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15 Tipps zum Teahouse-Trekking in Nepal

25. Mai 2017

Sportart

Zwei Rucksäcke voll mit Ausrüstung, ein paar Tipps von anderen Bergfreunden und ein Reiseführer – damit sind wir, Christa und Sebastian, nach Nepal gestartet. Nach 18 Tagen Trekking brachten wir zwar einen Handschuh, eine Socke und ein paar Kilo weniger mit zurück. Dafür aber viele Fotos mit Panoramen, schöne Erinnerungen und Geschichten sowie Gebetsflaggen bis zum Abwinken. Außerdem einen ganzen Sack voll Tipps, die das Teahouse-Trekking in Nepal einfacher machen und Euch nicht vorenthalten werden sollen.

Einmal Helambu, Gosaikunda und Langtang…

Teahouse Trekking Nepal

Kurz vor dem Laurebina La Pass

Wir folgen einer fast schon klassischen Route: keine 20 Autominuten nördlich von Kathmandu starten wir ins Helambu gen Norden. Nach dem Laurebina La Pass (4609m) geht es ins Gosaikunda Tal bevor man nach einigen Tagen östlich in das bekannte Langtang-Tal abzweigt. Wir haben uns am Tourenverlauf, wie er u.a. im entsprechenden Trekkingführer von Conrad Stein beschrieben, wird orientiert. Allerdings haben wir teilweise die Tagesetappen anders gewählt. Der erste Tipp, eigentlich ganz profan: lasst bloß keine Hektik aufkommen, plant Puffertage ein und nehmt diese, wenn es für Akklimatisation und Panorama-Sehnsucht nötig ist. Wir haben es nie bereut nach wenigen Stunden am Tagesziel angekommen zu sein, zogen andere Etappen zusammen und wurden von den Zeitplan-Gejagten stets beneidet.

Viele Trekker und vor allem geführte Touren starten im Norden, erwandern zunächst das Langtang-Tal und starten dann in Richtung Süden – quasi entgegengesetzt zu unserer Route. Eigentlich gibt es nur ein Argument dafür: sollte man nicht über den Laurebina La kommen, waren die Bergpanoramen bis dahin deutlich imposanter. Ein gut gemeinter Ratschlag oder eben Tipp 2: nach dem Pass solltet Ihr in Phedi bleiben, denn der weitere Weg nach Ghopte kann insbesondere mit Schnee anstregend werden – trotz kurzer Strecke.

Teahouse Trekking Nepal

Teahouse-Lodge in Phedi oder Laurebina Jak

Egal wie rum: es handelt sich um einen klassischen Teahouse-Trek. Sprich spätestens alle zwei Stunden kommt man an einem kleinen Restaurant mit typischer Speisekarte vorbei. Die Ausnahme bildet die Überquerung des Laurebina La Passes – aber weder in Phedi noch Gopte oder Gosainkund würde man Euch ohne ein Lunchpaket starten lassen. Die meisten Teehäuser werden als Lodges betrieben – man kann also auch übernachten: meist in einfachen Doppelzimmern ohne eigenes Bad dafür mit Schlitzen in der Außenwand und Gucklöchern ins Nachbarzimmer.

…und dann irgendwie zurück

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Blick auf den Ganja La

Unser Plan war es von Kyanjin Gompa aus über den Ganja La zurück in Richtung Kathmandu zu wandern – eine Empfehlung von Kollege Matthias. Das ist eine durchaus alpinistische Unternehmung mit mehreren Tagen im Zelt und eigener Verpflegung – in Kombination mit Höhe, Schnee und Anspruch an Kondition und Technik quasi der Gegenentwurf eines Teahouse-Treks. Für Logistik und Wegführung sollte uns ein Guide begleiten. Tipp 3 in diesem Zusammenhang: Wann immer möglich, sollte man persönlichen Empfehlung für Guides folgen. Denn es gibt unzählige Guides mit unterschiedlichster Qualifikation und nicht jeder wird fair bezahlt oder gut ausgestattet. Zwar bekommt man überall entsprechende Angebote – vor allem in Kathmandus Touristenviertel Thamel ist das aber eher eine Lotterie, ob die Begleiter die Tour kennen oder nicht stärker höhenkrank werden als Du selbst.

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Plan B: Auch im Nebel immer weiter.

Unser Rückweg mauserte sich übrigens zum Beweis für Tipp 4: in Nepal sollte man vor allem eines nicht machen – zu viele Pläne schmieden. Eigentlich braucht man immer einen Plan B und den überlegt man sich im Zweifel spontan. Da fährt mal kein Bus wie geplant, man selbst verträgt keinen weiteren Aufstieg oder das Wetter vereitelt die Tourenplanung. So in unserem Fall: der alpinerfahrene, als ambitioniert bekannte Guide weigerte sich plötzlich uns über den Ganja La zu führen – Unmengen von Schnee machten es zu gefährlich bzw. unmöglich. Eine richtige Entscheidung, denn später erfahren wir, dass der jüngste Überquerungsversuch tödlich endete. Steigeisen, Seil und Co trugen wird damit leider umsonst durch die herrliche Landschaft Nepals.

Wir selbst verließen das Langtang Tal wieder auf dem Weg wie wir hinein gekommen sind, schwenkten kurz auf den Tamang Heritage Trail bis kurz vor die tibetische Grenze bevor wir mit dem Bus zurück nach Kathmandu fuhren.

Are you on your own? No Guide with you?

Nein, wir hatten keinen Guide und schon gar keine Porter dabei und das war so gut, dass wir daraus Tipp 5 machen: wenn möglich, dann geht diese Tour alleine (i.S.v. in kleinen, privaten Gruppen) oder mindestens mit einem persönlichen Guide. Denn wer in organisierten Gruppen trekkt muss sich dem Tempo der Gruppe anpassen und kann nicht selbst spontan und individuell umplanen. Ein persönlicher Guide sollte bereit sein, den Tourenverlauf spontan zu entscheiden und nicht nur fix bei seinen „Lieblingsunterkünften“ einkehren wollen. Übrigens: die meisten ernsthaften Probleme mit der Höhenkrankheit gibt es bei geführten Gruppen: Teilnehmer verheimlichen Symptome um weiter dabei sein zu können – mit ungewissen Folgen.

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Stupas sind i.d.R. gute Orientierungspunkte.

Auf der von uns begangenen Route ist ein Guide nicht nötig – zumindest wenn man bereits etwas Erfahrung wie z.B. Hüttentouren in den Alpen, mitbringt. Vor allem nach den ersten beiden Tagen ist die Wegfindung einfach (meist gibt es nur einen) und der technische Anspruch gering. Wer sich unsicher ist, sollte nach Möglichkeit mit Leuten sprechen, deren alpinistischen Level man einschätzen kann. Denn immer wieder hörten wir, dass die nächste Etappe unglaublich schwer und quasi nicht zu machen ist….und mussten dann feststellen, dass eine Runde im Lechtal deutlich höhere Ansprüche stellt. Selbst auf den Pässen waren keine Kraxel- oder Kletterstellen dabei, die Wege ähneln dem was man in den Alpen findet und nur Schnee kann die Herausforderungen steigern.

Wege finden und die Sache mit dem „Nepali-Flat“

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Orientierungsversuche

Überraschung vermeidet aber wer Tipp 6 berücksichtigt: das Kartenmaterial ist durchwachsen und sollte möglichst aktuell in Nepal gekauft werden. Dennoch ist Vorsicht geboten: vor allem Höhenlinien waren in unserem Fall meist eine Schätzung und nicht immer zur Orientierung geeignet. Dazu kommt das was als „nepali flat“ (etwa nepalisch flach) bezeichnet wird: die Wege überwinden unzählige kleine Auf- und Abstiege von bis zu 100hm, die sich im Laufe des Tages auf ansehnliche Summen addieren.

Gute Einschätzung können einem hier meist die Menschen auf und um den Trek geben. Mit diesen zu sprechen ist Tipp 7 – und zwar mit allen: Guides anderer Gruppen, Trekkern, Locals am Wegesrand und Gastgebern. Das ergibt nicht zur zahlreiche Bekanntschaften und nette Begegnungen – sie helfen gerne weiter und geben Einschätzungen zu Wegen, aktuellen Bedingungen und weitere Tipps. Mit

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Helfen auch gerne weiter: Waldarbeiter.

Englisch kommt man in der Regel gut durch, ansonsten helfen Hände und Füße. Mit Landkarten hingegen können die Einheimischen jedoch oft gar nichts anfangen. Als kleiner Extratipp (quasi Nr 7b) solltet ihr wissen, dass man am besten fragt wo man denn hinkommt, wenn man einem Weg folgt statt zu fragen, wo es denn nach „Ortsname XY“ geht . Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die Namen total falsch und unverständlich ausspricht sehr hoch. Zum anderen vermeidet man so, dass einfach „Yes“ gesagt wird – weil der Nepali freundlich sein und auch bei mangelnder Kompetenz weiterhelfen möchte.

(Don’t) kiss the culture

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein – Beobachtungen haben aber gezeigt, dass es dann doch irgendwie nicht so ist und deswegen Tipp 8 werden muss: setzt Euch vorab ein wenig mit der Kultur und den lokalen Gepflogenheiten auseinander. Zwar ist Nepal für ein südasiatisches Land ziemlich modern und Touristen in den entsprechenden Regionen alltäglich, dennoch: Händchenhalten und gar wilde Knutschereien auf der Straße irritieren die Einheimischen. Und während man mit viel Inbrunst alles was die Nase hergibt „hochzieht“ finden es die Locals ziemlich ekelig wenn jemand seine Nase mit dem Taschentuch putzt.

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Schimbudu – Es war lecker!

Ein echter Dooropener ist Tipp Nummer 9: lernt ein paar Worte in der Muttersprache Eurer Gastgeber. In vielen Regionen ist das nicht nur Nepali sondern auch Tibetisch oder verwandte Dialekte. Bei einer lustigen Runde um das Feuer brachte uns eine Lodgebetreiberin einige Fetzen bei und wir haben sie angewendet wann immer möglich. Und eines ist sicher: wer auf Tibetisch das Essen loben kann („Schimbudu“), dem öffnen sich Herzen und Türen.

Tipps für den perfekten Rucksack

Wer nach Packlisten für Nepaltrecks sucht der findet im Internet eine wahre Fülle an Tipps und Listen. Deswegen ersparen wir Euch hier eine klassische Packliste, möchten aber auf einige Punkte hinweisen, die das Leben und vor allem den Rucksack leichter machen.

Tipp 10: Steripen (und frische Unterhosen)

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Wasserfilter in Aktion!

In Kathmandu ist die Wasserqualität schon fast legendär schlecht und man sollte nicht mal die Zähne mit Leitungswasser putzen. In den ländlichen Regionen ist es mindestens von fraglicher Qualität, weil man den Bachlauf nicht einsieht oder nicht weiß wie lange das Wasser schon im Tank gelagert war. Auf Trinkwasser in Flaschen auszuweichen ist zum einen kostspielig – je nach Höhe zahlt man bis zu 3€ für eine mühsam herbeigeschleppte Literflasche. Zum anderen wird man so zum Mitverursacher eines großen Müllproblems, denn die leeren Flaschen landen einfach in der Natur.

Mit einem Steripen ausgestattet ist man flexibel und kann das meist weitgehend klares Wasser sicher aufbereiten. Da man i.d.R. ständig an Wasserquellen vorbei kommt spart man außerdem Gewicht, weil man in Sekundenschnelle trinkbares Wasser aufbereitet und so nicht vorab bunkern sowie schleppen muss. Für den Fall, dass der Steripen mal den Dienst verweigern sollte, haben wir immer noch ein paar Micropur-Tabletten dabei, diese aber noch nie einsetzen müssen.

Eine kleine Anekdote zum Schmunzeln: auf den Tamang Heritage Trail fanden wir in einer Lodge nur dreckig-braunes Wasser vor. Meine letzte frische Boxershort erwies sich als besserer Schmutzfilter als alles was der Hausherr bereitstellen konnte. In diesem Sinne: immer eine frische Buxe in Reserve haben…lustiger ist es aber, wenn man den Trekkingkollegen nicht mitteilt, dass sie tatsächlich noch unbenutzt ist.

Tipp 11: Ein guter Medipack mit eigenen Kanülen

Was in einen Trekking-Medipack gehört ist eigentlich klar bzw. einfach recherchierbar. In Nepal sollten Kohletabletten und Mittel gegen einen durchdrehenden Magen-Darm-Trakt natürlich fester Bestandteil sein. Eine Sammlung an eigenen Kanülen und Spritzen ist ratsam, da die Krankenstationen und –wägen mehrheitlich vor allem mit leeren Regalen oder im besten Fall mit zweifelhaft sterilisierten Gerät aufwarten können. Da es sich mit Mediakamenten ähnlich verhält, schadet es auch nicht selbst den ein oder anderen pharmazeutischen Hammer für den Notfall in petto zu haben.

Ach so: mit etwas Vorwissen, vernünftigen Aufstiegen und Bedacht auf Tour, ist die Höhenkrankheit keine wirkliche Gefahr auf dieser Tour. Auch wenn man Gruppen sieht, die Diamox und Co munter zur Prophylaxe futtern: wenn überhaupt, dann sind die Pillen ganz unten im Medipack nötig.

Tipp 12: Wäscheleine und Seife

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Strippe quer durch den Raum.

Wer waschen kann, muss weniger mit sich umhertragen, weil man Wechselkleidung einspart. In quasi allen Lodges gibt es die Möglichkeit irgendwo das Merinoshirt oder die Trekkinghose durchzuwaschen. Wer der Natur nicht schaden möchte, greift dabei auf eine entsprechende Seife zurück – auch an Lodges wird genutztes Wasser ungefiltert einfach irgendwo hingeleitet.

Um nasse Klamotten wieder zu trocknen empfiehlt es sich eine nicht zu kurze Wäscheleine mit zu bringen. Denn die Leinen rund um die Öfen sind meist gut bestückt und so kann man mit etwas Kreativität die Eigene im Zimmer montieren. Ich selbst nehme hierfür eine dünne Reepschnur, da diese auch sonst gute Dienste leisten kann – z.B. als behelfsmäßiger Schnürsenkel oder um etwas am Rucksack zu verzurren.

Tipp 13: Keine Sachen zum Kochen

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Blick in eine typische Teahouse-Küche.

Es ist eigentlich unmöglich auf den üblichen Teahouse-Trails zu verhungern. Regelmäßig kommt man an einer Hütte vorbei, die sich freut eines der typischen Mahlzeiten für wenig Geld zuzubereiten (eine Packung Travellunch ist in jedem Fall teurer). Vor Abschnitten ohne engmaschige Verpflegungsstationen warnen einen die geschäftstüchtigen Gastgeber natürlich und packen gerne ein Vesperpaket. Wer also seinen Kocher, Töpfe und Nahrungsmittel selbst mitbringt, ist selbst schuld. Ausnahme waren für uns ein paar gute Riegel – auf der Tour kann man i.d.R. nur recht teure Snickers bekommen.

Tipp 14: Es leben die Schichten…

Es ist absolut nichts Neues aber in Nepal entfaltet es sein ganzes Potential: das Zwiebelprizip. Sobald die Sonne raus kommt ist es angenehm warm, nach Sonnenuntergang wird es schnell frisch und später richtig kalt. Dazu kommt, dass man verschiedenste Höhenlagen mit entsprechenden Temperaturen antrifft. Richtig flexibel ist, wer z.B. statt einer dicken Daunenjacke zwei dünnere mitbringt, die übereinander gezogen werden können.

Tipp 15: Ein guter Schlafsack

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Ein warmer Schlafsack lohnt sich!

Je nach Umfang der Schlitze in der Bretterwand kann es auch in den Zimmern nachts noch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt geben. Eisblumen auf der Scheibe lassen sich viel genussvoller ansehen, wenn man selbst im warmen Schlafsack liegt. Um nicht auf Stapel von – sagen wir mal – ‚erfahrene‘ Decken zurückgreifen zu müssen, sollte ein passender (Daunen-)Schlafsack dabei sein. Wir selbst testeten auf der Tour die neuen Kryos  von Mountain Equipment und werden separat von unseren (positiven) Erfahrungen berichten.

Der wichtigste Tipp: besucht Nepal!

Der wichtigste Tipp zum Abschluss: packt Nepal ganz fix auf Eure Shortlist für Trekkingtouren. Es ist absolut lohnend: freundliche Gastgeber, atemberaubende Panoramen, tolle Begegnungen und Trekking mit viel Komfort und Genuss. Das ganze übrigens auch heute – zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben ist die Infrastruktur wieder gut hergestellt und die Touristen eine wichtige Einnahmequelle. Mehr dazu bald in einem separaten Beitrag…

Kommentare zu diesem Artikel

  1. sunni sagte am 11. August 2017 um 12:35 Uhr

    Prima Tipps… Zum Klamotten waschen eine Frage: Wird das Zeug über Nacht (Merino-Shirts…) auch noch trocken, wenn in größerer Höhe befindet? Danke.

  2. Jörn sagte am 14. August 2017 um 13:11 Uhr

    Hi Sunni,

    in der Regel schon. Das kommt aber natürlich auch auf die äußeren Begebenheiten, die Dicke und die genaue Zusammensetzung des Kleidungsstücks an. Ein dünnes Merinoshirt, das nicht klatschnass in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit aufgehangen wird, dürfte wohl recht schnell trocknen. Bei einer dickeren Fleecejacke kann das natürlich länger dauern. Letztlich kommt es auch auf die Temperaturen an. Wenns kalt ist, dauert der Trocknungsprozess in aller Regel auch länger als bei warmen Bedingungen. Pauschale Aussagen sind hier leider schwierig.

    Viele Grüße,

    Jörn

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