Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

27. Februar 2018

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Die Tourenplanung ist im vollen Gange.

Die ersten beiden Wochen mit der Besteigung des Alpamayo und des Artesonraju haben uns sichtlich gefordert. Zum Glück haben wir noch einen Tag “frei” in Huaraz, um die nächsten Touren zu planen, Ausrüstung zu sortieren und einzukaufen. Und wenn das noch nicht genug wäre, kommt uns die ganze Zeit unser ständiger Begleiter „Hunger“ dazwischen. So wurde die Tourenplanung direkt ins Cafe Andino verlegt. Das Cafe ist sozusagen der Bergsteiger Treffpunkt in Huaraz und wird schon die nötige Inspiration mit sich bringen. Wir freuen uns noch darüber, dass Michi und Lukas dazu gestoßen sind und wir jetzt zu siebt sind.

Beim Durchblättern des Führers kommen die ersten Luxusprobleme auf: Ein Berg schöner als der andere, dabei haben wir nur noch sieben Tage Zeit. Weit oben auf unserer Liste steht natürlich Peru’s Höchster – der Huascarán mit seinen 6768 Metern. Aber bei der Auswahl eines Berges zählt eben nicht nur die Höhe, weshalb wir uns für die Abenteuer Variante entscheiden.

Die Pisco Südwand wollen wir als Erstes angehen. Die ist schon gar nicht im Führer enthalten. Wer kam überhaupt auf die Idee? Den krönenden Abschluss soll der Huandoy Norte über die Nordost-Route bilden. Puh …beide Routen sehen im Jahr, wenn überhaupt, nur eine Handvoll Begehungen. Verhältnisse? Bisher ganz gut – wird schon passen. Zur Not haben wir auch noch einen Plan B. Also los geht’s!

Auf dem Weg zum Pisco Basislager

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Pisco Moränencamp mit der Südwand im Hintergrund.

Wir sitzen nun wieder im Kleintransporter und biegen in das hinter dem Huascarán liegende Llanganuco Tal ein. Alleine hier erstrecken sich acht 6000er in die Höhe. Zurück in der Bergwelt ist die Vorfreude wieder bei uns angekommen.

Wir bleiben unserem Stil treu und nehmen die Esel nur wieder für den Gepäcktransport ins Basislager in Anspruch. Ab dort geht der 30 Kilo schwere Rucksack auf die eigenen Schultern und am nächsten Tag zu unserem eigentlichen Ausgangspunkt, dem Pisco Moränencamp. Von hier wollen wir die Südwand angehen und später ins Huandoy Hochlager aufsteigen.

Die wilde Pisco Südwand

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Wilde Kletterei durch bizarre Eisformationen.

Ich hatte fast vergessen, wie schön es ist, um Mitternacht aufzustehen – so hat man doch direkt mehr vom Tag! Im Lichtkegel der Stirnlampe geht es zum Anfang des Gletschers. Immer wieder stehen wir vor tiefen Spalten und müssen uns einen anderen Weg durch das Eislabyrinth suchen. Bis wir schließlich mit der Dämmerung an der Wand ankommen.

Die ersten Seillängen gehen noch einigermaßen zügig voran. Über eine kurze Felsstufe geht es weiter in ein Rinnensystem, das uns hoffentlich oben durch die Seracs schlüpfen lässt. Leider haben wir alles andere als schönen Trittfirn in der Wand.

Mit zunehmender Steilheit kommt immer mehr Schnee und Eis von oben herunter. Unsere persönliche Schneefräße Truffi gräbt sich allerdings unermüdlich nach oben und wir gewinnen Meter für Meter. Die Sicherungspunkte liegen bis zu einem Meter unter dem Schnee, was das Ganze nicht schneller macht. Teilweise stehen wir bis zu einer Stunde schlotternd am Stand, bis es endlich weiter geht und wir langsam wieder auftauen.

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Gipfelfoto vom Pisco.

Es ist schon später Nachmittag, als wir die letzten Seillängen erreichen. Immer noch fragen wir uns, wie wir die riesigen Seracs überwinden sollen. Durch senkrechtes Eis geht es im wilden Zickzack kurz unter den Gipfel. Wir sind schon alle ziemlich mitgenommen, aber die letzten Meter lassen wir uns nicht entgehen. Geschafft! Mit dem Sonnenuntergang stehen wir alle Sieben auf dem Gipfel des Nevado Pisco (5752m). Ein gigantisches Gefühl dies mit seinen Freunden zu teilen.

Nun aber schnell weiter und mit der Stirnlampe den Normalweg runter. Nach gut 18 Stunden kommen wir endlich am Zelt an. Das hatten wir uns leichter vorgestellt. Morgen ist wohl erst mal ein Ruhetag angesagt. Trotz Müdigkeit wird noch richtig gut aufgekocht – selten hat ein Dosenbier so gut geschmeckt!

Am anschließenden Tag verabschieden wir Flo, der bereits zurück nach Huaraz muss, um seinen Flug zu erwischen. Ebenso entschließt sich Lukas gegen die Tour.

Auf ins Huandoy Hochlager auf 5700m

Der Zustieg ins Hochlager von Huandoy Norte ist schon eine Tour für sich, denn um dorthin zu gelangen, müssen wir einen nicht ganz objektiv sicheren Gletscher queren und dann noch eine 600 Meter hohe Firnflanke nach oben pickeln. Und das ganze Gepäck will ja auch noch mit nach oben.

So starten wir also wieder mitten in der Nacht und haben diesmal nur das Nötigste eingepackt. Die Außenwände der Zelte, Fäustlinge und sonstige Notfallreserven bleiben da. Es gilt möglichst schnell dort hoch und eben auch wieder runter zu kommen.

Der Zustieg über den Gletscher läuft gut und wir steigen mit dem ersten Licht in die Flanke ein. Der Schnee ist etwas besser als beim Pisco und wir kommen zügig voran. Doch auch hier steilt sich der letzte Teil der Wand immer mehr auf und wir klettern nur auf den Frontalzacken stehend auf den Grat nach oben.

Hier folgt gleich die nächste Überraschung. Das Wetter hat wohl genug von guter Laune und wir müssen aufpassen, dass uns der Wind nicht runter bläst. Nichts wie weg hier – nur wie? Der Plan war kurz auf das Gletscherplateau abseilen und gut. Leider stellt sich da nun eine riesige Randspalte in den Weg und wir müssen noch weitere zwei Seillängen halb abklettern. Jeder will nur noch schnellstmöglich in seinen Schlafsack. Die gefühlte Temperatur -20 Grad. Wo sind eigentlich die verdammten Fäustlinge?

Aufbruch zum Huandoy – Welcher soll es werden?

Mitten in der Nacht geht es erneut raus. Ich habe so gut wie nicht geschlafen. Das Zelt wurde die ganze Nacht durchgeschüttelt und es hat immer noch nicht nachgelassen. Wir kochen Wasser für das Frühstück, welches direkt wieder kalt aus der Müslipackung kommt. So macht das keinen Sinn – wir legen uns noch mal hin und entscheiden uns für den niedrigeren Huandoy Ostgipfel.

Drei Stunden später der nächste Startversuch. Der Berg hat sich ein wenig beruhigt und mit der Sonne wird es schon besser werden. Wir versuchen es! Zunächst über einen leichten Firnhang zu einer Steilstufe, über die ein Eisband führt. Sowas bin ich zuvor auch noch nicht geklettert – auf allen Vieren geht’s dort hindurch. Wenig später stehen wir bereits auf dem Gipfel.

Sensationell, ein weiterer 6000er! Das hätte in der Nacht noch keiner für möglich gehalten. Doch müssen wir heute noch runter ins Moränencamp, wo Lukas auf uns wartet. Abstieg, Zelte einpacken und die komplette Flanke abseilen. Natürlich wird es bereits dunkel, bis wir ankommen.

Wir verbringen den letzten Tag mit Abstieg und Rückfahrt nach Huaraz, wo die letzte große Feier steigt. Zum Tanzen ist wohl keiner mehr in der Lage, aber bei Pizza und Coca-Bier lässt es sich auch aushalten!

Ein großes Dankeschön

Bergsteigen in der Cordillera Blanca: Pisco Südwand und Huandoy – Teil 2

Die letzte Nacht im Zelt bevor es in die Heimat geht. Wir werden es vermissen!

Die drei Wochen in Peru neigen sich somit dem Ende zu. Mit ihr eine richtig lässige Zeit und wir freuen uns, dass alle wohlbehalten die Heimreise antreten können. Ein großes Dankeschön geht an jeden Einzelnen für die Organisation, Motivation und super Stimmung in der Gruppe.

Ebenso bedanken wir uns für die Unterstützung von den Bergfreunden und Trek’n Eat! In einer selbst-organisierten Expedition steckt einiges an Arbeit, weshalb sie jedem von uns umso mehr in Erinnerung bleiben wird. Nun ist aber erst einmal Pause angesagt, bis uns das nächste Projekt wieder in die Ferne zieht.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Stefan sagte am 1. März 2018 um 21:01 Uhr

    Super Bericht und schöne Fotos, die leider etwas zu klein geraden sind !!

  2. Jörn sagte am 2. März 2018 um 14:54 Uhr

    Sag das mal unsere IT – wir kämpfen hier um jedes Kilobyte! :)

    Aber trotzdem vielen Dank für deinen Kommentar, da wird sich unser Thomas sicher freuen.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Birgit sagte am 6. März 2018 um 23:07 Uhr

    Beten, dass die Gletscher wachsen“ ————– 1678 legten die Bewohner von Fiesch und Fieschertal ein Gelübde ab: Sie wollten beten und eine jährliche Prozession abhalten, damit die umgebenden Gletscher nicht weiter wachsen. Der Papst hat nun im Hinblick auf den Klimawandel das Abänderungs-Gesuch des Gletscher-Gelübdes genehmigt. Die Pfarrei Fiesch-Fieschertal ist nun ermächtigt, in Zukunft in ihren Prozessionsfürbitten dafür zu beten, dass der Gletscher wieder wächst.“ ————– Dem ist nichts hinzuzufügen der wahre Wettergott heißt immer noch Petrus oder so! Beten, dass die Gletscher wachsen

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