dabei habt und die Hektik des Alltags hinter euch lasst. Wie das genau aussehen kann und worauf ihr dabei achten solltet, erfahrt ihr im Folgenden.

Biwakieren und Sternegucken

Gerade in warmen Sommernächten ist ein Biwak im Freien eine gute Möglichkeit für eine Auszeit. Wenn man sich dann auch noch eine passende Location aussucht und das Biwakieren mit einem Picknick verbindet, wird die Unternehmung perfekt. Laut der Schätzung von Experten gibt es in Deutschland weit über 25.000 Burgen (die genaue Zahl ist derzeit noch nicht bekannt). Davon sind viele Ruinen, die irgendwo im Wald stehen und von touristischer Seite nur wenig Beachtung finden. Genau solche Burgen eignen sich jedoch optimal für unser Microadventure. Hier ist man in der Regel ungestört und läuft nicht Gefahr, jemand anderen zu belästigen. Außerdem sind alte Burgen ein großartiger Ort für eine Nacht im Freien.

Allerdings solltet ihr darauf achten, ob für die jeweilige Ruine besondere Ge- und Verbote gelten. Hier kann auch ein Blick in eine gute Wanderkarte nicht schaden. Führt ein beliebter Wanderweg direkt an der Burg vorbei, muss man damit rechnen, dass schon in den frühen Morgenstunden der eine oder andere Wandersmann vorbeischaut. Außerdem sollte man es tunlichst vermeiden, ein Zelt oder zu großes Lager aufzuschlagen, da Wildcampen in Deutschland nicht erlaubt ist.

Habt ihr die perfekte Burg gefunden und alle wichtigen Dinge im Gepäck, heißt es nichts wie raus! Wer außerdem Lust auf Sterne und Sternschnuppen gucken hat kann diesbezüglich auf Prognosen zurückgreifen, die voraussagen was, wann und wo zu sehen sein wird.

Tipp: Ist gerade keine Burg zur Verfügung eignen sich auch idyllisch gelegene Aussichtspunkte oder Schutzhütten. Letztere sind gerade auch mit kleineren Kindern eine gute Anlaufstelle.

Feuer machen

Feuer zu machen ist seit jeher eine Faszination und eigentlich mit Streichhölzern, Feuerzeug und Co. auch keine große Sache. Genau darin liegt jedoch bei unserem Microadventure Vorschlag Nummero 2 der Knackpunkt: Das Feuer soll ohne die üblichen Hilfsmittel entstehen. Der beste Ort hierfür ist ein offizieller Grillplatz. Am besten einer, den man nur mit einer Wanderung erreichen kann, denn hier ist man nicht selten ungestört. Außerdem seid ihr ja an einem Grillplatz und könnt nach getaner Arbeit den Tag bei ein paar Würstchen, Kartoffeln etc. gemütlich ausklingen lassen. Für mich war als Kind immer auch Stockbrot ein absolutes Highlight. Wie ihr das auch unterwegs selber machen könnt und wo dabei die Raffinessen liegen, wir im Blogbeitrag „Bannock-Brot – der Klassiker in der Outdoorküche“.

Nun aber zum Thema Feuer machen. Hier könnt Ihr euch langsam herantasten. Mit einem Feuerstahl geht das sicherlich ganz gut, wenn ihr es aber wirklich auf Steinzeitart (also Feuer bohren oder sägen) versucht, seid ihr sicherlich eine Weile beschäftigt.

Achtung: Gerade in heißen und trockenen Sommern herrscht eine erhöhte Brandgefahr. An solchen Tagen ist das Feuermachen auch an Grillplätzen absolut tabu. Für Deutschland gibt es hierzu zwei wichtige Indizes, den Waldbrand-Gefahrindex und den Grasland-Feuerindex. Beide Indizes sind in fünf Warnstufen unterteilt:

  • Warnstufe 1 sehr geringe Gefahr: Das Benutzen einer geeigneten Grillstelle ist mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen kein Problem.
  • Warnstufe 2 geringe Gefahr: Auch bei dieser Stufe ist das Feuermachen an einer geeigneten Grillstelle noch erlaubt, es ist jedoch erhöhte Achtsamkeit geboten.
  • Warnstufe 3 mittlere Gefahr: Ab dieser Warnstufe werden erste besonders gefährdete Grillstellen geschlossen. Wer bei dieser Gefährdungslage ein Feuer entfachen will, muss sich gut informieren ob bzw. wo dies möglich ist.
  • Warnstufe 4 hohe Gefahr: Der aktive Schutz des Waldes /der Grasflächen beginnt. Öffentliche Straßen und Wege sollten nicht verlassen werden. Besonders gefährdete Gebiete können außerdem von den Behörden gesperrt werden. Feuer ist absolut tabu.
  • Warnstufe 5 sehr hohe Gefahr: Maximaler Schutz von Wald und Grasflächen. Wälder werden zeitweilig gesperrt, betreten und befahren ist strengstens untersagt. An ein Lagerfeuer sollte nicht einmal gedacht werden.

Sammler werden

Gerade im Sommer und im Herbst bietet die Natur so einiges. Zahlreiche Früchte sind nun reif und warten auf die Ernte und je nach Wetterlage sprießen auch die Pilze (naja förmlich wie Pilze) aus dem Boden. Was bietet sich da besser an, als auf große Sammeltour zu gehen und daraus dann ein leckeres Essen zu zaubern. Wer sich ein wenig auskennt, kommt so schnell mit allerlei Leckerem wieder nach Hause.

Pilze

Ob Frühjahr, Sommer oder Herbst, essbare Pilze gibt es je nach Region eigentlich immer. Während die Speisemorchel beispielsweise vergleichsweise früh, in den Monaten April bis Juni zu finden ist, gibt es Steinpilze nicht selten bis Ende Oktober. Das Problem bei vielen Pilzsorten ist jedoch, dass sie nicht gerade leicht zu erkennen sind und dass es zu nahezu jedem essbaren Pilz einen giftigen Kollegen gibt. Wer sich hier also nicht auskennt, läuft Gefahr etwas Falsches zu erwischen. Fachliteratur, wie der Naturführer Pilze vom Kompass-Verlag, können bei der Bestimmung helfen. Außerdem gibt es zahlreiche Pilzvereine, die Seminare zu diesem Thema anbieten.

Nüsse

Ende September ist es so weit: die Hasel- und Walnüsse sind reif. Hier kann nach Herzenslust gesammelt werden. Reife Nüsse werden vom Baum bzw. Strauch abgeworfen und können bequem aufgesammelt werden. Vorsicht ist jedoch mit den grünen Schalen der unreifen Walnuss geboten. Schneidet man die Schalen auf, sondern sie eine Flüssigkeit ab, die hartnäckige braune Flecke auf der Kleidung hinterlassen kann.

Kastanien

Edelkastanien oder auch Esskastanien sind wie der Name schon sagt essbar und können wunderbar als Beilage zu deftigen Gerichten gereicht werden. Außerdem kann man sie als Maroni auch problemlos im Backofen rösten und zwischendurch als Snack verzehren.

Beeren

Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Walderdbeeren lassen sich problemlos in den heimischen Wäldern pflücken. Heidelbeeren und Himbeeren kann man bereits ab Juni finden, Brombeeren kommen im August dazu. Ob als Dessert, Marmelade oder einfach als Frucht, Beeren sind eine super Ergänzung zum Speiseplan.

Kräuter und Grünzeug

Von Giersch bis Bärlauch unsere Wälder geben mehr her, als wir gemeinhin für möglich halten. Aus Bärlauch lässt sich so beispielsweise ein sehr aromatisches Pesto machen, Giersch eignet sich ideal als Ergänzung zu herkömmlichen Salatkräutern und aus Brennnesseln lässt sich mit dem nötigen Know-how problemlos eine leckere Suppe zaubern.

Die Heimatstadt umrunden

Hier mal ein Microadventure, das sich eher an die urbanen Bevölkerungsgruppen unter uns richtet. Denn bei diesem Microadventure geht es darum, einmal die Stadt in der man lebt mit dem Fahrrad zu umrunden.

Alle, die eine Kleinstadt ihre Heimat nennen, werden damit vergleichsweise schnell fertigt sein (ihr könnt es ja vielleicht mit dem Landkreis ausprobieren). Versucht man aber Städte wie beispielsweise Berlin zu umrunden, sollte man ein bisschen mehr Zeit einplanen. Auf rund 250 Kilometern führt hier ein beschilderter Radweg vorbei an geschichtsträchtigen Orten und durch beeindruckende Landstriche. Aber auch andere Städte lassen sich problemlos umrunden.

Wo es keinen ausgeschilderten Radweg gibt, braucht es allerdings eine gute Vorplanung für die Tour. Am besten bastelt ihr euch einen GPS-Track, sodass ihr diesem während der Tour folgen könnt. Legt dabei die Streckenführung so fest, dass ihr immer mal wieder an einem Bahnhof oder einer Haltestelle vorbeikommt. So habt ihr im Fall einer Panne, schlechtem Wetter oder konditionellen Problemen die Möglichkeit eure Tour problemlos abzubrechen.

Einen Gewaltmarsch machen

„Soweit die Füße tragen“, ist das Motto dieses Microadventures. Das Prinzip eines Gewaltmarsches ist eigentlich leicht erklärt: an einem Tag so weit Laufen, bis nichts mehr geht.

Nehmt euch hierzu eine vergleichsweise lange Wanderstrecke vor. 70 bis 100 Kilometer dürfen es schon sein. Wie viele Höhenmeter ihr dabei machen wollt, bleibt euch überlassen, jedoch sollte euch klar sein, dass sich weite Strecken und viele Höhenmeter nicht unbedingt gut vertragen. Wenn möglich legt eure Tour so an, dass ihr immer wieder die Chance zum problemlosen Abbruch der Tour habt, denn nur so könnt ihr in Sachen zurückgelegte Kilometer ans Limit gehen. Auch eignen sich Rundwanderwege, die oft eigentlich für mehrere Tage ausgelegt sind, perfekt für eine solche Unternehmung.

Sorgt dafür, dass ihr mit leichtem Gepäck unterwegs seid. Der große Trekkingrucksack kann hier getrost zu Hause bleiben. Ein kleiner Tagesrucksack mit Regenjacke, Getränk und Verpflegung reicht hier völlig aus.

Tipp: Es gib Tage, an denen wandert es sich besser, als an anderen. Wer beispielsweise am 1. Mai oder am Vatertag unterwegs ist, der kann seine Tour so planen, dass er an zahlreichen Festen und Veranstaltungen vorbeikommt. Da dort eigentlich immer für das leibliche Wohl gesorgt ist, kann man so problemlos auf die Brotzeit im Rucksack verzichten und spart damit nochmals an Gewicht. Gleichzeitig sind an solchen Tagen mehr Wanderer unterwegs und man trifft immer wieder auf Gleichgesinnte.

Höhenmeter-Challenge mit dem Rad

Bei der Höhenmeter-Challenge oder auch dem Everesting geht es darum an einem Tag eine vorgesehene Anzahl an Höhenmetern mit dem Rad zu fahren. Gleichzeitig ist damit ein spielerischer Ansatz verbunden, der für die nötige Motivation sorgt.

Als erstes solltet ihr euch überlegen, welches virtuelle Ziel ihr erklimmen wollt. Berge wie die Zugspitze (2962 m), den Säntis (2502 m) oder Watzmann (2713 m) eignen sich hierzu sehr gut. Einsteiger können sich beispielsweise auch Wolkenkratzer, wie den Burj Khalifa (828 m), vornehmen. Allen die es sich derber geben wollen sind selbstverständlich keine Grenzen nach oben gesetzt.

Nehmen wir also als Beispiel die Zugspitze: Mittels Fahrrad gilt es 2962 Höhenmeter zu erklimmen. Da diese mit mehreren Anstiegen erklommen werden müssen ergeben sich hierzu zwei Möglichkeiten.

  1. Man sucht sich einen Anstieg heraus, den man für geeignet hält und fährt diesen so oft bis die gewünschten Höhenmeter erreicht sind.

Beispiel: Im Schwarzwald ist gibt es eine beliebte Rennradstrecke, die auf den Kandel führt. Der gesamte Anstieg beträgt rund 1200 Höhenmeter. Also müsste man diese Strecke ca. zweieinhalbmal fahren um auf die virtuelle Höhe der Zugspitze zu kommen. Will man das gleiche an der Großen Kalmit machen, schlägt ein Anstieg mit 673 Höhenmetern zu Buche. Folglich müsste die Strecke also knapp viereinhalbmal gefahren werden.

  1. Man plant eine Radtour mit möglichst vielen unterschiedlichen Pässen. Die Kunst liegt hierbei darin, die Strecke zwischen den einzelnen Pässen so kurz wie möglich zu halten. Außerdem kann es durchaus knifflig sein, die verschiedenen Anstiege so auszusuchen, dass man möglichst genau auf die gewünschte Anzahl an Höhenmetern kommt.

Fazit

Ein kleines Abenteuer muss nicht immer von langer Hand geplant werden. Mit ein bisschen Kreativität gibt es bereits vor der eigenen Haustür zahlreiche Aktivitäten, die bestens als Flucht aus dem Alltag funktionieren. Plant ihr ein Microadventure aus unserer Liste auszuprobieren oder habt ihr bereits eines ausprobiert? Welche Microadventures habt ihr außerdem schon unternommen oder auch selbst ausgedacht? Lass es uns mal wissen, wir freuen uns über eure Kommentare!

How to Hochtour: Was du vor dem ersten Mal beachten musst

15. August 2018
Tipps und Tricks

Der Wecker klingelt um einiges früher als zur Arbeitszeit. Es ist klirrend kalt und das obwohl wir mitten im Hochsommer sind. Mit den anderen schlaftrunkenen Tourengehern ziehst du quasi mitten in der Nacht dein Gurtzeug an und stolperst mit steifen Gliedern über steile Pfade und lockeres Geröll. Kälte und Dunkelheit umgeben dich und alles was du siehst, begrenzt sich auf das was der Lichtkegel deiner Stirnlampe beleuchtet.

Jetzt wird man sich wohl fragen: Hat das irgendwas mit Urlaub und Spaß zu tun!? Man glaubt es nicht aber: Ja, hat es! Denn es handelt sich hier nicht nur um irgendeine Erzählung, sondern um die Umstände, die einem bei einer Hochtour begegnen.

Da der aufweichende Schnee auf dem Gletscher über den Spalten immer weniger trägt und man deshalb idealerweise schon am frühen Nachmittag wieder von der Tour zurück sein sollte, ist ausschlafen bei den Hochtouren zwar leider nicht der Fall, aber das frühe Aufstehen lohnt sich. Vor dem Morgengrauen in absoluter Stille voranzuschreiten, unter Mond und Milchstraße, die von pechschwarzen Bergzacken eingerahmt werden – das hat was! Mit der aufsteigenden Sonne dann immer klareres Licht, klarere Luft, den Himmel, die Wolken in allen Farben und Stimmungen zu betrachten – das ist eine unbezahlbare Erfahrung. Gut, Letzteres kann man auch in Bodennähe haben, aber an hohen Bergen ist das alles intensiver und kombiniert mit einer 3D-Optik, die du im Cinemaxx nicht bekommst. Und als ob das nicht genug ist, sind Hochtouren ein riesen Spaß!

Dazu kommt noch die Selbsterfahrung (vor allem, wenn es gewisse Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden gilt). Konzentration, Flow, Meditation, totale Entspannung, intensive Emotion: all das ist möglich, und zwar in kürzester Zeit. Beim Strandurlaub bekommt man das so bestimmt nicht geboten …

Haben wir dein Interesse geweckt? Gut, aber wenn du bislang eher Meeresanbeter oder Flachländer warst und jetzt gleich mal eine Tour auf einen „richtigen Berg“ probieren willst, solltest du erst noch einige Zwischenschritte einlegen. Der erste davon wäre, sich zu erkundigen, was eine Hochtour überhaupt ist.

Was ist eine Hochtour?

Das die Tour irgendwo hoch geht steckt im Wort schon drin. Allerdings begeben sich auch Wanderungen oder Spaziergänge oftmals in diese Sphäre. Deshalb kommt es darauf an wo es hoch geht. Grundsätzlich gilt das Aufwärtsgehen dann als Hochtour, wenn es auf einen Berggipfel oder anderen Punkt im Hochgebirge führt, der durch bloßes Wandern allein nicht zu erreichen ist. Es „muss“ also etwas Fels oder Eis oder beides zu überwinden sein. Je nachdem, wie viel davon kommt und wie lang, steil und schwer die Fels- und Eispassagen sind, wird der Schwierigkeitsgrad festgelegt. Dafür gibt es eine eigene, in mehreren Sprachen der Alpenländer geführte Schwierigkeitsskala, die bei L für „leicht“ anfängt, über WS und ZS („wenig schwierig“ und „ziemlich schwierig“) ansteigt und bei AS und ES („äußerst schwierig“ und „extrem schwierig“) endet. Dabei bezieht diese Skala mehr Faktoren ein als die UIAA-Felskletterskala, die Passagen mit ihren Graden von I bis mittlerweile XII- markiert.

Neben der Kletterschwierigkeit werden noch die Steilheit der Firn- und Gletscherhänge sowie die „Hilfskriterien“ Orientierungsschwierigkeit, Felsqualität, Sicherungsmöglichkeiten und Abgeschiedenheit/Rückzugsmöglichkeiten hinzugezogen.

Die absolute Meereshöhe spielt bei der Einordnung als Hochtour keine Rolle, denn je nach Klimazone kann ein Gipfel von 4000 Metern ein grüner Wanderhügel sein, während ein Gipfel von 2000 Metern eine eisgepanzerte Felsburg sein kann.

Im weiteren Sinne kann auch eine reine Felstour eine Hochtour sein, doch als „klassische Hochtour“ betrachtet man eher Gletscheranstiege und Gipfeltouren mit viel Schnee und Eis. Da letztere immer weiter zurückschmelzen, gibt es in den Alpen immer weniger Gipfel, die das ganze Jahr über klassische Hochtourenziele abgeben. Die meisten Alpengipfel unter 3500 m sind im Spätsommer mittlerweile eher von ausgeschmolzenen Felsen, Schotter und Geröll geprägt und weisen nur grau und braun getönte Reste ihrer vor 30 Jahren noch üppigen Gletscher und Eisflanken auf.

Tendenziell wird so die Auswahl an Eistouren und kombinierten Touren (= Fels- und Eistouren) kleiner und die verbleibenden Touren werden mühsamer (und aufgrund der Permafrostschmelze auch gefährlicher). Wahrscheinlich werden sich die sommerlichen Hochtourengeher, ähnlich wie die Alpinskifahrer im Winter, immer weiter nach oben begeben. Oder die Saison wird früher begonnen, wie es mittlerweile häufig der Fall ist.

Touren mit hohem Anteil an Gletscher, Firn und Eis weisen oft schon ab Mitte Juni gute sommerliche Bedingungen auf. Die Hochsaison beginnt mittlerweile ab Anfang Juli und endet im August, wenn viele Eistouren und kombinierte Touren durch die starke Schmelze eine wachsende Steinschlaggefahr aufweisen. In den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren hat sich die Hochtouren-Hauptsaison schätzungsweise um einen Monat nach vorn verschoben.

Anforderungen und persönliche Voraussetzungen

Je mehr Voraussetzungen man erfüllt, desto höhere Anforderungen darf man in Angriff nehmen. Warum sollte man sich jedoch eigentlich überhaupt fordern? Gute Frage, vielleicht weil mit wachsender Schwierigkeit meist die landschaftlichen Eindrücke spektakulärer werden und gleichzeitig das innere Erleben intensiver wird. Außerdem sind die Hütten, Biwaks und Touren nicht überlaufen, wodurch es weniger aber dafür interessantere Begegnungen gibt. Doch bleiben wir zunächst bei den Mindestvoraussetzungen, um überhaupt in irgendeine Hochtour einsteigen zu können.

Der Weg hinauf führt wie gesagt oft über Fels und Eis, kann sich ziemlich in die Länge ziehen und ist auch nicht immer wirklich sichtbar. Deshalb erfordert eine Hochtour deutlich mehr Anforderungen als das Wandern. Im vergletscherten Gelände erfordern auch einfache Hänge den (kompetenten) Gebrauch von Seil, Steigeisen und Eispickel sowie Kenntnisse in Sicherungs- und Bergungstechniken.“

Hinzu kommen eine solide Grundkondition, eine je nach Gipfelhöhe mehr oder weniger ausgiebige Höhenanpassung sowie ein jederzeit abrufbares theoretisches Wissen (dazu mehr im nächsten Abschnitt). Auch auf die Qualität der Ausrüstung und der Verpflegung sollte geachtet werden.

Kletterfertigkeiten sind auch bei nominell sehr einfachen Felspassagen gefragt. Diese werden nämlich wie beim Hallen- und Sportklettern bewertet – also ohne die Bergstiefel, den Rucksack, die kalten Finger, die vielen Höhenmetern in den Beinen und manchmal die viele Luft unter den Füßen zu berücksichtigen. Hinzu kommen teils schnell wechselndes Wetter und ebenso schnell wechselnde Verhältnisse. Je nach Schnee- und Eisauflage sind dann auch in gemäßigten Touren schnell mal Grundfertigkeiten in Eis- und Mixed-Klettern mit dem Pickel und/oder Eisgerät gefragt. Aus diesen Gründen kann man jederzeit an Touren scheitern, die man laut der Zahlen auf dem Papier eigentlich „locker drauf haben müsste“.

Zu den Fertigkeiten gehört nicht nur, wie man hoch kommt, sondern auch wie man im Fall der Fälle den Sturz bremst. Zumindest auf Eis und Schnee kann man hier Schadensbegrenzung betreiben, indem man möglichst schnell die richtige Körperhaltung einnimmt und den Pickel richtig einsetzt. Die Pickelbremse hilft nämlich nicht gegen Akne, aber möglicherweise gegen einen tödlichen Absturz.

Eine durch Bergwanderungen geschulte Trittsicherheit sollte ebenfalls vorhanden sein und man sollte nicht schon beim Besteigen einer Leiter Schwindelgefühle bekommen (Schwindelfreiheit lässt sich aber trainieren).

Was sollte man wissen?

Will man eigenständig und verantwortungsbewusst Hochtouren durchführen, gibt es eine ganze Menge an theoretischem Lernstoff. Doch dessen Aneignung ist weder langweilig noch sonderliche schwierig. Für den Anfang braucht es Basiswissen über Berge und Gletscher, über Grundlagen der Seiltechnik, der Spaltenbergung und den Umgang mit Ausrüstung wie Steigeisen und Pickel. Hinzu kommen:

  • Knotenkunde
  • Kenntnisse über alpine Gefahren
  • Orientierung
  • Wetterkunde

Es reicht nicht, sich ein paar passend aussehende Apps herunterzuladen und sich darin einzulesen; ein echter Umgang mit echten Dingen wie Papierkarte, mechanischer Kompass und das Wetter der Umgebung ist hier gefragt.

Das umfangreiche theoretische Know-how kann man sich natürlich nicht immer komplett merken. Das ist aber kein Problem, sofern man ein gutes Lehrbuch zum Nachschlagen und Dazulernen zur Hand hat. Hier gibt es eine große Auswahl. Mein persönlicher Favorit ist zurzeit das Lehrbuch Bergsport Sommer – Technik, Taktik, Sicherheit des Schweizer Alpen-Clubs. Die Schweizer Präzision gilt hier auch in Sachen Details und Anschaulichkeit, weshalb auch kompliziertere Manöver (wie der Flaschenzug) klar nachvollziehbar und erlernbar sind.

Echtes Interesse und etwas Zeit? Kurse!

Da die bisher genannten Anforderungen und Voraussetzungen nicht mal eben im Handumdrehen zu erfüllen sind, ist ein mehrtägiger Hochtourengrundkurs die ideale Herangehensweise für die „richtigen Berge“. So ein Kurs sollte mindestens fünf Tage dauern, denn ein langes Wochenende reicht nicht, um alle wichtigen Inhalte wirklich aufzunehmen. Wirklich effektiv ist das Ganze, wenn es direkt im Anschluss auf einer ersten leichten(!) Tour praktisch angewendet und durch baldige und regelmäßige Wiederholung und Auffrischung vertieft wird.

Kurse kann man bei einer der vielen privaten Bergschulen oder beim Alpenverein belegen. Letztere sind wesentlich preiswerter, da sie ehrenamtlich durchgeführt werden, aber lassen sich meistens nicht spontan buchen. Außerdem sind sie verbunden mit einer Vereinsmitgliedschaft, die aber ebenfalls nicht teuer ist und bei längerfristigem Interesse an den Bergen zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

Man muss sich auch keineswegs gleich alle Ausrüstung zusammenkaufen. Die fehlenden Teile kann man sich in aller Regel sowohl bei privaten Anbietern als auch beim DAV gegen geringe Gebühren ausleihen.

Null Erfahrung und wenig Zeit? Bergführer oder Finger weg!

Halbwissen ist bei Hochtouren mindestens so gefährlich wie nix wissen. Kommen dann noch Selbstüberschätzung und falscher Ehrgeiz hinzu, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Dennoch gehen viele Aspiranten mit genau diesen ungünstigen Voraussetzungen auf eine Hochtour. Sie sind dann mit der falschen Ausrüstung, den falschen Seilabständen oder im falschen Tempo unterwegs. Manche greifen auch bei der Tourenauswahl viel zu hoch und suchen sich für ihre „Premiere“ Berge wie den Montblanc aus, der als „technisch einfach“ gilt und dennoch Prestige verspricht.

Doch nicht nur „Ahnungslose“ verhalten sich so, sondern manchmal auch „Quereinsteiger“ aus dem Alpinwandern oder dem Sportklettern. Sie schätzen die Unterschiede zwischen „ihrer Disziplin“ und dem Hochtourengehen falsch ein. So ist beispielsweise der Umgang mit dem Seil auf Hochtouren trotz gleicher Prinzipien und Techniken ein völlig anderer als beim Sportklettern. Einen guten Einblick zum Hochtouren-Seilhandling gibt es hier bei den Bergfreunden.

Kurz und bündig: wer keine Erfahrung und wenig Zeit hat, sollte auch für „leichte Einsteiger-Hochtouren“ nicht ohne sehr erfahrene Begleiter bzw. einen Bergführer aufbrechen.

Ist Training nötig?

Ob und wie viel man trainieren sollte, hängt davon ab, welchen körperlichen Zustand man „mitbringt“ und welche Touren man plant. Wer im Sitzen arbeitet und Sport nur aus dem Fernsehen kennt, wird auch für die kürzesten und leichtesten Hochtouren nicht fit genug sein.

An hohen Bergen ist der Körper ungewohnten Belastungen ausgesetzt, die nicht nur aus der Anstrengung, sondern auch aus der Höhe, den Temperaturen, der trockenen Luft und anderen Umweltfaktoren resultieren. Da ist eine mindestens solide Grundfitness unabdingbar. Doch wie definiert man diese? Nun, Sportwissenschaftler können hier sicher präzise antworten, ich versuche es mal mit einer groben persönlichen Einschätzung, bzw. einem Beispiel:

Du bist ausreichend fit für eine Einsteiger-Hochtour, wenn du mit einem 10 Kilo Rucksack auf dem Rücken auf einer Mittelgebirgswanderung mit etwa 500 Bergauf-Höhenmetern ein flottes Gehtempo von 5 km/h über etwa 10 Kilometer halten kannst, ohne anschließend völlig ausgepumpt zu sein.

Das Erreichen solch einer Grundfitness ist weder schwierig noch zeitaufwändig. Schon wenige Stunden Lauftraining pro Woche können binnen weniger Monate deutliche Konditionsfortschritte bringen. Brauchbare Trainingspläne und Kurzanleitungen wie hier auf Alpin.de findet man im Netz zuhauf. Ein konkretes Trainingsplan-Beispiel, welches Einsteiger in 6 Monaten und 6 Schritten auf den Großglockner führen kann, findet man bei Bergwelten.de. Hier wird neben der Ausdauer auch auf die Kraft und auf weitere Komponenten eingegangen.

Mit Köpfchen: das Mindset

Je länger und schwieriger die Hochtour, desto wichtiger werden neben der körperlichen Verfassung auch der Zustand und die Ausrichtung der Psyche. Eine passende Einstellung mit positiven Gedanken ist je nach Anspruch der Tour hilfreich bis wichtig. Im besten Fall kann man damit viel körperliche Kraft mobilisieren. Umgekehrt kann eine „lasche innere Haltung“ ganz schnell auch zum körperlichen Durchhänger führen.

Zu positiven Grundhaltung gehört ein stabiler Wille, ein wirkliches „da hoch wollen“, auch wenn es sich zwischenzeitlich mal widerspenstig anfühlt. Und dennoch sollte man das Ganze nicht zu ernst nehmen. Klingt widersprüchlich, kann aber klappen, wenn die Freude an der Tour und der Tätigkeit im Vordergrund steht. Dann benutzt man sie nicht als Mittel zum Zweck, um sich oder irgendwem irgendetwas zu beweisen und kann somit unverkrampft an sie herangehen. Etwas Klarheit über die eigenen Motive kann sowieso nie schaden.

Wenn es in den persönlichen Grenzbereich geht, wird auch die mentale Vorbereitung auf die Tour zur wichtigen Säule. Manche Spitzenbergsteiger gehen ihre geplanten Touren vorher sehr detailliert und mit allen möglichen Situationen mental durch, um sich in vollständige Bereitschaft für den wirklichen Auf- und Abstieg zu versetzen.

Welche Ausrüstung benötigt man für eine Hochtour?

Es dürfte klar sein, dass ohne die richtige Kleidung als Grundlage am Berg nichts geht. Grundsätzlich kann man für Hochtouren die gleichen atmungsaktiven Funktionsklamotten im gleichen Zwiebelschalenprinzip verwenden, wie sie auch beim Bergwandern zum Einsatz kommen. Nur sollte das Ganze in größerer Höhe noch etwas mehr Wind, tiefere Temperaturen und heftigere Niederschläge aushalten. Die mittlere Isolationsschicht sollte also etwas dicker und die äußere Hardshell etwas robuster sein. Auch Handschuhe und Mütze sollten wärmer sein. Die Kunst ist nun, dass die Kleidungsstücke auch dann die Bewegungsfreiheit nicht einschränken sollten, wenn sie alle zugleich getragen werden. Deshalb sollte auf gute Abstimmung und guten Sitz geachtet sowie Stretchmaterial bevorzugt werden.

An den Füßen sollten es mindestens „bedingt steigeisenfeste Bergstiefel“ sein, denn alles was weniger steif ist, wird zu Problemen mit schlecht sitzenden Steigeisen führen. Sich lockernde oder gar lösende Steigeisen auf steilen Schneefeldern oder Blankeis haben schon so manchen Mitreißunfall und Seilschaftsabsturz ausgelöst. Alles Wissenswerte über Hochtourenkleidung findet ihr in diesem Artikel hier auf Bergfreunde.de.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Ausrüstungsgegenstände wie Steigeisen, Pickel, Karabiner, Bandschlinge und Prusikschnüre und gegebenenfalls Eisschrauben. Mehr Infos dazu gibt es in der Packliste für Hochtouren.

Soweit einmal die erste Einführung in die Welt der Hochtouren – die werden wir jedoch demnächst um ein paar sehr schöne Einsteigertouren mit Tipps und Infos zur Durchführung erweitern. Also seid gespannt!

Canyoning – die durch Schluchten kraxeln

8. August 2018
Tipps und Tricks

Was könnte das sein – es ist nass, glitschig, kalt, eng, teils dunkel, laut, kräftezehrend und nicht immer ungefährlich. Ein harter Höllenjob in der Kanalisation? Nein, ich meine Canyoning – ein actionreiches Freizeitvergnügen, das immer mehr Menschen in seinen Bann zieht!

Seit Canyoning Ende der 90er Jahre in Spanien und Südfrankreich „erfunden“ wurde, breitete sie sich im Alpenraum und später in ganz Europa aus. Mittlerweile erfreut sich die Sportart weltweit wachsender Beliebtheit.

Doch was versteht man darunter überhaupt? In seinem Kern ist Canonying das Begehen einer Schlucht mithilfe verschiedener Fortbewegungsweisen und -techniken. Vom gehen über schwimmen, rutschen und springen bis hin zu tauchen, klettern und abseilen ist beim Canyoning alles dabei. Und sogar eine Seilrutsche oder Seilbrücke wird gelegentlich gespannt. Highlight vieler Toren sind die Wasserfälle, die zusammen mit ihren Wasserbecken überwunden werden. Auch Höhlen und große verklemmte Felsblöcke können weitere „Schlüsselstellen“ sein.

In aller Regel wird die Strecke durch die Schlucht bergab begangen. Man folgt dabei (wenn möglich) dem Grund der Schlucht, also der vom Wasser geschaffenen Erosionslinie. Im engeren Sinne spricht man nur dann vom Canyoning, wenn auch tatsächlich ein Gewässer durch die Schlucht fließt, man diesem Gewässer folgt und die Schlucht ein deutliches Gefälle hat.

Bei der „Trockenvariante“ oder einer flach verlaufenden Schlucht spricht man eher vom Schluchtenwandern oder Bachbett/Flussbettwandern. Manchmal wird diese Begehung aber auch unter dem Oberbegriff Canyoning geführt. Für die Mehrheit der „Canyoneers“ und „Schluchtler“ ist das Wasser jedoch eine unverzichtbare Zutat – denn je üppiger es sprudelt und je reißender der Gebirgsbach, desto abenteuerlicher und adrenalinträchtiger ist das Erlebnis. Da Canyoning fast immer im Team betrieben wird und gegenseitige Hilfe und Vertrauen eine große Rolle spielen, ist auch das daraus resultierende Gemeinschaftsgefühl ein tolles Erlebnis.

Dennoch geht es beim Canyoning nicht nur um Action und Gruppenerlebnis, sondern auch um wilde Natur und die ungewöhnliche Perspektive auf die Landschaft. Die raue Unberührtheit mancher Schluchtenlandschaften ist sogar für viele Canyoneers der wichtigste Faktor.

Beste Zeit und Bedingungen

In Bezug auf Wetter und Verhältnisse gelten beim Canyoning andere Gesetze als beim Bergsport. Solange es nicht gerade gewittert und in Strömen gießt, spielen eher die Wasserverhältnisse als der Wasserstand die Hauptrolle. Dieser ist von Faktoren wie Regen, Schneeschmelze in den Bergen oder manchmal auch der Regulierung von Talsperren abhängig.

Da sich all das von Region zu Region und sogar von Schlucht zu Schlucht unterscheidet, lässt sich keine allgemein beste Zeit angeben. Eine Faustregel besagt jedoch, dass regenreiche Zeiten die Wahrscheinlichkeit für ziemlich gefüllte Wasserbecken und Wasserfälle erhöhen.

Natürlich soll es beim Canyoning nass sein, denn Trockenschwimmen macht genauso wenig Spaß wie Trockenrutschen und Trockenspringen. Dennoch kann in manchen Regionen und Ländern auch die Trockenzeit besser geeignet sein. So gilt zum Beispiel in Deutschland und im Alpenraum die Zeit von Mai bis Oktober als optimal. Im Mittelmeerraum sind es hingegen häufig eher die Monate Oktober bis April, da es dort im Hochsommer zu trocken ist.

Für wen ist Canyoning machbar?

Die gute Nachricht: man muss keineswegs ein Top-Athlet sein, um bei organisierten Touren mitzumachen. Für eigenständig betriebenes Canyoning sieht das allerdings schon wieder etwas anders aus. Hier sind nämlich neben überdurchschnittlicher Fitness noch eine ganze Reihe weiterer Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt. Doch ganz ohne Voraussetzungen geht es auch mit Guide und Gruppe nicht. Deshalb geben auch fast alle Anbieter eine Reihe an Bedingungen bei ihren Einsteigertouren an. Dazu gehören meistens:

  • Trittsicherheit
  • Keine ausgeprägte Höhenangst
  • Kein starkes Übergewicht
  • Sichere Schwimmfähigkeiten

Zuletzt kommt meist noch eine Formulierung wie „gute körperliche Verfassung“ oder „gute körperliche Fitness“ dazu. Das ist natürlich schwammig und dehnbar. Es beinhaltet aber auf jeden Fall, dass man zumindest einige Stunden in Bewegung und auf den Beinen durchhalten sollte. Alles in allem sind das Anforderungen, die gesunde Menschen auch im fortgeschrittenen Alter durchaus bewältigen können. Auch für Brillen- und Kontaktlinsenträger ist die Teilnahme mit Vorkehrungen (wie der Mitnahme von Ersatzlinsen oder stabilem Brillenband) normalerweise kein Problem.

Zudem müssen auch nicht immer alle Voraussetzungen erfüllt sein, denn es gibt natürlich auch sehr kurze Touren, Touren mit wenig Wasser oder mit geringen Höhenunterschieden. Je nach Größe und Topografie der Schlucht gibt es eine große Auswahl an Touren für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. In dieser Vielzahl an Locations sollte demnach kaum jemand gänzlich ausgeschlossen sein.

Ab welchem Alter?

Ein gewisser körperlicher Entwicklungsstand ist unabdingbar und auch das Schwimmen muss sicher beherrscht werden. Deshalb geben viele Touranbieter ein Mindestalter von 14 Jahren an. Bei Teilnehmern unter 18 Jahren wird in aller Regel eine Einverständniserklärung der Eltern verlangt. Je nach Standort und Anbieter lassen sich aber auch spezielle Tourangebote für jüngere Kids finden.

Canyoning auf eigene Faust? Am Anfang besser nicht

Wie gesagt, wer halbwegs gesund ist und eine längere Wanderung gut wegsteckt, kann auch eine Canyoningtour unternehmen. Aber nicht auf eigene Faust! Anfänger sollten Canyoning zunächst nur unter kundiger Anleitung praktizieren. Ebenfalls sollten sich Fortgeschrittene zunächst nur mit zertifizierten Canyoningführern (z.B. Bergführer mit Zusatzausbildung) an schwierigere Touren herantasten. Hierfür gibt es mittlerweile extra Organisationen, die professionelle Canyoningführer ausbilden. In Österreich gibt es auch „staatlich geprüfte Schluchtenführer“, die ein hohes Niveau an Kompetenz und Sicherheit garantieren.

„Abkürzungen“ sollten auch dann nicht genommen werden, wenn Kletter- und Bergerfahrung vorhanden ist. Warum? Canyoning ist eine Kombination aus Berg- und Wassersport, die Kenntnisse und Qualifikation in beiden Bereichen erfordert.

Manche Kletterer und Bergsportler glauben fälschlich sie würden „ja eh schon“ alle notwendigen Voraussetzungen mitbringen, denn sie wissen ja wie man klettert, Seile spannt und abseilt. Allerdings ist das ein Trugschluss, da es für das Canyoning an Kenntnissen zu Wildwassertechnik (Analyse von Strömungsformen, kontrolliertes Wildasserschwimmen) und zu canyoning-spezifischen Abwandlungen von Seil-und Alpintechniken fehlt. In Kombination mit Selbstüberschätzung ergibt sich damit ein Risiko-Mix, der schon manch „Autodidakten“ das Leben gekostet hat.

Das Wetter muss ebenfalls anders analysiert werden als beim Bergsport. Beim Canyoning erfolgt dies nämlich in Bezug auf das Gewässer in der zu begehenden Schlucht. So kann selbst ein weit entfernter Niederschlag den Wasserspiegel in einer engen Schlucht in Minutenschnelle lebensgefährlich anschwellen lassen. Das vergessen manche „Quereinsteiger“ ebenso wie die Tatsache, dass bei Canyoningtouren ein Abbruch und Rückzug vor Ende oft nicht möglich ist. Ohne Hilfe kommt man womöglich nicht aus einer brenzligen Lage heraus. Im Gegensatz dazu sind geführte Touren meist so konzipiert, dass eventuell überforderte Teilnehmer die „Schlüsselstellen“ umgehen und, statt zu springen, sich auch abseilen können.

Für eigenständiges Canyoning braucht es Kenntnisse und Fähigkeiten in:

  • Seiltechnik (Allgemeines Handling, Abseilen, Standplatzbau, Rettungstechniken)
  • Meteorologie (Erfassen und Auswerten von Wetterdaten)
  • Kommunikation (spezifische Zeichen- und Lautsprache)
  • Erste Hilfe
  • Orientierung
  • Risikomanagement
  • Ausrüstung
  • Naturschutz

Wer Canyoning von der Pike auf lernen möchte, kann dies bei vielen Touranbietern oder in der Deutschen-Canyoning-Schule tun. Auch von der Organisation und Vernetzung eines Deutschen Canyoningvereins kann man mittlerweile profitieren.

Wo kann ich Canyoning betreiben?

Schluchten mit viel Gefälle und einer ausreichenden Menge Wasser (also einem ordentlichen „Fun- und Action-Faktor“) gibt es nur im und rund ums Hochgebirge. Für Deutschland bedeutet das, dass man außerhalb der Alpen und Voralpen keine „richtigen“ Canyoning-Spots findet. Was in den Mittelgebirgen gelegentlich als Canyoning angeboten wird, hat eher mit Flussbettwandern zu tun.

Dafür ist der tiefe deutsche Süden ein umso heißerer Spot! Besonders das Allgäu rund um Sonthofen ist mit vielen spektakulären Gewässern und einer gewachsenen Infrastruktur eine echte Canyoning-Hochburg. Doch auch weiter nach Osten entlang des oberbayrischen Alpenrands gibt es bis nach Berchtesgaden reichlich Auswahl an tollen Touren.

Eine Reihe guter Tourentipps für Canyoning in Deutschland findet man unter anderem bei Deutschen Canyoningverein.

Für den jenseits der Grenze gelegenen Alpenraum hat das Deutschen Canyoningverein zwei besondere Perlen herausgepickt. In Österreich gilt „die Tour durch die Strubklamm, mit vielen Schwimm- und Springstellen als besonders lohnend. Die engste Passage ist nur etwa einen Meter breit, der höchste Sprung 10 Meter hoch.

Und in der Schweizempfiehlt sich die Boggera-Schlucht im Tessin. Der höchste Sprung geht über 11 Meter, aber er ist optional – man kann sich vom Guide abseilen lassen.

Sowieso sind die Schweiz und das Tessin, folglich dem Deutschen Canyoningverein, ein Canyoning-Paradies.

Europaweit gelten die südfranzösischen Meeralpen mit der Verdonschlucht und die spanischen Vorpyrenäen als Top-Spots.

Welche Ausrüstung brauche ich fürs Canyoning?

Die erste Frage lautet: was ziehe ich beim Canyoning an? Wasserdichte Kleidung, meist aus Neopren von mindestens 4mm Dicke, ist der wichtigste Teil der Ausrüstung. Selbst wenn rundherum 30°C und Sonnenschein herrschen, fühlt sich das frisch aus dem Gebirge sprudelnde Wasser ohne Schutzkleidung nach und nach kälter an. Außerdem schützt das Neopren vor leichten Hautverletzungen. Normalerweise kommt ein Neoprenanzug oder eine Hose-Jacke-Kombination zum Einsatz. Bei wärmeren Temperaturen, flacherem und ruhigerem Wasser, sowie kürzeren Touren reicht auch eine Neoprenhose aus.

Bei geführten Touren wird neben dem Neoprenanzug die weitere spezifische Ausrüstung gestellt, als auch Tipps gegeben, was man zusätzlich selbst mitbringen sollte. In der Regel bekommt man auch mitgeteilt, was sich am besten mit der Neoprenbekleidung des Anbieters kombinieren lässt. Meistens ist das Synthetikunterwäsche oder eine Badehose/ein Anzug mit Synthetikshirt/Top. Baumwolle ist ungeeignet, da sie dem Körper Wärme entzieht. Je nach Außentemperatur kommt unter den Anzug weitere Kleidung, wie ein Fleecepulli.

Wenn man nach der Tour ausgepowert und abgekühlt ist, wird man trockene, warme Extrakleidung auch im Sommer (und vor allem in höheren Berglagen) sehr zu schätzen wissen.

Als Canyoning-Ausrüstung für eingerichtete Touren empfehlen sich:

  • Neoprensocken (Neoprensocken empfehlen sich ab 3 mm, da es mit normalen Socken sonst ein schwammiges Bewegungsgefühl und Blasen gibt)
  • Canyoningschuhe (Diesen haben auch auf einem nassem Fels Reibung. Für einfache Einsteigertouren reichen auch leichte Wander, Trekking- und Approachschuhe, die nass werden dürfen)
  • Alpintauglicher Helm
  • Canyoninggurt (Solch ein Gurt schont den Neoprenanzug. Er kann evtl. mit einer Kappschlinge ausgerüstet sein)
  • Seil (Das lang genug für die höchste Abseilstelle ist)
  • Karabiner
  • Bandschlingen
  • Canyoningspezifisches Abseilgerät
  • Wasserfester Rucksack
  • Erste Hilfe Set, Kappmesser, Handy
  • Je nach Länge des Zu- und Abstiegs: Handtuch, Wechselwäsche und Plastiktüte für nasse Schuhe

Für wenig oder gar nicht erschlossene Touren beziehungsweise Führungen braucht es noch deutlich mehr Material, um Stände und Verankerungen einzurichten und eventuelle Bergungsaktionen durchführen zu können.

Wie gefährlich ist Canyoning?

In den vorherigen Abschnitten kamen schon einige Risiken zur Sprache. Die Hauptgefahr liegt wie bei jeder „Risikosportart“ vor allem im Unterschätzen der Gefahrenquellen. Diese ergeben sich beim Canyoning aus der Beschaffenheit des Geländes, dem Verhalten des Wassers und dem Wetter. In Schluchten findet bekanntlich viel Erosion und Verwitterung statt, weshalb es jederzeit nicht nur zu Steinschlag, sondern auch zu Schlammlawinen kommen kann. Letztere werden meist durch starken Regen ausgelöst, sowie wie durch plötzliche Anstiege des Wasserspiegels. Dieser kann aber wiederum auch bei schönstem Wetter durch das Ablassen eines Stausees auftreten. Deshalb ist die vorherige Erkundung des Wetters und der regionalen Gegebenheiten so wichtig.

Weitere Gefahren ergeben sich aus dem (falschen) Umgang mit dem Material, als auch aus allgemeinen menschlichen Fehlern und Schwächen. Besonders überraschend wirken oft Strömungen und Wirbel in der Nähe großer Felsblöcke, die Schwimmende mit erstaunlicher Kraft unter Wasser drücken können. So mancher ist auch schon durch das Festklemmen zwischen Felsen in die Bredouille geraten. Doch keine Sorge! Mit Erfahrung und Umsicht, die man auf geführten Touren erwirbt, lassen sich all diese Gefahren recht gut erkennen und handhaben. In guter Führerliteratur werden zudem die Gefahrenstellen erwähnt und fließen in die Schwierigkeitsbewertung der Tour ein.

Was kostet Canyoning?

Hier kommt es auf viele Faktoren wie Land und Region, Dauer der Tour, Schwierigkeitsgrad und enthaltene Leistungen des Anbieters an. So sind zum Beispiel bei schwierigeren Touren weniger Gäste pro Guide unterwegs, wodurch der Preis steigt. Ein Schnupperkurs oder eine Einsteigertour von einigen Stunden findet man im Allgäu und Oberbayern ab ca. 70 Euro. In Österreich kann es mit ca. 50 € auch schonmal etwas preiswerter sein. In Frankreich kann man ebenfalls recht günstig wegkommen, während es in der Schweiz natürlich deutlich mehr kostet.

Europaweit kann man 50-60 € für eine Halbtagestour und 80-100 € für eine Tagestour als grobe Anhaltswerte nehmen. Hat man in seiner Urlaubsregion ein Angebot mit dem passenden Schwierigkeitsgrad gefunden, wird man bei den allermeisten Anbietern ein schönes Erlebnis zu einem angemessenen Preis bekommen.

Fängt man daraufhin Feuer und möchte selbstständiger Canyoneer werden, lassen sich die notwendigen Investitionen fürs Equipment in etwa mit dem Einstieg ins Sport- und Alpinklettern vergleichen. Hinzu kommen Kosten für eventuelle Führerliteratur, (digitale) Karten und Anreise. Alles in allem keine ganz billige Sportart, aber eine mit hohem Erlebnis- und Intensitätsfaktor!

Habt ihr schon Erfahrungen mit Caynoning gemacht, oder nun wirklich regelrecht Feuer gefangen es mal auszuprobieren? Wir freuen uns von euren Erfahrungen und Eindrücken zu hören! In diesem Sinne, let’s go canyoning!

Mit dem Wohnmobil frei stehen – Eine Reise durch die (verwirrende) Gesetzeslage Europas

6. September 2018
Tipps und Tricks

Neulich kam mir eine Idee: Warum nicht einfach mal den Camper packen und einmal quer durch Europa fahren? Einfach mal losziehen und dort bleiben, wo es mir gerade passt oder gefällt. Die Idee ist ja generell nicht schlecht, nur sollte man dabei einiges beachten, denn nicht überall in Europa kann man sich mit dem Camper oder Wohnmobil einfach so an den Straßenrand oder auf den nächstbesten Parkplatz stellen. In einigen Ländern ist das gänzlich verboten, in anderen gibt es strenge Regeln und in wieder anderen gibt es zeitliche oder regionale Einschränkungen. Bringen wir also ein wenig Licht ins Dunkel und teilen wir Europa!

Bevor es losgeht noch eine Anmerkung: Die Regelungen für die Wohnmobilstellplätze innerhalb Europas sind teilweise sehr komplex und unübersichtlich. Dieser Blogbeitrag dient nur dazu eine grobe Übersicht über die einzelnen Länder zu geben. Oft greifen aber auch Regelungen, die sich nur auf eine kleine Region, eine Gemeinde oder eine bestimmte Jahreszeit beziehen. Geht also bei diesem Beitrag nicht komplett von Vollständigkeit aus und checkt nochmals vor eurem Trip wie die genauen Regeln in der jeweiligen Region sind.

So, genug geredet, jetzt geht’s los:

Bad news first – Hier ist Wildcampen auch mit dem Wohnmobil verboten

In vielen Ländern Europas ist das freie Stehen leider streng untersagt. Dies hat viele unterschiedliche Gründe, die nicht immer einer Logik unterliegen. Grundsätzlich sollte man sich hier jedoch an die Verbote halten, da das Missachten sonst (und gerade in Ferienregionen) zu teuren Bußgeldern führen kann. Außerdem trägt es vermutlich nicht gerade zur Erholung bei, wenn man mitten in der Nacht von einer Polizeistreife geweckt und dazu aufgefordert wird weiterzufahren oder einen Campingplatz aufzusuchen.

Dennoch gibt es in den meisten Ländern aber auch gute Alternativen zu herkömmlichen Campingplätzen. Vielerorts haben Kommunen Stellplätze ausgewiesen. Hierbei handelt es sich zumeist um günstig gelegene Parkplätze, auf denen das Stehen für eine Nacht erlaubt ist. Wer jedoch auf Stellplätzen übernachten will, sollte sich vorab informieren, welche Einrichtungen (Strom, Sanitär etc.) dort vorhanden sind und welche grundsätzlichen Verhaltensregeln gelten. Beispielsweise ist es oft nicht gestattet Stühle aufzustellen oder die Markise auszufahren.

Eine weitere Alternative kann in manchen Ländern das Stehen auf Privatgrund sein. Wer also den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung nicht scheut und ein bisschen diplomatisches Geschick mitbringt, hat vielleicht die Chance ab und an einen Landwirt oder Grundbesitzer für das Wildcampen auf seinem Grund und Boden zu überreden. Doch auch hier sei aufgepasst, denn in manchen Staaten ist selbst das Übernachten im Wohnwagen oder Wohnmobil nicht erlaubt.

Niederlande und Luxemburg

Mein erster Gedanke hierzu war: „Das kann ja nicht sein!“ Ich meine, die Niederlande sind ja das Campingland schlechthin. Aber in der Realität sieht es leider so aus, dass dort die Regeln sehr streng sind. Frei stehen wird in den Niederlanden nicht selten mit empfindlichen Strafen geahndet. Auch in Luxemburg sieht es leider nicht anders aus, sodass hier guten Gewissens nur der Campingplatz oder ein offiziell ausgewiesener Stellplatz bleibt.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist das freie Stehen de facto unzulässig. Zwar mag es hier regionale Unterschiede bezüglich der genauen Gesetzeslage und deren Durchsetzung geben, dennoch ist und bleibt das freie Stehen untersagt. Um diesem Verbot zusätzlichen Nachdruck zu verleihen stehen an wirklich nahezu jedem Parkplatz Schilder, die das Abstellen von Wohnmobilen in der Nachtzeit verbieten. Einen Lichtblick gibt es allerdings: Die Schweiz verfügt über zahlreiche gute Stellplätze, die nicht nur schön gelegen, sondern auch erstaunlich günstig im Preis sind.

Tschechien

In Tschechein gibt es leider keine genaue Gesetzgebung, die das Übernachten im Fahrzeug regelt. Grundsätzlich ist das Campen dort jedoch nur auf dafür vorgesehenen Camping- oder Stellplätzen erlaubt, was also im Umkehrschluss das Wildcampen verbietet (auch wenn es hierzu keinen eigenen Gesetzestext gibt). Diese Regelung schließt auch das freie Stehen mit dem Wohnmobil ein.

Wer lediglich auf der Durchreise ist und schnell mal eine Nacht im Auto (je kleiner und unauffälliger das Womo desto besser) übernachten möchte, der kann evtl. mit der rechtlichen Grauzone „der Übermüdung“ bzw. „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ durchkommen. Dies sollte allerdings wirklich nur als Notlösung gesehen werden und ist keine Garantie dafür, dass die Polizei nicht mitten in der Nacht mal vorbeischaut und fragt was los ist.

Iberische Halbinsel

In Spanien ist das Wildcampen bzw. das freie Stehen mit dem Wohnmobil grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es keine landesweit einheitliche Regelung, wodurch die genaue Gesetzeslage sehr unübersichtlich ist. In manchen Landesteilen ist sogar das Campen auf Privatgrund untersagt, selbst wenn man die Einwilligung des Eigentümers nachweisen kann. In anderen Landesteilen wiederum wird das Wildcampingverbot ein wenig lockerer gesehen. Grundsätzlich sollte man in Spanien jedoch offizielle Stell- oder Campingplätze aufsuchen. Bei den Stellplätzen ist es außerdem wichtig auf die jeweils geltenden Ver- und Gebote zu achten, da auch hier ein Verstoß zu Strafen führen kann.

Ähnlich wie in Spanien sieht es in Portugal aus. Auch hier ist das freie Stehen grundsätzlich nicht erlaubt. Stattdessen kann man dort auf ein sehr gutes Netz an Stell- und Campingplätzen zurückgreifen.
Eine Übersicht über die Plätze und deren Ausstattung erhaltet ihr auf der Website von Turismo de Portugal.

Balkan

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das freie Stehen und das Wildcampen jeglicher Art auf dem Balkan verboten ist. Dennoch hat jedes Land seine eigenen Gesetze, die sich mancherorts sogar von Region zu Region unterscheiden. Was wo gerade wie gilt ist dabei für Außenstehende oft nicht zu durchschauen. In  Griechenland, Rumänien, Serbien, Slowenien und Ungarn sollte man sich daher auf jeden Fall nach einem Stell- oder Campingplatz umschauen. Ansonsten wäre auch das Stehen auf Privatgrund mit Einwilligung des Eigentümers eine Option.

Wer sich jetzt bereits dachte: „Verdammt, das sind aber viele Länder mit strengen Regeln.“, dem sei gesagt, es geht noch schlimmer. In Bulgarien und Kroatien ist nicht nur das freie Stehen untersagt, auch auf Privatgrund darf nicht im Camper, Wohnmobil oder Wohnwagen übernachtet werden. Das heißt, selbst wenn ihr auf eine gastfreundliche Bevölkerung trefft und beispielsweise ein Landwirt euch die Erlaubnis gibt, dass ihr auf seiner Wiese eine Nacht stehen dürft, bleibt das Kampieren an sich illegal und kann dazu führen, dass ihr nachts unsanft von der Polizei geweckt werdet.

Ja, nein, vielleicht – In diesen Ländern ist frei stehen möglich

Es gibt Länder in denen das freie Stehen weder richtig erlaubt, noch richtig verboten ist. Manche Staaten erlauben das freie Stehen grundsätzlich, schränken es dann aber mit regionalen oder kommunalen Verboten wieder stark ein. Andere verbieten das freie Stehen per Gesetz, verfolgen es aber nicht und tolerieren somit das eigentlich illegale Verhalten.

Ganz wichtig ist dabei jedoch: Wenn ihr in diesen Ländern frei stehen wollt, dann macht das möglichst unauffällig. Damit meine ich jetzt nicht, irgendwo versteckt hinter einem möglichst dicken Gebüsch, sondern vielmehr, dass ihr euch tadellos verhaltet. Lasst also keinen Müll zurück, blockiert mit eurem Wohnmobil nicht unnötig viele Parkplätze, nur weil es dann schöner steht und haltet euch auch mit lauter Musik etc. zurück. Denn eines sollte man sich immer vor Augen halten: Man ist hier oftmals nur geduldet und eine wohlgemeinte Geste schlägt schnell ins Gegenteil um wenn sie missbraucht wird.

Island

Auf Island ist das Wildcampen, sowie das freie Stehen mit dem Wohnmobil offiziell verboten. Dieses Verbot wird jedoch oft nicht verfolgt oder anders ausgedrückt: das freie Stehen wird für eine Nacht toleriert. Aufpassen sollte man jedoch in stark touristischen Regionen. Hier kann es nämlich durchaus sein, dass die örtlichen Behörden strenger auf die Einhaltung des Verbots achten. Auch ist das freie Stehen in Nationalparks und Naturschutzgebieten strikt untersagt und wird dort nicht einmal für eine Nacht toleriert.

Frankreich

In Frankreich ist die Gesetzeslage leider total verwirrend. Hier hat nahezu jeder Ort seine eigene Regelung was das Wildcampen bzw. freie Stehen betrifft. Das heißt grundsätzlich: Erst einmal ist das Wildcampen nicht grundsätzlich verboten, aber jede Gemeinde legt selber fest, wie sie mit diesem Thema umgeht. Auch kann jede Gemeinde spezielle Plätze, Orte oder Areale ausweisen, an denen das Campen erlaubt ist. Nicht selten sind dies größere Parkplätze oder eben der örtliche Camping Municipal. Verboten ist das Campen allerdings in Naturschutzgebieten und in der unmittelbaren Nähe zu Quellen, Sehenswürdigkeiten und Denkmälern.

Großbritannien

Während in Schottland freies Stehen vielerorts möglich ist, gelten für England und Wales andere Bestimmungen. Also ist es wichtig die regionalen Unterschiede für Großbritannien zu kennen. Für Schottland gilt: wer einen angemessenen Abstand (von rund 15-20 Meter) zu öffentlichen Straßen einhält, niemanden stört oder behindert und sich (sofern erforderlich) das OK des Landbesitzers eingeholt hat, ist hier absolut auf der sicheren Seite.

In England und Wales sind die Regeln strenger. Viele Parkplätze sind mit Schildern ausgestattet, die das Stehen über Nacht ausdrücklich verbieten. Wer hier dennoch stehen bleibt, der muss damit rechnen von den örtlichen Ordnungshütern angesprochen zu werden. Hat man allerdings die Erlaubnis des Besitzers auf dessen Privatgrund zu kampieren, sollte eigentlich alles in Ordnung sein.

Österreich

Ähnlich wie in Frankreich kochen auch in Österreich die Gemeinden und Kommunen oftmals ihr eigenes Süppchen. Eine allgemein gültige Regelung gibt es somit leider nicht. Je nach Gebiet wird das Stehen für eine Nacht toleriert. In den Regionen Tirol und Wien ist das Wild campen jedoch flächendeckend untersagt. Wie es sich mit den jeweiligen Bestimmungen genau verhält, erfragt man am besten vor Ort. In Österreich gibt es auch zwei große Campingclubs, die hierfür Aufschluss geben können.

Juhu, es gibt sie noch! – Diese Länder lassen das freie Stehen zu

Gleich vorab: Die Tatsache, dass freies Stehen erlaubt oder zumindest nicht verboten ist, heißt nicht, dass man hier tun und lassen kann was man will. Nichts kaputt machen, keinen Müll hinterlassen, niemanden stören und sich unauffällig verhalten sind dabei nur die Grundregeln, an die man sich eigentlich ohnehin immer halten sollte. Darüber hinaus gelten in vielen Ländern zusätzliche Bestimmungen, die das freie Stehen betreffen.

Belgien, Italien, Dänemark und Deutschland

In Deutschland, wie in Dänemark gelten in etwa die gleichen Regeln. Für eine Nacht, darf man überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist für eine Nacht (und nicht länger) mit dem Wohnmobil stehen bleiben. Wer dies tut, sollte sich jedoch der genauen Gesetzeslage bewusst sein, denn diese „Fahrtunterbrechung“ dient offiziell der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“. Konkret: Wer sich zu müde fühlt weiterzufahren darf, egal zu welcher Uhrzeit, auf einem geeigneten Parkplatz stehen bleiben und sich so lange ausruhen, bis er wieder weiterfahren kann.

Schwierig ist es freilich immer abzugrenzen, wo „die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ aufhört und wo „Camping“ anfängt. Macht man von dieser Regelung Gebrauch, sollte man auf keinen Fall Stühle rausstellen, die Markise ausfahren, großartig Grillen oder dergleichen anfangen. Auch empfiehlt es sich möglichst spät „anzureisen“ und am nächsten Tag zeitig weiterzufahren. In der Regel wird eine Standzeit von nicht länger als 10 Stunden angenommen. Wer also beispielsweise auf der Durchreise ist oder ein, zwei Tage in Gebieten verbringen will, in denen die offiziellen Campingplätze ungeschickt liegen, wird mit dieser Regelung sicherlich gut klarkommen.

Diese Regelung gilt grundsätzlich auch für Belgien bzw. Italien. Leider sieht es in der Realität aber so aus, dass viele Parkplätze mit entsprechenden Verbotsschildern versehen sind. In Italien ist dies vor allem in stark touristischen Regionen der Fall. Auch gibt es hier nicht selten Zufahrtsverbote für Wohnmobile.

Norwegen und Schweden

Auch in Schweden und Norwegen unterliegt das freie Stehen gewissen Bedingungen und sollte keinesfalls mit dem weithin bekannten ‚Jedermannsrecht‘ gleichgesetzt werden. Das Übernachten an einem Ort außerhalb eines offiziellen Camping- oder Stellplatzes ist generell auf eine Nacht beschränkt. Auch dürfen Waldwege, wegloses Gelände oder Naturschutzgebiete nicht befahren werden. In vielen Orten gibt es außerdem regionale Regelungen und Verbote. Wer sich aber abseits von besiedelten Flächen in Straßennähe so aufstellt, dass er niemanden behindert und auch den Untergrund nicht beschädigt, kann hier problemlos für eine Nacht mit dem Wohnmobil campiert werden.

Fazit

Für viele Länder ist es schwierig klare und allgemein gültige Aussagen zu treffen. Wenn ihr euch nicht sicher seid welche Regelung für euer Urlaubsland oder eure Region gilt, helfen oft die Tourismusverbände der einzelnen Länder weiter. Auch beim ADAC gibt es diesbezüglich zahlreiche nützliche Informationen.

Doch egal welche örtlichen Regeln gelten, eines gilt auf alle Fälle immer: Müll mitnehmen und niemanden belästigen oder behindern. Denn wer in fremden Ländern unterwegs ist, hat meist mehr vom Urlaub, wenn er sich mit den Einheimischen gutstellen kann. Und auf diese Weise hat es auch schon manchmal geklappt, dass nach einem Einkauf von Obst, Gemüse oder Wein beim regionalen Erzeuger, die Campingerlaubnis auf dem Grundstück erteilt wurde.

Falls euch das Reisen mit dem Wohnmobil nun allerdings ein bisschen zu heikel erscheint und ihr somit noch abwägt auf das Zelt umzusteigen, leiten wir euch dafür gerne an den entsprechenden Artikel über das Wildcampen mit Zelt weiter. In diesem Sinne „on the road again“…

 

Wild im Wald und am Berg

24. Juli 2018
Tipps und Tricks

Wild im Wald? Geht es hier darum, zwischen den Wipfeln die Sau raus zu lassen? Nein, es geht um die ungezähmten tierischen Zeitgenossen, die da draußen hausen. Da draußen, das bedeutet im Alpenraum und in den deutschen Outdoor- und Wandergefilden. Also im Grunde fast überall zwischen Flensburg und Nizza. Nicht gemeint sind hier Kühe, Schafe und andere domestizierte Tiere, die man in den Bergen mindestens so häufig sieht wie echte Wildtiere.

Welche Tiere finden sich bei uns und in den Alpen?

Die Liste der heimischen und alpinen Wildtierarten ist bei weitem nicht so kurz, wie man in Zeiten der Übererschließung denken könnte. Würde man Kleinsäuger wie Igel oder Eichhörnchen mit einbeziehen, würde sie den Rahmen eines solchen Artikels locker sprengen. Ganz zu schweigen von den unzähligen Vogelarten. Deshalb stelle ich hier nur eine kleine Auswahl vor, die zugegebenermaßen nicht wirklich objektiv ist. Wie sollte das auch gehen? Nach welchen Kriterien soll man auswählen? Verbreitung? Populationsgröße? Dafür müsste man zuerst mal ein Beobachtungsgebiet definieren, mit ausführlicher Diskussion darüber, was der „Alpenraum“ überhaupt ist. Darunter verstehen nämlich Bergfreunde und Fachleute aller Art jeweils etwas anderes.

Das überlasse ich also den Doktorarbeiten und erlaube mir stattdessen ein rein subjektives Kriterium einzubeziehen, das man „Sehenswürdigkeit“ der Tiere nennen könnte. Da fallen dann zum Beispiel Fuchs und Hase unter den Tisch und sagen gute Nacht. Ebenso „unwissenschaftlich“ ist unter diesem Kriterium die bei jeder aufgezählten Tierart mitgegebene Einschätzung der Sichtungs- und Begegnungswahrscheinlichkeit.

Einige der folgend genannten Tiere sind charakteristische Alpenbewohner, andere kommen hingegen auch oder nur in den deutschen Kulturlandschaften und Mittelgebirgen vor. Die Aufzählung ist (soweit möglich) aufsteigend von klein und leicht zu groß und schwer hin geordnet:

Alpendohle

Mit ihrem schwarzen Gefieder, dem gelben Schnabel und den orange-roten Beinchen ist sie leicht zu erkennen. Sie lebt oberhalb der Baumgrenze in Höhen von 1500-3500 m und tritt oft in größeren Schwärmen auf. Wenn man auf irgendeinem Gipfel etwas Essbares auspackt, sind Sichtungen und Begegnungen so gut wie garantiert.

Wildhuhn

Birkhühner und Raufußhühner sind „fasanartige Hühnervögel“ und im Mittel- und Hochgebirge weit verbreitet. Auch die etwas größeren und wegen ihres Schwanzgefieders auffälligeren Auerhühner gehören dazu. Eine Unterart des Raufußhuhns ist das Schneehuhn. Da sich die Lebensräume von Wildhühnern oft auch mit stärker frequentierten Tourengebieten überschneiden, gelten sie teilweise als gefährdet – besonders im Winter, wenn Skitourengeher die gut getarnten Vögel aufschrecken. Die Sichtungs- und Begegnungswahrscheinlichkeit mit einem Wildhuhn ist mittel.

Schneehase

Der Schneehase kann durchaus mit stattlichen bis zu 60 cm Länge und 5 kg Gewicht ausfallen. Meist treibt er sich nachts in Höhen zwischen 1000 und 3500 m herum – bisweilen in Gruppen von bis zu 100 Tieren. Trotz dieser beeindruckenden Gruppenstärke gelten Schneehasen als gefährdete Tierart. Mit ihrem weißen Winterfell sind sie gut genug getarnt, sodass die Sichtungs- und Begegnungswahrscheinlichkeit zu der winterlichen Jahreszeit mittel bis gering ist.

Steinadler

Mit einer Körperlänge von bis zu 100cm und einer Flügel-Spannweite von 210-230 cm geben Steinadler ein imposantes Bild am Himmel ab. An Gewicht erreichen sie zwischen 3 und 7 kg. Die Sichtungswahrscheinlichkeit ist mittel bis hoch, die Begegnungswahrscheinlichkeit eher gering.

Murmeltier

Der putzige Nager kommt in bis zu 2500 m Höhe überall in den Alpen vor. Besonders bei der guten Nahrungsgrundlage rund um Berghütten wird das Murmeltier bis zu 8 kg schwer und 60 cm lang. Erkennbar ist es am länglichen Körperbau mit rundlichem Schwanz und den schrillen Pfeiftönen. Die Sichtungs- und Begegnungswahrscheinlichkeit eines Murmeltiers ist relativ hoch.

Gams

Die eleganten „Ziegenartigen“ kommen in den Alpen zwischen 1000 und 3500 m Höhe vor. Sie werden bis zu 60 kg schwer und sind an ihren mittigen kleinen Hörnern, sowie ihren bemerkenswerten Kletterfähigkeiten erkennbar  –  stets Free-Solo und Onsight also ;-). Die reinen Pflanzenfresser können in Rudeln von bis zu 30 Tieren auftreten – ein schöner Anblick. Gämsen gelten ebenfalls als gefährdete Arten. Da sie sich oft an exponierten Hängen aufhalten, ist die Sichtungswahrscheinlichkeit hoch und die Begegnungswahrscheinlichkeit mittel bis gering.

Reh

Oft mit der Hirschkuh verwechselt, ist das Reh eine eigene, deutlich kleinere Art. Rehböcke haben zudem ein deutlich kleineres Geweih als männliche Hirsche. Das weit verbreitete Reh wird man mit mittlerer bis hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann mal da draußen zu Gesicht bekommen.

Wolf

Neulich in einer Doku über Wölfe in Deutschland: Es fragt der Fernsehmoderator: „Der Wolf hat ein Schaf gerissen, was sagen Sie dazu?“ Es antwortet der Anwohner: „Jo mei, was soll der sonst machen, Spargel stechen?“ Im Vergleich zu den „Betroffenen“, die sich den Lebensraum mit Isegrim teilen, scheint der Wolf bei den Fernsehmoderatoren gefürchteter zu sein. Da ein Bericht der Arbeitsgruppe „Wolf Alpine Group“ von 2014 für das Jahr 2012 ganze 35 Wolfsrudel und 6 Wolfspaare im gesamten Alpenbogen angab, dürfte sich die Sichtungs- und Begegnungswahrscheinlichkeit für Wanderer und andere Bergfreunde bei sehr gering einpendeln.

Luchs

Die heimische Wildkatze mit den Pinselohren ist wegen ihrer Schönheit und „Sehenswürdigkeit“ hier aufgezählt. Die Wahrscheinlichkeit, einen der etwa 130 in den deutschen Mittelgebirgswäldern umherstreifenden Luchse zu erblicken, ist ähnlich hoch wie der berühmte Lottosechser. Die theoretisch besten Chancen gibts in großen zusammenhängenden Waldgebieten wie Pfälzerwald oder Bayrischer Wald.

Wildschwein (Schwarzwild)

Wegen der steigenden Durchschnittstemperaturen werfen viele Baumarten immer mehr Samen ab. Dies bietet wiederum den Wildschweinen mehr Nahrung. Hinzu kommen weitere Faktoren wie vergrößerte Maisanbauflächen, die bei den schlauen Allesfressern zu einem „explosionsartigen Wachstum“ führten. Vor einigen Jahren wurden gar drastische Schlagzeilen formuliert – von einer „Versauung des Alpenraum“ war mehrfach die Rede. Bei ihrer Fahndung nach Bodentierchen pflügen die Schweinchen nämlich gern mal ganze Wald-, Wiesen- und Ackerareale um. Bei der üppigen Nahrungsgrundlage ist es demnach auch kein Wunder, dass Keiler (die Männchen) in Mitteleuropa bis zu 100 kg auf die Waage bringen können – und das bei einer Schulterhöhe von bis zu 120 cm! Bei solchen Exemplaren wird man wohl freiwillig respektvollen Abstand halten. Die Sichtungswahrscheinlichkeit ist mittel, die Begegnungswahrscheinlichkeit mittel bis gering – allerdings mit steigender Tendenz.

Steinbock

Die wilden Ziegen mit den großen Hörnern kommen bis in etwa 3500 m Höheüberall in den Alpen zwischen der Wald- und Eisgrenze vor. Bei einer Schulterhöhe von bis zu 90 cm erreichen die männlichen Böcke ein Gewicht von bis zu 120 kg. Leicht zu erkennen sind sie an ihren bis zu 1 m langen, gebogenen Hörnern. Ähnlich wie die Gämsen sind Steinböcke elegante Kletterer. Die Sichtungswahrscheinlichkeit mit diesen reinen Pflanzenfressern ist mittel bis hoch, die Begegnungswahrscheinlichkeit eher gering.

Rotwild

Der männliche Bulle ist der Rothirsch, während das weibliche Gegenstück als Hirschkuh bezeichnet wird. Meist in Gruppen unterwegs, verbringt das Rotwild den Winter in den niedrigen und mittleren Lagen des Gebirgswaldes. Im Sommer geht es jedoch auch mal etwas höher hinaus. Die Sichtungswahrscheinlichkeit dieser scheuen Pflanzenfresser ist mittel bis gering, die Begegnungswahrscheinlichkeit gering.

Bär(?)

Einer der Vorgaben für diesen Artikel lautete: „Bitte nur auf die Tiere konzentrieren, auf die der Mensch potenziell trifft.“ Hm, trifft der Mensch „potenziell“ auf einen der etwa 50 Braunbären im Alpenraum? Schwer zu sagen, wahrscheinlich erlebt man eher eine Ufo-Sichtung als eine Bärenbegegnung. Die macht sich als Lagerfeuergeschichte immerhin genauso gut. Man kann eine Bärenbegegnung jedenfalls nicht mit letzter Sicherheit ausschließen – schon gar nicht in den Hauptverbreitungsgebieten wie Slowenien und Trentino. Der Österreichische WWF gibt sogar Verhaltensempfehlungen für Begegnungen mit den brummigen Gesellen aus – nein, nicht für Kanada, sondern für Österreich. Wenn die alle nichts helfen, kann man Meister Petz immer noch auf die Unwahrscheinlichkeit dieser Begegnung hinweisen. Im Ernst, selbst wenn es zu einer extrem seltenen Sichtung oder Begegnung mit einem Bären kommt, heißt das noch lange nicht, dass objektiv akute Gefahr in Verzug ist. Auch wenn es im Fall der Fälle eventuell schwer sein dürfte, sich daran zu erinnern …

Wie verhalten?

Die grundlegenden Verhaltensregeln, um Tiere und Ökosystem nicht zu schädigen, sind sehr einfach zu befolgen und erscheinen den meisten Menschen bestimmt als selbstverständlich. Grundsätzlich sollte man sich darüber im Klaren sein, wer „da draußen“ nur vorübergehender Gast ist und wer „Hausrecht“ hat. Leider zeigen Spuren und Beschädigungen immer wieder, dass es zu viele Zeitgenossen gibt, die zur notwendigen Rücksichtnahme nicht fähig oder willens sind. Um eventuelle Wissenslücken zu stopfen, folgt hier das Wichtigste kurz zusammengefasst:

Auf keinen Fall sollte man Tieren nachstellen und sie gleichermaßen auch nicht aufscheuchen. Stattdessen sollte man sich mit der Beobachtung aus der Distanz oder durchs Teleobjektiv begnügen. Zu vermeiden ist generell jedes „unentspannte“ Verhalten, dass den Tieren als Gefahr für sich und den Nachwuchs erscheinen könnte. Dazu kann auch gehören, dass Wanderer, die sich in normaler Gesprächslautstärke unterhalten, plötzlich nur noch flüstern oder sich zu verstecken versuchen. Solch ungewöhnliches Verhalten kann nach Aufregung und „Alarm“ wirken und viele Tiere irritieren. Der Mensch „darf“ in der Natur also durchaus reden und sich unterhalten, doch Geschrei und jeder weitere Lärm und Krach ist möglichst zu vermeiden (die neue Soundbox mit dem extrafetten Bass kann da noch so cool sein).

Den Stress und Energieaufwand einer eventuellen Flucht müssen die Tiere durch vermehrte Nahrungsaufnahme ausgleichen. Wenn man den Tieren zu nahe kommt, kann es statt einer Flucht auch durchaus eine Angriffsreaktion geben – die kann dann sogar bei einem niedlich und harmlos dreinschauenden Reh ziemlich ungemütlich werden.

Wer mit dem Hund unterwegs ist, hat ihn anzuleinen – nicht nur in Schon- und Schutzgebieten. Die häufig in Wegnähe zu sehenden Futterstellen für Wildtiere sollte man umgehen. In Waldgebieten und an der Waldgrenze sollte man die üblichen Skirouten, Forst- und Wanderwege nicht verlassen und Abstand zu Baum- und Strauchgruppen halten. Besonders sollte man nicht die Aufforstungen und den Jungwald betreten.

Im Winter gelten einige spezielle Regeln. Dazu gehört beispielsweise, dass Gipfel, Rücken und Grate vor 10 Uhr und nach 16 Uhr zu meiden sind. Zu den jeweils jahreszeitlich angepassten Verhaltensregeln für ein natur- und wildverträgliches Unterwegssein gibt der Deutsche Alpenverein umfassende Infos. Darin finden sich auch weitere Tipps für Anreise, Tourenauswahl und Tourenplanung.

Was tun bei verletzten Tieren?

Verletzte Wildtiere kenne ich bislang nur aus Filmen. In denen löst der Held das Problem meist per Gnadenschuss. In der heimischen Berg-Realität läuft das aber eher etwas anders ab. Hier stehen wir Nichtexperten beim Anblick eines verwundeten oder kranken Tieres nämlich hilflos da. Wahrscheinlich kommt dabei auch der Gedanke auf, einfach weiter zu gehen, da man „ja eh nichts machen kann“. Ganz abgesehen davon, dass nicht nur das Abschießen, sondern auch die „Entnahme“ von Wildtieren aus der Natur für Ottonormalbürger verboten ist.

Das Tier selbst behandeln zu wollen, ist für Nichtexperten selten eine gute Idee. Das Tier wird den Hilfeversuch womöglich „nicht richtig verstehen“ und sich heftig zur Wehr setzen. Das kann selbst bei kleineren Tieren für den „Retter“ gefährlich werden. Wirklich ungefährliche Kleintiere kann man unter Umständen in einem Karton zu einer Wildtierauffangstation oder zum nächsten Tierarzt bringen. Hierbei kann es dann jedoch zu Komplikationen hinsichtlich der Behandlungskosten kommen.

Es gibt sehr viele Stellen und Ansprechpartner, die für verletzte Wildtiere zuständig sind oder sein könnten. Dazu gehören Naturschutzbehörden, Tierschutzvereine, Jagdbehörden und Jagdpächter. Doch gerade die große Zahl an Möglichkeiten ist das Problem, denn kaum jemand wird sich vermutlich vor einer Tour die Mühe machen, Telefonnummern zu recherchieren und einzuspeichern. Und wenn es dann an der Fundstelle des verletzten Tieres kein mobiles Internet gibt, lässt sich das Recherchieren auch nicht mehr nachholen. Insofern sollte man es zuerst bei der Polizei versuchen, die im Fall von Verkehrsunfällen auch direkt zuständig ist. Für den Überblick über alle mögliche Fälle und Situationen ist dieser Artikel des Zooroyal Magazins sehr hilfreich.

Fazit

Langweilig wird es einem im Wald oder am Berg sicher nicht. Und das liegt nicht nur an der Aktivität, oder der Aussicht, sondern auch an den Tieren. Wir hoffen diese Übersicht konnte euch einen kleinen Einblick in die wilde Tierwelt vor unseren Haustüren geben. Wir freuen uns, wenn ihr uns in den Kommentaren eure Erfahrungen und Begegnungen mit Tieren hinterlasst. Oder habt ihr sogar ein Tier gesichtet, dass wir komplett vom Radar haben, ihr aber findet, dass es unbedingt genannt werden muss? Lasst es uns auch hier gerne in den Kommentaren wissen! – Wir sind gespannt!

Wandern, Hiking, Trekking und Co.: der kleine Sprachverwirrungs-Reiseführer

17. Juli 2018
Tipps und Tricks

Wandern, Bergwandern, Fernwandern, Weitwandern, Walking, Trekking, Hüttentrekking, Hiking, Speedhiking, Backpacking, Fastpacking, Pilgern: das alles sind Begriffe, die mehr oder weniger das Gehen in der Landschaft umschreiben. Warum so viele Worte um diese simple und schöne Aktivitätzu beschreiben, bei der man irgendwo da draußen einfach nur einen Fuß vor den anderen setzt? Worin unterscheiden sich all diese „Disziplinen“? Gibt es überhaupt nennenswerte Unterschiede? Genau diese Fragen wollen wir beantworten und schauen uns deshalb die verschiedenen Disziplinen mal genauer an. Dabei beschränken wir uns aber auf die Fortbewegung im Gehtempo und ohne Ausrüstung an den Füßen (wie Schneeschuhe oder Skier).

Gehen ist nicht gleich gehen

Eine erste Antwort auf die Fragen könnte sein: Outdooraktivitäten per pedes werden immer beliebter und dabei diversifizieren sie sich eben immer mehr. Die Bandbreite reicht von einfachen Tagestouren im Sauerland bis zu mehrwöchigen Unternehmungen im Karakorum. Die Varianten unterscheiden sich in ihrer Dauer, in der geografischen Lage und hinsichtlich Anstrengung und Anspruch. Ein weiteres Unterscheidungskriterium für die Kategorisierung der Outdoor-Geh-Aktivitäten ist die verwendete Ausrüstung. Auch die Beweggründe des Losziehens können als Unterscheidungsmerkmal dienen. Die einen wollen genießen, die anderen sportliche Ziele erreichen und wieder andere wollen sich selbst oder einen höheren Sinn finden. Letztere religiös-spirituelle Beweggründe sind mit dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zum Massenphänomen geworden.

Sperriges Deutsch und coole Anglizismen

Dass heutzutage jede Variation des Gehens in der Natur mit einem eigenen Oberbegriff versehen wird, hängt wohl damit zusammen, dass wir Menschen gern kategorisieren. Sicherlich ist auch das Marketing der Tourismus- und Outdoorbranche nicht ganz unschuldig, denn zu einem großen Spektrum an Aktivitäten passt natürlich auch ein großes Spektrum an Ausrüstung und Produkten. Die vielen Anglizismen sind dabei sehr praktisch, lassen sie das Ganze doch auch noch sexy klingen. Zumindest im Vergleich zu manch deutscher Variante, die teils etwas sperrig und angestaubt daherkommt. So macht „Speedhiking“ sicher mehr her als „Hochgeschwindigkeitswandern“ oder kommt „Fastpacking“ lässiger als „Leichtgepäckschnellwandern“.

Allerdings kreiert diese sprachliche Vielfalt unscharfe Begriffe, die man nicht immer Eins zu eins übersetzen kann. Versucht man es doch, kann durchaus mal ein Durcheinander entstehen. So wird beispielsweise das englische „Hiking“ schlicht mit „Wandern“ übersetzt, während „Hiking trousers“ dann aber mit „Trekkinghose“ übersetzt wird. Demnach muss „Trekking“ also etwas anderes sein als Wandern, oder? Ja, so scheint es zu sein. Nur warum wird dann wiederum der „Trekking pole“ als „Wanderstock“ übersetzt?

Als ob das alles also nicht schon genug Verwirrung wäre, kommt nun nach „Trekking“, „Hiking“ und „Walking“ auch noch das „Backpacking“ und „Fastpacking“ hinzu. Während Ersteres auch das Unterwegssein mit Verkehrsmitteln einschließt, ist Letzteres ebenfalls nichts anderes als „gehen“, nur eben mit Rucksack. Aber Moment, beim Wandern hat man doch auch den Rucksack auf dem Buckel. Also ist letztlich doch alles Quatsch? Nein, eher eine Frage von regions- und länderspezifischen Begriffsverwendungen.

Immerhin ist bis hierhin schonmal geklärt, dass die Begriffe Hiking und Wandern identisch sind. Sie werden auch stets Eins zu eins übersetzt, wenn zum Beispiel auf mehrsprachigen Webseiten von Tourismusgemeinden die Wandermöglichkeiten gepriesen werden. Beide beschreiben laut Outdoor Magazin „Tagestouren, bei denen ein Tagesrucksack/Daypack mit 20 bis 30 Liter Volumen zum Einsatz kommt“. Und bei beiden kehrt man in der Regel abends wieder zu einem festen Schlafplatz zurück. Touren mit einer (Hütten)Übernachtungen können somit als Hikingtouren definiert werden.

Die vielen anderen Begriffe für das Gehen in der Landschaft überschneiden sich nicht so stark, sind aber auch nicht immer „sauber“ zu trennen. Vielleicht sollte man deshalb gar nicht so viel vergleichen, sondern einfach der Reihe nach alle Begriffe aufdröseln – dann ergeben sich die Vergleiche bestimmt von selbst:

Wandern

Dauert ein Spaziergang mehrere Stunden, kann man ihn als Wanderung bezeichnen. Der Deutsche Wanderverband setzt hier die mehr oder weniger beliebige Grenze von einer Stunde fest. Außerdem gehört für den DWV zur Klassifizierung des Wanderns eine „entsprechende Planung, Nutzung spezifischer Infrastruktur (…) (und) angepasste Ausrüstung“ dazu.

Keine Rolle spielt, ob es beim Wandern durch Wald und Wiese, Hügel und Berge oder entlang von Flüssen, Küsten und Stränden geht. Der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen, denn „es werden markierte, gute Wege begangen, die keinerlei alpine Schwierigkeiten aufweisen“. Das Gelände lässt sich ohne oder mit minimalen Hilfsmitteln wie einem Wanderstock begehen. Letzterer gehört aber schon nicht mehr zur Standardausrüstung, die sich auf robustes, passendes Schuhwerk und eine dem örtlichen Klima angemessene Kleidung beschränkt.

Das war es auch schon mit der Definition, die hier so schön unkompliziert ist, wie das Wandern selbst.

Bergwandern

Hier steckt die Definition schon im Wort: es handelt sich um das Wandern in bergigem Gelände. Meist werden hier markierte oder zumindest gut erkennbare Wege und Pfade benutzt, die normalerweise ohne Klettereinlagen zu begehen sind. Ausgesetzte Stellen sind hier oft gesichert und weglose Passagen meist kurz.

Die Grenzen zwischen Wandern und Bergwandern sind genauso wenig scharf definiert wie die zwischen Bergwandern und Bergsteigen. Festlegungsversuche nach einzelnen Kriterien wie Höhenlage und Höhenunterschiede wären auch schlicht Unsinn, denn sie könnten niemals der Vielfalt an Landschaften und Möglichkeiten der Tourengestaltung gerecht werden. Es müssten dann auch sehr viele Kriterien wie Ausrüstungsbedarf, Zeitdauer, Planungsaufwand oder die Ansprüche an Fitness, Orientierungsfähigkeit, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit einbezogen und verglichen werden. Hier kann man nur sagen, dass all diese Kriterien „einen Tick höher anzusetzen“ sind, als wenn man „nur wandert“.

Die Bandbreite des Bergwanderns ist sehr groß und reicht vom Begehen breiter Forstwege zu einer bewirtschafteten Alm im Alpenvorland bis zur Besteigung eines eisfreien 3000ers im Alpenhauptkamm. Es gibt auch viele Spielarten wie die Höhenwanderung, die in größerer Höhe ohne starke Höhenunterschiede verläuft; oder die Durchquerung, die meist von einer Schutzhütte zur nächsten führt.

Trekking

Das englische Wort „trek“ steht für „Marsch“, „Wanderung“ und diverse Arten von Reisen zu Fuß. Das Wort „trekking“ wird vom Cambridge Dictionary wie folgt definiert„Die Aktivität, eine lange Distanz zum Vergnügen zu Fuß zurückzulegen.“

Damit wäre das englische „Trekking“ nichts anderes als das deutsche „Wandern“ und Trekking, Wandern und Hiking folglich austauschbare Synonyme. Also letztendlich doch wieder alles Quatsch? Nein, natürlich nicht, denn beim Trekking wird eine längere Strecke mit mehr Gepäck zurückgelegt. Der Unterschied liegt also mindestens in den Kriterien der Dauer und Ausrüstung. Laut Trekkingguide.de kommen noch weitere Unterschiede in Sachen Fortbewegung und „Verkehrsmittel“ hinzu:

„Trekking ist für uns das Reisen über mehrere Tage zu Fuß oder mit einfachen, muskelbetriebenen Fahrzeugen wie Kanu oder Fahrrad, in der Regel mit Gepäck. Man könnte das ganze natürlich auch ‚Mehrtageswandern‘, ‚Mehrtageswasserwandern‘ und ‚Mehrtagesradwandern‘ nennen.“

Als weiteres Abgrenzungsmerkmal kann auch das Ziel dienen:

„Abgelegene, gering erschlossene Gebiete mit wenig berührter Natur und traditioneller Kultur sind daher die bevorzugten Ziele des Trekking.“

Das entspricht auch der klassischen Vorstellung von Trekking als einer Art Vorstufe zur Expedition in abgelegene und oft auch kulturell „ursprüngliche“ Gebiete. Neben dem Schlafplatz (in Form des Zelts) wird hier auch eine größere Menge an Proviant mittransportiert.

Das Outdoor Magazin, das durchaus eine Stimme mit Gewicht ist, hat allerdings seine ganz eigene Sicht. Hier heißt es:

Sobald man übernachtet – egal ob in einer Hütte, Pension oder dem Zelt –, spricht outdoor von »Trekking«.

Ein etwas exklusiver Standpunkt, doch durchaus legitim. Einigen wir uns deshalb doch hier darauf, dass Trekking oft in alpenferne Länder wie Nepal oder Kanada führt und weiter von der „Zivilisation“ entfernt stattfindet, als das klassische Wandern. Und darauf, dass man wesentlich mehr Gepäck dabei hat und auch mal echte Wildnis durchkreuzt.

Weit- und Fernwandern

Weit- und Fernwandern könnte so viel heißen wie große Strecken über mehrere Tage oder gar Wochen zurückzulegen – wieder eines dieser  Phänomene, die sich gerade wie ein Popup-Fenster ins öffentliche Blickfeld drängen. Wirft man einen Blick auf Social Media und in die Blogosphäre, scheint alle Welt gerade irgendwo auf Alpenüber- oder Längsdurchquerung unterwegs zu sein. Warum sind alle so erpicht darauf, tage- und wochenlang durch die Gegend zu marschieren? Das Portal Wandern.com hat vielleicht eine Antwort:

Hat man einen längeren Marsch hinter sich und 30 Kilometer oder sogar mehr am Tag bewältigt, erreicht mit brennenden Füßen und schmerzendem Rücken am Ende seiner Kräfte die Herberge, dann jubiliert die Seele und lacht das Herz. Man erlebt dank des Erfolgs – und nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Dosierung an Sauerstoff im Blut – einen wahren Glücksrausch.

Die Herberge ist auch das entscheidende Stichwort, um das Fern- und Weitwandern vom Trekking zu unterscheiden, denn der Weitwanderer bewegt sich, anders als der Trekker, nie in gänzlich unerschlossenem Terrain. Und wenn der Weitwanderer nicht mehr zu seiner Ausgangsherberge zurückkehrt, wird er zum Fernwanderer umbenannt.

Das Wegehandbuch der Alpenvereine trifft die Unterscheidung auch der Länge nach: Fernwanderwege sind über 500 km lang und führen durch mindestens drei Staaten. Weitwanderwege sind über 300 km lang und verlaufen durch mindestens drei Bundesländer. Diese akkuraten Festlegungen hindern natürlich niemanden daran beliebig viele nationale und auch regionale Weit- und Fernwanderwege einzurichten.

Durch ihre Gebundenheit an lokale Ressourcen und Infrastrukturen, sind Weit- und Fernwanderer ein weit wichtigerer Wirtschaftsfaktor, als die Trekker. Dementsprechend werden erstere auch stärker umworben. Diese wirtschaftliche Komponente ist auch eine der weniger romantischen Erklärungen des Weitwanderbooms. Im Rahmen dessen werden immer mehr Wege zu Fernwanderwegen verbunden, markiert, ausgebaut und vermarktet.

Pilgern

„Fernwandern mit spiritueller Motivation“ – so könnte die Kurzformel für das Pilgern lauten. Vor allem die spanischen Jakobswege, mit ihren stimmungsvollen Landschaften und dem dichten Netz an Herbergen, ziehen Fernwanderer aus aller Welt an. Der bekannteste unter ihnen führt von den Pyrenäen zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.

Speedhiking

Dem „Wandern im Turbogang“ haben wir hier kürzlich einen ganzen Artikel gewidmet. Diese verschärfte Art des Wanderns führt oft mit kräftigem Stockeinsatz und leichter Ausrüstung in anspruchsvolles Gelände. Die Stöcke dienen zur Stabilisierung des Körpers und zur Stärkung der Oberkörpermuskulatur.

Zunächst wurde Speedhiking hauptsächlich als Ausgleichssport oder Trainingsmethode für andere Bergsportarten wie Skitouren oder Trailrunning betrieben. In den letzten Jahren zeigt es sich jedoch zunehmend als eigene Sportart, mit der man sehr gut konditionelle und koordinativen Fähigkeiten entwickeln kann. Außerdem passt Speedhiking in den aktuellen Ultraleicht-Trend. Selbstverständlich gibt es mittlerweile auch eigene Wettbewerbe, mit verschiedenen Distanzen und Schwierigkeitsgraden für die wachsende Zahl der Sportler unterschiedlichen Niveaus.

(Nordic) Walking

Auf den ersten Blick scheint das flotte Gehen mit dem betonten Stockeinsatz das Gleiche wie Speedhiking zu sein, denn auch hier werden Stöcke geschwungen und das Gehtempo gesteigert. Allerdings werden beim Nordic Walking eher selten viele Höhenmeter oder besonders lange Distanzen abgerissen. Auch das begangene Gelände und das Tempo erweisen sich bei näherer Betrachtung als deutlich gemütlicher. Nordic Walking dürfte also irgendwo zwischen spazieren, wandern und joggen anzusiedeln sein.

Die auch als Powerwalking bezeichnete Wandervariante hat, im Gegensatz zum Speedhiking, ein leicht betuliches Image, sodass man in Wald und Flur eher selten auf junge (Nordic) Walker trifft. Als Bergsport spielt Nordic Walking kaum eine Rolle. Ihre Anhänger sehen eher die Gesundheitsaspekte und den Geselligkeitsfaktor im Vordergrund.

Fastpacking

Genau wie Speedhiking schwimmt auch das Fastpacking im Fahrwasser des Ultraleicht-GedankensFastpacking ist eine Mischung aus (Speed)Hiking, Trekking und Berglauf. Das Motto hier heißt „schnell und lang“. Das bedeutet, dass es mehrere Tage zu Fuß durch abgelegenes Bergterrain, über schroffe Gipfel und unerschlossene Bergketten hinweg geht. Übernachtet wird idealerweise im Biwaksack oder ganz puristisch im Freien.

Fastpacking ist nichts für in den Bergen Ungeübte, da der Minimalismus einen fortgeschrittenen Trainingsstand und einen routinierten, sowie kreativen Umgang mit der Ausrüstung erfordert. Die leicht-und-schnell-Einstellung des Fastpacking ist an den Alpinstil-Gedanken der Bergsteigerei angelehnt. Bei aller Ambition geht es hier aber auch darum den Gesamtaufwand zu minimieren, ohne allerdings die Sicherheit und den Komfort zu vernachlässigen.

Kreative und exotische Spielformen

Geocaching ist die Schatzsuche und Schnitzeljagd für junge und junggebliebene Freizeitabenteurer. Durch etwas technische Spielerei mit dem GPS-Gerät entsteht ein kleiner Extrakick, der auch die weniger Naturbegeisterten nach draußen locken kann. Das GPS-Gerät hilft beim Aufspüren der „Caches“ (Schätze), die mittlerweile auch in den Bergen überall versteckt sind. Mit Geocaching wird das (Berg)Wandern also auch für junge Zocker etwas weniger abschreckend.

Barfußwandern fügt dem Wandern nichts hinzu, sondern nimmt etwas weg – nämlich die Schuhe. Was Horrorvorstellung für die einen ist, bedeutet Befreiung von Zwängen für die Anderen. Anfänger gehen am Besten erstmal nur eine kurze Strecken auf geeignetem Untergrund (Gras, Sand oder Erde) und tasten sich auf diese Weise sprichwörtlich an die Sache heran. Zudem besteht natürlich immer die Möglichkeit die mitgeführten Schuhe anzuziehen.

Ihr seht, die Liste der „wanderartigen Aktivitäten“ wird lang und länger. Und da wir Menschen beim Erfinden neuer Outdooraktivitäten unermüdlich sind, dürfen wir gespannt sein, welche ausgefallene Wanderdisziplin die Liste als Nächstes erweitern wird. Deshalb, Fortsetzung folgt…

Rucksackapotheke für die Erste Hilfe

13. Juli 2018
Tipps und Tricks

Kann man dieses Thema nicht schnell abhaken? Man braucht doch schließlich nur eines der vielen fertig gepackten Erste-Hilfe-Sets zu kaufen und gut ist. Meistens ist da ja sogar noch eine Bedienungsanleitung drin, die ich mir im Notfall immer noch schnell durchlesen kann. Und überhaupt, diese Notfälle sind doch eher Theorie, bei mir wird sowas eh nie eintreten. Oder?

„Ich hab das voll im Griff und bin eh vorsichtig“

Als sehr junger Bergfreund habe ich selbst so gedacht (bzw. darüber überhaupt nicht nachgedacht) und Erste-Hilfe-Sets eher immer für ein optionales Extra gehalten. Das hat sich dann allerdings schnurstracks geändert als ich binnen weniger Jahre viermal Situationen am Berg erlebt habe, in denen Erste-Hilfe-Zeug zum Einsatz kam – davon einmal an mir selbst. Das hat mich von der Notwendigkeit des Ganzen ziemlich überzeugt.

Außerdem lernte ich von da an, dass es immer besser ist wenn man lieber zu viel als zu wenig Material dabei hat. So hat bei meinem eigenen Unfall zum Beispiel ein zufällig in der Nähe befindlicher Rettungssanitäter mehrere Rollen Verband als Blutstiller in meinem offenen Schienbein verschwinden lassen, bevor er das Ganze mit einem weiteren Verband umwickelte und (zu meinem Leidwesen) kräftig zusammendrückte. Womöglich war es jedoch gerade dieser kreative Einsatz an reichlichem Material, der mir die eigentlich vorprogrammierte Infektion, der über eineinhalb Stunden unbehandelten Wunde, erspart hat. Die paar Gramm Zusatzgewicht für Verbandsmaterial können sich also durchaus lohnen!

Und noch eine Lektion habe ich gelernt: auf schnelle oder gar sofortige Hilfe per Handyanruf sollte man sich NICHT verlassen – nicht einmal im deutschen Alpenraum. Auch heutzutage gibt es im Gebirge überall Zonen und Winkel, die ohne Netzabdeckung sind.

Befindet sich in solch einer Zone mal ein Verletzter, der sich nicht bewegen kann und von keinem weiteren Gruppenteilnehmer umgeben ist, der Hilfe holen kann, bleibt nur noch das alpine Notsignal. Dieses besteht aus sechs akustischen und/oder optischen Hilferufs-Signalen, die pro Minute ausgesendet werden. Diese Signale verlaufen dabei so, dass eine Minute lang die sechs Signale erzeugt werden, dann eine Minute Pause folgt und danach für eine Minute weitere sechs Signale einsetzen. Eine eventuelle Antwort besteht dabei aus drei Signalen pro Minute.

Auch Signalraketen könnten hier sinnvoll sein und das selbst in alpinen Gebieten, die nicht abgelegen oder einsam sind.Warum? Auch viel frequentierte Bergmassive haben Routen in unübersichtlichem Gelände, mit versteckten Ecken und Winkeln. Im Falle eines Unfalls kann das laute Leuchtgeschoss der entscheidende Hinweis für suchende Retter sein.

„Ab wann“ wird das Erste-Hilfe-Set zur Pflicht?

Mittlerweile habe ich selbst bei leichten Wanderungen, meist auch beim Ausflug zum Klettergarten, das Erste-Hilfe-Set im Rucksack dabei – quasi fest installiert in der Deckeltasche.

Und apropos Klettergarten: erstaunlicherweise scheint es als normal zu gelten, beim Sportklettern KEIN Erste-Hilfe-Set dabei zu haben, obwohl das Verletzungsrisiko dort sicher nicht geringer ist als bei Bergwanderungen. Viele verlassen sich hier wohl darauf, dass im Notfall schon irgendjemand irgendwas dabei haben wird.

Andererseits: klar, wenn man wirklich auf Nummer sicher gehen wollte, müsste man wohl auch beim Radeln in der Innenstadt ein Set dabei haben. Das wäre vielleicht übertrieben, doch bei allen „kleineren“ Unternehmungen ist die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets eben eine individuelle, subjektive Entscheidung.

Ein wirkliches Argument gegen die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets gibt es jedenfalls nicht. Nicht einmal der Gewichtseinwand, da die allermeisten Artikel im Erste-Hilfe-Set so wenig wiegen, dass die meisten Bergfreunde den Unterschied, ob sie dabei sind oder nicht, kaum merken.

Bei „richtigen“ Bergtouren und Klettereien, die über einen ganzen Tag und länger hinweg dauern, ist die Sache hingegen klar: kein Erste-Hilfe-Set = fahrlässige Dummheit. Den unverzichtbaren Erste-Hilfe-Bedarf für solche Zwecke schauen wir uns nun einmal gemeinsam näher an:

Der Inhalt der Rucksackapotheke

Die meisten der folgend aufgezählten Dinge sind schon in den kleineren Basic-Sets enthalten. Die etwas größeren Sets hingegen enthalten oftmals viel zusätzliches Material zur Wundbehandlung, an dem man für kleine, einfache Touren durchaus abspecken kann. An anderen Dinge (vor allem an Medikamenten) wird man hingegen aufstocken müssen.

Meist empfiehlt es sich deshalb das gekaufte Set an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen und mit einem Einkauf in der Drogerie und Apotheke zu vervollständigen. Manche der entsprechenden Artikel gibt es auch hier im Bergfreunde Shop – neben zahlreichen verschiedenen Erste-Hilfe-Sets für unterschiedliche Bedürfnisse und Reisearten.

Für den Umfang gibt es eine simple Regel: je länger, abgelegener und riskanter/verletzungsträchtiger die Unternehmung, desto umfangreicher die Apotheke. Ihre Zusammensetzung ist vor allem vom Reiseziel abhängig. Wir befassen uns in der folgenden Auflistung „nur“ mit der Ausstattung für Bergwanderungen und alpine Touren. Fernreisen in Dschungel, Wüsten und andere exotische Destinationen erfordern jeweils andere spezielle Zusammensetzungen. Ähnliches gilt für Familienausflüge, bei denen man zwar vermutlich weniger mit großen Wunden, mehr dafür aber mit anderen Dingen wie allergischen Reaktionen oder kleineren Verbrennungen rechnen muss.

Dies wäre eine Auflistung unserer Must-Have-Utensilien, die in der Erste-Hilfe-Tasche nicht fehlen sollten:

  • Verbandsschere: Sie sollte scharf aber nicht spitz sein, denn es kann auch schon mal vorkommen, dass es schnell gehen muss. Die Schere am Taschenmesser oder die Nagelschere im Kulturbeutel kann natürlich auch benutzt werden. Sicherlich ist diese aber nicht steril.
  • Pinzette: Sie eignet sich u.a. zum Entfernen von Splittern. Bei Touren durch viel Wald, Gebüsch und Unterholz lohnt es sich zusätzlich eine Zeckenzange mitzunehmen.
  • Rettungsdecke: Zum Schutz vor Kälte oder UV-Strahlung während des Wartens auf Rettung.
  • Signalpfeife: Für das alpine Notsignal.
  • Sortiment Pflaster (Wundschnellverband): Diese sollte man sortiert in mindestens zwei verschiedenen Größen einpacken.
  • Blasenpflaster: Für kleinere Touren sollten 2-3 Pflaster reichen. Für längere Touren lohnt es sich nochmals an 2-3 weiteren Pflastern aufzustocken.
  • Sterile Wundauflagen/Kompressen: Auch hier reichen für kleinere Touren 2-3 Wundauflagen zum Abdecken größerer Wunden/Verletzungen. Für ernstere Touren sollten jedoch wieder 2-3 mehr eingepackt werden.
  • Tape: 1 Rolle Tape ist perfekt! Tape ist vor allem unentbehrlich, da es auch für Notreparaturen an der Outdoorausrüstung einsetzbar ist.

  • Verbandspäckchen: Für einfache Touren sollte 1 großes und 1 kleines Verbandspäckchen (am besten mit fixierter Wundauflage/Kompresse) im Gepäck sein. Bei größeren Touren sollten zusätzlich 2 elastische Verbandsrollen (möglichst selbstklebend, um leicht fixierbar zu sein und besseren Halt bei beispielsweise verstauchten Knöcheln zu geben) in die Erste-Hilfe-Tasche wandern.
  • Dreiecktuch: Bei einfachen Touren genügt 1 Dreiecktuch zum Stabilisieren von Gelenken und Schienen bei Brüchen. Bei größeren Touren sollte zusätzlich an einem Verbandtuch (Maße 40 x 60 cm) zum Abdecken großflächiger Verletzungen aufgestockt werden.
  • Einmalhandschuhe: und/oder 2-3 Reinigungstücher.
  • Wunddesinfektionsmittel: (Zum Beispiel Alkoholgel oder Alkoholtücher)
  • Kühlmittel: (Voltaren, Biofreeze, o.a.)
  • Schmerzmittel: (Paracetamol, Ibuprofen (wirkt auch gegen Höhenkopfschmerzen))

Extras für große Touren in abgelegenem Terrain:

  • Wundnahtstreifen/Klammerstreifen: Zum Verschließen klaffender (Platz)Wunden, die man ohne Nadel und Faden behandeln muss. Allerdings rollt sich das Gewebe bei größeren Wunden zur Verhinderung von Blutverlust an den Wundrändern ein, sodass sie, wenn überhaupt, nur direkt nach der Verletzung zusammengehalten werden können.
  • Sam Splint Schiene: Zum Schienen von Brüchen. Eine leicht gepolsterte Leichtmetallschiene ist empfehlenswert, da sie sich in fast alle Richtungen biegen lässt.
  • Fieberthermometer: Dieses sollte robust sein, sodass es während der Tour möglichst nicht kaputt gehen kann.
  • Kohletabletten: Besonders hilfreich, wann immer einen Montezumas Rache ereilt. Und das kann bei fremdländischer Küche schneller der Fall sein, als man denkt.
  • Wasseraufbereiter oder -Desinfektion: Hilft, die vorherige Problematik zu umschiffen. Die Tabletten oder Tropfen passen ebenfalls ganz easy ins Erste-Hilfe-Pack.

Für wochenlange Trekkings oder Expeditionen empfiehlt das Bergsteiger-Magazin die Nutzung weiterer Taschen als variablen Stauraum. Dort „finden diverse Medikamente, Hydratationspulver, Wundspülungen (Care Plus) etc. [ihren] Platz.

Optional/Spezialbedarf:

  • Brand- und Wundsalbe
  • Medikament gegen Höhenkrankheit
  • individuell benötigte Medikamente wie zum Beispiel Antihistaminika für Allergiker

Auf den ersten Blick sieht die Liste vermutlich nach ziemlich viel Ballast aus. Wenn man all das allerdings einmal zusammenpackt, dürfte man kaum über 500 g Gewicht kommen. Und zum Vergleich: die größten, für mehrere Verletzte befüllten Sets, in denen weitere Dinge wie Beatmungstuch, Lippenbalsam und Blutlanzetten integriert sind, wiegen um die 850 Gramm.

Rucksackapotheke für größere Gruppen

Der eben genannte Bedarf reicht in aller Regel für kleinere Gruppen bis etwa 4 Personen aus. Einen Unfall trifft oftmals „nur“ ein Gruppenmitglied. Doch man weiß nie, ob der Steinschlag oder der Seilschaftssturz nicht auch mal mehrere Bergfreunde zugleich erwischt.

Meistens ist das Erste-Hilfe-Set auch dann greifbar, selbst wenn derjenige, der es im Rucksack hat, selbst der Verunglückte ist. Natürlich kann man aber auch hier nicht darauf zählen, weshalb man für Gruppen eigentlich nur eine Empfehlung geben kann: je mehr Erste-Hilfe-Sets dabei sind, desto besser. Es dürfte auch besser sein, wenn mehrere Teilnehmer ein kleineres Set bei sich tragen, als wenn einer ein Riesen-Set mit sich trägt.

Last but not least: die Erste-Hilfe-Tasche

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Hülle der Bergapotheke sollte passen. Bei kleinen Sets ist der Nachteil, dass der Inhalt oft in einen Beutel „gestopft“ ist, den man dann im Fall eines Unfalls durchwühlen muss. Die allermeisten Outdoor-Erste-Hilfe-Taschen sind jedoch entsprechend durchdacht. Sie bestehen aus robustem Nylon und sind dank Rundumreißverschluss, wie ein Mini-Koffer, aufklappbar. Die besten Taschen lassen sich mehrfach aufklappen, haben durchsichtige Innentaschen und Fächer, und sind übersichtlich geordnet. Viele Sets lassen sich zudem außen am Rucksack oder am Gurt befestigen, wodurch sie immer gut sichtbar und schnell greifbar sind.

Fazit

Der Überblick soll euch hoffentlich gezeigt haben, dass die Erste-Hilfe-Tasche ein absolut Muss im Outdoor-Gepäck ist. Bevor man an ihr einspart, sollte lieber auf ein anderes Outdoor-Gadget verzichtet werden. Mit gutem Gewissen kann man so auf jeden Fall das bisschen Gramm des Erste-Hilfe-Sets auf seinem Rücken tragen und in einer Notfallsituation entsprechend agieren. Trotz allem Risiko und aller Vorsichtsmaßnahme hoffen wir jedoch natürlich, dass das Erste-Hilfe-Set bei euch nie in einen ernsteren Einsatz kommen muss.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

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