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24. Februar 2012

Das Einmaleins der Kletterseilangaben

Detailangaben erklärt

Detailangaben erklärt

Worauf sollte man bei Kauf eines neuen Kletterseils achten? Was sagen mir die Produktangaben? Vorab solltest Du Dir das Einsatzgebiet für Dein Seil überlegen. Willst Du es als reines Hallenkletterseil verwenden oder doch lieber zum Klettern im Klettergarten; steht eine Hochtour an oder eine alpine Kletterei?

Der Markt bietet hier für jedes Einsatzgebiet das richtige Seil. Aber auf welche Angaben muss ich achten, um für mich das richtige Seil rauszusuchen?

Kletterseilangaben – Einmaleins

Der Normsturz

Sturzprüfanlage Kletterseile Quelle: Mammut

Sturzprüfanlage Kletterseile Quelle: Mammut

Der Normsturz ist ein Extremtest für Kletterseile, bei dem Kräfte auftreten, die in der Praxis normalerweise nicht vorkommen. Bei Einfachseilen wird ein Gewicht von 80 kg aus 4,80 m Höhe (ohne Seildehnung) fallen gelassen, das vom Seil mit einem maximalen Fangstoß von 12 kN abgebremst werden muss. Das besondere am Normsturz ist, dass das Seilende fest an der Testanalage fixiert ist. Jedes Einfachseil muss nach EN-Norm mindestens fünf Normstürze aushalten. In der Praxis ist das Seil nicht fixiert, da es an einem Sicherungsgerät festgemacht ist, welches von sich aus einen gewissen Durchlauf hat und so den Fangstoß bereits reduziert. Zudem nimmt der sichernde noch einen großen Teil der Sturzenergie auf, indem er Seil “einfüttert”  und/oder dem Seilzug aktiv nachgibt.

Die Seilprüfung mit dem Normsturz wurde sehr hart ausgelegt, um viel Sicherheitsreserve zu haben. So lassen sich in der Praxis wesentlich mehr Stürze mit einem Kletterseil absolvieren, als die Normsturzzahl vermuten lässt. Zeigen sich jedoch Ermüdungserscheinung wie z.B. Mantelriss oder starke Mantelverschiebung (siehe unten) ist das Seil umgehen auszutauschen.

Fangstoß

Fangstoß Kletterseile. Quelle: Mammut

Fangstoß Kletterseile. Quelle: Mammut

Der Fangstoß ist eine Maßeinheit für die Härte eines Sturzes. Je höher der Fangstoß eines Seiles ist, umso härter ist der Ruck, den ein stürzender Kletterer zu spüren bekommt, wenn der Sturz vom Seil abgebremst wird. Bei Normprüfungen darf der Fangstoß bei Einfachseilen nicht über 1200daN / 1200kg / 12kN liegen. Der Fangstoß wird beim statischen Normsturz gemessen. Das heißt, dass das Seil beim Test fixiert wird. In der Praxis wird der Sturz allerdings meist dynamisch abgebremst, da die Sicherung mit z. B. Tube oder HMS einen gewissen Durchlauf hat; zudem gibt der Sichernde im Falle eines Sturzes ebenfalls nach (wird an die Wand gezogen), was ebenfalls den Fangstoß verringert.

Seildehnung

Die Seildehnung wird in Gebrauchsdehnung (statische Seildehnung) und Fangstoßdehnung (dynamische Seildehnung) unterschieden.

-          Statische Seildehnung: Gibt bei statischer Belastung die Elastizität des Seils an. Die Dehnung des Seils darf bei Einfachseilen 10% nicht überschreiten. Die Gebrauchsdehnung bekommt man vor allem beim Toprope Klettern zu spüren, wenn der Kletterer pausieren will. Kaum hat man die Schlüsselstelle gepackt und will mit dicken Unterarmen kurz pausieren, hängt man wieder unterhalb der Crux. Auch beim Lastennachziehen, wie beim Big Wall Klettern ist die Gebrauchsdehnung eher lästig. Aus dem Grund greift man hierbei zu Statikseilen.

-          Dynamische Seildehnung: Beschreibt die Dehnung des Seils bei einem Normsturz und hilft Fallenergie aufzunehmen. Je größer die Seildehnung umso geringer wird der Fangstoß.  Die Dehnung des Seils darf hierbei nach EN-Norm 40% nicht überschreiten. Je größer die Fangstoßdehnung, desto höher ist auch die Gefahr bei einem Sturz auf Felsvorsprünge/ -bänder oder gar auf den Boden zu fallen. Allerdings wird der Sturz auch weicher.

Kernmantelseil Quelle: Mammut

Kernmantelseil Quelle: Mammut

Mantelanteil und Mantelverschiebung

Ein Kletterseil (Kernmantelseil) besteht aus einem Kern, welcher die eigentliche Belastung trägt und dem Mantel, der den Kern schützt. Für den Gebrauch z. B. in der Kletterhalle empfiehlt sich ein Seil mit einem höheren Mantelanteil. Als Daumenregel kann man sagen, dass je höher der Mantelanteil des Seils ist, umso robuster und langlebiger ist es auch. Der Nachteil liegt hierbei im höheren Gewicht des Seils.

Bei starkem Gebrauch kann es zu sogenannter Mantelverschiebung kommen. Hierbei verschieben sich Mantel und Kern, was zu Verdickungen und Krangelbildung führt. Laut UIAA-Norm darf die Mantelverschiebung max. 20 mm betragen. Je geringer die Mantelverschiebung laut Hersteller ist, umso besser ist es.

Imprägnierung

Vor allem im alpinen Bereich, zum Eisklettern aber auch um ganz normal draußen zu Klettern, empfiehlt es sich ein imprägniertes Seil zu kaufen. Vorteil der Imprägnierung ist, dass das Seil weniger Feuchtigkeit und Schmutz aufnimmt, geschmeidiger in der Handhabung, abriebfester und somit langlebiger ist. Vor allem Schmutz setzt dem Seil zu, da sich dieser im Seil anlagert und so den Verschleiß erhöht. Bei Nässe wird das Seil schwerer; gefriert dies noch, wird die Handhabung deutlich erschwert und die dynamische Leistung des Seils sinkt ebenfalls, was die Sicherheitsreserve deutlich mindert. Es gibt sowohl Mantel- als auch Kernimprägnierungen.

Seillänge

Auch hier kommt es darauf an, was Ihr mit dem Seil vor habt. Als Daumenregel gilt: für das Klettern in der Kletterhalle reicht meist ein 40 m Seil – allerdings immer die Hallenordnung beachten, da dort mitunter mind. 50 Meter gefordert werden. Für die meisten deutschen Klettergebiete ist ein 60 m Seil ausreichend. Ein 70 m oder 80 m Kletterseil wird in Klettergebieten mit langen Routen wie beispielsweise Siurana in Spanien benötigt.

Seildurchmesser

Ein Kletterseil mit einem Durchmesser von 11 mm ist im Regelfall sehr robust, birgt allerdings Probleme bei vielen Sicherungsgeräten, da das Seil für diese zu dick ist. Ein dünnes Kletterseil bedeutet in der Regel weniger Gewicht und besseres Handling. Ist es allerdings zu dünn, ist die Bremswirkung mit manchen Sicherungsgeräte nicht mehr gewährleistet. Um das richtige Kletterseil bzw. das richtige Sicherungsgerät auszuwählen, musst man vorab immer die Herstellerangaben beachten!

Seiltyp

Neben dem Einfachseil gibt es noch Halb- und Zwillingsseile. Diese Seile werden im Doppelstrang verwendet und finden hauptsächlich Einsatz im alpinen Bereich. Vorteil dieser Seile ist, dass man beim Abseilen über die gesamte Seillänge abseilen kann. Mit Halbseilen kann man zudem zwei Kletterer gleichzeitig im Nachstieg sichern und bei schlechtem Seilverlauf (Zickzack) können die Seile einzel, abwechselnd in die Sicherungen eingehängt werden. Mit Zwillingsseilen ist dies nicht möglich; jedoch sind diese nochmals etwas leichter als Halbseile.

Einfachseil - Zwillingsseil - Halbseil

Einfachseil - Zwillingsseil - Halbseil

Pflegehinweise für Kletterseile

No-Go`s fürs Kletterseil

  • Kontakt mit Säuren und Chemikalien (z. B. Urin, Batteriesäure)
  • Mechanische Verletzungen (z. B. Steigeisen, Messer, Steinschlag)
  • Schmelzverbrennung (z. B. zwei Seile reiben aufeinander)
  • UV-Strahlung
  • Starker Abrieb (z. B. scharfe Felskante, Glassplitter, scharfe Kante an Karabinern)
  • Feuer

Seilreinigung:

Vor dem Reinigen unbedingt die Herstellerhinweise beachten!

Kletterseile am besten von Hand mit lauwarmem Wasser und einem speziellen Seilreiniger in der Badewanne waschen. Beim Waschen in der Waschmaschine sollte das Seil in einen Wäschesack gesteckt werden; nicht schleudern! Beim imprägnierten Seilen leidet die Imprägnierung unter dem Waschvorgang. Das Seil sollte zum Trocknen offen ausgelegt werden.

Seilaufbewahrung:

Das Kletterseil sollte an einem dunklen, trockenen und kühlen Ort gelagert werden. Zum Schutz vor Schmutz und Feuchtigkeit sowie für den Transport empfiehlt sich ein Seilsack.

Kontakt
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