Bergfreunde

Casjens Alpenüberquerung über die Grassler-Route

28. September 2012

Sportart

Casjen wie immer unterwegs

Casjen wie immer unterwegs

Als frischgebackener Teamleiter in der Online-Redaktion bei den Bergfreunden musste der erste Urlaub natürlich standesgemäß verbracht werden. Daher hieß für mich dieses Jahr: ab in die Berge! Eine ordentliche Wander-Hüttentour über die Alpen sollte es werden. Nachdem in den letzten Jahren einige Rundtouren und Höhenwege angestanden hatten, wollten wir uns diesmal an einem Klassiker versuchen: an einer Alpenüberquerung über die Grassler-Route.

Planung und Anreise

Vorgaben für die Tour waren: viel Abwechslung, Höhenmeter, Anstrengung und Herausforderung in knapp zwei Wochen. All das bot uns die Grassler-Route von München nach Venedig. Elf Etappen der ursprünglichen 28 mussten langen und dennoch blieben uns die schönsten Gebirgszüge erhalten. Es ging von Innsbruck durch die Zillertaler Alpen zum Sellajoch in den Dolomiten.

Dann ging’s los. Nach langer Anreise saßen wir heilfroh in der letzten Seilbahn in Wattens. Die Sonne schien, zwei Stunden gemütlicher Weg lagen vor uns und das erste Murmeltier begrüßte uns mit heiterem Pfeifen. Der Alltag nahm dann endgültig Abschied als wir den Sonnenuntergang auf dem Hausgipfel der Glungezerhütte genossen.

Sieht Casjen schon ein wenig ähnlich, oder?

Sieht Casjen schon ein wenig ähnlich, oder?

Die ersten Tage

Richtig begann unsere Tour am nächsten Tag. Bei strahlendem Wetter über sieben Gipfel hin zur Lizumer Hütte. Zu beklagen hatten wir auf dem Weg nur eine Verletzte (Schnittwunde in der Wade), die wir dank Erste-Hilfe-Set und etwas Erfahrung aber schnell verarzten konnten.

Am nächsten Morgen begleitete Nieselregen unsere Flucht vor der Laune des Hüttenwirtes. Doch oben auf der Scharte warteten auch schon besseres Wetter und herrliche Wolkenmeere unter schroffen Graten auf uns. Auf schönen Wegen ging es nun weiter Richtung Hintertuxer Gletscher. Dort allerdings war nur noch wenig schön: der Gletscher am Schmelzen und die Gegend verschandelt durch die Wintersportindustrie. Umso erstaunlicher, dass mit dem Spannagelhaus die urigste Hütte der Tour auf uns wartete. An dieser Stelle ein Gruß an Christoph, den Hüttenwirt: „Wir waren nicht in der Gampenalm, daher leider auch keine MMS mit Foto der hübschen Wirtstochter.“

Nach Besichtigung der äußerst interessanten Spannagelhöhle ging es über die abenteuerliche Friesenbergscharte zur Olpererhütte, die einen wunderschönen Blick auf den Schlegeisspeicher im Zillertal bietet. Auch sonst ist die Hütte zu empfehlen. Üppige Portionen und eine straffe Organisation machen sie aber auch zu einem beliebten Ausflugsziel für Tagestouristen.

Bella Italia

Hauptsache wasserfest eingepackt

Hauptsache wasserfest eingepackt

Der nächste Tag führte uns aus den Zillertaler Alpen heraus und nach Italien hinein. Das Pfitscherjochhaus wurde, dank der vorabendlichen Schnäpse, flugs zum Zwitscherjochhaus und der Abstieg nach Stein, einem „Dorf“ mit etwa 5 Häusern, fiel schon nicht mehr so einfach.

Hier bekamen wir dann mit, dass in der letzten Woche schwere Unwetter das Tal verwüstet hatten und auch unsere nächste geplante Etappe über die Gliderscharte in Mitleidenschaft geraten war. Eine Brücke sollte weggeschwemmt worden sein und einige Muren hätten den Weg zerstört. Eine Entscheidung musste getroffen werden. Zudem war für den Nachmittag ein Gewitter angekündigt.

Gemeinsam mit Wirtsleuten und Mitwanderern wurde hin- und herberaten und schließlich entschieden wir uns, die Tour zu machen. An diesem Tag war alles dabei: Sonne, Nebel, Regen, Gewitter und ein rasanter Abstieg ins Tal. Schöner als bei Gewitter im Gebirge kann der Anblick einer Hütte kaum sein. Eine kleine Alm, die kaum Platz für all die Wanderer bot. Doch genau das machte sie auch tierisch gemütlich.

Dolomiti

Nach einem unglaublich erholsamen Aufenthalt im Moarhof in Weitental ging es über Vals steil bergauf. Belohnt wurden die über 1000 Meter Anstieg mit dem erhebenden Anblick der Dolomiten in der Ferne. Mit dieser Aussicht, bestem Wetter und einer gemütlichen tollen Hütte, der Kreuzwiesenalm, gingen wir unseren einzigen Ruhetag an.

Die Ruhe vor dem Sturm. Denn die nächste Etappe führte uns in die Dolomiten, mit zahlreichen überlaufenen Touristenzielen, aber auch einem grandiosen Höhepunkt in Form eines überwältigenden Panoramas direkt nach dem steilsten Aufstieg.

Immer schön dem Weg nach

Immer schön dem Weg nach

Über die Schlüterhütte ging es nun in die Dolomiten hinein. Landschaftlich atemberaubend, touristisch für unseren Geschmack zu überlaufen und teuer. Die Puez Hütte stand genau dafür. Zahllose Menschen, halb bekleidet, räkelten sich in der Sonne und veranstalteten einen Höllenlärm. Die Preise waren gesalzener als das Essen, aber immerhin erbarmte sich die Wirtsfrau und spendierte uns eine Extraportion Bergsteigeressen. Vermutlich konnte sie unsere ausgehungerten Blicke nicht länger ertragen.

Durch das noch touristischere Grödner Tal ging es am nächsten Tag hinauf zur Pisciadu-Hütte und auf den Gipfel selbst. Auch der gleichnamige Klettersteig ist übrigens sehr zu empfehlen. Nun war es nicht mehr weit bis zu unserer letzten Hütte, der eher spartanischen Boé-Hütte, knapp unterhalb des gleichnamigen Berges.

Letzter Tag

Am nächsten Morgen ging es noch kurz auf den Piz Boé, mit einem grandiosen Blick auf die Marmolada. Und nun hieß es Abschied nehmen. Unser Ziel, das Sellajoch, lag schon in Sichtweite und es ging Höhenmeter um Höhenmeter bergab, immer in Richtung Straße und Zivilisation. Unser Auto hatte zwei Wochen in Italien unangetastet überstanden und wir rollten gemächlich in Richtung Heimat.

Fazit

Unser Onlineredakteur

Unser Onlineredakteur

Okay, zugegeben, Alpenüberquerung ist vielleicht etwas anmaßend, schließlich machten wir nur 11 von 28 Etappen. Aber beeindruckend war der Wechsel der Landschaften dennoch. Als Nachteile sind sicherlich die vielen Touristen zu nennen und die Wege, die auf Massenkompatibilität getrimmt sind. Sind bei den Höhenwegen auch mal knifflige Wege und Scharten dabei, fanden wir die Herausforderungen auf der Grassler-Route weit weniger groß.

Dennoch hat sich die Tour gelohnt. In Erinnerung werden uns die großartigen Berge und unsere tollen Mitwanderer bleiben.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. J. Jogya sagte am 6. Juni 2015 um 12:29 Uhr

    Sehr schöne Tour durch die Alpen. Für mehr Infos zu der Alpenüberquerung oder weiteren Etappen kann ich diesen Ratgeber empfehlen: http://www.guiders.de/alpenueberquerung/ratgeber

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