Bergfreundin Gaby im Interview

Bergfreundin Gaby – das wandelnde Berg-Lexikon

7. Juli 2017

Ich weiß noch, dass ich etwas verdutzt war, als mein Kollege Philip mit unserer neuen Kollegin Gaby die Runde durchs Bergfreunde-Büro machte. Verdutzt, weil dort eine Frau vor mir stand, die locker meine Mutter sein könnte. Was in dem Fall ganz wertfrei gemeint ist, aber unter der doch recht jungen Crew in jedem Fall heraus sticht. Wie sich herausstellt, ist Gaby aber ein echtes alpines Urgestein („Fossil“, wie sie selbst sagt), hat vermutlich mehr auf dem Kasten, als sämtliche Bergfreunde zusammen und kennt quasi die gesamte Szene wie ihre Westentasche. Toll, so jemanden an Bord zu haben. Noch toller, dass es in Zukunft eine regelmäßige Kolumne von Gaby geben wird, sowie natürlich weitere Artikel im Basislager-Blog. Damit ihr wisst, mit wem ihr es zutun bekommt, haben wir sie zum Antritts-Interview gebeten…

Hallo Gaby, herzlich willkommen bei den Bergfreunden. Ich weiß schon, dass Du viel zu erzählen hast, aber versuchen wir es erstmal mit dem Klassiker: Stell‘ dich bitte mit wenigen Sätzen vor:

Bergfreundin Gaby im InterviewIch bin ein alpines Fossil, das mit 16 Jahren auf seinen ersten Viertausendern im Montblanc Massiv stand. Danach war ich völlig „berg-verrückt“, jobbte in Chamonix noch vor dem Studium (Germanistik, Romanistik, Journalismus) und bin bis heute sehr gerne dort. Der rote Faden in meiner Biographie ist, auch auf beruflicher Ebene, das Thema Berg- und Outdoorsport mit dem Spezialthema Ausrüstung sowie Reisen. Natürlich habe ich bis vor wenigen Jahren alles noch selbst betrieben – vom Alpin- und Eisklettern über Skitouren, Canyoning, einigen wenige Expeditionen, Kanutouren in Alaska und Kanada, Tourguide etc. Ich bin ein steinreicher Mensch, wenn es um beeindruckende Naturerlebnisse geht.

Du bist seit kurzem Teil der Online-Redaktion. Was genau machst Du dort hauptamtlich?

Das, was ich seit zig Jahren mache, nämlich über Ausrüstung und Outdoorsport zu schreiben.

Wie gefällt es Dir bisher bei den Bergfreunden?

Bergfreundin Gaby im Interview

Gaby beim Klettern in den Aiguilles Rouges.

Es ist toll – schon wegen der vielen sympathischen Kollegen-/innen. Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass man von Anfang an von so vielen Kollegen-/innen, die viel jünger sind, so nett aufgenommen wird. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Zusammenarbeit und der Austausch machen mir viel Spaß, man kann viel voneinander profitieren. Abgesehen davon wird es bei uns nie langweilig, weil wir eine Uni aufmachen könnten mit all den hier vertretenen Studienabschlüssen und Fachgebieten. Gleichzeitig verbindet alle das Outdoor- und Bergsportgen, wie ich das gerne nenne. Da tickt man in vielen Bereichen ähnlich. Hinzu kommt das tolle Ambiente in diesem Fabrikgebäude, der Gratis-Kaffee, die stets sprudelnde Wasserquelle … Und auch sonst macht die Firma vieles, was mir richtig gut gefällt.

Deine Vita liest sich beeindruckend. Kein Wunder, du bist schließlich schon über 40 Jahren am Berg unterwegs und hast in dieser Zeit für sämtliche namhaften Magazine und überregionale Tageszeitungen geschrieben sowie eigene Bücher veröffentlicht und andere übersetzt. Auch zahlreiche Bergsportler hast du porträtiert. Gibt es da einen, an den Du Dich besonders gut erinnerst?

Bergfreundin Gaby im Interview

Auf Tour in Neuseeland.

Jede(r), über den ich geschrieben habe, hat mich auf die eine oder andere Weise fasziniert. Mir ging es nie nur um die bergsteigerische Leistung. Mich interessiert viel mehr, was die Leute antreibt und motiviert. Ganz besonders hat mich der britische Bergsteiger Norman Croucher beeindruckt, der als doppelt Beinamputierter erfolgreich an den hohen Bergen der Welt (bis hin zu Achttausendern, ohne Flaschensauerstoff) unterwegs war. Er reiste mit Ersatzprothese im Gepäck, was oft für Irritationen beim Zoll und bei Gepäckkontrollen sorgte. Schon zu Beginn seiner alpinen Karriere musste er „die Mauern in den Köpfen“ überwinden, wie er das selbst treffend formulierte. Kein Bergführer wollte mit ihm aufs Matterhorn. Er ging trotzdem und steckte seine Ziele im Laufe der Zeit erfolgreich immer höher. Außerdem ist Norman sehr humorvoll und ein begnadeter Vortragsredner. Wir haben anlässlich seines 65. Geburtstags leichte Dreitausender miteinander gemacht – ich hatte Muskelkater vom Lachen. Dabei sammelte er Sponsorengelder für Oxfam.

Als Redakteurin und Journalistin kennst Du sicher fast jedes Buch, das nur ansatzweise mit Bergen zu tun hat. Gibt es eine absolute Leseempfehlung?

Oh je, da gibt es sehr viele Empfehlungen – je nach Interessen. Meine eigenen Lieblingsbücher sind zwei zurecht preisgekrönte Bücher „Mountains of the mind“ (Berge im Kopf) von Robert Macfarlane und Mountaineers (Bergsteiger) herausgegeben von Ed Douglas im Auftrag des British Alpine Club. Darin geht es um die Geschichte des Bergsteigens, die Entwicklung der Ausrüstung, den Einfluss der Wissenschaften und wie sich dadurch das Bild der Berge in den Köpfen im Laufe der Jahrhunderte geändert hat. Als reine Lektüre gefallen mir die Stories von Greg Child sehr gut, darunter Mixed Emotions.

Bergfreundin Gaby im Interview

Sehnsuchtsziel Charmonix!

Ferner von James Salter „In der Wand“ und „Selig wer in Träumen stirbt“ von Robert Steiner. Von meiner Kollegin Christine Kopp gibt es zwei Bände mit Kurzgeschichten und Erzählungen, die eine bis dato seltene weibliche Perspektive beim Bergsteigen aufzeigen: „Schlüsselstellen“ und „Betsy Berg“. Und wer gerne Krimis liest, dem empfehle ich die Kletter- und Bergkrimis von Irmgard Braun, ohne bislang auch nur einen davon gelesen zu haben. Sie schreibt als Alpinjournalistin gut, ist Mathematikerin (Logik) und eine ausgezeichnete Bergsportlerin. Das passt bestens.

Welches ist Deine liebste Bergregion?

Keine Frage: Das Massif du Mont Blanc! Eis und Urgestein waren von Anfang an mein Ding. Auch im Wallis habe ich früher sehr viele Touren gemacht. Ich liebte klassische Nordwände. Dolomiten, Karakorum, Nepal und die Berge Südamerikas fand ich auch total beeindruckend. Begeistern konnte ich mich aber auch für die stillen Winkel der Allgäuer Alpen, wo ich lange gelebt habe. Jede Bergregion hat einen speziellen Reiz.

Deine drei Lieblingsartikel aus dem Shop?

Bergfreundin Gaby im Interview

Wir freuen uns Gaby dabei zu haben!

Oh je, auch da gibt es viele. Ich kann mich heute noch völlig begeistern für moderne Eisgeräte, praktische Tools und eindrehbare Eisschrauben – auch wenn ich die wohl selbst nicht mehr brauche. Oder leichte, sehr funktionale, dennoch robuste Zelte. Hinzu kommt tolle Funktionsbekleidung … Wer wie ich seit Jahrzehnten die Entwicklung der Bergsportausrüstung aktiv miterlebt hat, der ist und bleibt begeisterungsfähig, wenn ein Teil richtig klasse ist.

Gibt es etwas, das du den Bergsportlern aus deinem reichen Erfahrungsschatz mitteilen möchtest?

Jeder, der anspruchsvolle Bergtouren macht, sollte sich unbedingt intensiv mit Bergrettungstechniken und Erster Hilfe beschäftigen. Das ist ein Muss. Man hat im Notfall die Verantwortung für seinen Seilgefährten und kann sich mit entsprechendem Knowhow auch selbst helfen. Das galt früher und gilt auch heute noch im Zeitalter von Handy und Hubschrauberbergung mit Longline. Und wer es bisher noch nie gemacht hat: Geplante Biwaks sind herrlich – im Winter und im Sommer. Heute ist – auch dank hervorragender Ausrüstung – alles so viel einfacher als früher!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Manfred Schurr (Manne) sagte am 7. August 2017 um 15:11 Uhr

    Servus Gaby
    lange nichts voneinander gehört, sinds schon 33Jahre? Haben Deine Berichte ab und zu mit Begeisterung gelesen.
    Bea und ich sind ebenfalls immer noch in den Bergen unterwegs, aber nicht so ganz erlebnisreich wie Du. Wenn Du möchtest, kannst Du uns mal schreiben oder anrufen.
    Herzliche Grüße aus Faurndau
    Manne und Bea

  2. Jörn sagte am 8. August 2017 um 10:24 Uhr

    Hi Manfred,

    ich habe euren Kommentar an Gaby weitergeleitet und eure Email-Adresse sowie eure Telefonnummer gelöscht, damit sie nicht einfach so im Internet zu finden ist.

    Viele Grüße,

    Jörn

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