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Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

21. September 2017
Ausrüstung

In unserer kleinen Geschichtsstunde haben wir bisher die Schuhe und das Seil unter die historische Lupe genommen. Nun wollen wir den noch fehlenden Basics der Bergausrüstung in die Vergangenheit folgen. Doch dabei tauchen mindestens zwei Komplikationen auf:

In den Bergen wohnt die Anarchie

Erstens stellt sich die Frage, was hier dazugehört und was nicht. Wenn wir sämtliches Zubehör und Geklimper am Gurt berücksichtigen, landen wir am Ende bei Klemmkeilentfernern und Eissanduhr-Fädlern. Und wenn wir Outdoor-Produkte wie Zelt und Schlafsack mit hineinnehmen, bekommen wir ein Buch so dick wie der Quelle-Katalog. Und dann noch die unendliche Vielfalt der Klamotten…

Zweitens ist der Bergsport von der (schon in den beiden vorherigen Artikeln erwähnten) Unschärfe in der Geschichte und Entwicklung des Materials geprägt. Man kann es als den anarchistischen Freigeist der Berge deuten, dass bisweilen niemand wirklich weiß, was wann wo erfunden und erstmals benutzt wurde. Es trat nämlich nur in den seltensten Fällen ein neuer Gegenstand mit einem Geistesblitz eines Erfinders in die Welt und revolutionierte ab dem nächsten Tag das Bergsteigen. Oder wie es der Kollege von Bergwelten ausdrückt:

Die Fortschritte im klassischen Alpinismus sind aber keineswegs durch die Entwicklung immer neuer und „besserer“ Ausrüstungsgegenstände geprägt oder vorangetrieben worden. Die Frauen und Männer jeder Generation waren es, die Schwierigkeiten und Exponiertheit der Anstiege gepusht haben. Spät setzte auf dem Ausrüstungssektor eine Entwicklung ein, die mit den technischen Fortschritten auf anderen Gebieten mitzog.

Die Bergwelt bleibt eben länger als andere Gebiete eine wenig regulierte Zone. Das ist gut so, macht aber den Chronisten die Arbeit nicht leichter. Konzentrieren wir uns in der kleinen Ausrüstungschronik also auf das, was Alpinisten unmittelbar brauchen, um in Fels und Eis höher zu kommen. Die Schuhe haben wir ja schon angezogen, das Seil haben wir auch dabei. Jetzt, da wir den Gletscher betreten, müssen die Steigeisen ran. Für das Gleichgewicht in der steilen Eisflanke braucht es den Pickel, zum Einbinden ins Seil am messerscharfen Gipfelgrat muss ein Gurt her und ohne Karabiner nützt das ganze andere Zeug so gut wie nichts.

Ein paar Worte zur „Software“

Bevor es losgeht, sollen unsere geliebten Outdoorklamotten doch noch eine kurze Erwähnung bekommen. Die Beschreibung ihrer Entwicklung lässt sich nämlich mit einem kleinen Trick abkürzen: man nehme einfach die Entwicklung des Bergseils und übertrage sie auf alles andere, was hauptsächlich aus Nylon-, Polyester- und anderen Kunstfasern besteht.

Also auch das Band- und Schnurmaterial, die Zelte, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsackhüllen. Denn der Durchbruch, der erdölbasierten Synthetikfasern, in den 40er- und 50er Jahren hat neben dem Seil auch all diese Dinge funktional gemacht. Bei einfachen Tools wie Reepschnüren und Bandschlingen ging es schneller als bei komplizierten Teilen wie den Schuhen.

Mischwesen: Klettergurt und Karabiner

Ausnahmen bilden hier der Klettergurt und der Karabiner. Die sind als Bindeglieder zwischen Mensch und Material nämlich so etwas wie Mischwesen aus Soft- und Hardware. Ihre Entwicklungsgeschichte ist komplizierter und beginnt später als bei anderen „Basistools“. Kein Wunder, denn wenn du draußen in der Wildnis frierst, kommt dir die Erfindung eines künstlichen Fells wohl recht anschaulich in den Sinn.

Das gleiche gilt auch für Schuhe, wenn sich der raue, spitze Untergrund durch die Hornhäute der Füße bohrt. Und wenn du dann auf hart gefrorenem Schnee herumrutschst, liegt die Idee von Zacken und Nägeln an den Schuhen wohl ebenfalls recht nahe. Die flexible Verbindung von Seilen mit Fixpunkten und dem menschlichen Körper ist hingegen ein deutlich abstrakterer Schritt. Hier ist das Prinzip nicht unbedingt sinnlich greifbar.

Die ersten Erwähnungen von Karabinern finden sich dann auch anders als bei den Seilen oder Schuhen nicht vor Jahrtausenden, sondern erst im 17. und 18. Jahrhundert. Damals kamen Metallringe mit Federverschluss in der Schiffahrt, der Viehwirtschaft und beim Militär zum Einsatz. Dort halfen sie den Kavalleristen, „den Karabiner schnell am Bandelier zu befestigen.“ Der Begriff Karabiner ist also vom Schießeisen zum Fixier-Ring gewandert. Um Verwechslungen auszuschließen, spricht man formal vom Karabinerhaken.

Karabiner am Berg

Im Bergsport kamen die ersten Karabiner um das Jahr 1910 zum Einsatz. Hermann Huber, der Alpinchronist und Insider einer noch kleinen Berg-Szene, beschreibt das sehr anschaulich:

Da kam, wie bekannt, unserem Extrem-Pionier Otto Herzog alias „Rambo“ um 1910 die eigentlich einfache Idee zur Lösung des Problems, als er Münchner Maurern zusah, wie sie ihre Mörtelkübel am Aufziehseil mit einem Feuerwehr-Karabiner verbanden: EUREKA!

Diese Karabiner prägten das Klettern und Bergsteigen der Zwischenkriegszeit vor allem in den Ostalpen. Sie bestachen mit ihrer unpraktische Form ebenso wie mit ihrem hohen Gewicht. Leichtmetallkarabiner wurden etwa zeitgleich um 1940 in Kalifornien und Frankreich erfunden, waren aber wegen der Kriegs- und Nachkriegszeit noch Ende der Fünfziger Jahre „nur sporadisch zu sehen“.

Ihre Bruchlast steigerte sich in dieser Zeit von zunächst 8 Kilonewton bis auf 28 KN. Letzteres entspricht in etwa dem noch heute gültigen Standard, wobei das Gewicht zwischenzeitlich deutlich reduziert wurde. Eine wohlverdiente, ausführliche Würdigung hat der Karabiner übrigens auch hier im Basislager-Blog schon bekommen.

Klettergurte

Der Gurt ist ebenfalls ein bescheidener Gesell, den wir nur allzu oft für selbstverständlich nehmen. Und auch er ist ein Spätzünder, der vor dem 20. Jahrhundert weder für das Klettern noch für andere Einsatzbereiche wie Höhlenforschung, Feuerwehr oder Bergrettung bekannt war.

Man band sich bis vor wenigen Jahrzehnten einfach die Seil-Endschlaufe direkt um die Hüfte oder – ganz fortschrittlich mit Zusatzschlaufe – um die Schultern. Auch das Abseilen ging mit direktem Körper-Seil-Kontakt und entsprechend aufreibenden Gefühlen vonstatten.

Die wenig komfortable Standardmethode war der Dülfersitz: Seil von vorne oben zwischen die Beine nehmen, dann hinter der (je nach bevorzugter Abseilhand) rechten oder linken Gesäßhälfte wieder nach vorne ziehen und quer über dem Bauch hoch damit zur linken oder rechten Schulter. Von da wieder nach hinten auf den Rücken und auf Oberschenkelhöhe mit der rechten oder linken Hand gepackt. Das ist die Bremshand. Jetzt reinsetzen und ab die Post.

Wie Hermann Huber berichtet, kamen erst in den 60ern separate Brustgurte aus verknüpften 9mm-Seilstücken auf den Markt. Und bis zur Serienreife des ersten Sitzgurts dauerte es noch bis 1970. Huber weist darauf hin, dass es in der Bergrettung schon seit den 30er Jahren Gurtkonstrukte für den Hüftbereich gab, doch die waren so schwer und unhandlich, dass sie den Bergvagabunden, deren Rucksäcke auch so schon schwer genug waren, wenig einladend schienen. So stiegen sie eben einfach ohne Gurt in die großen Nordwände ein:

Die Lösung der seinerzeit „drei letzten Probleme der Alpen“, die Nordwände von Matterhorn, Grandes Jorasses und Eiger, sowie sämtliche Klettereien aller Schwierigkeitsgrade wurden ohne derartiges Ausrüstungsstück (Hüft-Sitzgurt mit Beinschlaufen, Anm.) durchgeführt, bis in die 1960er Jahre.“

Neben den eigentlichen Aufprallverletzungen durfte man hier im Sturzfall zusätzlich mit schweren inneren Verletzungen durch Seilquetschungen und -einschnitte rechnen. Allerdings ist beim Erschaudern über die Bedingungen früherer Bergunternehmungen zu berücksichtigen, dass die Anzahl solcher Heroen in den damaligen High-End-Touren sehr gering war und sie zur sportlichen Creme de la Creme der Gesellschaft zählten.

Heutzutage wären diese Herrschaften wohl unter den  hochprofessionellen 11er-Kletterern und 8000er-im-Winter-Sammlern. Und sie würden sich im heutigen Auswahl-Dschungel der Gurte wohl eher verirren als in den Spaltenlabyrinthen ihrer abenteuerlichen Gletschertraversen. Gut, dass auch der Gurt in all seiner Pracht und Vielfalt hier ebenfalls schon eine ausführliche Würdigung bekommen hat.

Ab ins Eis: Steigeisen

Nach den Universaltools kommen wir jetzt zu den Spezialisten für hartes Eis und weichen Firn. Die ersten Steigeisen-Vorläufer sollen schon von Spionen des alten Roms erfunden worden sein. Offenbar lagen deren Arbeitsplätze ganz wie beim jüngeren Kollegen James Bond öfter mal in schwierigem Gelände.

Erneute Erwähnung findet die gezackte Steighilfe dann wieder in der Zeit der Renaissance. Holzarbeiter, Jäger, Bergbauern und Mineraliensucher schnallten sich eiserne Dreizacker nach dem Vorbild von Hufeisen unter die Schuhe. Sie dienten eher für steiles Gras, Schrofen und Waldboden als für Eis.

Erst 200 Jahre später erschienen mit der groß angelegten Alpenerschließung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschmiedete Steigeisen, die in ihrer Grundform den heute Gebräuchlichen ähnelten. Verstellbar waren sie noch nicht, sie mussten für jede Schuhgröße einzeln gefertigt werden.

In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden die Eisen zunehmend auch für die Bergsteigerei genutzt. Dabei wurden immer mehr Zacken an den Rahmen geschmiedet, der meist die gesamte Schuhsohle umfasste. Der Zehnzacker kristallisierte sich als Standard heraus. Unter den Alpinisten kam der erste jener alpin-ethischen Dispute auf, die sich später bei den Bohrhaken, dem Flaschensauerstoff  und anderen künstlichen Hilfsmitteln wiederholen sollten:

Die Bergsteiger jener Zeit konnte man grob in zwei Fraktionen aufteilen: Die Tiroler, die Steigeisen grundsätzlich akzeptierten, und die Engländer, die sich als Puristen gegen das neue Gerät als „künstliche Hilfen“ stellten. Edward Whymper, einer der Erstersteiger des Matterhorns, nannte sie „[…] artificial aids on which one cannot depend on dangerous slopes“. Emil Zsigmondy meinte hingegen sinngemäß, die Bergführer in Zermatt würden deswegen keine Steigeisen verwenden, weil das Stufenschlagen damit überflüssig wäre und ihrem Ansehen bei den Kunden Schaden erleide.

Letztlich hat sich diese „künstliche Hilfe“ voll und ganz durchgesetzt. Nachdem sich die Grundform eingependelt hatte, wurde an den Feinheiten geschliffen. Die wichtigsten Innovationen waren die Zweiteilung des Eisens durch ein Gelenk (um 1910) sowie die Erfindung der horizontal aus dem Rahmen ragenden Frontalzacken (um 1935).

Ersteres verbesserte den Halt am Schuh und das Gehverhalten, letzteres ermöglichte die Überwindung steiler, hart gefrorener Eishänge ohne den bis dato hohen Aufwand an Kraft und Zeit.

Der Zwölfzacker mit zwei Frontalzacken ist laut Hermann Huber der „bis heute gültige, bedeutende Entwicklungssprung – für den mehr als Einer gern das gedankliche „Urpatent“ hätte. Grivel schrieb, schon Mitte der Dreißiger Jahre das Eisen mit Frontalzacken erfunden und auch produziert zu haben. Ersteres kann wohl kaum sein, eine frühe (Klein?-)Serien-Produktion sicher schon.

Hier sehen wir erneut die schon erwähnte „Unschärfe“ der Bergausrüstungsentwicklungsgeschichte. Genauer, die Unschärfe ihrer Dokumentation. Da können sich selbst fundierte Kenner wie Hermann Huber manchmal nur auf Vermutungen stützen. Bisweilen setzt sich auch in der Bergwelt wie im Fall Edison und der Glühbirne einfach der geschickteste Selbstvermarkter als „offizeller“ Erfinder für die Geschichtsbücher durch.

Eispickel

Mit seiner Vielseitigkeit ist der Eispickel im vergletscherten Hochgebirge ebenso unentbehrlich wie die Steigeisen. Laut Wikipedia handelt es sich hier um ein Kind, das einst aus einem Gehstock und einem Küchenbeil geboren wurde.

Tatsächlich gibt es ja auch ein gleichnamiges Küchengerät, mit dem man ebenfalls auf hartes Eis einprügeln kann. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn Bergsteiger setzen ihre Stöße und Schläge nicht, um das Eis für einen Drink zu zerkleinern, sondern um sich darauf fortzubewegen.

Die längeren Pickel dienen als Gleichgewichtsstütze und Sturzbremse, die mit dem kurzen Schaft werden Eisgeräte genannt und mit der Haue ins Steileis getrieben, um so als Klettergriffe zu dienen. Manchmal wird der Pickel auch vergraben, um ihn als Fixpunkt für eine Sicherung zu benutzen (was freilich nur im weicheren Firn funktioniert).

Der frühere Haupteinsatzzweck, das Schlagen von Stufen in steilen Firn- und Eisflanken, spielt seit dem Vorhandensein brauchbarer Steigeisen kaum noch eine Rolle.

Für die ersten Hochgebirgs-Eispickel wurde ein Stahlstück mit Haue vorn und Schaufel hinten auf einen langen Holzschaft mit Stahlspitze am anderen Ende montiert. Mittlerweile ist das Holz wegen der steigenden Sicherheitsansprüche durch Aluminium ersetzt, der Stahl wurde um Chrom-Molybdän- und andere Legierungen ergänzt.

Und wann und wo wurde jetzt der erste Bergsteiger-Pickel geschmiedet? Gute Frage, auch hier greift mal wieder die alpinhistorische Unschärferelation. Denn wenn man die unzähligen Hersteller nach der „Geschichte des Eispickels“ fragt, dann antworten die mit der Geschichte ihrer Eispickel.

Vielleicht war es ja eine Schmiede in Chamonix, von der der Schweizer Bergführer Franz Josef Lochmatter laut Wikipedia um 1860 den ersten Pickel ins Mattertal bzw. in die Schweiz brachte. Und die erste Serienfertigung? Die kam vielleicht von dem kleinen Familienbetrieb Bhend aus Grindelwald, der ab 1870 die Alpinisten des „Goldenen Zeitalters“ mit Metallware fürs ewige Eis versorgte.

Die Fortschritte in Sachen Stabilität, Verlässlichkeit, Handling und Vielseitigkeit erfolgten bei den Pickeln etwa im Gleichschritt mit denen der Steigeisen und weisen auch eine ähnliche Kontinuität auf. Die Ausdifferenzierung der Geräte für immer extremere Einsatzzwecke dauert bis heute an.

Keine Zweifel gibt es hingegen darüber, dass es bei den Steigeisen (so wie bei den meisten anderen Ausrüstungsgegenständen auch) vor allem nach überstandener Nachkriegszeit zu einer regelrechten Explosion der Detailinnovationen kam. Dazu gehörten die Anpassbarkeit an verschiedene Schuhgrößen sowie neue Materialien und Formen bei den Bindungen, deren frühere Lederriemen oft für Probleme sorgten. Neue Metalllegierungen reduzierten das Gewicht der Eisen und sorgten für eine Erweiterung und Ausdifferenzierung des Anwendungsbereichs.

Was hat all das mit dem Militär und den Russen zu tun?

Bis hierhin haben wir das Basic-Material für den Aufstieg am Berg historisch mehr oder weniger lückenhaft begutachtet. Zum Abschluss schauen wir uns noch zwei eher ausgefallene aber sicher interessante Aspekte der Equipment-Welt an.

Einer davon ist eher wenig glanzvoll, denn manche der schier unglaublichen Materialfortschritte verdanken wir nicht zuletzt der ständigen Kriegstreiberei auf dem Planeten. Schließlich möchte jedes Militär bei seiner Heimatverteidigung möglichst gute Ausrüstung haben. Und auch im Zeitalter der Drohnen wird fleißig in der Wildnis umhermarschiert und campiert.

So kommt es, dass manch alpine Materialschmiede erst so richtig durchstartete, als das Militär anklopfte. Besonders bei den Steigeisen, den Pickeln und den Karabinern war der militärische Gebrauch eine Triebfeder der Entwicklung. Die Armee war, ist und bleibt (?) ein „guter Kunde“ und Partner der Outdoorbranche.

Doch welche Branche ist schon völlig frei von zweifelhaften Aspekten? Die werfe gerne den ersten Stein. Und immerhin, in Sachen Qualität und Vielfalt kann es am guten Image der Bergsportbranche wohl kaum einen Zweifel geben. Bei fast jedem Gegenstand hat die Entwicklung zu einer Riesenauswahl hochwertiger Varianten geführt, wobei oft auch noch die unterste Preisstufe vielfach getestet und genormt ist.

Allerdings ist diese lobenswerte Entwicklung keineswegs so „global“, wie wir das gerne hätten. Hauptsächlich kommt sie dem Outdoor-Völkchen in den Wohlstandsoasen Mitteleuropas und Nordamerikas zugute. Woanders kommen die alpintechnischen Errungenschaften erst verspätet, nur teilweise oder überhaupt nicht an. So gibt auch heute noch diverse Länder, die weniger konsumverwöhnt sind und trotzdem eine lebendige Outdoor- und Bergsteigerszene aufweisen.

Dort ist dann eine Materialauswahl an der Tagesordnung, die wir hier wohl nicht nur als veraltet, sondern als unzumutbar zurückweisen würde. Das schillerndste Beispiel ist ganz sicher Russlands Bergszene, die hierzulande wegen der vielen unglaublichen Anekdoten aus Robert Steiners Buch „Allein unter Russen“ ein wenig bekannter wurde.

Offensichtlich wird im Reich des Bären noch heute ein Improvisations- und Erfindergeist gepflegt, bei dem sich wohl nie ganz klären wird, ob er allein aus Ressourcen- und Geldmangel oder auch einer gewissen anarchischen Verwegenheit resultiert. Da besteht der Selfmade-Klettergurt schonmal aus alten Anschnallgurten vom Schrottplatz und die „Daunenjacke“ ist aus Muttis alter Steppdecke gefertigt.

Und wenn es  schonmal „richtig“ gekauftes Equipment gibt, wird dies in einer „Effizienz“ genutzt, die den Westalpinisten schon bei der bloßen Vorstellung zusammenzucken lässt. Da machen es sich im Zweimannzelt bei der Eigernordwand-Winterbegehung nicht drei und nicht vier, sondern sieben Kletterer gemütlich.

Es scheint als ob man in Sachen Kreativität und Pragmatismus einiges von der Parallelwelt des Ostens lernen kann. Allerdings soll die Bewunderung nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche „Originalität“ an Felsen und Bergen auch gewisse Nachteile hat. Der Größte besteht darin, dass sie  bei unbedarften Nachahmern schnell mal zu schweren Verletzungen und Tod führt. Deshalb ist sie in Sachen Sicherheitsausrüstung ganz gewiss nicht empfehlenswert.

Vielleicht freuen wir uns doch lieber über die ganz unkreativ normierten Errungenschaften und ihre leichte Verfügbarkeit.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

So war’s beim The North Face Mountain Festival 2017

19. September 2017
Die Bergfreunde

„Jööööhööörn, fahren wir zum Mountain Festival?“ Als meine Kollegin Britta mit dieser lieb vorgetragenen Bitte bei mir vorstellig wurde, war ich ziemlich schnell ziemlich begeistert von der Idee. Schließlich liest sich die Beschreibung des The North Face Mountain Festivals echt gut:

„Klettere Felswände hinauf, wandere und laufe durch atemberaubende Berglandschaften, erlerne die Kunst der Abenteuerfotografie oder der Outdoor-Küche und genieße bei all dem ein völlig neues Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

Klingt ein bisschen Meta, aber hey, immerhin findet das Festival in Lauterbrunnen statt. Ja, genau. DAS Lauterbrunnen. Gelegen im Schatten von Eiger, Jungfrau und Mönch – drei Namen, die das Herz jedes Bergliebhabers vor Freude jubilieren lassen. Und so fiel meine Antwort an Britta auch relativ deutlich aus: Klar fahren wir!

Unter Gleichgesinnten

Als dritter Bergfreund in der Runde ergänzt Thomas unser buntes Triplett, als wir uns an einem Donnerstag Mitte September in die Schweiz aufmachen. Die Fahrt verläuft soweit unspektakulär – zumindest bis kurz vor der Einfahrt ins Lauterbrunnental.

Unsere Augen werden immer größer, fast so groß, wie die riesigen Felswände, die das Tal auf beiden Seiten einrahmen. Feine Wasserfälle rieseln wie Sand herunter und sogar die Sonne blickt nach einem sehr trüben Tag endlich durch die Wolken. Gut so, der Wetterbericht für das Wochenende ist ohnehin eher unschön. Aber das Glück sollte auf unserer Seite sein.

Nach der Ankunft beziehen wir erstmal unser Zelt und schaffen uns einen Überblick. Wo bitte geht es zum Essen? Es ist bereits Abend, als wir das – und das ist an dieser Stelle keine Übertreibung – wirklich extrem leckere Abendessen genießen dürfen. Hier sehen wir auch erstmals das wirkliche Ausmaß dieses Festivals:

Hunderte Bergsportler aus der ganzen Welt haben sich hier versammelt. Wir treffen Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer, Asiaten, Amerikaner, Australier. Wahnsinn! Nach dem Genuss einer etwas unterkühlten Flasche Rotwein und einem Bier genießen wir noch die Band auf der Festivalbühne und ziehen uns bei Zeiten ins Zelt zurück, um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Thomas muss am nächsten Tag schon um 5 Uhr raus zur Gletschertour. Britta und ich dürfen noch etwas länger im schön warmen Schlafsack bleiben.

Bergsteigen, wandern, knipsen

Von Thomas‘ Abgang bekommen wir nicht viel mit. Zum Glück. Denn die Nacht war etwas unruhig und wir sind um jede Minute Schlaf dankbar. Gegen 7:30 Uhr müssen wir dann aber langsam raus. Es ist kalt. Sehr kalt. Die Sonne erreicht das Tal erst am späteren Morgen und in der Nacht haben wir Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.

Dick eingepackt sitzen wir beim Frühstück und genießen den heißen Kaffee. Thomas besteigt heute das Walcherhorn auf knapp 3700 m Höhe und wir haben uns für eine der kürzeren Wanderungen entschieden.

Um 9 Uhr stehen wir also in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Und wir warten. Und warten. Die Kälte kriecht langsam unter unsere Jacken und nach etwa einer halben Stunde geht es dann endlich los. Wir fahren mit der Bahn zur Grütschalp und wandern bergan.

Die Tour ist mit 10 km und 600 hm recht entspannt und bietet uns ein großartiges Panorama mit Blick auf die Eiger Nordwand, die sich majestätisch aufbäumt. Schon ein bisschen genial.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017Die Gruppe ist groß und wir spät dran. Daher teilen wir uns auf. Während die etwas gemächlicheren Wanderer bereits absteigen, geben wir ein bisschen mehr Gas.

Bergab wechseln wir zwischen Speedhiking und Trailrunning, wodurch wir recht zügig unterwegs sind und schließlich mit einer halben Stunde Verspätung wieder im Camp ankommen.

Wir haben kurz Zeit für das Mittagessen, bevor wir weiter zum nächsten Termin eilen: Outdoor-Fotoworkshop. Im Angesicht des Mürrenbachfalls geben uns professionelle Fotografen Tipps, wie wir die Natur perfekt in Szene setzen. Nach eher unspektakulären drei Stunden und einigen hundert Fotos in der Tasche sind wir wieder im Lager. Aber wo ist Thomas?

Eigentlich sollte die Bergsteiger-Truppe schon wieder zurück sein. Wir machen uns frisch und warten mit knurrendem Magen auf den Kollegen, der gegen 19 Uhr am Abend mit freudestrahlendem Gesicht eintrifft. Die für ihn eher entspannte, aber landschaftlich äußerst reizvolle Hochtour hat ihm sichtlich gefallen. Britta und ich sind froh darüber, dass wir uns mit endlich aufs Essen stürzen können.

Am Abend lauschen wir noch einem Vortrag von Hansjörg Auer, der vor allem für seine Free-Solo-Begehung der Route Weg durch den Fisch an der Marmolata Südwand bekannt ist. Eine inspirierende Persönlichkeit. Danach folgt das schon bekannte Programm vom Vorabend. Its Partytime – diesmal mit den Bergfreunden! Immerhin halten wir bis Mitternacht durch, als uns die Müdigkeit langsam in Richtung Schlafsack drängt.

Dünne Luft und atemberaubende Panoramen

Heute sind Britta und ich es, die früh rausmüssen. 6 Uhr ist Abfahrt, 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zeitoptimierung ist angesagt. Schnell in die Bergstiefel rein, den bereits gepackten Rucksack auf die Schultern und ab an die Futterluke. Mit Essen im Bauch, aber ohne Kaffee stehen wir pünktlich um 6 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir treffen die Bergführer am Lauterbrunner Bahnhof, von wo aus unsere Reise zu Jungfraujoch ihren Anfang nimmt.

Mit der Zahnradbahn fahren wir eine gefühlte Ewigkeit auf und später in den Berg. Die vor über 100 Jahren eröffnete Bahn muss ab der Station Kleine Scheidegg noch knapp 10 km und 1500 Höhenmeter bezwingen, die zum Teil durch einen eigens angelegten Tunnel führen.

Der Weg endet schließlich am höchsten Bahnhof Europas am Jungfraujoch – auf zirka 3500 m. Hier tummeln sich auffällig viele Asiaten und eben wir – eine handvoll Freaks, die mit ihrer Bergsteigerausrüstung unter den ganzen Touristen irgendwie auffallen. Komisch. Sind wir denn nicht am Berg?

Das Wetter ist auch heute auf unserer Seite. Über dem Gletscher strahlt die Sonne, so dass wir kurz nach unserem Aufbruch schon die äußere Jackenschicht ablegen können.

Wir sind zu siebt in der Seilschaft und gehen gemächlich über den Aletschgletscher. Wir begutachten die bedrohlich wirkenden Felsspalten, genießen das großartige Wetter und den nicht minder schönen Ausblick. Mir setzt die Höhe ziemlich zu. Das letzte Mal, dass ich auf über 3000 m unterwegs war ist schon etwas her und ich merke, wie mein Herz kräftiger pumpt und mein Kopf dröhnt.

Zum Glück ist das Tempo sehr angenehm und lediglich die kurzen Anstiege lassen mich etwas außer Atem kommen. Britta steckt das ganze deutlich besser weg und strahlt über beide Ohren – verständlich, bei so einem Panorama.

Nach drei Stunden sitzen wir wieder am Bahnhof und warten auf den Zug ins Tal. Es ist schon irgendwie kurios. In der Regel sind die Berge für mich ein Rückzugsort, an dem ich die Ruhe genießen kann. Hier oben auf dem Jungfraujoch hingegen tummeln sich hunderte Touristen in Sneakers und Jeans. Es gibt einen Laden für Luxusuhren und eine Art Schokoladenmuseum. Der Kommerz hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl bei uns.

Ich bin echt kaputt. Das kenne ich sonst gar nicht von mir und hatte eigentlich erwartet, dass ich die Höhe besser wegstecke – so als gut trainierter Trailrunner und Triathlet. Aber hier bewahrheitet sich wohl eine alte Bergsteigerweisheit: Jeder verträgt die Höhe anders. Wir gesellen uns zu zwei Niederländern, mit denen wir uns eine Tafel Schokolade teilen. Der Zucker hilft, mich wieder etwas auf Trab zu bringen.

Allerdings bin ich echt froh, als wir nachmittags wieder im Camp ankommen. Es regnet leicht und wir beschließen, vor dem Abendessen noch eine Mütze Schlaf zu nehmen und dann in den letzten Festival-Abend zu starten. Thomas ist inzwischen auch wieder bei uns und berichtet von einem großartigen Tag am Fels mit herausfordernden Klettereien.

Auf ein Tänzchen mit The North Face

Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir springen schnell unter die Dusche und finden uns kurze Zeit später in der Schlange an der Essensausgabe wieder. Heute gibt es Gegrilltes und auch diesmal ist die Qualität des Essens herausragend gut. Und das ist keine Übertreibung. Lediglich der gegrillte Fenchel raubt uns mit seiner Faserigkeit fast den Nerv.

Nach dem Essen geht es gleich weiter in das große Hauptzelt. Vor der Bühne lassen wir uns mit einem Bierchen auf der Isomatte nieder und lauschen zusammen mit vielen anderen Bergenthusiasten der Podiumsdiskussion mit den The-North-Face-Trailrunnern Seb Chaigneau, Lizzy Hawker und Pau Capell, die von ihren Rennen, ihrem Leben und ihrer Motivation berichten.

Das Highlight des Abends sind dann aber zwei andere Akteure. Nach den Trailläufern betreten Simone Moro und Tamara Lunger die Bühne. Sie sprechen über Erfolg, Scheitern, Freundschaft und der Liebe zu den Bergen und der Natur. Ich habe selten so einem inspirierenden und lustigen Vortrag lauschen dürfen. Die beiden sind wirklich überaus sympathisch und haben das Herz am rechten Fleck.

Nach einem langen Applaus ist er angebrochen – der letzte Partyabend des Mountain Festivals. Und er sollte legendär werden. Ohne zuviel zu verraten: Die versammelten The-North-Face-Athleten haben durchaus viel Spaß am Feiern und Pogo tanzen.

Das kleine Finale

Mit noch weniger Schlaf als am Vortag krabbeln Britta, Thomas und ich aus dem Zelt. Ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee und ein letztes Mal an den Berg. Britta geht heute klettern, Thomas und ich drehen eine Runde mit den Trailrunnern. Wieder haben wir tierisch Glück mit dem Wetter.

Unsere Truppe wird angeführt von Seb Chaigneau, der am Abend noch mit auf der Couch saß und von Angesicht zu Angesicht mindestens genauso sympathisch rüber kommt, wie zuvor schon auf der Bühne.

Nach einer eher kurzen, aber durchaus intensiven Runde kommen wir wieder am Camp an. Etwas wehmütig sitzen Thomas und ich auf einer der vielen Holzsitzkonstruktionen und überblicken das Gelände. Wie es immer so ist mit den schönen Dingen im Leben… Sie gehen einfach zu schnell vorbei.

Nachdem wir uns noch eine kleine Stärkung gegönnt haben, packen wir unsere Sachen und beladen das Auto. Ein letzter Streifzug über das zermatschte Grün und wir sagen Adieu zu diesem wunderbaren Ort. Eine halbe Stunde später haben wir auch Britta am Kletter-Spot eingeladen und machen uns schließlich endgültig auf dem Weg ins Schwabenland.

Ein großes Lob gilt zum Schluss natürlich den Organisatoren von The North Face. Ich will nicht untertreiben – wenn man von manch etwas längerer Wartezeit absieht, hatten wir eine extrem schöne Zeit, mit vielen aufregenden, internationalen Begegnungen, guter Musik, gutem Essen, „Stars“ zum Anfassen und natürlich jeder Menge Berge.

Das Mountain Festival solltet ihr euch auf jeden Fall für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten, wenn ihr Lust auf ein verlängertes Wochenende mit zahlreichen Aktivitäten in den Bergen habt!

Ultraleichte Schuhe Kaufberatung

Nimms leicht – Outdoorschuhen aufs Gewicht geschaut

14. September 2017
Ausrüstung, Kaufberatung

Letzten Sonntag war ich im Wald zum Pilze suchen. Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet, so dass ich davon ausgehen konnte, auf eine ordentliche Portion Matsch zu treffen. Normalerweise trage ich für solche Touren durch den heimischen Wald ausgediente Laufschuhe oder meine Zustiegsschuhe. Da ich aber sicher war auf eine Schlammlandschaft zu stoßen, hatte ich mich diesmal für meine schweren, ledernen Bergstiefel entschieden.

Generell war das auch ein guter Entschluss, weil ich so tatsächlich trotz ziemlich durchweichtem Wald wieder mit trockenen Socken zu Hause angekommen bin. Auf der anderen Seite waren diese schweren Treter aber für das Gelände der komplette Overkill und ich war froh, als ich wieder auf leichteres und bequemeres Schuhwerk wechseln konnte. Aber muss das wirklich sein? Gibt’s nicht auch leichtere Alternativen?

Der Weg zum richtigen Schuhwerk

Wenn ihr euch fragt, welches Paar Leichtgewichts-Schuhe nun für euch und eure Touren genau das Richtige ist, dann solltet ihr euch zuvor über ein paar Dinge Gedanken machen. So ist es beispielsweise wichtig, dass die Schuhe nicht nur zu der Tour und deren Gelände passen, sondern auch für die Jahreszeit geeignet sind in der ihr gehen wollt. Außerdem ist eine gute Passform für das Fußwohl maßgeblich entscheidend. Worauf ihr bei der generellen Suche nach Wander- bzw. Outdoorschuhen noch achten solltet, das verrät euch unser Blogbeitrag „Die richtigen Schuhe für dein Outdoor-Abenteuer“.

An dieser Stelle wagen wir allerdings einen Blick in die bunte Welt der Wander-, Trekking- und Bergschuhe und schauen uns an, wo wir sinnvoll an der Gewichtsschraube drehen können.

Leichte Schuhe für gemäßigtes Gelände

Wie bei meiner sonntäglichen Pilztour durch den Schwarzwald braucht es nicht immer ein schweres Paar Bergschuhe. Gerade in Mittelgebirgen reichen leichtere Wanderschuhe in der Regel völlig aus. Leichtwanderschuhe sind, wie der Name schon sagt, leichter als ihre „normalen“ Kollegen. Das liegt vor allem daran, dass sie meist mit nur halbhohem Schaft oder gleich als Halbschuhe daherkommen. Auch wird bei Leichtwanderschuhen nicht selten auf einen Geröllschutz und dergleichen verzichtet, sodass hier deutlich Gewicht eingespart werden kann.

Wer also in vergleichsweise einfachem Gelände unterwegs ist und auch nur leichtes Gepäck dabei hat, sollte sich diese Gruppe definitiv einmal näher ansehen. Leichtwanderschuhe mit halbhohem Schaft, also klassische Vertreter der Kategorie A, schlagen meist mit einem Gewicht ab 450 Gramm zu Buche.

Gerade für Ultraleichttouren kommen aber auch immer wieder Trailrunningschuhe zum Einsatz. Modelle wie Roclite 325 GTX von Inov 8 verfügen über ein Gewicht von weniger als 350 Gramm und bieten dafür einen halbhohen Schaft sowie eine extrem griffige Sohle. Als weitere Alternative wäre hier auch der Einsatz von Barfußschuhen denkbar, jedoch gehen diesbezüglich die Meinungen weit auseinander.

Die einen befürworten diese vergleichsweise freie und natürliche Form des Gehens, andere wiederum berichten von Problemen, die aufgrund von fehlender Muskulatur und Gewöhnung auftreten können. Wer diesen Schuhtyp dennoch fürs Wandern ausprobieren möchte, dem sei geraten mit vergleichsweise kurzen und einfachen Teststrecken zur Eingewöhnung zu beginnen. Auch Gepäck sollte bei diesen Eingewöhnungsrunden nicht mitgenommen werden. Barfußschuhe sind selbstverständlich recht leicht und fallen so kaum ins Gewicht.

Leichte Schuhe für ausgesetztes und wegloses Gelände

Für anspruchsvolleres Gelände und Mehrtagestouren in Verbindung mit schwerem Gepäck sind Trekkingschuhe der Kategorie B oder B/C bestens geeignet. Hierbei handelt es sich jedoch meist um vergleichsweise schwere Treter, die für maximale Trittsicherheit sowie eine optimale Stabilisierung des Sprunggelenks sorgen. Auch empfehlen sich Schuhe dieser Art für Personen, die Probleme mit den Bändern haben und zum Umknicken neigen.

Außerdem fallen viele Trekkingstiefel in die Kategorie „bedingt Steigeisenfest“ und können problemlos mit Steigeisen mit Riemchenbindung sowie Grödel getragen werden. Wie gesagt, Trekkingstiefel sind nicht gerade Leichtgewichte, doch auch in dieser Gattung gibt es Modelle, die mit einem deutlich reduzierten Gewicht daherkommen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die S-Lab X Alp Carbon 2 GTX von Salomon. Diese Schuhe wiegen noch knapp unter einem Kilo und zählen zu den Leichtgewichten dieser Klasse. Dennoch sind sie deutlich schwerer als Ihre Kollegen aus dem Leichtwander- oder Trailrunningbereich, können dafür aber auch mehr.

Leichte Schuhe fürs Hochgebirge

Für Geröll, Firn und Eis müssen definitiv ordentliche Bergstiefel her. Diese verfügen über eine steigeisenfeste Sohle und bieten auch in unwegsamem Gelände ausreichend Stabilität. Im Allgemeinen können Bergschuhe mit Kipphebelsteigeisen getragen werden. Je nach Modell lassen sich hier Halbautomaten (vorne mit Körbchen) oder Automaten (vorne mit Bügel) befestigen. Auch ein hochgezogener Gummirand, der vorwiegend als Geröllschutz dient gehört hier in der Regel mit dazu.

Kein Wunder also, dass wir uns hier weit außerhalb des Ultraleichtbereichs bewegen. Aber trotzdem gibt es auch unter den Bergstiefeln der Kategorie C leichtere und schwerere Vertreter. Schauen wir uns also beispielsweise einmal die Badile Combi II GTX  von Hanwag an. Diese Bergschuhe bringen alles mit, was bei Touren im hochalpinen Gelände gefragt ist. Dennoch kommen sie mit einem vergleichsweise geringen Gewicht von lediglich 1080 Gramm daher. Dafür gibt es aber eine ausreichend ausgesteifte und für halbautomatische Steigeisen geeignete Sohle sowie einen ordentlichen Geröllschutz. Als Alternative kann man sich hier auch den etwas weniger als 1200 g (pro Paar) schweren Trango Guide Evo GTX von La Sportiva anschauen.

Vor-und Nachteile von leichtem Schuhwerk

  • Vorteil 1 – Gewichtsersparnis

Klar, wer mit leichten Schuhen unterwegs ist, der muss weniger Gewicht mitschleppen und das wirkt sich nun einmal bei jedem Schritt aus. Dies zeigt sich gerade bei gestuftem Gelände, da der Fuß mit weniger Ballast daherkommt und schlussendlich das Gehen ermüdungsfreier ausfällt. Auch wenn die Wanderschuhe im Rucksack transportiert werden, fallen sie so weniger schwer ins Gewicht.

  • Vorteil 2 – Komfort

Leichte Schuhe sind in der Regel flexibler und weicher als ihre schweren Verwandten. Somit sind sie normalerweise automatisch auch bequemer. Gerade an warmen Tagen ermöglichen sie oft auch eine bessere Belüftung und sind aufgrund des oft deutlich niederen Schafts generell nicht so warm wie höhere Wanderschuhe.

  • Nachteil 1 – Verletzungsgefahr

Was auf der einen Seite ein Plus an Komfort mit sich bringt, birgt auf der anderen Seite aber auch ein höheres Verletzungspotenzial. Denn gerade weiche und flexible Schuhe mit niedrigem Schaft, unterstützen den Fuß deutlich schlechter, als ihre höher geschnittenen Kollegen.

  • Nachteil 2 – Wetterfestigkeit und allgemeine Eignung

Keine Frage auch im Bereich der Trailrunning- und Leichtwanderschuhe gibt es vergleichsweise wetterfeste Modelle mit Membran. Bei Matsch und Regen geht das sicherlich auch noch, wobei es bei tiefem Schnee schon schwieriger wird, da der Schnee ohne hohen Schaft schneller seinen Weg in den Schuh findet. Plant man aber Touren, die beispielsweise das Tragen von Steigeisen erfordern, braucht man deshalb Schuhe mit einer geeigneten Sohle.

Ultraleichtes Schuhwerk – das Fazit

Gerade im Bereich der Outdoor-, Wander- und Trekkingschuhe ist es schwierig ultraleichte Ausrüstung zu finden. Bei der Recherche zu diesem Thema musste ich immer wieder an den Ausspruch eines guten Freundes denken: „Man kann auch mit Skischuhen joggen gehen!“. Soll heißen zweckentfremden kann man viel, nur ob das wirklich auch Sinn macht ist die Frage. Klar könnte man auch mit Badelatschen im hochalpinen Gelände unterwegs sein (die Sherpas in Nepal zeigen sehr eindrücklich wie das geht), aber dennoch würde ich davon abraten nur zugunsten einer hohen Gewichtsersparnis zu derart krassen Maßnahmen zu greifen.

Meiner Meinung nach ist das wichtigste Kriterium bei Schuhen ohnehin nicht das Gewicht, sondern dass sie optimal passen und auch nach langen Tourentagen noch nicht drücken. Denn die höchste Gewichtsersparnis am Schuhwerk bringt nichts, wenn man das gleiche Gewicht als Blasenpflaster im Rucksack mitschleppen muss. Fun Fakt: Ein Päckchen Blasenpflaster wiegt rund 15 Gramm.

Die Geschichte der Berg- und Kletterschuhe

Von Stroh und gelben Octagons: die Entwicklung des Berg- und Kletterschuhs

14. September 2017
Ausrüstung

Es soll bitte schön ein filigranes Gebilde aus vielen miteinander verbundenen Einzelteilen sein. Beweglichkeit in alle Richtungen und in sich selbst muss dabei ebenso gewährleistet sein, wie eine bei Bedarf explosive Schnelligkeit. Trotzdem muss das Ganze äußerst kompakt und robust sein, da es ein Vielfaches seines Eigengewichts zu tragen hat. Ach ja, und es sollte zudem möglichst verschleißfrei bleiben.

So in etwa würde der Bestellzettel lauten, wenn man einen menschlichen Fuß in Auftrag geben wollte – dennoch ließ sich dieses Meisterstück kosmischer Ingenieurskunst, mit seinen 26 durch Gelenke, Bänder und Sehnen zusammengehaltenen Knochen, bislang weder in China noch sonst wo auf Erden kopieren. Sicher, es gibt Roboterfüße, doch können die auch klettern, seiltanzen und Fußball spielen?

Die enorme Komplexität der Füße erklärt, warum auch deren bergtaugliche Beschuhung eine enorm komplexe Angelegenheit ist. Enorm komplex? Ja, richtig, denn Berg- oder Kletterschuhe müssen schließlich mehrere der oben genannten Aufgaben übernehmen: Reibung und Scherkräfte unter rhythmischer, hoher Gewichtsbelastung wegstecken und dabei trotzdem die Bewegungen ein Stück weit „mitmachen“, ohne jedoch dabei die Formstabilität zu verlieren. Dann sollen sie die Füße zwar bitte optimal schützen, aber weder zu sehr einschnüren noch das Gefühl für den Untergrund einschränken.

Schuh-Steinzeit: die längste Schuh-Geschichtsepoche

Wegen dieser verzwickten, sich teils widersprechenden Anforderungen hat es mit der Entwicklung von wirklich guten Bergschuhen auch ein wenig länger gedauert. Genauer gesagt so um die 12.000 Jahre, von den ersten sandalenartigen Flechtwerken bis zu den heutigen Hightech-Tretern. Auch diese Zeitspanne verlief – wie die meisten anderen Entwicklungen der Menschheitsgeschichte – größtenteils ereignisarm, um dann in der jüngsten Vergangenheit regelrecht zu explodieren.

Am Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen war jedenfalls noch nicht allzu viel los, als „Ötzi“ dort vor gut 5200 Jahren ums Leben kam. Der wohl berühmteste Bergverschollene aller Zeiten trug dabei eine Kombination aus ledernem Innen- und Außenschuh, der innen mit Heu als Wärmeisolierung gefüllt war.

Auf die Zeit des Ötzi schätzt man im Südtiroler Museum für Archäologie auch allgemein das Aufkommen der ersten „Bergschuhe“ des Alpenraums: Lederriemen, die unter die Fußsohlen gezogen waren, um die Traktion auf felsigem Untergrund zu verbessern.

Das Leder blieb bis ins 20. Jahrhundert sowohl für den Schaft als auch für die Sohle das Material der Wahl. Das lag nicht zuletzt daran, dass es kaum Alternativen gab. Andere verfügbare Materialien waren entweder zu weich und zu empfindlich oder zu hart, steif und spröde. Kautschuk und Gummi waren zwar seit der Erfindung der Vulkanisation 1839 auch für Schuhsohlen bekannt, doch beim alpinistischen Einsatz kamen sie schnell an Grenzen.

Auch das ausreichend stabile Verbinden der verschiedenen Stoffe war mangels ausgefeilter Klebe- oder Nähverfahren schwierig. Einzelne Schustereien produzieren zwar schon im 19. Jahrhundert bessere Schuhe mit neuen Verfahren wie der Zwienaht, doch das bleiben eher Einzelstücke, maßgefertigt für eine gut betuchte Kundschaft.

Bevor nicht eine größere Zahl an Menschen in die Berge ging, war das Innovationspotential begrenzt, denn es gab es nicht genügend (finanziellen) Anreiz, viel Zeit, Geld und Mühe in den technischen Fortschritt des Schuhwerks zu investieren. So waren selbst die Alpinisten im „goldenen Zeitalter“ der großen alpinen Erstbesteigungen noch mit „Bergschuhen“ unterwegs, die manch einer heute nicht mal mehr für einen Waldspaziergang anziehen wollte. Auch wenn der rustikale Nägel- und Metallbeschlag sicher interessierte Blicke auf sich ziehen würde.

Am Fuße der Dolomiten: Die erste Bergschuh-Industrie

Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Massengesellschaft an Großstadtmenschen „gereift“ war, begannen auch Normalbürger das Herumlaufen im Gebirge als eine erholsame und erstrebenswerte Tätigkeit zu betrachten, die eines guten Schuhwerks würdig war.

Es ist daher bestimmt kein Zufall, dass die ersten erfolgreichen Gehversuche einer hochwertigen Bergschuh-Fabrikation in Norditalien stattfanden, in der stark verstädterten Po-Ebene zu Füßen einer unendlichen Auswahl an Alpenbergen.

Besonders in der Dolomitenregion war auch die Tradition des Schuhmachers in der Kultur verwurzelt. Es entstanden hier ab dem ersten Weltkrieg Bergschuh-Schmieden wie Scarpa, La Sportiva oder Asolo, die heute noch klangvolle Namen in der Branche sind.

Man orientierte sich bei der Konzeption von Bergschuhen vor allem an den schon vorhandenen Spezialschuhen für Förster und Jäger. Bis zum zweiten Weltkrieg entsteht so immerhin schon eine gewisse Auswahl robuster Treter, die sich für raues Gelände eignen und die Kletter- und Berg-Elite nicht davon abhalten, den 6. Grad im Fels zu meistern (vor allem die italienischen „Sestogradisti“) und in schwierigste Alpenwände einzusteigen.

Dabei tanzte man allerdings in Sachen Risiko stets auf einer Rasierklinge. Selbst auf einfachen Touren waren jederzeit materialbedingte Überraschungen möglich. Noch 1935 kommt es an der Punta Rasica (3305 m) an der schweizerisch-italienischen Grenze zu einem Bergunglück, bei dem sechs Bergsteiger wegen untauglichen Schuhwerks sterben.

Diesen Unfall nahm ein gewisser Vitale Bramani zum Anlass, eine neuartige, wasser- und winterfeste Gummisohle zu entwickeln und zu patentieren. Die neuen Sohlen, die fortan „Vibram“ heißen sollten, sind bis heute in fast jedem hochwertigen Bergschuh verbaut.

Von Wasserdichtigkeit des ganzen Schuhs, Atmungsaktivität oder anderem heute selbstverständlichen Komfort ist hier allerdings noch nicht die Rede. Generell hielt sich der Komfort angesichts der Zwischen- und Innensohlen aus Leder bei noch nicht vorhandenen Dämpfungen bis in die 70er Jahre sehr in Grenzen.

Selbst Spitzenbergsteiger hantieren mit selbst gebauten Provisorien herum, die man heute wohl als haarsträubend bezeichnen würde. So bastelten sich Louis Lachenal und Lionel Terray für ihre Begehung des Walkerpfeilers 1946 ihre „Profilsohlen“ aus Stücken von Autoreifen.

Gängige Methode war zu dieser Zeit auch, in schwierigen Passagen kurzerhand die Bergschuhe auszuziehen und mit Socken oder barfuß zu klettern.

Späte Durchbrüche

Erst gegen Ende der Siebziger waren die wesentlich leichteren Kunststoffe durch Firmen wie Gore-Tex weit genug entwickelt worden, um in Bergschuhe eingearbeitet werden zu können.

Nach und nach wurden dann die Rollen getauscht und das Leder wurde zum ergänzenden Material für verstärkte Einsätze an empfindlichen Zonen wie den Schnürösen. Die Stiefel werden leichter und zugleich ergonomischer.

„Richtige“ Bergschuhe unterscheiden sich mit Eigenschaften wie Steigeisenfestigkeit und Wasserdichtigkeit immer deutlicher von einfachen Wanderschuhen. Es entstehen immer mehr verschiedene Modelle und Kategorien von Bergschuhen.

Der deutsche Hersteller Meindl erfindet 1976 eine Skala von A bis D, die seitdem genutzt wird, um Bergschuhe nach Anwendungsbereichen zu klassifizieren.

In den Achtzigern kommen diverse Kunststoff-Polymere wie EVA und Polyurethan hinzu, die stabil und haltbar, aber dennoch flexibel und leicht sind. Da Leder knapp und teuer ist, während erdölbasierte Kunststoffe in Hülle und Fülle „sprudeln“, sinkt ab den Siebzigern auch das Kosten- und Preisniveau signifikant. Begleitet wird das Ganze durch Mauerfall, Globalisierung und die Verteilung der Produktionsstätten rund um den Globus.

Kletterschuhe mit Spätstart

Bis hierhin fiel noch kein Wort zu den Kletterschuhen, warum eigentlich? Nun, so präsent und selbstverständlich sie heute scheinen, so spät tauchten sie erst auf der Bildfläche auf.

Bis in die siebziger Jahre war Kletterei in aller Regel mit klassischen Bergschuhen oder improvisierten Schlappen, oft Marke Eigenbau angesagt. Bis dahin waren selbst die „normalen“ Bergschuhe mit Vibram-Sohlen  nicht nur teuer, sondern oft auch schwer zu bekommen.

Improvisierte „Kletterpatschen“ gab es zwar längst, doch diese „Homemade-Produkte“ waren alles andere als stabil und haltbar. Da wurden teils dicke Socken mit Filz verstärkt oder um Leinenschuhe wurde irgendein Flechtwerk gepfriemelt.

Im Elbsandsteingebirge, dem wohl ältesten „Sportklettergebiet“ der Welt, hatte man Kaminkehrerschuhe verwendet, in den USA indianische Mokassins. Dass deren Reibungswerte nicht immer wirklich prickelnd waren, kann man sich denken.

Die heute gängigen Kletterschuhe mit den vorgespannten, über den Schaft gezogenen „Reibungssohlen“ kamen erst Jahrzehnte nachdem sich das Klettern an kleine(re) Felsen schon als eigene Sportart etabliert hatte.

Denn auch hier gilt, dass hochwertiges Material in Serienreife und bezahlbarer Massenverfügbarkeit erst dann aufkommt, wenn genügend Nachfrage besteht. Das war im Falle der Sportkletterer, die eine weniger steife Sohle mit „mehr Gefühl“ benötigten, als die klassischen Bergsteiger, frühestens Ende der Siebziger der Fall. Zur wirklichen Massenbewegung wurde das Sportklettern nochmals viel später –  in etwa um die Jahrtausendwende.

Die heute allgegenwärtigen „Patschen“ hat der Tiroler Spitzenkletterer Heinz Mariacher zu Beginn der Achtziger in ausgereifter Form entworfen.

Dabei arbeitete er mit den schon bei den Bergschuhen führenden Herstellern La Sportiva und Scarpa zusammen. Neue Gummimischungen ermöglichten eine profillose und dennoch extrem raue Sohle. Sie hatten damit einen wesentlichen Anteil an der enormen Schwierigkeitssteigerung der letzten drei Jahrzehnte und ermöglichen es heute Klettereinsteigern, binnen kürzester Zeit Passagen zu klettern, die noch vor kurzem an der Grenze des Möglichen lagen.

Ausblick: schöne neue Welt?

Gegenwärtig sind die Berg- und Kletterschuhe auf einem Komfort, Vielfalts- und Komplexitätsniveau angelangt, das kaum noch zu toppen scheint.

Zumindest wenn wir weiterhin selbstständig und „auf eigene Gefahr“ gehen und kraxeln wollen. Ansonsten ist in unserer vollvernetzten Vollkaskogesellschaft so einiges denkbar. Wie wäre es für den Anfang mit ein paar kleinen Seitenairbags im Schaft? Dann können wir mit smarter Elektronik und Nanotechnik nachlegen, die uns vor überkommenen Unannehmlichkeiten und Risiken wie Schwitzen und Stolpern schützt. Solche Malheurs gehören dann ebenso einer peinlich rückständigen Vergangenheit an wie Blasen und Geruchsbelästigung.

Noch mehr Fortschritt bringt dann selbstdenkendes Smart-Schuhwerk, das immer öfter helfend eingreift und uns von weiteren unverantwortlichen Risiken wie Ausrutschen befreit. Das wäre doch super: statt sich gegen Ende einer langen Tour übermüdet auf der letzten Geröllhalde vor der Hütte abzuplagen, einfach Autopilot am Screen anwischen und die Latschen machen lassen.

Wenn jetzt schon das selbstfahrende Auto anrollt, warum soll dann nicht der selbstlaufende Bergschuh hinterherdackeln – selbstverständlich mit 5G-Netz und eigener Facebookseite im Internet der Dinge.

Wanderstöcke Technik title

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

14. September 2017
Tipps und Tricks

Geh in die Berge, haben sie gesagt. Da ist es schön, haben sie gesagt. Niemand hat aber gesagt, dass es auch ziemlich anstrengend werden kann. Und schon gar niemand hat gesagt, dass es mit Stöcken deutlich angenehmer hätte sein können.

Das ist einer dieser Aha-Momente, die man beim Bergsteigen immer mal wieder hat. Zumindest ging es mir so, als ich das erste Mal mit Trekkingstöcken unterwegs war. Bessere Stabilität, Entlastung und dadurch letztlich ein rundum wesentlich angenehmeres Bergerlebnis.

Doch wie so oft ist es nicht einfach damit getan, Stöcke in die Hand zu nehmen und loszulegen. Ein paar technische Kniffe gibt es zu beachten, damit das Ganze auch wirklich funktioniert. Welche das sind, wollen wir euch natürlich verraten, aber erstmal…

Das Für und Wider – Trekkingstöcke, Ja oder nein?

Es gibt durchaus viele Vorteile, die man aus dem Einsatz von Wanderstöcken ziehen kann. Da ist unter anderem die schon erwähnte Entlastung der Gelenke und Muskeln im Unterkörper, z.B. beim Bergabgehen, die je nach Dauer der Tour einige Tonnen betragen kann. Hinzu kommt, dass die Stöcke gerade beim Überqueren von Flüssen oder Firnfeldern für nötige Stabilität sorgen oder beim Traversieren die Trittsicherheit und Balance verbessern. Letztlich helfen die Stöcke sogar, die Haltung zu optimieren: der Rücken ist gerader und wir laufen insgesamt „besser“.

Was aber spricht gegen den Einsatz von Stöcken? Da wäre zum Beispiel der Aspekt, dass sich Stöcke in schwierigem Gelände schnell mal verkanten und dadurch für Probleme sorgen können. Gerade in seilversicherten Passagen können Stöcke außerdem recht unhandlich sein und Kritiker merken immer wieder an, dass man durch exzessiven Stockeinsatz den Gleichgewichtssinn nicht trainiert. Letztlich sind Stöcke natürlich auch nicht davor gefeit zu brechen, weshalb man in gefährlichen Situationen niemals voll auf das Material vertrauen sollte.

Die medizinische Kommission der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) empfiehlt Stöcke vor allem:

  • in hohem Alter.
  • wenn Übergewicht vorliegt.
  • wenn Erkrankungen der Gelenke oder Wirbelsäule vorhanden sind.
  • wenn schwere Lasten getragen werden.

Die passende Länge einstellen

Wenn man sich aus der großen Bandbreite unterschiedlicher Trekkingstöcke das richtige Paar ausgesucht hat (Hilfe gibt’s hier) steht man erstmal vor der Frage „Wie lange müssen die Stöcke eigentlich sein?“ Hier hilft eine einfache Grundregel: Sie sollten so hoch sein, dass der Arm einen Winkel von 90 Grad erreicht, wenn man den Stockgriff in Händen hält und der Stock senkrecht auf dem Boden steht. Bei starken Gefällen kann man die Stöcke etwas verlängern und bei steilen Anstiegen etwas verkürzen. Achtet beim Einstellen darauf, dass die Verschlüsse auch wirklich fest sind, damit die Stöcke nicht kollabieren.

Pro-Tipp: In großer Höhe oder besonders kalten Regionen sollten die Stöcke so lange sein, dass der Armwinkel leicht geöffnet ist, damit die Hände unterhalb der Ellenbogen liegen und so genug Blut hinein fließt.

Die optimale Länge könnt ihr übrigens auch ganz einfach mit unserem Stocklängen-Rechner herausfinden.

Der richtige Griff

Ein beliebter Fehler bei der ersten Tour mit Stöcken ist der falsche Griff, bei dem die Schlaufe oft einfach von oben eingefädelt wird. Richtigerweise sollte man von unten durch die Schlaufe greifen, so dass man selbst mit geöffneter bzw. lockerer Hand Druck auf den Stock ausüben kann. Dadurch kann man die Hände bei der Ausholbewegung öffnen, ohne auf die Entlastung zu verzichten. Außerdem verkrampfen die Hände dadurch nicht zu sehr.

Bei einer Traverse kann es hilfreich sein, wenn man den bergseitigen Stock an der Griffverlängerung greift – sofern vorhanden. Den talseitigen Stock sollte man wie einen Knauf halten, damit man sich damit besser Abstützen kann. Im Zweifel wird übrigens empfohlen, die Hände bei einer Traverse nicht in der Schlaufe zu haben, so dass man sie im Notfall frei hat.

Die Wanderstöcke richtig einsetzen

Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen ist es ratsam, die Stöcke immer nah am Körper zu halten. In flachem Gelände sind die Stöcke diagonal und werden abwechselnd eingesetzt, entsprechend dem natürlichen Bewegungsmuster. Prinzipiell handelt es sich hier um die Nordic-Walking-Technik, nur ohne bewussten Krafteinsatz. Natürlich kann man sie hier auch am ehesten weg lassen.

In steilerem Gelände ist der Doppelstockeinsatz die sinnvollere Variante. Die Stöcke werden in der Regel bei jedem zweiten Schritt gesetzt und man drückt sich kraftvoll mit beiden Armen nach oben. So sind Stabilität und Entlastung gewährleistet. Auch bergab ist die Doppelstocktechnik die beste Wahl. Man sollte aber nach Möglichkeit nicht stochern, sondern den Griff normal greifen und vor allem auf eine saubere Technik achten, damit man nicht weg rutscht, stolpert und im schlimmsten Fall stürzt.

Was jetzt? brauch ich Stöcke oder nicht?

Die Antwort auf die Frage, ob man Wanderstöcke immer dabei haben sollte, ist also ein weithin hallendes JEIN.

Sinnvoll sind sie allemal, aber eben nur dann, wenn man sie auch richtig zu nutzen weiß und einige einfache Regeln berücksichtigt. Denn sonst können sie unnütz und maximal sogar hinderlich sein. Vielleicht kann eine gute Handlungsempfehlung sein, die Stöcke mal zu nutzen – vor allem bei technisch schwierigen Touren – und mal lieber zuhause zu lassen, denn ohne Stöcke wird der Gleichgewichtssinn besser geschult und die Muskeln trainiert.

Wie haltet ihr das? Stöcke ja oder nein? Wir freuen uns über eure Kommentare!

Ultraleichte-Bekleidung-Titel

Ein Hauch von Nichts – (ultra)leichte Bekleidung

14. September 2017
Ausrüstung

Erinnert Ihr euch noch an den Oversizelook der 1990er und frühen 2000er? Diese riesigen Klamotten die immer irgendwie nach Kartoffelsack ausgesehen haben? Mir ist neulich ein Vertreter dieser Gattung im meinem „Outdoorkleiderschrank“ in die Finger gekommen.

Heute trage ich diese Jacke maximal noch zum Schneeschippen, aber damals bin ich damit auch auf Hochtouren unterwegs gewesen. Dass so eine Jacke dann schnell mal über ein Kilo auf die Waage bringen konnte, hat mich einfach nicht interessiert, wir waren schließlich jung und hatten kein Geld. Heute bringt mich das aber zu der Frage: Wie sieht es aus, wenn man auch bei Hose, Jacke und Co. gezielt Gewicht einsparen möchte? Was braucht es unterwegs wirklich und wie sehen leichte Alternativen zu althergebrachten Kleidungsstücken aus?

Schauen wir uns also ganz gezielt leichte Outdoorkleidungsstücke an. Zur besseren Übersicht werden wir uns dabei aber nur auf größere Kleidungsstücke wie Jacken, Hosen und Shirts beschränken, da sich hier der Löwenanteil an Gewicht sparen lässt. Kleinteile wie Socken und Unterwäsche werden wir gezielt aussparen. Schauen wir uns also einmal den ultraleichten Dresscode  genauer an.

Ultraleichter Wetterschutz

Wer viel draußen unterwegs ist, der wird das kennen: Nicht immer ist der Wettergott milde gestimmt und selbst an Tagen mit strahlendem Sonnenschein steht gerne am späten Nachmittag ein regenreiches Gewitter ins Haus. Aus diesem Grund ist es eigentlich immer ratsam, einen geeigneten Wetterschutz in Form einer Hardshelljacke und vielleicht einer Regenhose im Gepäck zu haben. Da diese Kleidungsstücke nicht selten auch weite Strecken im Rucksack getragen werden, lohnt es sich hier einmal genauer aufs Gewicht zu schauen.

Ultraleichte Hardshelljacken

Was aber unterscheidet eine herkömmliche Hardshelljacke von der ultraleichten Hardshelljacke? Das ist eigentlich ganz einfach: was an ultraleichten Hardshelljacken nicht dran sein muss, das ist auch nicht dran. Auch kommen besonders leichte Materialien zum Einsatz.

Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT von Berghaus kommen auf nicht einmal 100 Gramm und stellen somit in Sachen Gewicht eine echte Kampfansage dar. Allerdings tummeln sich in dieser Gewichtsklasse zahlreiche Jacken, die aufgrund des dünnen Stoffs nicht für das Tragen eines Rucksacks ausgelegt sind. Somit können Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT zwar für Bewegungsintensive Sportarten wie Trailrunning hergenommen werden, taugen aber für den Trekkingbereich nicht.

Wer es hingegen rucksacktauglich braucht, wird sich in Sachen Gewicht voraussichtlich irgendwo zwischen 150 und 200 Gramm einpendeln. Ein typischer Vertreter dieser Gattung ist die Flashpoint Jacket von Rab. Diese Jacke bringt mit rund 185 Gramm alles mit, was eine wetterfeste Jacke können sollte und kann obendrein die Belastung durch einen Rucksack problemlos wegstecken.

Ultraleichte Hardshellhosen

Hardshellhosen kommen in den unterschiedlichsten Formen daher. Von der Skitourenhose bis hin zur einfachen Überhose gibt es in diesem Bereich nahezu nichts, was es nicht gibt. Um aber beim Thema zu bleiben, wollen wir uns hier nur mit Hardshellhosen befassen, die für Wanderungen, Trekking- oder Radtouren als Regenschutz hergenommen werden können.

Wer also in diesem Bereich nach einer ultraleichten aber trotzdem wetterfesten Hose sucht, der wird wahrscheinlich bei Modellen wie der Atomic Pants von Montane landen. Diese Hosen schlagen in der Regel mit einem Gewicht von ca. 150 bis 200 Gramm zu Buche und eignen sich gerade für Wanderungen und Trekkingtouren bestens.

Wer beispielsweise auf Gletschern unterwegs ist und die Hardshellhose auch in Verbindung mit Steigeisen tragen möchte, der sollte nach robusteren Modellen mit verstärktem Beinabschluss suchen, hier bewegt man sich jedoch in der Regel außerhalb des Ultarleichtspektrums.

Federleichte Isolation

Ultraleichte Daunenjacken

Wenns warm und trotzdem leicht sein soll, kommt man an Daunenjacken und Daunenwesten nicht vorbei. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Schlafsäcken: Kunstfaser hat mit Sicherheit seine Berechtigung und stellt je nach Anforderung Daune klar in den Schatten.

Wer aber was wirklich Leichtes will, der muss zu Daune greifen, denn Daunenjacken sind bei vergleichbarer Leistung in der Regel deutlich leichter als ihre Kollegen aus Kunstfaser. Gerade aber bei wärmenden Kleidungsschichten ist es aber wichtig, nicht nur auf das Gewicht zu schauen. Denn auch hier lässt sich eine Parallele zu Schlafsäcken zeigen: weniger Füllung und somit weniger Gewicht heißt in der Regel auch weniger Isolation.

Hier muss also jeder selbst entscheiden, wie verfroren oder kälteresistent er ist. Leichte Daunenjacken, kommen bereits mit einem Gewicht von weniger als 200 Gramm daher. Wer es noch leichter mag und vielleicht auch aufgrund der Tour oder der persönlichen Veranlagung keinen zu krassen Kälteschutz benötigt, der kann sich sicherlich auch mit einer Daunenweste begnügen, hier spart man dann schnell nochmals einige Gramm.

Ultraleichte Fleecejacken

Fun-Fakt: Schon fast wollte ich hier den Tipp geben, dass man auch mit einem leichten Fleece (bei sicherlich weniger Isolationsleistung) gegenüber einer leichten Daunenjacke Gewicht einsparen kann. Das stimmt aber so nicht. Schickt man Fleece- und Daunenjacken in Sachen Gewicht ins Rennen, erhält man maximal ein Unentschieden. Wer aber dennoch lieber zum Fleece, als zur Daunenjacke greift, der sollte sich auf ein Gewicht jenseits der 200 Gramm einstellen.

Minimalistische Basics

Ultraleichte Trekkinghosen

Eine Hose muss jeder tragen, schon alleine um nicht als öffentliches Ärgernis zu gelten. Hosen unterliegen gerade beim Trekking oft starken Belastungen. Jeder, der schon einmal über quer liegende Baumstämme klettern musste oder im Wald ein Stück querfeldein gelaufen ist, der wird mir zustimmen.

Aus diesem Grund wird es hier je nach dem schwer im Ultraleichtbereich fündig zu werden. Dennoch gibt es aber auch hier leichte Materialien wie Softshell, die es ermöglichen robuste Hosen mit geringem Gewicht zu entwerfen. Hersteller wie beispielsweise Mountain Hardwear haben sich dieser Aufgabe aber einmal gestellt und lange Trekkinghosen auf den Markt gebracht, die die 200-Gramm-Marke noch knapp unterschreiten.

Auf zuviel Schnickschnack wie zusätzliche Cargo-Taschen oder abnehmbare Hosenbeine muss man in diesem Segment allerdings verzichten. Wem auch das trotz allem noch zu schwer ist, dem sei das kurze Beinkleid angeraten. Hersteller wie Norrøna haben hier funktionelle Wander- und Trekkinghosen im Programm, die mit weniger als 150 Gramm zu Buche schlagen.

Ultraleichte Funktionsshirts & Pullover

Gerade an warmen Tagen braucht es ein gutes Funktionsshirt. Dieses sollte nicht nur gut passen und auch optisch ansprechend daherkommen, sondern vielmehr auch für maximalen Komfort unterwegs sorgen. Gerade beim Trekking und Wandern kommt es gerne mal auch zu schweißtreibenden Anstiegen.

Aus diesem Grund sollten Shirts immer aus einem schnelltrocknenden Material bestehen. Wer nicht schon am zweiten Tage geruchstechnisch mit einem Fuchs im Oktober verwechselt werden möchte, sollte darüber hinaus darauf achten, dass das jeweilige Shirt aus geruchshemmenden Materialien gefertigt wurde.

Leichte Funktionsshirts wie beispielsweise das  AT/C Base S/S von Inov-8 oder das MHW AC Short Sleeve T von Mountain Hardwear kommen mit einem Gewicht um die 70 Gramm aus. In der Übergangszeit und an Tagen mit wechselndem Wetter sind oft auch Pullover oder dünne Jacken gefragt. Wenns besonders leicht sein soll landet man in der Regel recht schnell beim Fleece. Wer hier nach einem leichten, feuchtigkeitsregulierenden und warmen Oberteil sucht, der wird problemlos im Bereich 150- 200 Gramm fündig werden. Hersteller wie Salomon und Montane haben hier gleich mehrere Modelle im Programm.

Vorurteile und Missverständnisse

Es gehört ja schon fast zur Tradition, dass ich mich mit den Blogbeiträgen zum Thema Ultraleicht immer auch für mehr Verständnis und Toleranz einsetze. Aus diesem Grund sollen auch in diesem Artikel ein paar Vorurteile zur Sprache kommen, die die Outdoorwelt in die Lager Ultraleicht zu Ultraschwer zu teilen scheinen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrapuristisch

„Wenns leicht ist, dann hängt auch nichts dran. Da muss man dann auf zahlreiche praktische Feinheiten und Kleinteile verzichten.“ Klar mag dieses Vorurteil bis zu einem gewissen Grad stimmen. Eine leichte Windjacke ist eben einfacher als eine kompletter Anorak, auch auf eine Kapuze und Taschen wird hier schnell einmal verzichtet.

Allerdings darf man nicht dazu neigen Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Wer eine Hardshelljacke mit Kapuze als Wetterschutz sucht, wird im Bereich Ultraleicht sicherlich fündig werden. Wer eine leichte Daunenjacke will, wird diese ebenfalls bekommen. Bei der warmen Winterjacke einem Ölmantel oder Ostfriesennerz wirds da schon etwas schwieriger.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraproblematisch

Dieses Vorurteil kommt oft zur Sprache: Was besonders leicht und dünn ist hält grundsätzlich nichts aus und macht nur Ärger. Man hört Horrorgeschichten von im Wind zerrissenen Jacken, aufgeplatzten Nähten und und und… Klar mag es das geben. Schlecht verarbeitete oder mit Materialfehlern belastete Kleidung gibt es leider immer mal wieder. Dies sollte allerdings, egal ob leicht oder schwer, nicht die Regel sein und ist es auch nicht.

Dennoch ist es gerade bei der äußeren Kleidungsschicht wichtig, darauf zu achten, dass diese auch für den jeweiligen Einsatzzweck ausgelegt ist. Wie bereits bei den Hardshelljacken erwähnt, ist beispielsweise ein Rucksacktauglichkeit nicht immer gegeben. Hier empfiehlt sich genaues Hinsehen. Ein Kleidungsstück nur nach seinem Gewicht zu kaufen, macht ohnehin in den wenigsten Fällen Sinn.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Die Rede ist bei diesem Vorurteil oft von schlecht sitzenden Kleidungsstücken, unbrauchbar geschnittenen Kapuzen und knisternden Materialien. Aber sind wir mal ehrlich, das gibt es doch in jedem anderen Bereich auch. Nicht immer passt ein Schnitt zum persönlichen Körperumfang und manchmal sind Features einer Jacke oder Hose weniger nützlich, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aber das ist nicht alleine ein Problem von besonders leichten Klamotten, dieses Problem gibt es von der Jeans bis zur Daunenjacke.

Wären da aber noch die knisternden Materialien. Das ist in der Tat ein Punkt der so manchen Freund der Hardshellbekleidung schier zur Weißglut treibt: Regenjacken und  -hosen knistern gerne mal. Doch auch hierbei handelt es sich mehr um ein Problem, das Hardshellmaterialien im Allgemeinen immanent zu sein scheint.

Fazit:

Es macht sicherlich keinen Sinn an der falschen Stelle Gewicht sparen zu wollen. Gute Bekleidung ist immer auf die jeweilige Tour und die aktuellen Bedingungen abgestimmt. Dennoch finden sich auch im Ultraleichtbereich Kleidungsstücke, die einen guten Kälte- oder Wetterschutz mitbringen.

Wer hier seine Klamotten mit Bedacht wählt muss nicht auf faule Kompromisse eingehen und kann trotzdem einiges an Gewicht sparen. Addieren wir einmal, mit welchem Gewicht die oben genannte Bekleidung letztendlich zu Buche schlagen würde, so kommen wir für Hose, Funktionsshirt, Langarmshirt, leichte Daunenjacke und rucksackkompatible Hardshelljacke auf knapp 800 Gramm.

Spaßeshalber habe ich einmal vergleichbare Kleidungsstücke, die meinem Kleiderschrank entstammen und die ich regelmäßig auf Tour trage, auf die Waage gelegt. Hierbei handelt es sich nicht um Vertreter der Gattung „ultraschwer“, sondern eher um den Typ „ultradurchschnittlich“. Dennoch bin ich auf einen Wert von rund 1300 Gramm gekommen.

Entwicklung des Berg- und Kletterseils

Von Bergdramen und Drogenpflanzen: die Entwicklung des Berg- und Kletterseils

14. September 2017
Ausrüstung

So ein Bergseil ist eine klare und einfache Angelegenheit: zwei oder mehr Leute binden sich daran fest und sichern sich so gegenseitig vor dem Absturz. Oder sie reißen sich stattdessen gegenseitig in die Tiefe. Die Alpingeschichte ist voll von Mitreißunfällen, von denen die meisten weitgehend unbeachtet bleiben. Doch einer hat es dafür zu umso größerer Berühmtheit gebracht. Die Rede ist natürlich von der Matterhorn-Erstbesteigung 1865. Ein erschöpfter und überforderter 19-jähriger englischer Lord rutscht im Abstieg aus und zieht drei der anderen Erstbesteiger mit in den Tod, bevor das nagelneue und innovative Manila-Hanfseil aus England unter den von der Reibungshitze brennenden Händen des Bergführers Taugwalder Senior reißt.

Dass diese symbolhaften Bilder bis heute die Vorstellungen rund ums Seil und Klettern prägen, kann man an fast jedem Hollywoodstreifen zum Thema „Bergsteigen“ bestaunen. Hier liegt das Seil noch immer locker um die breiten Schultern des sichernden Helden, der den im freien Fall befindlichen Kameraden mit einer „Oberkörperbremse“ abfängt, die selbst der beste Bergführer wohl höchstens noch bei einem kleinen Stolperer des Kunden schaffen würde.

Aber gut, wer will das Publikum schon mit Bremskräften, Sturzfaktoren oder Reihenschaltungen langweilen. Und wer will es der breiten Öffentlichkeit verübeln, dass sich das Hauptinteresse nun mal auf filmreife Dramen richtet. Auf zweifelhafte „Höhepunkte“ wie den Seiltod des Toni Kurz 1936 am Eiger oder das durchschnittene Seil von Simon Yates und Joe Simpson 1985 in den peruanischen Anden. Kein Wunder also, dass Seilrisse und Abstürze auch Eckpfeiler der Geschichte des Kletterseils sind –  in einem ansonsten eher unspektakulären „Seilalltag“.

Anfänge im Dunkeln der Geschichte

Dieser Alltag hat sich seit den allerersten Anfängen kaum geändert, denn seit eh und je geht es bei der Verwendung des Seils darum, Gegenstände und Menschen entweder zu bewegen oder eben an der Bewegung zu hindern. Dieses simple Prinzip der Kraftübertragung ist womöglich beim Bau der ägyptischen Pyramiden zum ersten Mal systematisch und ausgefeilt genutzt worden. Doch wer hat das Seil erstmals zum Höherkommen an Erhebungen benutzt?

Vielleicht waren es die Alu Kurumbas in Südindien, die noch heute mit dicken, selbstgemachten Tauen aus Lianen an bis zu 150 m hohen Felsklippen herumklettern, um den ansässigen Riesenbienen den Honig wegzuangeln. Oder ein anderer der diversen Stämme und Völker, die bei ihren erstaunlichen Kletterkünsten teils ebenso erstaunliche Seilkonstruktionen verwenden. Diese bestehen, wie die ersten Bergseile, meist aus Pflanzenfasern, welche auf mehr oder weniger komplexe Weise zunächst zu Garn gepresst und gesponnen werden, der dann wiederum umeinander geflochten wird.

Erster Einsatz am Berg

Den ersten „richtigen“ Einsatz am Berg zum Sichern schwieriger Einzelstellen und als Steighilfe bekommt das Seil vermutlich erst mit der Wende zum 19. Jahrhundert. Zuvor gab es – abgesehen von Einzelfällen wie Petrarcas legendärer Erstbesteigung des Mont Ventoux –, so gut wie kein Interesse an Kletterei und Bergsteigerei im heutigen Sinne. Berge wurden äußerst selten und aus religiösen oder politischen Motiven erstiegen. Mit der „Geburt“ des modernen Alpinismus, der Erstbesteigung des Mont Blanc im Jahr 1786, kommt die Wissenschaft als „offizielles“ Motiv hinzu.

Das Seil kommt aber trotz der langen, spaltenreichen Gletscher des Mont Blanc nach wie vor nicht zum Einsatz. Erst bei der Großglockner-Erstbesteigung 14 Jahre später wird die Verwendung von fixierten Seilen wohl erstmals ausdrücklich erwähnt. Ob das wirklich der allererste systematische Einsatz des Bergseils ist, lässt sich an dieser Stelle nicht sicher sagen. Dafür müsste man wohl sämtliche Besteigungsdokumentationen jener Zeit durchforsten.

„Öko“, aber nicht sicher

Bis zur flächendeckenden Verwendung der Seile dauert es nochmals viele Jahrzehnte: erst gegen Ende des 19. Jh. beginnen die Bergführer in den Alpen ihre Kunden mit dem Seil zu sichern. Anfang des 20. Jahrhunderts kommen dann die Mauerhaken auf, „die eine Absicherung der Kletterer auch im Vorstieg erlauben“. Diese „Absicherung“ ist für die Vorsteiger jedoch nicht viel mehr als ein nervenberuhigendes Placebo, denn das bevorzugte Rohmaterial der Seile ist die Hanffaser.

Die ist zwar reißfester als anderes Pflanzenmaterial, eignet sich besser für längere Seile und fault weniger schnell, hat aber dennoch sehr begrenzte „technische Kapazitäten“. Denn auch die Hanfseile faulen irgendwann, oftmals sogar von innen zuerst. Das wird vielen Bergsteigern zum Verhängnis, deren Seile von außen noch einen guten optischen Eindruck machten.

Ein weiterer Nachteil aller pflanzenbasierten Seile ist ihre Anfälligkeit gegen die Kälte, in der sie schnell steif und unhandlich werden. Dass sie außerdem nicht genügend Seildehnung aufweisen, um eine nach heutigen Maßstäben sichere Fortbewegung in der Seilschaft zu ermöglichen, dürfte auf der Hand liegen. Alternativ gibt es in der ersten Hälfte des 20. Jh. noch Seile aus reiner Seide, die allerdings sehr teuer sind und nur geringfügig mehr Sicherheit und Funktionalität bieten.

Explosion der Fortschritte

Um 1940 kommt der technische Durchbruch mit den ersten gedrehten Nylonseilen aus Amerika. Die deutsche Firma Edelrid erfindet 1953 das Kernmantelseil, das bis heute der Industriestandard für alle Bergseile ist. Der Mantel dient dabei als Schutz gegen Abrieb, Feuchtigkeit und UV-Strahlung für den Kern aus in sich verdrehten Polyamidsträngen. Gleichzeitig macht er das Seil griffig und lässt es geschmeidig gleiten. Wie so ein Seil entsteht, durften wir uns schon mal bei Edelrid anschauen.

Die Seilhistorie besteht fortan aus einer immer schnelleren Abfolge von technischen Innovationen, Verfeinerungen und Diversifizierungen. Doppelseile und Zwillingsseile werden erfunden, Imprägnierungen kommen ebenso hinzu wie Sicherheitsnormen und Prüfsiegel, ohne die kein Seil mehr verkauft werden darf.

Der Siegeszug der Synthetikfasern ist seitdem ungebrochen und wird es weiter bleiben. Die Bergsportgemeinde kann dafür dankbar sein, denn nur die Kunststoffe ermöglichen Touren wie die aufs Matterhorn auch für alpinistische Otto-Normalos zum kalkulierbaren Risiko. Der Hanf hingegen ist fast nur noch als Drogenpflanze bekannt, was durchaus etwas mit dem Aufstieg der erdölbasierten chemischen Industrie zu tun hat.

Die ist nämlich mit den bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs noch preiswerten Naturprodukten (die weit mehr als nur Seile umfassten) eine lästige Konkurrenz losgeworden.

Heute sorgt die Erwähnung von Bergseilen aus Hanf meist für Belustigung, oft begleitet von der leicht dämlichen Scherzfrage, ob die Bergsteiger anno dazumal ihre Seile hätten rauchen können.

Ja hätten sie, aber außer veritablen Lungenschäden wäre dabei nicht viel herumgekommen. Einen bunten Kiffer-Rausch zwischen Lodenmantel und Führerpickel hätte es jedenfalls kaum gegeben: der Nutzhanf enthielt wenig bis gar nichts vom berauschenden Wirkstoff THC.

Gabys Gipfelbuch Kolumne

Gabys Gipfelbuch: Die geschenkte Zeit

25. August 2017
Die Bergfreunde

Beim Bergsteigen bekommt die Zeit eine andere Qualität – vor allem wenn man allein unterwegs ist, vergisst man sie oft völlig, weil man dann in sich selbst versinkt wie bei der Meditation und dennoch die Umgebung dabei präzise wahrnimmt. Vor allem aber rast einem die Zeit in den Bergen nicht davon wie im hektischen Alltag, sondern scheint sich öfter sogar zu „dehnen“.

Wie schnell sind im Büro zehn Minuten verflogen im Vergleich zur „gefühlten Zeitspanne“ eines zehnminütigen Auf- oder Abstiegs. Immer wieder ist man völlig überrascht, welche Strecken man in zehn Minuten bewältigen kann. Beim konzentrierten Gehen in den Bergen wird gleichzeitig die Wahrnehmung geschärft für die tageszeitlich bedingten Veränderungen – die wandernde Sonne, Licht und Schatten, die Schärfe der Konturen, die Dämmerung, der Sonnenauf- und -untergang. Die natürliche Qualität der Zeit rückt einem so viel stärker ins Bewusstsein.

Beim Wandern in den Bergen, beim Klettern oder auch beim Bergsteigen in Fels und Eis sind alle Sinne gefordert. Jeder Tag in den Bergen ist ein einzigartiges Fest für die Sinne: die Sonnenstrahlen, die auf der Haut kitzeln, die kühle Brise, die übers erhitzte Gesicht streicht, der Schluck klaren Quellwassers, der durch die ausgedörrte Kehle rinnt, der betäubende Duft einer Bergwiese in der Sonne, das Knirschen von Eis oder Geröll unterm Schuh, das schmatzende Geräusch beim Begehen eines aufgeweichten Weges, der federnde Waldboden, die ständigen Veränderungen des Lichtes, die deutlich spürbaren Unterschiede von Kalkgestein und Granit in der Hand…

Bergsteigen vermittelt ein intensives Gefühl des Lebendigseins, und wer als junger Mensch zum Bergsteiger wird, bleibt es meist ein Leben lang. Es bereitet Freude, Lust und Erfüllung und stillt für kurze Zeit jenen immensen Lebendigkeitshunger, der einen immer wieder zum Aufbruch in die Ferne und ins Unbekannte drängt, zu Abenteuern und persönlichen Herausforderungen aller Art.

Man erlebt dabei die Natur mit allen Sinnen und staunt über deren Reichtum, Schönheit und Vielfalt. Und jedes einzelne dieser tief empfundenen Erlebnisse vergrößert den Schatz an Erinnerungen in Form von Bildern, Szenen und Empfindungen im Kopf, die einem den zähesten Alltag verschönern und durch schwere Zeiten helfen können. Das Schöne an den Bergen ist nämlich, dass man sie ein Leben lang genießen kann, und wenn es zuletzt auch nur noch der Blick auf die Berge ist und das Schwelgen in seinen Erinnerungen.

Barfuß auf die Zugspitze

Barfuß auf die Zugspitze

24. August 2017
Die Bergfreunde

Menschen die Barfuß auf einem Gipfel rum turnen? Das erinnert doch eher an den Hobbit, mit seinen riesigen, behaarten Füßen auf dem Weg nach Mordor. Naja, zumindest führt der Anblick von Barfuß laufenden Menschen bei dem Großteil von Spaziergängern und Wanderern, erst einmal für Verwirrung, bloßes Entsetzen oder Schmerz entzerrte Gesichter. Allerdings ist Barfußlaufen eine der natürlichsten Bewegungsform die der Körper kennt. Das Gefühl Barfuß zu gehen, verleiht ein gewisses Stück Freiheit sowie Verbundenheit zur Natur und ist sehr gesund für die Füße.

Auch ich nutze im Alltag nahezu jede Gelegenheit, meinen Füßen so viel Freiheit wie möglich zu geben. Als begeisterter Barfußläufer und Botschafter, lernt man nie aus, weshalb ich mich gerne mit anderen Barfuß Enthusiasten austausche und in Kontakt trete. So kam es auch zu dem Projekt „Barfuß auf die Zugspitze“. Bei einem gemeinsamen Barfuß-Workshop in Südtirol, fragte mich Christian Schwarze aus Düsseldorf, ob ich nicht Lust hätte mit ihm Barfuß auf die Zugspitze zu wandern. Klang verrückt im ersten Moment, aber meine Antwort war spontan – ja.

Nur keine kalten Füße bekommen

Ein Training und zugleich ein Test für meine Füße, war die Barfuß Wanderung auf den Säuling im Juli. Diese sollte zeigen, ob meine Füße überhaupt schon bereit waren für solch einen Gipfelsturm. Allerdings erwies sich der Aufstieg als problemlos und gut machbar. So konnten die weiteren Vorbereitungen für die Zugspitze beginnen. Als sehr hilfreich erwiesen sich Wanderstöcke, dadurch konnte der Druck auf die Fußsohlen etwas entlastet werden.

Als nächstes Stand die Beschaffung des Materials an, vom neuen Rucksack, bis hin zu Steigeisen für Barfüße, Wanderstöcke und ein Klettersteigset, musste an alles gedacht werden. Immer wieder diese Unsicherheit, was nehme ich mit, habe ich alles im Kopf, welche Kleider, wie wird das Wetter? Gerade am Morgen vor dem Aufstieg, macht sich die Anspannung deutlich bemerkbar. Noch einmal teste ich die Steigeisen in Verbindung mit meinen Barfuß-Neoprensocken und beginne zu packen was ich sicher weiß. Helme, Rucksäcke, Schlafsack, und Hüttenschlafsack, Steigeisen, Klettersteigsets, Wanderstöcke, Handschuhe, als Sicherheit Barfuß-Wandersandalen und Barfuß-Trekkingschuhe, Regenkleidung, Geld, und klar die Kamera, denn mit dieser wird mein Sohn Tim für eine Filmdokumentation filmen. So langsam ist Land in Sicht und ich beginne etwas ruhiger zu werden.

Aufstieg im Dunkeln

Endlich ist es soweit. Am Freitagnachmittag mache ich mich mit Tim auf den Weg in Richtung Allgäu. Am Wanderparkplatz in Hammersbach angekommen, treffen wir den Rest der Gruppe, wo wir um 20.15 Uhr endlich zum Aufstieg starten. Da es klar ist, es wird Nacht, ziehe ich für diesen Aufstieg meine Barfuß-Sandalen an, damit kann ich etwas zügiger gehen und habe dennoch das Barfußgefühl.  Gleich die ersten Meter geht es rasch bergauf, kaum 30 Minuten gewandert bin ich schon schweißgebadet, der Rucksack und mein Körpergewicht bringen mich zum Schwitzen. Wir kommen flott voran und sind gegen 21.15 Uhr am Eingang der Höllentalklamm. Bis jetzt hielt das Wetter, doch pünktlich hier fängt es an zu regnen. Also Regenjacke an, den Rucksack, den Schlafsack und vor allem die Kamera mit einem Kunsttoffsack einpacken. In der Klamm machen wir nochmals halt für eine weitere Filmaufnahme, dann geht es zügig weiter zu Höllentalangerhütte bei der wir gegen 22.15 Uhr ankommen.

Nun geht es dirket zum Checkin, dort bekommen wir noch die Möglichkeit eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Als Vegetarier lehnen wir die Gulaschsuppe ab, dafür bekommen wir jeder eine Käseplatte. Solange diese gerichtet wird, bringen wir die feuchten Sachen in den Trockenraum. Uff, leicht müffelig hier. Ich hänge meine Sandalen zu den Wanderstiefeln und auf meine Haken passen auch noch Tim´s Barfuß-Stiefel. Sehr platzsparend und sieht lustig aus zwischen den ganzen „normalen“ Wanderstiefeln. Mit vollen Bäuchen und dem schönen Gefühl den ersten Teil sehr gut gemeistert zu haben, machen wir uns zum Schlafen auf ins 8 Bettzimmer. Es war eine schöne und interessante Wanderung, durch die teilweise beleuchtete Klamm.

Im Flow-Zustand Schritt für Schritt nach oben

Nach einer eher mäßigen Nacht, mit wenig Schlaf, heißt es dann um 5.15 Uhr aufstehen. Als ich in den Flur komme, merke ich, dass wir nicht alleine auf der Hütte sind und somit sicher nicht alleine auf dem Weg zur Zugspitze. Nach der Katzenwäsche, Toilette und Hüttenfrühstück machen wir uns an den Aufbruch. Gegen 6.30 Uhr wandern wir zu sechst in den Sonnenaufgang los. Christian und ich Barfuß, Tim mit den Barfuß-Trekkingstiefeln, Loan, Bendicta und Andreas werden in Wanderstiefeln und zwischendurch Barfuß unterwegs sein.

Ich komme heute sehr schwer in meinen Rhythmus, irgendwie spüre ich den Druck durch die Steine sehr stark an meinen Füßen und zweifle, ob ich das heute den ganzen Tag Barfuß schaffe. Doch nach einiger Zeit komme ich in meinen Flow-Zustand, Schritt für Schritt ganz langsam und achtsam geht es voran. Das Wetter ist angenehm kühl, dennoch schwitze ich schon wieder wie verrückt, so dass Christian meint: „Habe ich den Regen verpasst?“. Doch lieber schwitzend und gehänselt, als frierend unterwegs zu sein.

Das erste Stück bis zur „Leiter“ ist ganz angenehm. Ein steiniger Weg mit viel Grün und immer mal wieder kann man seine Füße im Gras entspannen. Die Leiter ist eine Passage, die mit Eisenstufen am Fels fast senkrecht nach oben geht. Hier ist man durch ein Klettersteigset am Stahlseil gesichert. Zwar drücken die Eisenstufen ein wenig in die Füße, doch es geht ganz gut. Nun geht es weiter am Fels bis zum „Brett“. Eine Passage wo Stahlstangen aus der fast senkrechten Wand ragen, welche man ebenfalls über einen Klettersteig passieren kann. Auch diese Stelle geht ganz prima. Aber das schönste Stück der ganzen Wanderung der „grüne Buckel“ wartet noch auf uns. Diese Passage ist sehr angenehm, viele Blumen, viel Grün, viele Schmetterlinge – einer landet sogar bei Loan auf dem Helm. Und dann das Beste: viel Wasser. Der Fluss, der ins Tal rauscht, eignet sich perfekt für eine Abkühlung der mittlerweile gut durchbluteten und warm gelaufenen Füße. Sehr angenehm, wenn auch die Wasserzeit nicht zu lange sein sollte, denn wenn die Füße aufweichen wird die Haut empfindlicher und die Verletzungsgefahr steigt. Das Plätzchen hier oben eignet sich hervorragend für eine erste Vesperpause, so genießen wir bei Speis und Trank, die erste gemeisterte Herausforderung. Zugleich bereitet uns Christian auf die kommende Passage bis zum Gletscher dem „Höllentalferner“ vor. Diese ist ein Geröllfeld mit vielen spitzen Steinen, welche uns Barfußwanderer stark fordern wird.

Nach Bildaufnahmen und Drohnenflug machen wir uns gestärkt auf den Weg zum Gletscher. Schnell merke ich den Ernst dieser Passage und unterstütze jeden Schritt stark mit meinen Wanderstöcken, um den Druck auf die Fußsohlen zu entlasten. Ich lasse die gesamte Gruppe vor mir und gehe in meinem langsamen Rhythmus hinterher. Trotz des langsamen Tempos fordert mich die Strecke enorm, sowohl körperlich als auch mental. Immer wieder muss ich mich achtsam auf die Situation einstellen und selbst motivieren. In einem schwachen Moment schaffe ich es den linken Wanderstock ungeschickt zwischen meine Zehen des linken Fußes zu rammen. Autsch…und sofort bin ich wieder, angesichts der leichten dennoch spürbaren Verletzung, aufmerksam und hellwach.

Gletscher mit Steigeisen und Barfüßen

Es ist jetzt 12.30 und der Gletscher naht. Doch die Kräfte sind spürbar am Schwinden, weshalb wir nochmals eine kurze Rast einlegen. Noch ein paar Worte von Christian, zum Gehen mit den Steigeisen und es kann losgehen.

Wir ziehen alle unsere Steigeisen an. Christian seine mit Polsterung modifizierten Eisen, direkt an die Barfüße. Ich entscheide mich für meine Neoprensocken, an die ich die Steigeisen mit den vorhandenen Riemen und zusätzlich einem Fahrradspanngurt zurre. Tim bastelt seine Steigeisen so gut es ihm möglich ist an die Barfuß-Stiefel. Das zweite Mal feiere ich heute Premiere. Zuerst die Klettersteigsache und jetzt auch noch ein Gletscher mit Steigeisen.

Der ursprüngliche Plan alle in einer Reihe zu laufen platzt. Christian geht sehr zügig damit die Füße nicht zu kalt werden, Tim ist mit filmen zusätzlich beschäftigt und die anderen inklusive mir haben mit der Situation auf dem Gletscher, zu tun. Nacheinander kommen wir heil oben an und freuen uns, dass es keine Randkluft gibt. Wenn diese da wäre, würde der Übergang vom Eis an den Fels eine weitere Herausforderung darstellen. Wir können, jedoch direkt mit der Klettersteig loslegen. Davor heißt es dann wieder Steigeisen aus und baldigst an den Fels, denn selbst mit den Neoprensocken wird es etwas kühl an den Füßen.

Nun geht es steil auf am Seil, dann wieder seitlich und immer wieder hoch. Immer ein Wechsel zwischen Metallstangen und Metalltritten, aber stetig steil nach oben. Anfangs lasse ich meine Socken an, bis meine Füße recht schnell viel zu warm werden und ich bin wieder ganz Barfuß. Eigentlich viel angenehmer denn ich spüre alles und kann sehr achtsam meine Füße setzen. Dennoch spüre ich die Belastung der Fußsohlen und es schmerzt zwischendurch auch mal der eine oder andere Stein, der in die Sohle drückt. Trotzdem fühle ich mich wohl, denn dieses Zusammenspiel der Nervenenden im Fuß und dem Gehirn der sogenannten „Propriezeption“ ermöglicht es mir, mich sehr achtsam zu bewegen. Das Gehirn reagiert sehr schnell auf die Reize vom Fuß und lassen die körperliche Reaktion zu, vorsichtiges auftreten, das achtsames setzen der Füße und harmonische Bewegungen sind die Folge.

Doch bei jedem Meter spüre ich nun auch die nachlassenden Kräfte, der letzte Klettersteig hat es schon in sich, er ist sehr lange und steil. Als wir gegen 16:00 Uhr noch immer im Klettersteig sind und kein Ende in Sicht ist werde ich etwas nervös. Immer wieder fordert mich Tim auf nicht so zu meckern und hin und wieder zu lächeln, doch dazu ist mir mittlerweile gar nicht mehr so zu mute. Wir hatten angedacht zwischen 14/ 15 Uhr oben zu sein, aber diesen Zeitraum hatten wir schon längst überschritten. Zudem galt ab 16.00 Uhr ein erhöhtes Gewitterrisiko. Alles keine Entspannungsparameter, aber ich mache weiter. Es ist seit einiger Zeit auch leicht neblig, das heißt leider auch keine Aussicht nach unten. Egal ich schaffe es mich immer weiter zu motivieren und mit der einen oder anderen Verschnaufpause die Kräfte zu mobilisieren. Hier ziehe ich auch nochmals die Neoprensocken an, da sie den Druck auf die Fußsohlen nochmals entlasten.

Nun kommt auch etwas Wind auf, dieser lässt mich hoffen, dass wir bald oben ankommen. Und wahrlich wir sehen das erste Mal beim hochschauen das Gipfelkreuz und den darüber stehenden Baukranausleger. Es ist zwar noch ein gutes Stück, doch nun ist das Ziel in Sicht, was meine Motivation und Kraft nochmals aufleben lässt. Es ist kurz nach 17 Uhr, als wir den Gipfel erblicken. Jetzt heißt es noch etwas Geduld, denn es gibt oben auch einige Touristen, die auf den Gipfel gehen. Diese lasse ich passieren und dann geht es die letzten Meter bis zum Gipfel, ich bin der Letzte aus unserer Gruppe der ankommt und wir klatschen ab, es ist geschafft!

Voller Freude und Dankbarkeit

Nach einem Gruppenbild gehe ich alleine hinter das Gipfelkreuz, setze mich hin und mir wird bewusst, was ich heute geschafft habe. Unverletzt und in einem körperlich ordentlichen Zustand sitze ich nun da und eine Träne der Freude kullert mir aus dem Auge, dankbar genieße ich diesen Moment.

Auf dem Weg zurück, treffe ich einige andere Wanderer, die wir unterwegs getroffen hatten und uns Respekt zu sprachen über diese tolle Leistung und sich mit uns freuten. Hier darf ich auch dankbar anmerken, dass wir den ganzen Tag Gespräche mit anderen Wanderern hatten und es gut fanden, was wir machen. Das freute mich, denn als Barfuß-Aktivist ist man dem einem oder anderen blöden Kommentar ausgesetzt, heute nicht. Vielen Dank. Zudem wurde mir auf diesen letzten Metern zum Münchner Haus bewusst, dass ich heute von den etwas turbulenten letzten Wochen abschalten konnte und nun voller Glück über diese erfolgreiche Aktion war.

Voller Freude des Geleisteten und auch in Freude auf zu Hause, gehen wir die letzten Meter zur Gondel. Welche mit uns um 18.30 Uhr für heute letztmalig talwärts fährt. Darin sitzen wir nun glücklich und geschafft. Unseren ersten Hunger stillen wir genussvoll mit veganer Rohkostschokolade, die ich vorgestern zum Geburtstag bekommen habe. Wir genießen die Abfahrt und schauen immer wieder mal hoch zum Gipfel und erfreuen uns am Anblick des Eibsee´s und allem Sonstigem was uns begegnet. Gegen 20.15 Uhr kommen wir unten an und haben noch ca. 500 m Fußweg zum Auto. Zwar geht das nicht mehr ganz so flott, doch in genüsslichem Tempo meistern wir das letzte Wanderstück.

Zum Abschluss des Tages füllen wir beim Abendessen unsere Energiespeicher mit leckerer Pizza, Nudeln und Salat wieder auf und fühlen uns gestärkt für die Heimfahrt und freuen uns auf das eigene Bett und das Aufstehen, wann wir wollen.

Glückliche Füße am Tag danach

Die Befürchtungen am nächsten Tag mit Schmerzen am Körper aufzuwachen waren weit gefehlt. Ich spürte fast nichts. Ja, die Füße kribbeln noch ein wenig, sind jedoch sofort wieder voll belastbar. An der Schulter spüre ich ein wenig die Druckstellen des Rucksackriemens und die Beine sind etwas müde. Aber im Grund ein prima Zustand, nachdem was wir von Freitag bis Samstag geleistet haben. Abends gehe ich schon wieder mit den Kletterfreunden locker drei Routen klettern, dort werde ich schon als Mr. Barfuß auf der Zugspitze begrüßt und habe angeregte und nette Gespräche.

Mein Fazit. Wer so trainierte Barfüße wie ich hat, schafft ein solches Projekt ohne Probleme. Wer nicht ganz so gut trainiert ist oder nicht so extrem sein möchte, dem rate ich, eine Teilstrecke barfuß zu gehen oder, wie Tim, Barfuß-Stiefel oder Barfuß-Schuhe zu benutzen.

Vielen Dank für das interessierte lesen und miterleben in dieser Erzählung, wer mehr wissen möchte darf sich gerne hier informieren.

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

14. September 2017
Ausrüstung

Camping. Für mich wohnt diesem Wort immer auch der vermeintliche Glanz längst vergangener Sommerurlaube inne. Mit Eltern, Campingbus und Zelt ging es irgendwohin in den sonnigen Süden. Schöne Tage waren das, wenn man einmal von Transport und Aufbau des Zeltes und der restlichen Ausrüstung absah: Unsere Zeltstadt Modell ‚Rimini‘ hatte knapp die Ausmaße des Mailänder Doms und in etwa auch dessen Gewicht. Alleine schon für den Transport des Planensacks waren zwei kräftige Männer notwendig, über den Stangensack wollen wir erst gar nicht sprechen. Begleitet wurde diese Heimstadt von Luftmatratzen und Schlafsäcken, die gewichtsmäßig dem Zelt in nichts nachstanden. Aber irgendwie gehörte dieses Geschleppe zum Urlaub dazu und wir waren jedes mal froh, dass der ganze Kram lediglich ein paar Meter auf dem Campingplatz herumgetragen werden musste. An eine Trekkingtour wäre mit dieser Ausrüstung nicht zu denken gewesen. Ich habe dies, Jahre später sogar einmal versucht und bin kläglich gescheitert…

Aber warum erzähle ich das alles? Nachdem wir uns hier im Blog mit dem Thema ultraleichte Rucksäcke, bereits ein Mitglied der sogenannten „großen Vier“ vorgenommen haben, möchten wir uns heute einmal den Rest dieser Familie, also ultraleichte Zelte, Schlafsäcke und Isomatten näher ansehen. Dabei handelt es sich freilich um das genaue Gegenteil zu dem, was ich als Kind erlebt habe und ist aber gleichzeitig auch ein schönes Beispiel, wie sich Materialien und Technologien auch im Bereich der Campingausrüstung weiterentwickelt haben.

Was macht Zelt, Schlafsack, Isomatte & Co. eigentlich zur Ultraleichtausrüstung?

Hier gestaltet sich die Sachlage ähnlich wie bei den Rucksäcken: Durch das Weglassen aller nicht unbedingt benötigter Teile sowie den Einsatz besonders leichter Materialien wird, wo es nur geht, Gewicht gespart. Dabei können diese Zelte, Schlafsäcke und Isomatten ihren konventionellen Kollegen in Sachen Komfort und Funktionalität durch den Einsatz modernster Technologien oft problemlos das Wasser reichen. Schauen wir uns also einmal an, wie die Welt der ultraleichten Campingausrüstung aussieht.

Ultraleichtzelte

Das Thema Zelte wird gerade im Ultraleichtberich stark diskutiert. Oft steht dabei die Frage im Vordergrund, ob ein Zelt überhaupt benötigt wird oder nicht auch durch einen guten Biwaksack bzw. ein Tarp ersetzt werden kann. Aus diesem Grund möchte ich auch hier einmal verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie man mit dem Thema ultraleichte Zelte umgehen kann.

Kleine Zelte

Ein- oder Zweimannzelte sind definitiv das Mittel der Wahl, wenn man mehrere Tage (evtl. mit Partner) unterwegs sein möchte. Gerade bei Touren in der kalten Jahreszeit oder Gebieten, in denen mit heftigen Niederschlägen gerechnet werden muss, ist die Mitnahme eines Zelts sicherlich sinnvoll. Außerdem sorgen Zelte nicht nur dafür, dass Wind und Wetter abgehalten werden, sondern auch, dass einem Getier wie Schnaken und Ähnliches nicht zu sehr auf die Pelle rücken kann. Hinzu kommen noch persönliche Faktoren wie Privatsphäre und Komfortbedürfnisse. Gerade im Bereich der Einmannzelte gibt es Modelle, die die 1-Kilo-Marke spielerisch unterbieten. Ein schönes Beispiel hierfür ist das ‚The Specialist Solo‘ von Sea to Summit. Dieses 1-Personenzelt bringt mit allem Drum und Dran gerade einmal 625 Gramm auf die Waage, kann aber noch weiter abgespeckt werden. Hier ist es beispielsweise möglich, das Gestänge durch zwei Trekkingstöcke zu ersetzen, wodurch nochmals gut 100 Gramm eingespart werden können. Zelte wie das Solar Ultra 2 von Terra Nova kommen mit rund 700 Gramm aus und bieten Platz für zwei Personen inklusive Gepäck.

Große Zelte

Es mag zunächst ein wenig widersprüchlich erscheinen, dass es auch im Ultraleichtbereich große Zelte gibt. Dennoch haben auch hier Zelte mit einer Größe von vier Personen und mehr durchaus ihre Berechtigung. Gerade für Familien, die mit ihren Kindern eine Trekkingtour unternehmen wollen, können Zelte dieses Typs sehr interessant werden. Dass dabei größer nicht gleich utopisch schwer sein muss, zeigen Zelte wie das Fjellheimen Superlight 4 Camp von Helsport. Hierbei handelt es sich um ein geräumiges 4-Personenzelt mit allem, was dazu gehört. Auch für Gepäck ist hier ausreichend Platz. Gewichtstechnisch kommt man hier auf gute 2 Kilo, was selbstverständlich mehr ist, als wenn man einfach zwei leichte Zweimannzelte mitnehmen würde. Hat man aber nur ein großes Zelt dabei muss man auch nur ein Zelt auf und wieder abbauen und spart somit Zeit. Darüber hinaus bietet ein großes Zelt für vier Personen immer auch mehr Platz als zwei kleine.

Alternativen

Was ist leichter als ein Zelt? Kein Zelt! Für viele Touren braucht es nicht unbedingt ein Zelt. Auch dann nicht, wenn man sich entschließt in der freien Natur und nicht in festen Unterkünften zu übernachten. Gerade in Gebieten mit wenig Niederschlägen und warmen Temperaturen kann so einiges an Gewicht eingespart werden. Eine gute Kompromisslösung kann hierbei die Mitnahme eines Tarps sein. Diese Zeltplanen können zwischen Bäume aufgespannt, mittels Trekkingstöcken aufgestellt oder sonst irgendwie in der Landschaft befestigt werden und bieten so in der Regel einen ausreichenden Wetterschutz. Wer es noch leichter möchte, der kann sogar auf ein Tarp verzichten und lediglich einen Biwaksack als groben Wetterschutz mitnehmen. Leichte Modelle kommen hierbei mit einem Gewicht kleiner 200 Gramm aus und bieten besten Schutz vor den Elementen. Neben der Gewichtsersparnis haben aber Biwaksäcke und Tarps noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Das Stichwort lautet hier Wildcampen. In manchen Ländern (darunter auch Deutschland) wir das Übernachten mit Tarp oder Biwaksack in freier Wildbahn nicht als Camping angesehen und unterliegt somit lockereren Bestimmungen als das Übernachten im Zelt. Wenn ihr dazu mehr erfahren wollt, dann schaut doch einmal in unsere Blogbeiträge zum Thema Wildcampen.

Ultraleichte Schlafsäcke und Isomatten

Schlafsäcke und Isomatten tragen im Wesentlichen zum Schlafkomfort bei. Ein guter und erholsamer Schlaf ist wiederum für das Gelingen einer Tour sehr wichtig. Deshalb ist es gerade in diesem Bereich wichtig darauf zu achten, dass die individuellen Bedürfnisse abgedeckt werden. Das heißt, dass man hier keinesfalls an der falschen Stelle sparen sollte. Dennoch gibt es auch unter den Schlafsäcken und Isomatten Ultraleichtmodelle, die von warm bis kalt die volle Bandbreite abdecken.

Schlafsäcke

Hier sei gleich eines vorweggenommen: Wer einen leichten Schlafsack will, wird an einem Daunenschlafsack nicht vorbeikommen. Selbstverständlich gibt es Einsatzgebiete, in denen Kunstfaserschlafsäcke ihren Kollegen aus Daune überlegen sind, aber eben nicht beim Gewicht. Was aber macht eigentlich einen Schlafsack schwer? Das sind zum einen die Materialien die verwendet werden, zum anderen aber auch die isolierende Füllung. Bei den Materialien der Außenhaut eines Schlafsacks kommen im Ultraleichtbereich besonders leichte und dünne Stoffe zum Einsatz. Somit kann hier bereits einiges an Gewicht eingespart werden. Darüber hinaus kann man an der Füllung sparen. Einfache Regel hier: Daunenschlafsäcke, die für kältere Temperaturen ausgelegt sind, wiegen mehr als Daunenschlafsäcke, die nur bei wärmeren Temperaturen funktionieren. Daher sollte man sich gut überlegen, wofür man den Schlafsack verwenden will und was er dabei können muss. Beispiel: Mehrtageswanderungen oder Trekkingtouren mache ich eigentlich nur im Sommer. Somit kann ich auch nachts mit halbwegs angenehmen Temperaturen rechnen. Allerdings friere ich beim Schlafen sehr schnell und muss somit trotz voraussichtlich warmer Temperaturen Schlafsäcke einsetzen, die eigentlich für kältere Temperaturen ausgelegt sind. Diese Einschätzung muss jeder für sich selbst machen und somit definieren, welcher Schlafsack mit welchem Temperaturbereich am besten passt. Tipps zu diesem Thema liefert auch der Blogbeitrag von Simon.

Wer so beispielsweise zu der Einschätzung kommt, dass ein Dreijahreszeitenschlafsack genau das Richtige ist, der wird sich wahrscheinlich bei einem Gewicht von rund 500 Gramm einpendeln. Modelle wie der Prime Alpine von Pajak oder der Phase 30 von Marmot sind hierfür gute Beispiele. Darüber hinaus kommen im Ultraleichtbereich nicht selten Quilts, also Schlafsäcke ohne Rückenteil zum Einsatz. Hierdurch lassen sich in der Regel nochmals einige Gramm einsparen.

Isomatten

Gerade wenn ein Ultraleichtrucksack zum Einsatz kommt, macht es Sinn, eine Schaumstoffmatte wie die Easy-Mat Foldable von Salewa zu verwenden. Matten dieser Machart schlagen meist mit 300-400 g zu Buche und können obendrein zum Aussteifen des Rucksacks hergenommen werden. Außerdem sind sie quasi unkaputtbar. Nachteil: Diese Matten sind oft nicht besonders bequem und wer Probleme mit dem Rücken hat, wird sie wahrscheinlich schnell verfluchen. Als bequemere Alternative eignen sich auch Thermoluftmatten, die je nach Modell mit einem ähnlichen Gewicht wie ihre Kollegen aus Schaumstoff daher kommen. Wichtig ist es jedoch auch hier, dass die Isomatte nicht nur nach dem Gewicht, sondern auch nach dem Einsatzgebiet ausgewählt wird. Wer beispielsweise im Winter auf Schnee campen möchte, der braucht eine völlig andere Matte als für den Einsatz auf einer Wiese im Sommer.

Vorurteile und Missverständnisse

Wer den Blogbeitrag zum Thema Ultraleichtrucksäcke gelesen hat, der kennt das schon: Wir versuchen immer auch ein wenig zwischen den Lagern Ultraleicht und Ultraschwer zu vermitteln. Hierzu habe ich mir auch diesmal ein paar Vorurteile herausgegriffen und möchte diese näher beleuchten.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultraanfällig
    Dieses Vorurteil hört man oft und in vielen Bereichen. Was leicht ist und dazu noch aus einem dünnen Stoff, das kann nichts taugen, zumindest nicht auf Dauer. Gerade im Bereich der Schaummatten muss hier aufs Vehementeste widersprochen werden. Doch auch bei Zelten und Schlafsäcken ist es nicht so, dass diese schon im Katalog auseinanderfallen. Der Einsatz von leichten, aber gleichzeitig extrem robusten Materialien macht dies möglich. Darüber hinaus hat das Verhalten von Zelten bei Sturm nicht unbedingt etwas mit leicht oder schwer zu tun. Hier ist vielmehr die Form bzw. Bauweise ausschlaggebend.
  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultrakalt
    Kann stimmen, muss aber nicht. Wie bereits erwähnt sind Schlafsäcke, die weniger Füllung in sich tragen immer leichter als Schlafsäcke mit mehr Füllung. Somit sind wärmere Schlafsäcke immer auch schwerer als nicht so warme Schlafsäcke. Darüber hinaus kann aber auch an der sonstigen Machart sowie den restlichen Materialien Gewicht gespart werden. Der Einsatz einer Daunenfüllung macht den Schlafsack beispielsweise deutlich leichter und auch bei den Außenmaterialien gibt es leichte Alternativen. Während also ein ultraleichter Dreijahreszeitenschlafsack mit gut 500 Gramm auskommt, kommen konventionelle Kollegen aus Kunstfaser problemlos auf nahezu das doppelte Gewicht.
  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraungemütlich
    In Sachen Isomatte und Zelt kann dieses Vorurteil stimmen, muss aber nicht. Selbstverständlich schläft es sich auf einer dünnen Schaumstoffmatte weniger bequem als auf einer Luftmatte. Auch in einem Zelt, das von der äußeren Form her gelinde als Dackelgarage erscheint, hat man selbstverständlich weniger Entfaltungsmöglichkeiten als in einem größeren. Aber auch im Bereich von ultraleicht gibt es zahlreiche Modelle, die einem höheren Komfortbedarf gerecht werden. Nicht alle Zelte sind klein und eng, hier gibt es durchaus Unterschiede. Wer sich also mehr Platz wünscht, muss vielleicht auch ein paar Gramm mehr im Rucksack tragen (größer ist halt schwerer) dennoch gibt es viele Ultraleichtzelte, die eine gute Platzausbeute bei geringem Gewicht mit sich bringen. Wem einfache Schaummatten zu unbequem sind, der sollte sich einmal im Bereich der Luftmatten umsehen. Hier gibt es leichte Modelle, die gleichzeitig mit einem guten Komfort daher kommen.

Fazit

Ultraleichtausrüstung hat auch beim Camping seine Berechtigung. Fährt man nur mit dem Auto auf einen Campingplatz und baut dort alles einmal auf, ist das Gewicht freilich zu vernachlässigen. Wer aber mit dem Rucksack unterwegs ist und eine längere Trekkingtour mit vielen Höhenmetern macht, der verschafft sich durch eine leichte Ausrüstung einen klaren Vorteil. Dennoch sollte die Wahl des passenden Equipments nicht immer nur am Gewicht festgemacht werden. Wichtig sind hier ganz klar Faktoren wie Art und Länge der Tour. Auch das Wetter und die Temperaturen vor Ort müssen mit in diese Betrachtung einfließen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man unterwegs keine Nacht durchschlafen kann, weil man sich ständig seine „fünf Buchstaben“ abfriert.

Gore-Tex Surround: Die Membran für Schuhe

Keine Chance für nasse Füße: Schuhe mit Gore-Tex-Membran

18. September 2017
Ausrüstung

Nasse Schuhe und nasse Füße gehören zu den unangenehmsten Umständen, mit denen beim Sport, in der Freizeit und im Alltag zu kämpfen hat. In nassen Schuhen wird es kalt und die Füße fangen an zu frieren. Die Haut wird durchweicht und es bilden sich viel schneller Blasen in nassen Schuhen. Durchweichte Schuhe werden durch das Gewicht des aufgenommenen Wassers viel schwerer und es können mehrere Tage vergehen, bis die Schuhe von innen wieder komplett getrocknet sind.

Für Outdoorsportler, die auf jede Witterung vorbereitet sein müssen gilt es daher die Füße zuverlässig trocken zu halten. Bei regnerischem und matschigem Wetter sind wasserdichte Schuhe mit Gore-Tex Membran aber auch für gewöhnliche Freizeit- und Alltagsschuhe ein deutlicher Gewinn an Komfort, denn die trockenen und atmungsaktiven Schuhe garantieren ein super Tragegefühl. Bei Wanderschuhen, Trekkingstiefeln und Bergschuhen möchte kaum ein Outdoor-Enthusiast auf die hilfreiche Membran verzichten.

Extended, Performance, Insulated und Surround – die Unterschiede der Gore-Tex Schuhe

Alle Schuhe mir Gore-Tex Membran sind wasserdicht und atmungsaktiv. Durch die mikroporöse Struktur der Gore-Tex Schicht gelangt kein Wasser ins Innere der Schuhe. Die Poren sind zwar so klein, dass Wasser nicht eindringen kann, aber gleichzeitig sind sie so groß, dass Wasserdampf durch sie entweicht. Dank über 1,4 Milliarden solcher winzigen Öffnungen pro Quadratzentimeter kann auch bei hoher körperlicher Aktivität die Feuchtigkeit aus den Schuhen optimal nach außen transportiert werden.

Je nach Einsatzgebiet, Temperaturen und Witterungsverhältnissen werden unterschiedlichste Arten von Schuhen mit Gore-Tex Membranen ausgerüstet. Vom knöchelhohen Wanderschuh, über den gefütterten Winterstiefel, bis hin zu leichten Running- und Multisportschuhen. Daher hat Gore seine Technologie für Schuhe mit wasserdichter Membran auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Outdoor- und Freizeitsportlern angepasst, um in jedem einzelnen Einsatzbereich bestmögliche Performance beim Laufen, Wandern und Bergsteigen zu ermöglichen.

Wasserdichte Schuhe mit Gore-Tex Extended Comfort

Gore-Tex Extended Comfort ist speziell für sehr hohe Atmungsaktivität entwickelt. Die Schuhe sind in der Regel niedrig geschnitten und bestehen teilweise aus Mesh-Gewebe und teilweise aus Leder oder Kunstleder. Dank der hohen Dampfdurchlässigkeit von Membran und Obermaterialien sind sie auch bei mittleren bis höheren Temperaturen sehr effizient im Abtransport der Feuchtigkeit und dadurch auch für intensive körperliche Anstrengung optimiert. Die Gore-Tex Extended Comfort Membran wird daher sehr gerne zur wasserdichten Ausstattung von Runningschuhen, Trairunningschuhen, Joggingschuhen und Sportschuhen eingesetzt. Auch leichte Wanderschuhe, Freizeitschuhe, Reiseschuhe und sogar Golfschuhe gewährleisten trockene Füße mit Gore-Tex Extended Comfort.

Wanderschuhe mit Gore-Tex Performance Comfort

Die robuste Gore-Tex Variante garantiert optimalen Klimakomfort in Wanderschuhen, Trekkingstiefeln und widerstandsfähigen Approach- und Outdoorschuhen. Auch bei intensiver körperlicher Belastung und dauerhaft nasser Witterung sorgen die meist knöchelhohen Stiefel mit ihrer wasserdichten Membran für trockene Füße. Selbst tiefere Pfützen, Altschneefelder und nasses Gras sind dank Gore-Tex Performance Comfort kein Problem. Das Obermaterial aus Leder, Kunstleder oder Synthetik wird dabei zwar nass, aber es dringt kein Nässe in die Schuhe ein. Die Atmungsaktivität ist für die körperliche Anstrengung beim Wandern und Trekking optimiert.

Die wasserdichte Membran mit extra Isolierung: Gore-Tex Insulated Comfort Schuhe

So wie auch die Wander- und Trekkingschuhe mit  Gore-Tex Performance Comfort, so sind auch die Outdoorschuhe mit Gore-Tex Insulated Comfort ideal für aktive Wanderer. Neben ihrem zuverlässigen Schutz vor Wasser und der hohen Atmungsaktivität ist diese Gore-Tex Variante mit einer zusätzlichen isolierenden Schicht ausgestattet. Dadurch eignen sie sich besonders gut für niedrige Temperaturen im Winter, im Gebirge, oder in kühlen Reiseregionen. Ob beim Bergsteigen, Winterwandern oder als wasserfester und warmer Winterstiefel – mit Gore-Tex Insulated Comfort bleiben die Füße nicht nur trocken, sondern auch warm.

Wanderschuhe und Freizeitschuhe mit Gore-Tex Surround

Um bei Schuhen, die vor allem für anstrengende Sportarten und bei mittleren bis höheren Temperaturen getragen werden, eine noch bessere Atmungsaktivität zu ermöglichen, hat Gore die Gore-Tex Surround Technologie entwickelt. Gore-Tex Surround ist in gleichem Maße wasserdicht wie alle Gore-Tex Schuhe. Der Unterschied von Gore-Tex Surround liegt in der innovativen Bauweise der Sohle, so dass auch durch die Sohle oder speziellen seitlichen Belüftungsöffnungen verstärkt Wasserdampf nach außen entweichen kann. Dadurch ist es selbst bei höheren Temperaturen und intensiver körperlicher Beanspruchung möglich, den Schweiß zügig vom Fuß abzuleiten und so für ein ideales Mikroklima und hervorragenden Tragekomfort zu sorgen. Gore-Tex Surround wird in drei verschiedenen Konstruktionsweisen in Outdoor-, Sport- und Freizeitschuhen integriert. Die Konstruktion von Gore-Tex Surround ist von außen an den Schuhen sichtbar und in das jeweilige Design eingearbeitet.

Offene Sohle, seitliche Öffnungen, oder seitliche Belüftung

Gore-Tex Surround für Freizeitschuhe sind mit einer offenen Sohlenkonstruktion erhältlich. In der Lauffläche der Sohle sind Öffnungen integriert, durch die überschüssige Hitze und Feuchtigkeit abgegeben werden können. Der Fuß ist dabei komplett vom wasserdichten Gore-Tex Laminat geschützt. Damit das Laminat an den Aussparungen in der Sohle nicht durch spitze Steine oder Wurzeln verletzt wird, schützt ein widerstandsfähiges Spezialvlies die Membran an den Öffnungen.

Eine weitere Konstruktionsweise von Freizeitschuhen mit Gore-Tex Surround sind die seitlichen Öffnungen in der Sohle. Diese Schuhe haben ein Belüftungsgitter mit seitlichen Öffnungen am Sohlenrand . Feuchtigkeit und Wärme aus dem Inneren der Schuhe wird so an den Seiten der Sohlen nach außen geleitet. Dadurch bleiben die Füße auch bei höheren Temperaturen angenehm gekühlt und das ausgewogene Mikroklima in den wasserdichten Gore-Tex Surround Schuhen garantiert ein angenehmes Tragegefühl.

Bei Wanderschuhen verzichtet Gore auf seitliche Belüftungsöffnungen im Sohlenrand oder in der Lauffläche. Stattdessen sind die seitlichen Belüftungen etwas höher angebracht. Durch spezielle „Spacer“ im Gore-Tex Surround Laminat werden Hitze und Dampf seitlich zu den Ventilationsöffnungen über dem Sohlenrand geleitet. Die ausgeklügelte Bauweise ermöglicht es, Wanderschuhe und Outdoorschuhe mit robusten und griffigen Sohlen mit einer hervorragend Belüftung, bester Atmungsaktivität und 100%iger Wasserdichtigkeit anzubieten.

Gore-Tex Handschuhe

Gore-Tex-Membran bei Handschuhen

18. September 2017
Ausrüstung

Wenn das wärmende Futter in Handschuhen feucht wird, fangen die Hände an in den Handschuhen zu frieren. Die Feuchtigkeit kann entweder durch Schnee oder Regen von außen in die Handschuhe eindringen, oder sie bildet sich von innen, weil der Schweiß von den Händen nicht nach außen abtransportiert werden kann, sondern vom Futter aufgesaugt wird. Kalte Hände sind beim Wintersport, beim Bergsteigen, auf Expeditionen und vielen anderen Outdoorsportarten und Winteraktivitäten sehr unangenehm. Bei zu starker Unterkühlung besteht zudem die Gefahr das Feingefühl in den Fingern zu verlieren und eine verschlechterte Durchblutung zu riskieren. Im schlimmsten Fall können dabei Erfrierungen auftreten, die sich nicht mehr heilen lassen.

Gute Handschuhe für Skifahrer, Snowboarder und Bergsportler müssen deshalb die Hände nicht nur dauerhaft warm halten, sondern auch dauerhaft trocken. Deshalb haben alle Gore-Tex-Handschuhe eine klare Aufgabe: sie verhindern, dass Nässe von außen in die Handschuhe eindringen kann und lassen die Feuchtigkeit von innen entweichen, ohne dass sie sich im Handschuh sammelt. In Kombination mit einer optimal abgestimmten Isolierung dürfen sich Outdoorsportler auch bei intensiven sportlichen Aktivitäten und anspruchsvollen Wetterbedingungen jederzeit über trockene und warme Hände freuen.

Wasserdichte und atmungsaktive Gore-Tex Handschuhe

Handschuhe mit der Gore-Tex Technologie arbeiten ähnlich, wie Hardshelljacken und Regenhosen mit einer wasserdichten ePTFE Membran. Diese dünne Schicht weist durch ihre spezielle Konstruktion eine mikroporöse Struktur auf. Das bedeutet, dass die Membran mit winzigen Poren durchsetzt ist, die so klein sind, dass kein Wasser durch sie dringen kann, aber dennoch Wasserdampf entweicht. Pro Quadratzentimeter einer Gore-Tex-Membrane befinden sich über 1,4 Milliarden solcher Öffnungen. Jede einzelne Pore ist 700 Mal größer als ein Dampfmolekül und 20.000 Mal kleiner als ein Wassertropfen.

Die Gore-Tex-Membrane ist ausgesprochen dünn und muss zur Herstellung von Outdoorjacken und Handschuhen zu einem Laminat verklebt werden. Dabei wird die Membran fest mit einem widerstandsfähigen Obermaterial verbunden. Je nach Art und Bauweise des wasserdichten Produkts kommen auf der Innenseite eine wärmende Isolierung und ein hautfreundliches und angenehmes Innenfutter dazu. Gore stellt nicht nur wasserdichte Handschuhe her, sondern liefert mit Handschuhen aus Gore Windstopper eine Variante, die warm und winddicht vor Kälte schützt. Im Bereich der wasserdichten und windundurchlässigen Gore-Tex Handschuhe unterscheidet Gore vier verschiedene Konstruktionsweisen, die mit unterschiedlichen Eigenschaften für verschieden Einsatzbereiche optimiert wurden.

Vier Technologien: Gore warm, Gore active, Gore grip und Gore 2in1

Um Outdoorsportlen und Wintersportlern die Suche und Auswahl der optimalen Gore-Tex Handschuhe zu erleichtern, hat Gore seine Outdoorhandschuhe in vier Gruppen eingeteilt. Handschuhe mit der Gore warm technology sind auf maximale Wärmeleistung optimiert. Selbstverständlich sind sie wasserdicht, windundurchlässig und atmungsaktiv. Ihre herausragende Eigenschaft ist aber die besonders warme Isolierung. Damit gehören sie zur ersten Wahl, wenn auf der Expedition oder Bergtour eisigste Temperaturen zu erwarten sind. Gore-Tex-Handschuhe mit Gore warm Technologie sind nicht für milde Temperaturen entwickelt, sondern für klirrende Kälte.

Gore active spricht dagegen alle Wintersportler besonders an, die durch intensive körperliche Anstrengung beim Skifahren, Snowboarden und auf Skitour verstärkt ins Schwitzen kommen. Die Gore active technology in den Gore-Tex Handschuhen sorgt dafür, dass der Schweiß sich nicht im isolierenden Futter sammeln kann und schnell nach außen abgegeben wird. Bei kühlen und kalten Bedingungen sind die Gore-Tex Handschuhe mit der Gore active Technologie optimal geeignet.

Um auch mit warmen Handschuhen ein sehr gutes Feingefühl in den Fingern zu gewährleisten, hat Gore die grip technology für Gore-Tex Handschuhe entwickelt. Ein spezieller Lagenaufbau im Laminat und in der Konstruktionsweise der Handschuhe garantiert höchste Taktilität. Dadurch haben Winter- und Outdoorsportler stets einen sicheren Griff und das nötige Fingerspitzengefühl zur sicheren Bedienung von Reißverschlüssen, Knöpfen, Skistöcken und Trekkingstöcken. Auch Fahrradfahrer sind begeistert von einer verbesserten und präzisen Bedienbarkeit vom Bremshebel, Schaltung und Lenker.

Der Aufbau der Gore-2in1-Technology ist wasserdicht und atmungsaktiv wie alle Gore-Tex-Handschuhe. Seine Besonderheit liegt in einer Kombination aus sehr gutem Griffgefühl bei enormer Wärmeleistung. Um das zu ermöglichen, hat Gore die Handschuhe mit der 2in1 Technologie in mehrere Kammern aufgeteilt. Die Innenflächen der Finger sind dabei auf maximales Feingefühl optimiert, während die seitlichen Fingerpartien und die gesamte Rückseite der Handschuhe sehr warm gefüttert sind. Bei sehr niedrigen Temperaturen, geringerer körperlicher Aktivität oder Menschen, die einfach schneller kalte Finger bekommen, garantiert Gore-2in1 kuschelige Wärme. Trotzdem lassen sich Skistöcke, Reißverschlüsse und Fahrradlenker mit großem Feingefühl greifen.

Warme und trockene Hände beim Skifahren und Snowboarden

Zu welcher Variante von Gore-Tex Handschuhen Wintersportler greifen, hängt stark vom persönlichen Einsatzbereich und individuellen Kälte empfinden ab. Dank der grundlegenden Eigenschaften der Gore-Tex Handschuhe, die absolut wasserdicht sind, keinen Wind durchlassen und gleichzeitig den Schweiß nach außen abgeben, sind alle Handschuhe mit Gore-Tex Membran eine zuverlässige Garantie für warme und trockene Hände und ein super Tragegefühl.