Winter wandern

Abenteuerliche Reisen in den Norden – Herbst und Winter

22. Dezember 2016

Sportart

Das neue Jahr ist noch taufrisch und einige haben vielleicht noch ein paar Tage Urlaub. Für diese Glücklichen ist dieser Artikel eventuell eine schöne Inspiration – gerade wenn man mit der Familie unterwegs ist. Geertje von der nordicfamily gibt im zweiten Teil schöne Tipps für Herbst und Winter. Diesmal dabei: Rasante Zipline-Abenteuer in Schweden und Hundeschlittenfahrten durch einen echten Winter in Lappland.

Herbst: Zipline in Schweden

Auf zur Zipline

Auf zur Zipline

Der Süden Schwedens ist für viele Familien einfach von Deutschland aus zu erreichen. Wegen eigener Kindheitserinnerungen oder der aktuellen Literatur aus dem Kinderzimmer besucht man gerne die Wohnorte von Pippi, Michel und Lotta aus der Krachmacherstraße.

Wir reisen in den Herbstferien auf einem Roadtrip durch den Süden Schwedens und entdecken viele interessante Orte und schöne Plätze in der Natur.
An einem sonnigen und kühlen Tag zieht es die ganze Familie zur Rocky Lake Zipline etwas nördlich von Kosta in Småland.
Diesmal ist es ein Mädelsding, etwas für mutige Frauen. Die Männer werden das Abenteuer dokumentieren.

Wir halten auf einem kleinen unauffälligen Parkplatz und stiefeln einen Berg hinauf. Hohe Türme geraten in Sichtweite und Drahtseile, die diese verbinden. Wir haben einen fabelhaften Ausblick vom Startpunkt der Zipline über den See Ämghultasjön und eine hügelige Landschaft.

Zwei Guides statten uns mit Klettergurten und der ganzen Ausrüstung aus. Ein Tuch über die Haare und ein Helm auf den Kopf. Wir sehen mit all dem Klimbim ganz schön gut aus. An einem 3 Meter langen Stahlseil anderthalb Meter über dem Boden erklärt Peter, unser Guide, den Bewegungsablauf. Klingt alles logisch.

Dann geht’s hoch auf den ersten Turm, dann über eine Hängebrücke. Spätestens hier kann man merken, ob man Höhenangst hat und noch mal vom Abenteuer zurücktreten möchte. Wir halten durch und dann geht es auch schon los, die erste Zipline ist 95 Meter lang und über den Baumwipfeln. Die Tochter wird mit ihren Karabinern befestigt und bekommt Anweisungen zum Start. Beine anziehen oder weg strecken. Hände oben an die Bremse.

Aber lieber nicht in der Fahrt bremsen, sonst kommt man vielleicht nicht ganz rüber zum Turm. Die zierliche Neunjährige bekommt noch einen Rucksack mit Steinen aufgesetzt, damit sie auch rüber kommt und genug Schwung hat. Ich bin ein bisschen mit aufgeregt, als ich sie darüber flitzen sehe und bin als Nächste dran. Der Moment von der Plattform los zu sausen ist gigantisch. Der kalte Wind weht mir ins Gesicht, ich sehe die Welt von oben und fliege über die bunten Herbstbäume in Småland. Als ich am gegenüberliegenden Turm ankomme, empfängt mich die Tochter mit erwartungsvollen Blicken. Wir plappern uns gegenseitig voll, wie überraschend, kribbelig und aufregend die erste Fahrt war.

Von Turm zu Turm

Von Turm zu Turm

Schon geht’s auf den nächsten Turm, noch höher, noch weiter. Die längste Strecke, die wir zippen, ist über vierhundert Meter lang. Die höchste Geschwindigkeit kann bis 75 Kilometer pro Stunde betragen. Als ich über einen Fluss „fliege“ spiegelt sich mein Abbild im Wasser viele Meter unter mir. Mir bleibt fast die Luft weg vor Staunen.

Der kleine blaue Köttbullar (Fleischbällchen), meine Tochter vor mir, sieht manchmal richtig lustig aus, wenn sie durch den Wald schießt. Jedoch leuchten der blaue Helm und die blaue Jacke unerhört zwischen den warmen Herbstfarben im schwedischen Wald. Die letzte Station, an der wir schließlich nach der sogenannten Kamikaze Tour ankommen, heißt „Happy Ending“. Voll mit Glückshormonen, einer gehörigen Portion frischer Luft und einem bestandenen Abenteuer mehr im Gepäck beschließen wir den langen Nachmittag.

Das besondere an diesem actionreichen Erlebnis ist es, die Natur aus einer anderen Perspektive zu erleben und über weite unberührte Landschaft zu blicken und am Ende dann gemeinsame Erinnerungen daran zu haben.

In Småland gibt es ein breites Angebot von Unterkünften. Ganz typisch wohnt man in einem roten Holzhaus. Diese Ferienhäuser gibt es auf Zeltplätzen oder als individuelle Unterkünfte bei Ferienhausanbietern. Es bietet sich auch eine Tour mit Wohnmobil oder Zelt durch die Region an. Angefangen vom Ikea Museum über das Glasreich und die Zipline bis hin zum Theaterpark Astrid Lindgrens Welt hat die Region in Südschweden viel zu bieten.
Auch in der Nebensaison, wie im goldenen Herbst, kann man die Natur auf verschiedene Art und Weise erleben und die Kultur kennenlernen.

Einerseits kann man über Norddeutschland und Dänemark die Region Småland mit dem Auto erreichen. Eine entspannte Variante bieten auch die verschiedenen Fährlinien, die über die Ostsee nach Trelleborg fahren.

Das Erlebnis Zipline kann man hier buchen: www.swedenzipline.com/de

Über die Region: www.visitsmaland.se/de

Winter: Hundeschlittenfahren mit der ganzen Familie in Lappland

Mit dem Hundeschlitten durch den Schnee

Mit dem Hundeschlitten durch den Schnee

Es ist schon Frühling in Deutschland. Erste Frühblüher haben die Blätter aus dem Boden gereckt während hier in Schwedisch Lappland noch der Schnee meterhoch liegt. Bei den Samen gibt es acht Jahreszeiten und wir befinden uns gerade im Spätwinter. Wir haben gerade ein paar sonnige Wintertage im nördlichsten Skigebiet Europas verbracht. In Björkliden ist im Spätwinter Hochsaison.
Jetzt sind wir auf dem Weg zu unserem Freund Sebastian. Er hat sich als Deutscher Auswanderer in der Nähe von Kiruna mit seinen drei Dutzend Hunden niedergelassen und bietet im Winter Hundeschlittentouren an.

Gemeinsam helfen wir beim Vorbereiten der Schlitten. Unsere Große packt kräftig mit an und darf mit dem Musher (derjenige, der den Hundeschlitten lenkt) die Hunde zu ihren Schlitten führen und sie anleinen. Die Hunde sind mächtig aufgeregt, denn sie wissen, dass es gleich los geht. Ein Bellen und Kläffen schallt über den großen Hof. Wir packen Thermoskannen, Feuerholz und ein paar belegte Brote in eine große Kiste und befestigen sie auf einem der Schlitten. Der Papa darf einen Schlitten führen und Sebastian den anderen. Ein paar von uns sind die Passagiere und dürfen sich genüsslich auf dem Rentierfell bespannten Schlitten zurücklehnen.

Alle stehen in den Startlöchern. Sebastian hat vorher erläutert, wie das mit dem Bremsen funktioniert und wie sich die Passagiere in den Kurven verhalten sollen. Es ist eigentlich nicht sehr kalt, jedoch tragen wir große robuste Overalls und extra dicke Stiefel, denn der Fahrtwind kann auch schon mal empfindlich kalt wirken. Die Musher lösen die Bremsen, das Hundegebell lässt nach, als die Vierbeiner endlich losrennen dürfen. Schnee wird aufgewirbelt und die Hunde rennen, als gäbe es kein Morgen. Es geht durch den Wald und manchmal muss ich mich als Passagier ducken, damit ich keinen Tannenzweig ins Gesicht bekommen.

Die Kinder jauchzen vor Freude, weil es so flott voran geht. Über einen zugefrorenen See gleiten die Gefährte durch den tiefen, fast sulzigen Schnee. Dann geht es wieder zwischen kleine Krüppelkiefern, in eine Kurve und da passiert es. Der Schlitten kippt um und wir landen im tiefen weichen Schnee. Alle lachen, niemandem ist etwas passiert. Sebastian ordnet die Leinen und sortiert alles wieder richtig, während der Schlitten mit der Bremse gut gesichert ist.

Alles ist voller Schnee, ein bisschen ist in meinem Nacken gelandet. Eine schöne Erfrischung. Es geht weiter bis zu einem verwunschenen Ort, einer Lichtung im Wald. Dort steht ein Lavvu, so heißen die samischen Zelte. Die Musher zünden ein Lagerfeuer aus Birkenholz an. Die Kinder versorgen die Hunde, kuscheln und spielen mit den tollen Tieren. Es gibt belegte Brote, Kakao aus Thermoskannen und für die Großen wird Kaffee über dem offenen Feuer gekocht, Kokkaffe. Es ist eine Wissenschaft für sich und ein besonderer Genuss, wenn man im Winter draußen am Feuer sitzt und heißen, frisch gebrühten Kaffee in der Hand hält.

Die verschneite Landschaft genießen.

Die verschneite Landschaft genießen.

Die Rentierfelle isolieren von unten während wir zusammen sitzen und samischen Geschichten lauschen.
Bald müssen die Hundegespanne wieder vorbereitet werden. Die Kinder tollen gerne mit roten Wangen draußen im Schnee und merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Beim nächsten Mal werden wir auf jeden Fall eine mehrtägige Hundeschlittentour unternehmen, denn eine Nacht im Lavvu unter Nordlichtern würde sicherlich auch Groß und Klein begeistern.

Wir bringen alle Hunde, Kinder und Schlitten wieder sicher auf den Hof. Dann wird es langsam Nacht und die ersten Sterne funkeln am Himmel. Weit ab von den großen Städte ist die Nacht besonders schwarz, und man kann den nördlichen Sternenhimmel gut bewundern. Ein paar mäandernde Nordlichter lassen uns noch für eine Weile gebannt in den Himmel schauen. Die Kinder erzählen, dass in ihnen die Seelen der verstorbenen Tiere durch die Lüfte fliegen.

Eine Hundeschlittentour in Lappland ist etwas für Winterfreunde und Tierliebhaber. Kinder wie Erwachsene fühlen sich besonders verbunden mit der unendlichen Stille und der Natur des Nordens.

Ob im Süden von Schwedisch Lappland, wie im Ort Arvidsjaur, wie auch weiter im Norden in Kiruna und Abisko kann man Wintererlebnisse wie Hundeschlitten-Touren buchen.

Am besten fragt man bei den jeweiligen Gastgebern nach Empfehlungen. In der Nähe von Kiruna und auch südlich von Arvidsjaur kann man sogar auf einer Huskyfarm zu Gast sein und seinen ganzen Urlaub mit den Hunden verbringen.

Sprachprobleme muss man nicht fürchten, wenn man sogar bei deutschen Auswanderern zu Gast ist.
Direktflüge gibt es regelmäßig von verschiedenen deutschen Städten mit Flycar nach Arvidsjaur. Nach Kiruna kann man von Stockholm aus fliegen. Einen echten Winter kann man so von Deutschland aus in wenigen Stunden erreichen.

Über die Region Kiruna: www.kirunalapland.se/en

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar

Kommentar absenden

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.