Swim/Bike/Run @ Challenge Roth 2016 (c) foxletics.com

Bergfreund Jörn bei der Challenge Roth 2016

9. August 2016

Sportart

Fast ein Jahr ist vergangenen, seit dem ich mich für meinen ersten Langdistanz-Triathlon, angemeldet habe. Ein Jahr harten Trainings, das mich nicht nur sportlich geformt hat, sondern mich immer wieder auch Mental forderte. Wenn ich z.B im Februar mit meiner langen, dicken Radhose und wasserdichter Radjacke 70 km durch strömenden Regen fahren musste oder morgens um 5:30 Uhr auf der Matte stand, nur um meine Schwimmform in den Griff zu bekommen. Das alles geht mir durch den Kopf, als ich mich am 17.07.2016 um 7 Uhr von meiner Familie verabschiede und zum Schwimmstart marschiere. Es ist soweit, die Challenge Roth startet.

Schwimmen: Banal im Kanal

Donaukanal, Challenge Roth (c) foxletics.com

Ganz schön was los am Schwimmstart.

Die Stimmung in Roth ist der Wahnsinn. Man kann kaum zählen, wie viele Zuschauer sich hier versammeln – sei es, um die Athleten anzufeuern oder einfach nur den Rekordversuch von Profi Jan Frodeno mitzuerleben, der versucht die Weltbestzeit zu knacken. Während ich zum Donaukanal vorgelassen werde, checke ich nochmal ob Brille, Badekappe und Nasenklammer gut sitzen. Mein Herz pocht heftig und wird nur vom lauten Schuss übertönt, der den Start der Challenge Roth markiert. Here we go!

Wir schwimmen zunächst stromaufwärts – nicht besonders prickelnd, da es natürlich recht langsam voran geht. Alle 200 Meter stehen Distanzschilder, die scheinbar im Schneckentempo an mir vorbeiziehen. Nach etwas mehr als einem recht eintönigen Kilometer kommt die erste Wende. Da das Feld angenehm entzerrt ist, geht es hier geruhsam zur Sache. Stromabwärts geht es deutlich schneller voran, was zumindest ein wenig motiviert. Am Rand stehen immer wieder kleine Zuschauer-Trauben, die uns anfeuern. Die zweite Wende kommt in Sicht – ab hier sind es lediglich noch 500 Meter und die ungeliebte Disziplin hat endlich ein Ende. Beim Ausstieg der Blick auf die Uhr: 1:11h. Voll im Plan!

Radfahren: Mit Karacho durch Mittelfranken

Bergfreund Jörn bei der Challenge Roth (c) foxletics.com

Der Bike-Split läuft besser als gedacht.

Mir wurde schon gesagt, dass die Radstrecke in Roth verdammt schnell ist. Glauben wollte ich das allerdings nicht und so träumte ich im Vorfeld lediglich davon, wenigstens einen Schnitt von 30 km/h halten zu können. Dementsprechend verblüfft bin ich, als ich auf den ersten 10 Kilometern selten langsamer als 35 km/h fahre. Es geht aber auch gemächlich bergab und ich denke mir: Hey, da kann ich auch Gas geben und mir ein Polster schaffen. Und so klettert die Durchschnittsgeschwindigkeit immer weiter nach oben. Den ersten längeren Anstieg gehe ich gemächlich an. Bloß nicht überzocken. Erneut geht es fast 12 km lang leicht bis mittelstark bergab. Ich gebe Gas und sehe, wie der km/h-Schnitt langsam wieder ansteigt.

Die Strecke führt immer wieder durch kleine Stimmungsnester, in denen man sich so richtig schön mit Energie vollsaugen kann. Das wahre Highlight wartet aber am Solarer Berg, für den die Challenge Roth weltweit berühmt ist – zumindest in der Triathlon-Szene. Ihr kennt vielleicht die Videos von der Tour de France, in denen die Sportler in einem schmalen Korridor aus Zuschauern und Fans fahren. Genau das passiert auch hier. So geflasht war ich glaube ich bei noch keinem Sportevent. Mit einem breiten Grinsen fahre ich ziemlich langsam durch die Menschenmenge. Einerseits muss ich aufpassen, dass ich bei den ganzen Leuten niemanden erwische, andererseits will ich diese Wahnsinnsatmosphäre so lange es geht genießen.

Kurz hinter dem Solarer Berg ist die erste Runde dann vorbei. Nach 90 km steht ein beachtlicher Schnitt von 34 km/h auf der Uhr. Leckomio – nicht schlecht und vor allem ein gutes Polster. Also gehe ich die zweite Runde etwas defensiver an, folge dem bekannten Modus, drücke bergab aber nicht mehr so stark und lasse mehr rollen. Ein wenig Kraft sollte ich mir fürs Laufen noch aufsparen. Dann endlich, nach 5:35 h erreiche ich die WZ2 – für Nicht-Triathleten: Die Wechselzone 2. Und zwar mit einem verdammt dicken Grinsen im Gesicht, denn so eine Zeit hatte ich mir beim besten Willen nicht ausgerechnet.

Laufen: Alles Kopfsache!

Bergfreund Jörn bei der Challenge Roth (c) foxletics.com

Das Laufen wird schnell anstrengend.

Ich subsumiere: 1:11 h Schwimmen, 5:35 h fürs Radeln und noch 10 Minuten in der Wechselzone. Macht unterm Strich eine bisherige Zeit von 6:56 h. Dass es so gut läuft habe ich wirklich nicht erwartet. Und meine Beine fühlen sich fantastisch an. Die Verwunderung ist groß, als ich dann auch noch mit einem recht zügigen Schritt loslaufe. In meinem Kopf überschlagen sich die Ereignisse. Ich hatte mit einer Endzeit von 12 Stunden gerechnet, momentan sind locker 11 drin und wenn die Beine mitmachen, sogar noch mehr.

Dennoch – meine Vernunft sagt mir, dass ich lieber etwas Tempo rausnehmen sollte. Mir steht schließlich noch ein langer Weg bevor und man sagt, dass die Langdistanz erst ab der Hälfte des Marathons so richtig anfängt. Blöderweise für mich schon deutlich früher.

Bergfreund Jörn bei der Challenge Roth (c) foxletics.com

Regelmäßige Abkühlung muss sein.

Es beginnt damit, dass ich keine Energiegels mehr aufnehmen kann. Nicht physisch, da ist eigentlich alles in Ordnung. Aber beim Gedanken daran, das süße, pappige Gel in mich reinzudrücken wird mir anders. Also versuche ich es mit Iso-Getränken und Cola, hin und wieder auch eine Salzbrezel und ein Stück Obst. Viel Energie ist das allerdings nicht. Und schon ab KM 12 beginne ich langsam abzubauen. Die Beine werden mit jedem Meter schwerer und schon wenige Minuten später geht es nur noch darum, nach jeder Verpflegungsstelle, die etwa alle zwei bis drei Kilometer aufgestellt sind, loszulaufen – egal in welchem Tempo. Kopf gegen Körper, Hirn gegen Beine.

Ich zähle die Kilometer runter. Die endlose Uferpromenade des Donaukanals trägt nicht gerade zur Stimmungsaufhellung bei. Aber ich sehe viele, denen es ähnlich  geht wie mir. Abgequälte Gesichter, die sich hinter ihren Kappen und Sonnenbrillen verstecken. Willkommen beim Langdistanztriathlon. Ich weiß nicht mehr, an was ich in dieser Zeit gedachte habe. An alles Mögliche wahrscheinlich. Hauptsache Ablenkung.

Es ist inzwischen ziemlich warm geworden. Dementsprechend häufig greife ich zu den Schwämmen und gönne meinem Körper eine kalte Dusche. Die Abkühlung verschafft jedoch nur eine kurze Erleichterung. Inzwischen habe ich meine Zeitziele an den Haken gehängt. Unter 12 Stunden ist für das erste Mal schon verdammt gut und das dürfte ich auf jeden Fall halten können. Langsam wuchte ich meinen Körper weiter Richtung Ziellinie und als wir endlich in Roth einlaufen und ich realisiere, dass ich nur noch wenige Kilometer vor mir habe, erwachen zumindest noch ein paar kleine Reserven in mir.

Bergfreund Jörn bei der Challenge Roth (c) foxletics.com

Im Ziel!

Und da ist es: Das Ziel! Eine letzte Runde durch das vollbesetzte Stadion. Stimmung aufsaugen. Kein Zielsprint. Einfach nur genießen. Mit einer Endzeit von 11:04 h durchquere ich den Zielbogen und bin einfach nur erleichtert. Ich lasse mich zu Boden sinken. Tränen schießen mir in die Augen. All das harte Training – es hat sich ausgezahlt. Eine echte Traumzeit für das Langdistanzdebüt und ein verdammt geiler Wettkampf, alles hat geklappt wie am Schnürchen. Der nächste Halt ist das Finisher-Buffet. Leider bekomme ich nicht wirklich viel rein und mache mich direkt auf den Weg zu meiner Familie. Wir fallen uns frenetisch um die Arme. Alle sind glücklich, dass es mir gut geht und ich heile angekommen bin. Nach einer kurzen Pause holen wir das Rad aus der Wechselzone, setzen uns ins Auto und steuern den nächsten Burger-Tempel an – das muss jetzt einfach sein.

Epilog

Zwei Wochen später: Ich bin auf Mallorca. Urlaub. Den habe ich mir jetzt verdient. Erholung muss nach so einer Nummer einfach sein. Dennoch ist da ein kleiner Mann im Hinterkopf, der immer wieder sagt: In wenigen Tagen startet die Anmeldung für die nächste Challenge Roth – mach mit, mach mit, mach mit! Soll ich nochmal? Trotz allem? Die einfache Antwort: Erst recht deswegen! Und so heißt es auch in 2017 für mich: Welcome to Roth! Die erste Trainingseinheit habe ich in der zweiten Woche auf der Insel schon hinter mich gebracht. Wenn ihr wieder dabei sein wollt, dann schaut doch mal auf meinem Blog www.foxletics.com vorbei – ich würde mich freuen!

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