Alle Beiträge, in denen das Wort "Atmungsaktiv" vorkommt:

Softshell Membranen. Foto: Mammut

Membranen: Atmungsaktiv, wasserdicht oder winddicht?

15. Dezember 2015

Es ist ein leidiges Thema – man streift durch die Weiten der Softshelljacken und je mehr man sich mit den technischen Spielereien beschäftigt, desto tiefer dringt man in die Welt der verwirrenden Details vor. Ganz vorn dabei im Ranking für irritierte Blicke – die Membran.

In den Produktbeschreibungen stößt man auf Begriffe wie Polartec, Apex, Windstopper, M1. Noch verwirrender sind nur noch Werte wie MVTR, Ret und Wassersäule. Zeit, etwas Licht ins dunkle Labyrinth der Detailfragen zu bringen,

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Ausrüstung

PTFE-Membranen – wetterfest und atmungsaktiv

5. November 2015

Wir haben uns für heute einmal die PTFE-Membranen herausgegriffen und wollen uns im Folgenden die Technik und Funktionsweise näher anschauen. Was aber können diese Membranen, wo werden sie verwendet und was um alles in der Welt bedeutet eigentlich PTFE? Die einfachste Antwort gleich einmal vorweg. PTFE-Membranen sind wasser- und winddichte sowie äußerst atmungsaktive Membranen, die ihren Einsatz überwiegend in Hardshelljacken und anderen Outdoorkleidungsstücken finden. Sie halten uns nicht nur trocken und warm, sondern sorgen auch dafür, dass Feuchtigkeit, die beispielsweise beim Schwitzen entsteht, nach außen abgegeben wird.

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Wetterschutz. Foto: Arc'teryx

Kaufberatung Softshelljacken – Der atmungsaktive Wetterschutz

2. Juli 2015

Softshells werden in der Outdoorbranche gerne als eine Art eierlegende Wollmilchsau angepriesen: Stark wasserabweisend (zum Teil sogar wasserdicht), winddicht, hoch atmungsaktiv, sehr beweglich und oft sehr leicht sind sie die perfekten Begleiter für nahezu jede Gelegenheit. Aber können Softshelljacken wirklich alles? Wo liegen die Unterschiede und worauf muss man beim Kauf achten?

Wir haben alle wichtigen Fakten gesammelt und geben Euch einen Leitfaden zum Softshell-Kauf!

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Atmungsaktiv. Foto: The North Face

Was bedeutet atmungsaktiv?

18. März 2015

Im Outdoorbereich hört man das Wort gefühlt ständig und überhaupt scheint es das Ei des Kolumbus zu sein, beschäftigt man sich mit der Funktionalität von Outdoorklamotten.

Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff Atmungsaktivität? Atmet die Bekleidung tatsächlich? Und was genau? Die Außenluft oder etwa unsere Körperausdünstungen? Und warum ist das so wichtig?

Wir haben für Euch die wichtigsten Informationen zum Thema Atmungsaktivität zusammengetragen.

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Loden – ein unterschätztes Material!?

15. Januar 2020

Liebe Freunde des gepflegten Outdoorsports, heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Loden befassen. Okay, okay, ich sehe förmlich, wie mich schon jetzt ein paar fragende Augen durch die Empfangsgeräte hindurch anschauen. Daher kurz vorab: Loden sind weder eine Inselgruppe im Nordatlantik, noch eine ansteckende Kinderkrankheit. Es handelt sich dabei vielmehr um ein traditionelles Material, das schon für Outdoorbekleidung eingesetzt wurde, als es den Begriff „Outdoor“ noch nicht einmal gab.

Loden wird aus dem Fell des jungfräulichen Lodenschafs (Ovis lodensis virginalis) hergestellt. Dieses darf nur im nördlichen Voralpenraum gezüchtet werden und auch dort nur auf Inseln, die in einem See liegen, in dem Baden verboten ist. Durch viel Ruhe und die überwiegende Fütterung der Schafe mit Spargel und Stangensellerie, wächst den Schafen langes glattes Fell. Dieses wird im Herbst von ehrenamtlich arbeitenden Rentnerinnen der katholischen Landfrauengemeinschaft geschoren. 

Klingt nach Blödsinn? Ist es auch! Aber hättet ihr gewusst, was Loden genau ist und wie dieser Stoff hergestellt wird? Ich ehrlich gesagt auch nicht so recht, schauen wir uns also die wichtigsten Fakten zum Thema gemeinsam an und fragen:

Was ist Loden eigentlich?

Eines vorweg: Es gibt kein Lodenschaf. Schade eigentlich, aber so ist das nun einmal. Loden ist ein Sammelbegriff für Wollstoffe. Woher das Wort kommt, kann heute nicht mehr genau geklärt werden, ist aber auch nicht so wichtig. Sicher ist jedoch, dass es Lodenstoffe bereits im Mittelalter gab. Früher wurden Stoffe dieser Art  überwiegend für wetterfeste (Arbeits-)Kleidung eingesetzt. Manch einem dürfte darüber hinaus der Begriff Loden als typischer Trachtenstoff und von Jagdbekleidung her bekannt sein. 

Ganz losgelöst von diesem leicht angestaubten Image kommen Lodenstoffe neuerdings aber auch vermehrt im Bereich der Freizeit- und Sportbekleidung zum Einsatz. Die Stoffe können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Von dick bis dünn von vergleichsweise glatt bis eher grob, hier gibt es zahlreiche Varianten. Eines eint sie jedoch: Die Stoffe sind immer gewalkt. Und das bringt uns gleich zu der nächsten Frage:

Wie werden Lodenstoffe hergestellt und was unterscheidet sie von anderen Stoffen?

Bei Loden handelt es sich um Stoffe, die aus Wolle hergestellt werden. Hierzu wird gerade für Outdoorbekleidung auch gerne mal Merinowolle eingesetzt. Traditionell hergestellte Loden bestehen jedoch zumeist aus „herkömmlicher“ Schurwolle, nicht selten von Schafen aus dem Alpenraum. Darüber hinaus lässt sich aber auch beispielsweise Alpakawolle oder Kaschmirwolle problemlos zu Lodenstoffen verarbeiten.

Vom Rohstoff Wolle bis hin zur fertigen Stoffbahn ist der Herstellungsprozess jedoch immer in etwa derselbe. Welche Schritte die Wolle dabei durchläuft, habe ich hier für euch einmal vereinfacht zusammengefasst.

Vermischen und kämmen

Egal ob Lodenstoff oder nicht, bevor es mit der Verarbeitung so richtig losgeht, muss der Rohstoff Wolle grundlegend behandelt werden. Da nicht nur die Wolle von einem Tier zum Einsatz kommt, ist es wichtig, die einzelnen Wollfasern gründlich zu vermischen. Direkt im Anschluss an diesen Prozess läuft die Rohwolle über bestimmte Walzen, die mit Nadeln versehen sind und so die Wolle zu einem feinen Vlies kämmen. Je nach Hersteller wird die Wolle nach diesem Vorgang gefärbt, andere Hersteller färben erst das fertige Garn ein.

Spinnen

Das Spinnen ist ein sehr komplexer Prozess und kann je nach dem, wofür das Garn später eingesetzt werden soll, unterschiedlich erfolgen. Wichtig ist für uns jedoch nur die Tatsache, dass die Wolle zu unterschiedlich dicken Garnen versponnen wird, was sich wiederum auf die spätere Beschaffenheit des Stoffs auswirkt.

Weben

Auch beim Weben der späteren Lodenstoffe unterscheidet sich der Vorgang nicht grundlegend zur Herstellung anderer Stoffarten. Besonders ist jedoch, dass hier in der Regel besonders große Stoffbahnen gewoben werden, da sich diese beim nachfolgenden Verarbeitungsprozess nochmals deutlich zusammenziehen.

Walken

Durch das Walken werden Loden erst zu Loden. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, der sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert hat und dem Material seine charakteristischen Eigenschaften verleiht.

In ca. 40 °C warmem Wasser wird der Wollstoff durch Reibung und Druck gewalkt. Hierbei verfilzen die Fasern ineinander, das Gewebe schrumpft um etwa 30-40 % und es entsteht ein Stoff, der sehr dicht und somit wetterfest ist. Der Grund hierfür liegt auch in dem in der Wolle enthaltenen Wollfett, das dem Stoff zahlreiche gute Eigenschaften verleiht. 

Eigenschaften und Einsatzgebiet von Lodenstoffen

Loden kommt klassischerweise immer dort zum Einsatz, wo robuste und wetterfeste Kleidung benötigt wird. Loden ist ein Stoff, der gerade auch für den Alpenraum sehr typisch ist. Früher wurde er dort überwiegend für Arbeitskleidung verwendet. Kein Wunder, denn Kleidungsstücke aus Loden halten in der Regel ordentlich was aus und geben obendrein warm. Ein weiteres typisches Einsatzgebiet für Lodenstoffe ist seit jeher Jagdbekleidung, denn auch hier sind die Anforderungen recht ähnlich. 

Vereinfacht kann man sich Loden als stark verdichteten Wollstoff vorstellen. Bei diesem liegen die einzelnen Fasern deutlich enger beieinander als bei herkömmlichem Gewebe. Außerdem sind sie Fasern durch das Filzen dicht miteinander verzahnt und bilden so einen Stoff, der zahlreiche gute Eigenschaften besitzt:

  • Winddicht. Durch die enge Gewebestruktur und die wärmenden Eigenschaften von Wolle, wird eine optimale Winddichtigkeit erreicht. Je nach dicke des Stoffs, bleit diese bis zu vergleichsweise hohen Windstärken erhalten.
  • Wasserabweisend. Loden wird klassisch ohne den Zusatz von Chemikalien hergestellt. Hierdurch bleibt das natürliche Wollfett, das Lanolin, im Stoff erhalten. Dieses wiederum bewirkt, dass Lodenkleidung Wasser nur schlecht aufnehmen kann und so beispielsweise auch bei leichtem Nieselregen innen angenehm trocken bleibt.
  • Schmutzresistent. Das Wolllanolin kann aber noch mehr. Es bewirkt obendrein, dass Schmutz nur schlecht vom Gewebe aufgenommen werden kann. Werden Lodenstoffe also für Arbeitskleidung oder Sportbekleidung eingesetzt, wirkt sich dies gerade bei raueren Bedingungen positiv auf den Gesamtzustand aus.
  • Temperaturausgleichend und atmungsaktiv. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Loden um ein Naturprodukt. Wolle ist von Natur aus wärmend. Durch die eng verwobene Struktur kann außerdem die körpereigene Wärme dort gehalten werden, wo sie gebraucht wird. Außerdem kann die besondere Struktur des Stoffs Wasserdampf, wie er beispielsweise beim Schwitzen entsteht, in einem gewissen Maß aufnehmen und ermöglicht so den zielgerichteten Abtransport.

Loden im Outdoorbereich

Ist Loden also der neue Superstoff, auf den die Welt schon lange wartet? Naja, ganz so einfach ist das nicht. Wie überall im Leben muss man auch hier genauer hinschauen. Aktuell kommen Lodenstoffe im Outdoorbereich nur vereinzelt zum Einsatz. Ob das an dem leicht angestaubten Image dieses Stoffs liegt oder schlicht daran, dass die großen Hersteller noch nicht auf den Trichter gekommen sind, ist dabei nicht geklärt.

Schauen wir uns aber einmal die Produkte am Markt an, sehen wir recht schnell: Loden geht auch ganz anders als volkstümlich oder jägermäßig. Nicht selten werden im Outdoorbereich Lodenstoffe auch mit anderen Materialien kombiniert, sodass moderne und funktionelle Kleidungsstücke entstehen, die auch mit härteren Bedingungen gut klarkommen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Produktgruppen:

Pullover und leichte Jacken

Wolle wirkt wärmend. Kein Wunder also, dass auch Loden genau dafür eingesetzt wird. Zahlreiche Hersteller wie beispielsweise Ivanhoe of Sweden oder Ulvang bieten daher vergleichsweise dünne Jacken und Pullover aus Lodenstoffen als wärmende Kleidungsschicht an. Hersteller wie Ortovox gehen dabei sogar noch weiter. Durch die gezielte Kombination von Loden und Kunstfaser, entstehen hier Kleidungsstücke, die zahlreiche gute Eigenschaften mitbringen.

Mäntel und wetterefeste Jacken

Wie bereits erwähnt, ist Loden seit jeher ein Stoff, der vor allem dann zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, unangenehmer Witterung zu trotzen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass auch im Outdoorbereich neuerdings vermehrt auf Mäntel und warme Jacken aus oder mit Lodenstoffen gesetzt wird.

Schuhe

Doch auch losgelöst von Oberbekleidung kommen Lodenstoffe zum Einsatz. Hier zeigt beispielsweise Dachstein, wie es geht und verwendet Loden als Obermaterial für Schuhe und Stiefel. Durch die zahlreichen guten Eigenschaften des Lodenstoffs sind diese Schuhe sehr angenehm zu tragen und obendrein Schmutzresistent.

Aber was sagt uns das?

Manche Materialien haben vielleicht zu unrecht ein schlechtes Image. Loden gehört hier definitiv dazu. Auch ich hatte am Anfang meiner Recherche ein eher ungutes Gefühl. Loden erinnerte mich irgendwie immer an die Achtziger.

Bilder wie mein Vater im langen grünen Mantel mit irgendwelchen „Hirschhornknöpfen“ und allgemein eher scheußliche Kleindungsstücke aus dem Bereich „Landhausmode“ hatte ich da automatisch im Kopf.

Doch wie überall ist es eben auch hier eine Frage, was man daraus macht und da sind manche Hersteller zumindest aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Es zeigt sich außerdem immer mehr, dass gerade auch alte Naturmaterialien Einzug in moderne Kleidung halten, was auch im Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit eine allgemein gute Tendenz ist.

Direct Alpine – technische Bergsteigerbekleidung aus Tschechien

27. November 2019

Eigentlich erinnert die Gründungsgeschichte von Direct Alpine ein wenig an die der Bergfreunde: Zwei junge Gründer, die eigentlich nichts lieber wollten, als den ganzen Tag am Fels verbringen, beginnen sich für die Ausrüstung und Bekleidung, die für ihr liebstes Hobby nötig ist,  zu beschäftigen. Die zwei kletter-begeisterten besten Freunde Radek Novacek und Jirka Silka gründen im Jahr 1997 eine kleine Handelsfirma in Liberec, Tschechien und beginnen so die Geschichte der heute erfolgreichen Outdoor-Marke Direct Alpine.

Die Firma hat nach wie vor ihren Sitz in Liberec und produziert in momentan 13 Werkstätten in Tschechien die Mehrheit ihrer Modelle. Auch wenn Direct Alpine teilweise noch als echter Geheimtipp gilt, ist die Marke bereits ein kleiner Hoffnungsträger in der tschechischen Textilindustrie. Denn die hatte schon rosigere Zeiten. Vor fast hundert Jahren galt Tschechien als die Textilhochburg schlechthin. Damals schossen große Webereien und Stickereien förmlich aus dem Boden.

Das Land war bekannt für ihre Textilindustrie und viele Menschen fanden Jobs in der Produktion oder im Handel von Kleidung. Doch wie wir wissen, kommt nach einem Berg auch schnell wieder das Tal. So schrumpfte nach dem zweiten Weltkrieg die tschechische Textilbranche immer mehr und umfasste Ende der Achtziger Jahre gerade mal noch 250.000 Beschäftigte.

Das klingt als gäbe ich in den nächsten Zeilen einen ausführlichen Geschichtsunterricht zur wirtschaftlichen Lage in Tschechien. Sicherlich auch ein spannendes Thema, aber wir wollen uns ja mit der Marke Direct Alpine beschäftigen.

Funktionalität & Qualität  – Ganz ohne Schnickschnack

Direct Alpine ist in erster Linie eine Marke, die hoch funktionale Outdoorkleidung für Bergsteiger herstellt. Die Bekleidung soll beim direkten Weg zum Gipfel, so das Motto, unterstützen und vor Wind und Wetter schützen. Mitgründer Radek Novácek ist nach wie vor Designer der Produkte und weiß „was es heißt, bei schlechtem Wetter zu wandern“. Das Sortiment für Männer und Frauen ist überschaubar. Jedes Teil wird daher ausführlich  im Labor und vom Direct Alpine Test Team, bestehend aus erfahrenen Bergsteigern, getestet. Dabei werden  unter anderem Atmungsaktivität, Wasserdichtigkeit, Windbeständigkeit und Abriebfestigkeit geprüft.

Die meisten Hosen und Jacken im Sortiment haben eine körperbetonte Passform. Die Marke setzt auf hochwertige, innovative Materialien, wie Cordura, Innenfutter aus atmungsaktivem Coolmax, Dermizax und Gelanots. Letzteres ist in der Branche noch sehr unbekannt und wird nur von wenigen Marken eingesetzt. Das Material wird beispielsweise für die Oberschutzjacke GUIDE von Direct Alpine verwendet. Es ist undurchlässig für Wasser in Tropfenform, allerdings durchlässig für Wasserdampf. Der Stoff besticht besonders in Sachen Atmungsaktivität.

Durch die hydrophile Struktur des Gelanots wird die entstehende Feuchtigkeit unter der Jacke angezogen und an die Außenseite geleitet. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite also ist, desto besser funktioniert dieser natürliche Prozess. Wenn es auf Ski-, Trekking- oder Klettertouren mal schweißtreibender wird, sollte die GUIDE ein guter Begleiter sein. Laut eigener Angabe der Marke, ist die GUIDE zu dem leichter als klassische Hardshelljacken. In unabhängigen Tests, wie vom Outdoor Magazin schneidet die Jacke sehr gut ab. Auch andere Produkte schneiden in den Tests gut bis sehr gut ab. So hat beispielsweise die FORAKER Wärmejacke, den Outdoor Editor´s Choice Award 2016 gewonnen.

Sowohl der Designprozess als auch die Produktion finden zu (fast) 100 Prozent in Tschechien statt. Dreizehn Werkstätten im ganzen Land arbeiten eng mit dem Design- und Entwicklungsteam zusammen. Die enge Zusammenarbeit und strenge Kontrolle kommt der Qualität der Produkte zugute.

Rund um punktet das „Made in Europe“-Label mit Transparenz und familiärer Unternehmenskultur. Gemäß dem Motto der Marke, wird auch beim Design auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Funktionalität, klare Linien, körperbetonte Passform und hochwertige Materialien stehen im Vordergrund, um nicht vom eigentlichen Ziel abzulenken: Den Berg zu besteigen.

Made in Europe – Aber wie steht´s um die Nachhaltigkeit?

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte natürlich auch respektvoll mit ihr umgehen. Und das beginnt nicht erst bei der Vesper auf dem Gipfel, wenn man die Müsliriegelverpackung wieder mit nach unten nimmt, sondern bereits beim Kauf der Ausrüstung. Vor allem durch Technologien, die Outdoorklamotten warm, wetterfest und wasserdicht machen, werden oft Chemikalien und Kunststoffe verwendet, die der Umwelt schaden. Allerdings ist die Outdoorbranche, womöglich gerade wegen der Liebe der Outdoor-Enthusiasten zur Natur, immer mehr dessen Auswirkung auf die Umwelt bewusst. Große Marken wie Vaude oder Patagonia machen Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten Prinzipien ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

Auch Direct Alpine hat in Sachen Nachhaltigkeit einiges vorzuzeigen. Die Tatsache, dass die Marke in Europa beheimatet ist, hier produziert und auch die größten Abnehmer in Europa sitzen, erspart lange Transportwege und somit CO2-Emissionen. Einige Materialien sind bluesign® zertifiziert. Der unabhängige Gutachter verbessert und kontrolliert jede Phase der Produktion, um die Umweltbelastung der Textilindustrie zu verringern.

Seit 2016 wird bei der gesamten Kollektion auf die umweltschädliche Chemikalie PFOA verzichtet und für 2020 ist das Ziel alle PFC-Verbindungen um 60 % im Vergleich zur Kollektion W18 zu reduzieren. Auch setzt Direct Alpine immer mehr recycelte Materialien ein. So gab es zum 20-jährigen Jubiläum der Marke, die PATROL Bergsteigerhose, welche seit Firmenbeginn mit im Sortiment ist und mittlerweile als wahre Legende gilt, in der ECO Version. Das Material der PATROL ECO stammt aus einem Projekt zum Recycling alter Fischernetze und anderem Kunststoffabfall für die ökologische Produktion von Kleidung. In Sachen Langlebigkeit, Funktion und Komfort steht die „Ökoversion“ der traditionellen PATROL natürlich in nichts nach.

Abgesehen von einzelnen  Nachhaltigkeitsprojekten wie diesem, setzt Direct Alpine auch auf kleine Veränderungen, die Ressourcen sparen und die Umwelt schonen. So ist in Planung für die Kollektion W20 alle Etiketten aus recyceltem Material herzustellen, Kunststoffverpackungen um 20 % zu reduzieren und alle Baumwoll-T-Shirts aus Bio-Baumwolle herzustellen. Auch im Logistik- und Produktionsprozess will Direct Alpine bis zum nächsten Jahr die Reduzierung des Lufttransports von Materialien um 50 % reduzieren. 1 % des Sortiments wird aufgrund aufwendiger Verarbeitungsprozesse, für die in Tschechien die Infrastruktur (noch) fehlt, außerhalb der EU produziert. Dieser Anteil ist durch die Fair Wear Foundation und nach OECO-Tex 100 Standard zertifiziert.

Die Produktion innerhalb Europas spart nicht nur an CO2 Emissionen, sondern sorgt auch schon mal für Produktionsvoraussetzungen nach EU-Standards. Da die Produktion hauptsächlich in der Tschechischen Republik stattfindet, werden Arbeitsplätze geschaffen und die wirtschaftliche Lage der Textilproduktion wird verbessert und unterstützt.

Fazit

In Sachen Umweltschutz und Firmenethik geht es sicherlich immer noch ein Stück besser, fairer und ressourcenschonender. Allerdings gilt es nicht nur die absoluten Nachhaltigkeitsvorreiter für deren Aktionismus zu belohnen. Direct Alpine tut bereits einiges, um die Umwelt zu schonen. Die Marke befindet sich diesbezüglich ganz klar im soliden Mittelfeld, sie ist transparent und versteckt sich nicht hinter inhaltslosem „Green-Marketing“. Die Ziele sind klar definiert, dennoch scheint es den Gründern bewusst zu sein, dass sie (noch) kein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind.

Das Wichtigste ist und bleibt allerdings, ob der Nutzer problemlos auf den Gipfel kommt, ohne dass Ausrüstung und Kleidung unnötig den Weg erschweren. Idealerweise sollte die Ausrüstung uns bei unserem Vorhaben vielmehr unter die Arme greifen. Beim Kauf von Direct Alpine Artikel können wir uns auf hochwertige Verarbeitung, und somit auf ein langes Leben der Produkte verlassen. Gerade für anspruchsvolle Touren in den Bergen eignen sich die Jacken und Hosen, durch die innovativen Membrantechnologien. Hier merkt man, dass die Produkte von anspruchsvollen Bergsteigern entwickelt wurden.

Auch wenn die Marke (noch) als Geheimtipp unter den Outdoor-Enthusiasten gilt, steigen der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit stetig. Das zeigen die sämtlichen positiven Tests und Berichte in der Welt der Outdoor-Blogs. Wenn Direct Alpine also das eigene Motto einhält, dann geht es mit mit der Marke wohl weiter direkt an die Spitze.

Das Schlauchtuch: Würdigung und Kulturkritik

7. November 2019

Das Multifunktionsschlauchtuch, wie es in erbarmungslos präzisem Deutsch heißt, fällt nicht nur durch seinen für ausländische Zungen kaum zu bewältigenden Namen auf. Auch mit seiner oft bunten, nicht selten batikartigen Farbgestaltung zieht es Aufmerksamkeit auf sich. Es ist überhaupt kaum noch zu übersehen, da es landauf, landab, am Bergpfad oder in der Großstadt, immer beliebter wird. Ja, man kann von einem triumphalen Siegeszug des Schlauchtuchs sprechen.

Den Zungenbrecher kann man übrigens umgehen, indem man auf die geläufigere Bezeichnung Buff-Tuch zurückgreift. Analog zu Tempo und Papiertaschentuch dient hier die bekannteste Marke als Gattungsbegriff für das Produkt. Die Firma Buff war der erste Produzent, der das Vielseitigkeitstuch in großem Stil auf den Markt brachte. Sein Einsatzbereich ist nicht nur auf das Wandern beschränkt, sondern reicht vom Biken übers Motorradfahren bis zum ganz normalen Alltag. Natürlich ist es längst auch in High-Tech Materialien erhältlich, atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, mit UV Schutz, antibakteriell ausgerüstet, usw.

Ein Erkennungszeichen, das die „echten“ Buff-Tücher von vielen, teils sehr billigen und als Werbegeschenk verteilten Kopien abhebt, ist ihr nahtloses Design. Hinzu kommen natürlich Mindeststandards an Qualität, die verhindern, dass Marken-Schlauchtücher nach kurzem Gebrauch schon Löcher bekommen oder gar abfärben. Bei Werbegeschenken oder superbilligen No-Name-Produkten passiert derartiges immer wieder. In vernünftigen Qualitätsstufen sind die Tücher indes sehr haltbar, fusseln nicht und fransen nicht aus.

Laut Läufer-Blog liegt der Ursprung des Multifunktionstuch im Jahr 1992. Seitdem sei seine Beliebtheit steil gestiegen und es habe sich „von einer funktionalen Sportkopfbekleidung zum Mode-Accessoire gemausert“.

Wegen der Beliebtheit als Werbegeschenk und als Beigabe in Starterpaketen bei Trailrunning- und Bike-Contests ist die Verbreitung der Schlauchtücher fast schon zur Omnipräsenz geworden. Manche Outdoorer besitzen zig Exemplare und sehen die Stoffröhre als eine Art „Schweizer Taschenmesser der Outdoorbekleidung“. In der Tat, sie kann als Stirnband und Mütze, als Hals- und Piratentuch verwendet werden. Und noch einiges mehr, wie folgendes Video zeigt, in dem die ansehnlichen Buff-Models in nur zwei Minuten sage und schreibe zehn verschiedene Arten zeigen, das Tuch als Kopfbedeckung zu tragen:

Da das Schlauchtuch immer wieder auch als modisches und ästhetisches Accessoire getragen und bewertet wird, will ich es hier ebenfalls nicht nur nach Funktionalität beleuchten. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich schreiben. Also bitte nicht wundern, wenn die folgende kleine „Kulturkritik des Schlauchtuchs“ womöglich hier und da leicht persönlich gefärbt ist :-)

Als Kopfbedeckung?

Zunächst oute ich mich selbst als Schlauchtuchinhaber. Ja, ich habe selber so ein Ding und finde es auch verdammt praktisch. Allerdings nur für den Kopf und speziell für den Meinigen. Denn der ist irgendwie überdimensioniert, sodass mir von all diesen Normalokäppis mit Schirmchen keine so richtig passt. Abgesehen davon, das ich diese steifen Dinger auch bei richtiger Größe unbequem finde und der Ansicht bin, dass sie ihre Träger irgendwie dümmer aussehen lassen. Bei Sonnenhüten mit Rundum-Krempe ist das ganz ähnlich. Gerade die mit Schlaufe zum Festziehen, die so lustig das Gesicht einrahmt, kann ich nicht tragen, weil ich damit aussehe wie meine eigene Oma.

Doch auch rein praktisch finde ich das Schlauchtuch als Sonnenschutz mindestens gleich gut. Man kann es weit über die Stirn herunterziehen und bei Hitze zusätzlich noch befeuchten. Versuch das mal mit einem breitkrempigen Sonnenhut. Auch bei Wind mache ich mit Schlauchtuch eine bessere Figur: Während Omas Hut wie wild herumflattert und jeden Moment wegzufliegen droht, bleibt das Buff völlig gelassen. Auch in Sachen Zustand der Frisur nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung erzielt das Tuch einen klaren Punktvorteil gegenüber Hut und Käppi: während man nach einer Tour mit letzteren auf dem Kopf aussieht wie nach 12 Stunden im Bett gewälzt, muss man nach Abnehmen des Buffs nur die Haare kurz so schütteln wie in der 3-Wetter-Taft-Werbung, und schon ist wieder alles in Position.

Jaja, ich weiß, Eitelkeit sollte keine solche Rolle spielen, doch wer ist schon völlig frei davon? Und wenn wir die gleiche Funktionalität einmal mit doofem und einmal mit coolem Aussehen haben können, ist die Wahlmöglichkeit doch super, oder? Mein Fazit lautet hier jedenfalls: als Kopfbedeckung bei Hitze und Wind ist das Schlauchtuch tipptopp, sowohl für lockeren Freizeitsport als auch bei „ernsthaften“ Berg- und Outdooraktionen.

Für den Winter und den kalten Berg?

Es hat aber auch seine Grenzen mit der Schlauchtuchherrlichkeit. Manche betrachten das Schlauchtuch ja auch als Ersatz für Schal und Mütze. Doch bei einem Tuch ist der Stoff eher dünn und elastisch. Das genau ist ja auch der Vorteil in Sachen Bequemlichkeit, Leichtigkeit und Vielseitigkeit. Es bringt jedoch eine bestenfalls eingeschränkte Wintertauglichkeit mit sich. Es gibt natürlich auch dickere, meist mit Fleece gepolsterte Schlauchtücher, die auch für Temperaturen unter null taugen. Doch da leuchtet mir nicht ganz ein, was nach Abzug von Leichtigkeit und Flexibilität deren Vorteil gegenüber einer stinknormalen Mütze sein soll. Ach so, ja, die Verwendbarkeit als Schal. Hm, mag sein, doch da habe ich eine ganz eigene Theorie.

Als Halstuch und Schal?

Dazu gleich eine Vorwarnung: meine leichte Voreingenommenheit gegen Schals und Halstücher kann ich wohl nicht ganz verbergen. Ich rechtfertige sie damit, dass ich schon bei deren Anblick immer das Gefühl einer zugedrückten Luftröhre bekomme. Mir reicht vollkommen, wenn Pulli oder Jacke oben am Hals kurz unterhalb des Kinns sauber abschließen, am besten mit einem Kordelzug verstellbar. Das funktioniert meist prima und ich wüsste nicht, wozu ich dann noch einen Schal bräuchte. Bei Radlern und Motorradfans kann ich die Liebe zum Halstuch nachvollziehen, weil man da nach vorn gebeugt im Luftzug sitzt. (Auch wenn es mir selbst beim Radeln mit gut schließender Oberbekleidung noch nie wirklich am Hals gezogen hat.)

Meine Vorbehalte ästhetisch-geschmacklicher Natur liegen wohl daran, dass irgendwas in meiner Kindheit schiefgelaufen ist. Damals, in grauer Vorzeit, kam es mir so vor, als würden Schals ausschließlich im Winter getragen und farbenfrohe Halstücher seien, ebenso wie außersaisonal getragene Schals, ein Accessoire, dass ausschließlich an Frauen ab etwa Anfang 30 zu bewundern ist. Deren Schals oder Tücher waren oft pastellfarben und kamen nicht selten in Kombination mit runden, kleinen, aber dick geränderten Brillen zum Einsatz. Männer mit bunter Halsbekrausung? Höchstens an Theatern und in Literatursalons. Vielleicht noch an soziologischen Fakultäten. Also überall da, wo der progressive Mann damals schon takt- und rücksichtsvoll war, offen mit seinen Gefühlen umging und die Autopolitur durch vegane Hautcreme ersetzt hatte.

Da das inzwischen der Modell- und Vorbildmann ist, avancierte auch der bunt verpackte Männerhals zum Symbol des kulturellen Fortschritts. Besonders erfreulich ist da die Entdeckung, dass farbenfrohe Halsverhüllung gut mit Hipsterbart und Dutt harmoniert. Und sich das Ensemble durch eine runde, kleine, aber dick geränderte Brille perfekt vervollständigen lässt …

Okay, das war zu viel kulturkritische Häme, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jemandem auf den Schlips respektive das Halstuch getreten sein sollte. Ich kann eben wirklich nichts dafür, dass der Anblick kraus umtuchter Hälse mir immer diese irritierenden, ja vielleicht sogar mikrotraumatisierenden Assoziationen zu diesen Vögeln auslöst, die zum Drohen oder Balzen irgendwelches seltsame Gekropfe aufrichten.

Um aber zu einem versöhnlichen Abschluss zu kommen, jetzt nochmal ein positiver Blick auf die famose Vielseitigkeit des Alleskönner-Tuchs:

Weitere Verwendungen: praktische Vielfalt

Das Multifunktionsschlauchtuch kann nicht nur Kopf und Hals auf vielerlei Weise schützen und dekorieren, sondern hat eine Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten und Funktionen. Einige Beispiele:

– Es verhindert hässliche Flecken auf dem Brustbereich des Oberteils und ist bei Mahlzeiten jederzeit als Sabberlatz und Serviette griffbereit.

– Übers Gesicht gezogen lässt es dank feinem Gewebes die Außenwelt durchschimmern und ersetzt somit bei Banküberfällen den zwickenden Damenstrumpf oder die zu warme Balaklava.

– Wenn nach einer Peinlichkeit mal wieder (Fremd)Schämen angesagt ist, wird das Multifunktionstuch ruckzuck über das Gesicht gezogen und ermöglicht unerkanntes Entkommen aus der Situation.

– Weitere Verwendungen in Stichworten: Lappen, Handtuch, Schweißtuch, Kurzzeit-Notdichtung für lecke Rohre, improvisierte Einkaufstasche (Einkaufsschlauch), Spielzeug-Knäuel für Haustiere, Lampenschirmüberzug, Schlafmaske, …

Kurz, mindestens ein Schlauchtuch, Bufftuch und Multifunktionstuch gehört in jeden ordentlichen Haushalt ;-)

Die neun größten Outdoor Mythen

24. Oktober 2019

Outdoor Mythos Nummer 1

Karte und Kompass sind dank GPS und Smartphone überflüssig.

Am unzuverlässigsten erweist sich im Vergleich zwischen GPS Gerät, Kombination aus Kompass und Karte und Smartphone, das Smartphone. Fehlendes Datennetz, schlechte Verbindung zum Satelliten und sehr begrenzte Akku-Laufzeit – wer sich beim Wandern und Bergwandern auf sein mobiles Telefon verlässt, könnte früher oder später orientierungslos im Wald stehen.

Was im Großstadtdschungel oft sehr hilfreich ist und meist auch gut funktioniert, entpuppt sich im Gebirge, im Wald, in abgelegenen Regionen und schmalen Tälern oft als schlichtweg nutzlos. Etwas besser schlagen sich hier reine GPS Geräte. Empfang und Akkuleistung sind deutlich besser, aber auch hier gilt: wer sich nur auf den elektronischen Helfer verlässt, schaut vielleicht irgendwann ratlos auf einen dunklen Bildschirm. Zumindest als Ergänzung gehören daher bei jeder größeren Wanderung eine passende Wanderkarte und ein Kompass ins Gepäck. Den Umgang damit sollte man am besten vorher üben, bevor der Akku im GPS Gerät den Geist aufgegeben hat.

Outdoor Mythos Nummer 2

Dank meiner atmungsaktiven Regenjacke bleibe ich beim Wandern immer trocken.

Funktionelle Hardshelljacken sind nicht nur wasserdicht und windundurchlässig, sondern auch atmungsaktiv. Das unterscheidet die Regenjacken beispielsweise vom gummierten „Ölzeug“, das Fischer, Angler und Seefahrer bei rauer See meistens tragen. Die Atmungsaktivität der Outdoorjacken wird durch mikroporöse Membrane, wie zum Beispiel Gore-Tex und Co. ermöglicht.

Sie verfügen über winzige Öffnungen, die den Wasserdampf nach außen entweichen lassen, während selbst die kleinsten Wassertropfen noch immer viel zu groß sind, um nach innen zu gelangen. Zwei Faktoren begrenzen jedoch leider die Atmungsaktivität der Membrane. Zum ersten benötigen die Membrane ein gewisses Temperaturgefälle, um optimal zu funktionieren. Das bedeutet, bei tropischen Temperaturen funktioniert das „Dampf ablassen“ durch die Mikroporen nicht mehr, denn der Temperaturunterschied zwischen „in der Jacke“ und Außentemperatur ist zu niedrig.

Zum anderen können Wanderer bei anstrengenden Wanderungen deutlich mehr schwitzen, als die Regenjacke im besten Fall nach außen abgeben kann. Obwohl kein Regen von außen eindringt, feuchtet man so langsam von innen durch. Verhindern lässt sich das zwar nie komplett (außer man bewegt sich nicht), aber funktionelle Zwischenschichten, die den Schweiß gut weiterleiten und schnell trocknen, machen das Wandern mit Regenjacke trotzdem um einiges angenehmer.

Outdoor Mythos Nummer 3

Im Winter muss man nicht so viel trinken, denn man schwitzt ja auch weniger.

Bei anstrengenden Wanderungen, Bergwanderungen und Kletterpartien kommen Wanderer und Bergsportler auch im Winter ins Schwitzen. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper dabei verliert, ist zwar von Person zu Person verschieden und sie kann auch unter der Menge liegen, die man bei gleicher Aktivität an einem sehr heißen Sommertag verlieren würde. Allerdings erfolgt das Schwitzen im Winter eher unauffällig.

Während der Schweiß im Sommer vom Gesicht tropft, schwitzen Sportler im Winter vor allem unter der Bekleidung: unter der Jacke, unter der Mütze und in den Handschuhen. Gleichzeitig verliert der Körper durch die Atmung in der zumeist trockenen Winterluft besonders viel Flüssigkeit. Trotzdem sinkt im Winter bei vielen Menschen das subjektive Durstgefühl. Deshalb gilt es im Winter etwa die gleiche Menge zu trinken, wie bei wärmeren Temperaturen. Normalerweise sollten sich Bergsportler dabei nach ihrem individuellen Durst richten. Falls man jedoch dazu neigt im Winter eher keinen Durst zu verspüren, können beispielsweise entsprechende Apps dezent ans Trinken erinnern. Isolierende Flaschen oder isolierte Trinksysteme sind dabei ein Muss, denn sonst wird aus der Trinkflasche schnell ein großer Eiswürfel.

Outdoor Mythos Nummer 4

Ab 1000 Meter Höhe duzen sich alle Wanderer.

Was sich im englischsprachigen Raum und in internationalen Expeditionen aufgrund des fehlenden „Sie“ in der englischen Sprache automatisch ergibt, stellt Wanderer, und Bergwanderer im deutschsprachigen Raum immer wieder vor die Frage: Soll ich „Siezen“? Darf ich „Duzen“? Sollte ich vielleicht sogar „duzen“? In diesem Zusammenhang liest man manchmal vor der 1000 Meter Regel.

Sie besagt, dass alle Wanderer ab etwa 1000 Meter Höhe zum lockeren „Du“ übergehen. Grundsätzlich und allgemein gültig ist diese Regel allerdings nicht. Viele Orte in den Alpen liegen bereits auf einer Höhe über 1000 Meter und auch auf einer wesentlich höheren Berghütte ist es nicht unbedingt angebracht jeden Wanderer wahllos zu duzen.

Vielmehr ist die „Regel“ eine situationsabhängige Empfehlung. Wenn Wanderer sich auf einem schmalen Bergweg begegnen, freundlich grüßen und beispielsweise kurz über Wegbeschaffenheit oder Wetter unterhalten, dann kann ein lockeres „Du“ durchaus angebracht sein. Dafür spielt es aber keine Rolle, ob man sich auf 300 Meter oder 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. (Ja, es gibt auch Wanderwege im Mittelgebirge, im Flachland und an den Küsten.)

Fakt ist aber, dass viele Wanderer sich in abgelegeneren Regionen (egal, ob durch Höhe oder durch andere Faktoren bedingt) eher grüßen, schneller ins Gespräch kommen und auch häufiger direkt zum „Du“ greifen. Da hilft es jedoch nur, die Situation passend einzuschätzen und nicht der Blick auf den Höhenmesser.

Outdoor Mythos Nummer 5

Ein Zwei-Personen-Zelt bietet genügend Platz für zwei Personen.

Wenn Zelthersteller ihre Empfehlungen für die Anzahl der Personen im Zelt aussprechen, gehen sie recht simpel vor: Sie nehmen ihren Zelt-Grundriss und ihren Mumienschlafsack in Standardlänge und Standardbreite. Dann wird getestet wie oft dieser standardisierte Schläfer auf den Zeltboden passt und heraus kommt die theoretische Personenzahl.

Dass es auch größere Menschen, breitere Camper, Menschen, die sich im Zelt etwas bewegen möchten und dass es dazu auch noch Gepäck gibt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nur teilweise. Wenn das Zelt also für zwei Personen Platz bietet, dann passen schon auch zwei Personen rein. Im Regen übernachten, muss also keiner von den beiden.

Wirklich gut und komfortabel schlafen aber beide höchstwahrscheinlich nicht. Für Trekkingtouren und alle, die auf das Zeltgewicht achten müssen, ist es daher ratsam, das Zelt immer eine Nummer größer zu wählen. Für zwei Personen also lieber ein Drei-Personen-Zelt und für drei Personen eher ein Vier- oder sogar Fünf-Personen-Zelt. Da kann sich jeder Zeltbewohner auch noch bequem umdrehen und das Gepäck findet leichter seinen Platz. Wenn Zeltgewicht und Maße nicht so wichtig sind, wird ein mit zwei Personen besetztes 4-Personenzelt zum echten Raumwunder beim Camping.

Outdoor Mythos Nummer 6

Ein bequemes T-Shirt aus Baumwolle ist optimal für Wanderungen.

Zugegeben – man kann in einem T-Shirt aus Baumwolle sicher gut wandern. Es hat zwar keine Vorteile und sicher auch einige Nachteile – aber es geht schon. Nur gibt es wesentlich bessere Arten von Wanderbekleidung, die erfahrene Wanderer und Bergsportler unter dem Begriff „Funktionsbekleidung“ kennen.

Auch ein T-Shirt aus Baumwolle hat funktionelle Grundzüge: man muss nicht mit unbekleidetem Oberkörper wandern, ist etwas vor Scheuerstellen durch die Rucksackträger geschützt und wenn man das richtige T-Shirt ausgewählt hat, sieht man beim Wandern vielleicht sogar ganz cool aus. Wenn da nur nicht diese Nässe wäre.

Das Problem der Baumwolle ist nämlich, dass sie den Schweiß, der beim Wandern am Körper entsteht, wie ein Schwamm aufsaugt und am liebsten gar nicht mehr loswerden möchte. Das führt in der Regel zu einem klatschnassen Rücken, denn trotz aller Belüftungsversprechen der Rucksackhersteller wird es unter dem Wanderrucksack nun mal warm am Rücken.

Falls dann noch ein Regenschauer kommt oder das T-Shirt unter der Hardshelljacke getragen wird, ist es endgültig vorbei mit „trocken“ und „komfortabel“. Die clevere Alternative ist dagegen Kunstfaser, wie Polyester oder Polyamid. Oft mit etwas stretchfähigem Elasthan ergänzt, sorgen die Funktionsshirts für schnellen Feuchtigkeitsaustausch und sind in kürzester Zeit wieder komplett trocken.

Dabei sind Gewicht und Packmaß viel geringer, als bei Baumwolle. Einziges Manko der Funktionsshirts aus Kunstfaser ist, dass sie beim Wandern oft schnell zu müffeln anfangen. Dagegen helfen entweder spezielle geruchshemmende Fasern oder der Griff zu Wandershirts aus Merinowolle. Die trocknen zwar etwas langsamer, aber dafür tragen sie sich auch nach mehreren anstrengenden Wandertagen immer noch sehr komfortabel und frisch.

Outdoor Mythos Nummer 7

Die Temperaturangaben bei Schlafsäcken sind absolut präzise und allgemeingültig.

Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke sind mit drei Temperaturangaben gekennzeichnet. Die Komfortzone, das Temperaturlimit und zusätzlich noch die Extremtemperatur. Als Komforttemperatur wird die Temperatur angesehen, bei der eine Frau im Schlafsack komfortabel und ohne zu frieren schläft. Die Limitangabe stellt im Grunde den gleichen Wert für Männer dar.

Die Extremtemperatur dient als Orientierung, bei welcher Temperatur man im Notfall noch ohne Erfrierungen die Nacht übersteht. Dazu kommen allerdings viele Faktoren, die nicht auf dem Schlafsack angegeben werden. Das individuelle Kälteempfinden, die Isomatte, das Zelt, der Lagerplatz

Im Allgemeinen frieren gut trainierte Sportler aufgrund ihrer höheren Muskelmasse weniger als normale Camper. Frauen frieren schneller als Männer. Ältere Menschen frieren eher als jüngere Menschen. Dünnere Camper produzieren weniger Wärme als dickere Schläfer. Hinzu kommen noch eine mehr oder weniger gute Passform der Schlafsäcke, die richtige Lagerung und Pflege, sowie die ideale Bekleidung zum Schlafen im Schlafsack.

Zwischen all diesen Kriterien befindet sich die individuell „echte“ Komforttemperatur. Zur Einordnung und zur Vergleichbarkeit eignen sich die Temperaturkennzeichnungen allerdings ziemlich gut. Im Zweifelsfall ist es auch immer einfacher einen wärmeren Schlafsack zu öffnen und zu belüften, als einen dünnen Schlafsack wärmer zu machen.

Outdoor Mythos Nummer 8

Im Notfall hilft mir mein Erste-Hilfe-Set.

Ein Erste-Hilfe-Set zum Wandern und Bergsteigen mitzuführen ist grundsätzlich schon mal gut. Allerdings hilft das Set auch nicht in jeder Situation, denn es enthält meist „nur“ eine Auswahl an Verbandsmaterial. Es ist leider davon auszugehen, dass viele Bergsportler den Inhalt ihres Erste-Hilfe-Sets zum ersten Mal sehen, wenn sich jemand verletzt hat.

Da bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall nur ein Pflaster benötigt wird. Wer ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack mit sich trägt, hat davon am meisten, wenn er sich auch das nötige Wissen aneignet, um das Maximum aus dem Set-Inhalt herauszuholen. Wie lege ich einen Verband an? Was mache ich bei einer Verbrennung? Einer Schnittwunde? Wie kann ich erste Hilfe leisten, wenn jemand gestürzt ist? Wer sich vor einer Tour mit solchen Fragen auseinandersetzt und im besten Fall vielleicht sogar einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt, hat die optimalen Voraussetzungen, um im Ernstfall mit dem Set auch Erste Hilfe leisten zu können.

Outdoor Mythos Nummer 9

Meine Banane verrottet in der Natur, deshalb kann ich sie beim Wandern einfach wegwerfen.

Im Vergleich zu einer Plastikflasche, die in den Bergen so schlappe 500 – 1000 Jahre zum Verrotten benötigt, zersetzt sich die achtlos weggeworfene Bananenschale tatsächlich schnell. „Nur“ 1 – 3 Jahre benötigt die Schale der tropischen Frucht dafür. Aber selbst, wenn sie nur 4 Wochen benötigen würde, wäre das noch lange kein Grund, sie einfach in den Bergen zu entsorgen.

Vielmehr gilt es einfach seinen kompletten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Was sich im Fall der Plastikflasche zum Glück im Alpenraum sehr weit herumgesprochen hat, gilt bei Bananenschalen und Co. noch oft als akzeptabel. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Wanderer gar nicht wissen, dass es Jahre dauert, bis ihr Müll verrottet ist. Diesbezüglich darf man das Wissen seiner Mitwanderer auch gerne erweitern, denn viele Menschen, die sich dessen gar nicht bewusst waren, ändern danach ihre Gewohnheiten.

Plastikfreie Alternativen für Outdoor-Bekleidung

22. Oktober 2019

Da wir im Zeitalter der schwammigen Begriffe leben, zunächst mal eine Klarstellung: Wenn von „plastikfrei“ die Rede ist, werden damit oft ähnliche Attribute wie „umweltfreundlich“ und „nachhaltig“ verbunden. Dabei geht es hier „nur“ um die Abwesenheit von Synthetikstoffen auf Basis von fossilem Mineralöl. Zwar hat „plastikfrei“ eine Schnittmenge mit „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“, ist aber nicht gleichzusetzen.

So gibt es mittlerweile viele Outdoor-Kleidungsstücke, die man als nachhaltig bezeichnen kann, die aber nicht plastikfrei sind. Und es gibt Produkte, die sind nachhaltig im Sinne von langlebig, aber im strengen Sinne nicht umweltfreundlich, da sie letzten Endes doch irgendwo „endgelagert“ werden müssen. Last but not least gibt es zahlreiche plastikfreie Shirts und Shorts, die alles andere als nachhaltig und umweltfreundlich sind, weil die Anbaumethoden von Baumwolle auch nicht immer die besten sind.

Soweit alles klar? Oder war das jetzt erst richtig verwirrend? Dröseln wir das Ganze mal etwas auf, dann wird die Klarheit schon kommen.

Was bedeutet „plastikfrei“?

Wirklich plastikfrei sind Outdoorklamotten nur, wenn sie keinerlei Polyester, kein Polyamid (Nylon), kein Polypropylen und auch sonst kein Poly-irgendwas enthalten. Nur pflanzliche Naturfasern und tierische Stoffe wie Wolle und Leder sind „zulässig“ – auch wenn bei letzteren gleich die nächsten Ethik- und Umwelt-Tretminen lauern – aber das ist ein anderes Thema.

Das Problem: Ab einem gewissen Funktionalitätsanspruch geraten die Naturstoffe an Gewichts- und Bezahlbarkeitsgrenzen und bieten keine Alternative mehr. Deshalb ist auch der Großteil der als nachhaltig geltenden Outdoorbekleidung aus Chemiefasern hergestellt. Hier landet man letztlich bei der altbekannten Diskussion, wie viel Funktionalität man im Einzelfall „braucht“ (dazu am Ende des Artikels mehr).

Hauptnachteile der Synthetikfasern sind der hohe Energieverbrauch bei ihrer Herstellung und die äußerst langsame Zersetzung nach ihrem „Lebensende“. Letzteres Problem kann durch Recycling nur teilweise entschärft werden. Zwar bieten viele Hersteller Kleidung mit recycelten Kunstfasern an, doch nur Wenige konstruieren ihre Produkte so, dass sie ihrerseits (vollständig) recycelbar sind (z.B. Patagonia oder Pyua). Auch tragen recycelte Kunstfasern nicht zur Lösung des Mikroplastik-Problems bei (dem wir als „Endverbraucher“ allerdings mit einem speziellen Waschbeutel wie dem Guppy-Friend beikommen könnten).

Exkurs: PFC-frei ist nicht plastikfrei

PFC-Freiheit in Textilien und Imprägnierungen ist ein großes Thema und ein Umweltfortschritt, sagt aber nichts darüber aus, ob Stoff oder Imprägnierung natürlich oder synthetisch ist. Es gibt aber mittlerweile eine komplett natürliche „Bioimprägnierung“ namens Ecorepel Bio. Diese Schutzschicht basiert auf pflanzlichen, ohne Gentechnik gewonnenen Rohstoffen und versucht, die Kutikula von Pflanzen für die Outdoor-Jacke nachzubilden. „Die Kutikula ist die äußerste Wachsschicht von Pflanzenblättern, die sie vor unkontrollierter Verdunstung und Regen schützt.“

Es gibt also viele Annäherungen an das plastikfreie und umweltfreundliche Ideal. Doch gibt es auch hundertprozentige Umsetzungen, die hohe Funktionalität bieten?

Welche „wirklich natürlichen“ Materialien gibt es?

Wie oben erwähnt, ist die Auswahl an Naturmaterialien für Outdoortextilien relativ klein. Neben den tierischen Stoffen Leder und Wolle (Seide kann man hier vernachlässigen) gibt es noch die pflanzlichen Stoffe Baumwolle und die Regeneratfasern. Letztere sind „chemische Naturfasern“ wie Viskose, Modal und Lyocell (die wir hier im Blog schon vorgestellt haben). Sie bestehen aus mehr oder weniger verholztem Pflanzenmaterial, das in chemischen Bädern eingeweicht und aufbereitet wird.

Wolle: nur Unterwäsche und Norwegerpullis?

Wolle, insbesondere Merinowolle ist bekanntlich eine praktikable und angenehme Möglichkeit für funktionale Textilgewebe. Ihre Herkunft und Gewinnung ist ökologisch gesehen sicher dem Erdöl überlegen. Aber sie ist relativ teuer („freikaufen“ für Privilegierte?) und vom ethischen Standpunkt her bei zweifelhafter Tierhaltung auch nicht immer unbedenklich, auch wenn das Thema Mulesing in der Outdoor-Branche kaum noch eine Rolle spielt.

Es sind überwiegend die weniger aufwändigen Baselayer-Textilien, die zu 100 Prozent aus (Merino)Wolle bestehen. In funktionalen Kleidungsstücken der mittleren und äußeren Bekleidungsschicht ist zwar immer häufiger Wolle enthalten, jedoch nur in Anteilen. Zwar kann eine reine Wolljacke eine durchaus mit einer Softshell- oder Fleecejacke vergleichbare Funktionalität zeigen, doch eine Hardshelljacke kann sie nicht ersetzen. Die Grenzen liegen hier beim Nässeschutz und bei der Waschbarkeit.

Meist sind zudem die Nähte aus Nylon oder anderen Kunststoffen, da sie deutlich strapazierfähiger sind. Daher: Obacht beim Kompostieren! ;)

Ist Baumwolle die plastikfrei-funktional-Lösung?

Als alleiniges Material wird Baumwolle ebenfalls fast nur in weniger funktionalen Shirts und Textilien für leichte Freizeitaktivitäten verarbeitet. Löblicherweise verwenden immer mehr Hersteller ausschließlich Bio-Baumwolle. Zu diesen Herstellern gehört die schwedische Marke Fjällräven, die schon seit langer Zeit für ihre G 1000 Baumwolle bekannt ist. Diese ist ein dicht gewebter Stoff, „der sich dank Greenland Wax an verschiedene Witterungsbedingungen anpassen lässt“. Der Stoff ist atmungsaktiv, kann mit der richtigen Pflege viele Jahre überdauern und ist in fünf Ausführungen mit verschiedenen Schwerpunkten erhältlich (Leichtigkeit, Robustheit, Geschmeidigkeit, …). Klingt super, nur ist G1000 eben keine reine Baumwolle, sondern besteht zu 65 % aus Polyester.

Ähnlich sieht es bei anderen Herstellern aus, die Naturfasern verarbeiten. Deren Baumwolle ist besonders eng gewebt und mit ökologischen Imprägnierungen versehen. Die Kleidungsstücke sind dann wasserabweisend, aber für volle Wasserdichtigkeit reicht es nicht. Laut dem Nachhaltigkeitsportal Utopia reichen diese Jacken für die Stadt oder gelegentliche Wanderungen aus. Man findet im Utopia-Artikel auch gleich einige Kaufvorschläge, deren Nachhaltigkeit sich allerdings auch im Preisniveau widerspiegelt.

Eine tatsächlich wasserdichte und funktionale Outdoorjacke aus 100 % Biobaumwolle ohne Chemikalienzusatz gab es bisher wohl nur versuchsweise von einem kleinen Unternehmerprojekt namens N2R aus Italien. Die N2R Jacke wurde von 2014 bis 2016 auf der Fundraising-Seite der Projektbetreiber angeboten. Es gab mehrere Varianten, die preislich zwischen 250 und 550 Euro lagen. Allem Anschein nach ist die Produktion nicht über den Anfangsstatus hinausgekommen.

Noch Zukunftsmusik: öko, voll funktional und preiswert

Es gibt also noch nicht viel „Zählbares“ in Sachen Baumwolle und Outdoorfunktion. Dennoch spielt das Thema laut Onlinemagazin der Outdoor-Messe ISPO eine große Rolle. Und nicht nur das, unter der Schlagzeile „Baumwolle erobert den Performance-Sektor dank neuer Technologien“ sieht man sogar einen unaufhaltsamen Siegeszug kommen. Dabei wird eine beeindruckende Zahl an High-Tech-Begriffen eingeführt, die alle gut klingen, von meiner Seite aus aber nicht einzuschätzen sind. Auch bleibt offen, wie lange diese Innovationen bis zur Serienreife mit „massentauglichen“ Preisen noch benötigen. Hier ein komprimierter Überblick:

Funktion und Gewichtsreduktion mit neuer Hohlfaser-Technologie: SolucellAir heißt die patentierte Technologie, die innerhalb des Baumwollgarns einen hohlen Kanal schafft und damit Baumwollstoffe zu Funktionskleidung mit höherem Tragekomfort macht. Der hohle Kernbaumwollstoff ist leicht, langanhaltend weich, bietet ein gutes Feuchtigkeitsmanagement und trocknet schnell. Das Ganze kommt ohne Finish oder andere chemische Behandlungen aus.

Atmungsaktiv und trocken mit Dry-Inside: Konkurrenzfähige Atmungsaktivität und effektiver Feuchtigkeitstransport bei geringer Reibung und weicher Haptik soll durch die Dry-Inside-Technologie der Firma Nanotex erreicht werden. Labortests zeigen laut ISPO eine beachtliche funktionale Performance, die der von Polyester sogar überlegen scheint. Allerdings handelt es sich, wie der Firmenname schon verrät, um Funktionen auf Basis von Nanotechnologie, deren ökologische und gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht als gesichert gelten kann.

Gut imprägniert mit Naturally Clean und DropelTech: Die portugiesische Textilspinnerei Tintex hat einen kosten- und ressourceneffizienten Finishing-Prozess in ihre Kollektion eingearbeitet, der saubere Oberflächen und lebhafte Farben ohne aggressive Behandlungen erreicht und sich angenehm glatt anfühlt. Ein ähnliches Finish hört auf den Namen DropelTech. Es ist bluesign-akkreditiert und verschafft Naturfasern ähnliche wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften wie Synthetikstoffen, ohne die Weichheit und Atmungsaktivität zu beeinträchtigen.

Zu diesen hauptsächlich auf technische Funktionalität ausgerichteten Innovationen kommen noch eine Reihe Maßnahmen, die auf Nachhhaltigkeit und Effizienz zielen:

US-Unternehmensplattform für neue und nachhaltige Technologien und Funktionen: „What’s New in Cotton?“ heißt die Plattform US-amerikanischer Baumwollunternehmen, die Innovationen der Baumwoll-Funktionalität vorantreiben will.

Volle Rückverfolgbarkeit mit Fibretrace: Diese Technologie „bettet Markensignaturen in Fasern ein, so dass die vollständige Nachverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette hinweg gewährleistet ist. Die Kombination aus patentierter Faser- und Lasertechnologie bietet Marken ein komplettes Schloss-Schlüssel-System und bietet umfassende Transparenz.“

Weniger Produktionsschritte und Wasserverbrauch durch Zero-D Reactive Pigment: Durch „reaktiven digitalen Pigmentdruck des Designs und robuste Farben“ wird hier „alles in einem Prozess erstellt. Es wird nur so viel Wasser gebraucht, wie auch in einem herkömmlichen Textilfärbeverfahren und kein Abwasser erzeugt.“ Dieser Digitaldruck soll waschbeständig sein und kann auch für andere natürliche Fasern angewandt werden.

Welche Lösungen funktionieren hier und jetzt?

Wie wir sehen, ist im Bereich Naturmaterialien und Outdoorfunktionalität viel Bewegung, doch noch können wir nicht alle Funktionen und schon gar nicht zu günstigen Preisen haben. Wir können uns aber die Wartezeit mit guten Zwischenlösungen versüßen. Wobei „Zwischenlösung“ nicht bedeuten soll, das Teil in die Recyclingtonne zu kloppen, sobald das Baumwollwunder da ist. Nein, die „Kompromissjacke“ darf und soll durchaus lange halten.

Bedarf und Kaufentscheidung

Wie findet man diese möglichst plastikfreie Ideal-Outdoortextilie? Indem man sich zunächst selbst ein paar einfache Fragen stellt und so womöglich herausfindet, dass Naturfaser mit Imprägnierung voll ausreicht. Wofür brauche ich das Teil wirklich? Wenn ich damit zu 95 % im Alltag unterwegs bin und pro Jahr vielleicht zwei Bergwanderungen damit mache, reicht dann nicht eine imprägnierte (Baum)Wolljacke? Wie war das eigentlich bei den Menschen, die vor 30 Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren sind und auch mal bei Wind und Wetter draußen waren? Der heutigen Durchschnittskleidung nach ist ja kaum vorstellbar, wie die das überlebt haben…

Man kann sich auch bewusst machen, dass totale Wasser- und Winddichtigkeit für Aktionen gedacht sind, bei denen es nach dem Regenguss keine Möglichkeiten zum Trocknen und Aufwärmen gibt. Wer im städtischen Alltag oder im Naherholungsgebiet unterwegs ist, hat diese Möglichkeiten normalerweise um die Ecke. Und wer beim Weg von oder zur Arbeit nicht hermetisch geschützt ist und ein bisschen nass wird, muss im Büro oder daheim keine schlimmen Kälteschäden fürchten. Vielleicht reicht es ja, einen Ersatzpulli oder ein Handtuch einzustecken. Für die Hose jedoch, die beim Radeln deutlich stärker nass wird, kommt man um eine Plastiklösung wohl nicht herum. Da kann allerdings auch ein simples Stück Tüte ohne 3 Lagen und Membran gute Dienste leisten.

Abschließend nochmal kurz in den Worten der Nachhaltigkeitsutopi(a)sten: „Um die Umwelt nicht unnötig zu belasten, sollte man sich bei jedem Kauf beraten lassen, welche Produkte und Funktionen man wirklich benötigt – und den gesunden Menschenverstand einsetzen.

The North Face Futurelight

1. Oktober 2019

„Defy the past. Wear the future.“

„Die fortschrittlichste, atmungsaktive und gleichzeitig wasserdichte Bekleidungstechnologie der Welt.“ 

Wenn man so hört und liest, was The North Face über ihre neue Futurelight Technologie schreibt, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass hier die ganz großen Marketing-Kanonen ausgepackt werden. Es ist vielleicht natürlich, dass man da als Verbraucher inzwischen etwas vorsichtig ist, wenn jemand mit derart vielen Superlativen um sich wirft. Bedenkt man aber, dass The North Face für Futurelight sogar Gore-Tex sukzessive aus ihren Produkten „ausbaut“, wird man zwangsläufig erstmals stutzig. Das ist ein ziemlich großer und mutiger Schritt.

Wir wollen im Folgenden mal kurz aufdröseln, was das neue Futurelight kann, was daran so „revolutionär“ ist und wie unsere Einschätzung dazu aussieht.

Das Geheimnis heißt ‚Nanospinning‘

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Schritt nicht von heute auf morgen gegangen wird. Dafür steht immerhin der gute Ruf von The North Face auf dem Spiel. Also lies man sich bei beim Entwickeln und Testen von Futurelight Zeit. Viel Zeit. 2,5 Jahre und 400 Testtage am Athleten um genau zu sein. Ganz am Anfang stand die Suche nach einer neuartigen Technologie und die Frage, ob es nicht möglich ist wasserdichte Bekleidung zu entwickeln die so atmungsaktiv ist, dass man auf Tour nicht ständig die Klamotten wechseln muss.

Auf der Suche nach einer neuen Fertigungsstätte wurde man schließlich in Vietnam fündig. Dort entwickelte The North Face in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MXP das sogenannte Nanospinning. Aus ca. 200.000 Düsen, wird ein wenige Nanometer großer Faden geschossen und auf ein Trägermaterial aufgebracht. Zum Vergleich, ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ca. 0,6 – 0,8 mm. Die Fäden sind um den Faktor 1000 bis 10.000 dünner.

Durch die Überlagerung der Fasern beim Aufspritzen entsteht ein Film – die Futurelight-Membran. Man kann sich das ganze also wie ein großes Netz vorstellen, nur eben mit mikroskopisch kleinen Löchern. Die Funktionsweise ist also ähnlich wie bei anderen mikroporösen Membranen, die allerdings in der Regel aus einem expandierten Kunststoff bestehen. Durch diesen Expansionsprozess entstehen unterschiedlich große Löcher. Eine gute Atmungsaktivität ist auch hier gegeben, dennoch erreicht man mit dem Nanospinning verfahren nochmal deutlich größere Poren und damit auch eine höhere Atmungsaktivität – so zumindest die Theorie.

Wie wasserdicht ist Futurelight?

Natürlich zu 100%. Ist doch klar. Eigentlich könnten wir den Absatz recht kurz halten, wenn man allerdings tiefer recherchiert, findet man keine Daten zur Wassersäule oder ähnlichem. Dabei sind wir Verbraucher doch gewohnt, alles einmal schwarz auf weiß lesen zu können! Nun ist es im Hause The North Face schon immer gute Sitte, keine weiteren Angaben zu Wasserdichtigkeit zu machen, was folgenden Hintergrund hat:

Wenn The North Face ein Produkt als wasserdicht bewirbt, ist es das auch. Und zwar angepasst für den jeweiligen Einsatzzweck. Eine Jacke, die zum Höhenbergsteigen gebaut ist, hält dem zu erwartenden Wetter genauso stand, wie eine Casual-Regenjacke den Gassi-Geher vor alltäglichem Regen schützt, letztere ist aber nicht unbedingt für den Himalaja geeignet.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, warum man bei The North Face mit Werten vorsichtig ist. In den USA gelten deutlich strengere Vorschriften bzgl. der Angaben. Dort muss eine Wassersäule über 10 Jahre garantiert sein. Ansonsten kann das Unternehmen verklagt werden – und zwar auf den Firmenwert, was bei The North Face keine kleine Summe ist. Es gibt keine Zweifel, dass Futurelight das locker packt, aber wir alle wissen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen und bei so manch kuriosen Urteilen aus den USA wäre man als Firmenchef wohl auch lieber etwas defensiver in dieser Hinsicht.

Um die letzten Zweifler zu überzeugen hat The North Face ihre neue Technologie von den Underwriter Labs testen lassen. Eine unabhängige Organisation, die unter anderem das Material für die US-amerikanische National Fire Protection Association testet. Futurelight hat über eine Stunde lang ca. 750 Liter Wasser locker abgehalten – ohne mit der Nano-Wimper zu zucken.

Der Tragekomfort und die Widerstandsfähigkeit von Futurelight

Wir haben schon erklärt, dass Futurelight aus kleinen Nano-Fäden besteht, die übereinander gelagert sind. Der große Vorteil neben der hohen Atmungsaktivität: Das Material ist von Haus aus dehnbar und kann diesbezüglich auch modular angepasst werden. Genauso verhält es sich mit der Robustheit – wobei die noch maßgeblich von Außen- und Innenmaterial beeinflusst wird.

Futurelight ist immer ein dreilagiges Laminat, wobei die eigentliche Membran als Mittelschicht fungiert. Alle drei Schichten werden auf das jeweilige Produkt angepasst. So ist zum Beispiel die Flight Jacket für Läufer deutlich leichter und noch eine Ecke atmungsaktiver gestaltet, während die Summit L5 als Hochtourenjacke natürlich schwerer, aber dafür deutlich robuster ist.

Richtig spannend wird es aber beim Tragekomfort. Dadurch, dass Futurelight dehnbar ist, fühlt es sich mehr nach Softshell denn nach Hardshell an und raschelt auch eine ganze Ecke weniger. Um mal vorzugreifen: Das war ein Punkt, der uns besonders gut gefallen hat.

Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit bei Futurelight?

Eines der großen Buzzwords, das sowohl die Outdoor-Branche, als auch die Gesellschaft aktuell nicht los lässt. Und auch bei der Entwicklung von Futurelight war von Anfang an klar, dass die Themen Nachhaltigkeit und Ethik eine wichtige Rolle spielten sollen. Das fing bei der Wahl der Produktionsstätte an. Der vietnamesische Zulieferer hat hohe ethische Standards etabliert und arbeitet ressourcensparend.

Das Futurelight Laminat selbst besteht zu einem Großteil aus recycelten Materialien. Ausgerechnet die Membran selbst bildet aber die große Ausnahme. Für das beim Nanospinning verwendete Polyurethan gibt es bisher leider noch keinen für Futurelight verwertbaren Recycling-Rohstoff. Das Gleiche gilt für den Elasthan-Anteil, der in manchen Produkten verarbeitet ist. Auch Elasthan lässt sich noch nicht so gut wiederverwerten, wie es für Futurelight nötig wäre. Außen- und Innenmaterial sind unterm Strich zu ca. 90% recycelt.

In Sachen Imprägnierung können wir ganz klar sagen: Die ist PFC-frei! Wohoo! Schöne Sache. Im Labor war zudem nach 80 Wäschen noch ca. 80% der Imprägnierungsleistung vorhanden. Die Laborwerte lassen sich natürlich nur bedingt auf den Außeneinsatz übertragen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Imprägnierung ein Weilchen halten dürfte.

Wie schlägt sich Futurelight in der Praxis?

Tja, blumige Versprechungen sind schnell gegeben. Am besten ist es doch, wenn man mal selbst Hand anlegen darf. Bisher haben vier Bergfreunde ihre Erfahrungen mit Futurelight gemacht: Mia hatte die Flight Jacket aus der Flight Series für einige Wochen beim Laufen und gelegentlich beim Radfahren im Einsatz. Gearhead Hannah und Jonas aus unserer Online-Redaktion waren vor kurzem am Dachtstein zum Bergsteigen in Futurelight-Hülle und Benedikt aus unserem Einkaufsteam durfte die Futurelight-Sachen auf Skitour testen.

Die Meinungen sind relativ einhellig: da scheint jemand seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Wie gut, dass wird sicher die Zeit zeigen. Mia, Hannah und Jonas hatten jedenfalls ihre Mühe, ein Haar in der Suppe zu finden. Neben der optimierten Atmungsaktivität waren sie durch die Bank vom hohen Tragekomfort begeistert. Futurelight raschelt deutlich weniger als andere Hardshells und trägt sich sehr angenehm.

Wir müssen natürlich dazu sagen, dass wir die Produkte noch keinem wirklichen Langzeittest unterziehen konnten. Dennoch dürfte Futurelight unserer Einschätzung nach alles andere als ein Reinfall werden. Zumal Neuentwicklungen nie schlecht sind. Futurelight wird in der Outdoor-Branche für frischen Wind sorgen – da sind wir uns sicher!

Jotunheimen: Zwischen Massentourismus und Abenteuer

22. August 2019

Noch nie hatte ich eine Gegend dermaßen unterschätzt wie das norwegische Jotunheimen-Gebirge. Und das in mehrfacher Hinsicht. Eigentlich wollte ich auch gar nicht dorthin, sondern in eine weniger bekannte Ecke zwischen Fjorden und Gletschern. Erst zwei Tage vor Abreise brachte mich die ernüchternde Wetterprognose für die Westküste zur Umentscheidung.

Jotunheimen war keine „Priorität“ für mich, obwohl es laut Visit Norwayeine nahezu unberührte Bergregion in Ostnorwegen“ ist, die mit dem Galdhøpiggen (2469 m) und dem Glittertind (2464 m) nicht nur die höchsten Berge Skandinaviens, sondern auch „Wasserfälle, Flüsse, Seen, Gletscher und Täler“ beherbergt.

Ich hatte eben ein paar Vorurteile. „Zu voll“ dachte ich sei es im „beliebtesten Nationalpark Norwegens“. Weil auf der Karte wirkte das Ganze irgendwie klein auf mich. Die Höhenunterschiede zwischen Tal und Gipfel erreichen kaum mal irgendwo die Tausend Meter. Zwar gibt es viele schöne Fotos zu googeln, doch nach den Superlativen und Sensationen sucht der Alpinist vergeblich.

Es kommt nicht (immer) auf die Höhe an

Tja, hätte ich mal genauer hingeschaut. Die Wirklichkeit erweist sich als ganz anders. Einmal dort, muss man nicht mal die eng sitzende Alpinistenbrille abnehmen, um sofort zu verstehen, warum diese Landschaft „Heim der Riesen“ heißt. Sie ist ein perfektes Zusammenspiel von Höhe und Weite. Eine wie absichtlich von den nordischen Göttern arrangierte Komposition aus Himmel und Erde, Fels und Eis, Wasser und Schnee, Gras, Flechten, Moos und Blumen. Für die oft atemberaubende Schönheit spielt das Wasser eine entscheidende Rolle: Es bildet nicht nur (schmelzende) Gletscher und Schneefelder, sondern unzählige Seen, die im wechselnden Licht schimmern und glänzen wie Edelsteine. Sie sind der Schmuck, mit dem sich dieses Gebirge so reich behängt wie kaum ein anderes.

Die befürchtete „Überfüllung“

Das „kleine Gebiet“, das ich vorher für Jotunheimen hielt, ist nur die etwa 20 Kilometer durchmessende Kernzone mit touristischen Anziehungspunkten wie dem Gjendesee und den motorisiert erreichbaren Stützpunkten Leirvassbu und Spiterstulen. Insgesamt umfasst das Gebirge jedoch eine Fläche von mindestens 50 mal 50 Kilometern. Selbst wenn an manchen Sommertagen ein paar Tausend Menschen hier unterwegs sind, verteilen sie sich auf eine Fläche von der dreifachen Größe Berlins. Und der Großteil dieser Menschen ist auf Highlights wie dem Besseggen-Grat versammelt …

Die Tour: Durchquerung von West nach Ost

Startpunkt ist Øvre Årdal, ein Städtchen am hintersten Seitenarm des weit verzweigten  Sognefjords. Ich starte hier, weil ich mir von dem ins Meer mündenden Utladalen mit den darüber aufragenden Hurrungane-Bergen spektakuläre Eindrücke erhoffe (und auch bekomme).

Von Øvre Årdal sind es gut zwei Kilometer bis zum Campingplatz Svalheim, auf dem ich einen Erholungstag von der episch langen Anreise aus Süddeutschland einlege.

Tag 1

Erstaunlicherweise hält der Bus, der das Utladalen talaufwärts fährt, hier nicht. So darf ich mich am ersten Tourentag auf gut fünf Kilometern Asphalt warmlaufen, bevor der Wanderweg beginnt. Am engen Boden des schluchtartigen Tals schlängelt er sich dann bis zur Touristenunterkunft Vetti Gard entlang, bevor es steil durch Wald und Unterholz auf die idyllische Hochebene Vettismorki geht. Dort passiert man den beeindruckenden Vettisfossen, mit 275 Metern der höchste unregulierte Wasserfall Norwegens. Erst jetzt öffnen sich nach und nach die Blicke auf umgebende Berge und Landschaften.

Es folgt der nächste steile Anstieg auf das nächste Plateau. Die Blicke auf das gegenüberliegende, schroff gezackte Hurrungane Massiv und den Canyon des Utladalen sind großes Kino. Doch auch die fast 1000 zurückgelegten Höhenmeter machen sich bemerkbar. Nicht zuletzt wegen des Rucksacks, der neben Zelt, Schlafsack und Isomatte auch Proviant für mehrere Tage und ein völlig unnötiges Notebook beherbergt. Es kommen nochmal 300 Höhenmeter hinzu, bevor es auf den letzten Kilometern wieder 400 Höhenmeter zur Hütte Skogadalsbøen hinuntergeht. Die lasse ich links liegen und wandere das sich östlich öffnende Skogadalen hinauf. Ich hoffe, so schnell wie möglich eine geeignete Stelle fürs Zelt zu finden. Ich bin nicht nur total platt und durchgeschwitzt, sondern auch verblüfft, schon 9 Stunden unterwegs zu sein. Dass ich die Länge der Strecke so unterschätze, liegt auch an meiner rudimentären Planung samt improvisiertem Kartenmaterial (mehr dazu im Infoteil unten).

Zum Glück gibt der lichte Wald ein paar Quadratmeter gemütliche Wiese direkt am Fluss frei. Das abendliche Bad darin ist Wellness pur, der Schlaf im luftig-lichten Innenzelt ebenso.

Tag 2

Das Ziel heute lautet „mitten rein“ ins Jotunheimen, was ich irgendwo in der Nähe der Selbstversorgerhütte Olavsbu verorte. Das Skogadalen hinauf geht es in leichtem Anstieg und begleitet von penetranten Pferdebremsen wieder über die Baumgrenze hinaus. Irgendwann soll laut der Linie auf meiner Handyfoto-Karte links der Abzweig nach Olavsbu kommen. Er kommt auch, nur etwa eineinhalb Stunden und eine Flußdurchwatung später als erwartet. Das sehr lange Tal ist schön, bietet aber nicht allzu viel optische Abwechslung. Dafür entschädigt der nun zu überwindende Bergrücken mit umso gewaltigeren Blicken. Ein erster verheißungsvoller Einblick ins Innere des Jotunheimen.

Der Restweg zum auserkorenen Zeltplatz nahe Olavsbu ist ein heiter beschwingtes Schreiten durch erhabene Berglandschaft. Naja, abgesehen von der Schwitzerei. Und diesem bei manchen Rucksackbewegungen gruselig stechenden Schmerz zwischen Nacken und linker Schulter. Und den nicht genug eingesprühten Sonnenbrandstellen, die weiter der knallenden Sonne ausgesetzt sind. Und den jeweils etwas drei bis vier entstehenden Blasen unter beiden Füßen, die ich mit immer mehr Tape einzudämmen versuche. Und war ich etwa schon wieder jenseits der 8 Stunden Marke? Ich bin jedenfalls froh, als es bei Sonnenuntergang endlich in den Schlafsack geht …

Tag 3: Gipfeltag

Ich brauche definitiv einen Regenerationstag ohne den gefühlten Hundert Kilo Rucksack. Es wird eine 5-Stunden Regenerationstour, einen Berg rauf und runter, der mir am Vortag als formschöne und machbar aussehende Pyramide aufgefallen war. Er entpuppt sich tatsächlich als machbar, ziemlich easy sogar. Es ist wohl der erste größere Berg, den ich spontan, ohne vorher überlegte Route und ohne Kenntnis seines Namens besteige. Ein wunderbares Gefühl, vielleicht ein bisschen so wie in alten Pionierzeiten. Vor allem auch deshalb, weil ich den Berg ganz für mich allein habe. Unglaublich eigentlich, an diesem herrlichen Hochsommertag an einem Wochenende, direkt neben einer der „Hauptrouten“ des Jotunheimen. Liegt es daran, dass es keinen markierten Weg gibt? Taucht der Berg in keinem Wanderführer auf? Ich weiß es nicht und es ist mir auch wurscht. Ich genieße zwei Stunden lang die unglaubliche Aussicht auf dem Gipfel.

Zurück am Zelt mache ich einen Abstecher zur benachbarten Hütte. Olavsbu ist unbewirtet aber komfortabel ausgestattet. An der großen Wandkarte im Vorraum sehe ich den Namen und die Höhe „meines“ Bergs: Skarddalstinden, 2100 moh. Dann sah ich noch etwas in der laminierten Preisliste der Hütte: wer sich im Gastraum aufhält, auch nur kurz, hat 90 Kronen zu zahlen. Alles klar, ich bin dann mal weg.

Entscheidungen

Abends steht eine Entscheidung an: der faule, manchmal etwas weinerliche Hund in mir schlägt vor, morgen nach Leirvassbu zu gehen und so binnen einer Tagesetappe die zivilisatorischen Annehmlichkeiten wieder greifbar zu haben. Seine Argumente sind Ausgepumptheit und Wehwehchen. Der neugierige Abenteurer will hingegen nach Osten, wo er große Natureindrücke bei schönstem Wetter verspricht. Die es allerdings nur um den Preis zweier weiterer richtig strammer Marschtage gibt. Okay, nicht ganz, sie könnten mit einer sündhaft teuren Bootsfahrt und/oder dem Auslassen des Besseggengrats enorm abgekürzt werden. Doch das wäre für den Abenteurer ein nicht vermittelbarer Gesichtsverlust. VerdaJommt, können diese inneren Kämpfe nicht mal im Urlaub aufhören? …

Tag 4

Es geht nach Osten, entlang einer Perlenkette an Seen in Richtung der Hütte Gjendebu. Der Weg ist abwechslungsreich mit sich überraschend öffnenden Blicken. Vorbei an einer grandiosen  Hochplateau-Szenerie geht es ins grüne Vesladalen auf den 20 Kilometer langen Gjendesee zu. In Gjendebu mache ich in einem prachtvollen Gastraum Pause, bevor es kurz den Gjendesee entlang und einen supersteilen, teils gesicherten Aufstieg auf das Plateau Bukkelægret hinaufgeht. Auf diesem Plateau hoffe ich den perfekten Zeltplatz zu finden. Und ich finde ihn, wenige Meter von einem glasklaren Seeauge, nicht zu weit vom Weg entfernt und mit freier Traumaussicht in alle Richtungen. Auch der Wunsch nach wenig Wind wird erfüllt. Wieder bin ich verwundert, einen unglaublich schönen Ort für mich allein zu haben. Ich nehme das Geschenk gern an und verbringe die Stunden bis zum Sonnenuntergang mit einem Bad im See, mit Essen, mit Schauen und mit Staunen.

Tag 5

Der letzte Tourentag führt mich auf einen der laut National Geographic „Top 20 Hikes weltweit“: den Besseggen-Grat. Doch zunächst steht der Abstieg nach Memurubu an, dem „offiziellen“ Ausgangspunkt der Tour. Zum Aufwärmen führt der Weg kontinuierlich leicht bergan, um dann einem spektakulär gelegenen Kamm folgend zum steilen Abstiegs-Endspurt nach Memurubu anzusetzen. Memurubu ist ein weiterer Hütten-Gebäudekomplex mit Bootsanleger. Die meisten Besseggengrat-Wanderer steigen hier aus dem Boot und laufen die Tour zurück zum Ausgangspunkt Gjendesheim. Auf die leichten Rucksäcke bin ich neidisch, doch es finden sich auch viele schwer bepackte „Leidensgenossen“ in der Karawane. Ich frage mich, wo sie alle herkommen. Das Kontrasterlebnis in Bezug auf Menschenmengen verglichen mit den Vortagen entspricht ungefähr dem zwischen Einsiedelei und Alexanderplatz.

Doch das soll kein Lamento sein. Im Gegenteil, ich freue mich über freundliche Grüße, beobachte Kinder, Hunde und Selfie-Filmer, die anscheinend zu ihren Followern ins Tablet quasseln. Auch das gelegentliche fast-auf-die-Füße-latschen an Engstellen stört mich nicht, da Umgebung und Aussichten viel zu fantastisch sind, um sich über irgendetwas aufzuregen.

Zwar halte ich nichts davon, Outdoorerlebnis zu raten und zu ranken, doch dieser Besseggen-Hike wird völlig zu Recht von National Geographic hervorgehoben. Zu den Highlights zählen nicht nur die nette Kraxelei und der berühmte „Zwei-Seen-in-unterschiedlicher-Farbe-Blick“, sondern auch die Abwechslung der Eindrücke und das Panorama auf dem Veslfjellet, das gefühlt halb Norwegen umfasst.

Absolut zufrieden und reichlich platt komme ich abends am Campingplatz Maurvangen an und bin zurück in der „Zivilisation“.

Begleiterscheinungen: körperliche Verausgabung, geistige Erholung

Nach fünf Tagen Trekking von „Rückkehr in die Zivilisation“ zu schreiben, ist etwas dick aufgetragen, doch die Zeit reicht für interessante Beobachtungen. Zum Beispiel die, dass die Zeit „draußen“ ungeachtet körperlicher Anstrengungen eine enorme geistige Erholung bringt. Wie das funktioniert? Dazu habe ich zwei Theorien.

  1. Das Hirn hat während der Tage in der Natur weit weniger Eindrücke zu verarbeiten und das Erleben ist sehr auf den Moment und die Körperaktivitäten bezogen. Da bleibt nicht viel Raum für das alltägliche Umherschwirren in Zukunft und Vergangenheit des eigenen Lebens und der Weltgeschichte. Und es fällt auf, wie viel Energie dieses Umherschwirren eigentlich verbraucht. Das Draußensein und die körperliche Aktivität sorgen eindeutig für weniger Gedankensalat und mehr gegenwärtige Wahrnehmung. Und das ist ein ziemlich erholsamer Zustand, dessen wohltuende Wirkungen noch Wochen später zu spüren sind.
  2. Die in Mitteleuropa nicht zu habende, weiträumige Abwesenheit von Stromleitungen, Handymasten, W-Lans, mobilem Internet, Straßen und Fluglärm ist ebenfalls purer Wellnessurlaub für Hirn und Nerven. Den „Skeptikern“, denen das zu „esoterisch“ klingt, kann ich nur empfehlen, es einfach mal selbst zu probieren :-)

Praktische Infos

Anreise, Kosten

Von Oslo aus fährt u.a. das Unternehmen Nor-Way mit der Linie Valdresekspressen im Sommer mehrmals täglich nach Gjendesheim im Osten, Lom und Leirvassbu im Norden und, mit umsteigen, Øvre Årdal im Westen.

Für Busse, Bahnen, Essen und Unterkünfte legt man im Schnitt etwa das Doppelte der in Deutschland gewohnten Preise auf den Tisch. Ein Vorratseinkauf in einer billigen Supermarktkette wie „Rema 1000“ kostet etwa soviel wie ein Alnatura-Einkauf hierzulande.

Jotunheimen ist großteils Nationalpark, kostet aber keinen Eintritt. Das Jedermannsrecht mit legalem Frei-Zelten gilt meines Wissens nach auch im Nationalpark überall.

Übernachten: Hütten, Camping, Wild zelten

Es gibt genügend Hütten, um theoretisch das ganze Gebirge mit einem leichten Tagesrucksack zu durchqueren. Angesichts von um die Hundert Euro pro Tag, die der Spaß auf diese Weise kosten dürfte, ist das volle Naturerlebnis beim Zelten vielleicht doch schöner. Ich umkurvte die norwegischen Preise mithilfe eines prall gefüllten Vorratsbeutels und perfekten Wetters. Letzteres machte es einfach, das freie Zeltens voll auszukosten. Normalerweise zeigt sich das Wetter nicht so gnädig. Dann dürfte es sinnvoll sein, teils zu zelten und teils die Hütten zu nutzen.

Wege und Gelände

Die „Widerspenstigkeit“ des Terrains ist einer der Faktoren, die ich unterschätzt hatte. Ein Großteil der hier vorgeschlagenen Tour ist auf Wegen zurückzulegen, die mit Steinen in allen Größen gespickt sind. Hinzu kommen jede Menge kleiner Wasserläufe und Schlammpassagen. Was wie eine schöne Wiese zum Zelten aussieht, entpuppt sich nicht selten als Sumpf. Längere Passagen auf komfortablen Wanderpfaden gibt es nach meinem Eindruck im Osten Jotunheimens häufiger als im Westen. Auch Infrastruktur und Frequentierung zeigen ein „Ost-West Gefälle“ (nach Osten zunehmend).

Wasser, Verpflegung

Wasser ist überall in trinkbarer Qualität vorhanden. Ich hatte eine Halbliterflasche am Rucksack, die ich immer wieder an Gewässern nachfüllte. Bei Gipfeltouren sollte man etwas mehr Wasservorrat dabei haben.

In den bewirteten Hütten werden warme Mahlzeiten angeboten. Das Angebot an Verpflegung für unterwegs scheint sich auf Knabberzeug und Süßigkeiten zu beschränken.

Wetter/Klima, „beste“ Jahreszeit

Hauptsaison ist natürlich der kurze Sommer im Juli und August. Auf den Hochflächen und in den Hochtälern kann es jederzeit ungemütlich werden, denn es gibt kaum Schutz vor den Elementen. Also auch nicht vor der Sonne, die sich bei meiner Tour als echte Herausforderung entpuppte.

Auch in der Waldzone bieten die kleinen Bäume nicht allzu viel Schutz. Sie stehen auch oft eng beieinander, auf sumpfigem und unebenem Boden.

Ausrüstung

Ich nenne hier keine Komplettliste der Trekking-Standards, sondern nur einige Besonderheiten, die man womöglich nicht auf der Rechnung hat:

Sonnencreme: normalerweise Sonnencrememuffel habe ich in Norwegen binnen 5 Tagen an die 100 ml verbraucht. Und fühlte mich mit Faktor 20 grenzwertig niedrig versorgt.

Wasserfeste Sandalen/Crocs: Wasserläufe sind oft zu queren. Im komplexen Gelände ohne erkennbaren Weg kann das Waten zeitsparender sein als die Suche nach der trockenen Fußes querbaren Stelle.

Stabile, atmungsaktive und wasserfeste Bergschuhe, die fest am Fuß sitzen, sind kein Luxus, sondern Pflicht.

Spezial-Ultrageheimtipp: Auf 61° nördlicher Breite wird es Ende Juli die ganze Nacht nicht richtig dunkel. Das kann einen lichtempfindlichen Schläfer zum Wahnsinn treiben. Die Schlafmaske vom DM für Zweifünfundvierzig war womöglich mein wichtigster Ausrüstungsgegenstand.

Orientierung, Karten

„Schnell mal online checken“ ist nicht, da wie gesagt weder Handyempfang noch mobiles Internet. Was auch gut so ist.

Der ganze hier beschriebene Weg ist durchgängig markiert. Einen klar erkennbaren Pfad hat man jedoch nur bei weichem Untergrund. Die meiste Zeit verbringt man in schrofigem und steinigem Gelände, das sich auch gern mal zu kleinen Labyrinthen aus Hügeln auffaltet. Da ist der Wegverlauf dann nicht mehr offensichtlich und es kann etwas dauern, bis man die nächste Markierung entdeckt.

Da meine Jotunheimen Tour eine Kurzfristentscheidung war, hatte ich nur noch Zeit für ein paar abfotografierte Kartenausschnitte aus der Website norgeskart.no. Diese etwa zehn Karten-Fotos lösten für Details im Gelände natürlich viel zu schlecht auf und wären für eine Navigation bei schlechtem Wetter völlig unzureichend gewesen. Besser ist da schon die hier bei den Bergfreunden erhältliche Satmap Norwegen. Idealerweise greift man auf die guten alten Papierkarten zurück, von denen es für Jotunheimen reichlich Auswahl in guter Qualität gibt.

Sicherheit

Wie man unnötige Risiken im Fjell vermeidet, kann man hier bei Visit Norway nachlesen. Wer allein gehen und es noch etwas fundierter wissen möchte, findet hier im Basislager einen Artikel über die Notfallvorsorge auf Solotouren.

Unter den vielen Blogs, die es zu Touren in Jotunheimen gibt, fand ich den Touren-Wegweiser mit seinen vielen praktischen Tipps besonders informativ.

So, damit sollte das pralle und hoffentlich kurzweilige Jotunheimen-Infopaket fertig geschnürt sein. Wenn du Lust bekommen hast, dort selbst herumzustreifen, sehen wir uns vielleicht in einem der nächsten Sommer dort. Denn ich muss mindestens noch einmal dorthin …

Big Wall Light Teil 2 – die wichtigste Ausrüstung

15. August 2019

Im ersten Teil dieser Serie wird der Titel „Big Wall Light“ erklärt und es finden sich dort ein paar wichtige Hinweise – also bitte lesen! Hier im zweiten Teil geht es um die entscheidenden Ausrüstungsteile. Um den Rahmen nicht zu sprengen, versuche ich mich kurz zu fassen. Auf allgemeine, eher unspezifische Themen wie z. B. Kleidung, Verpflegung oder Notfallausrüstung gehe ich deshalb nicht ein. Auf mobile Sicherungsmittel usw. nur ganz am Rande. Zu all diesen Themen sind viele gute Informationen verfügbar bzw. wird der Leser auf seine eigenen Erfahrungen setzen.

Persönliche Ausrüstung

Handschuhe

Zum Schutz der Hände leichte Lederhandschuhe mit freien Fingerkuppen. Mit solchen Handschuhen kann man noch ganz gut Freiklettern und hat genug Fingerspitzengefühl beim Materialhandling. Man kann sie ggf. selbst herstellen, indem man gutsitzende Arbeitshandschuhe zurechtstutzt und mit Tape verstärkt. Je nach Route zusätzlich oder alternativ auch Risskletterhandschuhe. Außerdem dünne Lederhandschuhe für Zu- und Abstiege und das Abseilen. Alte Fixseile, Granitsand, Nässe usw. zerstören ansonsten schnell die Haut an den Händen.

Schuhwerk

Für die meisten Aktionen eignen sich klettertaugliche Approachschuhe mit einer eher harten Sohle. Mit solchen kann man auch mal länger in der Leiter stehen. Für einfache Zu- und Abstiege sind Trailrunningschuhe ideal (weil sehr leicht). Für grobe Einsätze bzw. hochalpines Gelände nimmt man am besten bedingt steigeisenfeste Leichtbergstiefel.

Kletterschuhe

Auch wenn überwiegend technische Kletterei erwartet wird: Oft lässt sich viel mehr frei bzw. AO klettern, als man denkt – sofern man Kletterschuhe trägt! Diese sollten so bequem sein, dass man sie an den Standplätzen nicht ausziehen muss (spart Zeit und Nerven). Wichtig ist auch eine harte Sohle, um schmerzfrei in der Leiter stehen zu können. Für schwerere Freiklettereien gelten natürlich andere Ansprüche. Hier sind präzise Schuhe mit Klettverschlüssen vorteilhaft (am Stand Ferse raus und Klettverschluss gleich wieder schließen, damit der Schuh nicht verloren geht).

Klettergurt

Ein bequemer Allround-Hüftgurt mit stabilen(!) Materialschlaufen funktioniert super. Es braucht kein spezieller Bigwall-Gurt zu sein, denn ein solcher wäre hier schon wieder zu viel des Guten. Am Gurt: Reverso (o. Ä.), Kurzprusik, 5 m Kevlar-Reepschnur, kleines Seilmesser.

Verstellbare Selbstsicherungsschlinge

Anstelle von klassischen Daisy Chains empfehle ich die Verwendung von längenverstellbaren Schlingen. Die Connect Adjust von Petzl ist in vielen Situationen top, beispielsweise beim Arbeiten im Hängestand, als Selbstsicherung beim Abseilen oder als Verbindung zu den Steigklemmen beim Jümarn. Das Original-Seil ist für meinen Geschmack allerdings zu dick und zu schwergängig (und je nach Einsatz auch zu kurz). Ich verwende deshalb ein etwas dünneres Seil, welches ich mit einem Achterknoten am Gurt einbinde (möglichst eng durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse). Als Karabiner nimmt man am besten einen leichten Keylock-Schrauber. Den mitgelieferten Gummi-Puffer mit etwas Tape am Karabiner fixieren, sonst verrutscht er. Nachteil des Petzl-Systems: Es lässt sich nicht so einfach verlängern. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich beim technischen Klettern damit quasi blockieren (gilt übrigens genauso für die Variante „Evolv Adjust“).

Positionierungsschlinge

Deshalb für längere Aid-Passagen (zusätzlich) eine Metolius Easy Daisy, bzw. für schwierige Routen zwei. Diese stufenlos verstellbaren Schlingen sind perfekt fürs technische Klettern (mehr dazu im nächsten Teil). Allerdings dürfen sie nicht als Selbstsicherungsschlingen verstanden werden. Vermutlich um dies klar zu machen, gibt Metolius die Bruchlast mit 1,3 kN an. Auch wenn diese tatsächlich wohl deutlich höher liegt, muss jederzeit eine von diesen Schlingen unabhängige Sicherung gewährleistet sein!

Trittleiter

Für einfache Routen reicht oft eine einzelne Leiter pro Person, in Kombination mit der zuvor beschriebenen Schlinge von Metolius. In den meisten Fällen wird der Vorsteiger aber mit zwei Leitern klettern wollen. Kann der Nachsteiger alles Jümarn bzw. ohne Leitern klettern, braucht er nicht zwingend welche mitzunehmen. Am besten sind symmetrische Bandleitern, die oben mit einer Alusprosse o. Ä. offengehalten werden.

Es gibt solche z. B. von Cassin (Ladder Aider – die leichte Variante) oder Yates (Speed Wall Ladder – die komfortable Variante). Asymmetrische Bandleitern verdrehen sich häufig. Dafür sind meist leichter und kleiner im Packmaß. Ich verwende relativ kurze Leitern. Je länger, desto größer ihr Packmaß und desto eher können sie sich irgendwo verhaken. Meine Speed Wall Ladders habe ich beispielsweise um eine Sprosse gekürzt. Jede Leiter wird mit einem soliden Keylock-Schnapper ausgestattet. Damit clippt man sie in Fixpunkte bzw. zum Transport an den Gurt. Das früher übliche System mit Fifihaken und Fangschnur zum Nachziehen der Leiter wird beim modernen Techno-Klettern nicht mehr angewandt.

Gearsling

Hat man viel Hardware dabei, kommt man kaum um eine solche Materialschlinge herum. Ansonsten ist es Geschmacksache, wie man sein Material organisiert. Eher große, kräftige Kletterer können mit einer 60-cm-Bandschlinge improvisieren. Für kleine Kletterer ist eine solche evtl. zu lang – das Material hinge dann zu tief. Dann besser eine längenverstellbare Gearsling verwenden oder selbst etwas basteln.

Hardware für die Seilschaft

Grigri

Fürs Sichern des Vorsteigers vom Körper empfiehlt sich ein Petzl Grigri. Es funktioniert bestens in Kombination mit einem mitteldicken (s. u.), leicht pelzigen Einfachseil. Und es ist, sagen wir einmal, recht fehlertolerant. Die Realität ist: Vorstiege in Bigwall-Routen können lange dauern und der Sicherer muss schon einmal dies oder das nebenher erledigen… Am besten kombiniert man das Grigri mit einem leichten Ballock-Karabiner.

Fifi

Einen Fifi-Haken braucht man zwar nicht zwingend, allerdings ist er empfehlenswert für Routen mit längeren, anspruchsvollen Aid-Passagen. Der Vorsteiger verbindet den Fifi mittels kleiner Bandschlinge am Klettergurt (einschlaufen mit Ankerstich). Der Fifi lässt sich während des Vorstiegs dann schnell in Fixpunkte ein- und aushängen – z. B. um den nächsten Fixpunkt aus einer kraftsparenden Position anzubringen.

Jümar-Kit

In den meisten Fällen reicht ein Satz Handsteigklemmen pro Seilschaft, also eine Klemme für links und eine für rechts. Zusätzlich empfehle ich ein Backup-System, welches aus einem Tibloc mit Ovalkarabiner (Schrauber) und einer 30-cm-Dyneemabandschlinge besteht. Dazu noch längenverstellbare Trittschlingen, die in die Handsteigklemmen eingeclippt werden. Eine Trittschlinge reicht in vielen Routen aus. Für lange Strecken in geneigtem Gelände besser zwei.

Zum Haulen

Als Rücklaufsperre fürs Haulseil eine Petzl Micro Traxion oder den neuen Spoc von Edelrid (noch leichter und noch bissiger).

Fürs Bodyhauling bei schwereren Säcken zusätzlich einen Wild Country Ropeman oder für dünne Leinen besser einen Ropeman 2.

Außerdem noch einen Haulbagwirbel. Eingebaut zwischen Sack und Haulseil verhindert dieser ein Verdrehen des Seils. Für leichte Säcke gibt es mit dem Grivel Rotor einen ganz leichten Wirbel mit integriertem Karabiner.

Exen, Bandschlingen, Normalkarabiner

Beim Technischen Klettern braucht man meist viel mehr Schnapper als gedacht. Insbesondere, wenn man sich lange Risspuren mit Klemmkeilen und/oder Beaks (mit Schlinge ausgestattet) hocharbeitet. Erlaubt es die Seilführung, clippt man diese nämlich mit einem einzelnen Schnapper ins Seil. Hierfür wären Ovalkarabiner angenehm. Aber da diese zu schwer sind und man ja wahrscheinlich eh keine besitzt, muss es mit normalen Schnappern gehen! Cams clippt man, sofern es der Seilverlauf erlaubt, ebenfalls mit nur einem Schnapper ins Seil. So lassen sich viele Exen einsparen! Für Haken, oder immer, wenn ein Fixpunkt verlängert werden muss, verwendet man wie gewohnt Exen oder Bandschlingen. Zum Abbinden von Haken sollte man auch ein paar kurze, dünne Dyneema-Bandschlingen dabeihaben (oder Ähnliches aus Kevlar-Reepschnur).

Klemmkeile, Cams usw.

Ein weites Feld… Hier kurz und knapp zu schreiben, erscheint mir kaum sinnvoll, zumal es bereits viele gute Infos gibt! Einen Beitrag zum Thema Cams gibt’s z. B. hier im Basislager-Blog.

Hammer und Haken

Viele Routen gehen ganz ohne Hammer und Haken oder man braucht sie nur, falls fixes Material ausgebrochen ist. Man kann das Zeug dann auch im Haulbag transportieren und erst bei Bedarf auspacken. Ansonsten trägt man den Hammer am besten in einem Ice-Clipper (Kunststoff-Materialkarabiner) am Klettergurt. Meist reicht ein leichter Kletterhammer. Gut ist beispielsweise das Modell von Climbing Technology (Thunder).

Wird viel gehämmert, ist ein schwerer Bigwall-Hammer empfehlenswert. Das Modell von Edelrid (Hudson) hat das beste Preis-Leistungsverhältnis und funktioniert perfekt. Die beschriebenen Modelle (und andere) werden sinnvollerweise mit elastischen Fangschnüren ausgeliefert. Bei meinen alten Modellen habe ich mit einer stabilen Gummischnur improvisiert. Zum Entfernen von Haken empfiehlt sich dann auch ein „Funkness Device“ – ein Stück Stahlseil mit Ösen, das zwischen Hammer und Haken geclippt wird. Achtung: Die hier eingesetzten Karabiner werden u. U. schwer beschädigt und dürfen nicht mehr zum Sichern verwendet werden!

Seile und Hilfsleinen

Kletterseil („Lead Rope“)

Ich verwende meist ein eher weiches Sportkletterseil mit 9,8 mm Durchmesser. Spezielle Bigwall-Seile haben einen etwas größeren Durchmesser oder sind straffer geflochten. Damit ist ihre Lebensdauer höher und die Gefahr von Mantelschäden reduziert. Für meine Einsätze sind mir aber weichere und leichtere Seile eindeutig lieber – nicht zuletzt, weil sie beim Nachsichern mittels „Plate“ viel besser funktionieren!

Haulseil („Haul Line“)

Am liebsten nehme ich ein ausgemustertes Halb- oder Zwillingsseil. Zumindest bei eher leichten Haulbags hat man damit die meisten Vorteile auf seiner Seite. Für ein ganz leichtes Setup machen „Raplines“ bzw. „Tag Lines“ Sinn. Wer auf solche Leinen setzt, sollte sich zunächst mit deren Eigenheiten beim Abseilen vertraut machen. Schließlich müssen sie bei Bedarf auch als Abseilleinen herhalten.  Mit Blick aufs Haulen muss man weitere Punkte beachten: Je nach Konstruktion kann der Mantel anfällig sein für Verschleiß und kleinere Schäden. Außerdem lassen sich dünne, glatte Leinen schlecht greifen. Es empfiehlt sich, bei Haulseil und Kletterseil die gleiche Länge zu wählen.

„Lower-Out-Line“

Mit einer solchen Reepschnur kann man den Haulbag kontrolliert herauslassen, sofern sich der nächste Standplatz seitlich versetzt befindet. Grundsätzlich geht das auch mit dem Restseil des Haulseils. Aber natürlich nur, wenn man ausreichend Restseil hat. Ob man eine „Lower-Out-Line“ braucht und wie lang sie sein muss, hängt vom Routenverlauf sowie der Länge der Seillängen und des Haulseils ab. Und davon, was man dem Haulbag zumuten will, wenn man ihn unkontrolliert herausschwingen lässt. Es gibt also leider überhaupt keine pauschal sinnvolle Längenempfehlung. Sorry! Beinhaltet eine Route einen langen Quergang, kann man eine zusätzlich mitgeführte „Lower-Out-Line“ auch ans Restseil des Haulseils anstückeln und danach wieder wegpacken. Eine gute Materialstärke ist 6 mm. Damit ist man nicht nur leicht unterwegs, sondern kann mit einer solchen Reepschnur im Falle eines Rückzuges auch solide Abseilstellen einrichten. Für den sporadischen Einsatz bei leichten Lasten geht auch eine 5-mm-Reepschnur.

Rucksäcke und Haulbags

Rucksack

Je nach Begehungsstil und Gelände kann ein Rucksack besser geeignet sein als ein Haulbag. Es ist gut, wenn man auf eine größere Auswahl von Kletterrucksäcken zurückgreifen kann. Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, an welcher der Rucksack angehängt werden kann. Traut man der vorhandenen Trageschlaufe nicht, muss man sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich daran eine kleine Schlinge mit Karabiner. Etwas kräftigere Materialien machen bei einem Rucksack für Bigwalls allemal Sinn. Insbesondere, wenn man sich durch Körperrisse oder Kamine kämpfen muss (dabei den Rucksack am besten abnehmen und mit einer längeren Schlinge an die Anseilschlaufe des Gurts hängen). Bei kleineren Modellen ist es sinnvoll, womöglich vorhandene Rahmen oder sonstige Verstärkungen des Rückenteils zu entnehmen. Dann kann man den Rucksack bei Bedarf besser im Haulbag verstauen. Außerdem unnötigen Schnickschnack entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Haulbag

Für Aktionen mit wenig Gepäck verwende ich den sehr leichten 55-l-Haulbag von Edelrid. Für Tagestouren wäre ein kleinerer zwar besser, allerdings sind die verfügbaren kleineren Modelle meist sogar schwerer als das beschriebene von Edelrid. Für schwerere Lasten ist der 70-l-Haulbag von Black Diamond top. Man kann auch einen robusten Kletterrucksack zum Haulbag umbauen. Ein solches System kann ideal sein für Einsätze, bei denen der Sack viel auf dem Rücken getragen wird und nur ab und zu nachgezogen wird (und dabei weitestgehend frei hängt). Für die Aufhängung zum Haulen braucht der Rucksack mindestens zwei stabile Punkte.

Biwaks und Wasserversorgung

Biwakmaterial

Für sommerliche Touren ist folgendes Setup ideal: Daunenjacke + 2/3-langer Schlafsack oder Daunenjacke + Primaloft-Shorts + leichte Daunensocken + leichter, atmungsaktiver Biwaksack. Dazu eine dünne, gekürzte Schaummatte. An der Matte bringt man eine Aufhängung an, um diese gegen Verlust zu sichern (ein mit Tape verstärktes Loch). Auch gut ist natürlich ein leichter Daunenschlafsack. Vorteil der Variante mit der Daunenjacke: die hält einen auch warm, während man sein Lager auf- und abbaut. Außerdem kann man sie beim Sichern oder Abseilen schnell mal überziehen.

Kocher und Gas

Zum Schneeschmelzen bzw. für warme Mahlzeiten ist ein leichtes Jetboil-Kochsystem gut. Kocher und Topf werden hier mit einem Bajonettverschluss verbunden. Ich habe das Blech am Kocher leicht verformt, damit die Verbindung etwas klemmt und sich nicht mehr ungewollt lösen kann.

Außerdem habe ich am Topf mittels kräftiger Kabelbinder kleine Reepschnur-Schlaufen angebracht. Daran kann man das ganze System anhängen oder sichern. Die passenden Schraubkartuschen gibt es in folgenden Standardgrößen (Nettogewicht): 100 g, 230 g, 450 g.

Empfohlene Gasmengen für eine Zweier-Seilschaft (eigene Erfahrungswerte)

  • Einzelnes Biwak ohne Schneeschmelzen: 100 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks ohne Schneeschmelzen: 100 g – sparsam kochen!
  • Einzelnes Biwak mit Schneeschmelzen: 230 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks mit Schneeschmelzen: 230 g – sparsam kochen oder zusätzliche 100 g mitnehmen.

Wasserflaschen

Bei sommerlichen Bedingungen sind PET-Einwegflaschen gut. Man muss nur darauf achten, dass man welche mit stabilem Schraubdeckel bekommt. Sind sie leer, macht man sie platt und schafft damit Platz im Haulbag/Rucksack. Es ist sinnvoll, kleine Reepschnurschlaufen zum Anhängen anzubringen. Eine 500-ml-Flasche kann man so auch beim Klettern am Gurt transportieren. Trinksysteme sind leider sehr anfällig für Beschädigungen, gammeln schnell und im Trinkschlauch verheddern sich gerne Schlingen. Bei einer schnellen Begehung ohne Haulbag können sie dennoch gut sein. Die Last sitzt dann direkt am Rücken und man kann jederzeit trinken. Zumindest, bis sie kaputt gehen… Ist man mit Kocher unterwegs und kann/muss Schnee schmelzen, macht auch eine Nalgene-Flasche mit großer Öffnung Sinn.

Empfohlene Wassermengen pro Person und Tag (eigene Erfahrungswerte)

Man wird dabei etwas dehydrieren, sollte aber nicht leiden müssen:

  • Tagestour bei kaltem Wetter: 1 l
  • Tagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 1,5 l
  • Tagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 2,5 l
  • Mehrtagestour bei kaltem Wetter: 1,5 l bzw. bei längeren Aktionen 2 l
  • Mehrtagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 2 l bzw. bei längeren Aktionen 2,5 l
  • Mehrtagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 3 l

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

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