Bergfreunde

Bergfreund Olli bei der Mammut Alpine School

8. August 2012

Sportart

Unser Olli

Unser Olli

Unser Kollege Olli aus dem Kundenservice verabschiedete sich vor ein paar Wochen übers Wochenende zu einem Gletscher- und Eiskurs bei der Mammut Alpine School. Zurück kam er mit reichlich roten Ohren und einem ziemlich breiten Grinsen im Gesicht. Bevor ich ihn überhaupt fragen konnte, wie ihm das Wochenende gefallen hatte, meinte er nur: „Wann gehen wir auf Tour und wohin?“ Abends beim Bierchen in der Kletterhalle erhielt ich dann einen detailierten Bericht über das Wochenende. Und wie ich ihm so zuhörte, dachte ich mir, dass könnte Euch auch interessieren, was die Bergfreunde so an ihren Wochenenden machen.

Hallo Olli, Du warst vor ein paar Wochen mit der Mammut Alpine School auf einem Gletscher-/Eiskurs. Wie ist es dazu gekommen?

Hallo Wiebke! Eigentlich ist ja das Klettern mein Sport, aber ich ging schon immer gerne in die Berge zum Wandern/Schneeschuhwandern. Nach einigen Zwischenfällen in der Kletterhalle hat sich bei mir Angst vor Stürzen entwickelt. Ich hatte die vage Idee, eine Konfrontationstherapie könnte gut für mich sein, aber keine Lust auf Sturztraining in der Halle oder am Fels. Der Gletscherkurs beinhaltet auch das Bergen von Spaltenopfern, also dachte ich, bin ich ein freiwilliges Spaltenopfer. Natürlich wollte ich so was auch vorher schon immer mal machen, aber nun schien der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.

Wie lange ging der Kurs und wo wart Ihr?

Der Kurs ging über vier Tage und fand ausgehend vom Taschachhaus (Pitztal/Österreich) weitestgehend auf dem Taschachferner statt.

Welche Inhalte umfasste der Kurs? 

Soviel zur Knotenkunde

Soviel zur Knotenkunde

Für die Kürze der Zeit unheimlich viel: Knotenkunde (Ankerstich, Mastwurf, Halbmastwurf, doppelter Bulin, Achtknoten, Sackstich, Prusik, Gardaklemme), Spaltenbergung mit loser Rolle, Flaschenzug und Mannschaftszug, Standplatzbau im Eis, Gehen in alle möglichen Richtungen mit Steigeisen, Einsatz des Eispickels zum Gehen, Klettern oder als T-Anker, Mixed-Klettern, Tourenplanung und Orientierung und ein bisschen Wetterkunde (was angesichts des stabilen Hochdruckgebietes begrenzt war).

War es anstrengend?

Die Anstrengung fing nach 2 aufeinanderfolgenden, langen Arbeitstagen schon auf der Hinfahrt an, ging dann auf dem Zustieg zur Hütte weiter und klang mit zunehmender Akklimatisierung am folgenden Tag aus. Am Tourentag war ich relativ gut drauf, allerdings hat unsere überaus fitte Bergführerin auch ordentliches Tempo vorgegeben, sodass wir abends auf der Hütte sogar darauf noch von einigen Bergsteigern angesprochen wurden. Die Anstrengung war groß, die Gruppe hinsichtlich der Kondition aber abgesehen von der Bergführerin homogen. Am Abreisetag war ich allerdings froh über den Tempomat, meinen Gasfuß konnte ich so etwas ausruhen lassen ;-)

Was hast Du gelernt, was Dich wirklich überrascht hat?

Oh, da gab es einiges. Zum Beispiel die Sinnhaftigkeit von Ohropax auf der Hütte. Nein, im Ernst: es hat mich sehr überrascht, mit wie einfachen Mitteln man sich in vielen Situationen behelfen kann. Der Einsatz der Losen Rolle z. B. erfordert außer dem Seil, einer Eisschraube, einigen Karabinern und einer Prusikschlinge nichts, außer die Kenntnis der richtigen Anwendung. Eine Gardaschlinge ist eine hervorragendes Rücklaufsperre und so was von simpel.

Du bist ausgebildeter DAV Klettertrainer, hat Dir das bei dem Kurs geholfen? Wenn ja, wie? 

Ausblick vom Taschachhaus

Ausblick vom Taschachhaus

Ja, das hat mir in einigen Fällen schon geholfen. Oberstes Gebot ist beim Klettern in der Halle wie am Fels ja der Partnercheck und besonderes Augenmerk auf eine intakte Sicherungskette. Das half mir beim Aufbau der Flaschenzüge, zu verstehen, warum ein Schritt notwendig ist. Außerdem konnte ich bei der Knotenkunde einen Gang zurückschalten und verfiel ein wenig in meine gewohnte Rolle, den anderen Kursteilnehmern die Knoten zu erklären…

Hast Du vorher schon Hochtouren gemacht?

So würde ich das nicht bezeichnen. Ich bin im Sommer schon auf einigen Klettersteigen im Hochgebirge unterwegs gewesen und habe im Winter auch einige Schneeschuhtouren gemacht, die so vielleicht nicht in den gängigen Wanderführern beschrieben sind. Der Eispickel blieb dabei bisher aber immer unbenutzt.

Denkst Du jetzt anders über Hochtouren und ihre Gefahren?

Jein. Dass es bei allen Sportarten, die man ausübt, ein Restrisiko gibt und dass dieses in alpinem Gelände nicht gerade kleiner wird, war mir schon vorher klar. Die Ausbildung hat geholfen, Situationen etwas besser einschätzen zu können. Dennoch würde ich mich ohne weitere praktische Erfahrung nicht an schwierige Touren heranwagen.

Was hat Dich am meisten an dem Wochenende beeindruckt und vielleicht überrascht?

Am meisten beeindruckt hat mich – wie so oft schon – die Landschaft. Überrascht hat mich, dass auch Lichtschutzfaktor 50+ den Sonnenbrand nicht verhindern konnte.

Und, geht es bald wieder auf Tour?

Es ging seitdem schon wieder auf Tour und wird auch definitiv so weitergehen. Am nächsten Wochenende, an dem ich keinen Kletterkurs gebe, sind wir dann hoffentlich zusammen auf einem der Alpengipfel unterwegs.

Wie sind Deine weiteren Pläne in Punkto Hochtouren? 

Der Rucksack wäre schon gepackt

Der Rucksack wäre schon gepackt

Eigenständig Touren planen und durchführen und mit ausreichender Erfahrung vielleicht irgendwann einmal eine Ausbildung zum Fachübungsleiter Hochtouren. Bis dahin werden sicher noch einige Monate vergehen.

 

 

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