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Skitouren: Ohne Plan geht nix

Skitouren: Ohne Plan geht nix

17. November 2017
Die Bergfreunde

Skitouren sind ein erstaunlicher Trend, denn sie passen eigentlich gar nicht in den Zeitgeist. Sie sind in vielerlei Hinsicht mit gesteigertem Aufwand verbunden und lassen sich damit kaum als einer unter vielen Sidekicks im Erlebnis-Multitasking unterbringen. Okay, da wären noch die Pistenskitouren, bei denen man im Skigebiet oft direkt neben dem Lift aufsteigt und dann die Piste abfährt.

Das ist natürlich nicht ganz so aufwändig, dafür aber auch schon mal mit einem Betrieb wie Samstags in der Kletterhalle verbunden. Aber es gibt tatsächlich auch immer mehr Menschen, die abseits der Pisten nach ursprünglichen Erfahrungen von Stille und Abgeschiedenheit suchen – und zwar nicht erst im reifen Alter.

Wir leben eben in Zeiten der Kontraste. Insofern passt es, dass man sich in der tief verschneiten Landschaft manchmal schon nach wenigen Metern weg vom Trubel in eine andere Welt versetzt fühlt. Doch dann kommt man ohne Planung und Know-how nicht mehr sehr weit. Zumindest nicht auf verantwortbare Weise.

Da man sich mit Ahnungslosigkeit und Unbedarftheit selbst gefährden und umbringen kann – gilt ja auch in anderen Bergdisziplinen. Bei Skitouren allerdings spielt auch der Einfluss auf andere Tourengeher eine große Rolle: wenn jemand aus Unkenntnis und Leichtfertigkeit eine Lawine auslöst, dann kann das auch für andere böse Folgen haben.

Know-how: Nicht alle Theorie ist grau

In aller Kürze gesagt beruht die ganze Tourenplanung auf der Einschätzung der drei Faktoren Verhältnisse, Gelände und Mensch. Diese werden dann auf drei räumlichen Ebenen wiederholt, bis zuletzt der genaue Tourenverlauf gefunden ist. Mit dieser vom Schweizer Bergführer und „Lawinenpapst“ Werner Munter entwickelten 3 x 3 Reduktionsmethode lässt sich Ordnung in das Planungschaos bringen.

Falls dieser kurze Zusammenfassungsversuch jetzt unkompliziert klang: super! Doch leider bleibt es nicht so einfach. Denn für das selbstständige Skitourengehen kommt man um eine fundiertere Theoriebasis nicht herum, sieht man schon daran, dass die Kapitel über Schnee- und Lawinenkunde im Alpinlehrplan Skitouren des Deutschen Alpenvereins satte 30 textlastige Seiten einnehmen. Dann kommen nochmal rund 20 Seiten über das Risikomanagement.

Damit ist auch klar, dass ein Artikel wie dieser, eine fundierte Einführung weder ersetzen kann noch soll. Wir beziehen uns hier nur auf die Auswahl und Planung einer konkreten Tour, während das Wissen um die Benutzung der Ausrüstung und die Grundzüge der Lawinen- und Schneekunde vorausgesetzt werden muss, bzw. hier nur an einigen Stellen angerissen werden kann. Wenn hier noch keine Basis vorhanden ist, sollte man sich zunächst mit den Grundpfeilern der Skitouren-Theorie vertraut machen, über die wir hier im Blog schon das eine oder andere mal berichtet haben (Lawinengefahr und ihre Einflussfaktoren oder auch der richtige Umgang mit LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schaufel).

Das ist auf den ersten Blick eine Menge Stoff, der sich zudem auch nicht so einfach in die Praxis übertragen lässt. Deshalb schließt man sich für die entsprechende Übung und Erfahrung am besten einem Kurs oder einer geführten Anfängertour an. Dafür gibt es bei den Alpenvereinssektionen, der Alpenvereinszentrale und bei kommerziellen Anbietern jede Menge Möglichkeiten. Die Initiative SAAC bietet hier mit ihren Basic Camps sogar eine kostenlose Möglichkeit: „SAAC Basic Camps – das sind 2-tägige Lawinencamps mit Backgroundinfo und Praxis für Off-piste Freaks. Bergführer und Snowboardpros informieren über alpine Gefahren abseits der gesicherten Pisten.

Der Tourenplanung erster Schritt: das grobe Raster

Die „Grobauswahl“ des Tourenziels wird von den Verhältnissen bestimmt, die man dem Wetterbericht und dem (richtig zu lesenden) Lawinenlagebericht (LLB) entnimmt. Dieser gibt anhand der Schneedeckenstabilität und der Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen eine Gefahrenstufe an.

Die entsprechende fünfstufige Gefahrenskala gilt einheitlich für alle Alpenländer. Zur vollständigen Risikoanalyse gehören außerdem die vergangene und zu erwartenden Schneefallmengen sowie Windsärke und -Richtungen und der Temperaturverlauf mitsamt all der Auswirkungen auf die Schneedecke. Auch Aussagen über besonders lawinengefährdete Höhenlagen, Hangexpositionen oder Geländeformen sind ausschlaggebend für die Wahl des Tourenziels.

Wie gesagt erfolgt die Risikoeinschätzung nicht Pi mal Daumen, sondern möglichst exakt mithilfe diverser Indikatoren in einem mehrstufigen Filtersystem. Dabei gibt es verschiedene, sich ergänzende Werkzeuge:

  • Das schon erwähnte 3 x 3 System ist mittlerweile die Grundlage fast aller Entscheidungs- und Auswahlstrategien. Die 3 Faktoren Verhältnisse (Wetter, Schnee, Lawinenlage), Gelände (Höhe, Steilheit, Hangform, etc.) und Mensch (Kondition, Technik, Kompetenz, Erfahrung) werden dabei in 3 Stufen (regional, lokal, zonal) analysiert, wobei jede Stufe die in Frage kommende Tour samt ihres Verlaufs näher eingrenzt. Munters Reduktionsmethode ist durch ihrem ganzheitlichen Einbezug des menschlichen Subjektivitätsfaktors zurecht State of the Art. Sie ermöglicht ein systematisches, gezieltes Vermeiden gefährlicher Hänge und bietet eine sinnvolle Grundstruktur für die Entscheidungsfindung vor und während der Tour.
  • Die Snowcard ist ein praktisches Werkzeug, dass sich sehr gut in das Munter‘sche 3 x 3 einbauen lässt. Sie ermöglicht auf allen 3 Stufen schnelle Erkenntnisse über die Faktoren Gelände und Verhältnisse und besticht in der Handhabung durch Einfachheit und Übersichtlichkeit. Vor allem kann man mit ihrer Hilfe sehr schön die Steilheit von Hängen direkt ablesen, indem man die entsprechende Skala auf die Stelle in der topographischen Karte hält (die, wie wir gleich noch sehen werden, auch im digitalen Zeitalter keineswegs ausgedient hat).
  • Der Lawinenlagebericht liefert mit seinen Gefahrenstufen in erster Linie Infos zum Faktor Verhältnisse, spielt aber auch bei der Geländebeurteilung eine wichtige Rolle. Denn auf Grundlage des LLB kann man eine Anstiegslinie der in Frage kommenden Tour in die Karte einzeichnen und dabei mit Hilfe der Snowcard die Steilheiten der Hänge messen. Bis Gefahrenstufe 2 bezieht man dabei nur Hänge ein, die man begeht, ab Stufe 3 werden auch die Hänge wichtig, unter denen man durchläuft.
  • Das Kartenstudium ist bei Skitouren also nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil. Man ermittelt und markiert damit auch die „Schlüsselstellen“: steile Passagen und potentielle Gefahrenstellen wie Kammlagen, Rinnen, Mulden und steile Hänge oberhalb der Route. Zusätzlich sucht man nach  „Checkpunkten“, die während der Tour eine gute Übersicht über den weiteren Routenverlauf bieten sollen. Das erfordert allerdings eine gewisse „dreidimensionale Lesefähigkeit“ der Höhenliniendarstellung.

Tourenplanung zweiter Schritt: Einkreisen und Details checken

Wenn wir mit dem „Grobfilter“ soweit sind, haben wir die möglichen Zielgebiet eingekreist und suchen nun die konkrete Tour. Auch hier gilt die Devise „Safety First“. Vor allem Einsteiger-Skitouren werden von A bis Z an der Gefahrenvermeidung ausgerichtet. Das geht am besten, indem man das eigene Können (und das der Partner, die man idealerweise kennen sollte) sehr zurückhaltend einschätzt und die Tourenwahl bestmöglich an den ermittelten Wetter- und Schneeverhältnisse ausrichtet. Zudem sollte man von vornherein ein Ausweichziel einplanen und sich nicht zu sehr auf das unbedingte Erreichen des ersten Wunschziels fixieren.

Besonders im Frühjahr weichen die Schneeverhältnisse oft stark von dem ab, was man vom „normalen“ Skifahren im Hochwinter her kennt. Deshalb sollte man das Anforderungslevel als Anfänger wirklich sehr tief ansetzen. Auch bei Touren, denen man auf dem Papier locker gewachsen zu sein glaubt, können neben ständig wechselnden Schneearten mit viel Bruchharsch so manche Überraschungen lauern. Deshalb auch bei der Tourenlänge besondere Zurückhaltung üben.

Ideal ist ein realistischer Zeitplan, der nicht nur Start und Rückkehr, sondern auch Pausen beinhaltet und bestimmte Zwischenziele festlegt. Die Tage sind bekanntlich nicht so lang wie im Hochsommer und besonders in Gruppen mit mehreren, nicht aufeinander eingespielten Anfängern geht es in der Regel alles andere als schnell voran. Bei verschiedenen Könnensstufen kommen unter Umständen noch diverse Stimmungen und Dynamiken hinzu, die, sofern nicht erkannt und angesprochen, zu falschen/riskanten Entscheidungen führen können. Hier kann ein Ausweichziel sehr hilfreich sein um Frust zu vermeiden.

Unterwegs vor Ort wird das daheim erarbeitete Tourenprofil natürlich gegengecheckt und falls erforderlich nachgebessert. Letzte Unklarheiten können sowieso nur durch den echten Blick ins Gelände beseitigt werden, vor allem wenn während der Anreise Schnee gefallen ist oder die Sonne einige Stunden richtig geknallt hat. Dann haben sich die Tourenverhältnisse womöglich schon wieder geändert.

Das klingt alles recht umständlich und zeitaufwändig, je nach Vielfalt des Geländes, kann es das auch durchaus sein. Vor allem wenn an mehreren heiklen Stelle eine wohl durchdachte Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Tour erforderlich ist.

Planungswerkzeuge On- und Offline

Unsere Vorfahren benutzten einst Bücher für die Tourenplanung. Diese schweren, viereckigen Objekte aus Papier schleppte man mühsam aus Geschäften oder der Alpenvereinsbibliothek nach Hause, um sie dann einzeln durchzuforsten. Im heutigen digitalen Zeitalter nutzt „man“ hingegen raffinierte Onlinetools, die die perfekte Tour binnen weniger Minuten ausspucken können. Aber: auch wenn man damit die Tourenauswahl mittlerweile komplett online angehen und sich die Beschreibungen abspeichern oder abfotografieren kann, sind die Bücher dennoch nicht verdrängt worden.

Vielleicht liegt das auch daran, dass bei all der digitalen Eleganz die Frage bleibt, ob das Smartphone bei Schneetreiben auf Tour zuverlässig seinen Dienst tut und ob das Touchscreen-Gewische mit kältesteifen Handschuhen bei gleißendem Licht und wirbelndem Schnee wirklich praktikabel ist. Da kann so ein Büchlein plötzlich wieder sehr zeitgemäß wirken. Gleiches gilt für die topographische Karte im Maßstab 1:50.000 oder besser 1:25.000, die man auf jeden Fall in Papierform mitnehmen sollte.

Die Bibliotheken der örtlichen Alpenvereinssektionen sind oft sehr gut mit AV-Karten bestückt (deren Mitnahme auf Tour offiziell nicht erlaubt ist …). Geliehene Karten sollten selbstverständlich nicht mit dem Verlauf der geplante(n) Route(n) und Markierungen potentiell gefährlicher Hänge bemalt werden. Genau diese Möglichkeit ist jedoch ein entscheidender Vorteil der Papierkarte – ebenso wie die im Vergleich zum kleinen Screen bessere Lesbarkeit, Übersicht und Detailfülle.

Hier drei Beispiele bekannter Tourenportale, die die Suche mit einer interaktiven Karte ermöglichen:

  • https://www.alpenvereinaktiv.com – viele Optionen und Filter zum Verfeinern der Suche, man kann auch Hütten suchen und die aktuellen Bedingungen, inklusive Wetter und Lawinenlage abfragen. Besonders praktisch und leicht wird das Handling nicht nur durch die interaktive Landkarte, sondern auch durch die vielen Möglichkeiten unter dem Button „Suche verfeinern“. Dort lassen sich Suchkriterien wie Anstieg, Höhenmeter, Strecken und Dauer der Tour festlegen.
  • https://www.outdooractive.com/de/ – sehr ähnlich aufgebaut wie alpenvereinaktiv, mit ähnlichem Funktionsumfang und vielen überschneidenden Tourenvorschlägen – allerdings mit wesentlich mehr Touren außerhalb des Alpenraums
  • http://www.hikr.org/ – oft gute und genaue Beschreibungen mit schönen Fotos, doch nur wenigen Filtermöglichkeiten der Suche

Tourenpartner finden

Da nicht jeder die passenden Skitourengeher schon fertig im Freundeskreis eingebaut hat, stellt sich oft die Frage, wie man solche findet. Am besten helfen hier natürlich Kurse und geführte Touren, wo man gleich einen echten und lebendigen Eindruck der möglichen künftigen Tourenbuddies gewinnt. Etwas weniger Aufwand macht die Internetrecherche. Der übliche Tipp ist hier natürlich Facebook, wo es bekanntlich keine Gruppe gibt, die es nicht gibt. Der Vorteil bei Facebook ist die Quantität, sprich, dass es an Interessenten selten mangelt. Zweifelhaft ist dann leider oft die Qualität, denn Stichworte wie „verlässlich“, „ernsthaft“ oder „langfristig“ gelten nicht gerade als Hauptmerkmale der schnellen Facebookwelt.

Dann gibt es natürlich den Alpenverein mit seiner DAV-Community samt Tourenpartnersuche und die Tourenforen vieler Sektionen. Dort liegt das Problem dann eher umgekehrt: es finden sich zwar leichter Partner, die nicht nur heiße Luft produzieren, doch die Auswahl für die passende Bergsportdisziplin zum passenden Zeitraum scheint manchmal etwas dünn.

Ein dritter Weg sind die Onlinebörsen von kommerziellen Anbietern wie Mountix.com. Bei Mountix kann man dank mobiler App auch kurzfristig vor Ort noch Touren „klarmachen“. Die Zahl der Gesuche im Bereich Skitouren ist im Moment zwar auch hier eher dünn, aber das könnte auch einfach daran liegen, dass zurzeit (Mitte November) noch nicht wirklich Saison ist. Außerdem kann man ja auch selbst das Heft in die Hand nehmen und ein aussagekräftiges Gesuch einstellen. Und etwas Glück gehört sowieso immer dazu …

Die Tour steht: letzte Schritte vor der Abfahrt

Oft wird es kurz vor der Tour hektisch, da sehr viele Kleinigkeiten in sehr kurzer Zeit erledigt werden wollen. Deshalb hier eine kurze Übersicht:

  1. Ausrüstung: Man kann natürlich am Abend vor der Tour anfangen, das Material zusammenzusuchen und zu packen. Doch wenn dann irgendetwas fehlt, was letztens noch ganz sicher da unten im Kellerregal lag, oder irgendetwas nicht funktioniert (klassischerweise die Stirnlampe mangels Batterieladung), werden die Besorgungen stressig. Also lieber rechtzeitig die Packliste Skitour durchgehen und abhaken.
  1. Notrufnummern speichern, am besten die lokale Nummer auf die Kurzwahltaste. Eine Übersicht über die Notrufnummern in den Alpenländern gibt es hier: https://www.alpenverein.de/dav-services/alpine-auskunft/alpine-telefonnummern_aid_10705.html
  1. Wenn die Tour steigt, Angehörige über den spät möglichsten Rückkehrzeitpunkt informieren. Warum nicht die Skitour nutzen, um endlich mal wieder Mama anzurufen? Im Notfall kommt es dann schneller zu einer Vermisstenmeldung.
  1. Unmittelbar vor Abmarsch: LVS-Geräte checken. Die Tourenteilnehmer müssen im Partnercheck prüfen, ob ihre LVS auch wirklich „auf Sendung“ sind. Hierfür stellt ein „Tester“ sein Gerät in den Sendemodus und alle Teilnehmer prüfen den Signalempfang. Anschließend stellt der „Tester“ sein Gerät in den Empfangsmodus und prüft nacheinander den Empfang des Signals der anderen Teilnehmer, die in den Sendemodus umgeschaltet haben. Zuletzt aktivieren alle den Sendemodus und die Tour startet.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat findet bei uns im Basislager noch ein paar tolle Artikel über Skitouren, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet. Hier geht´s zu unseren Favoriten im Allgäu und Mittelgebirge. Hautnah berichtet Bergfreundin Klara von ihrem Ausflug zur Wiesbadener Hütte (Silvretta) und der Saarbrücker Hütte (Silvretta).

Der Reiz der Solo Tour

Der Reiz der Solo Tour

16. November 2017
Die Bergfreunde

Es ist ein echtes Abenteuer – und das jedes Mal aufs neue. Alleine unterwegs zu sein, hat für viele Wanderer und Bergsteiger einen ganz besonderen Reiz. Dennoch ist es für den einen oder anderen schwer nachzuvollziehen, was an einer Solo Tour so fasziniert. Vielleicht könnte ein Einblick in mein letztes Abenteuer etwas mehr Klarheit schaffen. Gerade, wenn ich mich an den vorwurfsvollen und zu gleich besorgten Blick meiner Mutter zurückerinnere…

„Musst du das denn alleine machen?“, fragt sie mich, als ich Rucksack, Schlafsack und Bergschuhe ins Auto packe. Aber meine Antwort steht fest – mein Ziel sind die drei Zinnen in den Sextener DolomitenDas wird großartig, denke ich mir während der Fahrt. In meiner Magengegend macht sich Vorfreude breit aber auch Skepsis. Was erwartet mich? Erreiche ich das was ich mir vorgenommen habe?

Der Weg zu sich selbst

Obwohl es bei meiner Ankunft am Startpunkt schon etwas spät geworden ist, packt mich mein Entdeckergeist. Sofort ist klar, ich muss heute noch raus. Voller Enthusiasmus verlasse ich mein Auto, mein heutiges Schlafquartier und wandere los. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, um mein Ziel zu erreichen – die Nordwand der westlichen Zinne aus der Nähe zu betrachten. Es dämmert bereits und der Aufstieg über das Geröllfeld steht noch bevor. Keine Menschenseele weit und breit, um diese Zeit ist hier niemand mehr unterwegs.

Wenn man jetzt im Team unterwegs wäre, würde man sich absprechen. Geht man noch hoch oder lässt man es sein. Vier Augen sehen mehr als zwei, vielleicht hat mein Partner ja mehr Erfahrung und ich kann mich auf seine Einschätzung verlassen. Vor allem in einem unbekannten Gebiet ist das sehr beruhigend und angenehm. Doch hier ist niemand, den ich fragen könnte. So muss ich mich auf meine eigene Erfahrung verlassen, vielmehr jedoch auf mein Bauchgefühl. Also steige ich weiter auf. Ich weiß, dass ich gut ausgerüstet bin und wenn es sein muss, im Abstieg noch mal Gas geben kann. Ungern würde ich in die Finsternis kommen und mich auf einem der vielen kleinen Pfade im Geröll verlaufen. Ich ziehe mein Tempo noch mal an und komme durchgeschwitzt am Wandfuß an.

Ich lehne mich an die mächtige Nordwand und atme tief durch. Der Blick der sich mir jetzt bietet ist umwerfend. Über mir thront der ausladende Überhang, unter mir die Zinnenseen, vor mir ein Bergpanorama, das im Moment nicht zu übertreffen ist. Die abendliche Sonne beleuchtet die drei Zinnen in einem warmen Rot wie auch die umliegenden Gipfel. Ich halte diesen Moment mit meiner Kamera fest, setze mich hin und lausche. Ich höre nur den kalten Wind und mein eigenen Atmen.

Es ist so ruhig, dass ich die Stille förmlich hören kann. So als wäre sie greifbar und ich würde Teil von ihr werden. In diesem Moment bin ich eins mit mir selbst und meinem Umfeld, völlige Zufriedenheit erfüllt mich und ich bin frei. Die Zeit jedoch drängt mich zum Umkehren. Ich reiße mich von dem wundervollen Anblick los und beginne mit dem Abstieg. Ein paar Wolken haben sich vor die untergehende Sonne geschoben und beschleunigen die Dämmerung.

Es wird verdammt schnell dunkel und ich bin noch nicht auf dem richtigen Weg. Meine Schritte werden zwar schneller, jedoch bleibe ich ruhig und gelassen. Ich bin Herr der Lage und habe alles im Griff. Im letzten Funken Tageslicht erreiche ich den Weg und nun hüllt mich die Nacht komplett ein. Die Berge um mich rum werden zu großen schwarzen Ungeheuern, die nun bedrohlich auf mich wirken.

Mein Geist ist absolut wach und nimmt jede kleine Bewegung, jedes Geräusch in meinem Umfeld wahr. Wenn man sich komplett darauf einlässt, sich anpasst und dementsprechend handelt, wird man eins mit der Umwelt. Dann gibt es nur noch das Hier und Jetzt. Dieses Gefühl erlebt man auf Solo Tour oft noch viel intensiver. So ist jeder Weg, den ich alleine gehe, auch immer ein Weg zu mir selbst.

Ich lerne mich und meine eigenen Fähigkeiten intensiv kennen, stoße an Grenzen und muss Verantwortung für mich übernehmen. Zu wissen, dass ich meinen eigenen Fähigkeiten vertrauen kann, beflügelt mich regelrecht und gibt mir gleichzeitig die innere Ausgeglichenheit, die heutzutage oft vielen Menschen fehlt. Ganz nah bei mir selbst zu sein, durch nichts abgelenkt und vollkommen im Moment zu leben. Am Auto angekommen bin, wärmt mich ein Tee, bevor ich mich in den Schlafsack einrolle. Ich habe die leise Befürchtung, dass es eine kalte und somit sehr lange, einsame Nacht wird, denn der Himmel hat aufgeklart und die Sterne funkeln.

Die eigenen Kräfte richtig einschätzen und Risiken vermeiden

Als ich am frühen Morgen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen spüre, ist die unangenehme Nacht mit wenig Schlaf sofort vergessen. Ich freue mich, dass das Wetter besser ist als vorhergesagt. Ich mache mich direkt auf den Weg, um heute das komplette Gebirgsmassiv zu umrunden. Um mich herum zieht Nebel vom Tal herauf, als ich das erste Etappenziel der Tour erreiche, die Dreizinnenhütte.

Es geht alles ganz schnell: von einer Sekunde auf die andere haben mich dicke Nebelwolken eingehüllt und obwohl es erst September ist, beginnt es wenig später zu schneien. Zuerst freue ich mich wie ein kleines Kind über den Schnee, dann denke ich an meine Tour. Ein Partner, der mich im Zweifelsfall bremst, fehlt. Einerseits ist dieses Gefühl, zu handeln wie ich es will befreiend, andererseits kann das auch schnell gefährlich werden. Da ich das Risiko für mich ganz alleine trage, lehren mich Solo Touren wachsam zu sein muss und meine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, um Gefahren zu vermeiden.

Schließlich weiß ich, was zu tun ist und breche ohne groß zu überlegen ab. Man sieht keine 50 Meter weit, obwohl es immer wieder kurze Lichtblicke gibt, bleibt das Wetter unberechenbar. Es fällt mir nicht schwer umzukehren, ohne mein Ziel erreicht zu haben. Im Gegenteil, ich bin vielmehr stolz darauf diese Entscheidung getroffen zu haben.

Allein oder doch lieber zu zweit?

Des Öfteren werde ich gefragt, warum ich alleine auf Tour gehe. Ist alleine Bergsteigen nicht langweilig, einsam oder sogar gefährlich? Zu zweit oder in der Gruppe zu wandern macht unglaublich viel Spaß. Denn eigentlich bin ich ein geselliger Mensch, der sich gern mit Gleichgesinnten umgibt, Erfahrungen austauscht und von Stärkeren lernt.

Ich bin somit kein Einzelgänger der egoistisch und rücksichtslos sein Ding durchziehen muss, um zufrieden zu sein. Vielmehr treibt mich mein unbändiger Freiheitsdrang dazu an, die komfortable Zone einer Gruppe zu verlassen. Alleine am Berg unterwegs zu sein bedeutet für mich absolut fokussiert zu sein, denn schließlich bin ich komplett für mich selbst verantwortlich. Denn dann gibt es niemanden, der neben mir steht und sagt, das ist zu gefährlich, kehr um oder du befindest dich auf dem falschen Weg. Ich muss alle Entscheidungen alleine treffen und auch die Konsequenzen in vollem Umfang tragen.

Es gibt niemanden, der mich aus einer misslichen Lage befreit. Mit diesem Wissen, unterwegs zu sein schärft meine Sinne und lehrt mich auf mein Bauchgefühl zu hören. Jemanden neben dir zu haben der im Ernstfall weiß, was zu tun ist, ist durchaus sehr beruhigend. Aber zu wissen, dass meine eigene Einschätzung vertrauenswürdig ist und dass mein Körper funktioniert wie es die Situation verlangt, ist für mich die ultimative Freiheit. Bei jeder Tour, die ich alleine gehe, sammle ich mehr Erfahrungen, die mich reifen lassen und mir die Sicherheit geben mir selbst zu vertrauen.

Als ich mal wieder alleine auf Tour war und den Gipfel erreiche, treffe ich zwei ältere Herren, die gerade ihre Brotzeit genießen. Als auch nach einer viertel Stunde niemand hinter mir auftaucht, fragen sie mich verdutzt: „Ja Mädel, jetzt musst uns aber schon sagen, warum du des alleine machst?! Hast wohl einen greisligen Partner?“ Die Direktheit überrascht mich und bringt mich zum Lachen. „Nein, daran liegt es nicht. Ich mach das allein weil es mir ab und an gut tut, etwas für mich selbst zu tun und vielleicht auch einfach weil ich es kann.“

Die beiden nicken sich zu und geben mir Recht: „Mein Kumpel hier, der konnte den ganzen Weg nicht den Mund halten, ständig muss er reden.“, wird sogar noch nachgelegt. Es folgt eine hitzige Diskussion darüber wer nun mehr beim Aufstieg geredet hat, ob es eine Einigung gab, werde ich wohl nicht erfahren. Beim Abstieg denke ich aber noch lange über ihre Frage nach. So sehr ich die Zweisamkeit oder Geselligkeit auch liebe, so sehr liebe ich es meine Eigenständigkeit zu fördern und mich selbst herauszufordern.

Eisgeräte schärfen Titel

Eisgeräte schärfen: Grundlagen und Feinheiten

16. November 2017
Tipps und Tricks

Wenn der Winter naht, bekommen die schärfsten Kaliber im Ausrüstungsensemble ihren Auftritt: die Eisgeräte, auch bekannt als Eisbeile, Eisäxte oder neudenglisch Eis-Tools. Sie sind die martialischen Brüder der Eispickel und benötigen aufgrund ihres deutlich härteren Einsatzgebietes mehr Pflege und Aufmerksamkeit. Denn bei Vernachlässigung stumpfen sie ab, gehorchen nicht mehr richtig und bringen ihre Besitzer womöglich noch in Gefahr. Die Spitzen ihrer Hauen prallen ab oder sprengen das Eis weg anstatt es zu durchdringen. Die Zähne an den Unterseiten rutschen anstatt zu beißen. Und wenn sie dann einmal fest im Eis stecken, lassen sie sich wegen der stumpfen Hauenoberseiten kaum noch herausziehen. Jetzt ist es höchste Zeit nachzuschärfen.

Einspannen/Fixieren:

Viele Anleitungen scheinen davon auszugehen, dass Eisgerätebesitzer automatisch über einen Hobbykeller oder eine Garage mit gut sortierter Werkstatt verfügen. Dann hat man beim Bearbeiten der Bergausrüstung natürlich keine Probleme mit all den schönen vorgeschlagenen Möglichkeiten.

Doch was wenn nicht? Nun, dann kann man trotzdem mitspielen im Konzert der Feiler und Schleifer. Denn das Einspannen oder anderweitige Festhalten der Haue kann man auch ohne Schraubstock und professionelle Arbeitsplatte bewerkstelligen. Selbst dann, wenn sich als zusätzliche Erschwernis die Haue nicht vom Schaft trennen lässt. Ob man sie dann zwischen Möbeln einklemmt, mit Gewichten beschwert oder mit Klebeband fixiert – man muss nur ein wenig kreativ werden und folgende Punkte beachten:

  • Die Fixierung sollte direkt an der Haue oder möglichst nah an ihr erfolgen. Der Schaft sollte möglichst nicht eingespannt werden, da er durch zu viel Druck beschädigt werden könnte. Außerdem können so beim Feilen schädliche Querbelastungen zwischen Haue und Schaft auftreten.
  • Die Haue sollte generell nicht quer zum Schaft belastet werden (sonst sind Beschädigungen möglich, die auf Dauer zum Bruch führen können)
  • Die Fixierung muss fest genug sein, dass beim Feilen keine Vibrationen durch das Eisgerät gehen

Noch ein Hinweis zum späteren Zusammenbau des Eisgeräts: Gibt der Hersteller ein vorgeschriebenes Anzugsdrehmoment an der Schrauben an, ist dieses zu überprüfen (bzw. beim Montieren einzuhalten). Schrauben sollten nicht geölt werden um ein Lockern während des Einsatzes zu reduzieren.

Die Feile

Ist die Haue mehr oder weniger fachmännisch fixiert, nimmt man das Arbeitsgerät in die Hand. Das ist idealerweise eine Bastardfeile in Form einer Flachfeile mit Kreuzmuster (Kreuzhieb) auf dem Feilenblatt. Das Kreuzmuster schleift das Metall in jeder Bewegungsrichtung, sodass man sehr effizient arbeiten kann.

Für den Feinschliff kann man ggf. noch mit einer feineren Flachfeile nacharbeiten. Für die „Zahnzwischenräume“ auf der Unterseite samt der konkaven Wölbung zur Hauenspitze hin benötigt man zusätzlich eine Rundfeile. Wer hier eine Two-in-One Lösung sucht, kann unter dem Suchbegriff Mühlsägenfeile vereinzelt fündig werden. Hier handelt es sich (allerdings nicht immer!) um Flachfeilen mit einer abgerundeten Kante, welche ebenfalls einen Hieb hat. Die Kante fungiert hier als Rundfeile.

WICHTIG: Das Nachschleifen darf nur mit einer Feile erfolgen. Schleifmaschinen mit hohen Drehzahlen erhitzen den Stahl und machen ihn weich. Das Nachschleifen sollte nicht über die vom Her­steller angegebene Verschleißgrenze hinaus erfolgen.

Das Kind nicht schaukeln: die Feilbewegungen

Eigentlich der wichtigste Aspekt des Ganzen, erstaunlicherweise aber umso seltener konkret beschrieben: wie bewege ich die Feile eigentlich genau? Nun es ist denkbar einfach, aber auch nicht so selbsterklärend, dass man es weglassen könnte:

Die Feile wird senkrecht zu der Kante, die zugeschärft werden soll, vor und zurück bewegt – und zwar nicht bogenförmig, sondern gerade, da das Material ja nicht ausgehöhlt oder anderweitig in der Form verändert werden soll. Dadurch würde man auf Dauer nicht nur die Bruchfestigkeit der Haue gefährden, sondern sich auch unnötige Kosten durch vorzeitig nötige Neuanschaffungen bescheren. Wir schaukeln das Kind also nicht, sondern schieben und ziehen es hin und her. Etwas mehr Druck beim „Schieben“ des Kindes, pardon der Feile zur Kante hin erleichtert deren scharfe Herausbildung. Die Bewegungen werden rhythmisch und ohne Hektik ausgeführt, so dass jede Einzelne konzentriert und kontrolliert vonstatten geht.

Präzision und dosierte Kraft

Je schlechter die Fixierung, desto schwieriger wird es, präzise die regelmäßigen Schleifbewegungen auszuführen. Wenn man das Eisgerät beispielsweise auf den Knien liegen hat und mit einer Hand festhält, ist es kaum möglich, mit der anderen Hand die gleiche Richtung mit genügend Druck beizubehalten und ein sauberes Ergebnis zu bekommen. Andererseits wird auch nicht übermäßig viel Kraft benötigt, eine schwere Handfeile nimmt allein durch ihr Gewicht schon einiges an Arbeit ab.

Dazu dann noch die Kraft der Bewegungen aus der Schulter, die Präzision aus dem Handgelenk und den Fingern und fertig ist die richtige Mischung. Dosierte Kraft bedeutet auch, dass man nicht übers Ziel hinausschießt und zu viel abschleift. Schließlich lassen sich die einmal abgeschliffenen Metallspäne nicht wieder ankleben …

Bildende Kunst: Wie soll das Ergebnis aussehen?

Wir wollen die Spitze der Haue so bearbeiten, dass sie auch nach längerem Gebrauch beim Eisklettern möglichst gut ins harte Eis dringt. Und anschließend in ihrer Position bleibt, bis wir sie möglichst kraftsparend wieder heraus ziehen, um den nächsten Schlag zu setzen. Wenn man nicht gerade Bergsportprofi ist, lautet die erste Grundregel dazu folgendermaßen: die vom Hersteller vorgegebene Form der Haue wird nicht verändert!

Es kann und soll zwar nachgeschärft werden, doch alle Winkel und Proportionen sollten so bleiben, wie vom Hersteller vorgesehen. Es gibt zwar gewisse „Tunings“ bei denen der Winkel der Hauenspitze oder die Form der Zähne verändert werden, doch Derartiges sollte man Jenen überlassen, die eine Anleitung wie diese hier nicht brauchen. Obwohl die Formvorgabe also im Prinzip supersimpel ist, sollte man dennoch auch wissen, warum die Haue so und nicht anders geformt ist.

Die richtige Form der Haue

Dazu muss man verstehen, was ihre einzelnen Teile – die Spitze, die unteren Zähne und die Oberkante – beim Höherklettern machen:

Die Spitze geht voran

Die Spitze muss in das Eis eindringen und soll dabei möglichst wenig davon verdrängen. Am besten dringt eine scharfe, dünne, gut abgeschrägte Spitze des Eisgeräts ein. Je besser eine solch schmale Hauenspitze ins Eis dringt, desto leichter bricht sie allerdings auch. Deshalb auch die Feil-Grundregel: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich!“

Beim Schärfen der Spitze wird die vordere Oberkante an ihren beiden Seiten gleichmäßig mit den oben beschriebenen Bewegungen so lange gefeilt, bis der glänzende Stahl hervor scheint und die Seiten sich in einem messerscharfen Grat treffen. Der Winkel dieses Grats ist an der Spitze der Gleiche wie an der dahinter folgenden Oberseite der Haue.

Die untere Kante der Spitze, die zu den Zähnen der Haue führt, wird zu einer glatten, konkaven Fläche zum ersten Zahn hin zugefeilt (von unten gesehen bildet diese sehr kleine Fläche ein spitz zulaufendes Dreieck). Hierbei sollte die Rundfeile die Flachfeile ergänzen oder ggf. ersetzen. Durch gleichmäßiges Abfeilen werden Veränderungen der vom Hersteller vorgegebenen Rundungen und Formen vermieden.

Die Zähne halten fest

Die geriffelten „Zähne“ an der Unterseite der Haue tragen dazu bei, das Eisgerät in Position zu halten und am überraschenden Herausrutschen zu hindern. Beißen die Zähne allerdings zu hart, wird es mühsam, sie wieder aus dem Eis heraus zu bekommen. Deshalb sollten sie nicht um jeden Preis so scharf wie möglich gefeilt werden, sondern nur so, dass sie einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Handling bieten. Das richtige Maß pendelt sich hier in der Regel erst mit einiger Erfahrung in der Nutzung des Eisgeräts ein. Man wird zu Beginn eher auf die (psychologische) Sicherheit bedacht sein, während später das „flüssige“ Handling an Bedeutung gewinnt.

Der vorderste Zahn ist von der Seite der Haue betrachtet eine leicht rundlich zulaufende, sehr scharfe Spitze, während die folgenden Zähne wie nach unten gerichtete Trapeze aussehen. Die „Zahnlücken“ sind rund und haben auch rund zu bleiben (idealerweise mit der Rundfeile), da sonst Bruchgefahr besteht. Von vorn betrachtet sind alle Zähne bis auf den Vordersten nach unten hin so zugefeilt, dass die Spitze nicht einen perfekten Grat, sondern eine sehr schmale Fläche bildet.

Die Oberkante muss flutschen

Wenn alles super läuft, holt man das Eisgerät mit einem leichten Zug am Schaft aus dem „Placement“ heraus. Oft sitzt das Gerät aber tiefer, bzw. fester und erfordert eine gewisse Vor- und zurück-Ruckelei am Griff. Das Handling ist hier umso leichter, je schärfer die abgeschrägte Kante auf der Oberseite der Haue ist. Die Oberseite braucht dafür nur auf die gleiche Weise wie die Spitze der Haue zugefeilt werden – allerdings auch hier ohne den Winkel der einander zulaufenden Flächen zu verändern! Man braucht im Grunde nur wenige Zentimeter der Oberseite zu schärfen, da das Eisgerät fast nie tiefer ins (feste) Eis eindringt.

Nachbehandlung

In unserem Überblicksartikel zum Schleifen von metallener Bergfreunde-Ausrüstung wurde es schon erwähnt: Egal wo und wie viel man geschliffen hat, zum Schluss empfiehlt es sich, den gesamten Kopf bzw. die gesamte Haue noch zu polieren. Dafür eignet sich eine Drahtbürste oder, etwas feiner, Schleifpapier mit einer Körnung von 120 bis 180. Dass die Haue dann wie neu glänzt,  hat nicht nur einen optischen Effekt, sondern trägt auch dazu bei, dass die Eisgeräte besser ins Eis gleiten und länger scharf bleiben. Deshalb sollten auch kleinere Fehler und Unebenheiten mit Schleifpapier nachgearbeitet bzw. -poliert werden. Weitere Polier-Möglichkeiten wären Opas alter Ledergürtel oder das Wattepad mit etwas Chrompolitur.

Das richtige und gründliche Schärfen hat auch einen langfristigen Vorteil: sobald man einmal die perfekte Form der Haue zusammengefeilt hat, braucht man das Eisgerät vor jedem weiteren Ausflug ins Steileis lediglich mit ein paar Anschlägen der Feile nachzubessern.

Wie funktioniert eine Membran?

Wie funktioniert eigentlich eine Membran?

24. Oktober 2017
Ausrüstung

„Insane in the membrane, Insane in the brain!“

Ob sich die Rapper Sen Dog und B-Real der Gruppe Cypress Hill ihrem 1993er Hit „Insane in the Brain“ auf Membrantechnologien in Outdoorklamotten beziehen ist fraglich. Mit einem haben die beiden aber zweifellos recht, das Thema Membrane kann den geneigten Outdoorenthusiasten durchaus verrückt machen.

Zahllose futuristisch anmutende Namen geistern durch die Produktbeschreibungen der gängigen Hersteller, unzählige Technologien buhlen um die Gunst schwitzender Freiluftfans. Klar, wir, die sich mit dem Sporteln in der freien Natur beschäftigen, wissen ungefähr was eine Membran ist. Die hält die Klamotte von außen dicht und lässt den Schweiß trotzdem raus. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff? Unsere Membranen-Kunde bringt Licht ins Dunkel, startet bei den Membranen-Basics, um dann richtig tief in die Materie vorzudringen und hilft hoffentlich auch den zwei verzweifelten Rappern weiter.

Was ist eine Membran?

Okay, für viele von euch dürfte dieser Abschnitt eine olle Kamelle sein, aber es schadet nie, nochmal auf Grundlegendes einzugehen: Was ist eine Membran überhaupt? Im einfachsten Wortsinne ist eine Membran eine dünne Trennschicht. So weit, so simpel aber längst nicht alles. Diese Trennschicht beeinflusst den Stofftransport durch selbige, was bedeutet, dass entweder nichts oder nur das was soll durchkommt.

In jeder Zelle eines jeden Lebewesens gibt es welche, Lautsprecher und Mikros kommen nicht ohne aus und auch unsere Funktionskleidung profitiert von den Membranen. Immer mit einem ähnlichen Prinzip, aber auch immer mit einem anderen Nutzen. Während die Zellmembran das Zellinnere schützt und für den Flüssigkeitshaushalt essentiell ist, sorgt die Textilmembran in unserer Kleidung für Nässeschutz, Atmungsaktivität und eine natürliche Temperaturregulierung des Körpers. Eine Membran ermöglicht also zum einen die Passage von Stoffen, Flüssigkeiten oder Gasen, zum anderen hindert sie andere am Eindringen. Aber wie funktioniert das?

Welche Membranarten gibt es und wie funktionieren sie?

In unseren wetterfesten Outdoorklamotten kommen in der Regel zwei unterschiedliche Membranarten zum Einsatz. Zum einen die mikroporöse und zum anderen die geschlossenzellige Membran. In ihrer Wirkungsweise ähneln sie sich – beide halten Nässe draußen und verhindern, dass innen saunaartige Verhältnisse herrschen – jedoch sind sie in ihrem Aufbau und ihrem Wirkungsprinzip grundverschieden.

Die mikroporöse Membran besteht meist aus dem kompliziert klingenden Polytetrafluorethylen (kurz PTFE), was den allermeisten unter dem Namen Teflon bekannt sein dürfte. Was in der Pfanne dafür sorgt, dass das Spiegelei nicht anpappt, kommt in veränderter Form auch in unserer Kleidung vor.

Inwiefern verändert? PTFE ist ein aus Fluor und Kohlenstoff bestehendes Polymer. Für alle, die die Begrifflichkeiten aus dem Chemieunterricht aufgefrischt haben möchten, anbei die Übersetzung: ein Polymer beschreibt einen aus sich wiederholenden gleichen Einheiten aufgebauten Stoff. Das trifft auf unser Polytetrafluorethylen ebenfalls zu.

Unter dem Elektronenmikroskop betrachtet besteht das PTFE nämlich aus fast parallel laufenden, über Molekülketten miteinander verwobenen Knäulen. Diese Struktureinheit wird in einem speziellen Verfahren in einer bestimmten Anordnung formiert und bei einer bestimmten Temperatur auseinander gezogen. Dabei entsteht aus dem Antirutschmaterial in der Bratpfanne eben jene feste, aber mit feinen mikroporösen Öffnungen versehene Membran, wie wir sie aus unseren Klamotten kennen.

Genannt wird das ganze ePTFE, wobei das „e“ für das englische Wort expanded – ausgedehnt steht. Das Verfahren ist dabei so flexibel und das Ausgangsmaterial so individuell verarbeitbar, dass der Funktionalitätsgrad der Membran nach Bedarf festgelegt werden kann.

Aber Moment, die Membran ist mikroporös, also von lauter winzigen Löchern übersät. Wie soll das bitte trocken halten? Polytetrafluorethylen ist in seiner Grundform stark hydrophob, also wassermeidend oder wasserabstoßend.

Das bleibt auch in seiner gestreckten, mikroporösen Form so. Die Oberflächenspannung von PTFE ist extrem gering – geringer noch als die von Wasser. Kommt das kühle Nass in Kontakt mit der Membranoberfläche, rafft sich das Element förmlich zusammen. Es erfolgt eine Tropfenbildung und die Nässe perlt von der Oberfläche ab.

Gleichzeitig sind die Poren in der Membran so winzig, dass die Wassertropfen nicht durchpassen, obwohl die feinen Öffnungen einen Großteil der Membranoberfläche ausfüllen. Die Tropfen sind schlicht zu groß. Der Schweiß, der in Form von Wasserdampf von der Innenseite anklopft, ist in seinem gasförmigen Aggregatszustand (nicht zu verwechseln mit Wassergas einem Gasgemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid) allerdings so schlank, dass es problemlos passieren kann.  

Zum Schutz der ePTFE-Membran wird sie meist durch eine hauchdünne Polyurethanbeschichtung vor Hautfetten, Schweiß und anderen Verschmutzungen, die die Trennschicht angreifen könnten, geschützt und fertig ist die Laube.

Bei der porenlosen Membran wird es etwas komplizierter. Die geschlossenzellige oder porenlose Membran kommt – wie der Name es vermuten lässt – ohne Poren aus. Beinahe zumindest. Aber der Reihe nach.

Eine solche Membran besteht aus einem hydrophoben Polyester- und einem hydrophilen Polyetheranteil. Soll heißen: sie ist aus einem wasserabweisenden und einem wasseranziehenden Bestandteil. Die Wasser- und Winddichtheit der Membran ergibt sich aus eben jenen wassermeidenden Bestandteilen und der porenlosen Beschaffenheit.

Doch ganz geschlossen ist die Oberfläche nicht. Die unterschiedlichen Stofftypen, aus denen sich die Membran zusammensetzt, bilden ein dichtes Geflecht aus unregelmäßig angeordneten Molekülketten. Innerhalb dieses Wirrwars entstehen winzig kleine Öffnungen, die noch um einiges kleiner als die Poren der mikroporösen Membran sind.

Eine perfekte Fluchtmöglichkeit, die der triefende Schweiß in Form von Wasserdampf zu nutzen weiß. Die Feuchtigkeit lagert sich von innen an den hydrophilen Bestandteilen der Membran an und wird durch einen Diffusionsprozess per Kapillarkraft durch die hydrophoben Ketten nach außen getrieben.

Was bedeuten die Lagen bei Membranen?

Eine lose Membran kann man noch nicht anziehen. Erstens hält das nicht warm und zweitens würde es ziemlich merkwürdig aussehen. Also muss die wasserdichte und funktionelle Wundertrennschicht in einem Laminat verarbeitet werden. Diese Laminate kommen in unserer Kleidung – je nach Einsatzzweck und Leistungsanforderung – als zwei, zweieinhalb, oder dreilagige Ausführung zum Einsatz.

Was haben diese „Lagen“ zu bedeuten? Ganz einfach! Damit die Membran nicht lose unter der Jacke oder der Hose herumbollert, wird sie durch Hitzeeinfluss dauerhaft auf einen Oberstoff laminiert. Das wären schon mal zwei Lagen. Und der Rest? Das 3-lagige Laminat bekommt neben Oberstoff und Membran ein zusätzliches Innenfutter spendiert. Die 2,5-Lagen Variante kommt ohne richtiges Innenfutter aus. Stattdessen ist eine dünne Schutzschicht unter der Membran verarbeitet.

Und was können die? Die Zweilagen-Laminate sind die in freier Wildbahn am häufigsten verbreiteten Vertreter der Membranenzunft. Das Innenfutter ist hier losgelöst vom Oberstoff mit der laminierten Membran. Zweilagige Hardshells sind in der Regel relativ preisgünstig zu haben. Wenn ihr auf leichten bis anspruchsvollen Wandertouren unterwegs seid und nicht unbedingt extremer Dauerregen auf dem Programm steht, sind diese Gesellen eine gute Wahl.

Textilien mit einem 2,5-Lagen Laminat sind schön leicht und lassen sich prima auf ein geringes Packmaß schrumpfen. Der Nachteil ist hier ganz klar in ihrer Belastbarkeit zu suchen. Da anstatt Innenfutter nur eine dünne Schicht zum Einsatz kommt, sind 2,5-lagige Jacken nicht unbedingt rucksacktauglich. Die Schutzschicht kann sich unter dauernder Belastung durchrubbeln, was mit der Zeit der Membran schadet. Seid ihr allerdings auf Touren mit leichtem Last unterwegs oder habt die Regenjacke als Notfallhelfer im Gepäck, sind sie eine gute Alternative.

Die dreilagigen Vertreter sind ebenfalls schön leicht, aber vor allem mächtig robust, jedoch meist auch teurer in der Anschaffung. Geht es für euch auf richtig anspruchsvolle Touren mit viel Gepäck, folglich schwerem Rucksack und zu erwartendem miesen Wetter, sind die dreilagigen Kraftpakete der richtige Ansprechpartner.

Temperaturgradient und Osmose

Ob offen oder geschlossen, damit der Feuchtigkeitstransport so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, spielt ein Faktor eine entscheidende Rolle: der sogenannte Temperaturgradient. Dafür muss etwas ausgeholt werden.

Damit die Wassermoleküle von innen nach außen durch die Membran wandern, lässt ein alter Bekannter aus dem Biologieunterricht seinen Einfluss spielen, der osmotische Druck. Wie wir uns alle noch aus unserer Schulbankdrückzeit erinnern können, beschreibt die Osmose den gerichteten Fluss von Teilchen durch eine semipermeable Membran. Zumindest mir hat sich dieser Satz komischerweise eingebrannt, was mir mein damaliger Biologielehrer allerdings aus unerfindlichen Gründen nicht abnehmen wollte, quittierte er doch meine stolze und durchaus seltene Antwort im Unterricht seinerzeit mit einem spöttischen „Aus dem Buch ablesen kann ja jeder!“.

Aber zurück zum Thema. Semipermeabel bedeutet selektiv durchlässig. Im Falle unserer Textilmembran meint die Osmose also einen einseitig gerichteten Feuchtigkeitsfluss durch eine Trennschicht, die nur die winzigen Wassermoleküle durchlässt und nichts anderes. Die Kraft, mit der dies geschieht nennt sich naheliegenderweise der osmotische Druck oder auch Diffusionsdruck.

Die Voraussetzung, dass dieser Druck entsteht, ist ein ausreichendes Temperaturgefälle zwischen Temperatur innerhalb der Jacke und der Außentemperatur, namentlich der Temperaturgradient. Je größer das Gefälle zwischen der Temperatur innerhalb der Jacke (oder der Hose) und dem Klima draußen ist, desto besser funktioniert der Durchmarsch der Feuchtigkeit. Durch den Temperaturunterschied – innen warm, außen kühl – entsteht ein Druckgefälle, dass den Wasserdampf förmlich nach außen zieht.

Der Vorteil daran: wird viel geschwitzt wird es innen richtig warm und der Schweißtransport funktioniert besser. Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand. Ist es draußen tropisch warm, wird die Membran zur Schwitzfalle.

Und die Umweltbedenken?

Bei all ihren Vorzügen schwingt bei dem Gedanken an Membran-Bekleidung das ungute Gefühl an, sie wären schädlich für die Umwelt. Ist da was dran?

Bei der Herstellung von PTFE kann ein umwelt- und gesundheitsschädliches Nebenprodukt entstehen, die sogenannte Perfluoroctansäure. Dieser Stoff baut sich extrem langsam ab. Zudem hat er die unangenehme Eigenschaft sich in Organismen anzureichern, gilt als krebserregend und ist nach der EU-Chemiekalienverordnung als besonders besorgniserregend eingestuft.

Klingt unkommod, aber die meisten Markenhersteller haben mittlerweile Herstellungsverfahren entwickelt, bei denen jener schädliche Stoff nicht entsteht. Wollt ihr wirklich sicher sein, checkt beim Kauf, ob bei dem entsprechenden Produkt der Hinweis „PFOA-frei“ oder „PFC-frei“ vermerkt ist. Einige Hersteller bauen zudem auf Membrane aus anderen unbedenklichen Kunststoffen.

Unterschiedliche Membransysteme

Abschließend noch ein kleiner Blick auf die unterschiedlichen Membransysteme, die sich auf dem hart umkämpften Outdoor-Markt tummeln.

Gore-Tex

Beginnen wir mit den mikroporösen Membrantechnologien. Den Anfang macht schlicht DER Platzhirsch in Sachen Bekanntheit und für den Laien fast ein Synonym für Wasserdichtheit: die Gore-Tex-MembranDas Unternehmen Gore setzt in der Regel auf dreilagige und zweilagige Laminate, bietet spezielle Technologien für unterschiedliche Einsatzgebiete wie Gore Windstopper, Gore Active, Gore Pro oder Gore Thermium und ist nebenbei noch der Erfinder der ePTFE Membran an sich. Mit ihren ca. 1,4 Milliarden Poren pro Quadratzentimeter ist die Membran extrem wasserdampfdurchlässig bei gleichzeitig gnadenloser Wind- und Wasserdichtheit.

Die eVent-Membran

Ein weiterer, unbekannterer Kandidat aus der mikroporösen Zunft ist die eVent-Membran. Die eVent-Membran ist ebenfalls aus gestrecktem Polytetrafluorethylen gefertigt. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenzprodukten ist die Membran hier aber nicht durch eine dünne PU-Schicht vor Verschmutzung geschützt. Stattdessen kommt eine Schutzschicht aus Polyester, die jede einzelne Faser umhüllt, zum Einsatz. So kann der Wasserdampf direkt hindurch diffundieren ohne sich vorher an einer zusätzlichen PU-Schicht kondensieren zu müssen, was der Atmungsaktivität durchaus zu Gute kommt.  

Sympatex

Die bekannteste geschlossene Membrantechnologie ist Sympatex. Diesen atmungsaktive Nässestopper gibt’s in allen Laminatvarianten, sogar bis hin zur vierlagigen Version mit einer zusätzlichen Textilschicht zwischen Membran und Futterstoff. Die Membran ist absolut wasser- und winddicht, ist dehnbar und läuft bei gesteigerter körperlicher Aktivität zur Höchstform auf. Sympatex gilt als besonders umweltfreundlich, da das Polyetherester, aus dem die Membran besteht voll recycelbar und gesundheitlich unbedenklich ist. Gleichzeitig sind die Sympatex Systeme pflegeleicht, da sie porenlos sind. Die Membran wird also nicht durch etwaige Waschmittel oder Weichspülerrückstände beeinträchtigt.

Dermizax

Dermizax ist wie Sympatex porenlos, allerdings aus Polyurethan gefertigt. In ihrer Funktionsweise und auch in ihrem Aufbau ähnelt sie aber ihrem bekannteren Membran-Verwandten. Obwohl die Dermizax-Membran extrem weich und dehnbar ist, kann sie mit einer ähnlichen Leistungsfähigkeit punkten.

NeoShell

Softshell trifft Hardshell – mit der NeoShell verbindet Polartec die Vorteile beider Welten. Es wird zu den mikroporösen Membranystemen gezählt. Es punktet durch eine deutlich höhere Atmungsaktivität und natürlich ihre Dehnbarkeit, die NeoShell von seinem soften Elternteil erhalten hat. Es ist dreilagig aufgebaut und punktet auch durch seine robuste Außenseite. Mit einer 10.000 mm Wassersäule bietet sie einen ausreichenden Schutz vor allen Widrigkeiten des Outdoor-Alltags.

Weitere herstellereigene Membran-Systeme

Powertex aus dem Hause Salewa ist auch als geschlossene Membran einzuordnen und besteht ebenfalls aus Polyurethan. Das Besondere an diesem Produkt ist, dass durch eine effizientere Feuchtigkeitsverteilung auf der Innenseite die Kondensierung verringert wird, was für einen direkteren Feuchtigkeitstransport sorgt. Ein weitere geschlossene PU-Membran ist Drytech der Firma Mammut. Auch hier gibt’s wieder eine guten Stretch für vollen Bewegungsspielraum bei ähnlicher Leistung wie bei ihren Membrangeschwistern.

Puh! Es gibt also jede Menge zum Thema Membran zu sagen. Ich hoffe ihr habt es bis hier hin ausgehalten und konntet euch einen Einblick in die Welt der Klimatrennschichten verschaffen, obwohl das gesamte Feld im Prinzip nur angerissen wurde. Wer weiß, vielleicht hilft’s ja auch den Jung von Cypress Hill weiter!

Gore-Tex Nachhaltigkeit

GORE-TEX® – Wie stehts um die Nachhaltigkeit?

23. November 2017
Ausrüstung

Neben den Fragen nach Qualität, Verarbeitung, funktionellen Materialien, angenehmer Passform und raffinierten Features, betrachten die meisten Kunden auch das Thema einer nachhaltigen Herstellung immer genauer und kritischer. Moderne Outdoorbekleidung muss nicht nur gut vor Wind und Regen schützen, sondern sollte auch aus umweltfreundlichen Materialien bestehen, mit hohen ökologischen Vorgaben und sozialverantwortlicher Herstellung produziert werden und nach einer hohen Lebensdauer, möglichst vollständig recycelbar sein.

Dass diese Ziele auch in der Outdoorbranche mit Sicherheit noch nicht in allen Punkten erreicht werden, hat vielschichtige Gründe, die hier unmöglich alle erörtert werden können. Fakt ist allerdings, dass die Entwicklung in Richtung einer nachhaltigeren Produktion voll im Gange, voll im Trend und auch in hohem Maße erfolgreich und zukunftsweisend ist.

Der Erfolg von Kennzeichnungen für umweltfreundliche und sozialverantwortliche Produktion wie bluesign, Öko-Tex 100 oder Fair Wear Foundation setzen dabei ebenso markante Meilensteine, wie die starke Nachfrage der Kunden, die sich immer bewusster mit der nachhaltigen Herstellung ihrer Outdoorbekleidung auseinandersetzen.

Auf einem langen Weg zu noch mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Als Marktführer für wasserdichte und atmungsaktive Bekleidung steht GORE schon seit langem unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit. Bei der Herstellung von GORE-TEX® Membranen wird dabei vor allem PFC immer wieder kritisiert. Diese „per- und polyfluorierten Chemikalien“ (PFC) sind derzeit die Grundsubstanz für die Herstellung von PTFE und damit auch von wasserdichten GORE-TEX® Laminaten. Sie gelten als umweltbelastend und können gesundheitsgefährdend sein. In der Regel landen solche Produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer auf der Mülldeponie oder werden verbrannt.

GORE ist sich der Problematik mit PFCs durchaus bewusst. In einem zweistufigen Plan wird GORE deshalb zunächst 85% aller GORE-TEX® Laminate bis zum Jahr 2020 auf eine PFC-freie Produktion umstellen und bis 2023 alle ökologisch bedenklichen PFCs aus ihrer Herstellung verbannen. Die Funktionstextilien dürfen dabei laut GORE natürlich keinerlei Kompromisse in Bezug auf ihre Qualität, Langlebigkeit und Performance eingehen.

Maßnahmen zur Verbesserung von umweltfreundlichen Produktion und fairen Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern gibt es bei GORE allerdings schon fast so lange, wie das wasserdichte Laminat selbst.

Bereits 1986 ersetzt GORE die Klebstoffe seiner Laminate durch lösungsmittelfreie Alternativen und galt schon damals als innovativer Pionier. Die meisten Produkte von GORE sind heute nach dem bluesign-Standard zertifiziert oder erfüllen den Öko-Tex 100 Standard. Unabhängige Prüfungen garantieren so die Vermeidung von umweltbelastenden Materialien und Verfahren in der textilen Wertschöpfungskette.

Darüber hinaus investiert GORE etliche Millionen Dollar in die Suche nach alternativen DWR-Beschichtungen und Systemen, um die ganzheitliche Umweltbelastung in der Herstellung von Bekleidung und Schuhen besser sichtbar und vergleichbar machen zu können. Als Gründungsmitglied der Substainable Apparel Coalition (SAC) rief GORE in Zusammenarbeit mit anderen Firmen, Zulieferern, Rohstofflieferanten und zahlreichen staatlichen und nicht staatlichen Organisationen den Higg-Index ins Leben. Durch diesen Index soll eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung aller umweltbeeinflussenden Faktoren auf einfache und transparente Weise abgebildet werden können.

GORE übernimmt nicht nur in seinen Produktionsstätten in Asien soziale Verantwortung mit klaren und verbindlichen Grundsätzen, die gesunde Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung garantieren sollen, sondern bringt sich darüber hinaus weltweit in zahlreichen sozialen Projekten ein.

Ob in der nachhaltigen Sensibilisierung und Umwelterziehung in Nordamerika, der Unterstützung von Schul- und Hilfsprojekten in der Nähe ihrer chinesischen Produktionsstätten oder bei Aufforstungsprojekten in den bayerischen Alpen – GORE unterstützt also soziale und umweltfördernde Projekte im großen und kleinen Maßstab.

Der Ansatz des Life Cycle Assessments (LCA)

Trotz aller Bemühungen und technischen Fortschritte, wird die Produktion von Bekleidung und Schuhen auch in Zukunft mit dem Verbrauch von Rohstoffen und Energie verbunden sein und auch in Zukunft werden dabei CO² freigesetzt und Abfälle entstehen. Selbst wenn die Umweltbelastung in der Produktion auf ein Minimum reduziert werden kann, ist jede weitere Jacke und jedes weitere Paar Schuhe auch automatisch eine weitere Belastung unserer Umwelt.

Das Prinzip des LCA, das GORE dieser Entwicklung entgegen setzt, ist denkbar einfach und effektiv: der Anspruch und das Ziel beim Design und bei der Herstellung der GORE-TEX® Produkte ist eine maximale Lebensdauer jedes einzelnen Schuhs, jeder Hose und jeder Jacke. Mit seinem Grundsatz „Guaranteed to keep you dry“ verspricht GORE seinen Nutzern bereits eine lebenslange Garantie in Bezug auf die Wasserdichtigkeit.

Aber auch das Obermaterial, das Design, hochwertige Reißverschlüsse und stabil versiegelte Nähte, zählen zu den Markenzeichen der GORE-TEX® Outdoorbekleidung. Durch die hohe Qualität verlängert sich die Nutzungsdauer der GORE-TEX® Produkte und bei kleinen Beschädigungen durch Risse oder Schnitte können die Reparaturen mit den Reparaturtapes für GORE-TEX® ganz einfach von jedermann selbst und auch unterwegs durchgeführt werden. Die so gepflegte GORE-TEX® Bekleidung hat beste Chancen ihre lebenslange Garantie auf die Membran in Anspruch zu nehmen.

Weitere Infos zu den Bestrebungen von GORE könnt ihr auf ihrer Webseite nachlesen.

Fjällräven Bergtagen im Test

Fjällräven: Der neuen Bergtagen-Kollektion auf den Zahn gefühlt

24. Oktober 2017
Ausrüstung

Bergtagen ist ein alter schwedischer Ausdruck der Menschen beschreibt, die von den Bergen „genommen“ und von ihnen in besonderem Maße verändert wurden. Verzaubert, wenn man es so will. Das hat wohl jeder von uns schon mal so oder so ähnlich erlebt. Fjällräven hat diesen alten Begriff nun wieder herausgekramt und seine neue Bergsteiger-Kollektion danach benannt. Treffender geht es wohl nicht.

Bergfreund Benedikt Bombeiter – intern nur „Bombi“ genannt – hatte die einmalige Gelegenheit, die neuen Sachen zu testen und durfte ein verlängertes Wochenende in der schwedischen Wildnis verbringen. Wir haben ihn zum Interview gebeten und wollten wissen, wie es war und was er zur Bergtagen-Serie zu sagen hat.

Bombi, du hattest das Vergnügen, bereits im Mai zusammen mit zwölf anderen Outdoor-Enthusiasten die neue Bergtagen-Kollektion von Fjällräven testen zu dürfen. Wie genau lief das ab?

Nachdem die Einladung bei mir im Postfach landete, war relativ schnell klar, dass ich da hin muss. Ein verlängertes Wochenende in der Abisko-Region in Schweden mit Skitouren, gutem Essen und einem exklusiven Vorabblick auf die neue Fjällräven-Kollektion konnte ich mir schwer verkneifen.

Von der Abisko Mountain Lodge ging es per Hubschrauber zur Nallo-Hütte am Kebnekaise. Die Hütte ist eine klassische Wanderhütte mit Winterraum und liegt am bekannten Fernwanderweg Kungsleden. Dort mussten wir erstmal Schnee schmelzen, damit wir die Truppe mit Wasser versorgen konnten. Wir haben den Hubschrauber ausgeladen und uns dann für die erste Tour in Schale geschmissen.

Und wohin ging es?

Da nicht mehr all zu viel Zeit war, sind wir mit Skiern zum nächstgelegenen Gipfel aufgestiegen und abgefahren. Am zweiten Tag waren wir von morgens früh bis spät abends draußen. Wobei das sehr relativ ist, da es um diese Zeit ja nicht wirklich dunkel wird. Wir haben zwei Besteigungen gemacht und dabei eine geniale Abfahrt über 700 Höhenmeter unter die Skier genommen. Am dritten Tag gab es eine weitere kurze Skitour, bevor uns der Helikopter wieder abgeholt hat.

Fjällräven Bergtagen im TestWas ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Beeindruckend war vor allem die pure Einsamkeit. Das kennt man in unseren Breitengerade einfach nicht. In den Alpen trifft man ja doch irgendwann mal jemanden. Hier allerdings ist man ganz für sich alleine – wenn man nicht gerade mit einer großen Gruppe unterwegs ist.

Kurios war außerdem das Wegeschild an der Hütte. Dort war doch tatsächlich Tübingen (Anm. d. Red.: Unser Firmensitz ist quasi direkt bei Tübingen) ausgeschildert. Leider konnte mir niemand sagen, wie es die schwäbische „Metropole“ da rauf geschafft hat.

Jetzt aber zum Eingemachten: Wie hat sich die Bergtagen-Kollektion geschlagen? Welche Produkte durftest du testen?

Sowohl die Hardshell-Produkte (Hose und Jacke), die G-1000-Jacke als auch die Unterwäsche haben den Weg an meinen Körper gefunden und sich in der freien Natur auch ziemlich gut gemacht. Vor allem die Funktionsunterwäsche, die zusammen mit Aclima entwickelt wurde, hat mich ziemlich überzeugt. Aber auch die G-1000-Jacke war eine schöne Abwechslung zu klassischen Softshell-Materialien.

Was genau fandest du gut?

Bei der Bergtagen Jacket kommt G-1000-Lite zum Einsatz. Das ist etwas luftiger als das klassische G-1000 und synthetische Softshells, die ich bisher testen durfte. Dadurch hat man einfach mehr Möglichkeiten mit verschiedenen Layern zu arbeiten und kann sich meiner Ansicht nach besser auf die äußeren Gegebeneinheiten einstellen. Das ist aber natürlich nur meine subjektive Wahrnehmung. Weiterer Pluspunkt: Wenn es doch mal zu luftig wird oder mit schlechtem Wetter zu rechnen ist, kann man die Jacke immer noch mit Wachs bearbeiten, was die Jacke stark wasser- und windabweisend macht.

Bei der Unterwäsche merkt man das große Knowhow von Aclima. Die Mesh-Einsätze sind optimal gesetzt und sowohl Atmungsaktivität als auch Tragekomfort haben für mich perfekt gestimmt.

Du bist ja voll des Lobes. Gibt es auch Kritik?

Tatsächlich sind die Sachen ziemlich gut durchdacht. Allerdings fehlt mir zum Beispiel an der Hose ein Riemen am Beinsaum, um die Weite anzupassen. Das sind aber freilich nur Details. Wem das nicht so wichtig ist, kann getrost zugreifen.

Für wen ist die Bergtagen-Kollektion eigentlich genau gedacht?

Fjällräven richtet sich hier ganz klar an Ski- und Hochtourengeher. Durchdachte Materialauswahl, gute Konstruktion und natürlich auch die Passform sprechen eine deutliche Sprache. Wen es in den Schnee und ins Hochgebirge zieht und wer dazu noch riesen Fan von Fjällräven ist, der ist mit der Bergtagen-Kollektion bestens ausgestattet.

Apropos Material: Wie steht es bei Bergtagen ins Sachen Nachhaltigkeit

Guter und natürlich berechtiger Einwand: Fjällräven ist ja schon seit Jahren als einer der Musterknaben in Sachen Nachhaltigkeit, was unter anderem auch schon von Greenpeace gewürdigt wurde. Bei der Bergtagen-Kollektion setzt sich dieses Thema natürlich nahtlos fort. Verwendet werden Eco-Shell, Re-Wool und das auf Baumwolle basierende G-1000. Allesamt aus recycelten oder ökologisch angebauten Materialien. Das Down-Promise – also das Daunen-Versprechen -von Fjällräven garantiert, dass auch die Federn aus ethisch vertretbaren Quellen stammt und ist zudem zu 100% zurückverfolgbar.

Jetzt aber zur Frage, die mir schon die ganze Zeit unter den Nägeln brennt. Was gab es zu essen?

(Lacht) Puh, gute Frage. Das kann ich so ad hoc nicht beantworten. Wir hatten einen Koch dabei, mit dem wir zusammen ziemlich geniale Sachen gezaubert haben. Ich kann mich noch an eine leckere Fischsuppe erinnern und die großartigen Bratwürste sind mir auch im Gedächtnis geblieben.

Wir wollen mal hoffen, dass die Erinnerungslücken nicht auf den ausufernden Konsum von Bier zurückzuführen sind. An dieser Stelle jedenfalls vielen Dank, dass Du uns Rede und Antwort gestanden hast. Man sieht sich an der Kaffeemaschine!

Und wenn Du jetzt richtig Bock auf die neuen Bergtagen-Klamotten bekommen hast, schaust Du am besten gleich mal im Shop vorbei!

Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

21. September 2017
Ausrüstung

In unserer kleinen Geschichtsstunde haben wir bisher die Schuhe und das Seil unter die historische Lupe genommen. Nun wollen wir den noch fehlenden Basics der Bergausrüstung in die Vergangenheit folgen. Doch dabei tauchen mindestens zwei Komplikationen auf:

In den Bergen wohnt die Anarchie

Erstens stellt sich die Frage, was hier dazugehört und was nicht. Wenn wir sämtliches Zubehör und Geklimper am Gurt berücksichtigen, landen wir am Ende bei Klemmkeilentfernern und Eissanduhr-Fädlern. Und wenn wir Outdoor-Produkte wie Zelt und Schlafsack mit hineinnehmen, bekommen wir ein Buch so dick wie der Quelle-Katalog. Und dann noch die unendliche Vielfalt der Klamotten…

Zweitens ist der Bergsport von der (schon in den beiden vorherigen Artikeln erwähnten) Unschärfe in der Geschichte und Entwicklung des Materials geprägt. Man kann es als den anarchistischen Freigeist der Berge deuten, dass bisweilen niemand wirklich weiß, was wann wo erfunden und erstmals benutzt wurde. Es trat nämlich nur in den seltensten Fällen ein neuer Gegenstand mit einem Geistesblitz eines Erfinders in die Welt und revolutionierte ab dem nächsten Tag das Bergsteigen. Oder wie es der Kollege von Bergwelten ausdrückt:

Die Fortschritte im klassischen Alpinismus sind aber keineswegs durch die Entwicklung immer neuer und „besserer“ Ausrüstungsgegenstände geprägt oder vorangetrieben worden. Die Frauen und Männer jeder Generation waren es, die Schwierigkeiten und Exponiertheit der Anstiege gepusht haben. Spät setzte auf dem Ausrüstungssektor eine Entwicklung ein, die mit den technischen Fortschritten auf anderen Gebieten mitzog.

Die Bergwelt bleibt eben länger als andere Gebiete eine wenig regulierte Zone. Das ist gut so, macht aber den Chronisten die Arbeit nicht leichter. Konzentrieren wir uns in der kleinen Ausrüstungschronik also auf das, was Alpinisten unmittelbar brauchen, um in Fels und Eis höher zu kommen. Die Schuhe haben wir ja schon angezogen, das Seil haben wir auch dabei. Jetzt, da wir den Gletscher betreten, müssen die Steigeisen ran. Für das Gleichgewicht in der steilen Eisflanke braucht es den Pickel, zum Einbinden ins Seil am messerscharfen Gipfelgrat muss ein Gurt her und ohne Karabiner nützt das ganze andere Zeug so gut wie nichts.

Ein paar Worte zur „Software“

Bevor es losgeht, sollen unsere geliebten Outdoorklamotten doch noch eine kurze Erwähnung bekommen. Die Beschreibung ihrer Entwicklung lässt sich nämlich mit einem kleinen Trick abkürzen: man nehme einfach die Entwicklung des Bergseils und übertrage sie auf alles andere, was hauptsächlich aus Nylon-, Polyester- und anderen Kunstfasern besteht.

Also auch das Band- und Schnurmaterial, die Zelte, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsackhüllen. Denn der Durchbruch, der erdölbasierten Synthetikfasern, in den 40er- und 50er Jahren hat neben dem Seil auch all diese Dinge funktional gemacht. Bei einfachen Tools wie Reepschnüren und Bandschlingen ging es schneller als bei komplizierten Teilen wie den Schuhen.

Mischwesen: Klettergurt und Karabiner

Ausnahmen bilden hier der Klettergurt und der Karabiner. Die sind als Bindeglieder zwischen Mensch und Material nämlich so etwas wie Mischwesen aus Soft- und Hardware. Ihre Entwicklungsgeschichte ist komplizierter und beginnt später als bei anderen „Basistools“. Kein Wunder, denn wenn du draußen in der Wildnis frierst, kommt dir die Erfindung eines künstlichen Fells wohl recht anschaulich in den Sinn.

Das gleiche gilt auch für Schuhe, wenn sich der raue, spitze Untergrund durch die Hornhäute der Füße bohrt. Und wenn du dann auf hart gefrorenem Schnee herumrutschst, liegt die Idee von Zacken und Nägeln an den Schuhen wohl ebenfalls recht nahe. Die flexible Verbindung von Seilen mit Fixpunkten und dem menschlichen Körper ist hingegen ein deutlich abstrakterer Schritt. Hier ist das Prinzip nicht unbedingt sinnlich greifbar.

Die ersten Erwähnungen von Karabinern finden sich dann auch anders als bei den Seilen oder Schuhen nicht vor Jahrtausenden, sondern erst im 17. und 18. Jahrhundert. Damals kamen Metallringe mit Federverschluss in der Schiffahrt, der Viehwirtschaft und beim Militär zum Einsatz. Dort halfen sie den Kavalleristen, „den Karabiner schnell am Bandelier zu befestigen.“ Der Begriff Karabiner ist also vom Schießeisen zum Fixier-Ring gewandert. Um Verwechslungen auszuschließen, spricht man formal vom Karabinerhaken.

Karabiner am Berg

Im Bergsport kamen die ersten Karabiner um das Jahr 1910 zum Einsatz. Hermann Huber, der Alpinchronist und Insider einer noch kleinen Berg-Szene, beschreibt das sehr anschaulich:

Da kam, wie bekannt, unserem Extrem-Pionier Otto Herzog alias „Rambo“ um 1910 die eigentlich einfache Idee zur Lösung des Problems, als er Münchner Maurern zusah, wie sie ihre Mörtelkübel am Aufziehseil mit einem Feuerwehr-Karabiner verbanden: EUREKA!

Diese Karabiner prägten das Klettern und Bergsteigen der Zwischenkriegszeit vor allem in den Ostalpen. Sie bestachen mit ihrer unpraktische Form ebenso wie mit ihrem hohen Gewicht. Leichtmetallkarabiner wurden etwa zeitgleich um 1940 in Kalifornien und Frankreich erfunden, waren aber wegen der Kriegs- und Nachkriegszeit noch Ende der Fünfziger Jahre „nur sporadisch zu sehen“.

Ihre Bruchlast steigerte sich in dieser Zeit von zunächst 8 Kilonewton bis auf 28 KN. Letzteres entspricht in etwa dem noch heute gültigen Standard, wobei das Gewicht zwischenzeitlich deutlich reduziert wurde. Eine wohlverdiente, ausführliche Würdigung hat der Karabiner übrigens auch hier im Basislager-Blog schon bekommen.

Klettergurte

Der Gurt ist ebenfalls ein bescheidener Gesell, den wir nur allzu oft für selbstverständlich nehmen. Und auch er ist ein Spätzünder, der vor dem 20. Jahrhundert weder für das Klettern noch für andere Einsatzbereiche wie Höhlenforschung, Feuerwehr oder Bergrettung bekannt war.

Man band sich bis vor wenigen Jahrzehnten einfach die Seil-Endschlaufe direkt um die Hüfte oder – ganz fortschrittlich mit Zusatzschlaufe – um die Schultern. Auch das Abseilen ging mit direktem Körper-Seil-Kontakt und entsprechend aufreibenden Gefühlen vonstatten.

Die wenig komfortable Standardmethode war der Dülfersitz: Seil von vorne oben zwischen die Beine nehmen, dann hinter der (je nach bevorzugter Abseilhand) rechten oder linken Gesäßhälfte wieder nach vorne ziehen und quer über dem Bauch hoch damit zur linken oder rechten Schulter. Von da wieder nach hinten auf den Rücken und auf Oberschenkelhöhe mit der rechten oder linken Hand gepackt. Das ist die Bremshand. Jetzt reinsetzen und ab die Post.

Wie Hermann Huber berichtet, kamen erst in den 60ern separate Brustgurte aus verknüpften 9mm-Seilstücken auf den Markt. Und bis zur Serienreife des ersten Sitzgurts dauerte es noch bis 1970. Huber weist darauf hin, dass es in der Bergrettung schon seit den 30er Jahren Gurtkonstrukte für den Hüftbereich gab, doch die waren so schwer und unhandlich, dass sie den Bergvagabunden, deren Rucksäcke auch so schon schwer genug waren, wenig einladend schienen. So stiegen sie eben einfach ohne Gurt in die großen Nordwände ein:

Die Lösung der seinerzeit „drei letzten Probleme der Alpen“, die Nordwände von Matterhorn, Grandes Jorasses und Eiger, sowie sämtliche Klettereien aller Schwierigkeitsgrade wurden ohne derartiges Ausrüstungsstück (Hüft-Sitzgurt mit Beinschlaufen, Anm.) durchgeführt, bis in die 1960er Jahre.“

Neben den eigentlichen Aufprallverletzungen durfte man hier im Sturzfall zusätzlich mit schweren inneren Verletzungen durch Seilquetschungen und -einschnitte rechnen. Allerdings ist beim Erschaudern über die Bedingungen früherer Bergunternehmungen zu berücksichtigen, dass die Anzahl solcher Heroen in den damaligen High-End-Touren sehr gering war und sie zur sportlichen Creme de la Creme der Gesellschaft zählten.

Heutzutage wären diese Herrschaften wohl unter den  hochprofessionellen 11er-Kletterern und 8000er-im-Winter-Sammlern. Und sie würden sich im heutigen Auswahl-Dschungel der Gurte wohl eher verirren als in den Spaltenlabyrinthen ihrer abenteuerlichen Gletschertraversen. Gut, dass auch der Gurt in all seiner Pracht und Vielfalt hier ebenfalls schon eine ausführliche Würdigung bekommen hat.

Ab ins Eis: Steigeisen

Nach den Universaltools kommen wir jetzt zu den Spezialisten für hartes Eis und weichen Firn. Die ersten Steigeisen-Vorläufer sollen schon von Spionen des alten Roms erfunden worden sein. Offenbar lagen deren Arbeitsplätze ganz wie beim jüngeren Kollegen James Bond öfter mal in schwierigem Gelände.

Erneute Erwähnung findet die gezackte Steighilfe dann wieder in der Zeit der Renaissance. Holzarbeiter, Jäger, Bergbauern und Mineraliensucher schnallten sich eiserne Dreizacker nach dem Vorbild von Hufeisen unter die Schuhe. Sie dienten eher für steiles Gras, Schrofen und Waldboden als für Eis.

Erst 200 Jahre später erschienen mit der groß angelegten Alpenerschließung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschmiedete Steigeisen, die in ihrer Grundform den heute Gebräuchlichen ähnelten. Verstellbar waren sie noch nicht, sie mussten für jede Schuhgröße einzeln gefertigt werden.

In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden die Eisen zunehmend auch für die Bergsteigerei genutzt. Dabei wurden immer mehr Zacken an den Rahmen geschmiedet, der meist die gesamte Schuhsohle umfasste. Der Zehnzacker kristallisierte sich als Standard heraus. Unter den Alpinisten kam der erste jener alpin-ethischen Dispute auf, die sich später bei den Bohrhaken, dem Flaschensauerstoff  und anderen künstlichen Hilfsmitteln wiederholen sollten:

Die Bergsteiger jener Zeit konnte man grob in zwei Fraktionen aufteilen: Die Tiroler, die Steigeisen grundsätzlich akzeptierten, und die Engländer, die sich als Puristen gegen das neue Gerät als „künstliche Hilfen“ stellten. Edward Whymper, einer der Erstersteiger des Matterhorns, nannte sie „[…] artificial aids on which one cannot depend on dangerous slopes“. Emil Zsigmondy meinte hingegen sinngemäß, die Bergführer in Zermatt würden deswegen keine Steigeisen verwenden, weil das Stufenschlagen damit überflüssig wäre und ihrem Ansehen bei den Kunden Schaden erleide.

Letztlich hat sich diese „künstliche Hilfe“ voll und ganz durchgesetzt. Nachdem sich die Grundform eingependelt hatte, wurde an den Feinheiten geschliffen. Die wichtigsten Innovationen waren die Zweiteilung des Eisens durch ein Gelenk (um 1910) sowie die Erfindung der horizontal aus dem Rahmen ragenden Frontalzacken (um 1935).

Ersteres verbesserte den Halt am Schuh und das Gehverhalten, letzteres ermöglichte die Überwindung steiler, hart gefrorener Eishänge ohne den bis dato hohen Aufwand an Kraft und Zeit.

Der Zwölfzacker mit zwei Frontalzacken ist laut Hermann Huber der „bis heute gültige, bedeutende Entwicklungssprung – für den mehr als Einer gern das gedankliche „Urpatent“ hätte. Grivel schrieb, schon Mitte der Dreißiger Jahre das Eisen mit Frontalzacken erfunden und auch produziert zu haben. Ersteres kann wohl kaum sein, eine frühe (Klein?-)Serien-Produktion sicher schon.

Hier sehen wir erneut die schon erwähnte „Unschärfe“ der Bergausrüstungsentwicklungsgeschichte. Genauer, die Unschärfe ihrer Dokumentation. Da können sich selbst fundierte Kenner wie Hermann Huber manchmal nur auf Vermutungen stützen. Bisweilen setzt sich auch in der Bergwelt wie im Fall Edison und der Glühbirne einfach der geschickteste Selbstvermarkter als „offizeller“ Erfinder für die Geschichtsbücher durch.

Eispickel

Mit seiner Vielseitigkeit ist der Eispickel im vergletscherten Hochgebirge ebenso unentbehrlich wie die Steigeisen. Laut Wikipedia handelt es sich hier um ein Kind, das einst aus einem Gehstock und einem Küchenbeil geboren wurde.

Tatsächlich gibt es ja auch ein gleichnamiges Küchengerät, mit dem man ebenfalls auf hartes Eis einprügeln kann. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn Bergsteiger setzen ihre Stöße und Schläge nicht, um das Eis für einen Drink zu zerkleinern, sondern um sich darauf fortzubewegen.

Die längeren Pickel dienen als Gleichgewichtsstütze und Sturzbremse, die mit dem kurzen Schaft werden Eisgeräte genannt und mit der Haue ins Steileis getrieben, um so als Klettergriffe zu dienen. Manchmal wird der Pickel auch vergraben, um ihn als Fixpunkt für eine Sicherung zu benutzen (was freilich nur im weicheren Firn funktioniert).

Der frühere Haupteinsatzzweck, das Schlagen von Stufen in steilen Firn- und Eisflanken, spielt seit dem Vorhandensein brauchbarer Steigeisen kaum noch eine Rolle.

Für die ersten Hochgebirgs-Eispickel wurde ein Stahlstück mit Haue vorn und Schaufel hinten auf einen langen Holzschaft mit Stahlspitze am anderen Ende montiert. Mittlerweile ist das Holz wegen der steigenden Sicherheitsansprüche durch Aluminium ersetzt, der Stahl wurde um Chrom-Molybdän- und andere Legierungen ergänzt.

Und wann und wo wurde jetzt der erste Bergsteiger-Pickel geschmiedet? Gute Frage, auch hier greift mal wieder die alpinhistorische Unschärferelation. Denn wenn man die unzähligen Hersteller nach der „Geschichte des Eispickels“ fragt, dann antworten die mit der Geschichte ihrer Eispickel.

Vielleicht war es ja eine Schmiede in Chamonix, von der der Schweizer Bergführer Franz Josef Lochmatter laut Wikipedia um 1860 den ersten Pickel ins Mattertal bzw. in die Schweiz brachte. Und die erste Serienfertigung? Die kam vielleicht von dem kleinen Familienbetrieb Bhend aus Grindelwald, der ab 1870 die Alpinisten des „Goldenen Zeitalters“ mit Metallware fürs ewige Eis versorgte.

Die Fortschritte in Sachen Stabilität, Verlässlichkeit, Handling und Vielseitigkeit erfolgten bei den Pickeln etwa im Gleichschritt mit denen der Steigeisen und weisen auch eine ähnliche Kontinuität auf. Die Ausdifferenzierung der Geräte für immer extremere Einsatzzwecke dauert bis heute an.

Keine Zweifel gibt es hingegen darüber, dass es bei den Steigeisen (so wie bei den meisten anderen Ausrüstungsgegenständen auch) vor allem nach überstandener Nachkriegszeit zu einer regelrechten Explosion der Detailinnovationen kam. Dazu gehörten die Anpassbarkeit an verschiedene Schuhgrößen sowie neue Materialien und Formen bei den Bindungen, deren frühere Lederriemen oft für Probleme sorgten. Neue Metalllegierungen reduzierten das Gewicht der Eisen und sorgten für eine Erweiterung und Ausdifferenzierung des Anwendungsbereichs.

Was hat all das mit dem Militär und den Russen zu tun?

Bis hierhin haben wir das Basic-Material für den Aufstieg am Berg historisch mehr oder weniger lückenhaft begutachtet. Zum Abschluss schauen wir uns noch zwei eher ausgefallene aber sicher interessante Aspekte der Equipment-Welt an.

Einer davon ist eher wenig glanzvoll, denn manche der schier unglaublichen Materialfortschritte verdanken wir nicht zuletzt der ständigen Kriegstreiberei auf dem Planeten. Schließlich möchte jedes Militär bei seiner Heimatverteidigung möglichst gute Ausrüstung haben. Und auch im Zeitalter der Drohnen wird fleißig in der Wildnis umhermarschiert und campiert.

So kommt es, dass manch alpine Materialschmiede erst so richtig durchstartete, als das Militär anklopfte. Besonders bei den Steigeisen, den Pickeln und den Karabinern war der militärische Gebrauch eine Triebfeder der Entwicklung. Die Armee war, ist und bleibt (?) ein „guter Kunde“ und Partner der Outdoorbranche.

Doch welche Branche ist schon völlig frei von zweifelhaften Aspekten? Die werfe gerne den ersten Stein. Und immerhin, in Sachen Qualität und Vielfalt kann es am guten Image der Bergsportbranche wohl kaum einen Zweifel geben. Bei fast jedem Gegenstand hat die Entwicklung zu einer Riesenauswahl hochwertiger Varianten geführt, wobei oft auch noch die unterste Preisstufe vielfach getestet und genormt ist.

Allerdings ist diese lobenswerte Entwicklung keineswegs so „global“, wie wir das gerne hätten. Hauptsächlich kommt sie dem Outdoor-Völkchen in den Wohlstandsoasen Mitteleuropas und Nordamerikas zugute. Woanders kommen die alpintechnischen Errungenschaften erst verspätet, nur teilweise oder überhaupt nicht an. So gibt auch heute noch diverse Länder, die weniger konsumverwöhnt sind und trotzdem eine lebendige Outdoor- und Bergsteigerszene aufweisen.

Dort ist dann eine Materialauswahl an der Tagesordnung, die wir hier wohl nicht nur als veraltet, sondern als unzumutbar zurückweisen würde. Das schillerndste Beispiel ist ganz sicher Russlands Bergszene, die hierzulande wegen der vielen unglaublichen Anekdoten aus Robert Steiners Buch „Allein unter Russen“ ein wenig bekannter wurde.

Offensichtlich wird im Reich des Bären noch heute ein Improvisations- und Erfindergeist gepflegt, bei dem sich wohl nie ganz klären wird, ob er allein aus Ressourcen- und Geldmangel oder auch einer gewissen anarchischen Verwegenheit resultiert. Da besteht der Selfmade-Klettergurt schonmal aus alten Anschnallgurten vom Schrottplatz und die „Daunenjacke“ ist aus Muttis alter Steppdecke gefertigt.

Und wenn es  schonmal „richtig“ gekauftes Equipment gibt, wird dies in einer „Effizienz“ genutzt, die den Westalpinisten schon bei der bloßen Vorstellung zusammenzucken lässt. Da machen es sich im Zweimannzelt bei der Eigernordwand-Winterbegehung nicht drei und nicht vier, sondern sieben Kletterer gemütlich.

Es scheint als ob man in Sachen Kreativität und Pragmatismus einiges von der Parallelwelt des Ostens lernen kann. Allerdings soll die Bewunderung nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche „Originalität“ an Felsen und Bergen auch gewisse Nachteile hat. Der Größte besteht darin, dass sie  bei unbedarften Nachahmern schnell mal zu schweren Verletzungen und Tod führt. Deshalb ist sie in Sachen Sicherheitsausrüstung ganz gewiss nicht empfehlenswert.

Vielleicht freuen wir uns doch lieber über die ganz unkreativ normierten Errungenschaften und ihre leichte Verfügbarkeit.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

So war’s beim The North Face Mountain Festival 2017

19. September 2017
Die Bergfreunde

„Jööööhööörn, fahren wir zum Mountain Festival?“ Als meine Kollegin Britta mit dieser lieb vorgetragenen Bitte bei mir vorstellig wurde, war ich ziemlich schnell ziemlich begeistert von der Idee. Schließlich liest sich die Beschreibung des The North Face Mountain Festivals echt gut:

„Klettere Felswände hinauf, wandere und laufe durch atemberaubende Berglandschaften, erlerne die Kunst der Abenteuerfotografie oder der Outdoor-Küche und genieße bei all dem ein völlig neues Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

Klingt ein bisschen Meta, aber hey, immerhin findet das Festival in Lauterbrunnen statt. Ja, genau. DAS Lauterbrunnen. Gelegen im Schatten von Eiger, Jungfrau und Mönch – drei Namen, die das Herz jedes Bergliebhabers vor Freude jubilieren lassen. Und so fiel meine Antwort an Britta auch relativ deutlich aus: Klar fahren wir!

Unter Gleichgesinnten

Als dritter Bergfreund in der Runde ergänzt Thomas unser buntes Triplett, als wir uns an einem Donnerstag Mitte September in die Schweiz aufmachen. Die Fahrt verläuft soweit unspektakulär – zumindest bis kurz vor der Einfahrt ins Lauterbrunnental.

Unsere Augen werden immer größer, fast so groß, wie die riesigen Felswände, die das Tal auf beiden Seiten einrahmen. Feine Wasserfälle rieseln wie Sand herunter und sogar die Sonne blickt nach einem sehr trüben Tag endlich durch die Wolken. Gut so, der Wetterbericht für das Wochenende ist ohnehin eher unschön. Aber das Glück sollte auf unserer Seite sein.

Nach der Ankunft beziehen wir erstmal unser Zelt und schaffen uns einen Überblick. Wo bitte geht es zum Essen? Es ist bereits Abend, als wir das – und das ist an dieser Stelle keine Übertreibung – wirklich extrem leckere Abendessen genießen dürfen. Hier sehen wir auch erstmals das wirkliche Ausmaß dieses Festivals:

Hunderte Bergsportler aus der ganzen Welt haben sich hier versammelt. Wir treffen Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer, Asiaten, Amerikaner, Australier. Wahnsinn! Nach dem Genuss einer etwas unterkühlten Flasche Rotwein und einem Bier genießen wir noch die Band auf der Festivalbühne und ziehen uns bei Zeiten ins Zelt zurück, um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Thomas muss am nächsten Tag schon um 5 Uhr raus zur Gletschertour. Britta und ich dürfen noch etwas länger im schön warmen Schlafsack bleiben.

Bergsteigen, wandern, knipsen

Von Thomas‘ Abgang bekommen wir nicht viel mit. Zum Glück. Denn die Nacht war etwas unruhig und wir sind um jede Minute Schlaf dankbar. Gegen 7:30 Uhr müssen wir dann aber langsam raus. Es ist kalt. Sehr kalt. Die Sonne erreicht das Tal erst am späteren Morgen und in der Nacht haben wir Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.

Dick eingepackt sitzen wir beim Frühstück und genießen den heißen Kaffee. Thomas besteigt heute das Walcherhorn auf knapp 3700 m Höhe und wir haben uns für eine der kürzeren Wanderungen entschieden.

Um 9 Uhr stehen wir also in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Und wir warten. Und warten. Die Kälte kriecht langsam unter unsere Jacken und nach etwa einer halben Stunde geht es dann endlich los. Wir fahren mit der Bahn zur Grütschalp und wandern bergan.

Die Tour ist mit 10 km und 600 hm recht entspannt und bietet uns ein großartiges Panorama mit Blick auf die Eiger Nordwand, die sich majestätisch aufbäumt. Schon ein bisschen genial.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017Die Gruppe ist groß und wir spät dran. Daher teilen wir uns auf. Während die etwas gemächlicheren Wanderer bereits absteigen, geben wir ein bisschen mehr Gas.

Bergab wechseln wir zwischen Speedhiking und Trailrunning, wodurch wir recht zügig unterwegs sind und schließlich mit einer halben Stunde Verspätung wieder im Camp ankommen.

Wir haben kurz Zeit für das Mittagessen, bevor wir weiter zum nächsten Termin eilen: Outdoor-Fotoworkshop. Im Angesicht des Mürrenbachfalls geben uns professionelle Fotografen Tipps, wie wir die Natur perfekt in Szene setzen. Nach eher unspektakulären drei Stunden und einigen hundert Fotos in der Tasche sind wir wieder im Lager. Aber wo ist Thomas?

Eigentlich sollte die Bergsteiger-Truppe schon wieder zurück sein. Wir machen uns frisch und warten mit knurrendem Magen auf den Kollegen, der gegen 19 Uhr am Abend mit freudestrahlendem Gesicht eintrifft. Die für ihn eher entspannte, aber landschaftlich äußerst reizvolle Hochtour hat ihm sichtlich gefallen. Britta und ich sind froh darüber, dass wir uns mit endlich aufs Essen stürzen können.

Am Abend lauschen wir noch einem Vortrag von Hansjörg Auer, der vor allem für seine Free-Solo-Begehung der Route Weg durch den Fisch an der Marmolata Südwand bekannt ist. Eine inspirierende Persönlichkeit. Danach folgt das schon bekannte Programm vom Vorabend. Its Partytime – diesmal mit den Bergfreunden! Immerhin halten wir bis Mitternacht durch, als uns die Müdigkeit langsam in Richtung Schlafsack drängt.

Dünne Luft und atemberaubende Panoramen

Heute sind Britta und ich es, die früh rausmüssen. 6 Uhr ist Abfahrt, 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zeitoptimierung ist angesagt. Schnell in die Bergstiefel rein, den bereits gepackten Rucksack auf die Schultern und ab an die Futterluke. Mit Essen im Bauch, aber ohne Kaffee stehen wir pünktlich um 6 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir treffen die Bergführer am Lauterbrunner Bahnhof, von wo aus unsere Reise zu Jungfraujoch ihren Anfang nimmt.

Mit der Zahnradbahn fahren wir eine gefühlte Ewigkeit auf und später in den Berg. Die vor über 100 Jahren eröffnete Bahn muss ab der Station Kleine Scheidegg noch knapp 10 km und 1500 Höhenmeter bezwingen, die zum Teil durch einen eigens angelegten Tunnel führen.

Der Weg endet schließlich am höchsten Bahnhof Europas am Jungfraujoch – auf zirka 3500 m. Hier tummeln sich auffällig viele Asiaten und eben wir – eine handvoll Freaks, die mit ihrer Bergsteigerausrüstung unter den ganzen Touristen irgendwie auffallen. Komisch. Sind wir denn nicht am Berg?

Das Wetter ist auch heute auf unserer Seite. Über dem Gletscher strahlt die Sonne, so dass wir kurz nach unserem Aufbruch schon die äußere Jackenschicht ablegen können.

Wir sind zu siebt in der Seilschaft und gehen gemächlich über den Aletschgletscher. Wir begutachten die bedrohlich wirkenden Felsspalten, genießen das großartige Wetter und den nicht minder schönen Ausblick. Mir setzt die Höhe ziemlich zu. Das letzte Mal, dass ich auf über 3000 m unterwegs war ist schon etwas her und ich merke, wie mein Herz kräftiger pumpt und mein Kopf dröhnt.

Zum Glück ist das Tempo sehr angenehm und lediglich die kurzen Anstiege lassen mich etwas außer Atem kommen. Britta steckt das ganze deutlich besser weg und strahlt über beide Ohren – verständlich, bei so einem Panorama.

Nach drei Stunden sitzen wir wieder am Bahnhof und warten auf den Zug ins Tal. Es ist schon irgendwie kurios. In der Regel sind die Berge für mich ein Rückzugsort, an dem ich die Ruhe genießen kann. Hier oben auf dem Jungfraujoch hingegen tummeln sich hunderte Touristen in Sneakers und Jeans. Es gibt einen Laden für Luxusuhren und eine Art Schokoladenmuseum. Der Kommerz hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl bei uns.

Ich bin echt kaputt. Das kenne ich sonst gar nicht von mir und hatte eigentlich erwartet, dass ich die Höhe besser wegstecke – so als gut trainierter Trailrunner und Triathlet. Aber hier bewahrheitet sich wohl eine alte Bergsteigerweisheit: Jeder verträgt die Höhe anders. Wir gesellen uns zu zwei Niederländern, mit denen wir uns eine Tafel Schokolade teilen. Der Zucker hilft, mich wieder etwas auf Trab zu bringen.

Allerdings bin ich echt froh, als wir nachmittags wieder im Camp ankommen. Es regnet leicht und wir beschließen, vor dem Abendessen noch eine Mütze Schlaf zu nehmen und dann in den letzten Festival-Abend zu starten. Thomas ist inzwischen auch wieder bei uns und berichtet von einem großartigen Tag am Fels mit herausfordernden Klettereien.

Auf ein Tänzchen mit The North Face

Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir springen schnell unter die Dusche und finden uns kurze Zeit später in der Schlange an der Essensausgabe wieder. Heute gibt es Gegrilltes und auch diesmal ist die Qualität des Essens herausragend gut. Und das ist keine Übertreibung. Lediglich der gegrillte Fenchel raubt uns mit seiner Faserigkeit fast den Nerv.

Nach dem Essen geht es gleich weiter in das große Hauptzelt. Vor der Bühne lassen wir uns mit einem Bierchen auf der Isomatte nieder und lauschen zusammen mit vielen anderen Bergenthusiasten der Podiumsdiskussion mit den The-North-Face-Trailrunnern Seb Chaigneau, Lizzy Hawker und Pau Capell, die von ihren Rennen, ihrem Leben und ihrer Motivation berichten.

Das Highlight des Abends sind dann aber zwei andere Akteure. Nach den Trailläufern betreten Simone Moro und Tamara Lunger die Bühne. Sie sprechen über Erfolg, Scheitern, Freundschaft und der Liebe zu den Bergen und der Natur. Ich habe selten so einem inspirierenden und lustigen Vortrag lauschen dürfen. Die beiden sind wirklich überaus sympathisch und haben das Herz am rechten Fleck.

Nach einem langen Applaus ist er angebrochen – der letzte Partyabend des Mountain Festivals. Und er sollte legendär werden. Ohne zuviel zu verraten: Die versammelten The-North-Face-Athleten haben durchaus viel Spaß am Feiern und Pogo tanzen.

Das kleine Finale

Mit noch weniger Schlaf als am Vortag krabbeln Britta, Thomas und ich aus dem Zelt. Ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee und ein letztes Mal an den Berg. Britta geht heute klettern, Thomas und ich drehen eine Runde mit den Trailrunnern. Wieder haben wir tierisch Glück mit dem Wetter.

Unsere Truppe wird angeführt von Seb Chaigneau, der am Abend noch mit auf der Couch saß und von Angesicht zu Angesicht mindestens genauso sympathisch rüber kommt, wie zuvor schon auf der Bühne.

Nach einer eher kurzen, aber durchaus intensiven Runde kommen wir wieder am Camp an. Etwas wehmütig sitzen Thomas und ich auf einer der vielen Holzsitzkonstruktionen und überblicken das Gelände. Wie es immer so ist mit den schönen Dingen im Leben… Sie gehen einfach zu schnell vorbei.

Nachdem wir uns noch eine kleine Stärkung gegönnt haben, packen wir unsere Sachen und beladen das Auto. Ein letzter Streifzug über das zermatschte Grün und wir sagen Adieu zu diesem wunderbaren Ort. Eine halbe Stunde später haben wir auch Britta am Kletter-Spot eingeladen und machen uns schließlich endgültig auf dem Weg ins Schwabenland.

Ein großes Lob gilt zum Schluss natürlich den Organisatoren von The North Face. Ich will nicht untertreiben – wenn man von manch etwas längerer Wartezeit absieht, hatten wir eine extrem schöne Zeit, mit vielen aufregenden, internationalen Begegnungen, guter Musik, gutem Essen, „Stars“ zum Anfassen und natürlich jeder Menge Berge.

Das Mountain Festival solltet ihr euch auf jeden Fall für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten, wenn ihr Lust auf ein verlängertes Wochenende mit zahlreichen Aktivitäten in den Bergen habt!

Ultraleichte Schuhe Kaufberatung

Nimms leicht – Outdoorschuhen aufs Gewicht geschaut

14. September 2017
Ausrüstung, Kaufberatung

Letzten Sonntag war ich im Wald zum Pilze suchen. Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet, so dass ich davon ausgehen konnte, auf eine ordentliche Portion Matsch zu treffen. Normalerweise trage ich für solche Touren durch den heimischen Wald ausgediente Laufschuhe oder meine Zustiegsschuhe. Da ich aber sicher war auf eine Schlammlandschaft zu stoßen, hatte ich mich diesmal für meine schweren, ledernen Bergstiefel entschieden.

Generell war das auch ein guter Entschluss, weil ich so tatsächlich trotz ziemlich durchweichtem Wald wieder mit trockenen Socken zu Hause angekommen bin. Auf der anderen Seite waren diese schweren Treter aber für das Gelände der komplette Overkill und ich war froh, als ich wieder auf leichteres und bequemeres Schuhwerk wechseln konnte. Aber muss das wirklich sein? Gibt’s nicht auch leichtere Alternativen?

Der Weg zum richtigen Schuhwerk

Wenn ihr euch fragt, welches Paar Leichtgewichts-Schuhe nun für euch und eure Touren genau das Richtige ist, dann solltet ihr euch zuvor über ein paar Dinge Gedanken machen. So ist es beispielsweise wichtig, dass die Schuhe nicht nur zu der Tour und deren Gelände passen, sondern auch für die Jahreszeit geeignet sind in der ihr gehen wollt. Außerdem ist eine gute Passform für das Fußwohl maßgeblich entscheidend. Worauf ihr bei der generellen Suche nach Wander- bzw. Outdoorschuhen noch achten solltet, das verrät euch unser Blogbeitrag „Die richtigen Schuhe für dein Outdoor-Abenteuer“.

An dieser Stelle wagen wir allerdings einen Blick in die bunte Welt der Wander-, Trekking- und Bergschuhe und schauen uns an, wo wir sinnvoll an der Gewichtsschraube drehen können.

Leichte Schuhe für gemäßigtes Gelände

Wie bei meiner sonntäglichen Pilztour durch den Schwarzwald braucht es nicht immer ein schweres Paar Bergschuhe. Gerade in Mittelgebirgen reichen leichtere Wanderschuhe in der Regel völlig aus. Leichtwanderschuhe sind, wie der Name schon sagt, leichter als ihre „normalen“ Kollegen. Das liegt vor allem daran, dass sie meist mit nur halbhohem Schaft oder gleich als Halbschuhe daherkommen. Auch wird bei Leichtwanderschuhen nicht selten auf einen Geröllschutz und dergleichen verzichtet, sodass hier deutlich Gewicht eingespart werden kann.

Wer also in vergleichsweise einfachem Gelände unterwegs ist und auch nur leichtes Gepäck dabei hat, sollte sich diese Gruppe definitiv einmal näher ansehen. Leichtwanderschuhe mit halbhohem Schaft, also klassische Vertreter der Kategorie A, schlagen meist mit einem Gewicht ab 450 Gramm zu Buche.

Gerade für Ultraleichttouren kommen aber auch immer wieder Trailrunningschuhe zum Einsatz. Modelle wie Roclite 325 GTX von Inov 8 verfügen über ein Gewicht von weniger als 350 Gramm und bieten dafür einen halbhohen Schaft sowie eine extrem griffige Sohle. Als weitere Alternative wäre hier auch der Einsatz von Barfußschuhen denkbar, jedoch gehen diesbezüglich die Meinungen weit auseinander.

Die einen befürworten diese vergleichsweise freie und natürliche Form des Gehens, andere wiederum berichten von Problemen, die aufgrund von fehlender Muskulatur und Gewöhnung auftreten können. Wer diesen Schuhtyp dennoch fürs Wandern ausprobieren möchte, dem sei geraten mit vergleichsweise kurzen und einfachen Teststrecken zur Eingewöhnung zu beginnen. Auch Gepäck sollte bei diesen Eingewöhnungsrunden nicht mitgenommen werden. Barfußschuhe sind selbstverständlich recht leicht und fallen so kaum ins Gewicht.

Leichte Schuhe für ausgesetztes und wegloses Gelände

Für anspruchsvolleres Gelände und Mehrtagestouren in Verbindung mit schwerem Gepäck sind Trekkingschuhe der Kategorie B oder B/C bestens geeignet. Hierbei handelt es sich jedoch meist um vergleichsweise schwere Treter, die für maximale Trittsicherheit sowie eine optimale Stabilisierung des Sprunggelenks sorgen. Auch empfehlen sich Schuhe dieser Art für Personen, die Probleme mit den Bändern haben und zum Umknicken neigen.

Außerdem fallen viele Trekkingstiefel in die Kategorie „bedingt Steigeisenfest“ und können problemlos mit Steigeisen mit Riemchenbindung sowie Grödel getragen werden. Wie gesagt, Trekkingstiefel sind nicht gerade Leichtgewichte, doch auch in dieser Gattung gibt es Modelle, die mit einem deutlich reduzierten Gewicht daherkommen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die S-Lab X Alp Carbon 2 GTX von Salomon. Diese Schuhe wiegen noch knapp unter einem Kilo und zählen zu den Leichtgewichten dieser Klasse. Dennoch sind sie deutlich schwerer als Ihre Kollegen aus dem Leichtwander- oder Trailrunningbereich, können dafür aber auch mehr.

Leichte Schuhe fürs Hochgebirge

Für Geröll, Firn und Eis müssen definitiv ordentliche Bergstiefel her. Diese verfügen über eine steigeisenfeste Sohle und bieten auch in unwegsamem Gelände ausreichend Stabilität. Im Allgemeinen können Bergschuhe mit Kipphebelsteigeisen getragen werden. Je nach Modell lassen sich hier Halbautomaten (vorne mit Körbchen) oder Automaten (vorne mit Bügel) befestigen. Auch ein hochgezogener Gummirand, der vorwiegend als Geröllschutz dient gehört hier in der Regel mit dazu.

Kein Wunder also, dass wir uns hier weit außerhalb des Ultraleichtbereichs bewegen. Aber trotzdem gibt es auch unter den Bergstiefeln der Kategorie C leichtere und schwerere Vertreter. Schauen wir uns also beispielsweise einmal die Badile Combi II GTX  von Hanwag an. Diese Bergschuhe bringen alles mit, was bei Touren im hochalpinen Gelände gefragt ist. Dennoch kommen sie mit einem vergleichsweise geringen Gewicht von lediglich 1080 Gramm daher. Dafür gibt es aber eine ausreichend ausgesteifte und für halbautomatische Steigeisen geeignete Sohle sowie einen ordentlichen Geröllschutz. Als Alternative kann man sich hier auch den etwas weniger als 1200 g (pro Paar) schweren Trango Guide Evo GTX von La Sportiva anschauen.

Vor-und Nachteile von leichtem Schuhwerk

  • Vorteil 1 – Gewichtsersparnis

Klar, wer mit leichten Schuhen unterwegs ist, der muss weniger Gewicht mitschleppen und das wirkt sich nun einmal bei jedem Schritt aus. Dies zeigt sich gerade bei gestuftem Gelände, da der Fuß mit weniger Ballast daherkommt und schlussendlich das Gehen ermüdungsfreier ausfällt. Auch wenn die Wanderschuhe im Rucksack transportiert werden, fallen sie so weniger schwer ins Gewicht.

  • Vorteil 2 – Komfort

Leichte Schuhe sind in der Regel flexibler und weicher als ihre schweren Verwandten. Somit sind sie normalerweise automatisch auch bequemer. Gerade an warmen Tagen ermöglichen sie oft auch eine bessere Belüftung und sind aufgrund des oft deutlich niederen Schafts generell nicht so warm wie höhere Wanderschuhe.

  • Nachteil 1 – Verletzungsgefahr

Was auf der einen Seite ein Plus an Komfort mit sich bringt, birgt auf der anderen Seite aber auch ein höheres Verletzungspotenzial. Denn gerade weiche und flexible Schuhe mit niedrigem Schaft, unterstützen den Fuß deutlich schlechter, als ihre höher geschnittenen Kollegen.

  • Nachteil 2 – Wetterfestigkeit und allgemeine Eignung

Keine Frage auch im Bereich der Trailrunning- und Leichtwanderschuhe gibt es vergleichsweise wetterfeste Modelle mit Membran. Bei Matsch und Regen geht das sicherlich auch noch, wobei es bei tiefem Schnee schon schwieriger wird, da der Schnee ohne hohen Schaft schneller seinen Weg in den Schuh findet. Plant man aber Touren, die beispielsweise das Tragen von Steigeisen erfordern, braucht man deshalb Schuhe mit einer geeigneten Sohle.

Ultraleichtes Schuhwerk – das Fazit

Gerade im Bereich der Outdoor-, Wander- und Trekkingschuhe ist es schwierig ultraleichte Ausrüstung zu finden. Bei der Recherche zu diesem Thema musste ich immer wieder an den Ausspruch eines guten Freundes denken: „Man kann auch mit Skischuhen joggen gehen!“. Soll heißen zweckentfremden kann man viel, nur ob das wirklich auch Sinn macht ist die Frage. Klar könnte man auch mit Badelatschen im hochalpinen Gelände unterwegs sein (die Sherpas in Nepal zeigen sehr eindrücklich wie das geht), aber dennoch würde ich davon abraten nur zugunsten einer hohen Gewichtsersparnis zu derart krassen Maßnahmen zu greifen.

Meiner Meinung nach ist das wichtigste Kriterium bei Schuhen ohnehin nicht das Gewicht, sondern dass sie optimal passen und auch nach langen Tourentagen noch nicht drücken. Denn die höchste Gewichtsersparnis am Schuhwerk bringt nichts, wenn man das gleiche Gewicht als Blasenpflaster im Rucksack mitschleppen muss. Fun Fakt: Ein Päckchen Blasenpflaster wiegt rund 15 Gramm.

Die Geschichte der Berg- und Kletterschuhe

Von Stroh und gelben Octagons: die Entwicklung des Berg- und Kletterschuhs

14. September 2017
Ausrüstung

Es soll bitte schön ein filigranes Gebilde aus vielen miteinander verbundenen Einzelteilen sein. Beweglichkeit in alle Richtungen und in sich selbst muss dabei ebenso gewährleistet sein, wie eine bei Bedarf explosive Schnelligkeit. Trotzdem muss das Ganze äußerst kompakt und robust sein, da es ein Vielfaches seines Eigengewichts zu tragen hat. Ach ja, und es sollte zudem möglichst verschleißfrei bleiben.

So in etwa würde der Bestellzettel lauten, wenn man einen menschlichen Fuß in Auftrag geben wollte – dennoch ließ sich dieses Meisterstück kosmischer Ingenieurskunst, mit seinen 26 durch Gelenke, Bänder und Sehnen zusammengehaltenen Knochen, bislang weder in China noch sonst wo auf Erden kopieren. Sicher, es gibt Roboterfüße, doch können die auch klettern, seiltanzen und Fußball spielen?

Die enorme Komplexität der Füße erklärt, warum auch deren bergtaugliche Beschuhung eine enorm komplexe Angelegenheit ist. Enorm komplex? Ja, richtig, denn Berg- oder Kletterschuhe müssen schließlich mehrere der oben genannten Aufgaben übernehmen: Reibung und Scherkräfte unter rhythmischer, hoher Gewichtsbelastung wegstecken und dabei trotzdem die Bewegungen ein Stück weit „mitmachen“, ohne jedoch dabei die Formstabilität zu verlieren. Dann sollen sie die Füße zwar bitte optimal schützen, aber weder zu sehr einschnüren noch das Gefühl für den Untergrund einschränken.

Schuh-Steinzeit: die längste Schuh-Geschichtsepoche

Wegen dieser verzwickten, sich teils widersprechenden Anforderungen hat es mit der Entwicklung von wirklich guten Bergschuhen auch ein wenig länger gedauert. Genauer gesagt so um die 12.000 Jahre, von den ersten sandalenartigen Flechtwerken bis zu den heutigen Hightech-Tretern. Auch diese Zeitspanne verlief – wie die meisten anderen Entwicklungen der Menschheitsgeschichte – größtenteils ereignisarm, um dann in der jüngsten Vergangenheit regelrecht zu explodieren.

Am Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen war jedenfalls noch nicht allzu viel los, als „Ötzi“ dort vor gut 5200 Jahren ums Leben kam. Der wohl berühmteste Bergverschollene aller Zeiten trug dabei eine Kombination aus ledernem Innen- und Außenschuh, der innen mit Heu als Wärmeisolierung gefüllt war.

Auf die Zeit des Ötzi schätzt man im Südtiroler Museum für Archäologie auch allgemein das Aufkommen der ersten „Bergschuhe“ des Alpenraums: Lederriemen, die unter die Fußsohlen gezogen waren, um die Traktion auf felsigem Untergrund zu verbessern.

Das Leder blieb bis ins 20. Jahrhundert sowohl für den Schaft als auch für die Sohle das Material der Wahl. Das lag nicht zuletzt daran, dass es kaum Alternativen gab. Andere verfügbare Materialien waren entweder zu weich und zu empfindlich oder zu hart, steif und spröde. Kautschuk und Gummi waren zwar seit der Erfindung der Vulkanisation 1839 auch für Schuhsohlen bekannt, doch beim alpinistischen Einsatz kamen sie schnell an Grenzen.

Auch das ausreichend stabile Verbinden der verschiedenen Stoffe war mangels ausgefeilter Klebe- oder Nähverfahren schwierig. Einzelne Schustereien produzieren zwar schon im 19. Jahrhundert bessere Schuhe mit neuen Verfahren wie der Zwienaht, doch das bleiben eher Einzelstücke, maßgefertigt für eine gut betuchte Kundschaft.

Bevor nicht eine größere Zahl an Menschen in die Berge ging, war das Innovationspotential begrenzt, denn es gab es nicht genügend (finanziellen) Anreiz, viel Zeit, Geld und Mühe in den technischen Fortschritt des Schuhwerks zu investieren. So waren selbst die Alpinisten im „goldenen Zeitalter“ der großen alpinen Erstbesteigungen noch mit „Bergschuhen“ unterwegs, die manch einer heute nicht mal mehr für einen Waldspaziergang anziehen wollte. Auch wenn der rustikale Nägel- und Metallbeschlag sicher interessierte Blicke auf sich ziehen würde.

Am Fuße der Dolomiten: Die erste Bergschuh-Industrie

Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Massengesellschaft an Großstadtmenschen „gereift“ war, begannen auch Normalbürger das Herumlaufen im Gebirge als eine erholsame und erstrebenswerte Tätigkeit zu betrachten, die eines guten Schuhwerks würdig war.

Es ist daher bestimmt kein Zufall, dass die ersten erfolgreichen Gehversuche einer hochwertigen Bergschuh-Fabrikation in Norditalien stattfanden, in der stark verstädterten Po-Ebene zu Füßen einer unendlichen Auswahl an Alpenbergen.

Besonders in der Dolomitenregion war auch die Tradition des Schuhmachers in der Kultur verwurzelt. Es entstanden hier ab dem ersten Weltkrieg Bergschuh-Schmieden wie Scarpa, La Sportiva oder Asolo, die heute noch klangvolle Namen in der Branche sind.

Man orientierte sich bei der Konzeption von Bergschuhen vor allem an den schon vorhandenen Spezialschuhen für Förster und Jäger. Bis zum zweiten Weltkrieg entsteht so immerhin schon eine gewisse Auswahl robuster Treter, die sich für raues Gelände eignen und die Kletter- und Berg-Elite nicht davon abhalten, den 6. Grad im Fels zu meistern (vor allem die italienischen „Sestogradisti“) und in schwierigste Alpenwände einzusteigen.

Dabei tanzte man allerdings in Sachen Risiko stets auf einer Rasierklinge. Selbst auf einfachen Touren waren jederzeit materialbedingte Überraschungen möglich. Noch 1935 kommt es an der Punta Rasica (3305 m) an der schweizerisch-italienischen Grenze zu einem Bergunglück, bei dem sechs Bergsteiger wegen untauglichen Schuhwerks sterben.

Diesen Unfall nahm ein gewisser Vitale Bramani zum Anlass, eine neuartige, wasser- und winterfeste Gummisohle zu entwickeln und zu patentieren. Die neuen Sohlen, die fortan „Vibram“ heißen sollten, sind bis heute in fast jedem hochwertigen Bergschuh verbaut.

Von Wasserdichtigkeit des ganzen Schuhs, Atmungsaktivität oder anderem heute selbstverständlichen Komfort ist hier allerdings noch nicht die Rede. Generell hielt sich der Komfort angesichts der Zwischen- und Innensohlen aus Leder bei noch nicht vorhandenen Dämpfungen bis in die 70er Jahre sehr in Grenzen.

Selbst Spitzenbergsteiger hantieren mit selbst gebauten Provisorien herum, die man heute wohl als haarsträubend bezeichnen würde. So bastelten sich Louis Lachenal und Lionel Terray für ihre Begehung des Walkerpfeilers 1946 ihre „Profilsohlen“ aus Stücken von Autoreifen.

Gängige Methode war zu dieser Zeit auch, in schwierigen Passagen kurzerhand die Bergschuhe auszuziehen und mit Socken oder barfuß zu klettern.

Späte Durchbrüche

Erst gegen Ende der Siebziger waren die wesentlich leichteren Kunststoffe durch Firmen wie Gore-Tex weit genug entwickelt worden, um in Bergschuhe eingearbeitet werden zu können.

Nach und nach wurden dann die Rollen getauscht und das Leder wurde zum ergänzenden Material für verstärkte Einsätze an empfindlichen Zonen wie den Schnürösen. Die Stiefel werden leichter und zugleich ergonomischer.

„Richtige“ Bergschuhe unterscheiden sich mit Eigenschaften wie Steigeisenfestigkeit und Wasserdichtigkeit immer deutlicher von einfachen Wanderschuhen. Es entstehen immer mehr verschiedene Modelle und Kategorien von Bergschuhen.

Der deutsche Hersteller Meindl erfindet 1976 eine Skala von A bis D, die seitdem genutzt wird, um Bergschuhe nach Anwendungsbereichen zu klassifizieren.

In den Achtzigern kommen diverse Kunststoff-Polymere wie EVA und Polyurethan hinzu, die stabil und haltbar, aber dennoch flexibel und leicht sind. Da Leder knapp und teuer ist, während erdölbasierte Kunststoffe in Hülle und Fülle „sprudeln“, sinkt ab den Siebzigern auch das Kosten- und Preisniveau signifikant. Begleitet wird das Ganze durch Mauerfall, Globalisierung und die Verteilung der Produktionsstätten rund um den Globus.

Kletterschuhe mit Spätstart

Bis hierhin fiel noch kein Wort zu den Kletterschuhen, warum eigentlich? Nun, so präsent und selbstverständlich sie heute scheinen, so spät tauchten sie erst auf der Bildfläche auf.

Bis in die siebziger Jahre war Kletterei in aller Regel mit klassischen Bergschuhen oder improvisierten Schlappen, oft Marke Eigenbau angesagt. Bis dahin waren selbst die „normalen“ Bergschuhe mit Vibram-Sohlen  nicht nur teuer, sondern oft auch schwer zu bekommen.

Improvisierte „Kletterpatschen“ gab es zwar längst, doch diese „Homemade-Produkte“ waren alles andere als stabil und haltbar. Da wurden teils dicke Socken mit Filz verstärkt oder um Leinenschuhe wurde irgendein Flechtwerk gepfriemelt.

Im Elbsandsteingebirge, dem wohl ältesten „Sportklettergebiet“ der Welt, hatte man Kaminkehrerschuhe verwendet, in den USA indianische Mokassins. Dass deren Reibungswerte nicht immer wirklich prickelnd waren, kann man sich denken.

Die heute gängigen Kletterschuhe mit den vorgespannten, über den Schaft gezogenen „Reibungssohlen“ kamen erst Jahrzehnte nachdem sich das Klettern an kleine(re) Felsen schon als eigene Sportart etabliert hatte.

Denn auch hier gilt, dass hochwertiges Material in Serienreife und bezahlbarer Massenverfügbarkeit erst dann aufkommt, wenn genügend Nachfrage besteht. Das war im Falle der Sportkletterer, die eine weniger steife Sohle mit „mehr Gefühl“ benötigten, als die klassischen Bergsteiger, frühestens Ende der Siebziger der Fall. Zur wirklichen Massenbewegung wurde das Sportklettern nochmals viel später –  in etwa um die Jahrtausendwende.

Die heute allgegenwärtigen „Patschen“ hat der Tiroler Spitzenkletterer Heinz Mariacher zu Beginn der Achtziger in ausgereifter Form entworfen.

Dabei arbeitete er mit den schon bei den Bergschuhen führenden Herstellern La Sportiva und Scarpa zusammen. Neue Gummimischungen ermöglichten eine profillose und dennoch extrem raue Sohle. Sie hatten damit einen wesentlichen Anteil an der enormen Schwierigkeitssteigerung der letzten drei Jahrzehnte und ermöglichen es heute Klettereinsteigern, binnen kürzester Zeit Passagen zu klettern, die noch vor kurzem an der Grenze des Möglichen lagen.

Ausblick: schöne neue Welt?

Gegenwärtig sind die Berg- und Kletterschuhe auf einem Komfort, Vielfalts- und Komplexitätsniveau angelangt, das kaum noch zu toppen scheint.

Zumindest wenn wir weiterhin selbstständig und „auf eigene Gefahr“ gehen und kraxeln wollen. Ansonsten ist in unserer vollvernetzten Vollkaskogesellschaft so einiges denkbar. Wie wäre es für den Anfang mit ein paar kleinen Seitenairbags im Schaft? Dann können wir mit smarter Elektronik und Nanotechnik nachlegen, die uns vor überkommenen Unannehmlichkeiten und Risiken wie Schwitzen und Stolpern schützt. Solche Malheurs gehören dann ebenso einer peinlich rückständigen Vergangenheit an wie Blasen und Geruchsbelästigung.

Noch mehr Fortschritt bringt dann selbstdenkendes Smart-Schuhwerk, das immer öfter helfend eingreift und uns von weiteren unverantwortlichen Risiken wie Ausrutschen befreit. Das wäre doch super: statt sich gegen Ende einer langen Tour übermüdet auf der letzten Geröllhalde vor der Hütte abzuplagen, einfach Autopilot am Screen anwischen und die Latschen machen lassen.

Wenn jetzt schon das selbstfahrende Auto anrollt, warum soll dann nicht der selbstlaufende Bergschuh hinterherdackeln – selbstverständlich mit 5G-Netz und eigener Facebookseite im Internet der Dinge.

Wanderstöcke Technik title

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

27. September 2017
Tipps und Tricks

Geh in die Berge, haben sie gesagt. Da ist es schön, haben sie gesagt. Niemand hat aber gesagt, dass es auch ziemlich anstrengend werden kann. Und schon gar niemand hat gesagt, dass es mit Stöcken deutlich angenehmer hätte sein können.

Das ist einer dieser Aha-Momente, die man beim Bergsteigen immer mal wieder hat. Zumindest ging es mir so, als ich das erste Mal mit Trekkingstöcken unterwegs war. Bessere Stabilität, Entlastung und dadurch letztlich ein rundum wesentlich angenehmeres Bergerlebnis.

Doch wie so oft ist es nicht einfach damit getan, Stöcke in die Hand zu nehmen und loszulegen. Ein paar technische Kniffe gibt es zu beachten, damit das Ganze auch wirklich funktioniert. Welche das sind, wollen wir euch natürlich verraten, aber erstmal…

Das Für und Wider – Trekkingstöcke, Ja oder nein?

Es gibt durchaus viele Vorteile, die man aus dem Einsatz von Wanderstöcken ziehen kann. Da ist unter anderem die schon erwähnte Entlastung der Gelenke und Muskeln im Unterkörper, z.B. beim Bergabgehen, die je nach Dauer der Tour einige Tonnen betragen kann. Hinzu kommt, dass die Stöcke gerade beim Überqueren von Flüssen oder Firnfeldern für nötige Stabilität sorgen oder beim Traversieren die Trittsicherheit und Balance verbessern. Letztlich helfen die Stöcke sogar, die Haltung zu optimieren: der Rücken ist gerader und wir laufen insgesamt „besser“.

Was aber spricht gegen den Einsatz von Stöcken? Da wäre zum Beispiel der Aspekt, dass sich Stöcke in schwierigem Gelände schnell mal verkanten und dadurch für Probleme sorgen können. Gerade in seilversicherten Passagen können Stöcke außerdem recht unhandlich sein und Kritiker merken immer wieder an, dass man durch exzessiven Stockeinsatz den Gleichgewichtssinn nicht trainiert. Letztlich sind Stöcke natürlich auch nicht davor gefeit zu brechen, weshalb man in gefährlichen Situationen niemals voll auf das Material vertrauen sollte.

Die medizinische Kommission der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) empfiehlt Stöcke vor allem:

  • in hohem Alter.
  • wenn Übergewicht vorliegt.
  • wenn Erkrankungen der Gelenke oder Wirbelsäule vorhanden sind.
  • wenn schwere Lasten getragen werden.

Die passende Länge einstellen

Wenn man sich aus der großen Bandbreite unterschiedlicher Trekkingstöcke das richtige Paar ausgesucht hat steht man erstmal vor der Frage „Wie lange müssen die Stöcke eigentlich sein?“ Hier hilft eine einfache Grundregel: Sie sollten so hoch sein, dass der Arm einen Winkel von 90 Grad erreicht, wenn man den Stockgriff in Händen hält und der Stock senkrecht auf dem Boden steht. Bei starken Gefällen kann man die Stöcke etwas verlängern und bei steilen Anstiegen etwas verkürzen. Achtet beim Einstellen darauf, dass die Verschlüsse auch wirklich fest sind, damit die Stöcke nicht kollabieren.

Pro-Tipp: In großer Höhe oder besonders kalten Regionen sollten die Stöcke so lange sein, dass der Armwinkel leicht geöffnet ist, damit die Hände unterhalb der Ellenbogen liegen und so genug Blut hinein fließt.

Die optimale Länge könnt ihr übrigens auch ganz einfach mit unserem Längenrechner für Wanderstöcke herausfinden (für Skistöcke, Langlaufstöcke & Nordic Walking Stöcke haben wir seperate Rechner).

Der richtige Griff

Ein beliebter Fehler bei der ersten Tour mit Stöcken ist der falsche Griff, bei dem die Schlaufe oft einfach von oben eingefädelt wird. Richtigerweise sollte man von unten durch die Schlaufe greifen, so dass man selbst mit geöffneter bzw. lockerer Hand Druck auf den Stock ausüben kann. Dadurch kann man die Hände bei der Ausholbewegung öffnen, ohne auf die Entlastung zu verzichten. Außerdem verkrampfen die Hände dadurch nicht zu sehr.

Bei einer Traverse kann es hilfreich sein, wenn man den bergseitigen Stock an der Griffverlängerung greift – sofern vorhanden. Den talseitigen Stock sollte man wie einen Knauf halten, damit man sich damit besser Abstützen kann. Im Zweifel wird übrigens empfohlen, die Hände bei einer Traverse nicht in der Schlaufe zu haben, so dass man sie im Notfall frei hat.

Die Wanderstöcke richtig einsetzen

Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen ist es ratsam, die Stöcke immer nah am Körper zu halten. In flachem Gelände sind die Stöcke diagonal und werden abwechselnd eingesetzt, entsprechend dem natürlichen Bewegungsmuster. Prinzipiell handelt es sich hier um die Nordic-Walking-Technik, nur ohne bewussten Krafteinsatz. Natürlich kann man sie hier auch am ehesten weg lassen.

In steilerem Gelände ist der Doppelstockeinsatz die sinnvollere Variante. Die Stöcke werden in der Regel bei jedem zweiten Schritt gesetzt und man drückt sich kraftvoll mit beiden Armen nach oben. So sind Stabilität und Entlastung gewährleistet. Auch bergab ist die Doppelstocktechnik die beste Wahl. Man sollte aber nach Möglichkeit nicht stochern, sondern den Griff normal greifen und vor allem auf eine saubere Technik achten, damit man nicht weg rutscht, stolpert und im schlimmsten Fall stürzt.

Was jetzt? brauch ich Stöcke oder nicht?

Die Antwort auf die Frage, ob man Wanderstöcke immer dabei haben sollte, ist also ein weithin hallendes JEIN.

Sinnvoll sind sie allemal, aber eben nur dann, wenn man sie auch richtig zu nutzen weiß und einige einfache Regeln berücksichtigt. Denn sonst können sie unnütz und maximal sogar hinderlich sein. Vielleicht kann eine gute Handlungsempfehlung sein, die Stöcke mal zu nutzen – vor allem bei technisch schwierigen Touren – und mal lieber zuhause zu lassen, denn ohne Stöcke wird der Gleichgewichtssinn besser geschult und die Muskeln trainiert.

Wie haltet ihr das? Stöcke ja oder nein? Wir freuen uns über eure Kommentare!

Ultraleichte-Bekleidung-Titel

Ein Hauch von Nichts – (ultra)leichte Bekleidung

14. September 2017
Ausrüstung

Erinnert Ihr euch noch an den Oversizelook der 1990er und frühen 2000er? Diese riesigen Klamotten die immer irgendwie nach Kartoffelsack ausgesehen haben? Mir ist neulich ein Vertreter dieser Gattung im meinem „Outdoorkleiderschrank“ in die Finger gekommen.

Heute trage ich diese Jacke maximal noch zum Schneeschippen, aber damals bin ich damit auch auf Hochtouren unterwegs gewesen. Dass so eine Jacke dann schnell mal über ein Kilo auf die Waage bringen konnte, hat mich einfach nicht interessiert, wir waren schließlich jung und hatten kein Geld. Heute bringt mich das aber zu der Frage: Wie sieht es aus, wenn man auch bei Hose, Jacke und Co. gezielt Gewicht einsparen möchte? Was braucht es unterwegs wirklich und wie sehen leichte Alternativen zu althergebrachten Kleidungsstücken aus?

Schauen wir uns also ganz gezielt leichte Outdoorkleidungsstücke an. Zur besseren Übersicht werden wir uns dabei aber nur auf größere Kleidungsstücke wie Jacken, Hosen und Shirts beschränken, da sich hier der Löwenanteil an Gewicht sparen lässt. Kleinteile wie Socken und Unterwäsche werden wir gezielt aussparen. Schauen wir uns also einmal den ultraleichten Dresscode  genauer an.

Ultraleichter Wetterschutz

Wer viel draußen unterwegs ist, der wird das kennen: Nicht immer ist der Wettergott milde gestimmt und selbst an Tagen mit strahlendem Sonnenschein steht gerne am späten Nachmittag ein regenreiches Gewitter ins Haus. Aus diesem Grund ist es eigentlich immer ratsam, einen geeigneten Wetterschutz in Form einer Hardshelljacke und vielleicht einer Regenhose im Gepäck zu haben. Da diese Kleidungsstücke nicht selten auch weite Strecken im Rucksack getragen werden, lohnt es sich hier einmal genauer aufs Gewicht zu schauen.

Ultraleichte Hardshelljacken

Was aber unterscheidet eine herkömmliche Hardshelljacke von der ultraleichten Hardshelljacke? Das ist eigentlich ganz einfach: was an ultraleichten Hardshelljacken nicht dran sein muss, das ist auch nicht dran. Auch kommen besonders leichte Materialien zum Einsatz.

Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT von Berghaus kommen auf nicht einmal 100 Gramm und stellen somit in Sachen Gewicht eine echte Kampfansage dar. Allerdings tummeln sich in dieser Gewichtsklasse zahlreiche Jacken, die aufgrund des dünnen Stoffs nicht für das Tragen eines Rucksacks ausgelegt sind. Somit können Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT zwar für Bewegungsintensive Sportarten wie Trailrunning hergenommen werden, taugen aber für den Trekkingbereich nicht.

Wer es hingegen rucksacktauglich braucht, wird sich in Sachen Gewicht voraussichtlich irgendwo zwischen 150 und 200 Gramm einpendeln. Ein typischer Vertreter dieser Gattung ist die Flashpoint Jacket von Rab. Diese Jacke bringt mit rund 185 Gramm alles mit, was eine wetterfeste Jacke können sollte und kann obendrein die Belastung durch einen Rucksack problemlos wegstecken.

Ultraleichte Hardshellhosen

Hardshellhosen kommen in den unterschiedlichsten Formen daher. Von der Skitourenhose bis hin zur einfachen Überhose gibt es in diesem Bereich nahezu nichts, was es nicht gibt. Um aber beim Thema zu bleiben, wollen wir uns hier nur mit Hardshellhosen befassen, die für Wanderungen, Trekking- oder Radtouren als Regenschutz hergenommen werden können.

Wer also in diesem Bereich nach einer ultraleichten aber trotzdem wetterfesten Hose sucht, der wird wahrscheinlich bei Modellen wie der Atomic Pants von Montane landen. Diese Hosen schlagen in der Regel mit einem Gewicht von ca. 150 bis 200 Gramm zu Buche und eignen sich gerade für Wanderungen und Trekkingtouren bestens.

Wer beispielsweise auf Gletschern unterwegs ist und die Hardshellhose auch in Verbindung mit Steigeisen tragen möchte, der sollte nach robusteren Modellen mit verstärktem Beinabschluss suchen, hier bewegt man sich jedoch in der Regel außerhalb des Ultarleichtspektrums.

Federleichte Isolation

Ultraleichte Daunenjacken

Wenns warm und trotzdem leicht sein soll, kommt man an Daunenjacken und Daunenwesten nicht vorbei. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Schlafsäcken: Kunstfaser hat mit Sicherheit seine Berechtigung und stellt je nach Anforderung Daune klar in den Schatten.

Wer aber was wirklich Leichtes will, der muss zu Daune greifen, denn Daunenjacken sind bei vergleichbarer Leistung in der Regel deutlich leichter als ihre Kollegen aus Kunstfaser. Gerade aber bei wärmenden Kleidungsschichten ist es aber wichtig, nicht nur auf das Gewicht zu schauen. Denn auch hier lässt sich eine Parallele zu Schlafsäcken zeigen: weniger Füllung und somit weniger Gewicht heißt in der Regel auch weniger Isolation.

Hier muss also jeder selbst entscheiden, wie verfroren oder kälteresistent er ist. Leichte Daunenjacken, kommen bereits mit einem Gewicht von weniger als 200 Gramm daher. Wer es noch leichter mag und vielleicht auch aufgrund der Tour oder der persönlichen Veranlagung keinen zu krassen Kälteschutz benötigt, der kann sich sicherlich auch mit einer Daunenweste begnügen, hier spart man dann schnell nochmals einige Gramm.

Ultraleichte Fleecejacken

Fun-Fakt: Schon fast wollte ich hier den Tipp geben, dass man auch mit einem leichten Fleece (bei sicherlich weniger Isolationsleistung) gegenüber einer leichten Daunenjacke Gewicht einsparen kann. Das stimmt aber so nicht. Schickt man Fleece- und Daunenjacken in Sachen Gewicht ins Rennen, erhält man maximal ein Unentschieden. Wer aber dennoch lieber zum Fleece, als zur Daunenjacke greift, der sollte sich auf ein Gewicht jenseits der 200 Gramm einstellen.

Minimalistische Basics

Ultraleichte Trekkinghosen

Eine Hose muss jeder tragen, schon alleine um nicht als öffentliches Ärgernis zu gelten. Hosen unterliegen gerade beim Trekking oft starken Belastungen. Jeder, der schon einmal über quer liegende Baumstämme klettern musste oder im Wald ein Stück querfeldein gelaufen ist, der wird mir zustimmen.

Aus diesem Grund wird es hier je nach dem schwer im Ultraleichtbereich fündig zu werden. Dennoch gibt es aber auch hier leichte Materialien wie Softshell, die es ermöglichen robuste Hosen mit geringem Gewicht zu entwerfen. Hersteller wie beispielsweise Mountain Hardwear haben sich dieser Aufgabe aber einmal gestellt und lange Trekkinghosen auf den Markt gebracht, die die 200-Gramm-Marke noch knapp unterschreiten.

Auf zuviel Schnickschnack wie zusätzliche Cargo-Taschen oder abnehmbare Hosenbeine muss man in diesem Segment allerdings verzichten. Wem auch das trotz allem noch zu schwer ist, dem sei das kurze Beinkleid angeraten. Hersteller wie Norrøna haben hier funktionelle Wander- und Trekkinghosen im Programm, die mit weniger als 150 Gramm zu Buche schlagen.

Ultraleichte Funktionsshirts & Pullover

Gerade an warmen Tagen braucht es ein gutes Funktionsshirt. Dieses sollte nicht nur gut passen und auch optisch ansprechend daherkommen, sondern vielmehr auch für maximalen Komfort unterwegs sorgen. Gerade beim Trekking und Wandern kommt es gerne mal auch zu schweißtreibenden Anstiegen.

Aus diesem Grund sollten Shirts immer aus einem schnelltrocknenden Material bestehen. Wer nicht schon am zweiten Tage geruchstechnisch mit einem Fuchs im Oktober verwechselt werden möchte, sollte darüber hinaus darauf achten, dass das jeweilige Shirt aus geruchshemmenden Materialien gefertigt wurde.

Leichte Funktionsshirts wie beispielsweise das  AT/C Base S/S von Inov-8 oder das MHW AC Short Sleeve T von Mountain Hardwear kommen mit einem Gewicht um die 70 Gramm aus. In der Übergangszeit und an Tagen mit wechselndem Wetter sind oft auch Pullover oder dünne Jacken gefragt. Wenns besonders leicht sein soll landet man in der Regel recht schnell beim Fleece. Wer hier nach einem leichten, feuchtigkeitsregulierenden und warmen Oberteil sucht, der wird problemlos im Bereich 150- 200 Gramm fündig werden. Hersteller wie Salomon und Montane haben hier gleich mehrere Modelle im Programm.

Vorurteile und Missverständnisse

Es gehört ja schon fast zur Tradition, dass ich mich mit den Blogbeiträgen zum Thema Ultraleicht immer auch für mehr Verständnis und Toleranz einsetze. Aus diesem Grund sollen auch in diesem Artikel ein paar Vorurteile zur Sprache kommen, die die Outdoorwelt in die Lager Ultraleicht zu Ultraschwer zu teilen scheinen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrapuristisch

„Wenns leicht ist, dann hängt auch nichts dran. Da muss man dann auf zahlreiche praktische Feinheiten und Kleinteile verzichten.“ Klar mag dieses Vorurteil bis zu einem gewissen Grad stimmen. Eine leichte Windjacke ist eben einfacher als eine kompletter Anorak, auch auf eine Kapuze und Taschen wird hier schnell einmal verzichtet.

Allerdings darf man nicht dazu neigen Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Wer eine Hardshelljacke mit Kapuze als Wetterschutz sucht, wird im Bereich Ultraleicht sicherlich fündig werden. Wer eine leichte Daunenjacke will, wird diese ebenfalls bekommen. Bei der warmen Winterjacke einem Ölmantel oder Ostfriesennerz wirds da schon etwas schwieriger.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraproblematisch

Dieses Vorurteil kommt oft zur Sprache: Was besonders leicht und dünn ist hält grundsätzlich nichts aus und macht nur Ärger. Man hört Horrorgeschichten von im Wind zerrissenen Jacken, aufgeplatzten Nähten und und und… Klar mag es das geben. Schlecht verarbeitete oder mit Materialfehlern belastete Kleidung gibt es leider immer mal wieder. Dies sollte allerdings, egal ob leicht oder schwer, nicht die Regel sein und ist es auch nicht.

Dennoch ist es gerade bei der äußeren Kleidungsschicht wichtig, darauf zu achten, dass diese auch für den jeweiligen Einsatzzweck ausgelegt ist. Wie bereits bei den Hardshelljacken erwähnt, ist beispielsweise ein Rucksacktauglichkeit nicht immer gegeben. Hier empfiehlt sich genaues Hinsehen. Ein Kleidungsstück nur nach seinem Gewicht zu kaufen, macht ohnehin in den wenigsten Fällen Sinn.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Die Rede ist bei diesem Vorurteil oft von schlecht sitzenden Kleidungsstücken, unbrauchbar geschnittenen Kapuzen und knisternden Materialien. Aber sind wir mal ehrlich, das gibt es doch in jedem anderen Bereich auch. Nicht immer passt ein Schnitt zum persönlichen Körperumfang und manchmal sind Features einer Jacke oder Hose weniger nützlich, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aber das ist nicht alleine ein Problem von besonders leichten Klamotten, dieses Problem gibt es von der Jeans bis zur Daunenjacke.

Wären da aber noch die knisternden Materialien. Das ist in der Tat ein Punkt der so manchen Freund der Hardshellbekleidung schier zur Weißglut treibt: Regenjacken und  -hosen knistern gerne mal. Doch auch hierbei handelt es sich mehr um ein Problem, das Hardshellmaterialien im Allgemeinen immanent zu sein scheint.

Fazit:

Es macht sicherlich keinen Sinn an der falschen Stelle Gewicht sparen zu wollen. Gute Bekleidung ist immer auf die jeweilige Tour und die aktuellen Bedingungen abgestimmt. Dennoch finden sich auch im Ultraleichtbereich Kleidungsstücke, die einen guten Kälte- oder Wetterschutz mitbringen.

Wer hier seine Klamotten mit Bedacht wählt muss nicht auf faule Kompromisse eingehen und kann trotzdem einiges an Gewicht sparen. Addieren wir einmal, mit welchem Gewicht die oben genannte Bekleidung letztendlich zu Buche schlagen würde, so kommen wir für Hose, Funktionsshirt, Langarmshirt, leichte Daunenjacke und rucksackkompatible Hardshelljacke auf knapp 800 Gramm.

Spaßeshalber habe ich einmal vergleichbare Kleidungsstücke, die meinem Kleiderschrank entstammen und die ich regelmäßig auf Tour trage, auf die Waage gelegt. Hierbei handelt es sich nicht um Vertreter der Gattung „ultraschwer“, sondern eher um den Typ „ultradurchschnittlich“. Dennoch bin ich auf einen Wert von rund 1300 Gramm gekommen.

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