Alle Beiträge zum Schlagwort ‘Bergsteigen’

Rucksackapotheke für die Erste Hilfe

13. Juli 2018
Tipps und Tricks

Kann man dieses Thema nicht schnell abhaken? Man braucht doch schließlich nur eines der vielen fertig gepackten Erste-Hilfe-Sets zu kaufen und gut ist. Meistens ist da ja sogar noch eine Bedienungsanleitung drin, die ich mir im Notfall immer noch schnell durchlesen kann. Und überhaupt, diese Notfälle sind doch eher Theorie, bei mir wird sowas eh nie eintreten. Oder?

„Ich hab das voll im Griff und bin eh vorsichtig“

Als sehr junger Bergfreund habe ich selbst so gedacht (bzw. darüber überhaupt nicht nachgedacht) und Erste-Hilfe-Sets eher immer für ein optionales Extra gehalten. Das hat sich dann allerdings schnurstracks geändert als ich binnen weniger Jahre viermal Situationen am Berg erlebt habe, in denen Erste-Hilfe-Zeug zum Einsatz kam – davon einmal an mir selbst. Das hat mich von der Notwendigkeit des Ganzen ziemlich überzeugt.

Außerdem lernte ich von da an, dass es immer besser ist wenn man lieber zu viel als zu wenig Material dabei hat. So hat bei meinem eigenen Unfall zum Beispiel ein zufällig in der Nähe befindlicher Rettungssanitäter mehrere Rollen Verband als Blutstiller in meinem offenen Schienbein verschwinden lassen, bevor er das Ganze mit einem weiteren Verband umwickelte und (zu meinem Leidwesen) kräftig zusammendrückte. Womöglich war es jedoch gerade dieser kreative Einsatz an reichlichem Material, der mir die eigentlich vorprogrammierte Infektion, der über eineinhalb Stunden unbehandelten Wunde, erspart hat. Die paar Gramm Zusatzgewicht für Verbandsmaterial können sich also durchaus lohnen!

Und noch eine Lektion habe ich gelernt: auf schnelle oder gar sofortige Hilfe per Handyanruf sollte man sich NICHT verlassen – nicht einmal im deutschen Alpenraum. Auch heutzutage gibt es im Gebirge überall Zonen und Winkel, die ohne Netzabdeckung sind.

Befindet sich in solch einer Zone mal ein Verletzter, der sich nicht bewegen kann und von keinem weiteren Gruppenteilnehmer umgeben ist, der Hilfe holen kann, bleibt nur noch das alpine Notsignal. Dieses besteht aus sechs akustischen und/oder optischen Hilferufs-Signalen, die pro Minute ausgesendet werden. Diese Signale verlaufen dabei so, dass eine Minute lang die sechs Signale erzeugt werden, dann eine Minute Pause folgt und danach für eine Minute weitere sechs Signale einsetzen. Eine eventuelle Antwort besteht dabei aus drei Signalen pro Minute.

Auch Signalraketen könnten hier sinnvoll sein und das selbst in alpinen Gebieten, die nicht abgelegen oder einsam sind.Warum? Auch viel frequentierte Bergmassive haben Routen in unübersichtlichem Gelände, mit versteckten Ecken und Winkeln. Im Falle eines Unfalls kann das laute Leuchtgeschoss der entscheidende Hinweis für suchende Retter sein.

„Ab wann“ wird das Erste-Hilfe-Set zur Pflicht?

Mittlerweile habe ich selbst bei leichten Wanderungen, meist auch beim Ausflug zum Klettergarten, das Erste-Hilfe-Set im Rucksack dabei – quasi fest installiert in der Deckeltasche.

Und apropos Klettergarten: erstaunlicherweise scheint es als normal zu gelten, beim Sportklettern KEIN Erste-Hilfe-Set dabei zu haben, obwohl das Verletzungsrisiko dort sicher nicht geringer ist als bei Bergwanderungen. Viele verlassen sich hier wohl darauf, dass im Notfall schon irgendjemand irgendwas dabei haben wird.

Andererseits: klar, wenn man wirklich auf Nummer sicher gehen wollte, müsste man wohl auch beim Radeln in der Innenstadt ein Set dabei haben. Das wäre vielleicht übertrieben, doch bei allen „kleineren“ Unternehmungen ist die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets eben eine individuelle, subjektive Entscheidung.

Ein wirkliches Argument gegen die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets gibt es jedenfalls nicht. Nicht einmal der Gewichtseinwand, da die allermeisten Artikel im Erste-Hilfe-Set so wenig wiegen, dass die meisten Bergfreunde den Unterschied, ob sie dabei sind oder nicht, kaum merken.

Bei „richtigen“ Bergtouren und Klettereien, die über einen ganzen Tag und länger hinweg dauern, ist die Sache hingegen klar: kein Erste-Hilfe-Set = fahrlässige Dummheit. Den unverzichtbaren Erste-Hilfe-Bedarf für solche Zwecke schauen wir uns nun einmal gemeinsam näher an:

Der Inhalt der Rucksackapotheke

Die meisten der folgend aufgezählten Dinge sind schon in den kleineren Basic-Sets enthalten. Die etwas größeren Sets hingegen enthalten oftmals viel zusätzliches Material zur Wundbehandlung, an dem man für kleine, einfache Touren durchaus abspecken kann. An anderen Dinge (vor allem an Medikamenten) wird man hingegen aufstocken müssen.

Meist empfiehlt es sich deshalb das gekaufte Set an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen und mit einem Einkauf in der Drogerie und Apotheke zu vervollständigen. Manche der entsprechenden Artikel gibt es auch hier im Bergfreunde Shop – neben zahlreichen verschiedenen Erste-Hilfe-Sets für unterschiedliche Bedürfnisse und Reisearten.

Für den Umfang gibt es eine simple Regel: je länger, abgelegener und riskanter/verletzungsträchtiger die Unternehmung, desto umfangreicher die Apotheke. Ihre Zusammensetzung ist vor allem vom Reiseziel abhängig. Wir befassen uns in der folgenden Auflistung „nur“ mit der Ausstattung für Bergwanderungen und alpine Touren. Fernreisen in Dschungel, Wüsten und andere exotische Destinationen erfordern jeweils andere spezielle Zusammensetzungen. Ähnliches gilt für Familienausflüge, bei denen man zwar vermutlich weniger mit großen Wunden, mehr dafür aber mit anderen Dingen wie allergischen Reaktionen oder kleineren Verbrennungen rechnen muss.

Dies wäre eine Auflistung unserer Must-Have-Utensilien, die in der Erste-Hilfe-Tasche nicht fehlen sollten:

  • Verbandsschere: Sie sollte scharf aber nicht spitz sein, denn es kann auch schon mal vorkommen, dass es schnell gehen muss. Die Schere am Taschenmesser oder die Nagelschere im Kulturbeutel kann natürlich auch benutzt werden. Sicherlich ist diese aber nicht steril.
  • Pinzette: Sie eignet sich u.a. zum Entfernen von Splittern. Bei Touren durch viel Wald, Gebüsch und Unterholz lohnt es sich zusätzlich eine Zeckenzange mitzunehmen.
  • Rettungsdecke: Zum Schutz vor Kälte oder UV-Strahlung während des Wartens auf Rettung.
  • Signalpfeife: Für das alpine Notsignal.
  • Sortiment Pflaster (Wundschnellverband): Diese sollte man sortiert in mindestens zwei verschiedenen Größen einpacken.
  • Blasenpflaster: Für kleinere Touren sollten 2-3 Pflaster reichen. Für längere Touren lohnt es sich nochmals an 2-3 weiteren Pflastern aufzustocken.
  • Sterile Wundauflagen/Kompressen: Auch hier reichen für kleinere Touren 2-3 Wundauflagen zum Abdecken größerer Wunden/Verletzungen. Für ernstere Touren sollten jedoch wieder 2-3 mehr eingepackt werden.
  • Tape: 1 Rolle Tape ist perfekt! Tape ist vor allem unentbehrlich, da es auch für Notreparaturen an der Outdoorausrüstung einsetzbar ist.

  • Verbandspäckchen: Für einfache Touren sollte 1 großes und 1 kleines Verbandspäckchen (am besten mit fixierter Wundauflage/Kompresse) im Gepäck sein. Bei größeren Touren sollten zusätzlich 2 elastische Verbandsrollen (möglichst selbstklebend, um leicht fixierbar zu sein und besseren Halt bei beispielsweise verstauchten Knöcheln zu geben) in die Erste-Hilfe-Tasche wandern.
  • Dreiecktuch: Bei einfachen Touren genügt 1 Dreiecktuch zum Stabilisieren von Gelenken und Schienen bei Brüchen. Bei größeren Touren sollte zusätzlich an einem Verbandtuch (Maße 40 x 60 cm) zum Abdecken großflächiger Verletzungen aufgestockt werden.
  • Einmalhandschuhe: und/oder 2-3 Reinigungstücher.
  • Wunddesinfektionsmittel: (Zum Beispiel Alkoholgel oder Alkoholtücher)
  • Kühlmittel: (Voltaren, Biofreeze, o.a.)
  • Schmerzmittel: (Paracetamol, Ibuprofen (wirkt auch gegen Höhenkopfschmerzen))

Extras für große Touren in abgelegenem Terrain:

  • Wundnahtstreifen/Klammerstreifen: Zum Verschließen klaffender (Platz)Wunden, die man ohne Nadel und Faden behandeln muss. Allerdings rollt sich das Gewebe bei größeren Wunden zur Verhinderung von Blutverlust an den Wundrändern ein, sodass sie, wenn überhaupt, nur direkt nach der Verletzung zusammengehalten werden können.
  • Sam Splint Schiene: Zum Schienen von Brüchen. Eine leicht gepolsterte Leichtmetallschiene ist empfehlenswert, da sie sich in fast alle Richtungen biegen lässt.
  • Fieberthermometer: Dieses sollte robust sein, sodass es während der Tour möglichst nicht kaputt gehen kann.
  • Kohletabletten: Besonders hilfreich, wann immer einen Montezumas Rache ereilt. Und das kann bei fremdländischer Küche schneller der Fall sein, als man denkt.
  • Wasseraufbereiter oder -Desinfektion: Hilft, die vorherige Problematik zu umschiffen. Die Tabletten oder Tropfen passen ebenfalls ganz easy ins Erste-Hilfe-Pack.

Für wochenlange Trekkings oder Expeditionen empfiehlt das Bergsteiger-Magazin die Nutzung weiterer Taschen als variablen Stauraum. Dort „finden diverse Medikamente, Hydratationspulver, Wundspülungen (Care Plus) etc. [ihren] Platz.

Optional/Spezialbedarf:

  • Brand- und Wundsalbe
  • Medikament gegen Höhenkrankheit
  • individuell benötigte Medikamente wie zum Beispiel Antihistaminika für Allergiker

Auf den ersten Blick sieht die Liste vermutlich nach ziemlich viel Ballast aus. Wenn man all das allerdings einmal zusammenpackt, dürfte man kaum über 500 g Gewicht kommen. Und zum Vergleich: die größten, für mehrere Verletzte befüllten Sets, in denen weitere Dinge wie Beatmungstuch, Lippenbalsam und Blutlanzetten integriert sind, wiegen um die 850 Gramm.

Rucksackapotheke für größere Gruppen

Der eben genannte Bedarf reicht in aller Regel für kleinere Gruppen bis etwa 4 Personen aus. Einen Unfall trifft oftmals „nur“ ein Gruppenmitglied. Doch man weiß nie, ob der Steinschlag oder der Seilschaftssturz nicht auch mal mehrere Bergfreunde zugleich erwischt.

Meistens ist das Erste-Hilfe-Set auch dann greifbar, selbst wenn derjenige, der es im Rucksack hat, selbst der Verunglückte ist. Natürlich kann man aber auch hier nicht darauf zählen, weshalb man für Gruppen eigentlich nur eine Empfehlung geben kann: je mehr Erste-Hilfe-Sets dabei sind, desto besser. Es dürfte auch besser sein, wenn mehrere Teilnehmer ein kleineres Set bei sich tragen, als wenn einer ein Riesen-Set mit sich trägt.

Last but not least: die Erste-Hilfe-Tasche

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Hülle der Bergapotheke sollte passen. Bei kleinen Sets ist der Nachteil, dass der Inhalt oft in einen Beutel „gestopft“ ist, den man dann im Fall eines Unfalls durchwühlen muss. Die allermeisten Outdoor-Erste-Hilfe-Taschen sind jedoch entsprechend durchdacht. Sie bestehen aus robustem Nylon und sind dank Rundumreißverschluss, wie ein Mini-Koffer, aufklappbar. Die besten Taschen lassen sich mehrfach aufklappen, haben durchsichtige Innentaschen und Fächer, und sind übersichtlich geordnet. Viele Sets lassen sich zudem außen am Rucksack oder am Gurt befestigen, wodurch sie immer gut sichtbar und schnell greifbar sind.

Fazit

Der Überblick soll euch hoffentlich gezeigt haben, dass die Erste-Hilfe-Tasche ein absolut Muss im Outdoor-Gepäck ist. Bevor man an ihr einspart, sollte lieber auf ein anderes Outdoor-Gadget verzichtet werden. Mit gutem Gewissen kann man so auf jeden Fall das bisschen Gramm des Erste-Hilfe-Sets auf seinem Rücken tragen und in einer Notfallsituation entsprechend agieren. Trotz allem Risiko und aller Vorsichtsmaßnahme hoffen wir jedoch natürlich, dass das Erste-Hilfe-Set bei euch nie in einen ernsteren Einsatz kommen muss.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

DWR Imprägnierung – Fluch oder Segen?

10. Juli 2018
Pflegetipps

DWR steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was wörtlich als „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine unsichtbare Imprägnierung des textilen Gewebes von Funktionsbekleidung oder Schuhen. Folglich ist DWR kein Name für ein bestimmtes Material oder System, sondern im Grunde nur die Beschreibung einer Eigenschaft. Doch der DWR-Effekt erzeugt sich nicht von alleine, sondern wird durch verschiedene Chemikalien und Technologien herbeigeführt, die sich von Hersteller zu Hersteller etwas unterscheiden.

Welche Eigenschaften hat DWR?

Lange Zeit dachte ich, dass die als wasserdicht und atmungsaktiv verkaufte Kleidung quasi automatisch eine dauerhaft wasserabweisende Oberfläche hätte. Der Realität begegnete ich dann allerdings ziemlich schnell, als die Außenseite meiner Gore-Tex Jacke schon nach nur relativ wenigen Einsätzen nicht mehr dauerhaft trocken blieb, sich unter Regenaussetzung mit Wasser voll sog und sich zunehmend klamm und kalt anfühlte. Ich fragte mich schon, ob die Membran beschädigt und die Jacke „nicht mehr dicht“ sei.

Die Jacke war aber noch dicht und auch sonst vollkommen in Ordnung. Es war nur die DWR-Imprägnierung, die nachgelassen hatte. Beim Großteil aller Funktionsbekleidungen ist sie der erste, äußere Schutzwall gege­n Nässe. Laminate und Membranen halten das Wasser zwar draußen; schaffen es aber nicht es vom Eindringen in die äußere Textilschicht abzuhalten. Wenn das Wasser dann dort einen geschlossenen Film bildet, ist das Gewebe nicht nur klamm, sondern verliert auch seine Dampfdurchlässigkeit und damit Atmungsaktivität. Man spricht dann vom „Wetting out“.

Die DWR Behandlung verhindert genau dieses Zusammenfließen des Wassers, indem es die Fasern und die Textiloberfläche sehr glatt hält. Das Wasser perlt dann in Form vieler Tropfen ab, anstatt vom Oberstoff aufgenommen zu werden. Das kann wie gesagt auf verschiedene Weisen erreicht werden. Beispielsweise dringt bei den Gore-Tex-Materialien die Imprägnierung in die Fasern ein und verringert die Oberflächenspannung des Oberstoffs.

Allerdings lässt der perlende „Lotusblüteneffekt“ mit zunehmendem Verschleiß der DWR-Behandlung nach. Bei häufigem Tragen, Verschmutzungen und dem Kontakt mit Waschmitteln kann das relativ schnell geschehen. Der Begriff „dauerhaft“ sollte also recht dehnbar aufgefasst werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass man die DWR-Behandlung schnell und einfach reaktivieren oder erneuern kann. Dazu gleich noch mehr im Detail.

Zuvor ist noch zu erwähnen, dass DWR-Imprägnierungen nicht „wasserdicht“, sondern lediglich „wasserabweisend“ sind. Dem Stark- oder Dauerregen hält sie alleine nicht stand; dazu braucht sie schon zusätzliche Unterstützung wie eine Membran und getapte Nähte.

Was genau ist eine DWR Imprägnierung?

Man liest zwar überall darüber wie DWR funktioniert, doch nur selten wird erklärt was für Substanzen und Technologien genau dahinter stecken. Vielleicht liegt das daran, dass man hierfür ziemlich tief in die Welt der industriellen Verfahren und Verarbeitungstechniken eintauchen und sich mit einer großen Zahl chemischer Wirkstoffe auseinandersetzen muss:

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone, die einen guten permanenten Schutz bilden, eingesetzt. (…)

Die imprägnierenden Wirkstoffe sind bislang hauptsächlich Fluorcarbone (PFC), die auch als polyfluorierte Tenside bekannt sind. Im Outdoorbereich sind deren wichtigsten verwendeten Unterarten Perflouroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Da mittlerweile nicht mehr nur PFOA und PFOS, sondern auch sämtliche Fluorcarbone als gesundheitlich und umwelttechnisch bedenklich gelten, suchen immer mehr Hersteller nach Alternativen. Einige solcher alternativen Imprägniermittel funktionieren – vereinfacht gesagt – auf Basis von Wasser- und Fettsäure (aliphatische Kohlensäuren). Mehr zum Thema PFC und der Suche nach Alternativen folgt gleich noch im Umwelt-Abschnitt.

Für das Einarbeiten der imprägnierenden Substanzen in das textile Gewebe gibt es abermals verschiedene Verfahren. Das Bekannteste ist das Tauchverfahren, bei dem die Gewebe durch ein DWR-Flüssigkeitsbad gezogen werden. Ein neueres und präziseres Verfahren ist das Auftragen über Spritzdüsen.

Die DWR Imprägnierung auffrischen oder erneuern

Wie schon erwähnt, bedeutet „durable“ nicht „ewig“. Daher muss die Imprägnierung nach mehr oder weniger häufigem Einsatz aufgefrischt oder komplett erneuert werden. Was genau zu tun ist oder ob überhaupt etwas zu tun ist lässt sich ganz einfach testen: man lässt einfach ein paar Wassertropfen über das Kleidungsstück laufen und schaut, ob diese in den Oberstoff einziehen. Tun sie das nicht, ist die Imprägnierung noch in Ordnung.

Zieht das Wasser teilweise ein, sollte man zunächst versuchen, die alte Imprägnierung aufzufrischen. Nach einer Wäsche gemäß der Pflegeanleitung des Herstellers, darf dem Material nur warme Luft zugeführt werden. Das geht entweder mit dem Wäschetrockner (Schongang 60°C), mit einem Bügeleisen (kein Dampf; keinen direkten Kontakt mit dem Kleidungsstück, sondern eine Stoffschicht dazwischen legen) oder mit einem Föhn. Die Wärme sollte etwa 20 – 30 Minuten einwirken. Anschließend führt man einen erneuten Wassertropfentest durch. Verläuft dieser erfolgreich, hat das Reaktivieren der DWR Imprägnierung bis zur nächsten Wäsche funktioniert.

Hat der Wassertropfentest nicht funktioniert, muss die Imprägnierung erneuert werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Einsprühen oder Einwaschen. Bei beiden Methoden sollte das Kleidungsstück auf jeden Fall trocken und sauber sein.

Beim Einwaschen ist zunächst wichtig, dass die Einspülkammer der Waschmaschine sauber ist.  Dann wird die vom Hersteller empfohlene Dosis des Imprägnier-Waschmittels eingefüllt und die Kleidung im Schonwaschgang bei 40°C gewaschen. Anschließend wird sie je nach Pflegeempfehlung (siehe Etikett) entweder zum Trocknen aufgehängt oder im Trockner auf der niedrigsten Stufe getrocknet.

Das Problem bei der Waschmethode ist, dass der Imprägnierfilm auch auf die Innenseite der Kleidung gelegt wird, wodurch die Atmungsaktivität spürbar nachlassen kann. Je nach  Textilgemisch und Membran gibt es hier unterschiedliche Reaktionen. Bisweilen wird auch die Nachimprägnierung durch eine professionelle Reinigung empfohlen. Das bringt zwar den Vorteil, dass nicht mit den Chemikalien herum hantiert werden muss und sorgt unter Umständen für eine haltbare Neuimprägnierung, ändert aber auch leider wenig an dem genannten Problem.

Das Nachsprühen bringt zwar mehr Chemikalienkontakt mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass die Imprägnierung wie gewünscht verteilt werden kann. So kann man mit dem Imprägnierspray gezielt die Außenseite und besonders die sensiblen Stellen wie Nähte, Bündchen und Schultern bearbeiten. In der Welt der Imprägniersprays gibt es auch fast nur noch Pump-Sprays, die ohne schädliche Aerosole als Sprühhilfen auskommen. Trotzdem sollten natürlich auch diese Sprays nur im Freien bei guter Durchlüftung verwendet und so wenig wie möglich eingeatmet werden.

Auch Soft­shells haben meist eine DWR Behandlung, die von Zeit zu Zeit erneuert werden muss. Dafür gibt es von Toko und Nikwax spezielle Imprägniermittel und -sprays, die sich wie ein wasserabstoßender Schlauch um die Fasern legen und die Bewegung der Softhsell-Fasern aufrechterhalten.

Mehr über das Nachimprägnieren und den Vergleich zwischen Einwaschen und Einsprühen erfährst du in der Bergfreunde-Anleitung zum richtigen imprägnieren von Regenjacken.

Bei Schuhen, die mit der DWR Imprägnierung ausgerüstet sind, kommt eigentlich nur das Sprühen infrage. Einfetten, Einölen und Einwachsen führt fast immer zur Zerstörung der Atmungsaktivität. Dennoch ist auch nicht jedes Imprägnierspray für jeden Schuh geeignet. Ein Grund also mehr beim Schuhkauf die Pflegeempfehlungen des Herstellers aufzubewahren und möglichst genau zu befolgen.

Abschließend noch ein Tipp: Man sollte keine zu hohen Erwartungen hegen, denn kaum eine nachträgliche Imprägnierung reicht je an die Güte der Originalbehandlung heran. Auch dann nicht, wenn man die Kleidung nach dem Motto „viel hilft viel“ zwar hochseetauglich imprägniert, damit aber auch die Atmungsaktivität des Gewebes ruiniert.

Sind DWR Imprägnierungen umweltschädlich?

Sagen wir mal so: die DWR Imprägnierungen fügen sich bislang noch nicht allzu harmonisch in das Ökosystem ein. Brennpunkt der Umweltdiskussion sind die PFC-Verbindungen, die, vereinfacht zusammengefasst, jahrelang in Organismen verweilen und sich in der Natur nicht abbauen. PFC-Spuren sind in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar. Bislang ging man davon aus, dass keine direkten gesundheitlichen Risiken bestehen würden und „nur“ Produktion, Wäsche und Entsorgung von Outdoorprodukten die Probleme seien. Doch eine wachsende Zahl an Human- und Tierstudien deuten auf gesundheitliche Probleme durch PFC im Körper hin – und zwar in vielen lebenswichtigen Bereichen wie Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung.

Wie groß diese Risiken einzuschätzen sind wird heftig diskutiert. Lange Zeit gab es diverse Spekulationen darüber, welche PFC-Verbindung sich wie stark wo ansammelt und welche sich wie schnell wo abbaut. Zeitweise galten deshalb Imprägniermitteln auf Basis von C6-kettigem PFC, anstelle von C8, als sicher. Doch Kritiker, wie der Nikwax-Firmengründer Nick Brown, bezeichneten dies als „Märchen“. Brown ist der Ansicht, dass nur der vollständige Verzicht auf PFC die Umwelt- und Gesundheitsrisiken wirklich senkt.

Nikwax war damit auch die erste Firma, die konsequent auf PFC verzichtete und dies bis heute treu umsetzt. Da Forschungen immer mehr darauf hindeuten, dass wirklich alle PFC-Verbindungen schädlich für Umwelt und Gesundheit sind, ziehen immer mehr Anbieter nach. Neben Nikwax hat auch Toko PFC-freie Imprägnierwaschmittel und -Sprays im Angebot. Das tun sie allerdings eher wegen des gestiegenen Interesses der Kundschaft, anstatt als Druck auf den Gesetzgeber. Dieser sieht nämlich weiterhin nicht vor PFC zu deklarieren.

Bislang galt es als „technisch fast unmöglich, eine gleichwertig leistungsfähige Imprägnierung ohne PFC herzustellen“. Sprich eine Imprägnierung, die nicht nur Wasser, sondern auch Schmutz abweist und somit die Atmungsaktivität erhält. Imprägnierungen aus PU oder Silikon waren bzw. sind zwar umweltfreundlicher, fallen aber in Sachen Funktionalität deutlich hinter PFC-basierte Imprägnierungen zurück.

Doch wie der Umweltpionier Vaude in seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 schreibt, ist das dank innovativer Technologien „inzwischen kein Problem mehr.“ Als letzter „Nachteil“ bleibt nur noch, das PFC-freie DWR Imprägnierungen nicht öl- und fettabweisend sind. Dazu merkt Vaude an, dass diese Funktion auch nicht wirklich benötigt wird. Und in der Tat: wann hat man draußen im Wald oder am Berg je mal Probleme mit Fett und Öl auf der Funktionskleidung? Vermutlich eher selten.

Wie in so vielen Bereichen ist Vaude mit seinem DWR Eco-Finish ein Vorreiter. Weitere umweltfreundliche Alternativen ohne jede Funktionalitätseinbuße befinden sich derzeit in der Forschungs- und Entwicklungsphase und dürften früher oder später zur Marktreife gelange.

Bis 2020 plant Vaude sämtliche Produkte PFC-frei anzubieten. Und auch viele andere Hersteller haben bereits eine oder mehrere PFC-freie Kollektionen. Einen wirklichen Meilenstein könnte bald auch Gore-Tex erreichen, deren Materialien bekanntlich als Vorprodukte in sehr vielen Kleidungsstücken zahlreicher Outdoormarken verabreitet sind. Bis Ende 2023 hat Gore-Tex einen PFC-Verzicht angekündigt.

Bis dahin kann man auf folgende PFC-freie und umweltfreundliche Imprägnier-Alternativen zurückgreifen:

  • Bionic-Finish Eco basiert auf hochverzweigten Polymeren mit einer hohen Dichte an hydrophoben (wasserabweisenden) Elementen. Diese Verbindung weist Wasser und wässrige Schmutzsubstanzen sehr gut ab, ist waschbeständig und abriebfest. Zudem behindert das Biofinish Eco nicht die Atmungsaktivität. Eco Finish ist die aus wieder abbaubaren Inhaltsstoffen bestehende DWR-Ausrüstung von Vaude.
  • Auch Ceplex und Dermizax kann man als Alternativen betrachten, die nach anderen Prinzipien als die DWR Imprägnierung funktionieren. Ceplex ist eine PU-Beschichtung, Dermizax eine Art PU-Membran mit beweglichen Molekülen.

Imprägnierung ist auf jeden Fall wichtig, soweit man zumindest bei einem heftigen Regenguss nicht triefend umher laufen möchte. Und wie man sieht tut sich momentan einiges auf dem Markt der Imprägnierungen. Wir sind gespannt, wie sich die Outdoorwelt weiterhin ins positive für Mensch und Umwelt entwickelt.

Der ideale Standort fürs Zelt

5. Juli 2018
Tipps und Tricks

In diesem Artikel geht es nicht um die Standortsuche auf dem überfüllten Campingplatz, sondern um Standorte beim sogenannten „Wildcampen“, also in der „freien Natur“. Einen schönen Standort selber zu finden, kann ein richtiges Erfolgserlebnis sein, vor allem wenn die Suche danach langwierig und schwierig war.

Um jedoch im Zelt keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man eine Reihe potenzieller Szenarien und Schwierigkeiten beachten. Diese möchte ich hier einmal möglichst vollständig durchleuchten. Einige davon mögen gerade erfahrenen Campern trivial erscheinen und manche lassen sich allein durch einfaches Nachdenken vor Ort erschließen. Doch ich möchte fast wetten, dass niemand wirklich alle der folgenden Aspekte schon auf dem Schirm hat. Schaue es dir am besten mal der Reihe nach an:

Hausaufgaben machen und vorsondieren

Die beste Standortwahl nützt nichts, wenn der Aufbau des Zelts nicht klappt. Führe deshalb bei neuen Zelten immer zuerst einen Probeaufbau daheim durch. Dabei wird dann auch gecheckt, ob der Lieferumfang wirklich vollständig enthalten und unbeschädigt ist. Bei älteren, bereits erprobten Zelten kann sich die Mitnahme von ein oder zwei Ersatzheringen und Reparaturmaterial lohnen. Letzteres muss nichts Kompliziertes sein, schon ein bisschen Tape (auch Duct Tape, Panzerband oder Gafferband genannt) kann zum Flicken und Kleben vollauf genügen.

Ein etwas ausgefallenerer, aber brauchbarer Tipp ist die Mitnahme von einigen Felshaken. Diese eigenen sich bei steinigem Untergrund, wo normale Heringe schwer einzutreiben sind.

Die Art des Untergrunds kann man übrigens durchaus beeinflussen, indem man nicht erst bei Sonnenuntergang mit der Zeltplatzsuche beginnt, sondern mindestens 2 Stunden vorher. Gut, das war jetzt einer dieser Tipps, auf die du bestimmt auch selbst gekommen wärst. Dafür kommen aber jetzt ein paar Aspekte, die du nur dann selbstverständlich findest, wenn du ein(e) wirklich smarte(r) Bergfreund(in) bist:

Bürokratie und Outdoor-Knigge

Spontane Freiheit ist schön, doch es kann vorteilhaft sein, geeignete Zeltplätze auf der geplanten Tour schon von zu Hause aus zu recherchieren. In viel besuchten Nationalparks gibt es ohnehin diverse Beschränkungen und die Zeltplätze sind oft vorgegeben. Manchmal muss die Zeltplatzwahl sogar im Voraus mit den Rangern abgesprochen werden. Die jeweiligen nationalen und lokalen Zelt- und Campingregeln sollte man, egal ob Nationalpark oder nicht, sowieso im Voraus recherchieren und unbedingt respektieren. Man wird dabei oft feststellen, dass Zelten in der freien Natur nicht wirklich erlaubt ist, aber auch nicht streng abgehandelt und unter allen Umständen verboten wird. Hier bewegt man sich in einer Grauzone und wird meist geduldet, sofern man außerhalb von Privatgrund und außer Sichtweite von Ortschaften und Wegen sein Zelt aufschlägt.

Da man auch in der „Wildnis“ nicht immer wirklich allein ist, kommt man um die eine oder andere Benimmregel nach guter alter Knigge-Art nicht umhin. Dazu gehört, dass man sich nicht direkt in die Panoramaaussicht anderer Camper pflanzt und generell eher versucht, sich in die Szenerie einzufügen statt reinzuplatzen. Das kann dann beispielsweise bedeuten, dass man einen bereits eingeebneten Platz von Vorgängern benutzt, anstatt weitere Quadratmeter unberührter Naturwiese plattzuwalzen. Wenn man sich selbst an einer schönen und unberührten Umgebung erfreut hat, will man den Nachfolgenden keine umgepflügte Müllkippe hinterlassen.

Oder etwa doch? Leider gibt es „Pragmatiker“, die mit solchen Überlegungen nichts anfangen können. Diesen Zeitgenossen sei gesagt, dass die Anstandsregeln im eigenen Interesse liegen. Warum? Ganz einfach: Je mehr Ärger es durch achtloses Kreuz-und-quer-Zelten gibt, desto mehr Regulierungen und Beschränkungen wird es künftig geben.

Damit aber genug mit der „Pädagogik“, jetzt geht es endlich zu den knallhart praktischen Erwägungen.

Bodenbeschaffenheit

Knallhart ist oft schon der Boden der Tatsachen, auf dem wir das Zelt aufstellen. Das ist allerdings kein Problem, solange er flach und waagerecht ist. Ist er das nicht, genügt schon eine leichte Neigung, um den Schläfer Nachts auf der Isomatte (oder die Isomatte auf dem glatten Zeltboden) rutschen zu lassen. Wenn eine leichte Neigung unvermeidlich ist, sollte man Zelt oder Isomatte so positionieren, dass man mit dem Kopf höher liegt als mit den Füßen. Das kann sogar recht bequem sein, umgekehrt ist es das eher weniger.

Allererste Platzwahl für das Zelt ist natürlich eine Grasfläche. Solange das Wetter trocken bleibt, ist auch eine Sandfläche sehr angenehm. Diese Idealflächen sind frei von herumliegenden oder im Boden steckenden Steinen, Wurzeln, Baumzapfen und von Dornengestrüpp. Weiche Materialien wie Tannennadeln, Blätter, Moos oder Sand dürfen natürlich auch gerne den Boden bedecken. Die „harten Sachen“ sollten nicht nur wegen des Schlafkomforts, sondern auch zum Schutz des Zeltbodens möglichst entfernt werden. Wenn das Zusatzgewicht keine große Rolle spielt, kann man den Zeltboden mit einer Plane schützen.

Befindet sich der weiche, angenehme Boden jedoch in einer Senke, ist der erhöht gelegene härtere und unebene Boden die bessere Wahl. Denn der weiche Untergrund ist deshalb so weich, weil sich hier gern Wasser sammelt.

Im Winter gilt generell die „lieber oben Regel“. Das heißt, dass das Zelt lieber auf höher liegenden Plätzen aufgeschlagen werden sollte, da sich kalte Luft bevorzugt in Senken und Tälern sammelt.

Bevor das Zelt fixiert wird und man müde auf die Matte sinkt, sollte man erst noch Probe liegen, denn oft verbirgt sich doch noch irgendwo ein feststeckendes Steinchen oder eine kleine Bodenwelle. Da das Zelt noch nicht verankert ist, kann man es jetzt noch ein paar Zentimeter umherschieben.

Die Bodenverhältnisse geklärt, ist es nun Zeit die Zeltumgebung zu bekundschaften. Je nachdem wie es hier aussieht, muss eventuell weitergesucht werden.

Gefahrenquellen ausschließen

In Sachen Untergrund und Komfort hat jeder Mensch andere „Schmerzgrenzen“. Deshalb gibt es in dieser Kategorie auch viel Spielraum für Kompromisse. Bei den folgenden Platzwahl-Kriterien gilt dies jedoch nicht.

Wasser

Wasser will man gern in der Nähe haben, aber auch nicht zu nah. Auf jeden Fall ist ein Wasserzugang wichtiger als die schöne Aussicht. Ohne Wasser wird es nix mit Trinken, Kochen und Waschen. Doch wenn wir nicht gerade in der Wüste oder Steppe unterwegs sind, ist der Wasserzugang eigentlich eher selten ein Problem. Im Gebirge gibt es fast immer ein fließendes und schön sauberes Gewässer in der Nähe. Hier sollte man sogar eher darauf achten, genügend Abstand zu den Wasserquellen zu halten. Ideal ist eine Entfernung von 50 bis 100 Metern, in einer Position oberhalb des Gewässers und möglichst nicht auf einem zum Wasser führenden Wildtierpfad.

Gewässer im Gebirge können überraschend schnell und stark anschwellen – und zwar nicht nur bei Unwettern, sondern auch, wenn oberhalb eine (in vielen Alpentälern vorhandene) Staustufe geöffnet wird. Außerdem kann es am rauschenden Gebirgsbach auf Dauer ziemlich laut werden. Deshalb können Ohrenstöpsel durchaus in der himmlischen Ruh der Berge vorteilhaft sein.

Flussbetten und enge Schluchten sind die denkbar schlechtesten Optionen für den Zeltplatz – auch wenn sie noch so trocken aussehen. Selbst wenn der Himmel wolkenlos ist, kann es flussaufwärts wie aus Eimern gießen. Irgendwann kann „aus dem Nichts“ eine Flutwelle heran schießen, bei der man, wenn überhaupt, nur noch die eigene Haut retten kann.

Am Meeresstrand findet man hingegen durchaus gute Standplätze. Natürlich muss man hier oberhalb der Gezeiten- bzw. Hochwasserlinie stehen, aber diese kann man oft an einem Streifen aus angeschwemmten Muschelschalen, Algenresten, Holzstücken und Zivilisationsmüll erkennen. Zusätzlich sollte man noch einen Sicherheitsabstand für hohe Wellen einrechnen.

In der Nähe von stehenden oder trägen Gewässern sind meist viele Mücken und andere Plagegeister unterwegs. Hier kann es hilfreich sein, sich eine etwas luftigere Stelle mit Winddurchzug zu suchen.

Im Sommer kann die kühlere Luft in Senken angenehm sein, der feuchtere Boden in unmittelbarer Gewässernähe ist es jedoch nie. Nasser oder feuchter Untergrund entzieht dem Zeltinneren Wärme und kann am Zeltboden (vor allem bei unzureichender Belüftung und längerer Aufbewahrung) zu Stockflecken oder gar Schimmelbildungen führen. Entscheidet man sich dennoch für diesen Untergrund, kann das nasse Zelt für ein paar Stunden oder einen Tag eingepackt werden, sollte aber so schnell wie möglich getrocknet werden.

Wasser von oben

Normalerweise sind Regenschauer kein Problem – dafür ist das Zelt ja schließlich auch als Schutz da. Doch wenn der Schauer zum Dauerregen wird und man nicht für immer an dem Platz verweilen möchte, muss man womöglich irgendwann das Zelt im Regen abbauen. Hier sind natürlich die Zelte klar im Vorteil, bei denen sich das Innenzelt zuerst abbauen lässt (wie zum Beispiel bei Hilleberg-Zelten).

Wer sich von vornherein auf längere Regenperioden einstellen muss, kann rund um das Zelt einen Regenabflussgraben ziehen. Am schnellsten geht das mit einem stabilen Stock. Der Graben kann den Unterschied machen, ob sich das Wasser unter dem Zeltboden sammelt oder nicht, und ob der Zeltplatz unter Wasser steht oder nicht. Schon wenige Zentimeter Tiefe und Breite können das verhindern. Zieht man den Graben direkt am Zelt-Außenrand, wird auch das vom Zeltdach herabfließende Wasser abgeleitet. Allerdings sollte diese Maßnahme sehr genau auf Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Auf Campingplätzen ist das Herumgraben normalerweise verboten und auch sinnlos, da es dort Unterstände oder Aufenthaltsräume gibt.

Starker Wind und Sturm

Den Schutz vor starkem Wind und Sturm zu beachten ist immer und überall eine gute Idee. Ideal ist es, wenn er durch große Felsblöcke, Felsvorsprünge oder kleine Felswände geboten wird. Bäume und Büsche in Windrichtung sind zunächst auch nicht schlecht, vor allem wenn sie nicht nur den Wind brechen, sondern mit ihren Blätterdächern auch das nächtliche Auskühlen verhindern. Nah ran sollte man aber nur bei jungen und wirklich stabilen Bäumen gehen. Ansonsten ist es besser genügend Abstand zu halten. Wenn die Möglichkeit besteht, dass der Baum bei Sturm umknicken oder ausgerissen werden könnte, sollte der Abstand mindestens dessen Baumlänge sein.

Die nächste Windschutzmaßnahme sollte die richtige Ausrichtung des Zelts sein: das Zelt muss so stehen, dass der Wind möglichst wenig Angriffsfläche hat. Bei Tunnelzelten bedeutet das, dass die Schmalseite dem Wind zugewandt wird. Der Eingang kommt auf die windabgewandte Seite. An der Seite, die dem Wind und Wetter zugewandt ist, muss das Zelt straff und sicher fixiert sein.

Sehr starke Windböen können das Zeltgestänge (vor allem leichtes Alugestänge) brechen lassen . Wohl sei dem, der für diesen Fall Reparaturhülsen dabei hat. Mit solch einem passgenauen Aluröhrchen, dass über die Bruchstelle geschoben wird, kann die beschädigte Stange „geschient“ werden. Falls die Hülsen nicht im Lieferumfang beinhaltet oder verloren gegangen sind, sollte man das Gestänge in den Baumarkt mitnehmen und sich dort ein Leichtmetall/Aluröhrchen mit einem möglichst eng darüber passendem Durchmesser aussuchen. Das Röhrchen kann man sich dann auch gleich im Baumarkt zu passenden „Schienenstücken“ zurecht sägen lassen. Für gekrümmte Zeltstangen sollten diese Stücke sehr kurz sein, da man sie ansonsten nicht verschieben kann.

Im Winter gibt es die Möglichkeit Windmuster an der Schneetextur abzulesen. Hat die Schneedecke eine harte, spröde Textur, während andere Oberflächen in der Umgebung weicher sind, ist das ein Hinweis auf häufige starke Windböen. Ist dies der Fall, sollte das Zelt besser woanders aufgestellt werden.

Gewitter

Zum Thema Zelten und Gewitter gibt es bereits einen umfassenden Bergfreunde-Artikel. Dort findet ihr auch Informationen dazu, was man bei der Auswahl des Standorts im Hinblick auf Gewitter beachten muss. Das ist alles andere als nebensächlich, denn das Zelt ist keineswegs ein vor Blitzen geschützter Faradayscher Käfig. Schlägt ein Blitz in das Zelt ein, bleibt nur noch Asche übrig.

Die Urlaubsbehausung darf bei Gewittergefahr also niemals allein auf einer Anhöhe oder anderen bevorzugten Blitzeinschlagpunkten wie der unmittelbaren Nähe von (Strom)Masten, Hochspannungsleitungen, Stangen, Waldrändern oder einzelnen Bäumen stehen. Zwischen sehr vielen Bäumen oder hohen Büschen ist es hingegen relativ sicher – mit den im Abschnitt zu Wind und Sturm genannten Einschränkungen. Ebenfalls gelten die zuvor genannten Risiken von plötzlich auftretenden Wassermassen mit dem Auftreten von Gewittern.

Einige weitere wichtige Verhaltensmaßnahmen, sowie einen für Gewitter ausgetüftelten Entfernungsrechner findet ihr in diesem Bergfreunde-Artikel.

Beschuss durch Funken, Steine und Lawinen

Was assoziert man mit einem (Lager-)Feuer? Klar, Knistern und Funken. Während beides eine wohlige Atmosphäre schafft, kann die Situation jedoch auch ziemlich brenzlich sein, denn die Funken aus der Feuerstelle können durchaus mal ein paar Meter weit fliegen. Wenn sich dann das Zelt im Weg befindet, gibt es ruckzuck Löcher in der Wand.

Steine können weit mehr als nur Löcher in die Zeltwand machen. Deshalb sollte man von allem, das Steine in die Tiefe schicken kann, gebührenden Abstand halten.

Dazu gehören alle Felswände, die höher als eine handvoll Meter sind. Auch bei steilen Hängen können sich kleine Steinchen lösen, die bei genügend Fallhöhe großen Schaden anrichten können. Das Gute ist, dass Stellen mit häufigem Steinschlag wegen ihrer Einschlagspuren einfach zu erkennen sind. Vor allem im Gebirge bilden sich deshalb vielerorts Schneisen, an deren unteren Ende sich die Steine sammeln. Auch häufiger Wasser-, Schlamm, oder Schneefall sind Kennzeichen für das Bilden der Schneisen. Im Winter sind gerade auch Schneeansammlungen unter Steilhängen, „ausgefegte“ Geländeareale und geknickte Bäume deutliche Hinweise auf Lawinenschneisen.

Den Bäumen muss man im Hinblick auf „Beschuss“ leider noch drei Minuspunkte vorwerfen: erstens tröpfeln sie mit Harz herum, welches die Zelthülle verkleben kann, zweitens lassen sie gelegentlich ohne Vorwarnung Äste fallen, und drittens tropfen sie nach Regengüssen teils noch stundenlang auf das Zelt.

Sonne oder Schatten?

Die Präferenzen hängen hier hauptsächlich von der geografischen Lage und der Jahreszeit ab. In einer heißen Gegend wird man vermutlich jeden Schatten begrüßen. Doch ist mal kein „natürlicher“ Schatten in Sicht, kann man ihn auch mit einem Tuch, Tarp oder Segel jederzeit selbst schaffen.

Doch selbst in der Wüste kann es, während der sommerlichen Jahreszeit und am frühen Morgen, knackig kühl sein, sodass man dort sogar etwas Morgensonne bevorzugen wird. Wenn Bäume oder Büsche in der Nähe sind, kann man durch eine geschickte Platzwahl beeinflussen, ob das Zelt morgens oder nachmittags aufgeheizt wird. Dabei sollte auch an das Zelt selbst gedacht werden, denn anhaltende direkte UV-Strahlung setzt den Polyester- und Nylongeweben zu. Besonders bei längeren Touren und stationären Camp-Aufenthalten ist diese Überlegung wichtig.

Tierische Besucher

In beliebten Outdoor-Regionen, wie zum Beispiel dem Südwesten der USA, kann es überall zu Begegnungen mit Schlangen und anderen wehrhaften Einwohnern kommen. In subtropischen und tropischen Regionen, sowie Steppen und Wüsten ist damit generell zu rechnen. Wenn man jedoch keine Lebensmittel und stark riechende Stoffe und Substanzen offen im Zelt liegen lässt, sollten sich die Probleme in Grenzen halten. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will sollte darauf achten, dass das Zelt nicht offen steht.

Je nach Weltgegend gibt es natürlich auch noch größere Raubtiere. Tatsächlich (und erfreulicherweise) erweist sich hier die dünne Zelthülle als Schutz. Es soll nämlich bisher nur äußerst selten vorgekommen sein, dass Raubtiere Zelte einfach einreißen. Auch vor Bären besteht dieser Schutz, obwohl Bären sehr wohl schon Zelte eingerissen haben. Das geschah jedoch wiederum nur, weil sie an das leckere Essen kommen wollten, dass die Camper unklugerweise im Zelt hatten.

Last but not least: Schönheit und Aussicht

Nach Schönheit und Aussicht kann man den Lagerplatz aussuchen, wenn alle anderen hier zuvor genannten Kriterien „abgehakt“ sind. Einen Platz, der sämtliche Risiken ausschließt und zudem komfortabel und filmreif schön ist, wird man damit nicht immer finden. Das ist aber auch gut so, denn einer der Reize der Natur ist ja gerade, das nicht alles berechenbar ist. Solange man morgens einigermaßen ausgeruht aufwacht und den Tag mit Tatendrang angehen kann, ist doch alles bestens, oder!? :-)

Im Test: Patagonia Micro Puff

3. Juli 2018
Kaufberatung

Hast du dich schon mal gefragt was hinter Patagonias Micro Puff Technologie steckt? Und inwieweit sie effizient ist? Dann ist dieser Artikel etwas für dich! Unter kritischem Auge haben wir (Alexandra und Felix) die Technologie an den unterschiedlichsten Orten der Welt unter den Prüfstand gestellt. Alexandra packte dafür den Micro Puff Hoody für einen Skilanglauf am Titisee ins Gepäck, während sich die Micro Puff Jacke bei Felix an dem rauen Wind und der gefühlten Gefrierpunkttemperatur beweisen durfte. Wie unser Urteil wohl ausfiel?

Erstmal die Eckdaten

Patagonia sagt, dass die Micro Puff Jacke die „in Relation zum Gewicht wärmste Jacke [ist], die […] [sie] je entwickelt haben“. Damit macht Patagonia eine starke Aussage. Gilt doch die bessere Wärmeleistung im Verhältnis zum Gewicht bisher immer als eines DER Argumente Daunen statt Kunstfaser als Isolationsmaterial zu wählen.

Dafür hat Patagonia die PlumaFill Isolierung entwickelt. Die Idee dahinter ist nicht neu: Mithilfe von Synthetikfasern wird die Struktur von Daune imitiert. Allerdings kommen die Synthetikfasen in Form von Endlosfasern daher, sodass sie, anders als die klassischen Fasern oder Federn, mit weniger Nähten an Ort und Stelle gehalten werden können. Diese Steppkonstruktion unterscheidet die Micro Puff auch optisch von der Konkurrenz.

Kombiniert wird die Isolierung mit einem ultraleichten, winddichten und wasserabweisenden Außenmaterial aus Pertex Quantum Ripstopnylon mit DWR Beschichtung.

Und auch das Gewicht kann sich durchaus sehen lassen. Bei unserer Messung bringt die  Damenvariante in Größe S insgesamt 230 g und die Männervariante in Größe M 236 g auf die Waage. Unsere Ergebnisse entsprechen damit ziemlich genau den Herstellerangaben.

Der erste Eindruck

Als erstes fällt uns unweigerlich die Farbe auf. Bei der Damenvariante haben wir ein knalliges, glänzendes Rot (Maraschino), kombiniert mit einem blauen Reißverschluss und blauen Elastikbündchen. Bei den Herren ist alles unicolor Orange (Paintbrush Red) – also quasi Knallorange. Mit diesen Farben wird man auf jeden Fall nicht so schnell übersehen. Für all diejenigen, die jedoch nicht ganz so auffällig unterwegs sein möchten, gibt es die Jacken natürlich auch in gedeckteren Farben.

Die Haptik der Jacke ist glatt, sodass sich eine Hardshelljacke ohne Probleme drüber ziehen lässt. Das Material ist sehr dünn und wirkt sogar fast durchsichtig. Aber trotzdem knistert die Jacke mit den Windböen nicht vor sich hin, sondern ist relativ leise.

Der lockere Schnitt lässt viel Raum für Bewegung, aber auch für weitere Schichten unter der Jacke. Die Ausstattung ist schlicht: es gibt eine Kapuze (bei der Hoody Variant), zwei Reißverschlusstaschen außen und zwei große Innentaschen. Der von hinten abgedeckte Reißverschluss schließt hoch. Elastische Bündchen und ein elastischer Saum schließen die Jacke ab. Praktisch ist, dass sich die Jacke kompakt in der linken Jackentasche verpacken lässt.

Die Praxis – der Micro Puff Hoody (w)

(Alexandra) Bevor mich die Micro Puff bei meinem ersten Langlaufausflug am Titisee begleiten darf, muss sie sich erstmal auf dem täglichen Weg zur Arbeit beweisen. Bei Temperaturen zwischen Plus und Minus 8 Grad Celsius pendele ich knapp eine halbe Stunde mit dem Fahrrad. Da ich generell schnell friere bin ich besonders auf die Wärmeleistung gespannt – und ich muss sagen, dass ich dabei nicht enttäuscht werde.

Auch bei Temperaturen unter null Grad reicht mir für die Strecke ein langes Merinoshirt als Baselayer aus. Die Kapuze passt problemlos unter den Helm. Auch vom Gegenwind spüre ich kaum etwas, lediglich am Reißverschluss offenbaren sich kleine Schwächen. Die Abdeckung von innen scheint an dieser Stelle recht knapp bemessen zu sein.

Belüftungsmöglichkeiten gibt es abgesehen vom Frontreißverschluss keine und zugegebenermaßen fehlen mir diese bei wärmeren Temperaturen etwas. Auch weitere Verstellmöglichkeiten mittels Kordelzüge oder Klettverschlüsse sucht man vergeblich. Dies stört mich allerdings weniger, denn es spart Gewicht und man bleibt ohne sie nirgendwo hängen. Außerdem wird das sehr dünne Material nicht unnötig durch Klettverschlüsse strapaziert. Die Kapuze sitzt auch bei meinem kleinen Kopf sicher genug, sodass ich keine Angst vor dem nächsten Windstoß habe. Allerdings hat sich das Wetter in der Testphase vornehm zurückgehalten, sodass ich weder Regenschauer noch starke Winde in den Bericht mit einbeziehen kann.

Auch bei meinem Langlaufausflug in den nahen Schwarzwald zeigt sich der Himmel von seiner sonnigen Seite. Bei 10 Grad minus schichte ich zunächst ein langes Merinoshirt, ein kurzes Funktionshirt und eine Fleecejacke unter die Micro Puff. Nach gut 200 m in der Loipe verschwindet die Fleecejacke aber bis zur Pause wieder im Rucksack. Bei Bewegungen schränkt die Jacke nicht ein und, dadurch dass sie so dünn und leicht ist, fühlt man sich auch nicht wie ein Schneemann.

Die Taschen der Micro Puff sind leicht höher angesetzt, sodass es kein Problem ist, sie bei geschlossenem Hüftgurt des Rucksacks zu benutzen. Geräumig sind sie allemal. Handy, Portemonnaie, Kompaktkamera und die obligatorische Packung Taschentücher passen ohne Probleme hinein. In den Innentaschen könnte man sogar eine Literflasche unterbringen. Allerdings nutzen die Innentaschen den gleichen Platz wie die Außentaschen aus. Da die Taschen bis zum Saum der Jacke gehen, muss man eventuell erst den Rucksack schließen, bevor man sie befüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Außentaschen auch prima als Handwärmer dienen.

Die Praxis – die Micro Puff Jacket (m)

(Felix) Mit der Micro Puff Jacke mache ich einen echten Kaltstart. Einmal im Büro anprobiert, kommt die Jacke ungetestet ins Urlaubsgepäck und wird so zum ersten Mal im argentischen Städchen El Chalten nahe des Fitz Roy eingesetzt. Auf der Reise hatte sie bis dahin mit ihren Maßen gepunktet, denn Volumen und Gewicht machen die Patagonia Micro Puff Jacket zum idealen Reisebegleiter.

In den windigen Abendstunden kommt die sehr schön verarbeitete Jacke so also vorerst beim Flanieren zum Einsatz. Doch ihre wahren Werte darf sie dann schon 24 Stunden später unter Beweis stellen. Am Fuße des südlichen patagonischen Eisfelds ist die Sonne selten, der Wind stark und der Regen waagrecht. Die Jacke habe ich hier, je nach Bedingungen (und diese wechseln sehr oft), mit Softshell darunter oder Hardshell darüber kombiniert. Am meisten fiel mir dabei die wasserabweisende DWR Beschichtung positiv auf. Trotz mehrerer Schauer wurde die Jacke nicht nass.

Allerdings ist mir persönlich die Jacke bei größerer körperlicher Anstrengung zu wenig atmungsaktiv und zu warm. Klar hat sie mich so bei jeder Pause und, noch wichtiger, bei jedem Feierabend vor dem Auskühlen bewahrt, aber ich bin eben lieber zu leicht angezogen und friere auch allgemein nicht so schnell wie eventuell andere. Diese Beurteilung damit sehr subjektiv.

Technisch gesehen gefallen mir viele der einfachen Details sehr gut. Bei meiner Armlänge und meinem Umfang sind zum Beispiel die elastischen Armbändchen optimal. Dank ihnen bleibt der Ärmel auch bei größeren Bewegungen dort wo er sein soll.

Die großen Außentaschen haben entweder meine Hände gewärmt, oder meine 1 Liter Trinkflasche verstaut (was dank ihrer Position auch bei einem breiten angelegten Rucksack-Hüftgurt möglich ist). Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass bereits nach kurzer Zeit an einer angesteppten Stelle das PlumaFill nach außen durchdrang.

Trotz dem leichtem Material, habe ich die Jacke aber als robust wahrgenommen. Und ich bin mir sicher: für mich wird sie nun ein fester Begleiter bei Wind und Wetter sein. Mich hat die Patagonia Micro Puff Jacket vor allem mit ihren einfachen Details und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt.

Kurz und knapp können wir Patagonia’s Micro Puff Kleidungsstücke also guten Herzens weiterempfehlen. Und jede Outdoor-Aktivität kann durch die Technologie nun ganz neue, leichte und praktische Züge annehmen.

Mit Sonnenstrom auf Tour – Mobile Solarpanels

28. Juni 2018
Kaufberatung

Ob Notebook zur Tourenvorbereitung, Navigations App auf dem Smartphone, Fotoapparat oder GPS-Gerät – sie alle haben eine Sache gemeinsam: ohne Strom taugen sie nicht viel mehr, als ein Briefbeschwerer. Trotz immer leistungsfähigerer Akkus müssen die meisten der Geräte, auf die wir bei unseren Touren im Gelände nur ungern verzichten, nach einigen Stunden oder Tagen wieder neu aufgeladen werden.

Je nach Reisegebiet gestaltet sich die Suche nach einer Steckdose von schwierig bis hin zu schlichtweg unmöglich. Sei es mitten im Fjell Norwegens, in der mongolischen Steppe oder auf einer Bergtour in den Alpen. Sobald man den eigenen Aktionsradius über feste Campingplätze und bewirtete Hütten ausweitet, wird das Thema der mobilen Stromversorgung eine echte Herausforderung für alle Outdoor-Enthusiasten.

Für Tagestouren und Wochenendrouten reicht der Strom einer Akkuladung oft aus oder lässt sich mit Ersatzakku und Powerbank erweitern. Mit der Powerbank können beispielsweise Geräte mit USB Anschluss (wie Smartphone oder Tablet) prima aufgeladen werden. Ein Notebook damit zu betreiben oder andere Geräte mit einem höheren Strombedarf anzuschließen, ist mit einer Powerbank allerding nicht möglich.

Auch mobile Solaranlagen sind für sehr unterschiedliche Leistungsstufen konzipiert und dementsprechend groß und schwer, beziehungsweise leicht und kompakt. Je nachdem, ob man mit den Solarpanels ein komplettes Basecamp mit Strom versorgen möchte oder nur die Powerbank nachladen muss, um regelmäßig das Smartphone aufzuladen, gibt es die verschiedensten Arten von leistungsfähigen Solarpanels.

Mobile Solaranlagen für Wohnmobile und Camping

Im Gegensatz zu fest verbauten Solarpanelen auf dem Dach, bieten mobile Solarpanels maximale Flexibilität beim Campen abseits von Campingplätzen mit Stromversorgung aus der Steckdose. Wer nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, weil die Panels in erster Linie mit dem Auto von Stellplatz zu Stellplatz transportiert werden, ist mit einem großen, faltbaren Solarmodul oder einem Solarkoffer bestens beraten.

Die zwei, beziehungsweise drei Solarmodule sind bereits mit Solarregler und Kabelanschluss ausgestattet und können ohne großen Aufwand direkt in Betrieb genommen werden. Da sie nicht fest montiert werden, lassen sie sich immer optimal auf die Sonne ausrichten. Schäden durch Hagel oder Sturm, die bei fest montierten Panelen entstehen können, brauchen Camper mit den mobilen Solaranlagen nicht zu fürchten. Eine Kombination beider Systeme ist natürlich ebenfalls denkbar.

Ein durchschnittlicher Solarkoffer kommt auf eine Ladeleistung von etwa 100 Watt. An einem sonnigen Tag und mit einer optimalen Ausrichtung von 90° zur Sonne erzeugt ein solches mobiles Panel zirka 50Ah. Damit können entweder 12V Blei Batterien im Auto oder spezielle Lithium Akkus geladen werden. Die Geräte werden dann wiederum über die Batterien mit Strom versorgt.

Direktes Anschließen von Stromverbrauchern an die Solarpanels ist eher ungünstig, da es dabei zu Leistungsschwankungen kommt. Mit einer 100Ah Batterie, die unter optimalen Bedingungen voll geladen ist, könnte ein Campingbus oder Wohnmobil mit normalem Stromverbrauch für einige Tage komplett autark versorgt werden. Für schnelleres Laden oder bei ungünstigeren Bedingungen kann der Solarkoffer oder das Solarmodul durch einen zweiten Koffer ergänzt werden.

Je nach Strombedarf durch Anzahl und Art der Geräte, Wetter und Reisegebiet, lässt sich die optimale Größe und Leistung der mobilen Solaranlage individuell auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Bei Reisefahrzeugen und Wohnmobilen sind Solarpanele auch oft fest auf dem Dach montiert. So sind sie jederzeit einsatzbereit und müssen nicht extra aufgestellt und angeschlossen werden. Dagegen sind mobile Solarpanele weniger der Witterung ausgesetzt. Sie lassen sich vom Winkel so ausrichten, dass sie so effizient wie möglich arbeiten. Praktisch ist damit, dass während die Panele in praller Sonne Strom erzeugt, das Reisemobil in einiger Entfernung im Schatten geparkt werden kann.

Kompakte Solarpanels für Rucksackreisen und Trekking

Um auf mehrtägigen Wanderungen abseits der Zivilisation genügend Strom für GPS-Gerät und Smartphone zur Verfügung zu haben, sind kompakte Solaranlagen ideal. Die faltbaren Module sind sehr leicht und dazu noch wetterfest in ihrer Außenhülle verbaut. Ausgestattet mit USB und Micro USB Anschlüssen lassen sich die meisten Powerbanks, Smartphone oder Stirnlampen mit USB Anschluss direkt am Panel laden.

Die Solarpanele für Rucksackreisende sind oft so konstruiert, dass sie sich beim Wandern am Rucksack befestigen lassen. Die Geräte werden bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf diese Weise den ganzen Tag geladen.

Für den Einsatz beim Trekking ist, neben dem geringen Gewicht, eine kompakte und gut geschützte Bauform zu empfehlen. Bei faltbaren Panels (wie zum Beispiel von Goal Zero) sind die Zellen beim Transport im Rucksack sehr gut geschützt. Etwa 500 bis 1000g sollten Traveller für die mobile Stromversorgung als zusätzliches Gewicht einplanen. Die mobilen Panele sind in der Regel gut vor Regen und Schmutz geschützt. Eine wasserdichte oder spritzwassergeschützte Powerbank ist beim Einsatz im Gelände ebenfalls sehr hilfreich, denn ansonsten kann der Akku beim nächsten Regenguss schnell Schaden nehmen. Manche Hersteller von Powerbanks integrieren die gängigen Anschlüsse bereits so in ihre Ladestationen, dass Wanderer und Reisende keine zusätzlichen Kabel benötigen. Somit kann auch kein Kabel vergessen, verlegt oder verloren werden.

Solaranlagen für Expeditionen und extreme Bedingungen

Mobile Solaranlagen für extreme Einsätze sind im Grunde eine Mischung aus den leistungsstarken Panelen für Reisemobile und Camping, sowie den leichten, strapazierfähigen Modulen für Trekking und Backpacking. Um den Strombedarf eines kleinen Basecamps zu decken, ist bereits ein hoher Aufwand nötig. Die Solarpanele sollten unter sehr heißen und sehr kalten Witterungsbedingungen einwandfrei funktionieren. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen stehen große Powerstations und Powerbanks bereit, die mit ihren leistungsfähigen Akkus den Strombedarf für mehrere Tage gewährleisten.

Wie auch bei Solarkoffern, lassen sich die Panele für Expeditionen falten und dadurch sehr gut transportieren. Im Vergleich zu den Camping-Panels sind sie jedoch dünner, leichter und außerdem robuster. Die aufwändige Bauweise spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder, denn die Solaranlagen für Expeditionen sind mit Abstand die teuersten.

Praktische Stative können in unwegsamen Gegenden als Halterung für die Panele aufgebaut werden. So stehen sie sicher, lassen sich optimal auf die Sonne ausrichten und sind besser vor Nässe, Schmutz und Schnee geschützt.

Für Expeditionen ohne großes Basecamp und ohne zusätzliche Versorgung eignen sich die kompakten Panels, die auch auf Trekkingreisen für volle Smartphone-Akkus sorgen. Mit ihrem geringen Gewicht sind sie eine prima Ergänzung im Tourengepäck und versorgen überall die wichtigsten Stromabnehmer – ob in der Portaledge im Yosemite, der Pulka-Tour durch Lapland oder beim Mountainbiken durch West-Nepal.

Fazit

Heutzutage gibt es vermutlich kaum jemanden, der oder die ohne elektronische Geräte Draußen unterwegs ist. Wie der Beitrag euch hoffentlich zeigen konnte, können mobile Solarpanels für das Camping abseits von Stromzugängen, Rucksackreisen, als auch Trekking können mobile Solarpanels eine Investition sein, die sich auszahlt. So oder so, wir wünschen euch eine schöne Outdoor-Erfahrung!

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! – Trekkingmahlzeiten im Überblick

13. Juni 2018
Die Bergfreunde

Ohne Mampf keinen Kampf! Das ist wahrscheinlich das Motto vieler Mehrtagestouren. Ob beim Wandern, Klettern oder Radfahren, wer längere Zeit unterwegs ist und sich körperlich fordert, der muss auch was Anständiges essen. Gerade jedoch wenn es darum geht die komplette Verpflegung von Anfang an mitzunehmen, wird schnell am Gewicht und somit leider oft auch an der kulinarischen Vielfalt gespart. Eine abwechslungsreiche Auswahl an Trekkingmahlzeiten kann diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Um herauszufinden, welche Gerichte gut ankommen und wo die jeweiligen Highlights liegen, haben wir einmal ein großes Testessen veranstaltet und uns durch die unterschiedlichsten Gerichte gefuttert. Heute auf dem Speiseplan: die Highlights von Bla Band bis Voyager.

Bla Band

Bekannt wurde der schwedische Hersteller Bla Band in den 50er und 60er Jahren. Zu den ersten Produkten zählten damals vor allem Tütensuppen, Puddingpulver und Co. Seit gut 10 Jahren bringt Bla Band nun aber auch Trekkingmahlzeiten auf den Markt und überzeugt dabei durch eine gute Qualität, sowie eine große Produktvielfalt.

Das Besondere: Viele Gerichte von Bla Band gibt es sowohl gefriergetrocknet, als auch bereits fertig mit Wasser versetzt. Ebenfalls umfasst das Sortiment vegetarische und gluten- und/oder laktosefreie Gerichte. Hier sollte also jeder fündig werden.

Auch bei unserem Testessen zeigt sich das Ergebnis äußerst positiv, denn alle verkosteten Gerichte kamen durchweg gut an. Die beste Bewertung des gesamten Tests räumte das Couscous mit Chili gewürztem Gemüse bei uns ab.

Des Weiteren ist uns bei Bla Band das leichte Handling der Gerichte aufgefallen. Die bereits mit Wasser versetzten Mahlzeiten müssen nur erhitzt werden. Bei den gefriergetrockneten Produkten erfolgt das Erhitzen durch Zugabe von kochendem Wasser. Zudem verfügen alle Tüten über einen praktischen Zipper, mit welchem sie problemlos und jederzeit verschließbar sind.

Expedition Foods

Die Marke Expetition Foods kommt aus Großbritannien und stellt seit 1995 gefriergetrocknete Mahlzeiten her. Das Sortiment besteht aus einer Bandbreite von herzhaften und süßen Gerichten, die unterwegs für die notwendige Energie und eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen.

Die unterschiedlichen Gerichte gibt es in verschiedenen Verpackungsgrößen, die sich jeweils nach der jeweiligen Kalorienzahl richten:

  • Die Verpackungsgröße ‚Regular‘ umfasst ca. 450 kcal.
  • ‚High Energy‘ beinhaltet mehr als 800 kcal,
  • ‚Extreme Energy‘ oder ‚Regular For Two‘ ca. 1000 kcal.

Darüber hinaus sind auch bereits komplett zusammengestellte Tagesrationen (Hauptgericht, Frühstück und Snacks) erhältlich.

Auch Vegetarier oder Personen mit bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten kommen bei Expedition Foods nicht zur kurz. Abgestimmt auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse, gibt es auch hier keinen Verzicht, sondern eine Auswahl an zahlreichen Mahlzeiten.

In unserem Test erreichten die Gerichte von Expedition Foods das vordere Mittelfeld. Abzüge gab es vor allem bei der Zubereitung und der Optik der Gerichte. Geschmacklich wurden jedoch durch die Bank gute Noten erzielt. Besonders beliebt war bei uns das Thai Green Chicken Curry/Rice. Platz zwei belegte eine süße Nascherei: Porridge With Strawberries.

Summit to Eat

Die Portionspackungen von Summit to Eat sind kaum zu übersehen. Dies ist vor allem ihrer gelb-leuchtenden Verpackung, sowie den an der Vorderseite gut leserlich und strukturiert angebrachten Nährwertinformationen zuzuschreiben.

Die Verpackungen der Trekkingmahlzeiten sind aus einem hitzebeständigen Material gefertigt, was die Zubereitung der Mahlzeit in der Packung erlaubt. Zudem kommen auch diese Tüten mit einer Art Zipper, der das nachträgliche Verschließen ermöglicht.

Alle der Summit to Eat Mahlzeiten wurden mittels Gefriertrocknung haltbar und leicht transportabel gemacht. Sie können daher problemlos durch die Zugabe von heißem Wasser zubereitet werden, fallen aber beim Transport im Rucksack nicht sonderlich ins Gewicht. Von süß bis herzhaft bietet Summit to Eat ein breites Sortiment, das auch wieder in Form von kompletten Rationen für Mehrtagestouren erhältlich ist.

Unsere Testesser waren bei Summit to Eat in erster Linie von den süßen Nachspeisen überzeugt. Gerade der Reispudding mit Erdbeeren, sowie das Schokoladen Mousse mit Granola und Kirschen sorgten für strahlende Gesichter. Knapp dahinter lagen Hauptspeisen wie das Würzige Curryhühnchen (Tikka) mit Reis.

Travellunch

Von Travellunch kamen bei unserem Testessen vergleichsweise wenige Gerichte auf den Tisch. Die folgenden Ergebnisse sind daher wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ. Hinter den Produkten von Travellunch verbirgt sich die in Augsburg sitzende Simpert Reiter GmbH. Alle Produkte von Travellunch werden in Deutschland produziert und sind je nach Verpackung und Lagerart drei bis fünf Jahre haltbar.

Travellunch bietet dabei vom Frühstück, dem kleinen Snack für zwischendurch, bis hin zur Hauptmahlzeit alles an, was das Herz begehrt. Die unterschiedlichen Produkte gibt es aber nicht nur einzeln, sondern können auch in Kombination als komplette Tagesration erworben werden. Von fleischhaltig bis vegetarisch, von süß bis herzhaft – hier ist alles dabei, das kulinarisch zu einer gelungenen Tour beiträgt.

In unserem Test wurde vor allem das Chili con Carne mit Rindfleisch sehr gelobt, aber auch vegetarische Gerichte wie das Gemüserisotto kamen gut an.

Voyager

Voyager ist eine Marke des französischen Lebensmittelherstellers Falièrs Nutrition. Schaut man sich das Nahrungsangebot von Voyager einmal genauer an, stellt man auch hier schnell fest, dass es an nichts fehlt. Neben den üblichen Gerichten mit und ohne Fleisch, gibt es auch Mahlzeiten, die mit dem Biosiegel des französischen Agrarministeriums, sowie mit dem Biosiegel der EU ausgezeichnet sind.

Besonders praktisch: Alle Tüten sind farblich gekennzeichnet, sodass man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, um welche Art von Gericht es sich handelt.

Hier eine schnelle Übersicht:

  • rot = Fleischgerichte
  • grün = vegetarische Gerichte
  • blau = Gerichte mit Fisch oder Meeresfrüchten
  • weiß = Gerichte in Bioqualität
  • gelb = Frühstück
  • rosa = Nachtisch/Süßspeisen

In unserem Test belegten die Mahlzeiten von Voyager allesamt Mittelfeldplätze. Wie so oft war es mal wieder das Aussehen der fertigen Gerichte, das für Abzug sorgte. Geschmacklich fiel unserem Testteam vor allem das Rindfleisch mit Reis und Sauce positiv auf.

Fazit

Wer auch bei langen Touren in entlegenen Gebieten lecker essen möchte, der sollte sich vorab gut überlegen, was er mitnimmt. Denn Essen sollte nicht nur satt, sondern auch zufrieden und glücklich machen. Wer hier bewusst kombiniert und auch auf Abwechslung setzt, hat sicherlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gesetzt.

Richtige Ausreiser nach unten gab es bei unserem Test nicht, doch stellten sich klare Favoriten heraus. Aber ob das letzten Endes auch eurem Geschmack entspricht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden :-) Schreibt uns gerne mal in die Kommentare, was unterwegs zu euren Favoriten zählt.

Weit mehr als eine Daunendecke – von den Vorzügen eines Quilts

5. Juli 2018
Kaufberatung

Ihr wollt auf Eurer nächsten Trekkingtour einmal wirklich aufs Gewicht achten und wisst nicht so richtig womit ihr beim Grammjagen anfangen sollt? Dann könnte dieser Beitrag vielleicht Abhilfe schaffen. Die schwersten Ausrüstungsgegenstände stammen immer aus den so genannten großen Drei: also Schlafsack, Rucksack und Zelt.

Ein vernünftiger Drei-Jahreszeiten-Schlafsack bringt in der Regel mindestens 700-800 Gramm auf die Waage, eher sogar mehr. Dieses Gewicht könnt ihr reduzieren, wenn ihr statt auf einen „klassischen“ Schlafsack auf einen Quilt setzt. Der Quilt schafft es, die 3-Jahreszeiten-Temperaturen mit 400-500 Gramm, also so gut wie der Hälfte des Gewichts des Schlafsackes, abzudecken.

Was ist ein Quilt?

Ein Quilt ist quasi ein Schlafsack, dem allerdings ein Teil seiner Füllung fehlt. Zudem hat ein Quilt keinen Reißverschluss, sondern einen Kordelzug als Verschlußmechanismus. Beides sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Quilt in einem ähnlichen Temperaturbereich leichter ist als ein Schlafsack. Neben dem Gewicht,  sorgt die geringere Füllmenge des Quilts für ein sehr geringes Packmaß – ein weiterer Vorzug für den gewichtsorientierten Wanderer.

Nun wird natürlich schnell die Frage auftauchen, ob die geringere Füllmenge nicht auch für eine geringere Wärmeleistung des Quilts sorgt. Die Antwort lautet nein. Da ein Schlafsack quasi rundum mit Füllmaterial (Kunstfaser oder Daune) versehen ist, kommt man nicht umhin auf einem Teil der wärmeisolierenden Füllung zu liegen. Dadurch komprimiert man die Füllung mit seinem Körpergewicht und sorgt (insbesondere bei Daunen) dafür, dass die wärmeisolierende Eigenschaft vollständig verloren geht. Das heißt die Wärme in diesem Teil des Schlafsacks kommt nicht von dem Schlafsack selber, sondern von der entsprechenden Isomatte, die die Bildung einer Kältebrücke verhindert. Aus diesem Grund ist die fehlende Füllung eines Quilt kein Nachteil, wenn es um die Wärmeleistung in einem bestimmten Temperaturbereich geht.

Auch die fehlende Kapuze kann ganz einfach durch die Kapuze der Daunenjacke oder den Einsatz einer Mütze überbrückt werden.

Einsatzbereiche eines Quilt

Ein weiterer Vorteil eines Quilts gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack liegt in dessen Flexibilität. Der Kordelzug lässt sich sehr viel besser regulieren als ein Reißverschluss. Durch diesen Kordelzug kann der Quilt in wärmeren Bedingungen im Handumdrehen zu einer Decke umfunktioniert werden. So kommt ihr nicht in die Verlegenheit, bei wärmeren Temperaturbedingungen euren Schlafsack mit Schweiß zu tränken und in kälteren Nächten frieren zu müssen. Diese Eigenschaft sorgt auch ganz generell für eine bessere Ventilation als man es in einem geschlossenen Schlafsack hätte.

Was sind also klassische Einsatzbereiche für einen Quilt? Längere Touren, die einen durch unterschiedliche Temperaturbereiche führen sind ein Beispiel. Seien es die großen amerikanischen Trails wie der Pacific Crest, Appalachian Trail oder der El Camino und andere europäische Fernwanderwege, hier werdet ihr mit verschiedenen Bedingungen konfrontiert, aber habt kaum die Möglichkeit eure Ausrüstung anzupassen. Genau deshalb eignet sich der Quilt für diese Touren. Aber auch kleinere Touren, die sich in einem Temperaturbereich bis knapp unter den Gefrierpunkt bewegen, sind sehr gut geeignet einem Quilt den Vorzug vor einem Schlafsack zu geben.

Den richtigen Quilt finden

Bevor ihr den für euch geeigneten Quilt aussucht, ist es wichtig zu beachten, dass zu einem Quilt eine entsprechende 3-Jahreszeiten Isomatte gehört, die einen R-Wert von mindestens drei haben sollte. An der Isomatte kann der Quilt dann auch mit Hilfe des Kordelzuges befestigt werden, um eine optimale Nutzung der Wärmeleistung zu garantieren.

Jetzt kann es losgehen mit der Quiltauswahl. Sehr gute und vor allem extrem leichte Quilts macht der amerikanische Schlafsackspezialist Western Mountaineering. Aufgrund der Nutzung sehr hochwertiger Daunen mit 850 cuin Bauschkraft ist dieser Hersteller immer einen Blick wert.

Ein Modell wie die Nanolite Daunendecke von just genanntem Hersteller ist für den Einsatz bis knapp unter den Gefrierpunkt gemacht und bringt dabei gerade einmal 360 Gramm auf die Waage. Bis ungefähr minus fünf Grad könnt ihr euch mit der Western Mountaineering Australite Daunendecke warmhalten. Mit einem Gewicht von 480 Gramm ist diese nur schwer zu unterbieten.

Quilts im Winter

Kommen wir nun noch zu den Einschränkungen. Quilts sind nicht dafür geeignet unter dauerhaft kalten Bedingungen genutzt zu werden. Der oben genannte Temperaturbereich ist das Maximum was aus einem Quilt herausgeholt werden kann und ihr werdet auch nur 3-Jahreszeiten-Quilts für Frühjahr, Sommer und Herbst finden. Zwar könnt ihr durch die Nutzung einer Winterisomatte den Bereich noch etwas dehnen, aber für dauerhaften Wintereinsatz ist ein Quilt schlicht nicht gemacht.

Da ein Schlafsack ja generell nichts anderes macht, als die eigene Körperwärme durch das entsprechende Füllmaterial zu isolieren und zu speichern, ist es unter kalten Bedingungen wichtig den Raum möglichst klein und geschlossen zu halten. Dies kann ein Quilt wiederum nicht in der gleichen Form wie ein Schlafsack leisten.

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: wenn ihr Touren plant, die euch in unterschiedliche Temperaturbereiche führen, aber nicht durch hohe Minusgrade charakterisiert sind, ist einer der besten Wege Gewicht bei eurer Ausrüstung einzusparen die Nutzung eines Quilts. Diese Schlafsackvariante schafft es durch das Weglassen von normalerweise nutzlosem Füllmaterial wertvolle Gramm einzusparen. Zudem ermöglicht diese Konstruktionsweise in der Nutzung eine sehr hohe Flexibilität. Ihr werdet in warmen Sommernächten nicht schwitzen und unter kälteren Bedingungen trotzdem nicht frieren – was will man mehr?

Tschüss Käsefüße – Outdoor Socken waschen leicht gemacht

20. Juni 2018
Pflegetipps

„Pfui Teufel! Bleib mir bloß weg mit deinen Käsemauken!“ Das oder etwas Ähnliches haben wir sicher alle schon des Öfteren nach einem langen Fußmarsch zu hören bekommen. Ganz klar, der natürliche Fußschweiß, die Feuchtigkeit und Bakterien haben über den Tourentag ganze Arbeit geleistet und die Socken in eine pestilenzartige Muffeloase verwandelt. Aber auch Matsch, Laub und ähnlicher Unrat, der sich in die Schuhe verirrt hat, haben den Fußklamotten zu schaffen gemacht. Die Socken müssen in die Wäsche! Aber was gibt’s beim Waschen der Outdoor Socken zu beachten? Gute Frage, drum hier eine kleine Sockenwaschberatung.

Allgemeine Tipps zum Waschen der Outdoorsocken

Keine Angst, die Sockenwaschkunde ist kein Hexenwerk! Dennoch gibt es ein paar wichtige Dinge, die ihr beachten müsst. Starten wir mit ein paar allgemeinen Tipps zur richtigen Sockenwäsche. Der Leitgedanke des Sockenwaschens: achtet in jedem Fall auf die Herstellerangaben! Gerade funktionelle Gewebe sind echte Hochleistungsmaterialien und haben oft ihre ganz eigenen Pflege Dos und Don’ts.

Dreht die Socken vor dem Waschen auf links. Warum? Ganz einfach, der wahre Schmutz lagert sich nicht außen an, sondern durch Schweiß und Hautpartikeln am Inneren der Socke. In Sachen Waschprogramm könnt ihr, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dem Schongang vertrauen. Der normale Waschgang wird eure Socken jedoch sicherlich auch nicht umbringen. Achtet aber in jedem Fall auf die Angaben des Herstellers.

Ein weiterer Tipp für das seit frühesten Waschmaschinentagen bekannte Sockenmysterium – der auf Nimmerwiedersehen verschwundene Sockenpartner. Ob die Socken von einem Dimensionsloch in der Trommel verschluckt oder von Kobolden entwendet werden, wie sie verschwinden wird sich wohl niemals vollständig aufklären, aber ein Mittel gegen den plötzlichen Sockenschwund gibt es allemal.

Nehmt zum Sockenwaschen ein herkömmliches BH-Netz oder ein Wäschenetz zur Hand. Das hält zum einen die Socken beisammen und schont zum anderen empfindliche Funktionssocken (oder feine Merinosocken) vor dem Abrieb durch die Trommel. Zudem schützt es vor Schäden durch Reißverschlüsse, Knöpfen oder Nieten anderer Kleidungsstücke.

Welche Socke wird wie gewaschen?

Nun geht’s ans Eingemachte. Welche Socke wird wie gewaschen? Egal ob aus Wolle, Kunstfaser, Baumwolle oder Merinowolle, um eure Socken sauber zu bekommen, müsst ihr keine hohen Temperaturkaliber auffahren. Zwar ist die Waschtemperatur nach wie vor materialabhängig, jedoch reichen 30 bei Merinowollgeweben bis maximal 40 Grad bei funktionellen Kunstfasermaterialien in aller Regel aus.

Moderne Waschmittel sorgen auch bei niedrigen Temperaturen für eine umfassende Reinigung und waschen eure Socken wie im bekannten Werbeslogan porentief rein. Temperaturen über der 40 Grad Grenze sind nicht nur unnötig, sie können empfindliche Gewebe sogar nachhaltig schädigen. Umwelt und Geldbeutel freuen sich über den Niedrigtemperaturwaschgang ebenfalls. Weniger ist also wiedermal Trumpf.

Wie sieht es an der Waschmittelfront aus?  Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Hauptsache ist, dass ihr auf Zusätze wie Bleiche, Chlor, optische Aufheller oder Weichspüler verzichtet. Ein Vollwaschmittel scheidet von vornherein aus, da es mit vielen aggressiven Zusätzen und Aufhellern für ein strahlendes Weiß daherkommt. Die schonendste Alternative ist das Feinwaschmittel. Hier wird eine besonders schonende Waschlauge mit einem feinporigen Schaum erzeugt, die wie ein Polster für empfindliche Materialien wirkt – sozusagen eine Art schaumiger Airbag, der die Socken beim Schleudergang schützt.

Feinwaschmittel ist vor allem für Funktionstextilien zu empfehlen, da es sehr gewebeschonend ist und keine Zusätze enthält, die die Funktionalität beeinträchtigen oder das Gewebe schädigen. Ich persönlich nehme ab und an ein übliches Colorwaschmittel. Das ist zwar nicht ganz so schonend wie ein Feinwaschmittel, kommt aber ebenfalls ohne Bleiche und ähnliche Zusätze aus und verhindert gleichzeitig ein Abfärben, beziehungsweise ein Ausbluten der Farben. Aber Achtung: Colorwaschmittel eignet sich nicht für Wolle oder Seide!

Merinosocken sind in der Regel herrlich pflegeleicht. Ihr solltet nur darauf achten, dass ihr bei 30 Grad bleibt und wenn möglich den Schongang einstellt. Als Waschmittelkandidaten bietet sich ein Fein- oder ein Wollwaschmittel an. Letzteres sollte in jedem Fall für Socken aus „normaler“ Wolle verwendet werden, da das Wollwaschmittel ohne Protease auskommt. Protease ist ein eiweißspaltendes Enzym, dass auf Dauer die Wollfasern schädigt.

Liegt bei euch eine Pilzerkrankung am Fuß vor, gibt es spezielle medizinische oder fungizide Waschmittel und Spüler, die dem Fußpilz auf der Socke an den Kragen gehen. Temperaturmäßig solltet ihr hier auf mindestens 60 Grad gehen, da ansonsten bei einem Waschgang unterhalb dieser Temperatur circa 10 bis 15% der Sporen überstehen. Hier sollte allerdings auch wieder die Herstellerangaben beachtet werden!

Die große Wäschekontroverse – Warum kein Weichspüler?

Das keine Bleiche, kein Chlor oder ähnliches an die geliebte Outdoorsocke sollte, lässt sich locker nachvollziehen. Aber warum kein Weichspüler? Schließlich riecht das Zeug (meistens) prima und die Wäsche fühlt sich hinterher kuschelig weich an. Der Grund liegt an den sogenannten kationischen Tensiden, die im Weichspüler enthalten sind. Diese Tenside legen sich als Film auf die einzelnen Fasern, lassen die Faseroberfläche glatter wirken und sorgen so für eine softe Haptik. Hört sich toll an? Naja!

Die Krux liegt gerade an diesem Film, denn er vermindert die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von Geweben, was bei Funktionstextilien eher hinderlich ist. Eure Socken sind dann nämlich weich, eure Füße aber leider schwitzig und stinkig. Gleichzeitig schadet Weichspüler elastischen Kunstfasern. Sie verlieren ihre Dehnbarkeit, leiern aus oder werden brüchig. Das ist vor allem für die Sockenbünde pures Gift.

Der Nutzen, den Weichspüler auf die Wäsche hat, ist folglich fraglich und zudem enthalten einige dieser weichmachenden Produkte Zusätze wie Silikone, Lösungsmittel, Farbstoffe oder Formaldehyd, die sich schädlich auf die Umwelt auswirken.

Kann die Socke in den Trockner?

Bei der Trocknerfrage gilt wieder der altbekannte Hinweis auf die Angaben des Herstellers zu achten. In den meisten Fällen können die Socken jedoch bei niedriger Temperatur und im Schonprogramm durchaus die eine oder andere Runde im Wäschetrockner drehen. Ich würde dem allerdings immer die Trocknungsvariante in der frischen Luft vorziehen: auf der Leine an der oder auf einem gut belüfteten Wäscheständer. Auf diese Weise bleibt die Socke in jedem Fall in Takt und der Bund verliert auch nicht an Elastizität.

Ihr seht, die Outdoor Socken richtig zu waschen ist kein großes Ding. Wenn ihr auf ein paar Kleinigkeiten achtet, hat selbst der fieseste Schmutz und der übelste Geruch keine Chance und eure Socken sind schnell wieder für den nächsten Einsatz bereit!

Rückruf: SKYLOTEC Klettersteigsets

22. Juni 2018
Rückruf Archiv

Heute erreichte uns die Nachricht, dass Skylotec alle SKYSAFE-Karabiner für eine vorsorgliche Überprüfung zurückruft. Davon betroffen sind eine ganze Reihe Klettersteigsets, die wir euch unten einzeln aufgezählt haben. Was passiert ist und was ihr tun müsst, falls ihr ein betroffenes Modell euer eigen nennt, erfahrt ihr hier…

Wichtige Anmerkung: Alle ab dem 14.06.2018 bei den Bergfreunden gekauften Skylotec Klettersteigsets wurden bereits ausgetauscht und sind vom Rückruf NICHT betroffen!

Was ist passiert?

Bei einer routinemäßigen Qualitätsuntersuchung der SKYSAFE-Karabiner wurde festgestellt, dass die Bruchwerte streuen – und zwar bis in den nonkonformen bzw. sicherheitsrelevanten Bereich. Die Ursache konnte identifiziert werden und liegt im Härteprozess des Stahlkörpers. Da man bei Skylotec nicht gänzlich ausschließen konnte, dass auch ältere Chargen betroffen sind, folgt nun ein vorsorglicher Rückruf auch älterer Klettersteigsets.

Welche Skylotec Klettersteigsets sind betroffen?

Bei folgenden Sets werden die Karabiner einer Überprüfung unterzogen:

  • RIDER 3.0 / Artikelnummer L-0672
  • RIDER 3.0/ Artikelnummer L-0612
  • SKYRIDER / Artikelnummer L-0039
  • SKYSAFE III / Artikelnummer L-0673
  • SKYSAFE II / Artikelnummer L-0156
  • SKYSAFE / Artikelnummer L-0056

Bei folgenden Produkten führt Skyloteczusätzlich ein Bandfalldämpfer-Upgrade durch:

  • SKYSAFE Sam / Artikelnummer L-0674
  • SKYSAFE Duro / Artikelnummer L-0675

Um einer Verwirrung vorzubeugen: Bei den letzten beiden Modellen werden die Karabiner natürlich auch überprüft, allerdings werden gleichzeitig die Bandfalldämpfer mit neueren Versionen nach EN958:2017 ersetzt.

Was muss ich tun, wenn ich ein betroffenes Set besitze?

Solltet ihr ein entsprechendes Klettersteigset besitzen, sendet es bitte umgehend an Skylotec zurück. Hier könnt ihr euch einen Retourenaufkleber ausdrucken, mit dem ihr das Set kostenfrei zurücksenden könnt. Vergesst bitte nicht, dem Paket auch dieses Rücksendeformular beizulegen. Wenn das Set bei Skylotec angekommen ist, dauert die Überprüfung bis zu 10 Tage. Danach geht das Set kostenfrei zu euch zurück.

Habt ihr das Set bei uns gekauft, werdet ihr natürlich zeitnah von uns per Email informiert. Bitte seht davon ab, das Produkt direkt an uns zu schicken. Wir schicken es auch nur an Skylotec weiter, was den ganzen Prozess um einige Tage verlängert. Auch die bei uns lagernden Sets werden aus dem Verkauf genommen und an Skylotec zurück geschickt.

Ausführliche Informationen zum Rückruf findest du auf der Webseite von Skylotec.

Über Land und Wasser: Hyphen Sports

9. Mai 2018
Kaufberatung

Hyphen? Wie spricht man das denn aus? „Hüfn“ vielleicht? Die Firma sitzt ja in München und da gibt es viele Kreationen aus dem oberbayrischen Sprachwunderland. Aber nein, es ist Englisch, spricht sich „haɪf(ə)n“ und bedeutet „Bindestrich“. Weil hyphen (ja, klein geschrieben) Wassersport und Bergsport unter einem Dach verbindet. Und weil die Firma bei jedem Produkt das Beste von allem zu einem spitzenmäßigen Ganzen verbinden will. Schauen wir doch mal, wie das gelingt …

Entstehung

Bevor hyphen Sports im Jahr 2001 zum Unternehmen wurde, war es einst ein Elternpaar, das seinen Kindern das Surfen und die Liebe zum Wasser vermitteln wollte. Allerdings wollten sie es so vermitteln, dass die Kinder ungetrübte Freude daran haben konnten. Sie sollten ohne zu frieren im Wasser und ohne die Gefahr von Hautschäden in der Sonne bleiben können. Außerdem sollte die Lösung dieser Herausforderung so wenig Belastung wie möglich für die Umwelt mit sich bringen. Diese Wünsche führten zu einer langen und komplizierten Forschungsreise, die wiederum zu völlig neuartigen, wassertauglichen und kinderfreundlichen Textilien führte. Diese sind mittlerweile heiß begehrt und die Eltern Christiane Hess und Peter Reinschmidt Geschäftsführer eines erfolgreichen Familienunternehmens.

Seit 2013 verschreibt sich hyphen sports auch dem Bergsport und das mit der gleichen Akribie und Hingabe, wie es zuvor beim Wassersport geschah. Auch hier spielt der UV-Schutz eine große Rolle, denn bekanntlich trifft umso „härtere“, potenziell gefährlichere Sonnenstrahlung auf die Haut, je höher man sich befindet.

Besonderheiten

Die Firma und ihre Produkte sind in vielerlei Hinsicht besonders. Wirklich einzigartig dürfte der bislang für unmöglich gehaltene Spagat zwischen kompromisslos funktionaler, komplett nachhaltiger und dennoch bezahlbarer Kleidung sein. Besonders bei der Surf- und Wassersportbekleidung wird dabei immer auch an den Nachwuchs gedacht – und das mit Erfolg, wie Christiane Hess erklärt:

„Die Kinder akzeptieren es nicht nur angezogen zu sein, sondern sie fühlen sich wohl, weil ihnen die Sachen super gut gefallen.“

Doch auch bei der allroundtauglichen Skitourenkleidung geht man mit sehr viel Umsicht und Sorgfalt zu Werke. Schon beim Entwurf jedes Kleidungsstücks sind Bergführer und professionelle Bergsteiger wie Christian Stangl beteiligt. Sie machen sich um jede einzelne Naht Gedanken und testen das Material ausführlich.

Künftig wird der Fokus von hyphen sports nicht mehr „nur“ auf Skitouren liegen. Ab der Herbst/Wintersaison 2018 wird die Produktpalette vielseitiger und verstärkt auf den Sommer-Bergsport ausgerichtet sein. Dabei wird nicht nur das Sortiment verbreitert, sondern auch originelle, eigene und teils neuartige Lösungen präsentiert. Das fängt mit unkonventionellen Materialien wie c-change von Schoeller an und hört jedoch bei strategisch platzierten Isolationspads noch lange nicht auf.

Glaubwürdige Nachhaltigkeit – fair und transparent

Wenn man die Nachhaltigkeit der Firma hyphen sports in eine griffige Formel packt, lautet sie in etwa so:

95% Made in Europe, 100% PFC-frei, 100% Materialien aus Europa.

Das Nachhaltigkeitskonzept von hyphen ist umfassend, glaubwürdig, nachprüfbar und sprichwörtlich zum Anfassen. Hier gibt es keine outgesourcten und anonymen Marketingabteilungen, sondern verantwortlich handelnde Menschen, die persönlich sichtbar und ansprechbar sind.

Regionaler Bezug

Als wichtiges Element der Nachhaltigkeit wird der regionale Bezug zur Alpenheimat konsequent und glaubwürdig gelebt. Dies kommt nicht nur in Namen, Logos und Motivprints der Kleidungsstücke zum Ausdruck, sondern auch in allen weiteren Aspekten und Aktivitäten. Der Begriff „regional“ wird auch nicht allzu eng gefasst, denn er schließt die ganzen (Ost)Alpen und ein Stück von Kroatien, wo sich die Produktionsstätte von hyphen befindet, ein.

Dass möglichst alle Stoffe aus Europa stammen, ist oberste Prämisse bei der Materialwahl. Die Umsetzung gelingt zu 95%, denn abgesehen von den Reißverschlüsse von YKK wird fast alles auf diesem Kontinent produziert. Ein Großteil dieser Produktion befindet sich nach heutigen Maßstäben quasi gleich um die Ecke: in Mursko Sredisce, einer Kleinstadt in der traditionsreichen Textilregion im Norden Kroatiens. Im dortigen Werk kennt Andreas Schreilechner, Chefentwickler bei hyphen „jede Näherin beim Vornamen“. Die relative Nähe bringt auch eine hohe Flexibilität und andere praktische Vorteile mit sich.

Wie schon erwähnt verzichtet hyphen vollständig auf den Einsatz umweltschädlicher und nicht recyclingfähiger Stoffe wie PFOA. Auch einfache T-Shirts bestehen nicht aus einer weit entfernten Baumwolle, sondern aus Tencel. Diese „Naturkunstfaser“ wird für das Unternehmen von der österreichische Firma Lenzing aus Zellulosefasern produziert.

Die Regionalität setzt sich selbst bei den Modellbezeichnungen fort. Dass man hierfür die Namen irgendwelcher Gipfel und Bergketten hernimmt, ist in der Outdoorbranche gang und gäbe. Doch bei hyphen hat die Sache einen ganz realen Bezug, denn die Namen nennen jene Alpengipfel und -gebiete, an und in denen die Teile getestet wurden.

Sogar der Vertrieb der fertigen Produkte beschränkt sich auf Deutschland und den Alpenraum.

Wirklicher UV-Schutz

Kleidung mit hohen UV-Schutzfaktoren gibt es von vielen Herstellern. Doch nicht immer entspricht die angegebene Schutzfunktion den tatsächlichen Werten. Vor allem, wenn die Textilien Dehnung und Nässe ausgesetzt sind, verlieren sie einen Großteil ihrer Sonnenschutzwirkung. Unabhängige Test haben jedoch bewiesen, dass hyphen Textilien zuverlässig die höchsten UV-Schutznormen erfüllen, die es gibt. Und wie schaffen sie diesen maximalen Schutz zu übertreffen?

Zum Beispiel indem in die flüssige Spinnmasse der Kunstfaserstoffe schon Titandioxid für den UV-Schutz eingeschmolzen wird. Daraus entstehen hochfeine Garne, die die Ausgangsbasis für besonderen Schutz und hohen Tragekomfort sind. Für diese Umsetzung kommen zusätzlich noch hochkomplexe Maschinen zum Einsatz, die für eine besondere Dichte bzw. besonders feine Maschen des Materials sorgen.

Neuer Fokus auf Skitouren und Bergsport

Im Ski- und Bergsport sind die Münchener zwar noch relativ neu, doch den Einstieg haben sie genau so überzeugend gemeistert wie schon zuvor im Wassersport-Bereich. Dafür war und ist ein extrem fundiertes Know-how nötig, das aus einer starken Verbindung von Bergsport-Praxis und Erfahrung aus der Textilindustrie entsteht. Bei hyphen sports verkörpert vor allem das Team um Entwickler Andreas Schreilechner dieses Know-how.

Die Entwicklung der Bekleidung wird anders als bei vielen Marken nicht von einem anvisierten Endpreis oder anderen betriebswirtschaftlichen Zielgrößen bestimmt. Selbst die grundlegenden Stoffbahnen der Kunstfasertextilien werden nicht als Massenware in Fernost, sondern handverlesen und teils eigens für hyphen produziert. So bekommen viele der Kleidungsstücke schon „von Grund auf“ eine außergewöhnliche Funktionalität. An keiner Stelle im Produktionsprozess steht die Kostenersparnis über der Performance des Endprodukts. Materialien und Ausstattungsdetails werden ausschließlich nach funktionalen Kriterien entworfen und ausgewählt. Die „Prototypen“ werden dann von den beteiligten Bergsportlern bis auf den letzten Quadratzentimeter Stoff getestet.

Gute Preise, gute Aussichten

Solche Liebe zum Detail führt normalerweise zu sehr hohen Verkaufspreisen für die Kunden. Nicht so bei hyphen Sports, wo High End Produkte durchaus im preislichen Mittelfeld einpendeln. Das ist nur möglich, wenn eine Firmenphilosophie in höchstem Maße von Vernunft und Ethik getragen wird. Wir sind begeistert und uns sicher, dass hyphen Sports auf diese Weise weiterhin Erfolge feiern wird.

Gewinnspiel The North Face Mountain Festival 2018

Win: Mit den Bergfreunden zum Mountain Festival

30. April 2018
Die Bergfreunde

Es gibt ja so Events, von denen erzählt man jedem. Ständig. Erzählt, wie ultra cool es war, wie viel Spaß man hatte und dass man da auf jeden Fall wieder hin muss. Der Titel des Beitrags verrät es schon: Das Mountain Festival von The North Face war eines dieser Events. Und ja: Wir fahren auch dieses Jahr wieder hin. Und du kannst mit! Was Du dafür tun musst, wollen wir dir hier verraten…

Oh, sweet Memories!

Paragliding, Canyoning, Wandern, Bergsteigen, Trailrunning, Kayaking, Partying, Camping – gerade für alle Festivalkenner unter euch Outdoorern sollte das Mountain Festival eigentlich ein Pflichttermin sein. Vereint es doch alles, was man für ein dementsprechend gelungenes Wochenende braucht: Berge, inspirierende Vorträge und Party mit guter Musik. Teilweise bis spät in die Nacht. Dementsprechend geschafft waren wir auch nach diesen vier Tagen im schönen Lauterbrunnen. Die ganze Geschichte könnte ihr übrigens in unserem Blogartikel zum Mountain Festival 2017 nachlesen.

Tschau Schweiz, ciao bella Italia!

Wo geht die Reise 2018 hin? Lauterbrunnen ist – leider – nicht mehr der Austragungsort des Mountain Festivals. Stattdessen hat The North Face aber einen neuen Kracher im Angebot: Mit Courmayeur dürfen wir in diesem Jahr im Aostatal unsere Zelte aufschlagen. Im Schatten des großen Mont Blanc. Der liegt nämlich nur 10 km entfernt und bietet eine ebenso beeindruckende Kulisse, wie die hohen Steilwände im Lauterbrunnental.

Das genaue Programm ist bis dato noch nicht bekannt, dürfte aber ähnlich ausfallen, wie in den letzten Jahren. Du scharrst jetzt schon mit den Hufen und kannst es wie wir kaum abwarten? Dann sichere dir hier 2 x 2 Karten und verbringe ein unvergessliches Wochenende mit deinem besten Bergfreund bei einem der coolsten Events diesseits des Äquators (ok, vielleicht übertreiben wir hier ein bisschen. Aber es war und wird wirklich ziemlich cool!).

Herrgott, …zefix, was muss ich denn jetzt genau tun?

Also gut, kommen wir zum Eingemachten: Wie auch im letzten Jahr, gibt es einen Fotowettbewerb. Teilnehmen ist relativ einfach: Wir wollen ein Bild von dir und deinem besten Bergfreund – bestenfalls ein Mensch, denn wir haben ja zwei Tickets. Und so gehts:

  1. Bild auf Facebook oder Instagram posten
  2. Tagge uns mit @Bergfreunde.de (Facebook) oder @bergfreundede (Instagram) UND dem Hashtag #mountainfestival2018 
  3. Alle Postings, die bis zum 31.05. das Licht der Welt erblicken, nehmen automatisch teil.
  4. Am 31.05. werden die Gewinner per Los ermittelt.

Hier könnt ihr die ausführlichen Teilnahmebedingungen nachlesen. Wir freuen uns auf eure Schnappschüsse!

Richtig(e) betten auf Touren: Kaufberatung Schlafsäcke

23. April 2018
Kaufberatung

Daune oder Kunstfaser? Mumienform oder Deckenform? Solche existenziellen Fragen treiben den Menschen seit jeher um. Vor allem dann, wenn er bei durchfrorenen Nächten in einem unpassend geschnittenen und isolierten Schlafsack viel Zeit zum Grübeln hat. Dann heißt es meist: „Wie hätte ich diesen verf … lixten Sch … lamassel bloß verhindern können?!?“ Wir sagen aber: Nicht verzagen, Bergfreunde fragen! Hier kommt die wirklich letzte Schlafsackberatung, die ihr braucht:

Der Verwendungszweck

Vielleicht hat man ja beim Kauf die falschen Fragen gestellt. Oder der Verkäufer hatte nicht die richtigen Antworten. Die erste Kundenfrage lautet jedenfalls meistens: „Welchen Schlafsack brauche ich?“. Der gute Schlafsackverkäufer antwortet dann immer mit der Gegenfrage: „Wohin willst du denn damit gehen?“. Das kann, muss aber nicht unbedingt etwas mit persönlichem Interesse an den Reiseplänen zu tun haben. Vielmehr geht es darum, den Einsatzbereich und Verwendungszweck des Schlafsacks einzugrenzen.  Je nachdem, ob es „Mexiko, rumreisen“, „Alpen, fernwandern“ oder „Norwegen, paddeln“ heißt, kommen dann völlig verschiedene Modelle infrage. Denn leider gibt es „den Einen“ für all das zusammen nicht.

Die weiteren Fragen des Verkäufers lauten dann vermutlich in etwa so:

„Was ist dir am wichtigsten? Soll er vor allem warm sein? Leicht? Komfortabel und geräumig? Nässeunempfindlich? Klein komprimierbar? Oder gar mehrere von diesen Eigenschaften?“

Letzteres ist nicht unmöglich, aber abhängig vom Budget. Ausgefeilte Technik in hoher Verarbeitungsqualität bekommt man nicht im Discounter. Wenn also als letzte Frage hinzu kommt: „Wie viel bist du bereit auszugeben?“, dann hat man gute Chancen, den individuell passenden Idealschlafsack herauszufiltern.

In diesem Filterverfahren klärt sich meist auch schon automatisch die Kernfrage „Daune oder Kunstfaser?“ – eine Entscheidung, die auch dadurch verkompliziert wird, dass es bei beiden ein weites Qualitätsspektrum gibt. Das bedeutet, dass die eigentlich leistungsfähigere, sprich „hochwertigere“ Daune in einer schwachen Ausführung durchaus von den besten Kunstfasern überholt werden kann. Das spiegelt sich dann auch im Preis wider, wo hochklassige Kunstfaserschlafsäcke durchaus teurer sein können als einfache Daunenmodelle.

Am besten hangelt man sich eine Liste an Kriterien entlang und ordnet diese nach den eigenen Prioritäten. Dazu schauen wir uns die Kriterien an, die für alle Outdoorer mehr oder weniger wichtig sind:

Die Form

Dieses Kriterium klärt sich meist am schnellsten. Sobald es auf Packmaß, Gewicht und Wärmeleistung ankommt, bleiben nur noch die Mumienform (von den Schultern zu den Füßen schmaler zulaufend) und, mit Einschränkungen, die Eiform (breiter im Hüft- und Kniebereich) übrig. Die Deckenform (rechteckig) ist eher für den Indoor-Einsatz gedacht – für Wohnmobile, Ferienhäuser oder zuhause als „Gästebett“.

Die Mumienform hat den engsten und dadurch am schnellsten aufgewärmten Innenraum und kommt mit dem wenigsten Material aus. Die Eiform bietet mehr Platz und Komfort, was aber durch mehr Gewicht und Volumen sowie schlechtere Isolationsleistung bezahlt werden muss. Für korpulentere und breiter gebaute Outdoorer kann die Eiform dennoch auch vom funktionalen Aspekt her die beste Wahl sein.

Die Temperatur

„Wie warm ist der?“, „Wie warm muss er sein?“ Auch diese Fragen hört man so oder so ähnlich fast immer. Praktischerweise haben wir für deren Beantwortung schon einen Artikel geschrieben. Fassen wir diesen hier nochmal in der vereinfachten Kurzversion zusammen und gehen dabei davon aus, dass du eine durchschnittlich kältefühlige Person bist:

Überlege dir, welche Tiefsttemperaturen auf deinen geplanten Touren nachts zu erwarten sind und wähle dann einen Schlafsack, der diese Temperatur als Komforttemperatur ausweist. Nicht als Komfort-Limit und schon gar nicht als Extremtemperatur. Die genannten drei Werte sind bei jedem Schlafsack angegeben. Die Komfort-Limit-Temperatur wird zwar gern als „Einsatzbereich“ genannt, stellt jedoch dessen unteres Ende dar, dass sich nur unter allerbesten Bedingungen mehr nach Komfort als nach Limit anfühlt. Wird gar die Extremtemperatur erreicht, wird es voraussichtlich eine Nacht werden, über die du hinterher ein Bergdrama schreiben kannst.

Da die Temperaturangaben bei fast allen Herstellern weltweit einheitlich nach einer EU-Norm ermittelt werden, sind sie auch einigermaßen vergleichbar und zuverlässig. Für die eigenen Überlegungen heißt das: nur wenn die Umgebung nicht kälter als die Komforttemperatur ist, wirst du in dem Schlafsack auch bei suboptimalen Bedingungen erholsam schlafen können.

Meist kategorisiert man je nach vorgesehenem Temperaturbereich:

  • Sommerschlafsäcke: Komforttemperatur oberhalb von 12°C
  • Drei-Jahreszeiten-Schlafsäcke: Komforttemperatur bis etwa 0°C
  • Winterschlafsäcke: Komforttemperatur deutlich unter 0°C

Die genannten Temperaturwerte sind nur geschätzt, denn die drei Schlafsackkategorien sind nicht trennscharf voneinander festgelegt. Wichtig zu wissen: die Kategorie „Drei Jahreszeiten“ deckt den Großteil des Outdoorer-Bedarfs ab, da sie für klassische Aktivitäten wie sommerliche Berg- und Hochtouren in den Alpen oder sommerliches Trekking in Norwegen und Lappland geeignet ist.

Wer es deutlich wärmer braucht und nach den richtig dicken Kalibern Ausschau hält, wird merken, dass es bei diesen Schlafsäcken nur eine Temperaturangabe vom Hersteller gibt oder sie gar ganz fehlt. Das liegt daran, dass das Euronorm-Testverfahren nur bis zu einer bestimmten Füllmenge funktioniert. Bei Schlafsäcken mit großer Füllmenge lässt sich damit keine genaue Komforttemperatur ermitteln. Man muss sich dann auf die alternative Angabe der Hersteller verlassen – was in den meisten Fällen auch kein Problem ist, da in diesem Temperatur- und Preissegment eigentlich nur seriöse Hersteller produzieren, die einen Ruf zu verlieren haben.

Das Gewicht und Packmaß

Das Gewicht muss natürlich immer im Zusammenhang mit der Temperaturleistung des Schlafsacks bewertet werden. Es hängt vor allem von Masse, Qualität und Verarbeitungsweise des Füllmaterials, sowie der Hülle ab. Da das Füllmaterial den größten Anteil hat, kommt hier die Daune-Kunstfaser-Diskussion zum Zug. Allerdings sind die Feinheiten dieser Diskussion angesichts der vielen Techniken sowohl bei Daune, als auch bei Kunstfaser komplex genug um ein Buch zu füllen. Wir haben dazu schon zwei Artikel gefüllt, die wir hier kurz zusammenfassen, um die beiden Materialien miteinander zu vergleichen (die Links zu den Artikeln folgen gleich):

Daune

Je größer und „kräftiger“ die Daune, desto höher ihre Bauschkraft. Und je höher die Bauschkraft, desto weniger Daune wird für die gleiche Isolationsleistung benötigt – und desto leichter ist der Schlafsack gemessen an seiner Wärmeleistung. Die Bauschkraft wird gemessen, indem eine standardisierte Menge Daunen mit einem Standardgewicht zusammengedrückt wird. Das Volumen, auf das sie sich nach dem Entlasten wieder „zurückbauscht“, gibt den Wert der Bauschkraft an.

Es wird in Kubikzoll (Cubic Inch) gemessen, weshalb der Bauschkraft- oder Fillpower-Wert „Cuin“ genannt wird. Daune mit einem Wert ab 600 Cuin aufwärts gilt als solide bis gut. Ab einem Wert von 700 Cuin wird es schon richtig hochwertig, und bei 800 Cuin ist man im absoluten Highend-Bereich angekommen. Zwar ist die Messung des Cuin-Werts ähnlich normiert wie die  Temperaturangabe, doch unterscheidet sie sich  zwischen Europa und Nordamerika.

Was in Europa als 650 Cuin gemessen wird, dürfte in Nordamerika einen Wert von mindestens 700 Cuin bekommen. Deshalb können sich zwei Schlafsäcke trotz gleicher Cuin-Angabe unterschiedlich „prall“ anfühlen. Der Schlafsack mit etwas weniger „gefühlter Power“ trägt dann vermutlich ein nordamerikanisches Logo. Dieser Messunterschied bedeutet aber keineswegs, dass nordamerikanische Schlafsäcke „schlechtere Daunen“ hätten. Man sollte nur einen entsprechend höheren Cuin-Wert ansetzen.

Eine weitere wichtige Angabe ist das Verhältnis von Daunen zu Federchen. Es gibt fast keinen Schlafsack, der reine Daune ohne „Stützfedern“ enthält. Die Federbeimischung dient allerdings anders als meist angenommen weniger der Stützung der Daunen, sondern eher der Wirtschaftlichkeit der Produktion. Bei großen Gänsedaunen verschlechtern die Federn sogar massiv den Bausch und erhöhen das Gewicht überproportional. Da reine Daune aber kaum zu bezahlen ist, haben fast alle Daunenschlafsäcke einen Daunen-Feder-Verhältniswert angegeben. Vor dem Schrägstrich steht der relative Daunenanteil, hinterm Schrägstrich der Federanteil: es gibt Verhältnisse von 70/30; 80/20; 90/10 oder, bei Highend-Schlafsäcken Werte um 95/5. Je mehr Daune, desto besser.

Damit zu den allgemeinen Vor- und Nachteilen:

Ein kleines Packmaß und ein geringes Gewicht machen sich tagsüber beim Transport im Rucksack angenehm bemerkbar. Das natürliche Körperklima und der weiche Griff sorgen nachts für hohen Schlafkomfort. Bei sachgerechter Schlafsackpflege freut man sich über die lange Lebensdauer der Daunen auch bei häufigem Einsatz.

Daune ist empfindlicher gegen Nässe und Feuchtigkeit, sie fällt in sich zusammen und isoliert nicht mehr. Allerdings wird in diesem Punkt oft übertrieben, fast so, als ob Daune wie Zuckerwatte wäre. Der Schlafsack muss schon direkt beregnet werden oder es muss starken Tau geben, damit die Daunen wirklich in die Knie gehen. Selbst wenn es keine Gelegenheit zum Lüften und Trocknen gibt, kann man auf Schlafsäcke mit imprägnierten Daunen und wasserdichter sowie atmungsaktiver Außenhülle zurückgreifen. Diese haben natürlich wiederum ihren Preis.

Alles weitere hierzu erfährst du in der Kaufberatung Daunenschlafsäcke.

Kunstfaser

Auch hier ist ausschlaggebend, dass möglichst wenig Material möglichst viel Luft einschließt. Die meisten Kunstfasern sind zu komplexen Vliesen und Matten aus Spiralen oder Filamenten verarbeitet und haben eine oder mehrere Hohlkammern. Bei Kunstfaserfüllungen erreichen meist die etwas komplexeren Verarbeitungen (wie die mehrlagige Schindeltechnik) bessere Wärme-Gewichts-Verhältnisse als einfache Konstruktionen (wie die simpel eingenähte Ein-Lagen-Technik).

Kunstfaser isoliert und wärmt auch noch bei Nässe. Wenn auf einer Tour wirklich ständiger Regen zu erwarten ist, sollte man der Kunstfaser den Vorzug geben. Der günstigere Anschaffungspreis ist ein weiterer Vorteil, der sich aber auf lange Sicht durch die meist geringere Haltbarkeit relativiert.

Kurzfristig ist Kunstfaser tatsächlich widerständiger gegen rustikale Behandlung (z.B. durch verschüttete Getränke oder ständig auf den Schlafsack latschende Leute bei Festivals). Kunstfaser ruft im Gegensatz zur Daune so gut wie nie allergische Reaktionen hervor. Und, last but not least, gibt es bei Kunstfaser keine direkte Verbindung zur Tiere verwertenden Industrie, was (nicht nur) für Veganer ein wichtiger Punkt ist. Allerdings ist von solchen stark ethischen Standpunkten aus auch die petrochemische Industrie keine wirkliche Alternative …

Bei gleicher Temperaturleistung hat auch die beste Kunstfaser noch ein höheres Gewicht und größeres Packmaß als die einfache Daune. Auch die Haltbarkeit ist langfristig gesehen nicht vergleichbar: während Daune durch eine sachgerechte oder gar professionelle Reinigung „wie neu“ bleiben kann, sind einmal eingedrehte oder durchlöcherte Kunstfasersegmente definitiv beschädigt. Reinigung und Pflege sind bei Kunstfaser deutlich einfacher und schneller erledigt. Allerdings können Kunstfaserfüllungen anders als Daune auch nicht nachgefüllt oder ausgetauscht werden.

Exkurs: Daune vs. Kunstfaser bei sehr warmen Schlafsäcken

Was kaum jemand beachtet: bei sehr „warmen“ Schlafsäcken schießen Packmaß und Gewicht bei den Kunstfasermodellen quasi durch die Decke. Während es den Kunstfasersack bis etwa null Grad Komforttemperatur durchaus noch mit rucksacktauglichem Gewicht und Packmaß gibt, ist das Modell mit minus zehn Komfort plötzlich ein 2-Kilo-Koloss, der den halben Kofferraum füllt. Wieso das? Nun, die zusätzliche Kunstfasermenge schafft – auch bei den besten Fasern – nicht in gleichem Maße mehr Wärme. Deshalb muss für wenige Grad Extrawärme jede Menge zusätzliches Füllmaterial her.

Bei Daune verläuft dieser Temperaturgradient günstiger: hier reicht viel weniger an Zusatzmaterial für den gleichen Zugewinn an Isolation. Ein Daunenschlafsack mit minus zehn Komfort kann deshalb ohne Probleme rucksacktauglich ausfallen. Hier hat Daune also einen weiteren Vorteil.

Alles weitere hierzu erfährst du in der Kaufberatung Kunstfaserschlafsäcke.

Komfort

Der Komfort hängt nicht nur von der Füllung und ihrer Wärmeleistung, sondern auch vom Platzangebot und vom Material des Innenbezugs ab. Letzteres beeinflusst ebenfalls das Feuchtigkeits- oder Trockenheitsgefühl sowie zu einem kleinen Teil auch das Temperaturempfinden. Dabei spielen auch persönliche Vorlieben eine Rolle: die Einen mögen lieber einen seidigen Griff, die anderen einen eher textilen, „stoffigen“ Griff. Letzteren bietet vor allem die Baumwolle, die aber aus funktionellen Gründen als Innenbezug eines Outdoor-Schlafsacks ungeeignet ist.

Ebenfalls entscheidend für den Komfort sind natürlich Länge und Passform des Schlafsacks. Als beste Passform für den Berg- und Outdooreinsatz haben wir ja bereits die Mumie ausgemacht. Obwohl sie die Engste ist, kann sie mit ein paar richtigen Detailentscheidungen durchaus komfortabel ausfallen. So sollte man  den Schlafsack im Zweifelsfall lieber ein paar Zentimeter „zu lang“ nehmen, anstatt wegen ein paar Gramm Gewichtsersparnis jede Nacht mit den Zehen anzustoßen. Apropos Zehen: eine vorgeformte Fußbox ist ein echter Pluspunkt. Sie funktioniert auch für Seitenschläfer, da man den Schlafsack, wenn er gut sitzt, bei den Bewegungen im Schlaf „mitnimmt“.

Die „richtige“ Seite des Reißverschlusses ist eine rein subjektive Frage und spielt eigentlich nur eine Rolle, wenn zwei Schlafsäcke zu Einem gekoppelt werden sollen. Wichtig ist vor allem, dass der Reißverschluss bei „warmen“ Schlafsäcken innen mit einer gefütterten Wärmeleiste abgedeckt ist.

Ausstattung

Wo wir schon bei den Reißverschlüssen sind: die sollten neben der genannten Wärmeleiste am besten auch noch einen Klemmschutz (meist ganz einfach eine kleine, etwas steifere Stoffbahn) haben, damit sie angenehm rund laufen. Ein verkürzter RV, der nur bis zu den Knien reicht, ist zwar weniger komfortabel beim Ein- und Ausstieg, verbessert aber die Wärmeleistung bei Verringerung des Gewichts. Sinnvoll wenn Gewicht, Wärmeleistung und Packmaß an oberster Stelle stehen.

  • Kapuze: Bei einem berg- und outdoortauglichen Sack muss es ganz klar eine vorgeformte Konturkapuze sein, die sich bis auf ein Atemloch verschließen lässt, ohne dabei auf den Kopf zu drücken oder zu spannen.
  • Wärmekragen: Sehr nützlich, wenn bei Temperaturen unterhalb von etwa 5 Grad plus geschlafen wird. Und das wird es in so gut wie jedem Outdoorer-Leben. Besser ein paar Gramm extra tragen, als nicht einschlafen zu können, weil dieser empfindlich kalte Luftzug an Hals und Brust nervt. Und bei großem Gefälle zwischen Innen- und Außentemperatur reichen schon wenige Zentimeter offener Kragen, um solch einen Luftzug zu erzeugen.
  • Innentasche(n): Sehr angenehm, wenn man einen Socken trocknen oder einen Kameraakku warmhalten will. Auch ein kleiner Taschenofen lässt sich an der oft am Fußende vorhandenen Innentasche unterbringen.

Woran erkennt man nun „gute Schlafsäcke“? Ein paar Durchschnittswerte und Anhaltspunkte

Was sind nun „gute“ Werte bei Gewicht, Packmaß und Co.? Ganz einfach: der Schlafsack, der mit einer Komforttemperatur von null Grad das kleinere Packmaß und das geringere Gewicht aufweist, ist der Bessere. Wenn er dazu noch aus robustem Ripstop-Nylon und anderen wertigen (Marken)Materialien besteht, umso besser. Bei der Kunstfaserfüllung sollten definitiv Markenfasern verarbeitet sein, wenn man verlässliche Qualität möchte: Primaloft, Thermo ProLoft von Deuter, Spirafil von Marmot oder MTI 13 von Mammut sind einige bekannte Beispiele. Dort ist auch eine gute Silikonbeschichtung gewährleistet, die sich ansonsten nicht von außen überprüfen lässt. Die Beschichtung bestimmt maßgeblich die Langlebigkeit eines Kunstfaserschlafsacks.

Qualitativ hochwertige Kunstfaserverarbeitungen sind die Material sparende Schindeltechnik oder die nur einseitige Laminierung zur Vermeidung von Kältebrücken. Ein Beispiel für einen Kunstfaserschlafsack mit spitzenmäßigen Leistungsdaten ist der Hyperlamina Spark von Mountain Hardwear.

Bei Daune spielen wie erwähnt der Cuin-Wert und das Mischverhältnis die Hauptrollen bei der Beurteilung der Qualität. Beispiele für hochklassige und weithin bewährte Daunen-Allrounder sind die Neutrino Serie von Rab oder die Schlafsäcke von Sir Joseph als nicht ganz so bekannter „Geheimtipp“.

Robustheit und Haltbarkeit

Wenn das Einzige was gepflegt wird, ein achtloser Umgang ist, sollte man es bei preiswerten Kunstfaserschlafsäcken belassen. Die stecken, besonders wenn es bei feuchten Campings weniger pfleglich zugeht, die robuste Behandlung besser weg. Allerdings nicht lange, denn wenn Kunstfasern einmal „ermüden“ sind sie wirklich hin – sie isolieren dann weit schlechter als im Neuzustand. Die über die Jahre vielfach zusammengedrückte Daune kann hingegen durch eine sachgerechte Wäsche regelrecht wiederbelebt werden.

Der eigene Beitrag: Schlafsackpflege und -Wäsche

Eigentlich ist das mit der Pflege und Haltbarkeit gar nicht schwer. Man kann schon auf Tour damit beginnen, indem man den Schlafsack morgens vor dem Zusammenpacken etwas ausschüttelt und lüftet. Ein paar Minuten Sonne tun dabei immer gut, aber bitte nicht zu viel UV-Strahlung, da das die Materialien angreift.

Beim Einpacken wird der Schlafsack dann übrigens NICHT gerollt oder gefaltet, sondern gestopft. Knick oder Druck mit Drehimpuls ist so ziemlich das Schlimmste, was man Fasern und Daunen antun kann. Leider ignorieren das auch manche Hersteller, die ihre Schlafsäcke industriell so verpacken, dass sie eingerollt beim Kunden ankommen. Kein Wunder, dass noch immer der Glaube vorherrscht, man solle Schlafsäcke am besten rollen …

Auch zuhause sollte dann weder gestopft noch gerollt werden. Hier ist die Aufbewahrung in einem großen Baumwoll- oder Netzsack besser. Je mehr Platz die Füllung hat, desto länger ihre Lebensdauer.

Gewaschen werden sollte ein Schlafsack so selten wie möglich. Man sollte während der Nutzung durch lange Kleidung bzw. Thermounterwäsche dafür sorgen, dass möglichst wenig Schweiß und Dreck in den Schlafsack gelangt. Wenn es dann doch einmal nötig wird, helfen unsere Tipps und Tricks für die Pflege von Schlafsäcken weiter.

Das Ganze kostet allerdings gerade bei Daunenschlafsäcken einiges an Zeit und Energie und beinhaltet so einige Möglichkeiten für Fehler und Pannen. Gerade bei teuren Schlafsäcken empfiehlt sich eher die professionelle Reinigung. Daune und Hülle werden hier separat gewaschen, da Daune idealerweise andere Waschtemperaturen braucht als das technische Gewebe der Hülle. Der bekannteste Reinigungsprofi ist das Outdoor Service Team. Nicht nur die Daune, sondern der ganze Schlafsack kommt hier in vielen Fällen wie neu zurück. Das Ganze ist nicht unbedingt billig, doch angesichts des Aufwands für die Pflege daheim sollte man das Geld mit der gesparten Zeit und Energie gegenrechnen.

Fazit

Den „genau richtigen“ Schlafsack zu finden kann fast so kompliziert sein wie das „richtige“ Auto. Doch mit unseren nun insgesamt drei Suchanleitungen im Zusammenspiel sollte dir ein ziemlich genauer Treffer gelingen. Dann kann man vor dem seligen Einschlummern noch ein wenig über existenzielle Fragen philosophieren – statt mit existenziellem Kampf gegen die Kälte beschäftigt zu sein.

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.

Bitte beachte, dass wir Cookies verwenden, um die Nutzung dieser Website zu verbessern. Wenn Du auf der Seite weitersurfst, stimmst Du der Cookie-Nutzung zu.