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Materialinfo Aramid/Kevlar – Ein Superheldenmaterial im Outdoorsport?

31. Oktober 2018
Ausrüstung

Ein leichtes, schnitt- und stichfestes Gewebe, verwendbar für schusssichere Westen, feuerfeste Verstärkungen oder Beschichtungen für Flugtriebwerke: auf den ersten Blick eignet sich Aramid mit seinem Handelsnamen Kevlar eher für Superheldenkostüme als für Outdoor-Breitensport. Doch die Eigenschaften dieses ganz speziellen Materials lassen sich für viele Outdoorprodukte nutzen – von Handschuhen über Hosen, Helme und Rucksäcke bis hin zu Reepschnüren. Auf jeden Fall lohnt es sich diesen Kunststoff mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ist Aramid?

Salopp gesagt ist Aramid eine Unterart der Polyamide und damit ein weiterer der zahlreichen Kunststoffe, die auf Erdöl-bzw. Kohlenwasserstoffbasis bestehen. Bei Wikipedia klingt die Definition präziser, aber auch sperriger:

Aramide, auch Polyaramide oder aromatische Polyamide genannt, sind Polyamide, bei denen die Amidgruppen an aromatischen Gruppen gebunden sind. Aramide zählen zu den Flüssigkristallpolymeren (FKP). Die wichtigsten Typen sind Poly(p-phenylenterephthalamid) (PPTA, Handelsnamen: Kevlar, Twaron) und …“

Warum die Dinger „aromatisch“ genannt werden? Gute Frage! Es liegt tatsächlich daran, dass diese Stoffgruppe (zumindest in Teilen) gern intensive, oft als angenehm empfundene, (Duft)Aromen freisetzt. Doch wir sind weniger am Geruch, sondern eher an den funktionalen Eigenschaften interessiert. Und von diesen Eigenschaften gibt es so einige, auf die wir im Folgenden noch näher eingehen werden.

Zuvor aber erstmal noch ein paar Infos zu der Schmiede von Aramid: Mitte der Sechziger Jahre forschte man beim amerikanischen DuPont Konzern intensiv an der praktischen Verwendbarkeit von Aramiden. Dabei wurde Kevlar, die bekannteste Aramidfaser, enwickelt und zur Produktstreife gebracht. Kevlar dürfte der einzige Handelsname sein, der Bergfreunden eventuell schon einmal zu Ohren gekommen ist, denn diese Aramidfaser wird auch in Outdoor- und Bergsportprodukten verarbeitet. Genauer gesagt findet man in diesem Bereich nur Kevlar, weshalb wir uns in der weiteren Betrachtung auch hauptsächlich auf diese Markenfaser konzentrieren. Andere Aramidprodukte wie Nomex, Teijinconex, Twaron oder Technora sind eher für Modellsportfreunde, Feuerwehrleute, Soldaten und Astronauten interessant…

Herstellung

Vielfältig und komplex – so könnte man die Herstellungsverfahren von Aramiden zusammenfassen. Hauptsächlich werden sie als Fasern, seltener als Folien, hergestellt. In der Werkstoffkunde unterscheidet man Niedermodul- und Hochmodulfasern, deren funktionalen Eigenschaften etwas voneinander abweichen.

Hochmodulfasern werden „aus einer flüssigkristallinen Lösung von polyparaphenylenen Terephthalamiden in konzentrierter Schwefelsäure versponnen. Nach der Oberflächenbehandlung werden HM-Fasern zusätzlich mechanisch gereckt, wobei ein hoher Orientierungsgrad der Einzelfibrillen erreicht wird.“ Der „hohe Orientierungsgrad“ ist als sehr saubere Musterung der Fasermatrix sichtbar. Die exakte Geometrie ist für Aramidgewebe ebenso charakteristisch wie die goldgelbe Farbe. Damit sind wir auch schon bei den Eigenschaften angekommen.

Eigenschaften

In der Eigenbeschreibung ihres Kevlar-Produktes hebt die Firma DuPont hervor, dass man mit diesen Fasern „besser, fester und sicherer“ unterwegs sei: „Sie werden dazu verwendet, Kleidung, Zubehör und Ausrüstung sicher und schnittfest zu machen. (…) Sie werden ebenso auf Skihängen, Bahnstrecken, in anspruchsvollen Wüstengebieten, ja sogar in den unendlichen Weiten des Alls eingesetzt.

Der breite Einsatzbereich kommt durch die hohe (Zug)Festigkeit, hohe Schlagzähigkeit, hohe Bruchdehnung, gute Schwingungsdämpfung und Hitzebeständigkeit der Aramide zustande. Statt zu schmelzen, beginnen sie erst bei etwa 400 °C zu verkohlen. Auch Lösungsmittel, Kraftstoffe, Schmiermittel, Salzwasser sowie Pilze und Bakterien können den Aramidfasern nicht viel anhaben. Lediglich von einigen starken Säuren und Laugen werden sie angegriffen. Man könnte entsprechend sagen, dass das Zeug wirklich hart im Nehmen ist.

In Sachen Druckfestigkeit liegen Aramidgewebe allerdings nur im Mittelfeld der Kunststoffe; bei UV-Beständigkeit und Wasseraufnahme (bis zu 7 %) schneiden sie sogar ziemlich schlecht ab. UV-Einstrahlung führt relativ schnell zu bis zu 75 % der Festigkeit. Dem lässt sich jedoch mit UV-absorbierenden Deckschichten bzw. einer Verarbeitung als Laminat relativ einfach entgegenwirken. Generell ist Aramid gut kombinierbar mit anderen Stoffen, wodurch sich die Funktionalität in viele Richtungen optimieren und erweitern lässt.

Verwendung

Die speziellen Eigenschaften prädestinieren Aramid für eine große Bandbreite an Verwendungen. So kommt es zum Beispiel in der Industrie und im Bauwesen in unzähligen Teilen zum Einsatz. Im Sport- und Outdoorbereich werden besonders die Zähigkeit, Zugfestigkeit und das geringe Gewicht des Materials geschätzt. Aramidfasern werden so zum Beispiel in Reepschnüren, Fangleinen für Gleitschirme, Segeln, Fahrradreifen usw. verwendet.

In den Textilien dienen Kevlar-Elemente vor allem als Verstärkungen, die den Körper schützen und die Lebensdauer der Kleidungsstücke erhöhen. Besonders beliebt sind die Kevlar-Verstärkungen bei Fahrrad-, Motorrad- und Rennsportkleidung sowie an besonders beanspruchten Stellen von Outdoorhosen und Rucksäcken. Als Nähte kommen Kevlarfasern in Klettersteig- und Skihandschuhen zum Einsatz.

Mit der Zähigkeit des Materials geht allerdings eine gewisse Steifheit einher, die besonders im Outdoorbereicht nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich bringt. Anschaulich wird das am Beispiel der relativ neuartigen Kevlar-Reepschnüre, die es auch als fest vernähte Schlingen in verschiedenen Größen gibt. Sie bestehen im Kern aus Aramid, während sich der Mantel, wie bei „normalen“ Reepschnüren und Seilen, aus Polyamid zusammensetzt. Der Aramidkern ist bräunlich und so vom herkömmlichen, blendend weißen Polyethylenkern des üblichen Schnur-, Seil- und Bandmaterials leicht zu unterscheiden.

In der Ausgabe 5/2014 des DAV Panorama Magazins wurden als Vorteile die hohe Festigkeit und hohe Kantenschnittfestigkeit hervorgehoben. Hinzu kommen eine besondere Abriebfestigkeit, hohe Hitzbeständigkeit und eine Zugfestigkeit, die weit über der von Polyamidschnüren liegt. Kevlar-Reepschnüre bieten bei gleichem Durchmesser auch eine weitaus höhere Bruchlast als herkömmliche Reepschnüre.

Als Nachteil nennt das Panorama Magazin die, im Vergleich zu reinen Polyamidschlingen, größere Mantelverschiebung. Außerdem ist „das quasi-statische Material … nicht geeignet zum Sichern für dynamische Belastungen (Vorstieg).“

Wegen der Steifheit ist Kevlar nicht als Material für Bandschlingen geeignet und wegen der fehlenden Elastizität (genauer: Bruchdehnung) nicht als Seilmaterial. Die Steifheit wird jedoch zum Vorteil, wenn die Kevlarschlinge zum Fädeln enger Sanduhren, oder für eine Abalakow-Eissanduhr zum Abseilen, verwendet wird.

Fazit

Wenn es auf Stabilität, Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Sicherheit ankommt, ist Aramid/Kevlar ein kaum zu übertreffendes Material. Seine spezifischen Eigenschaften erweisen sich im Bereich Outdoor und Bergsport in bestimmten Verwendungen und Situationen als vorteilhaft, in anderen wiederum nicht. Seine Verwendungsmöglichkeiten sind hier nicht ganz so vielseitig wie in Rad- und Motorsport, Arbeitsschutz und anderen Bereichen.

Sicher übernachten bei eisiger Kälte – eine Schneehöhle bauen

23. Oktober 2018
Tipps und Tricks

Es gibt bekanntlich vier menschliche Grundbedürfnisse, deren Stillung in einer Notsituation entscheidend sind. In der Reihenfolge der Wichtigkeit sind das: Wärme, Schlaf, Wasser und Nahrung. Zumindest für die ersten Beiden kann eine Schneehöhle des Rätsels Lösung sein. Die isolierende Eigenschaft von Schnee sorgt dafür, dass sich die Temperatur in einer Schneehöhle konstant um den Gefrierpunkt bewegt.

Wie ihr eine solche Schneehöhle baut und auf was ihr dabei achten solltet, durfte ich auf einem Kundenevent der österreichischen Firma Carinthia erlernen. Dort ging es nämlich nicht nur darum die Vorzüge und Produktionsspezifika des patentierten Füllmaterials GLoft kennenzulernen, sondern auch unter Anleitung ausgewiesener Experten zu lernen, wie man sicher in eisiger Kälte übernachten kann.

Einen Bauplatz wählen

Beginnen sollte man damit einen geeigneten Bauplatz für die Schneehöhle zu wählen. Ideal sind dafür überhängende Schneewechten oder leichte Hanglagen, weil sich dort der Schnee gut aufstaut. Auch auf die Schneekonsistenz sollte man achten, denn der Schnee sollte an der Oberfläche möglichst fest sein. Schlecht geeignet ist also Pulverschnee oder auch alter, sehr nasser Schnee.

Habt ihr etwas Passendes gefunden, messt ihr mit eurer Lawinensonde die Schneehöhe. Dies macht ihr dabei an mehreren Punkten des anvisierten Grabplatzes, um nachher nicht einen halben Meter umsonst gegraben zu haben. Diese sollte mindestens 1,50 Meter (eher sogar mehr) betragen. Als letzte Maßnahme, bevor es endlich losgehen kann, muss der Wind geprüft werden. Das ist wichtig, da der Eingang einer Schneehöhle immer an der windabgewandten Seite angelegt sein sollte.

Wir buddeln uns einen gemütlichen Schlafplatz

Der geeignete Platz ist nun also gefunden. Jetzt kann das Buddeln losgehen. Mit der – im Optimalfall verwindungssteifen – Lawinenschaufel gräbt man zunächst die oben erwähnten mindesten 1,50 Meter nach unten. Die Decke der Schneehöhle sollte mindestens 40 Zentimeter dick sein, aber auch hier gilt im Zweifel lieber dicker. Vergesst das Trinken nebenher nicht; ich habe erst nach einer Stunde Graberei gemerkt, dass mir längst die Zunge am Gaumen klebt.

Nachdem ihr mindestens 1,50 Meter nach unten gegraben habt, legt ihr eine Stufe nach unten an und grabt dann nach etwa einem halben Meter nach oben. Diese Stufe dient später dazu den Wind abzuhalten und die kalte Luft quasi „aufzusammeln“.

Ab jetzt grabt ihr einfach geradeaus weiter und zwar so weit bis ihr selbst, eure Isomatte und die zentralen Ausrüstungsgegenstände (wie zum Beispiel eure Schuhe) hineinpassen. Viel größer solltet ihr die Höhle nicht anlegen, weil sonst der Effekt, den Bau mit eurer eigenen Körperwärme zu „heizen“, mehr und mehr verpufft. Bei uns in der Gruppe gab es den Einen oder Anderen, der sich nicht vorstellen konnte in einem solchen „Sarkophag“ zu nächtigen, aber glaubt mir, man gewöhnt sich daran! Wichtig ist wasserdichte Kleidung zu tragen, die die Feuchtigkeit beim langen Kien und Liegen im Schnee abhält.

Achtet zudem darauf den eigentlichen Schlafplatz möglichst eben anzulegen und versucht nach einem kurzen Probeliegen etwaige Unebenheiten am Boden auszubessern, sodass ihr möglichst bequem liegt. Auch an der Decke solltet ihr überstehende Zacken und Furchen mit der Schaufel glätten, da diese ansonsten anfangen zu schmelzen – man möchte seine Nacht ja ungern in einer Art Tropfsteinhöhle zubringen, oder? ;-)

Die Schneehöhle einrichten

Die Arbeit ist getan, jetzt kommt die Isomatte und der Schlafsack in das Schlafgemach. Der von mir bei diesem Anlass getestete Schlafsack war der Carinthia G350 Kunstfaserschlafsack. Für mich hat sich dieser absolut bewährt!

Grundsätzlich solltet ihr hierfür einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von -5 bis -10 Grad wählen. Die Isomatte benötigt wiederum einen R-Wert von mindestens 3. Ausrüstung, die nicht einfrieren sollte, nimmt man entweder mit in den Schlafsack (zum Beispiel Trinkwasser oder einen Wasserfilter) oder verstaut sie so weit weg vom Eingang der Höhle wie möglich. Das gilt insbesondere für eure Schuhe, die ihr sonst am nächsten Morgen nicht mehr anbekommt. Bevor ihr euch dann in den Schlafsack kuschelt, verschließt ihr den Eingang mit eurem Rucksack.

Die schnelle Alternative

Wenn ihr entweder keinen geeigneten Bauplatz findet, oder euch schlicht die Zeit für die Konstruktion einer „richtigen“ Schneehöhle fehlt, gibt es eine Alternative. Für diese messt ihr zunächst die Schneetiefe und grabt möglichst eben eine Mulde, in die ihr samt der üblichen Ausrüstung hineinpasst.

Dann nehmt ihr eure Schneesäge zur Hand und schneidet aus den hart gefrorenen Schichten des Schnees ca. 20 x 50 Zentimeter große Blöcke heraus. Diese Blöcke schichtet ihr nun wie ein Zeltdach (also immer einen Block von jeder Seite) nebeneinander über die Mulde, bis diese ganz überdacht ist und drückt die Blöcke möglichst fest zusammen. Danach schüttet ihr einfach über die noch vorhandenen Löcher und Öffnungen genug Schnee, sodass das Schneezelt bis auf die Öffnung an der windabgewandten Seite komplett verschlossen ist. Dieser aufgeschüttete Schnee wird sich schnell mit den darunterliegenden Blöcken verbinden und für zusätzliche Stabilität sorgen.

Schneehöhlen sind nicht nur für Notsituationen überlebensnotwendig, sondern bieten auch allgemein eine tolle Übernachtungserfahrung!

Schneeblindheit – gefährlich verstrahlt am Berg

18. Oktober 2018
Tipps und Tricks

Müssen wir alpine Normalos uns mit Schneeblindheit herumschlagen? Sowas passiert doch nur einem Messner am Everest und irgendwelchen Polarforschern, oder? Leider nein. Es passiert viel häufiger, und zwar überall dort, wo intensive Sonnenstrahlung mit einem hohen Anteil an ultraviolettem Licht auf Schnee und andere sehr helle Erdoberflächen trifft. Es kann also auch beim Segeln auf dem Meer oder gar bei einem Langstreckenflug zu „Schneeblindheit“ kommen.

Wenn  die Augen über Stunden hinweg ungeschützt bleiben, kann das sehr unangenehm werden. Es fängt mit der relativ harmlosen Augenrötung an und kann bei kompletter vorübergehender Blindheit mit dauerhaften Sehschäden enden. Für Sologänger ist Schneeblindheit doppelt gefährlich, da das eingeschränkte Sehvermögen die Orientierung erschwert oder unmöglich macht. Damit es nicht zu solchen Szenarien kommt, gibt es hier alle wichtigen Infos dazu.

Wie kann es dazu kommen?

Das grelle Licht bei klarem Sonnenschein in Schnee und Eis ist normalerweise so anstregend für die Augen, dass man die Sonnenbrille lieber nicht vergisst – beziehungsweise, genauer, die Gletscherbrille mit Filterkategorie 4, denn nur die bietet wirklich ausreichenden Schutz. Die Sonnenbrille vom Grabbeltisch in der Fußgängerzone taugt fürs Hochgebirge nichts! Warum es eine Gletscherbrille sein muss und welche es sein sollte, ist in der Bergfreunde-Kaufberatung für Gletscherbrillen ausführlich erklärt.

Doch bekanntlich knallt die Sonne bei weitem nicht immer, denn oft „schlucken“ Wolken und Nebel sehr viel von ihrem Licht. Also alles palletti und die Schneeblindheit nur Panikmache? Keineswegs, denn die Hauptgefahr ist nicht das sichtbare Licht, sondern, wie oben bereits angedeutet, das unsichtbare UV-Licht. Dieses dringt nämlich auch durch Wolken und Nebel:

Wolken und Nebel können für mehr als 80 Prozent der UV-Strahlung durchgängig sein“, heißt es dort (im Kompendium „Gebirgs- und Outdoormedizin“ des Schweizer Alpenclubs SAC, Anm.) (…) An einem sonnigen Sommertag ist der UV-Index auf dem Jungfraujoch (3570m) mit einem Wert von 13 ebenso hoch wie im südaustralischen Sommer.“

Manche Bergfreunde berücksichtigen den Unterschied zwischen sichtbarem Licht und UV-Licht nicht ausreichend und „vergessen“, bei Bewölkung oder Nebel, die Gletscherbrille zu tragen. Es lässt sich ohne zwar besser und angenehmer sehen, doch die Augen sind dann schutzlos einer immer noch beachtlichen UV-Strahlung ausgesetzt. Je nach Dauer und Strahlungsintensität machen sich dann in der Regel einige Stunden nach der Tour ziemlich schmerzhafte Folgen bemerkbar.

Bevor wir uns diese Folgen genauer anschauen, sollte noch ein mögliches Missverständnis ausgeräumt werden: die Tatsache, dass UV-Licht der „Hauptschuldige“ bei Schneeblindheit ist, bedeutet nicht, dass die Überlastung der Augen durch sichtbares Licht harmlos wäre und folgenlos bliebe! Im Gegenteil, denn hier sind bleibende Netzhautschäden und im schlimmsten Fall Erblindung möglich. Deshalb ist guter Lichtschutz durch dunkle Brillengläser in Eis und Schnee kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit.

Was passiert bei Schneeblindheit?

Schneeblindheit kann man sich als einen, durch UV-Strahlung hervorgerufenen, „Sonnenbrand des Auges“ vorstellen. Das ultraviolette Licht strahlt auf einer kürzeren Wellenlänge als das sichtbare Licht und befindet sich im elektromagnetischen Frequenzspektrum, „jenseits von violett“, knapp außerhalb des sichtbaren Bereichs. Die geringe Wellenlänge der Strahlung ist ein Ausdruck von hoher elektromagnetischer Energie. Deshalb ist die UV-B-Strahlung mit ihren Wellenlängen von 280–315 Nanometern gefährlicher, als die langwelligere UV-A-Strahlung mit ihren 315–380 nm.

Die elektromagnetische Energie wandelt sich bei Kontakt mit empfindlichem Körpergewebe in andere Energieformen, wie Wärme und Bewegung, um, was in der Regel zu Schädigungen führt. Beim Auge treten diese Schädigungen zuerst in der äußersten Schutzschicht, der Hornhaut auf. Wie bei einem „normalen“ Sonnenbrand werden die Hautzellen thermisch und (durch ödemartiges Aufquellen) mechanisch beschädigt. Es kommt auf der Hornhaut „zu feinfleckigen Defekten (Keratitis superficialis punctata) der oberen Schicht, die typischerweise starke Schmerzen, Lidkrampf, Tränenfluss und eine Sehschärfenminderung verursachen.

Das Absterben der zerstörten Zellen beginnt etwa drei bis zwölf Stunden nach der Einstrahlung und geht mit einer entzündlichen Reaktion des umgebenden Gewebes einher. Je nach Dauer und Intensität der Einstrahlung wird zusätzlich die, das Lid und den Augapfel verbindende, Bindehaut geschädigt. In diesem Fall wird es richtig unangenehm: das Ablösen der zerstörten äußeren Bindehautschicht lässt Nervenenden freilegen, „wodurch es zu starken Schmerzen, extremer Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss, geröteten Augen und einem Fremdkörpergefühl im Auge kommt.“ Betroffene haben das Gefühl, Sand in den Augen zu haben und sich diesen Herausreiben zu müssen.

Exkurs: Was ist eine Verblitzung?

Im Zusammenhang mit Schneeblindheit tauchen oft die Begriffe „Verblitzung“ und „Augen verblitzt“ auf. Klingt etwas seltsam, fast so wie bei den „Men in Black“, bei denen unerwünschte Erinnerungen gelöscht werden, indem man „geblitzdingst“ wird. Von Verblitzung wird aber nicht bei Gedächtnisverlust gesprochen, sondern dann, wenn die UV-bedingte Hornhautschädigung auf andere Ursachen als Schneereflektion zurückgeht. Am häufigsten kommt das bei der Arbeit mit dem Schweißgerät ohne ausreichenden Augenschutz vor. Beim Schweißen wird ebenfalls starkes UV-Licht ausgestrahlt.

(Drohende) Schneeblindheit erkennen

An sich selbst kann man die ersten Alarmzeichen oft rechtzeitig spüren: der Schnee und die Umgebung reflektieren grell, die Augen sind angestrengt, fühlen sich irgendwie überreizt an und werden irgendwann auch müde. Bei den Tourenpartnern kann man die drohende Schneeblindheit an den angestrengt zusammengekniffenen Augen und den ersten geschwollenen Äderchen im Augapfel erkennen. Spätestens jetzt ist es allerhöchste Zeit, die Augen zu schützen.

Doch die Symptome werden manchmal – ähnlich wie beim Sonnenbrand – erst nachgelagert spürbar, vor allem wenn die Sonne den größten Teil des Tages hinter Wolken und Nebel verborgen war. Wenn man zudem noch voll auf die Action der Tour konzentriert war, hat man das Hineinhorchen in den Körper vielleicht auch vernachlässigt. Doch damit ist es vorbei, wenn, einige Stunden nach dem Aufenthalt im Freien, die Symptome beginnen: gerötete und stark lichtempfindliche Augen, Schmerzen (Fremdkörpergefühl), Tränenfluss und Sehstörungen.

Schneeblindheit behandeln

In den meisten Fällen halten sich die Hornhautverbrennungen in einem Ausmaß, dass der Körper diese selbst regenerieren kann. Das Hornhautepithel und die Hornhaut erneuern sich ständig und können deshalb schon nach 24-48 Stunden die Selbstheilung vollenden.

An Therapie besteht, abgesehen von Schonung und Beruhigung der Augen (kühlende Umschläge, Bettruhe, abgedunkelter Raum), kein Bedarf. Wobei schmerzlindernde Maßnahmen wie Verabreichung von kühlender Augensalbe, entzündungshemmenden Augentropfen und Schmerztabletten natürlich zu empfehlen sind.

Wenn nach spätestens 48 Stunden keine deutliche Besserung eingetreten ist, sollte man einen Augenarzt aufsuchen, notfalls auch ein Krankenhaus. Bei starken Schmerzen und Beeinträchtigungen sollte man das unverzüglich tun. Im besten Fall kann schnelle medizinische Hilfe eine Vernarbung in der Hornhaut und damit irreparable Beeinträchtigungen der Sehkraft verhindern. Auch die Gefahr von bakteriellen Infektionen des entzündeten Gewebes, mit schlimmstenfalls vollständiger Erblindung, kann mit diesem Handeln minimiert werden.

Besser: vorbeugen

Zunächst einmal sollte man, wie oben erwähnt, nie vergessen, dass auch bei Bewölkung und Nebel eine hohe UV-Belastung bestehen kann. Wer viel in den Bergen und entsprechenden Situationen ist, sollte sich eine Brille mit Wechselgläsern oder selbst tönenden Gläsern anschaffen. Der schon oben verlinkte Bergfreunde-Artikel gibt die genauen Infos dazu.

Ansonsten besteht die einzig praktikable Vorbeugungs- und Schutzmethode gegen Schneeblindheit im konsequenten Tragen einer guten, das gesamte Blickfeld abdeckenden, Sonnen,- Gletscher- oder Skibrille. Das gesamte Blickfeld muss die Brille deshalb abdecken, weil auch durch die „Streustrahlung“ von unten, oben und von den Seiten UV-Licht an die Augen gelangt. Geeignete Brillen mit ausreichend hohem UV-Schutz erkennt man am CE-Zeichen und der Filterkategorie von mindestens 3; bei Aufenthalt in Schnee und Eis Kategorie 4. Sowohl die CE-Zeichen als auch die Filterkategorien sind auf dem Brillenbügel markiert.

Ja, so kurz, langweilig aber auch effektiv ist hier der ganze Maßnahmenkatalog. Gerne würde ich hier ein Stück Pappe, in das man Sehschlitze schneidet oder andere coole MacGyver-Gimmicks, empfehlen, doch die sind in Sachen Sehkrafterhalt leider nicht zielführend.

Keine Schwindelei am Berg – Schwindelfreiheit und Trittsicherheit steigern

12. Oktober 2018
Tipps und Tricks

Welcher Bergfreund möchte nicht so unterwegs sein wie die Heldinnen und Helden auf den Zeitschriftencovern? Lässig und souverän scheint deren Geturne in vertikalen Riesenwänden und auf messerscharfen Graten. Die saugende Tiefe direkt unter ihren Füßen scheint sie völlig kalt zu lassen. Gut, ganz so wild muss es nicht jeder von uns treiben. Doch die meisten Bergfreunde wollen schon gern jene Wege und Routen machen können, bei denen es heißt: „Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich“. Deshalb versuchen wir jetzt aufzuklären, was genau das bedeutet und wie man dahin kommt.

Zunächst stellt sich die Frage, warum überhaupt manche Vertikalfreunde mit 1000 Metern Luft unter den Sohlen unbeschwert akrobatische Bewegungen hinlegen, während Anderen ab dem dritten Meter überm Boden die Düse geht. Ist der Unterschied Gewohnheitssache? Training? „Veranlagung“? „Genetisch bedingt“?

Was auch immer es ist: die Einen spüren massiven Höhenschwindel, die Anderen nicht. Und wenn dieser Höhenschwindel sofort mit dem Verlassen des „sicheren Bodens“ einsetzt, handelt es sich womöglich um Höhenangst. Höhenschwindel und Höhenangst sind keineswegs identisch, wie wir gleich sehen werden. Es sind zwei ähnlich lästige aber verschiedene Phänomene, die – wenn man sie abmildern oder gar loswerden will – unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Im Anschluss daran werden wir noch die Trittsicherheit unter die Lupe nehmen, da diese oft in einem Atemzug mit der Schwindelfreiheit genannt wird. Ob ein Zusammenhang  besteht und inwiefern man daraus einen Nutzen ziehen kann, werden wir uns ebenfalls anschauen.

Was ist Höhenschwindel?

In mehr oder weniger starker Ausprägung hat es wohl jeder Mensch schon einmal erlebt: man steht auf einem Turm, einem Balkon oder irgendeiner Anhöhe und empfindet dieses gewisse Ziehen, Saugen und Kribbeln im Magen. Je nach Höhe und Ausgesetztheit hat man gleichzeitig das Gefühl, ins Drehen und Wanken zu geraten. In gewissem Maße passiert das auch tatsächlich, denn bei fehlenden festen Objekten im peripheren Blickfeld fehlen den Augen Anhaltspunkte zur Orientierung. Der Kopf beginnt dann automatisch leicht zu schwanken, damit die Augen ein scharfes, dreidimensionales Bild der Umgebung schaffen können. Dieser Impuls kann sich über Lagereflexe im ganzen Körper ausbreiten.

Durch angespannte Atmung (meist Hyperventilation) kann obendrein noch jenes Benommenheitsgefühl auftreten, das man klassischerweise erlebt, wenn man sich nach längerem Verharren in der Hocke plötzlich erhebt. Im extremsten Fall hat man das Gefühl, die Kontrolle über den Körper zu verlieren und kurz vor dem Sturz in den Abgrund zu stehen. Das Schwindelgefühl kann bis in die Nähe von Lähmung, Panik, Ohnmacht und Bewusstlosigkeit führen. Wenn man jetzt nichts unternimmt, kann es gefährlich werden (was man unternehmen kann, dazu gleich mehr).

Diesen eben beschriebenen Gefühlsmix bezeichnet man als Höhenschwindel. Je nach Situation ist an dieser Reaktion des Körpers nichts Unnormales oder Krankhaftes. Im Gegenteil, eine gewisse Scheu vor Höhen und Abgründen ist ein angeborener, unterbewusster Überlebensinstinkt, der schon Kleinkinder und Tiere ohne vorherige Negativerfahrungen davon abhält, einfach irgendwo herunterzufallen („Klippenphänomen“). Doch wenn das Ausmaß der körperlichen und psychischen Warnsignale nicht mit der tatsächlichen Absturzgefahr übereinstimmt, sind es die zu starken Reaktionen, die die Gefahr erhöhen oder gar erst erschaffen. Besonders das Schwanken des Körpers kann sich stressbedingt „hochschaukeln“ und so tatsächlich zum Absturz führen.

Wann ist man schwindelfrei?

In der Stärke der Stressreaktionen liegt auch der ganze „Trick“ der Schwindelfreiheit: bei schwindelfreien Menschen verknüpft das Unterbewusstsein den Abgrund nicht unmittelbar mit einer Bedrohungslage. Die zahlreichen Stress- und Alarmsymptome werden deshalb kaum oder gar nicht ausgelöst, die Konzentration auf die unmittelbare Umgebung wird weniger gestört. Die eigene Körperposition und -haltung wird auch in ausgesetztem Gelände als stabil und sicher empfunden.

Die gute Nachricht lautet: all das ist nicht in Stein gemeißelt, man kann hier einiges ändern. Durch systematische Desensibilisierung und andere Methoden kann man seine eigenen Stressreaktionen auf Höhenexposition reduzieren. Dazu gleich noch mehr, hier sei erst noch angemerkt, dass es keine klare Abgrenzung zwischen „schwindelfrei“ und „nicht schwindelfrei“ gibt und demnach auch keine klare Definition von Schwindelfreiheit. Laut Wikipedia bedeutet Schwindelfreiheit, „keine Höhenangst und keine besondere Anfälligkeit für Höhenschwindel zu haben“. „Keine besondere Anfälligkeit“ heißt dann wohl, dass es durchaus eine „Restanfälligkeit“ geben kann.

Dazu bringe ich aus eigener Erfahrung die Vermutung an, dass für die meisten Bergfreunde die Höhe eine Rolle spielen dürfte: während sie über einem 30-Meter-Abbruch völlig unbeeindruckt performen, setzt über einer 300-Meter-Wand dann doch das Hosenflattern ein. Auch kommt es für den Schwindeleffekt darauf an, wie steil und direkt es in die Tiefe geht. Je steiler und direkter, desto weniger gibt es für die Augen zum „festhalten“. So können sich viele Alpinisten relativ unbefangen in ausgesetztem Gelände am Berg bewegen, würden aber niemals ohne Seilsicherung über einen Stahlträger an einem Wolkenkratzer oder Sendemast laufen. Derartiges bleibt Extremsportlern, Höhenarbeitern und verrückten(?) Roofern überlassen, die man als „völlig schwindelfrei“ bezeichnen kann.

Was ist Höhenangst?

Wenn Höhenschwindel schon in Alltagssituationen wie beim Besteigen einer Leiter oder Überqueren einer Brücke auftritt, spricht man von Höhenangst. Die Stressreaktionen treten auf, obwohl man verstandesmäßig genau weiß, dass man sich nicht tatsächlich in Gefahr befindet. Sie können sich zu einer „Angst vor der Angst“ steigern, die mit der Befürchtung eines Kontrollverlustes einhergeht. Man fürchtet, von der Tiefe angezogen zu werden und wie ein Betrunkener in den Abgrund zu taumeln.

Solche Gedanken können zwar auch bei „normalem Höhenschwindel“ auftreten, doch verschwinden sie sofort, wenn man einen Schritt zurück von der Kante gemacht hat. Bei Höhenangst halten sie sich hartnäckig und die Stresssymptome schränken die Bewegungsfreiheit im Alltag ein. In dem Falle besteht (Be)Handlungsbedarf. Zu den (Be)Handlungsmöglichkeiten bei Schwindel und Höhenangst kommen wir jetzt.

Sofortmaßnahmen bei Höhenschwindel

Erstmal tief durchatmen. Dieser Allerweltstipp ist tatsächlich so gut wie nie verkehrt und hilft auch bei aufkommenden Schwindelsymptomen. Ein absichtlich ruhiger, tiefer Atemzug sowie ein kurzes Innehalten ist die beste Sofortreaktion. Dabei wendet man möglichst den Blick von der Tiefe ab und schaut in der unmittelbaren Umgebung nach festen Objekten, welche man möglichst im seitlichen Blickfeld behält. Der Kopf sollte waagerecht gehalten werden. Blicke nach oben, in die Ferne oder auf sich bewegende Objekte sind zu vermeiden, da sie die Schwindelgefühle verstärken. Kurze Blicke in die Tiefe, die nötig sein können, um die Füße zu „sortieren“, sollten möglich sein, da die Schwindelgefühle normalerweise erst mit Verzögerung ausgelöst werden.

Dann versucht man möglichst den Körper zu stabilisieren, indem man Händen und Füßen Halt gibt. Notfalls setzt man sich hin oder kriecht auf allen Vieren. Dann gilt alle Konzentration der unmittelbaren Umgebung sowie den nächsten Schritten und Bewegungen. Aufmunternde Gespräche und ein kurzes Sicherungsseil können beim Bewältigen der schwierigen Passage helfen.

Wenn solche heiklen Situationen mehrfach auftreten oder zu deutlichen Verzögerungen führen, muss man die Tour abbrechen.

Sofortmaßnahmen bei Höhenangst

Ein Mensch mit Höhenangst wird kaum in die eben beschriebene Situation geraten, weil er die Bergtour vernünftigerweise gar nicht erst antritt. Sollte es aufgrund von Fehleinschätzungen, Gruppendynamik o. ä. dennoch dazu gekommen sein, stellt sich die Lage oben am Berg ähnlich dar wie eben beschrieben – allerdings mit deutlich mehr Stress, „Drama“ und Zeitaufwand. Es kann sein, dass der Betroffene auch mit Seilhilfe und anderer Unterstützung nicht zum Weitergehen zu bewegen ist. Theoretisch können Beruhigungsmittel und andere Medikamente helfen, doch die schränken auch die Motorik und Reaktionsfähigkeit ein. Deshalb kommen sie nur infrage, wenn ein Rücktransport durch die Bergrettung zu erwarten ist.

Generell ist der Handlungsspielraum in akuten Notlagen durch Höhenangst sehr begrenzt, wenn es an Vorbereitung durch langfristige Übungen und Techniken fehlt.

Langfristiges Training gegen Höhenschwindel

Das Grundrezept ist hier sehr einfach: durch wiederholte Übung stellt sich Gewöhnung an zunehmende Höhe und Ausgesetztheit ein. Man setzt sich in der Kletterhalle oder bei geeigneten kleineren Touren bewusst der Angst ein Stück weit aus und wartet, bis sie spürbar nachlässt – bei richtiger Dosierung wird sie nachlassen. Idealerweise tastet man sich so nach und nach an die persönliche Grenze heran und verschiebt diese zugleich – sprichwörtlich – nach oben. Ein solches Training führt aber eher selten zu „völliger Schwindelfreiheit“, für welche es wohl auch gewisse biologische Voraussetzungen und Veranlagungen gibt.

Bei diesem „Höhentraining“ durch Desensibilisierung sollte man, wie auf jeder Tour, bergtaugliches Schuhwerk tragen und Warnungen des Körpers ernst nehmen. Die Höhenangst-Therapeutin Petra Müssig weist im Merkur zudem auf Faktoren hin, die normalerweise kaum mit Höhenschwindel in Verbindung gebracht werden:

Ihre Ausdauer, Kraft, Gehtechnik und Ausrüstung sollten unbedingt mit den Anforderungen der ausgewählten Touren übereinstimmen. In schätzungsweise 70 % aller Fälle wird die Entstehung von Höhenangst anfangs durch Müdigkeit oder Erschöpfung – also ungenügende Kondition – ausgelöst!

Demnach helfen auch Konditionstraining, grundlegendes Fitnesstraining und eine vernünftige Tourenwahl und -planung gegen unangenehme Schwindeleien am Berg. Wenn man dabei noch das Gleichgewichtsgefühl trainiert (balancieren auf Baumstämmen, Bordsteinen, etc.), kann man das Hochschaukeln des körperlichen Schwankens bei einem Schwindelanfall eindämmen.

Weiterhin sehr hilfreich ist ein antrainiertes Repertoire an Übungen zur Atem- und Muskelentspannung. So kann man sich bei auftretendem Schwindel schneller und effektiver beruhigen.

Langfristiges Training und Therapien gegen Höhenangst

Wenn all diese Methoden keinen Fortschritt bringen, sollte man sich auf organische Störungen am Gleichgewichtsorgan o. ä. untersuchen lassen. Wenn man derartige körperliche Ursachen ausschließen kann, hat man es vermutlich schon mit einer Höhenangst zu tun. In diesem Falle kann ein Blick nach innen nicht schaden: womöglich steckt man wegen ungelöster innerer Konflikte und Blockaden in dieser Höhenangst. Kompetenter medizinischer und psychologischer Rat kann dabei sehr hilfreich sein, besonders häufig wird Verhaltenstherapie empfohlen.

Allerdings sollte das Aufdecken und Analysieren innerer Ursachen nur der erste Schritt sein. Nicht wenige bleiben hier stecken und „vergessen“ die folgenden aktiven Schritte, die aus dem Problem herausführen. Das soll nun nicht verurteilend klingen – von einem „Problem“ schreibe ich hier nur in dem Sinne, dass ein von Höhenangst betroffener Mensch sich eingeschränkt fühlt und nicht so in den Bergen unterwegs sein kann, wie er/sie es gerne würde. Wenn Betroffene in ihrer Höhenangst nichts Krankhaftes und auch kein Problem sehen, ist sie auch keins von beiden.

Auch möchte ich mir keine Qualifikationen anmaßen. Da ich weder Psychologe noch Therapeut bin, kann es hier keine wirklich handfesten Empfehlungen geben. Die sind im psychologischen Bereich nämlich genauso heikel wie im medizinischen Bereich; oder eher noch heikler, denn für die Psyche gibt es noch viel weniger als für den Körper irgendeine Pille, die garantiert und bei jedem gleich wirkt.

Deshalb sei hier nur auf weiterführende Quellen wie den Artikel von Martin Roos im Panorama-Magazin des DAV verwiesen. Dort wird ein erfolgreicher Behandlungsverlauf sehr anschaulich anhand einer persönlichen Geschichte beschrieben. Eine ebenfalls sehr anschauliche „Höhenangst-Autobiographie“ findet sich im Bergblog Ulligunde.com. Sehr interessant ist hier, dass sowohl der Weg hinein in die Höhenangst als auch der Weg hinaus beschrieben ist – und das ziemlich spektakulär, denn es gibt sowohl Negativ- als auch Positiv-Spiralen. Es lässt sich allerdings gut erkennen, dass Höhenangst alles andere als ein simples, monokausal erklärbares Phänomen ist, und dass sie sehr viele verschlungene und individuell verschiedene Wege einschlagen kann.

Was ist Trittsicherheit?

„Kuck mal, wie die Gämsen hüpfen die da runter“: wir alle haben schon einmal Leute gesehen, die in federleichten und flüssig aneinandergereihten Bewegungen die steilsten Pfade, Schrofen und Geröllhänge herunterhüpfen. Das ist Trittsicherheit: sicheres Auftreten der Füße auf jedem Untergrund, auch bei gesteigerter Geschwindigkeit.

Der Zusammenhang zwischen Trittsicherheit und Schwindel(freiheit) ist der, dass Schwindel die Trittsicherheit beeinträchtigt und der Mangel an Trittsicherheit das Schwindel- bzw. Unsicherheitsgefühl erhöht. Umgekehrt gilt: je mehr Trittsicherheit man hat, desto sicherer fühlt man sich auch in „dünnem Gelände“ und in großer Höhe. Man hört und liest zwar gelegentlich, dass Schwindelfreiheit Voraussetzung für Trittsicherheit sei und umgekehrt, doch das stimmt nur teilweise. Man kann sich sehr wohl trittsicher und geschickt über Baumstämme und Bachläufe bewegen, ohne schwindelfrei zu sein. Umgekehrt kann man ein schwindelfreier Felskletterer sein, ohne trittsicher zu sein. Solche Kletterer haben beim Abstieg über Geröllfelder oft mehr Probleme als beim vertikalen Aufstieg an winzigen Tritten.

Einen indirekten Zusammenhang kann man aber durchaus herstellen: je trittsicherer man ist, desto besser auch die Gehtechnik, die Koordination und das Gleichgewichtsgefühl. Diese körperlichen Fertigkeiten beeinflussen wiederum die Reaktionen von Gehirn und Unterbewusstsein bei geringem optischem Augen-Input in ausgesetztem Gelände.

Trittsicherheit verbessern

Trittsicherheit kann man mit geringem Aufwand erlangen und verbessern. Trainingsmöglichkeiten gibt es an jedem Trimm-dich-Pfad, auf jedem Sportplatz und im Grunde auf jeder Grün- und Asphaltfläche. Eine einfache und effiziente Möglichkeit ist der von Trekkingguide vorgeschlagene Parcour aus Ziegelsteinen. Wenn keine Ziegelsteine, Holzblöcke o. ä. vorhanden sind, kann man die Flächen auch einfach als Markierungen aufmalen. Man kann dann mit sehr vielen Variationen und Schwierigkeitsstufen experimentieren und das Training langsam und vorsichtig(!) steigern. So kann man beispielsweise die Entfernung zwischen den Markierungen immer dann steigern, wenn man einen Parcour wirklich sicher gemeistert hat.

Mit Steinen sind die Übungen realistischer, weil diese auch wegrutschen können (was natürlich nicht herausgefordert, sondern durch senkrechtes Belasten vermieden werden soll!). Weitere Trittsicherheit-Trainingsmethoden wie Eierlauf und Sackhüpfen kann man sich beim nächsten Kindergeburtstag abschauen.

Alles in allem kann man auf dem Weg neben einer soliden Trittsicherheit und Schwindelfreiheit eine Menge Spaß haben :-)

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig!

4. Oktober 2018
Kaufberatung

Zum Teil gibt es für die Besteigung des Klettersteiges spezielle Ausrüstung; so zum Beispiel die Klettersteigbremse. Den größten Teil des Materials, wie Kleidung, Rucksack oder Gurt, haben Bergfreunde allerdings schon vom Klettern oder Bergsteigen her im Schrank. Wie sieht es da mit den Schuhen aus? Kann man die Zustiegsschuhe vom Alpinklettern hernehmen? Oder die steigeisenfesten Bergstiefel von den letzten Hochtouren? Gibt es überhaupt eine eigene Schuhkategorie namens „Klettersteigschuh“? Wenn ja, wie unterscheidet sich die Kategorie von anderen Bergschuhen und braucht man das dann wirklich überhaupt?

Fragen über Fragen, die ich nun für euch beantworten möchte.

Was ist der Unterschied? Was macht den Klettersteigschuh aus?

Die meisten Klettersteigschuhe unterscheiden sich nur in kleinen Details von gewöhnlichen Bergschuhen und sind irgendwo im Bereich zwischen leichten und weichen (und bei Hitze angenehmeren) Approach/Zustiegsschuhen und Trekkingstiefeln anzusiedeln. Die leichten Modelle eignen sich meist auch für (leichtes) Klettern, die schweren auch für Berg- und Hochtouren. Man kann viele Klettersteige natürlich auch mit normalen Bergschuhen begehen, doch empfehlenswert ist das höchstens für leichte und eher seltene Klettersteigeskapaden.

Die Hersteller fertigen Klettersteigschuhe in der Regel mit einer festeren Sohle und einem engeren Schaft als „normale“ Wander- und Trekkingschuhen an. Damit sollen sie besser für langes Steigen und Klettern geeignet sein, während Letztere bekanntlich für langes Gehen ausgelegt sind.

Grundsätzlich ist ein guter Klettersteigschuh eher ein Generalist als ein Spezialist. Man tritt ja bei der Begehung eines Steigs nicht nur auf Felstritten, Leitern und Eisenstiften an, sondern legt auch einen guten Teil des Weges auf „ganz normalen“ Bergpfaden zurück. Und es gibt durchaus genügend Klettersteige, für deren Begehung man durch wegloses Gelände oder gar Eis und Schnee muss. Unter diesen Umständen sollte man dann entweder einen besonders vielseitigen Schuh am Fuß haben oder eventuell sogar ein leichtes und flexibles Paar Approachschuhe mit einem (steigeisen)festen und steifen Bergstiefel kombiniert werden.

Als Faustregel kann man festhalten, dass ein fester Schuh mit fester Sohle und relativ hohem Stand der Füße weniger Präzision beim Auftreten, dafür aber kraftsparendes Stehen auf kleinen Tritten und Stiften bietet. Speziell für schwere Personen ist das wesentlich kraftsparender zu handhaben als ein weicher Schuh. Um es vereinfacht kurz zu fassen: je mehr direkter Felskontakt, desto weicher sollte der Schuh sein. Je mehr hochalpines Gelände, desto steifer (und steigeiesentauglicher) darf er sein.

Es macht deshalb Sinn sich vor dem Kauf zu überlegen welche Art Klettersteige (siehe Schwierigkeitsgrad) man mit den künftigen Schuhen bevorzugt angehen will. Dafür kann man sich die drei folgenden Fragen stellen: Wie lang werden die Zu- und Abstiege sein? Wie lang und sportlich werden die Klettersteig- und Kletterpassagen sein? Soll es hoch hinaus gehen?

Damit lassen sich dann folgende Überlegungen, was so ein Klettersteigschuh alles können muss, optimal einbringen:

Was müssen sie können?

Ganz klar: Auf glänzenden oder rostigen Eisenstiften, Stahlbügeln, Leitersprossen sowie Spitzen, Ecken und Kanten aller Art müssen die Klettersteigschuhe solide stehen. Und das bei voller Gewichtsbelastung. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern hunderte von Malen auf jeder Tour. Damit ist sonnenklar: die Verarbeitung muss zuverlässig stabil sein, vor allem an Nähten und Klebestellen.

Zum eigentlichen Klettersteig kommen wie gesagt noch Zu- und Abstieg hinzu. Die Schuhe müssen deshalb nicht nur stabil und gleichzeitig „gefühlvoll“ für den Steig sein, sondern auch  für das übrige Berggelände gut dämpfen und abrollen. Faustregeln, die ohne Wenn und Aber gelten, sind:

  1. Ein hoher Schaft, der mindestens über die Knöchel reicht, schützt besser vor dem Umknicken in unwegsamen Geländen.
  2. Der Schuh muss fest aber dennoch möglichst bequem sitzen. Im Zehenbereich muss genug Platz sein, um beim bergab gehen nicht vorne anzustoßen. Hier ist eine gut regulierbare Schnürung, die möglichst weit nach vorne-unten reicht, von Vorteil.

Ansonsten sind je nach Schwierigkeitsgrad und Terrain der anvisierten Klettersteige teilweise abweichende Eigenschaften und Schwerpunkte gefragt. Die Auswahl reicht von Allround-Alpinschuhen mit hohem Schaft bis zu leichteren und bei Hitze angenehmeren Approachschuhen, die „eigentlich“ für die Zustiege zu Klettertouren gedacht sind.

Egal welcher Schuh, am wichtigsten ist, dass er rutschfest sitzt und dass er im vorderen Teil genug Haltekraft aufbauen kann, um auf kleinen Tritten, Leisten und Vorsprüngen Halt zu finden. Aus diesen Gründen werden zumeist etwas enger geschnittene Modelle empfohlen. Generell gehen die Klettersteigschuh-Empfehlungen meist in Richtung Wanderschuhe der Kategorien B oder B/C mit einer griffigen Kletterzone im Profil.

Um das etwas zu präzisieren und auf den Einzelfall abzustimmen, gehen wir nun die Schuhdetails durch:

Sohle

Hier ist die eierlegende Wollmilchsau gefragt: die Sohle muss sowohl verwindungssteif als auch klettertauglich sein. Damit die Füße genügend Gefühl für den Untergrund erhalten, darf die Sohle nicht zu hoch bzw. zu dick sein. Hierfür kommen eigentlich nur die „mittelharten“ und mittelhohen Sohlen von Kategorie B oder maximal B/C-Bergschuhen infrage.

Das Profil muss von vorn und innen genug Reibung zum Auftreten am Fels besitzen. Gleichzeitig sollte er allerdings auch griffig genug für die Zu- und Abstiege über Geröll, Schrofen, erdigen Untergrund, Schnee und feuchte Wiesen sein. Klingt kaum machbar, doch da die Sohle genau wie der menschliche Fuß sehr gut in verschiedene Zonen eingeteilt werden kann, lässt sich diese vielschichtige Herausforderung durchaus meistern.

Eine zonierte Sohle ist ein Hauptmerkmal guter Klettersteigschuhe. Der vordere Bereich sollte für leichtere und mittlere Klettersteige fest und steif sein, um kraftsparenden Stand auch auf kleinen Felsvorsprüngen zu gewährleisten.

Je sportlicher das Niveau der Steige wird, desto mehr Flexibilität ist im Vorfußbereich gefragt. Die Flexibilität ist notwendig, um einen guten Antritt „auf Reibung“ zu haben. Den Spagat zwischen diesen Anforderungen schafft eine kleine Reibungszone ohne Profil und eine leichte nach oben gezogene vordere Abrundung der Sohle. Die Reibungszone befindet sich dabei unterhalb des großen Zehs (und evtl. noch am Innenballen).

Unterhalb des Mittelfußes und der Ferse muss die Sohle tief profiliert sein, um Halt im Gelände und auf den Steighilfen zu geben. Im Übergang zwischen Ballenbereich und Absatz sollte sich eine ausgeprägte Vertiefung – der so genannte Trittleitersteg – befinden. Die Vertiefung verhindert das Abrutschen auf (nassen) Eisenstiften und Leitersprossen.

Schaft

Der Hauptunterschied zu Trekking- und Wanderschuhen ist bei Klettersteigschuhen eine etwas schlanker geschnittene und exakt anpassbare Zehenbox. Sie sollte nur so groß sein, dass die Zehen beim Abstieg nicht vorne anstoßen.

Ansonsten unterscheiden sich die Anforderungen an den Schaft je nachdem, wie sportlich-felsbetont es zugeht und wie hoch die Klettersteige gelegen sind. Für die Fun-Klettersteige in der Nähe von Talorten reicht ein relativ niedriger und „luftiger“ Schaft mit viel Bewegungsfreiheit. Für den hochalpinen Bereich mit den niedrigeren Temperaturen und dem losen Geröll darf es hingegen gern etwas geschlossener und geschützter sein. In letzterem Falle erhöht ein den Schaft umlaufender Gummirand (Geröllschutzrand) die Lebensdauer der Schuhe deutlich.

Idealerweise ist der klettersteigtaugliche Schaft, aufgrund des oft schrägen Antretens und Stehens, etwas beweglicher als bei normalen Wanderschuhen. Viele Klettersteig-Modelle bekannter Marken wie La Sportiva oder Lowa erfüllen diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen bemerkenswert gut.

Wie bei Bergschuhen sollte auch hier der Schaft atmungsaktiv und wasserabweisend sein. Allerdings hat die Atmungsaktivität bei Bergschuhen ein größeres Gewicht, da Klettersteige nur sehr selten bei unsicheren Wetteraussichten angegangen werden. Wer Klettersteige überwiegend als Tagestouren in nicht allzu großer Höhe plant, kann dampfdurchlässige Klettersteigschuhe mit Membran-freiem Mesh-Innenfutter in Betracht ziehen. Bei mehrtägigen und/oder hochalpinen Touren und zu erwartenden Querungen von Schneefeldern sieht das natürlich anders aus. Dann steht die Wasserdichtigkeit wieder höher in der Prioritätenliste.

Textil oder Leder? Beides!

Beim Material hat man die Wahl zwischen textilen Kunststoffen und Leder. Textilelemente sind preiswerter, da sie leichter zu konstruieren und zu verarbeiten sind. Das Leder bietet auch ohne Membranen Wasserresistzenz, Atmungsaktivität und ein angenehmeres Trageklima bietet.

Häufig kombiniert man die beiden Materialien, um die jeweiligen Vorteile punktgenau und effizient zu nutzen. Im Bereich der Zehen, Fersen und Sohlenränder ist Leder ideal, da es formstabiler und abriebfester ist. An der Lasche bzw. Zunge des Schuhs ist wiederum Textil von Vorteil, da es weicher, leichter und beweglicher ist. Bei fast allen in Deutschland verkauften Klettersteig- und Approachschuhe wird der Schaft als Textil-Leder-Gemisch mit einer Membran-Zwischenlage (meist GoreTex) gefertigt.

Schnürung

Eine leichte und genau zu justierende Schnürung hilft, den Schuh so passgenau an den Fuß zu bringen wie man ihn in den wechselnden Situationen braucht. Gute Klettersteigschuhe haben daher eine weit nach vorn in den Zehenbereich reichende Schnürung. Ansonsten ist das Schnürsystem der Klettersteigschuhe mit dem der „normalen“ Bergschuhe weitgehend identisch.

In der Regel sorgt die Kombination aus unten angebrachten Schlaufen und oben angeordneten Haken für eine gute Anpassbarkeit. Daneben sorgt meist ein Tiefzughaken für ein optimales Andrücken der Ferse. Schnürungen, die sich mit einem einzigen Zug über den gesamten Fuß hinweg ziehen, sind besonders komfortable aber nicht unbedingt erforderlich.

„Nur“ Klettersteige oder mehr?

Je nachdem wie viel (hoch)alpines Terrain (abgesehen von den Klettersteigen) auf dem Plan steht, braucht es unterschiedliche Klettersteigschuhe. Führen die Steige durch Eis- und Schneegelände oder gar Gipfel, die mit Gleterschpassagen im Abstieg aufwarten, sollten die Treter steigeisenfest sein. Hierfür reichen meist simple Eisen mit Riemenbindung. In der Regel kann man hier mit der Wahl der zuvor genannten Kategorien B und B/C nichts falschen.

Bei den manchmal noch weiteren Zustiegs-/Approachschuhen, die für kürzere, kletter- und sportbetone Steige optimal sind, sollte man genau hinschauen und eventuell auch nachfragen. Sie können unter Umständen um zu weich sein, um eine Riemebindung stabil zu befestigen.

Was sagen die Experten?

Bis hierhin sollte deutlich geworden sein, warum die eingangs gestellten, scheinbar einfachen Fragen gar nicht immer so eindeutig zu beantworten sind. Auch bei Klettersteigen begegnet man nämlich immer wieder der unsicheren Floskel: „Kommt drauf an …“.

Um die Entscheidung etwas leichter zu machen, lassen wir abschließend noch kurz die unabhängigen Tester vom Alpin Magazin zu Wort kommen:

Es heißt immer, die eierlegende Wollmilchsau gebe es nicht. Einige Hersteller kommen bei den Schuhen dem Ziel aber schon sehr nahe. Begeistert waren wir vom Scarpa Marmolada. Ein bequemer Schuh, der sehr gut abrollt, gleichzeitig aber am Klettersteig aufblüht und sehr guten Halt vermittelt. Auch der Garmont Vetta ist ein toller Schuh für Ferratisten; leicht und mit sehr gutem Halt – aber eher für schmale Füße. Unser Allround-Tipp.

Für sportliche Nutzer empfiehlt Alpin die Modelle Adidas TX Scope High und Five Ten Guide Teenie Mid. Sie sind nach Ansicht der Tester „weich und flexibel und verlangen mehr Kraft, um auf Leisten zu stehen, und geben deutlich weniger Halt. Wer so etwas sucht, ist mit den Modellen gut beraten, für Anfänger ist das nichts.

Die Kollegen vom Bergsteiger Magazin teilen die Klettersteigschuhe in zwei Gewichtsklassen ein:

  • leichte Modelle für schwere (Fun)Klettersteige, die in Größe 45 ca. 1050 g und aufwärts wiegen
  • schwere Alpin-Modelle, die sich in ähnlicher Größe bei mindestens 1700 g einpendeln

Einen kleinen Querschnitt durch diese riesige Auswahl gibt es auch in unserer Klettersteig Packliste. Habt ihr noch Fragen, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren stellen.

Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

26. September 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte.

Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Alpine Gefahren und wie man sie bestmöglich umgeht

26. September 2018
Tipps und Tricks

Letztens im Klettergarten ist doch diesem Typen der Bart in den Abseilachter geraten. Und wo war das nochmal mit dem in den Oberschenkel gehauenen Eispickel? Ich glaub in Chamonix, da ist ja auch letztens einer von seinen über die Schulter gelegten Seilschlingen erdrosselt worden. Und wie war das nochmal mit der Frau, die auf einem angeschmolzenen Schneefeld ertrunken ist? Denkt man genauer drüber nach, auf welche Arten man am Berg eigentlich zu Schaden kommen kann, ist man geneigt, kurzfristig die geplante Tour mit den Kollegen abzusagen. Doch das ist gar nicht nötig, immerhin muss man es mit der Vorsicht auch nicht total übertreiben :-)

Einerseits ist es wichtig, die hier im Artikel porträtierten Gefahren der Berge zu kennen, aber andererseits sollte man diese auch nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Als gesunden Mittelweg empfehlen wir, sich sorgfältig zu informieren, um möglichst alle realistischen Gefahrenquellen zu kennen (ohne sich davon verrückt zu machen). Mindestens genauso vergegenwärtigen sollte man sich die schönen Seiten der Berge und sich die Vorfreude auf kommende Touren nicht schmälern lassen.

Allerdings ist die Grenze zwischen diesem gesunden Optimismus und dem puren Leichtsinn fließend und nicht immer einfach zu erkennen. Die meisten Bergunfälle resultieren aus einer falschen Einschätzung dieser Grenze. Deshalb sollte man besonders als Einsteiger die Schwierigkeit und den Anspruch der geplanten Tour im Zweifel herunterschrauben – und während einer Tour besser umkehren, wenn Unsicherheiten und Verzögerungen (zum Beispiel Wetterentwicklung, Tempo der Gruppenteilnehmer, …) auftreten.

Gefahrenquellen

In den Bergen gibt es fast nichts, was nicht zur Gefahrenquelle werden kann. Der rutschige und lockere Untergrund, das falsche Schuhwerk, die hinterm Berg versteckt heraufziehenden Wolken oder die sich im Geröll verlierende Wegspur. Vor kurzem wurden sogar Kühe als alpine Gefahr entdeckt – es hatte eine Reihe kurioser Kuhattacken gegeben, die Zweifel an der unerschütterlichen Harmlosigkeit des Wiederkäuers weckten. Doch alles in allem dürfte sich das Risiko vom wahnsinnig gewordenen Alpenrind gehörnt zu werden in Grenzen halten. Schauen wir stattdessen auf die „klassischen“, regelmäßig auftretenden Gefahren der Berge.

Der Berg und seine Umwelt

Früher galt schon die bloße Nähe eines Bergs als gefährlich. Neben Lawinen und Eis waren dort Drachen und böse Geister zu fürchten. Obwohl die übernatürlichen Bedrohungen heute nicht mehr allzu bedeutend sind, haben die Berge noch immer einiges an Gefahr zu bieten.

Gelände

Hohe Wände, schmale Grate und Felsbänder, auf denen sich der Weg entlangschlängelt. Der Absturz aus eisigen Höhen dürfte spätestens seit dem Matterhorn-Erstbesteigungsdrama die sinnbildliche Berggefahr Nummer 1 sein. Und in der Tat, wo es hoch hinaus geht ergeben sich viele Möglichkeiten tief zu fallen. Dafür muss es gar nicht mal dramatisch steil zugehen, denn auf hart gefrorenem Gletschereis reicht schon ein geringes Gefälle aus, um im Falle eines Falles eine nicht mehr zu bremsende Fahrt aufzunehmen.

Gefahrenvermeidung: Die Tour passend zum Können planen und im Absturzgelände stets konzentriert bleiben. Wenn gesichert werden soll, müssen die entsprechenden Handgriffe und der Umgang mit dem Material wirklich „sitzen“. Ansonsten ist umkehren die bessere Alternative.

Steine

Verwitterung, Erosion und Permafrost bestimmen die Stabilität der Felsen und Berge. Überall dort wo der steinerne Zusammenhalt bröckelt lösen sich Steine, Blöcke oder manchmal ganze Felsstrukturen. In ersterem Fall spricht man von Steinschlag, bei letzterem von einem Felssturz. Ein Felssturz von großem Ausmaß wird Bergsturz genannt. In solchen Fällen nützt natürlich auch der Steinschlaghelm nichts mehr. Doch das Risiko, solch große Gesteinsmassen abzubekommen, ist eher gering.

In den meisten Alpenregionen gibt es ein geologisches Monitoring, durch welches viele Fels- und Bergstürze vorhergesagt und entsprechende Bereiche abgesperrt werden. Eine Garantie gegen solche Naturgewalten gibt es dennoch nicht.

Gefahrenvermeidung: Gegen Verletzungen durch kleine Geschosse und auch gegen schmerzhafte Kopfstöße beim Klettern hilft das Tragen eines Steinschlaghelms. Zusätzlich sollte man in steinschlaggefährdetem Gelände stets wachsam und reaktionsbereit sein. Wenn Steine geflogen kommen, begibt man sich so schnell und so nah wie möglich an den Hang bzw. die Felswand (möglichst unter einen Vorsprung, Gesicht zum Hang gewendet) und schützt den Kopf am besten mit dem Rucksack, notfalls mit den Armen.

Beim Klettern kommt das Risiko von Griff- und Trittausbruch sowie des Ausbruchs von (Zwischen)Sicherungen hinzu. Hier schützt man sich am besten, indem man den Fels durch abklopfen auf Festigkeit prüft. Ein sattes, leises Geräusch weist auf Festigkeit hin. Ein hallender, hohler und lauter Klang mahnt hingegen zur Vorsicht.

Eis

Auch Eis kommt gerne mal von oben angeflogen. Wanderer betrifft das kaum, Hochtourengeher im Gegensatz durchaus. Hochtourengeher passieren an den großen Bergen öfter Gletscherbüche, Eisbalkone oder gar Hängegletscher. Der Grad des Risikos hängt hauptsächlich von der Temperatur und der Stabilität der Eisformation ab. Grundsätzlich gilt: je fester das Eis gefroren ist, desto geringer ist die Gefahr, dass sich etwas löst.

Die Gefahrenvermeidung funktioniert mehr oder weniger gleich wie beiden fliegenden Steinen. Allerdings ist der Zeit- und Planungsfaktor hier noch wichtiger.  Eisschlaggefährdete Stellen sollte man möglichst früh am Tag hinter sich gebracht haben.

Schnee

Schneemassen als Gefahrenquelle betreffen vor allem Skitourengeher, Schneeschuhgeher, Freerider und andere Winter-Bergsportler. Hier gilt es sich mit dem Lawinenlagebericht auseinanderzusetzen und sich mit der Materie theoretisch und praktisch fit zu machen. Ein Anfang dafür kann beispielsweise der Basislager-Artikel zum Thema Skitourenplanung sein.

Abgeschiedenheit – Infrastruktur – Versorgung

Trotz dichter Erschließung der Alpen findet man sich beim Bergwandern und -steigen gelegentlich in Bereichen wieder, in denen der nächste Latte Macchiato weit weg ist. Um stets genügend Energie für alle Herausforderungen zu haben, gehört ausreichend Treibstoff in Form von Proviant in den Rucksack. Zudem kann oberhalb der Schneegrenze auch das Wasser sehr knapp werden.

Gefahrenvermeidung: Mit vorausschauender, zurückhaltender und wenn möglich flexibler Tourenplanung lassen sich die allermeisten Notlagen von vornherein vermeiden.

Höhensonne

Nicht nur die stärkere UV-Strahlung, sondern auch die Hitze gehört zu den sonnenbedingten Risikofaktoren im Gebirge. Die aggressive Strahlung wird in der Höhe aufgrund der geringeren Atmosphärendichte weniger reflektiert, absorbiert und kommt stattdessen direkt auf der menschlichen Haut an. Die Hitze wird in der alpinen Höhe aufgrund der trockenen Luft und der oft anstrengenden Bewegungen viel schneller als im Tal zur Belastung. Dazu kann das grelle und vom Schnee extrem stark reflektierte Sonnenlicht die Augen stark belasten und zu Kopfschmerzen oder gar Schneeblindheit führen.

Gefahrenvermeidung: Die ziemlich einfachen und effizienten Schutzmaßnahmen dürften allgemein bekannt sein: einen gut sitzenden Sonnenhut tragen, eine gute Sonnencreme benutzen und eine gute Sonnen- bzw. Gletscherbrille auf der Nase. Trinkt man dann noch regelmäßig, vor dem großen Durstgefühl, in kleinen Schlückchen ausreichend Wasser, sollte man mit der Höhensonne keine Probleme bekommen.

Luftdruck – Sauerstoffgehalt

Steigt der Mensch in die Höhe, machen sich diverse vorübergehende körperliche Veränderungen bemerkbar. Je nach Aufstiegshöhe und -geschwindigkeit sind diese Veränderungen mehr oder weniger intensiv und unangenehm. Ab etwa 2000m Höhe bemerken die meisten Menschen Unterschiede zum Befinden in Meereshöhe. Schnelle Müdigkeitserscheinungen, Kopfschmerzen und leichte Schwindelgefühle können sich einstellen.

Steigt man zu schnell zu hoch, kann auch die lebensbedrohliche Höhenkrankheit auftreten. Deren Symptome resultieren aus der geringeren Sauerstoffmenge, die der Körper jetzt noch aus der Luft ziehen kann. Der Sauerstoffanteil ist zwar in jeder Höhe der Gleiche, doch mit zunehmender Höhe und „dünnerer“ Luft gibt es weniger verfügbare Luftmoleküle und damit auch weniger Sauerstoffmoleküle.

Die Gefahrenvermeidung ist auch hier ganz einfach und besteht darin, dem Körper genügend Zeit zu geben. Er kann sich nämlich problemlos auf das verringerte Sauerstoffangebot einstellen, indem er vermehrt rote Blutkörperchen produziert. Dieser Prozess dauert je nach Höhe und Aufstiegsgeschwindigkeit einige Stunden bis Tage (oder auch Wochen, wenn es auf die richtig großen Berge der Welt geht). Während der Umstellung ist der Körper weniger belastbar und hat einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, sodass auf reichlich Wasser- und Mineralstoffzufuhr zu achten ist.

In den Alpen kann man die höchsten Gipfel nach ein bis zwei Akklimatisierungstouren auf kleinere Berge von 2500 – 3500m Höhe, nach einigen Tagen Aufenthalt in 2000m Höhe, oder mehr, ansteuern. Es gibt zwar auch den, an manchen Viertausendern durchaus funktionierenden, „Trick“ so schnell auf- und abzusteigen, dass der Körper die Höhenänderung „gar nicht mitbekommt“, doch das ist eine ziemlich belastende und auch nicht ganz ungefährliche Strategie. Man sollte hier besser nicht irgendwo hoch oben „steckenbleiben“ …

Wetter

Je höher es hinaus geht, desto stärker ist man dem Wind und den Wetterlementen ausgesetzt. Das liegt vor allem daran, dass der Wind mit zunehmender Höhe auf weniger Reibungswiderstand und Hindernisse durch den Erdboden und das Gelände trifft. Auch andere Wetterelemente wie  Niederschlag und Temperatur schlagen dort heftiger aus, da die Berge eine Barriere bilden an welcher sich die Wolken stauen, auftürmen und abregnen. Deshalb gehen in den Bergen Wetterumschwünge und Gewitter meist schneller und heftiger vonstatten als im Flachland.

Gefahrenvermeidung: Auch hier ist es kein großes Geheimnis wie man sich am besten schützt. Zunächst holt man sich möglichst genaue Wetterprognosen ein, um daran die (eher vorsichtige/defensive) Tourenplanung auszurichten. Während der Tour beobachtet man möglichst fortlaufend die Wetterentwicklung und gleicht sie mit der Prognose ab. Darüber hinaus hat man am Berg auch bei schönstem Sommerwetter immer eine Isolationsjacke bzw. ein wärmeisolierenden Pulli und eine Regenjacke/Hardshelljacke dabei.

Die komplexeste Gefahr: der Mensch

Achtung, jetzt wird’s philosophisch: der Mensch ist auch am Berg ein komplexes Wesen mit sehr vielen Verhaltensoptionen und Möglichkeiten, Fehler zu machen. Außerdem neigt der Mensch zur Unvernunft und handelt aus extremen inneren und äußeren Zuständen heraus: von hundemüde bis hellwach, von angenervt bis euphorisch, von resigniert bis inspiriert, von panisch bis tollkühn. All diese Zustände können die Gefährdung sowohl erhöhen als auch verringern – je nachdem ob sie zur rechtzeitigen Verkürzung oder zum Abbruch der Tour führen, oder zu riskanten Aktionen verleiten.

Eine tolle Fitness kann zum Beispiel das Risiko verringern, wenn man schneller und sicherer unterwegs ist. Gleichzeitig kann sie aber auch die Gefahr erhöhen, indem man sich durch sie zu viel vornimmt.

Körperliche Verfassung 

Wenn keine Möglichkeit zur Umkehr besteht oder man sich hoch oben an einem anspruchsvollen Berg befindet, wird die (vorschnelle) Ermüdung zum größten Risikofaktor. Das subjektive Müdigkeitsgefühl kann einen manchmal ganz schön täuschen, weshalb die äußeren Anzeichen wahrgenommen werden sollten. Langsamere Reaktionen, eine nachlassende Konzentration und Koordination sind verlässliche Marker für eine körperliche Ermüdung.

Je geringer die körperliche Fitness ist, desto schneller setzt die Ermüdung ein. Klingt trivial, ist aber in der Praxis gar nicht so leicht zu handhaben, denn man muss den eigenen Körper recht gut kennen, um das eigene Leistungsvermögen mit den Zahlen und Daten einer geplanten Bergtour abgleichen zu können. Gelingt dieser Abgleich, hat man eine realistische Selbsteinschätzung bewiesen und wird sich auf der Bergtour weder unter- noch überfordert fühlen.

Normalerweise benötigt man Erfahrung (inklusive einiger Touren-Fehlschläge), um zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu kommen. Die wachsende Erfahrung geht im Idealfall mit wachsender Fitness durch Training und wachsendem technischen Können (bessere Steig- und Klettertechnik, effizienterer Umgang mit dem Material, usw.) einher.

Das körperliche Leistungsvermögen wird von sehr vielen physischen und psychischen, äußeren und inneren Faktoren wie Orientierungsfähigkeit, Ausrüstung oder auch der Taktik beeinflusst. Je mehr man von diesen Faktoren kennt, bewusst einbezieht und durch Training positiv beeinflusst, desto geringer ist das Risiko einer geplanten Tour.

Noch komplexer wird es, wenn mehrere Menschen gemeinsam unterwegs sind. Dann gewinnt der psychologische Faktor an Bedeutung und die Gruppendynamik treibt ihre bunten Blüten.

Ausrüstung

Je anspruchsvoller die Bergtouren, desto mehr Gefahrenquellen gibt es und desto mehr wird die Ausrüstung zum Risikofaktor. Pickel, Steigeisen, Seil, Karabiner und Co. bieten unendliche Möglichkeiten sich durch Anwendungsfehler in Teufels Küche zu bringen. Welch absurde Pannen und Unfälle dabei möglich sind, klärt seit vielen Jahren die Buchreihe „Sicherheit und Risiko in Fels und Eis“ von Pit Schubert auf.

Gibt es subjektive und objektive Gefahren?

Das klassische Darstellungsschema der Gefahren am Berg trifft eine Unterscheidung zwischen subjektiven und objektiven Gefahren. Als subjektive Gefahren gelten jene, die „von innen kommen“, also aus dem Menschen heraus entstehen. Als objektive Gefahren gelten jene, die „von außen kommen“, also „vom Gebirge ausgehen“. Diese Unterscheidung suggeriert, dass nur ein Teil der Gefahren beeinflusst werden kann, während der Rest der objektiven Gefahren „nicht beeinflussbar“ und demnach als „Restrisiko“ hinzunehmen ist.

Mittlerweile gilt jedoch eher der Standpunkt, dass es keine objektiven Gefahren gibt, da sämtliche Gefahren überhaupt erst durch die subjektiven Entscheidungen entstehen. Auch die Gefahr von Steinschlag und Lawinen entsteht letztendlich erst durch die subjektive Entscheidung, die Bergtour anzutreten. Mit dieser Entscheidung begibt man sich immer bereitwillig ein Stück weit in Gefahr – so ähnlich wie man sich bereitwillig in eine gewisse Gefahr begibt; zum Beispiel wenn man in ein Auto steigt.

Fazit

Ja, es „lauern“ viele Gefahren im Gebirge, soweit die schlechte Nachricht. Doch die Gute folgt sogleich: die allermeisten dieser Gefahren lassen sich auf erfreulich einfache Weise eliminieren bzw. minimieren. Mit einer den Voraussetzungen der Tourenteilnehmer und der erwartenden Wetterlage angepassten Tourenplanung hat man hier schon mehr als die halbe Miete! Und  je mehr Touren du vorsichtig angehst, desto mehr Erfahrung gewinnst du – und Erfahrung ist eine der wertvollsten Ressourcen am Berg überhaupt. Aus ihr kann ein Gefühl für den Berg („Mountain Sense“) entstehen, „eine Art sechster Sinn, der als Radar arbeitet um alpine Gefahren zu erkennen. Du entwickelst dieses Gefühl durch viel Erfahrung und die Art und Weise wie du deine Erfahrungen reflektierst.“ In diesem Sinne passt auf euch auf und habt eine tolle Bergerfahrung!

Die Wahl der Zeltfarbe – mehr als eine Geschmacksfrage

26. September 2018
Tipps und Tricks

„Nein, wir nehmen auf unsere Tour nicht den aufgeblasenen Goldfisch mit, den sieht man ja auf hundert Kilometer!“ So oder so ähnlich enden bei uns zu Hause oft Diskussionen zur Auswahl des geeigneten Zelts bzw. der optimalen Zeltfarbe. Grün, rot, weiß, blau, gelb, schwarz und alle anderen Farben auch, bei Zelten gibt es fast nichts, das es nicht gibt. Unterschiedliche Farben haben dabei nicht selten auch unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen, die mal mehr oder weniger wichtig sein können.

Warum die Zeltfarbe aber so wichtig ist, um darüber lange Diskussionen zu führen, was außer „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ noch dahinter steckt und warum wir den fetten Goldfisch (ein knallorangenes Zwei-Mann-Zelt) trotzdem lieb haben, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Atmosphäre

Wer kennt das nicht, ein Zimmer kann noch so gemütlich eingerichtet sein, hängt man aber eine kaltweiße Neonröhre an die Decke ist das ganze Ambiente futsch. Ähnlich verhält es sich mit einem Zelt. Zeltplanen sind in der Regel nicht lichtdicht und lassen daher Restlicht durch. Wie stark die Lichtintensität jedoch ist, hängt mitunter von der Farbe des Zelts ab. Auch die Lichtfarbe im Inneren des Zelts steht in Abhängigkeit zur Farbe der Außenhaut. Daher macht es durchaus Sinn einmal darüber nachzudenken, welche Ansprüche man an das natürliche Licht innerhalb eines Zelts hat.

Es gibt Menschen, die können nur dann schlafen, wenn es absolut dunkel ist. Heller Mondschein, Straßenlaternen oder auch nur die frühmorgendliche Dämmerung stellen somit ein definiertes Feindbild dar. Diesem Problem kann man mit der gezielten Wahl der Zeltfarbe problemlos entgegenwirken. Wenn ihr euch also auch schon bei Aussprüchen wie: „Schatz ich kann nicht schlafen, der große Wagen leuchtet heute wieder so hell!“, ertappt habt, solltet ihr darauf achten ein Zelt zu wählen, das möglichst wenig Licht nach innen durchlässt. Dunkle Farben wie schwarz, dunkelgrün, blau und grau sind hierzu bestens geeignet.

Ist es im Zelt schön dunkel kann man vielleicht besser und länger schlafen. Jedoch kann dieser Segen auch schnell zum Fluch werden, wenn man sich tagsüber im Zelt aufhalten möchte bzw. muss. Da ist es dann nämlich auch vergleichsweise finster.

Regentage können so zu einer echten Zerreißprobe werden, denn gerade an trüben Tagen sieht die Welt in dunklen Zelten noch trüber aus, als sie es eigentlich ist. In farbenfroheren und vor allem helleren Zelten gestaltet sich das schon ganz anders. Selbst wenn draußen beinahe die Welt untergeht, ist es meist noch ausreichend hell um Karten zu spielen oder ein Buch zu lesen. Auch wirken sich ein strahlendes Gelb, Hellgrün oder Orange positiv aufs Gemüt aus und helfen dabei den Lagerkoller ein wenig hinauszuzögern.

Lichtabsorbtion

Jeder der schon einmal im Hochsommer in einem schwarzen Auto gesessen hat kann mitreden. Alles was dunkel ist heizt sich im Sonnenlicht stark auf. Davon sind selbstverständlich auch Zelte nicht ausgenommen. Vor etwa zehn Jahren verbrachte ich meinen Sommerurlaub in Griechenland; mit dabei war auch mein dunkelgrünes Zelt, damals das Einzige, das ich besaß. Dieses Zelt hatte die Eigenschaft sich in der Sonne dermaßen aufzuheizen, dass ich oft bereits in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf gerissen wurde.

Selbst an Tagen, die eigentlich zum Entspannen und Erholen vorgesehen waren, wurde ich einige Male zum unfreiwilligen Frühaufsteher.

Klar kann man auch versuchen sein Zelt in den Schatten zu stellen, allerdings ist das je nach Zeltplatz schwierig bis hin zu unmöglich. Auch kann der Verlauf der Sonne dazu führen, dass man nur zu einer bestimmten Tageszeit Schatten hat. In Solchen Fällen ist es also definitiv von Vorteil wenn das Zelt eine Farbe aufweist, die das Licht schlechter absorbieren und sich somit auch weniger stark aufheizen kann. Hierzu sind helle Farben wie Weiß, Gelb oder Hellgrau bestens geeignet.

Wer jedoch gerne im Winter oder in kalten Regionen zeltet, wird sich vielleicht über ein sich stärker aufheizendes Zelt freuen und sollte somit eher ein Zelt mit dunkler Plane wählen. Wenn man es dann noch schafft, das Zelt so zu platzieren, dass es schon in dem Morgenstunden Sonne abbekommt, steigt die Temperatur bis zum Aufstehen nicht selten auf ein halbwegs angenehmes Maß. Das Verlassen des warmen Schlafsacks sollte daraufhin nicht mehr all zu schwer fallen.

Sichtbarkeit

Betrachtet man einen Zeltplatz von oben, sieht der komplett chaotisch und kunterbunt aus. Klar, Zelte gibt es ja auch in allen erdenklichen Farben. Das ist zum einen sehr praktisch um dem persönlichen Geschmack gerecht zu werden, andererseits kann es aber auch helfen das eigene Zelt schneller zu finden. Stellen wir uns doch einfach einmal einen Zeltplatz in der Ferienzeit vor. Dort reihen sich die Zelte nicht selten dicht an dicht. Hätten jetzt alle Zelte die exakt gleiche Farbe, würde das Unterscheiden bzw. Auffinden des eigenen Zelts deutlich schwieriger werden. Auch der Satz: „Kannst du mir bitte meinen Pullover mitbringen, der liegt in dem roten Zelt da drüben.“, würde deutlich an Bedeutung verlieren.

Doch während unterschiedliche Zeltfarben auf dem Zeltplatz zunächst nur der Unterscheidung dienen, spielen sie in der freien Natur eine wesentlich bedeutendere Rolle. Hier stellt sich gleich zu Anfang eine bedeutende Glaubensfrage: „Will ich gesehen werden oder nicht?“. Diese Entscheidung zu treffen ist nicht nur wichtig, sondern auch gar nicht so einfach, wie es zunächst erscheint. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle mal zwei Denkansätze aufführen:

  • Minimal Impact und Homogenität mit der Landschaft

Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber genau die Kernaussage dieses Arguments. „Was man nicht sieht, ist auch nicht da.“ Ein Zelt, das sich also mehr oder weniger perfekt in die Landschaft einpasst wird zunächst einmal nicht gesehen. Dies kann beispielsweise beim Wildcampen (ich weiß, keiner von uns würde das jemals verbotenerweise tun…) von Vorteil sein. Andere Personen sehen zumindest auf den ersten Blick nicht, dass da irgendwo ein Zelt in der Landschaft steht und fühlen sich somit auch nicht belästigt. Außerdem „verfilmen“ sich grüne, braune oder beige Zelte ganz gut mit der Umgebung und stören somit auch keine Fotomotive oder Panoramasichten.

  • Gut gefunden werden und „instagrammability“

Klar doch, wer beispielsweise sein Camp inmitten atemberaubender Natur fotografisch festhalten möchte, freut sich darüber, dass das Zelt besonders heraussticht. Sieht ja irgendwie auch cool aus… Eine gute Sichtbarkeit des Zelts kann aber noch wesentlich wichtigere Vorteile haben: Man kann es auch noch aus der Ferne sehen. Dies ist gerade bei Notfällen wichtig. Wer also beispielsweise auf fremde Hilfe angewiesen ist und einen Notruf absetzen muss wird voraussichtlich schneller gefunden werden, wenn er in einem krachbunten Zelt ausharrt. Aber auch in weniger dramatischen Situationen kann sich eine Signalfarbe beim Zelt bezahlt machen. Durch ein strahlendes Gelb, Orange oder Rot bleiben Zelte auch noch in dichtem Nebel halbwegs gut sichtbar und können so beispielsweise auf der Rückkehr von einer Tagestour schneller gefunden werden.

Insekten

Zum Thema wie sich die Zeltfarbe auf Insekte auswirkt gehen die Meinungen teilweise weit auseinander. Die einen raten von gelben Zelten ab, weil diese mehrheitlich Käfer anziehen sollen. Die anderen sehen das Problem eher bei der Farbe Orange. Und wieder andere behaupten, dass die Zeltfarbe kaum etwas mit der Anlockung von Insekten zu tun hat.

Auch kann es stark von der jeweiligen Gegend und den jeweiligen Insekten abhängen, welche Farbe eventuell bevorzugt wird. Somit ist es wahrscheinlich sinnvoller darauf zu achten, dass das Zelt über ausreichend engmaschige Insektennetze verfügt, sodass es hier für Krabbeltiere aller Art (egal wovon sie angezogen werden) kein Durchkommen gibt.

Welche ist nun die richtige Zeltfarbe?

Das ist so einfach nicht zu sagen. Wer sein Zelt überwiegend auf Zeltplätzen aufstellt und das auch noch in Regionen mit einem angenehmen Klima und ggf. unter einen Baum, der kann die Zeltfarbe einfach nach Lust und Laune wählen. Wer aber in der freien Wildbahn campen möchte, für den werden die oben genannten Punkte schon wesentlich wichtiger. Hierzu noch zwei Fallbeispiele:

Zelte ich auf einem Gletscher oder in hochalpinem Gebiet, ist es mir wichtig, dass ich im Fall eines Wetterumbruchs schnell wieder zu meinem Zelt zurückfinde. Gerade bei Nebel ist hier mit einem grauen oder weißen Zelt schnell der Ofen aus. Somit tendiere ich hier dazu das bereits erwähnte knallorangene Zelt mitzunehmen. Ein schnelles Auffinden des Zelts ist mir dabei wesentlich wichtiger, als dass es sich besonders gut in die Landschaft einpasst. Außerdem müsste ein Zelt, das auf Gletschern etc. optisch mit der Landschaft verschmilzt weiß oder hellgrau sein und das besitze ich ohnehin nicht. (Wird mir zu schnell schmutzig.)

Bin ich irgendwo im bewaldeten Gebiet unterwegs und komme vielleicht auch mal in die Verlegenheit, halblegal mein Lager aufzuschlagen oder will schlichtweg nicht gesehen werden, damit keiner dumme Fragen stellt, nehme ich hier in der Regel ein grünes Zelt mit. Für mich hat sich dabei hellgrün als perfekt herausgestellt. Diese Farbe passt sich meist gut in die Landschaft ein, bietet aber auch im Inneren des Zelts ein großartiges Licht. Ein Tipp noch für alle, die eher auf Tarnung setzen: Oft werden die Abspannleinen mit reflektierenden Fäden versehen. Wer also auch nachts nicht auffallen möchte, sollte diese tauschen.

Nun zu euch: Worauf kommt es euch bei der Zeltfarbe an? Nach welchen Kriterien wählt ihr aus? Schreibt uns doch mal einen Kommentar!

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

26. September 2018
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore-Tex Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach noch mit rein gedrückt. Aus Gore-Tex Windstopper wird Gore-Tex Infinium Windstopper.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von Gore-Tex-Infinium angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

Caro North in Juneau, South East Alaska

26. September 2018
Bergfreunde Pro-Team

Rund um mich herum ist nur weiß – so weit das Auge reicht. Nichts als weiß. Wir befinden uns in einer riesigen, weiten Gletscherlandschaft im Südosten Alaskas. Es ist einsam hier, denn über viele Kilometer sind wir die einzigen Lebewesen in dieser Eiswüste. Wir, das sind ich, Caro, und meine Freundin Brette Harrington. Was wir hier machen? Klettern natürlich…

Wie alles begann

Etwas skurril ist es schon. Eigentlich war ich zu einem Rocktrip nach Nordamerika aufgebrochen um zwei Monate lang hohe Felswände und cleane Risse zu klettern. Mal keine Handschuhe und dicke Daunenjacken tragen, wie ich es schon die letzten 6 Monate in Patagonien getan hatte. Aber wie es eben immer so läuft: am Ende kommt doch alles anders.

Meine Freundin Brette Harrington hatte mich gefragt, ob ich sie auf das Eisfeld nach Juneau, South East Alaska begleite. Für mich klang es spannend und ich war sofort motiviert. Fortan hieß es also für mich Gletscher-, Eis- und Skimaterial zu besorgen. Zum Glück unterstützte mich Mammut USA, sowie einige von Brettes Freunden dabei, mich mit allerlei an Ausstattung zu versorgen.

Neben der Planung bin ich noch schnell eine Tour am Chief in Squamish geklettert (Freeway 5.11, onsight) und ehe ich mich versah, ging auch schon unser Flieger von Vancouver nach Juneau.

In Juneau, South East Alaska

Spätabends kamen wir in Juneau an. Doch wir verloren nicht viel Zeit, da das Wetter gut war. Deshalb ging es für uns auch schon am nächsten Mittag mit dem Helikopter raus auf das Eisfeld, das sich nicht weit von der kleinen Hafenstadt erstreckt.

Der Helikopter setzte uns in einer weiten Landschaft aus riesigen Gletschern ab. Überall um uns herum ragten die Gipfel aus Fels, Schnee und Eis hervor.

Nachdem wir unser Basislager auf einem flachen Stück Gletscher etablierten, erkundeten wir auch schon die nahen Wände. Allerdings zog sich auf dem Rückweg das Wetter zusammen, dass wir fast unsere Zelt wiederfinden konnten. Wir bekamen damit also schon einmal einen ersten Vorgeschmack davon, wie schnell sich das Wetter hier verändern konnte. Ohne Sicht hatten wir kaum Anhaltspunkte zur Orientierung und es fiel schwer uns überhaupt vorwärts zu bewegen.

Die Gipfel rufen

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker schon früh. Aber mit einem Blick aus dem Zelt erkannten wir sofort, dass unser Aufbruch erstmal nach hinten verschoben werden musste – wir befanden uns nämlich komplett im Whiteout. So gingen wir also erst um 10 Uhr mittags los in Richtung Dukes. Dukes war unser Ziel, da wir dort auf der Westseite eine interessante Mixedline gesehen hatten.

Allerdings merkten wir schnell, dass der Eisschlauch, den wir anvisiert hatten, leider nur noch aus schlechtem Eis und warmen Schnee bestand. So begannen wir zu queren und durch die Wand zu klettern. Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf kamen über den Eisschlauch ziemliche Massen an Schnee herunter.

Wir kletterten anspruchsvolle Längen durch Fels und Schnee. Wir versuchten immer achtsam zu sein, verwendeten auch mal Moos zum hooken unserer Pickel, um keine lockeren Steine loszutreten.

Weiter oben angekommen, gelangten wir in ein Schneecouloir. Wir mussten dies also schnell erklimmen, um nur möglichst kurz unter der Gifelwächte exponiert zu sein. Danach folgten noch zwei Seillängen im Fels. Brette stieg sie mit ihren Kletterschuhen vor, während ich mit den Bergschuhen hinterher kam. Am Abend zuvor hatte ich bei Schere-Stein-Papier verloren, weshalb wir nur ihre Kletterschuhe dabei hatten. Zwei Paar Kleeterschuhe wären zu viel Gewicht gewesen.

Zwölf Stunden später standen wir dann endlich auf dem Gipfel. Es war immer noch hell und das Sonnenlicht beleuchtete die Mendenhall Towers in der Ferne. Dort waren Marc-André Leclerc und Ryan Johnson vor einigen Monaten im Abstieg ums Leben gekommen. Marc-André war Brettes Freund und auch ein guter Kumpel von mir. Unsere Erstbegehungen widmen wir diesen beiden inspirierenden Menschen, die leider viel zu früh von uns gehen mussten.

Nach kurzem inne halten machten wir uns an den Abstieg. Hier in Alaska wird es fast nicht dunkel, weshalb wir unsere Stirnlampe nur für eine gute Stunde auspacken mussten. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt, aber es ist wirklich der Wahnsinn!

Das nächste Abenteuer wartet

Als nächste Tour wählten wir die Nordostseite des südlichen Dukes (sie ist 10b, M5+, 85°, 500m). Am nächsten Tag befuhren wir einige Gipfel mit Ski, bevor wir dann, wegen schlechtem Wetter, einen Ruhetag im Zelt einlegten. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Devils Paw, wo wir das Süd-Ost Couloir mit Ski befahren wollten. Doch die Distanzen hier sind enorm und so bedeutete die Route für uns, dass wir über 20 Meilen hin- und das ganze wieder zurück laufen mussten.

2 Tage lang liefen wir auf flachen Gletschern, erklimmten dann in anstrengender Spurarbeit das Couloir, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Bedingungen zum befahren dort nicht gerade gut sind. Aber Schnee oder Lawinenlageberichte gibt es dort nicht und so mussten wir es ausprobieren, um die Bedingungen kennenzulernen.

Wir konnten ein paar Kurven fahren, mussten dann aber das 40-45° steile Couloir mit Pickel in der Hand abrutschen, da es so hart gefroren war. Aber immerhin konnten wir die Skier komplett anlassen und wir waren uns einig, dass es trotzdem ein gutes Abenteuer war.

Danach mussten wir erneut zwei Tage bis zu unserem Basislager zurücklaufen. Die Füße schmerzten und auch unsere Rücken, Schultern und Hütten hatten unter dem Gewicht der Rucksäcke zu leiden. Und auch das Wetter wechselte schnell zwischen Sonne, Schneefall und Hagel. Dementsprechend waren wir froh, als wir endlich wieder bei unseren Zelten ankamen.

Vom Eis in die Sonne

Da wir wohl nochmal ein gutes Wetterfest erwarten durften, entschieden wir uns noch eine Woche länger auf dem Eisfeld zu bleiben. Doch trotz der erwartungsvoll positiven Prognosen, saßen wir wegen eines Schneesturm, erst einmal drei Tage in unserem Zelt fest. Unsere Hoffnung noch etwas zu klettern, schwand damit jeden Tag mehr.

Doch dann klärte sich das Wetter tatsächlich auf und wir konnten an den Takku Towers noch eine Felslinie erstbegehen. Durch seine verrückten Formationen ist dieser Fels zum Klettern wirklich genial. Teilweise ist er auch so kompakt, dass es er ziemlich runout und ausgesetzt ist. Wir waren auf jeden Fall überglücklich, auch weil wir nach so langem Warten im T-Shirt klettern konnten.

Unseren letzten Abend auf dem Eisfeld verbrachten wir in wundervollem Lichtspiel, an dem sich auch die Mendenhall Towers beteiligten. In Gedanken verabschiedeten wir uns von Marc-André und Ryan, die noch immer am Fuße der Mendenhalls liegen und auch der Grund für unsere Expedition waren.

Am nächstem Tag ging unser Flieger wieder zurück in die Zivilisation. Ein starker Kontrast nach 13 Tagen Einsamkeit.

Microadventures – das Abenteuer vor der Haustüre

26. September 2018
Tipps und Tricks

Wer kennt das nicht, die Woche war stressig, auf der Arbeit hat es nicht so geklappt wie es sollte, dazu kamen noch ein Dutzend Privattermine und überhaupt reicht es gerade einfach allgemein. Doch nun ist ja zum Glück Wochenende und man kann den ganzen Stress hinter sich lassen, einfach mal was machen, was Cooles, was Spontanes, was in der Nähe ist und auch nicht viel kostet. Ja aber was denn eigentlich genau?

Die Antwort auf diese Frage lautet „Microadventures“.

Microadventures, was ist das denn?

Geprägt wurde der Begriff der Microadventures durch den britischen Abenteurer und Blogger Alastair Humphreys. Es geht hierbei im Wesentlichen darum, vergleichsweise kurze, günstige und einfach zu realisierende Aktivitäten zu finden. Also Kurzabenteuer vor der eigenen Haustüre. Hierbei sind der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt. Ob ihr dabei zu Fuß, mit dem Rad oder vielleicht sogar mit dem Boot unterwegs seid, spielt keine Rolle. Wichtig ist lediglich, dass Ihr Spaß dabei habt und die Hektik des Alltags hinter euch lasst. Wie das genau aussehen kann und worauf ihr dabei achten solltet, erfahrt ihr im Folgenden.

Biwakieren und Sternegucken

Gerade in warmen Sommernächten ist ein Biwak im Freien eine gute Möglichkeit für eine Auszeit. Wenn man sich dann auch noch eine passende Location aussucht und das Biwakieren mit einem Picknick verbindet, wird die Unternehmung perfekt. Laut der Schätzung von Experten gibt es in Deutschland weit über 25.000 Burgen (die genaue Zahl ist derzeit noch nicht bekannt). Davon sind viele Ruinen, die irgendwo im Wald stehen und von touristischer Seite nur wenig Beachtung finden. Genau solche Burgen eignen sich jedoch optimal für unser Microadventure. Hier ist man in der Regel ungestört und läuft nicht Gefahr, jemand anderen zu belästigen. Außerdem sind alte Burgen ein großartiger Ort für eine Nacht im Freien.

Allerdings solltet ihr darauf achten, ob für die jeweilige Ruine besondere Ge- und Verbote gelten. Hier kann auch ein Blick in eine gute Wanderkarte nicht schaden. Führt ein beliebter Wanderweg direkt an der Burg vorbei, muss man damit rechnen, dass schon in den frühen Morgenstunden der eine oder andere Wandersmann vorbeischaut. Außerdem sollte man es tunlichst vermeiden, ein Zelt oder zu großes Lager aufzuschlagen, da Wildcampen in Deutschland nicht erlaubt ist.

Habt ihr die perfekte Burg gefunden und alle wichtigen Dinge im Gepäck, heißt es nichts wie raus! Wer außerdem Lust auf Sterne und Sternschnuppen gucken hat kann diesbezüglich auf Prognosen zurückgreifen, die voraussagen was, wann und wo zu sehen sein wird.

Tipp: Ist gerade keine Burg zur Verfügung eignen sich auch idyllisch gelegene Aussichtspunkte oder Schutzhütten. Letztere sind gerade auch mit kleineren Kindern eine gute Anlaufstelle.

Feuer machen

Feuer zu machen ist seit jeher eine Faszination und eigentlich mit Streichhölzern, Feuerzeug und Co. auch keine große Sache. Genau darin liegt jedoch bei unserem Microadventure Vorschlag Nummero 2 der Knackpunkt: Das Feuer soll ohne die üblichen Hilfsmittel entstehen. Der beste Ort hierfür ist ein offizieller Grillplatz. Am besten einer, den man nur mit einer Wanderung erreichen kann, denn hier ist man nicht selten ungestört. Außerdem seid ihr ja an einem Grillplatz und könnt nach getaner Arbeit den Tag bei ein paar Würstchen, Kartoffeln etc. gemütlich ausklingen lassen. Für mich war als Kind immer auch Stockbrot ein absolutes Highlight. Wie ihr das auch unterwegs selber machen könnt und wo dabei die Raffinessen liegen, wir im Blogbeitrag „Bannock-Brot – der Klassiker in der Outdoorküche“.

Nun aber zum Thema Feuer machen. Hier könnt Ihr euch langsam herantasten. Mit einem Feuerstahl geht das sicherlich ganz gut, wenn ihr es aber wirklich auf Steinzeitart (also Feuer bohren oder sägen) versucht, seid ihr sicherlich eine Weile beschäftigt.

Achtung: Gerade in heißen und trockenen Sommern herrscht eine erhöhte Brandgefahr. An solchen Tagen ist das Feuermachen auch an Grillplätzen absolut tabu. Für Deutschland gibt es hierzu zwei wichtige Indizes, den Waldbrand-Gefahrindex und den Grasland-Feuerindex. Beide Indizes sind in fünf Warnstufen unterteilt:

  • Warnstufe 1 sehr geringe Gefahr: Das Benutzen einer geeigneten Grillstelle ist mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen kein Problem.
  • Warnstufe 2 geringe Gefahr: Auch bei dieser Stufe ist das Feuermachen an einer geeigneten Grillstelle noch erlaubt, es ist jedoch erhöhte Achtsamkeit geboten.
  • Warnstufe 3 mittlere Gefahr: Ab dieser Warnstufe werden erste besonders gefährdete Grillstellen geschlossen. Wer bei dieser Gefährdungslage ein Feuer entfachen will, muss sich gut informieren ob bzw. wo dies möglich ist.
  • Warnstufe 4 hohe Gefahr: Der aktive Schutz des Waldes /der Grasflächen beginnt. Öffentliche Straßen und Wege sollten nicht verlassen werden. Besonders gefährdete Gebiete können außerdem von den Behörden gesperrt werden. Feuer ist absolut tabu.
  • Warnstufe 5 sehr hohe Gefahr: Maximaler Schutz von Wald und Grasflächen. Wälder werden zeitweilig gesperrt, betreten und befahren ist strengstens untersagt. An ein Lagerfeuer sollte nicht einmal gedacht werden.

Sammler werden

Gerade im Sommer und im Herbst bietet die Natur so einiges. Zahlreiche Früchte sind nun reif und warten auf die Ernte und je nach Wetterlage sprießen auch die Pilze (naja förmlich wie Pilze) aus dem Boden. Was bietet sich da besser an, als auf große Sammeltour zu gehen und daraus dann ein leckeres Essen zu zaubern. Wer sich ein wenig auskennt, kommt so schnell mit allerlei Leckerem wieder nach Hause.

Pilze

Ob Frühjahr, Sommer oder Herbst, essbare Pilze gibt es je nach Region eigentlich immer. Während die Speisemorchel beispielsweise vergleichsweise früh, in den Monaten April bis Juni zu finden ist, gibt es Steinpilze nicht selten bis Ende Oktober. Das Problem bei vielen Pilzsorten ist jedoch, dass sie nicht gerade leicht zu erkennen sind und dass es zu nahezu jedem essbaren Pilz einen giftigen Kollegen gibt. Wer sich hier also nicht auskennt, läuft Gefahr etwas Falsches zu erwischen. Fachliteratur, wie der Naturführer Pilze vom Kompass-Verlag, können bei der Bestimmung helfen. Außerdem gibt es zahlreiche Pilzvereine, die Seminare zu diesem Thema anbieten.

Nüsse

Ende September ist es so weit: die Hasel- und Walnüsse sind reif. Hier kann nach Herzenslust gesammelt werden. Reife Nüsse werden vom Baum bzw. Strauch abgeworfen und können bequem aufgesammelt werden. Vorsicht ist jedoch mit den grünen Schalen der unreifen Walnuss geboten. Schneidet man die Schalen auf, sondern sie eine Flüssigkeit ab, die hartnäckige braune Flecke auf der Kleidung hinterlassen kann.

Kastanien

Edelkastanien oder auch Esskastanien sind wie der Name schon sagt essbar und können wunderbar als Beilage zu deftigen Gerichten gereicht werden. Außerdem kann man sie als Maroni auch problemlos im Backofen rösten und zwischendurch als Snack verzehren.

Beeren

Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Walderdbeeren lassen sich problemlos in den heimischen Wäldern pflücken. Heidelbeeren und Himbeeren kann man bereits ab Juni finden, Brombeeren kommen im August dazu. Ob als Dessert, Marmelade oder einfach als Frucht, Beeren sind eine super Ergänzung zum Speiseplan.

Kräuter und Grünzeug

Von Giersch bis Bärlauch unsere Wälder geben mehr her, als wir gemeinhin für möglich halten. Aus Bärlauch lässt sich so beispielsweise ein sehr aromatisches Pesto machen, Giersch eignet sich ideal als Ergänzung zu herkömmlichen Salatkräutern und aus Brennnesseln lässt sich mit dem nötigen Know-how problemlos eine leckere Suppe zaubern.

Die Heimatstadt umrunden

Hier mal ein Microadventure, das sich eher an die urbanen Bevölkerungsgruppen unter uns richtet. Denn bei diesem Microadventure geht es darum, einmal die Stadt in der man lebt mit dem Fahrrad zu umrunden.

Alle, die eine Kleinstadt ihre Heimat nennen, werden damit vergleichsweise schnell fertigt sein (ihr könnt es ja vielleicht mit dem Landkreis ausprobieren). Versucht man aber Städte wie beispielsweise Berlin zu umrunden, sollte man ein bisschen mehr Zeit einplanen. Auf rund 250 Kilometern führt hier ein beschilderter Radweg vorbei an geschichtsträchtigen Orten und durch beeindruckende Landstriche. Aber auch andere Städte lassen sich problemlos umrunden.

Wo es keinen ausgeschilderten Radweg gibt, braucht es allerdings eine gute Vorplanung für die Tour. Am besten bastelt ihr euch einen GPS-Track, sodass ihr diesem während der Tour folgen könnt. Legt dabei die Streckenführung so fest, dass ihr immer mal wieder an einem Bahnhof oder einer Haltestelle vorbeikommt. So habt ihr im Fall einer Panne, schlechtem Wetter oder konditionellen Problemen die Möglichkeit eure Tour problemlos abzubrechen.

Einen Gewaltmarsch machen

„Soweit die Füße tragen“, ist das Motto dieses Microadventures. Das Prinzip eines Gewaltmarsches ist eigentlich leicht erklärt: an einem Tag so weit Laufen, bis nichts mehr geht.

Nehmt euch hierzu eine vergleichsweise lange Wanderstrecke vor. 70 bis 100 Kilometer dürfen es schon sein. Wie viele Höhenmeter ihr dabei machen wollt, bleibt euch überlassen, jedoch sollte euch klar sein, dass sich weite Strecken und viele Höhenmeter nicht unbedingt gut vertragen. Wenn möglich legt eure Tour so an, dass ihr immer wieder die Chance zum problemlosen Abbruch der Tour habt, denn nur so könnt ihr in Sachen zurückgelegte Kilometer ans Limit gehen. Auch eignen sich Rundwanderwege, die oft eigentlich für mehrere Tage ausgelegt sind, perfekt für eine solche Unternehmung.

Sorgt dafür, dass ihr mit leichtem Gepäck unterwegs seid. Der große Trekkingrucksack kann hier getrost zu Hause bleiben. Ein kleiner Tagesrucksack mit Regenjacke, Getränk und Verpflegung reicht hier völlig aus.

Tipp: Es gib Tage, an denen wandert es sich besser, als an anderen. Wer beispielsweise am 1. Mai oder am Vatertag unterwegs ist, der kann seine Tour so planen, dass er an zahlreichen Festen und Veranstaltungen vorbeikommt. Da dort eigentlich immer für das leibliche Wohl gesorgt ist, kann man so problemlos auf die Brotzeit im Rucksack verzichten und spart damit nochmals an Gewicht. Gleichzeitig sind an solchen Tagen mehr Wanderer unterwegs und man trifft immer wieder auf Gleichgesinnte.

Höhenmeter-Challenge mit dem Rad

Bei der Höhenmeter-Challenge oder auch dem Everesting geht es darum an einem Tag eine vorgesehene Anzahl an Höhenmetern mit dem Rad zu fahren. Gleichzeitig ist damit ein spielerischer Ansatz verbunden, der für die nötige Motivation sorgt.

Als erstes solltet ihr euch überlegen, welches virtuelle Ziel ihr erklimmen wollt. Berge wie die Zugspitze (2962 m), den Säntis (2502 m) oder Watzmann (2713 m) eignen sich hierzu sehr gut. Einsteiger können sich beispielsweise auch Wolkenkratzer, wie den Burj Khalifa (828 m), vornehmen. Allen die es sich derber geben wollen sind selbstverständlich keine Grenzen nach oben gesetzt.

Nehmen wir also als Beispiel die Zugspitze: Mittels Fahrrad gilt es 2962 Höhenmeter zu erklimmen. Da diese mit mehreren Anstiegen erklommen werden müssen ergeben sich hierzu zwei Möglichkeiten.

  1. Man sucht sich einen Anstieg heraus, den man für geeignet hält und fährt diesen so oft bis die gewünschten Höhenmeter erreicht sind.

Beispiel: Im Schwarzwald ist gibt es eine beliebte Rennradstrecke, die auf den Kandel führt. Der gesamte Anstieg beträgt rund 1200 Höhenmeter. Also müsste man diese Strecke ca. zweieinhalbmal fahren um auf die virtuelle Höhe der Zugspitze zu kommen. Will man das gleiche an der Großen Kalmit machen, schlägt ein Anstieg mit 673 Höhenmetern zu Buche. Folglich müsste die Strecke also knapp viereinhalbmal gefahren werden.

  1. Man plant eine Radtour mit möglichst vielen unterschiedlichen Pässen. Die Kunst liegt hierbei darin, die Strecke zwischen den einzelnen Pässen so kurz wie möglich zu halten. Außerdem kann es durchaus knifflig sein, die verschiedenen Anstiege so auszusuchen, dass man möglichst genau auf die gewünschte Anzahl an Höhenmetern kommt.

Fazit

Ein kleines Abenteuer muss nicht immer von langer Hand geplant werden. Mit ein bisschen Kreativität gibt es bereits vor der eigenen Haustür zahlreiche Aktivitäten, die bestens als Flucht aus dem Alltag funktionieren. Plant ihr ein Microadventure aus unserer Liste auszuprobieren oder habt ihr bereits eines ausprobiert? Welche Microadventures habt ihr außerdem schon unternommen oder auch selbst ausgedacht? Lass es uns mal wissen, wir freuen uns über eure Kommentare!

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