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Abenteuerliche Reisen in den Norden – Frühling und Sommer

3. Januar 2017

Sportart

Das neue Jahr steht vor der Tür und gerade als regelmäßig Reisender macht man sich so seine Gedanken, welche schönen Flecken der Erde man neu entdecken oder mal wieder besuchen könnte. Besonders knifflig wird es immer dann, wenn man die lieben Kleinen noch mit dabei hat. Dass man Familie und Reisen aber auch sehr gut unter einen Hut bringen kann, beweist Geertje in ihrem Blog nordicfamily immer wieder aufs Neue. Wie der Name des Blogs schon vermuten lässt, zieht ihre Familie der Norden Europas magisch an. Für uns hat die Skandinavien-affine Bloggerin ihre besten Tipps aus der Schublade gekramt und erzählt im ersten Teil vom Surfen in Dänemark und Wandern durch die schwedischen Fjells.

Frühling: Surfen in Dänemark

Meer soweit das Auge reicht

Meer soweit das Auge reicht

Die Winterwellen in Klitmøller sind berühmt. Cold Hawaii nennt man auch diesen fantastischen Ort im Norden Jütlands.
Ich stromere durch die Gassen des kleinen Örtchens mit den typischen dänischen Holzhäusern. Kühler Wind weht mir um die Ohren, ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht. Ein Holzwegweiser lässt mich aufschauen: zum Cafe, zur Surfschule, zum Buchladen…. Ich biege ab und plötzlich sehe ich mich zwischen lauter Neoprentragenden sportlichen Menschen. Einige tragen Surfbretter unter den Armen. Andere fahren lässig auf Longboards über einen Parkplatz.

Vor mir erstreckt sich ein 50 Meter breiter Strand. Bunte Kites, Menschen und weiße Schaumkronen tummeln sich bis zum Horizont. Es riecht salzig und etwas nach Abenteuer. „Cold Hawaii“ klingt es in meinen Ohren und so richtig warm ist mir an diesem Frühlingstag nicht. Ich steuere in die Surfschule und höre, wie ich mich mit meiner Teenie Tochter zu einem Surfkurs anmelde. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich würde mich als sportlich bezeichnen, nicht mehr ganz jung, aber motiviert. Aufgeregt bin ich trotzdem.

Bis zum Start des Kurses schauen wir uns noch ein bisschen in der Umgebung um, nicht weit vom Klitmøller Strand sind Bunker in den Sand eingeweht und halb freigelegt.  Wir klettern wie ein paar Gämsen herum und bestaunen bunte Graffitis an alten Bunkerwänden. Die Dünenlandschaft ist unglaublich wild und lädt zum Herumstromern ein, zum Verweilen und Entdecken.

Mit dem Surfbord unter dem Arm zum Strand

Mit dem Surfbord unter dem Arm zum Strand

In zehn Minuten beginnt unser Kurs, wir hasten zu den Umkleideräumen der Surfschule Westwind. Ich ziehe einen Neoprenanzug in der Größe L von der Garderobenstange und finde Neoprenschuhe in einer Kiste, die mir passen. Ich zwänge mich wie eine Presswurst hinein, schwitze, ächze, komme das erste Mal außer Atem. Wir versammeln uns mit anderen Menschen vor der Surfschule. Surfbretter liegen bereit. Die kleine zierliche Surflehrerin Yvonne beginnt mit uns ein Trockentraining.

Mit mir sind viele junge Menschen in der Gruppe, unter zwanzig. Der Wind weht immer noch ordentlich und als Strandwetter würde ich dieses hier nicht bezeichnen. Wir nehmen uns jeder ein sperriges Surfbrett aus dem Regal, Fangleine nicht vergessen und erst mal alles auf den Asphalt legen.  Ich höre von vorne einige Anweisungen was die Bewegungsreihenfolge betrifft. „Paddeln, paddeln, paddeln und aufstehen! Arme ausbreiten, Gleichgewicht halten“ Soweit so gut als Trockenübung.

Mittlerweile haben wir alle gelbe T-Shirts an und haben uns unten am Wasser versammelt, in Paaren sollen wir ins Wasser laufen und bis zu einer bestimmten Stelle vorpaddeln. Yvonne wartet geduldig auf uns im brusttiefen Wasser. Die ersten Wellen haben eine mächtige Kraft in der Brandung und schleudern mich fast um. Die kleine leichte Tochter wartet schlauer Weise auf den richtigen Moment, um in die Ostsee zu laufen. Dann lege ich mich aufs Brett und paddele nach vorne. Jetzt verstehe ich, warum es Wassersport heißt.  Einige Meter entfernt sieht man die Pros auf die richtige Welle warten, sie dümpeln im Wasser umher und wenn es soweit ist, paddeln sie los, springen aufs Brett und surfen die dänische Welle ab, als gäbe es kein Morgen. Warum verbinde ich damit nur so ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit?

Paddeln, Paddeln, Paddeln

Paddeln, Paddeln, Paddeln

Ich bin bei Yvonne angekommen, die mich dann in die Welle entlässt mit „Paddeln, paddeln, paddeln“ und dann höre ich sie schon nicht mehr, setze ein Knie aufs Brett, als ich denke, dass es der richtige Moment ist, versuche aufzustehen und plumpse ins salzige Nass. Ich werde von der Welle verschluckt, dabei wollte ich ihr doch gerade zeigen, wer hier der Chef ist. Ein zweiter Versuch bleibt erfolglos, dann bin ich am Strand angekommen. Die Große hat ihren ersten Versuch schadlos überstanden und war etwas erfolgreicher als ich. Die Strömung hat uns dreihundert Meter vom Startpunkt weggebracht. Eine „Westwind“ Fahne steckt dort.

Wir schleppen unsere Surfbretter dorthin zurück und spüren schon, wie die Kraft in den Armen weniger wird. Ich komme schnaufend am Startpunkt an und begebe mich gleich nochmal ins Wasser. Jetzt will ich es schließlich wissen. Das Wetter ist egal, im Neoprenanzug ist es einigermaßen gemütlich, die Haare kleben im Gesicht. Ich wiederhole den gesamten Vorgang vielleicht noch ein Dutzend Mal, bis ich wirklich nicht mehr kann. Am Ende habe ich es vielleicht zwei drei Mal geschafft, ganz kurz oben auf dem Brett zu stehen und meine Arme auszubreiten.  Die jungen Kollegen aus dem Kurs und vor allem mein eigenes Kind sehe ich fast jedes Mal stehen. Die leichten Kids scheinen es irgendwie einfacher zu haben in Sachen Gleichgewicht und Co.

In den kommenden Tagen muss ich erleben, wie auch in Klitmøller die Wellen wegbleiben. Ich probiere Windsurfen auf dem nahe gelegenen See aus und lerne die Gegend etwas besser kennen. Eine ehemalige Hippie Community Thy Ljeiren lädt zum Herumgucken ein und die Dünen zum Herunterkullern.

Wenn man hier oben steht und aufs Meer schaut, weiß man was Weite, Unendlichkeit und Freiheit so bedeuten könnte.
Ich merke meine Muskeln, an Stellen, die ich vorher nicht kannte – das coole Surferleben hat auch seine dunklen Seiten. Dennoch birgt der Ort mit seinen netten Surfern, Cafés und weiten Stränden Suchtpotential.  Sobald wieder „Welle“ ist, bin ich auch wieder draußen.

Entlang der Westküste in Jütland gibt es immer wieder kleine Orte und Ferienhäuser mitten in den weiten Dünen. Je weiter man in den Norden kommt, desto windiger und welliger kann es werden. Von Norddeutschland ist man mit dem Auto in ca. 4-5 Stunden in Hvide Sande. Neben den Wassersportangeboten kann man viel durch die Gegend radeln, auf Leuchttürme klettern oder Robben beobachten.
Weitere Infos zu Wassersportkursen gibt es bei der Surfschule Westwind in Hvide Sande oder Klitmøller. Es gibt sowohl einen Campingplatz, als auch viele Ferienhäuser in Klitmøller, wo man dicht am Wasser als Familie wohnen kann. In der Nebensaison sind sie besonders preiswert und die Wellen besonders gut zum Surfen.

Sommer: Wandern durchs Fjell und zu Gast in einem Samendorf

Das Weltnaturerbe Laponia befindet sich ungefähr 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in schwedisch Lappland. Tor zu dieser besonderen Gegend ist die Mountainstation Stora Sjöfallet Mountain Center. Es ist Sommer und ich fürchte mich schon vor den tausenden Mücken im hohen Norden. Die Berge werden höher als ich die Straße entlang fahre, die von Gällivare nach Westen führt. Auf den höchsten Gipfeln liegt noch Schnee. Einer der höchsten Gipfel in dieser Gegend ist Áhkká – the Queen of Lapland. In der Mountainstation wartet unser samischer Guide wie verabredet.

Abenteuer im hohen NordenWir checken die Ausrüstung und müssen die aufgeregten Kinder etwas beruhigen. Ein mehrtägiger Ausflug ins Fjell mit der ganzen Familie steht auf dem Plan.

Als wir alle und alles zusammengesammelt haben geht es zum Hafen in Ritsem. Hier wartet ein Same mit seinem kleinen Motorboot auf uns. Wir müssen ans andere Ufer des Ákkhájaure, um die Zivilisation wirklich hinter uns zu lassen. Den jungen Guide haben die Kids gleich ins Herz geschlossen und plaudern mit ihm auf Englisch los und treiben ihre Späße.

Währenddessen trifft er mit dem Bootsführer einige letzte Absprachen auf samisch. Eine Sprache, die in unseren Ohren einigermaßen fremd klingt. Über den Bug krabbeln wir unter das niedrige Verdeck. Holzbänke bieten Platz für maximal acht Menschen. Der Kleinste ist begeistert von der Geschwindigkeit, endlich mal ein schnelles Boot, wo man nicht rudern muss. Eine dreiviertel Stunde geht es rasant über das Wasser des tiefblauen Sees. Die Sonne scheint und die Königin Lapplands steht am Ufer und winkt uns zu.

In Änonjalme legen wir an und schleppen unser Gepäck den Hang hinauf. Wir sind zwischen einer Handvoll Holzhäusern und einem Lavvu in einem Samendorf angekommen. Wir dürfen in einem der Häuser Gäste sein. Aus dem Lavvu, so heißen die samischen Zelte, quillt dicker Rauch oben heraus. Das Feuer ist schon an und als wir eintreten, duftet uns frisch gegrillter Fisch und flaches Brot entgegen. Eine junge samische Künstlerin begrüßt uns, bewirtet uns und erzählt von ihrem Leben hier im Dorf. Im Winter lebt sie in Jokkmokk und lernt an der samischen Schule für Handwerkskunst. Bald rennen die Kids kreuz und quer durchs Dorf  und spielen mit dem Hund Edda.

Ein Haus im Dorf ist das zentrale Waschhaus. Hier wird die Sauna mit Holz angeheizt. Gleichzeitig wird ein riesiger Bottich mit Wasser warm gemacht. Hier darf jeder aus dem Dorf herkommen und sich waschen, auch Wäsche waschen und in die Sauna gehen. In den Wohnhäusern gibt es nur Solarstrom und kaltes Wasser, sowie Trockentoiletten neben den Häusern.

Nach der Stärkung im Lavvu treten wir eine Wanderung auf dem berühmten Wanderweg Padjelantaleden an. Unser Guide führt uns kleine Pfade entlang. Es nieselt und dafür, dass Sommer ist, ist es auch nicht sonderlich warm. Wir mögen das. Einige Wegstrecken sind mit Planken ausgelegt, sonst würde man im Morast versinken. So laufen die Kids behände voraus.

Abenteuer im hohen NordenAn einigen Stellen plätschern kleine Bäche unter den Planken entlang. Ich schöpfe Wasser mit der hohlen Hand und trinke das klare Wasser aus den Bergen. Nach ein paar Kilometern pausieren wir. Unser samischer Guide hockt sich an einen Bach und fängt an zu joiken. Ein Kehlkopfgesang, wie ich ihn vorher noch nie gehört habe, einige samische Worte mit tiefergehender Bedeutung formen ein Lied. Das Wasser plätschert, der Wind weht, die Stille des Fjells und der Gesang verschmelzen zu einem einzigartigen Erlebnis. Ich bekomme Gänsehaut und möchte, dass es nicht aufhört.

Doch wir wollen weiter zu einer Hängebrücke, wo gewaltige Mengen Wasser vom Kutjaure in den Ákkhájaure fließen. Ohrenbetäubender Lärm schallt uns entgegen nachdem wir noch ein paar weitere Kilometer gewandert sind. Jeweils ein Erwachsener nimmt ein Kind an die Hand und wir gehen in Ruhe und mit sehr viel Respekt über die wacklige Hängebrücke über diesen reißenden Fluss. Ich fühle die kleine Kinderhand in meiner und kann vor lauter Wasserrauschen gar nicht hören, was der Kleine zu sagen hat. Wir müssen uns anschreien, um uns zu sagen, wie toll laut das hier ist.

Als wir drüben sind, hopst er von einem Stein auf den anderen. Es gibt Picknick, getrocknetes Rentierfleisch und flaches Brot. Frische Luft macht hungrig und müde.
Mit einigen Spielen halten wir die Kids noch aktiv, dem Guide fallen noch Versteckspiele ein, außerdem kann er uns interessante Tiere im Fjell zeigen. Die Kinder sind hellauf begeistert. Die Große läuft vor und scheint noch unendlich Energie zu haben. Den Kleinen nehme ich bald Huckepack und balanciere mit ihm über die Holzplanken, während ihm die Augen zu fallen.

Am Weg streifen wir noch eine STF Hütte. Sie gehört zum schwedischen Jugendherbergsverband. Hier kann man gut unterkommen, wenn man den gesamten Padjelantaleden wandern möchte. Einige Gäste haben auch ihr Zelt am Wegesrand aufgestellt. Das Jedermannsrecht in Schweden macht es möglich, auch eine Nacht draußen in der Natur zu verbringen. Wir wandern zurück in unser Samendorf am Ufer des Ákkhájaure. Am Wegesrand picken wir noch ein paar Moltebeeren auf und freuen uns über den schwedisch kühlen Sommer.

Die Nacht wird so dunkel und still sein, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Inmitten von Natur verbringen wir wertvolle gemeinsame Zeit im Naturerbe Laponia. Wir hoffen mit solchen Erlebnissen, die Kinder auch für den Schutz der Natur zu sensibilisieren. Denn nur, was man in solch einer Intensität erlebt hat, kann man auch schützen.

Abenteuer im hohen NordenEin paar Tage später, als wir schon gar nicht mehr in die Zivilisation zurück wollen, bringt uns ein Helikopter wieder nach Ritsem. Die Samen, die in den Nationalparks hier oben leben, aber auch Gäste und Wanderer benutzen den Flugservice wie andernorts verschiedene Buslinien. Sie bieten die Möglichkeit, weit abseits von Autoabgasen und Stadtlärm in die Natur einzutauchen.

Dank unseres samischen Guides vom Stora Sjöfallet Mountaincenter hatten wir die Gelegenheit, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen und die Kultur hautnah zu erleben. Mit Kindern unterwegs zu sein, öffnet selbstverständlich in der Beziehung auch viele Türen.

Auch ohne Guide kann man die langen Wanderwege in schwedisch Lappland entdecken. Der Padjelantaleden oder der Kungsleden sind gute Beispiele für Wanderwege, die man auch abschnittsweise bewältigen kann. Die Hütten des schwedischen Jugendherbergsverbandes STF bieten eine einfache Unterkunft auf den Wegen. Dank des Jedermannsrechts kann man auch überall im Fjell sein Zelt aufschlagen. Das Wasser aus den Quellen im Fjell kann man trinken, Fische kann man angeln und Beeren pflücken.

Wenn man gerne mit einem Guide im Laponia Naturerbe unterwegs sein möchte, kann man in der Bergstation Stora Sjöfallet Mountaincenter im Stora Sjöfallet Nationalpark nachfragen oder man besucht einfach deren Webseite. Hier gibt es Angebote, die individuell zugeschneidert werden oder Gruppenausflüge zu den Wasserfällen, zu samischen Kunsthandwerkern oder gar einem Schamanen.

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