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Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

Fritz Miller über die Routenkombination „Bobby“ am Seebenseefall

27. Februar 2019

Die Erstbegehung der Routenkombination Bobby (WI6+ M7+ A3, 200 m) liegt nun schon ein paar Winter zurück. Am 27. Februar 2013 konnten Markus Koch und ich die komplette Route durchsteigen, nachdem ich sie zuvor mit verschiedenen Partnern eingerichtet hatte. Zwischenzeitlich wurde ich immer wieder auf die Linie angesprochen – hier findet ihr jetzt endlich alle Infos!

Die erste nennenswerte Erstbegehung

Genaugenommen beginnt die Geschichte im Januar 2009, als David Bruder und ich die Route Airgames (WI6 M6- A3, 200 m) eröffneten. Für mich war es die erste nennenswerte Erstbegehung überhaupt, gleichzeitig schärfte sie den Blick für weitere Möglichkeiten am Seebenseefall.

Airgames zweigt vom Hauptfall links ab und schlängelt sich dann durch den oberen Teil der überhängenden Felswand. Das Gelände sieht übel aus, aber dann geht es doch ganz gut. Zumindest bis zum A3-Dach, bei dem sicher der eine oder andere Wiederholer etwas nervös wurde… Klar, eine solche Linie sucht die Schwierigkeiten – man kommt schließlich auch einfacher nach oben – aber ist es nicht die Suche nach besonderen Herausforderungen, die uns im Winter an die Wände lockt?

Bobby – schwieriger und vor allem ernster

Die Routenkombination Bobby folgt dem gleichen Gedanken. Verglichen mit Airgames ist Bobby aber schwieriger und vor allem ernster, obwohl die beiden Mixedlängen im Mittelteil mit Bohrhaken gesichert sind (der Fels war für eine traditionelle Absicherung ungeeignet).

Das liegt an der zweiten Seillänge: Eiskletterei im oberen sechsten Grad, deren Machbarkeit stark davon abhängt, wie sich das Eis geformt hat. Man kann diesen Teil der Route komplett umgehen, indem man der klassischen Linie folgt und vom Bohrhakenstand nach der zweiten Länge nach links traversiert, also vom rechten Rand des Falls zum linken. Das geht schon, man klettert dann aber nicht das Original Bobby, sondern höchstens Bobby light – außerdem wird man dabei sehr nass werden.

Die dritte Seillänge führt nach links, zu einem Bohrhakenstand von Michi Wohllebens Direktroute Stirb langsam. Wir haben den oberen Teil dieser Route gemeinsam eingerichtet, und so verlaufen unsere beiden Routen hier auch ein Stück gemeinsam, bevor Bobby in Airgames mündet. Das A3-Dach lässt sich über Michis Route links umgehen (M8+). Das entspricht natürlich auch nicht der Originallinie, aber was soll’s, wer soweit gekommen ist, der weiß eh, was er will…

Bobby – in dankbarer Erinnerung an Reinhold Fink

Markus und ich klettern jetzt seit gut 20 Jahren zusammen (keiner weiß warum, aber es ist so…). Wir waren zusammen in der Jugendgruppe der Pfullinger Bergwacht. Der damalige Jugendleiter hieß Reinhold Fink, in seiner Generation bekannt unter dem Spitznamen Bobby. Im Winter 2011/12 ist er beim Klettern verunglückt. Ihm ist dieser Weg gewidmet, in dankbarer Erinnerung an eine coole Zeit.

Am 27. Februar 2013 sind Markus und ich geklettert, wie man eine solche Route klettern muss: willensstark, fokussiert, effizient. Und ich bin mir sicher, Reinhold wäre stolz auf uns gewesen, hätte er zugeschaut.

Weitere Infos

Routenverlauf

1. SL: Auf der Route des klassischen Seebenseefalls in leichter Kletterei auf den Vorbau (35 m, WI3).

2. SL: Weitere 20 m der klassischen Route folgen, dann 35 m gerade hoch (ca. WI6+) Stand in Eishöhle.

3. SL: Linkshaltend weiter, erst Eis, dann Fels. Mit vier Bohrhaken vernünftig gesichert. Stand ebenfalls an Bohrhaken. Im Fels zunächst Drytooling, das meiste klettert man dann aber besser mit den Händen. Der Nachsteiger sollte einen Seilstrang in der letzten Zwischensicherung belassen, da abfallender Quergang zu Rinne (35 m, M6).

4. SL: Zunächst schlechter Fels (Absicherung durch Bolts), dann Eisvorhang. Ausgezeichneter Standplatz im „Eisnest“ (20 m, M7+).

5. SL: Das A3-Dach von Airgames. Im Dach verläuft eine Rissspur, dieser folgen, um einen Eiszapfen zu erreichen. Danach ein paar Meter im dünnen Eis nach rechts ansteigen (ca. WI6), bis sich in einer Eisnische ein vernünftiger Standplatz errichten lässt. Insgesamt nur 15 m, aber dennoch fordernd!

6. SL: Kurzer Hangelquergang nach links, weiter links haltend nach oben, zuletzt durch Schnee zu Fichte (35 m, WI6-).

Material

Übliches Eisklettermaterial inkl. 60-m-Doppelseile. Außerdem für die 5. SL: kleines Sortiment an Felshaken, Peckers + evtl. Cliff, Felshammer, Cams Gr. 0.2-0.75, Klemmkeile, 2 Trittleitern (der Vorsteiger kann sie hängen lassen)

Abstieg

Abstieg am besten durch Abseilen über den klassischen Seebenseefall.

Kletterführer

Allgemeine Infos zum Gebiet finden sich im Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch, Panico Alpinverlag.

Ein großes, ernstes Ziel – Fritz Miller auf Ogre-III-Expedition

Ein großes, ernstes Ziel – Fritz Miller auf Ogre-III-Expedition

25. Januar 2018

Ein Jahr ist es nun her, dass ich aus Pakistan zurückgekommen bin. Seitdem ist viel passiert, in einer Frequenz und Intensität, die mich wahrscheinlich überfordert hat. Das ist ein Grund, warum ich mich ein Stück weit zurückgezogen habe, warum es mir immer schwerer fiel, mich zu äußern. Das Leben in den Bergen kann hart und auch brutal sein. Es steht nicht nur für die großen Momente, sondern auch für Einsamkeit, Trauer, Schmerz, Kälte, Erschöpfung, Angst und Zweifel.

Es wäre naiv, das zu verleugnen. Es wäre unehrlich, nur die Sonnenseite zu beschreiben. Ich kann Alpinismus für mich nicht als Showgeschäft definieren, auch wenn das der bequemste Weg wäre. Alpinismus ist zu sehr mein Leben, um auf diesem Feld die Werte aufzugeben, die mir wichtig sind. Das macht die Sache kompliziert. Es bräuchte Ruhe, Distanz, einen klaren Kopf, um sich den schwierigen Fragen zu stellen. Doch dann ruft die nächste Wand, die nächste Route. Sie fordert die volle Aufmerksamkeit, alles andere wird ausgeblendet. Das funktioniert, auch weil es funktionieren muss, zumindest für eine gewisse Zeit.

Es sind die letzten Tage einer langen Sommersaison. Die tief stehende Sonne erstrahlt über den traumhaft schönen Dolomitengipfeln. Ruhe, Frieden, Freiheit und auf der anderen Seite die vielen Überbleibsel eines brutalen Krieges. Es sind diese Gegensätze, mit denen man als Alpinist immer wieder auf eine ganz eigene Art konfrontiert wird, wie beim Gang über einen exponierten Gipfelgrat, irgendwo über den Wolken, weit oben, weit weg von allen Problemen dieser Welt. Dort oben, wo alles perfekt sein kann, aber eine kleine Unachtsamkeit oder Fehleinschätzung den Tod bedeutet, wird der Wert des Lebens offensichtlich. Es wird deutlich, was zählt, und wir sollten uns mehr Mühe geben, diesen Erkenntnisgewinn mit ins Tal zu tragen.

Jetzt habe ich einen Moment der Ruhe, den ich nutze, um diese Einleitung zu schreiben. Sie ist etwas von allem (zumindest hoffe ich das): ein Ausdruck von Dankbarkeit, ein Versuch der Erklärung, eine Würdigung – und, ja, eine Einleitung zu meinem Text aus dem letzten Jahr. Der Text unten ist unverändert, diese Zeilen kamen jetzt hinzu, in Erinnerung an Franz-Xaver Mayr.

Fritz Miller, Rainer Treppte, Franz-Xaver „Xari“ Mayr – 21. August bis 6. Oktober 2017

Hinein in eine andere Welt

Skardu, Pakistan, irgendwann in der Nacht zum 26. August. Da stehen sie, zwei der Protagonisten, die sich aufgemacht haben, einen großen Gipfel in der berüchtigten Ogre-Gruppe anzugehen, und geben bestimmt ein erbärmliches Bild ab: Xari in Boxershorts und Handschuhen, ich krank, fiebrig, mit Bauchkrämpfen und Durchfall, zum zweiten Mal in dieser Nacht auf Mäusejagd im Hotelzimmer. Xari schaut auf dem Flur nach, ob die Maus diesmal auch wirklich raus ist, und kommt nach einer überraschenden Begegnung mit einer fetten Ratte schreiend zurück ins Zimmer. Vielleicht sind wir wirklich nicht hart genug für die Ogres, aber wir haben ja noch Rainer. Rainer, der einen langen und bemerkenswerten Weg hinter sich hat, von den Felsen des Elbsandsteingebirges zu den ganz großen Klettereien dieser Erde, zu Royal Flush am Fitz Roy, zu Eternal Flame an den Trango Towers, zu den Bigwalls des El Capitan. Und er ist mit 58 Jahren noch immer nicht müde.

Mehr als nur eine alpinistische Unternehmung

Am nächsten Morgen brechen wir Richtung Basecamp auf. Gemeinsam mit unseren Trägern samt Maultieren und Pferden, unserem einheimischen Trekking-Guide Shakoor, unserem Koch Ali und unserem Küchenjungen Musa.

Drei Tage wird der Anmarsch dauern. Mit dem Erreichen des Biafo-Gletschers wird das Gelände zunehmend ruppig. Es geht über Geröll, Fels und Eis, was auf einem Gletscher nun wirklich nicht überraschend ist. Aber wir fragen uns, wie die schwer beladenen Tiere das schaffen sollen. Tatsächlich sind die Maultiere und Pferde ziemlich am Anschlag, denn ein Hufeisen ist einfach kein Steigeisen.

Es ist schon fast irrsinnig, welcher Aufwand notwendig ist, damit sich drei Hansel an einem Berg versuchen können. Andererseits sind die Leute dankbar für diese Arbeit. Selbst jene Träger, die schwere Lasten auf ihrem Rücken tragen, haben bemerkenswert gute Laune. Wir alle werden in den nächsten Tagen und Wochen ein Stück weit zusammenwachsen, denn unsere Expedition wird uns verbinden, sie wird mehr sein als nur eine alpinistische Unternehmung.

Ein großes, ernstes Ziel

Die Ogre-Gruppe steht für schwierige, gefährliche Berge, für unsicheres Wetter, für viele gescheiterte Expeditionen, für Dramen und für ein paar wenige, dafür herausragende Erfolge. Unser Hauptziel, der Südpfeiler des Ogre III (ca. 6950 m). Dieser erscheint im Vergleich zu den Anstiegen an Ogre I und II etwas moderater – obwohl die Route zwischen 6300 m und dem Gipfel harte Bigwall- und Mixedkletterei beinhaltet und der Gipfel überhaupt erst einmal erreicht wurde (im Sommer 2001 von Thomas Huber, Iwan Wolf und Urs Stöcker über den besagten Südpfeiler).

Und plötzlich ragt er über uns in den Himmel, dieser gigantische Granitzahn, vor einer Wand aus dunklen Wolken. Nach zweieinhalb Tagen Anmarsch haben wir erstmals freie Sicht auf unseren Berg. Er sieht gut aus, und gleichzeitig unmöglich.

Das lustige Lagerleben

Unser Basecamp liegt geschützt zwischen zwei Moränenrücken und einer grasigen Flanke auf 4470 m. Ein kleiner Bach liefert frisches Wasser, sofern er nicht eingefroren ist und wir haben jede Menge Platz, denn außer uns ist niemand in der Gegend.

Nach einer kurzen Schlechtwetterphase fangen wir an, den weiteren Weg zu erkunden, Material zu schleppen und Fixseile zu verlegen. Zwischen 4800 m und 5100 m führt der Zustieg zum Ogre III durch einen sehr lästigen und nicht ungefährlichen Gletscherbruch, den wir jedes Mal passieren müssen. Der darüberliegende Gletscherkessel ist ganz offensichtlich auch nicht der sicherste Ort, da er von großen Wänden und Flanken umrahmt wir.

Zum Glück finden wir unter einer Eisstufe einen halbwegs geschützten Platz für unser nächstes Lager. Die Stellflächen für die beiden Zelte müssen allerdings in stundenlanger Arbeit aus dem Eis gehackt werden. Wir nennen dieses Lager ABC (Advanced Base Camp). Das nächste Lager, Camp 1, richten wir auf 6050 m ein, in einem kleinen Sattel 250 m unterhalb des Südpfeilers. Gleich unterhalb unseres Zelts führt ein steiles Couloir 800 m nach unten, direkt oberhalb kommt eine große Wechte, hinter der eine ebenfalls ungefähr 800 m hohe Wand abbricht.

Anfangs hatten wir zur Beruhigung der Nerven ein Seil durchs Zelt gelegt, das vielleicht einen Absturz des Zeltes verhindert hätte. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen in die Standsicherheit des Zeltes. Dennoch blieb der Platz ungemütlich, was an den starken Winden und am Schnee lag, der permanent von unten zwischen Innen- und Außenzelt geblasen wurde. Zuerst machten wir den Fehler, das Zelt während einer Schlechtwetterperiode stehen zu lassen. Danach war das Zelt plattgedrückt, weil der Wind viel Schnee zwischen Zelt und Wechte verfrachtet hatte.

Schwierige Entscheidungen

Wieder einmal sitzen wir im Hochlager im schlechten Wetter fest. Es ist schweinekalt, windig und alles ist verschneit. Trotz guter, warmer Stiefel fühlen sich die Zehen leicht angefroren an, genau wie die Fingerspitzen. Wir haben Fixseile bis 6200 m verlegt, doch darüber wird das Gelände erst richtig schwierig.

Wir könnten weitergehen, aber es erscheint aussichtslos. An schweres Klettern ist nicht zu denken. Eine grundlegende Wetteränderung ist nicht in Sicht. Am nächsten Morgen bauen wir die Fixseile ab und seilen alles Material über unsere Aufstiegsroute ab, bis zum ABC. Auf der einen Seite bin ich müde und enttäuscht, auf der anderen Seite erleichtert, weil das endlose Abwägen ein Ende hat. Wir sind am Ogre III gescheitert, aber zumindest haben wir unser größtes Ziel erreicht, nämlich dort nicht zu sterben.

Und doch noch ein Gipfel

Es bleiben nur noch wenige Tage, bis wir den Heimweg antreten müssen. Wir nutzen die Zeit, um einen kleineren aber formschönen Berg zu erklettern. Xari begleitet Rainer und mich ins ABC, bleibt aber dort, weil er vom Reizhusten starke Schmerzen im Brustkorb hat.

Der Anstieg führt zunächst südseitig über eine große Schnee-/Eisrinne zu einem Sattel östlich des Gipfels. Von dort geht es nordseitig weiter, noch vier bis fünf Seillängen zum Gipfelgrat (M5 und ein Pendelquergang über eine glatte Platte). Rainer und ich schaffen den noch unbenannten Gipfel, der laut GPS eine Höhe von 5640 m hat. Wahrscheinlich ist uns die Erstbegehung des Berges geglückt. Am Gipfel lassen wir einen Standplatz aus Klemmkeil und Schlaghaken zurück und Seilen dann über die Route ab.

Die Jagd nach den seltenen Momenten

Einen Monat lang war das Basecamp unser Zuhause. Es war Startpunkt unserer Unternehmungen und Zielpunkt, wenn wir erschöpft abgestiegen sind. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Ein letzter Blick zurück, dann machen wir uns auf den langen Weg nach Hause. Eisiger Wind bläst Graupel über den Biafo-Gletscher, dunkle Wolken verdecken die Ogres.

Die ersten Häuser von Askole, zwei Tage später Skardu, bald darauf Islamabad. Europa, Deutschland, Reutlingen. Nach einer großen Reise kommt man ein Stück weit verändert zurück, in eine Welt, die sich weitergedreht hat. Gleich geblieben ist die Überzeugung, dass es sich lohnt, weit zu gehen auf der Jagd nach den seltenen Momenten, in denen wir ganz oben stehen.

Dank

Mein Dank gilt Xari, Rainer und unserem Team von Shipton Treks&Tours für die gute Zeit vor Ort. Außerdem möchte ich mich beim Deutschen Alpenverein, insbesondere bei meiner Sektion (Reutlingen) für die finanzielle Unterstützung bedanken und natürlich bei meinen langjährigen Sponsoren und Ausrüstern VAUDE, Bergfreunde.de, Edelrid, Lowa und Red Chili. Darüber hinaus wurden wir bei dieser Expedition mit Material unterstützt von Julbo, PowerBar und Osprey – Danke vielmals! Herzlichen Dank auch an Thomas Huber (für alles Mögliche), Karl „Charly“ Gabl (Wetterberichte), Andree Schmidt (medizinische Beratung) und an alle die an uns gedacht haben und Daumen gedrückt haben!

Text: Fritz Miller, Fotos: Rainer Treppte, Franz-Xaver (Xari) Mayr, Fritz Miller

Windiger Aufstieg zum Monte Sarmiento. Foto Ralf Gantzhorn

Fritz Miller in Feuerland – der Traumberg am Ende der Welt

3. Februar 2017

Es war irgendwann 2014, als mich Ralf (Gantzhorn) fragte, ob ich ihn nach Feuerland begleiten würde, zum Monte Sarmiento. Es gibt viele gute Gründe, nicht nach Feuerland zu reisen, schon gar nicht zum Bergsteigen: das miese Wetter, die weite Reise, die komplizierte Logistik, viel Bürokratie, hohe Kosten, kaum zugängliche und gefährliche Berge. Aber Ralf hatte schon einen Plan und VAUDE, unser beider Partner, sagte eine finanzielle Unterstützung zu.

Es gab also keinen Grund zu zögern. Im Frühjahr 2015 sollte es losgehen. Doch zwei Tage vor Abflug stellte sich heraus, dass unser kleines Segelschiff nicht in Punta Arenas, Chile, auf uns warten würde. Und dass sich auch so einfach kein Ersatz organisieren lassen würde. Ich kann nicht genau sagen, wo das Problem lag, aber ohne Boot kein Vorankommen in einer wilden Welt, die man praktisch nur übers Wasser erreicht.

Uns blieb nichts übrig, als die ganze Aktion abzublasen. Fürs Erste zumindest. Auf dem Weg in die entlegensten Winkel der Erde kann eben viel schiefgehen – sogar, bevor man die eigenen vier Wände verlassen hat.

Der zweite Anlauf – oder einfach ein Weiterer

Im Frühjahr 2016 wollten wir es erneut probieren. Ralf war schon öfters am südlichsten Zipfel des amerikanischen Kontinents unterwegs und dort auch durchaus alpinistisch erfolgreich. Zusammen mit Robert Jasper und Jörn Heller glückte ihm der Westgipfel des Monte Sarmiento (2010) sowie eine Besteigung des Monte Giordano (2012) – jeweils über schwierige Neutouren! Doch das große Ziel hieß noch immer Monte Sarmiento Hauptgipfel (Ostgipfel).

Dieser wurde wohl 1956 (!) von den italienischen Alpinisten Carlo Mauri und Clemente Maffei erstbegangen, was einer unglaublichen, leider nicht dokumentierten Leistung entsprechen würde. Seitdem zog es immer wieder Expeditionen zum Monte Sarmiento, von denen rund 20 scheiterten und eine von Erfolg gekrönt war: 2013 erreichten Camilo Rada (Chile) und Natalia Martinez (Argentinien) im Rahmen einer großen Expedition den höchsten Punkt des Berges. Sie kletterten nachts, um ein kurzes Wetterfenster auszunützen (weshalb es von ihrer Aktion kein Bildmaterial gibt).

Und nun wollten auch wir einen Versuch wagen: Ralf Gantzhorn, Axel Voss und ich. Zum Team gehörte außerdem die Crew unseres kleinen Segelschiffs (Kapitän Eze und Carlos) sowie Jochen Schmoll, unser Filmer.

Ein Film über eine große Reise, die Wildnis und eine Diva

Jochen hatte wahrlich keinen leichten Job. Nässe und Kälte machten der Kamera-Technik zu schaffen, das Laden der Akkus auf dem Boot war problematisch und die Drohne bei den starken Winden permanent gefährdet. Doch irgendwie hat Jochen allen Widrigkeiten getrotzt! Das Ergebnis seiner Arbeit seht ihr hier, und es zeigt Feuerland viel besser als ich es beschreiben könnte. Und ich hoffe, dass auch ein wenig klar wird, was den Reiz einer solchen Reise ausmacht, die zugegebenermaßen etwas verrückt erscheint…

Test3

Fitz Roy Rock – Fritz Miller auf Klettertour in Patagonien

4. August 2016

Ein kurzer Blick zurück, in den November 2011: Korbinian Schmidtner und ich, beide zum ersten Mal in Patagonien, kehrten nach zwei hoffnungslosen Versuchen dem Cerro Torre den Rücken zu und versuchten unser Glück am Fitz Roy (3405 m), dessen Besteigung uns bei äußerst widrigen Bedingungen gelang. Etwas später erklommen wir noch die Aguja Poincenot. Unsere Eindrücke passten ganz gut zu dem, was über Patagonien so geschrieben wurde: mieses Wetter, Stürme, grenzwertige Klettereien.

Nun, im Januar 2016, erlebten Hans-Peter Müller, Markus Koch, Finn Koch, Tobi Werner und ich die Kehrseite: Ein ziemlich untypisches Patagonien mit viel Sonnenschein. Es war mein vierter Trip nach El Chaltén, und erstmals erlaubten die Bedingungen das Tragen von Kletterschuhen.

Bevor das Abenteuer allerdings richtig fahrt aufnahm, mussten wir noch ein paar Startschwierigkeiten überwinden:

Ein Gepäckstück ging am Flughafen in Buenos Aires unter, ein Jetboil-Kocher kaputt (mal wieder) und übelste Gletscherspalten stoppten uns schon im Zugang zu einer sehr, sehr großen Bigwallroute an der Aguja Poincenot. Danach lief es dann aber glücklicherweise rund und wir konnten einige lässige Felsrouten in der Fitzroy-Kette klettern – endlich!

Innerhalb von 15 Tagen standen Tobi und ich auf den Gipfeln von Aguja de l’S, Aguja Saint-Exupéry, Aguja Rafael Juárez, Aguja Mermoz und Aguja Guillaumet und damit auf den sieben Hauptgipfeln der Fitzroy-Kette. Unsere insgesamt anspruchsvollste Kletterei war wahrscheinlich die Motocross-Traverse, die Überschreitung von Guillaumet (via Brenner-Moschioni, 6b, bzw. auf unserer Variante schwerer) und Mermoz (Argentina, 6a+).

Von dort kletterten wir weiter Richtung Aguja Val Biois, wurden aber bald vom schlechten Wetter gestoppt. Da war es wieder: Patagonien wie man es kennt! Die anderen Jungs haben es auch gut krachen lassen und waren gleich im ersten Anlauf an der Aguja Poincenot erfolgreich. Danach folgten noch Guillaumet, Mermoz und Rafael Juárez.

Fritz Miller, geb. 1984 in Reutlingen, ist professioneller Bergführer und Alpinist. Er rannte in gut fünf Stunden durch die Eiger Nordwand, kletterte den legendären „Weg durch den Fisch“ in der Marmolada Südwand solo und im Winter, er bestieg schwierige Gipfel in Patagonien und im Karakorum. Fritz lebt Alpinismus, seine Leidenschaft vermittelt er bei Führungen und Kursen.
Bilder: Tobias Werner, Fritz Miller

Bergfreunde

Michi Wohlleben und Fritz Miller eröffnen die Route „Dornröschen“ (50° 7- M5, 1100 m) – eine kombinierte Winterkletterei an der Zugspitze

20. April 2014

An der Südseite des Zugspitzmassivs, oberhalb der Ehrwalder Alm, erhebt sich die Wetterwand: beeindruckende 800 m hoch, steil und ohne Frage ein Blickfang. Geklettert wird hier aber kaum. Allein die klassische Wetterkante, die linke Begrenzung der Wand, wird regelmäßig begangen. Dazu kommen ein paar Durchstiege der Route „Therapie“, eine lange Sportkletterroute im rechten Teil der Wand. Zu den weiteren vorhandenen Routen sind nur dürftige Beschreibungen verfügbar. Es scheint aber, dass der zentrale Teil der Wetterwand bisher noch keinen Durchstieg gesehen hat. Und das klingt nach einem Auftrag. (mehr …)

Tipps und Tricks

Fritz Miller über das neue Slackline-Buch

26. April 2013

Fritz Miller, Mitglied des Bergfreunde.de ProTeam, hat neben den Bergen eine zweite Leidenschaft: die Slackline! Sein Wissen zu diesem Thema hat er 2008 erstmals in einem Slackline-Buch veröffentlicht. Gemeinsam mit Daniel Mauser hat er das Buch nun vollständig überarbeitet und Ende 2012 in einer neuen Auflage veröffentlicht.

Und weil die Saison für Slackliner gerade wieder so richtig startet, hatten wir da mal ein paar Fragen an Fritz. Wer erfahren möchte warum er so ein Buch schreibt und welchen Tipp er an die Longliner hat, der sollte einen Blick in das Interview werfen.

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Fritz Miller: Kurse und Führung

27. Oktober 2011

Bergführer-Abzeichen

Möchtest Du möglichst sicher und mit viel Freude die steile Welt erkunden, Gipfel erklimmen oder Wände durchsteigen und dabei von Profis Neues lernen? Dann ist eine Tour oder ein Kurs mit einem Staatlich geprüften Berg- und Skiführer sicher das Richtige.

Ich würde mich freuen, mit Dir etwas zu unternehmen!

Fels, Eis und Schnee

Als Bergführer bin ich meist für die Alpinsportschule Bergfühlung unterwegs. Bergfühlung bietet tolle Bergtouren und Kurse aller Art an, die auf der Homepage beschrieben werden. Außerdem sind natürlich auch Individualtouren möglich – für alle, die ein ganz spezielles Ziel vor Augen haben.

Slackline und Indoorklettern

Individuelles Sportkletter- und Sicherungstraining für Einzelpersonen und Kleingruppen biete ich zusammen mit dem Kletterzentrum Reutlingen an. Dazu kommen im Sommerhalbjahr ab und zu Slacklinekurse. Weitere Informationen hierzu finden sich auf der Homepage des Kletterzentrums Reutlingen.

Kontakt

Bei Fragen oder Interesse an einer Unternehmung, kannst Du dich immer gerne bei mir melden. Meine E-Mail-Adresse lautet: fritz@bergfreunde.de

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Ausrüstung

Slackline Sets by Mountain Equipment & Heinz Zak: Test von Fritz Miller

17. Mai 2010

Alles grünt und blüht, die Tage sind länger und wenn die Sonne scheint, ist’s draußen schon richtig warm. Und tatsächlich: die Sonne schafft es ab und an doch wieder durch die Wolken. Da freut sich der Slackliner! Wer zum Saisonstart noch auf der Suche nach dem geeigneten Material ist, hat vielleicht schon die neuen Slackline-Sets von Mountain Equipment (ME) bemerkt.

Fritz Miller, Slackline-Freak und Autor eines der ersten Slackline-Bücher, hat die drei Slackline-Sets einem ausführlichen Test unterzogen und berichtet von seinen Eindrücken!

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Fritz Miller: Bildergalerie

14. April 2010

 

Fritz ist als Mitglied des Bergfreunde ProTeams viel unterwegs. Von seinen Touren hat er eine Reihe von Bildern mitgebracht. Ein paar davon sind hier zu sehen:

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Fritz Miller: bergsportliche Highlights

14. April 2010

 

Fritz Miller aus dem Bergfreunde ProTeam blickt auf eine ganze Reihe von bergsportliche Erfolgen zurück. Eine Auswahl der wichtigsten Highlight aus den verschiedenen Disziplinen haben wir nachfolgend für Euch zusammengestellt.

Felsklettern

  • 02/2007: Große Zinne Nordwand „Superdirettissima“ inkl. Originalausstieg, 7 A2, 23 SL (Winterbegehung)
  • 07/2007: Marmolada Südwand „Weg durch den Fisch“, 8- A3, 37 SL (3. Solobegehung)
  • 07/2007: Gimpel Nordwand (Tannheimer Tal) „Feuerland“, 9-, 12 SL (rotpunkt)
  • 09/2007: Schaufels, Donautal „Kaiserweg“, 6+, 7, 6+, 7-, 6- (free solo)
  • 05/2009: Monte Qualido (Val di Mello) „Vertical Holidays“, 6b+ A2, 700 m
  • 03/2012: Marmolada Südwand „Weg durch den Fisch“, 8- A3, 37 SL (Winterbegehung)
  • 01/2013: Westliche Zinne Nordwand „Cassin“, ca. 6 A1, ca. 24 SL (Winterbegehung)
  • 03/2013: Kleine Zinne Nordwand „Fehrmannkamin“, 5+, 11 SL (Winterbegehung)
  • 08/2013: Westliche Zinne Nordwand „Alpenliebe“, 7c, ca. 21 SL bis Gipfel (freie Begehung mit insg. drei „Hängern“)

Speedklettern Fels

  • 09/2006: Jubiläumsgrat (Gipfel Zugspitze – Gipfel Alpspitze) in 1 Std. 58 Min.
  • 07/2008: Solo-Speedbegehung im Tannheimer Tal, komplett in 2  Std. 51 Min.: Nesselwängle – Rote Flüh Südwand – Zentralpfeiler (7 A0) – Judenscharte – Gimpel Westgrat (3+ A0) – Abstieg nach Nesselwängle
  • 07/2008: Schaufels, Donautal „Kaiserweg“, 7, 5 SL in 8:13 Min.
  • 08/2008: Salbit „Westgrat“, 6a A0, 32 SL + 6 Abseillängen am Grat in 2 Std. 18 Min.

Eisklettern

  • 12/2007: Breitwangfluh, Kandersteg „Crack Baby“, IV WI6, 340 m (onsight)
  • 02/2008: Val di Cogne „Repentance Super“, III WI6, 220 m (onsight)
  • 01/2009: Staubbach, Kandersteg „Rübezahl“, III WI6, 215 m (onsight)
  • 01/2009: „Seebenseefall“, Ehrwald, IV WI6, 180 m (onsight)
  • 01/2009: Koppenwand, Radstädter Tauern, „Vorhang“, II WI7-, 140 m (onsight)
  • 01/2009: Koppenwand, Radstädter Tauern, „Vampir“, II WI6, 130 m (onsight)
  • 01/2010: Averstal, „Thron“, III WI 5, 260 m (solo onsight, ungesichert)

Mixedklettern

  • 01/2007: Üschenen, Kandersteg „Toti Aeuega“, M9 (rotpunkt)
  • 01/2009: Seebenseefall, Ehrwald, „Airgames“ V WI6 M6- A3, 200 m (bohrhakenfreie Erstbegehung, Eis-/Mixedlängen Teamonsight)
  • 12/2010: Staubbach, Kandersteg „Finderlohn“, IV M7+, 165 m (onsight)
  • 01/2011: Oeschinensee, Kandersteg „NIN“ VI WI 6+/7- A2, 210 m (Eis-/Mixedlängen Teamonsight)
  • 02/2013: Seebenseefall, Ehrwald, „Bobby“ V WI6+ M7 A3, 200 m (erste durchgehende Begehung, alle Freikletterlängen rp)

Alpines Eis- und Mixedklettern

  • 04/2007: Eiger Nordwand „Heckmair-Führe“ inkl. Abstieg nach Grindelwald in 1,5 Tagen
  • 05/2007: Mont Blanc du Tacul „Perroux-Führe“, ca. M6+ (onsight)
  • 10/2007: Eiger Nordwand „Heckmair-Führe“
  • 02/2008: Eiger Nordwand „Heckmair-Führe“ Winterbegehung in 10 Std. 50 Min.
  • 05/2008: Matterhorn Nordwand „Schmid-Führe“ in 1 Tag
  • 01/2009: Rubihorn Nordwand „Ruby Tuesday“ M6 (onsight)
  • 10/2010: Grandes Jorasses Nordwand „Colton-MacIntyre-Führe“ in 8 Std. 31 Min. Begehung der Grandes Jorasses Nordwand ohne die Verwendung von Bergbahnen, Hütten o. Ä.
  • 02/2011: Eiger Nordwand „Heckmair-Führe“ Winterbegehung in 5 Std. 10 Min. (drittschnellste Teambegehung)
  • 03/2012: Eiger Nordwand „Heckmair-Führe“

Bergsteigen und Expeditionen

  • 08/2008: Mont Blanc (4810 m) „Peuterey Integral“ in 1,5 Tagen vom Rif. Borelli zum Gipfel
  • 08/2009: Ladyfinger Peak (ca. 5900 m), Hunza Valley, Pakistan – vierte Besteigungung, vermutlich erste Besteigung der höchsten Erhebung des Gipfelgrates
  • 08/2009: Sorry Peak (ca. 5600 m), Hunza Valley, Pakistan – erste Besteigung
  • 11/2011: Fitz Roy (3406 m) „Supercanaleta“, Patagonien
  • 12/2011: Aguja Poincenot (3002 m) „Cochrane-Whillans-Führe“, Patagonien
  • 11/2012: Aguja Standhardt (ca. 2700 m) „Exocet“, Patagonien

Wettkampf

  • 01/2008: 6. Platz Mixedwettbewerb Ice Climbing Festival Kandersteg 2008

Stand: November 2013

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Fritz Miller

14. April 2010
Fritz MillerJahrgang:1984
Wohnort:Reutlingen
Beruf:Bergführer, Alpinist und Autor
Lieblingsdisziplinen:Eisklettern, alpines Felsklettern, Slacklinen
Lieblingsspots:Dolomiten, Schwäbische Alb, Val di Mello
Kontakt:fritz@bergfreunde.de

Fritz über sich

Klettern wollte ich schon immer. Ernsthaft damit begonnen habe ich als Jugendlicher an den Felsen der Schwäbischen Alb. Im Laufe der Zeit zog es mich dann immer öfters zum Bergsteigen, Klettern und Skifahren in die Alpen.

Weil ich mich in den Bergen deutlich wohler fühlte als in einer Fabrikhalle, kündigte ich Anfang 2007 meinen Job als Mechatroniker, ging vier Monate lang nonstop zum Klettern und Bergsteigen und war nach dieser Zeit so fit, dass ich für den Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins ausgewählt wurde.

Im darauffolgenden Jahr mit der Bergführerausbildung zu beginnen, war nicht nur logisch, es war vielmehr ein Kindheitstraum. Von meiner Tätigkeit als DAV Jugendleiter wusste ich, dass ich das Lehren und Führen mochte und dass es mir lag. Jetzt bin ich dankbar, eine Arbeit zu haben, die ich gerne mache und die mir immer noch viel Freiheit lässt um mich auszutoben.

 

 

 

Weitere Infos zu Fritz Miller

Weitere Partner und Sponsoren von Fritz Miller

Kalt und steil: Fritz in der „Cassin“

19. Januar 2013

Winterbegehungen haben es mir angetan – nicht erst, seit ich Bergführer bin und im Sommer nur noch wenig Zeit fürs Klettern habe. Warum? Das Bergsteigen und Klettern im Winter ist einfach eine richtig coole Sache…“ sagt Fritz Miller aus dem Bergfreunde.de-ProTeam.

Gemeinsam mit Florian Jehle und Korbinian Schmidtner fuhr er zu einer Winterbegehung der Westlichen Zinne Nordwand. Seinen Bericht vom Durchstieg der „Cassin“ findet Ihr hier bei uns im Basislager.

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